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Professor Fledermaus

The Curse Of The Heirs - Every Darkness Has An Origin — www.fanfiktion.de · All chapters

Professor Fledermaus

Hallo, alle zusammen :) Wow, schon drei Sterne. Vielen Dank dafür *-* Heute geht es wieder weiter und ich hoffe, das neue Kapitel gefällt euch. Immerhin haben unsere Freundinnen heute eine besondere Begegnung. Oder vielleicht sogar zwei ;) Viel Spaß beim Weiterlesen.

Liebe Grüße,

eure Melody

~~~ 9

Professor Fledermaus

Die Erinnerung an Tom verblasste so schnell, wie sie gekommen war und ich beschleunigte mein Tempo noch zusätzlich. Ich wollte nur noch weg. Weg von Moody und seinen unverzeihlichen Flüchen, die grausame Erinnerungen in mir weckten und welche er ohne Skrupel vor Viertklässlern demonstriert hatte. Mir war zwar bewusst, er war durch seine Arbeit als Auror leicht um seinen Verstand gebracht worden, aber so etwas hätte ich ihm dann doch nicht zugetraut.

Und wieder schürte es das Misstrauen in mir, weil ich instinktiv fühlte, irgendwas stimmte an der ganzen Sache nicht.

Mit zügigen Schritten eilte ich durch die Korridore von Hogwarts, hielt meine Bücher dabei fest an meinen Oberkörper gepresst und versuchte krampfhaft, die furchtbaren Bilder der Vergangenheit auszublenden, welche mich in diesem Moment einholten. Alles spielte sich vor meinem inneren Auge wieder ab.

Die Wandlung meines heimtückischen Bruders zu diesem Monster, das sich Lord Voldemort nannte. Unser Streit, wo ich ihm meine Loyalität verweigerte und zu guter Letzt mein Todesschrei, der so einschneidend war, dass ich die Realität fast gänzlich ausblendete. Und genau das wurde mir zum Verhängnis.

Denn als ich um die nächstliegende Kurve bog, stieß ich frontal mit jemandem zusammen und verlor dabei meine Bücher, fast aber auch das Gleichgewicht. Jedoch packte mich mein Gegenüber am rechten Arm und bewahrte mich somit vor dem sicheren Fall. Verdutzt sah ich auf, brauchte einen kurzen Moment, um mich zu sammeln und wurde dann kreidebleich. Vor mir stand Professor Snape – mein Hauslehrer und hob prüfend eine Augenbraue, wobei er mich ausdruckslos musterte.

Ich brachte kein Wort hervor und Snape schwang auf einmal seinen Zauberstab, wodurch meine Bücher ihren Weg vom Boden zurück in meine Hände fanden. Wie hypnotisiert fing ich sie auf und starrte auf Professor Snape, der noch einen Blick auf mich warf und seine Arme dann unter seinem schwarzen Umhang verbarg. >>Miss Stonefield. Unser…Neuzugang<<, sagte er, aber es klang wie eine Mischung aus Abfälligkeit und simpler Feststellung.

Ich fand langsam zu meiner Fassung zurück und musterte ihn nun ebenfalls prüfend. >>Professor Snape. Hauslehrer von Slytherin und Lehrer für Zaubertränke<<, gab ich zurück, was ihn dann doch etwas aus der Reserve zu locken schien.

>>Ihnen entgeht wahrlich nichts, Stonefield. Sind Sie etwa spät dran oder weshalb hetzen Sie über die Korridore wie ein aufgescheuchtes Huhn?<<

Seine dunklen Augen funkelten etwas belustigt, doch ich verkniff mir einen frechen Kommentar. Immerhin war er Professor hier und mit denen sollte ich es mir besser nicht verscherzen, auch wenn Snape irgendwie was Interessantes an sich hatte. Er wirkte durch seine düstere Erscheinung ungemein einschüchternd, aber auch geheimnisvoll und ich fragte mich, was für eine Geschichte wohl hinter dieser Fassade steckte.

Bevor ich ihm jedoch eine Antwort auf seine Bemerkung geben konnte, tauchte Ruby auf einmal neben mir auf. Sichtlich außer Atem, das Gesicht vom hohen Tempo leicht gerötet und sie legte mir eine Hand auf die Schulter, um wegen der Atemnot nicht noch den kalten Steinboden zu küssen. >>Bei Merlin<<, keuchte Ruby. >>Du bist ja gerannt, als wäre der Teufel persönlich hinter dir her. Moody hat dich meisterhaft in die Flucht geschlagen<<, sagte sie und Snape bedachte meine beste Freundin mit kritischer Miene.

>>Miss Chadwick, unser anderer Spezialfall.<<

Ruby hob den Kopf. >>Oh, Professor Fledermaus. Ich ähm, meine natürlich Snape. Verzeihung.<<

Sie versuchte sich noch mit einem halbherzigen Lächeln zu retten, doch der Blick unseres Lehrers sprach Bände. Sicher würde er Ruby am liebsten einen Fluch auf den Hals hetzen, aber dafür müsste er erst an mir vorbei. Zum Glück schenkte Snape meiner besten Freundin auch keine weitere Aufmerksamkeit, sondern richtete seinen Fokus stattdessen wieder auf mich. >>So, Professor Moody ist demnach der Grund für Ihr Eiltempo. Dürfte ich erfahren, was mein Kollege verbrochen hat, dass Sie derartig die Flucht vor ihm ergreifen?<<, hakte Snape nach und ich wandte den Blick etwas ab, ehe ich halbherzig antwortete.

>>Er hielt es für eine gute Idee, die unverzeihlichen Flüche vor uns zu demonstrieren. Es war nicht gerade…angenehm.<<

Ruby schnaubte. >>Untertreibung des Jahrhunderts, Luce. Wenn ich es geahnt hätte, dann…<<

Ein Blick von mir reichte aus, um sie zum Schweigen zu bringen und Ruby schluckte die letzten Worte herunter. Snape entging dies natürlich nicht, weshalb ich betete, er würde keine Fragen stellen. Ich vermied jeden weiteren Augenkontakt, spürte aber seine Blicke auf mir und hatte das Gefühl, er würde glatt in mich hineinsehen. Mein Körper stand unter höchster Anspannung, wobei mein Puls raste und ich bekam eine Gänsehaut.

Snape entschied sich aber dazu, es hinzunehmen und nicht näher zu vertiefen. >>Klingt überaus ereignisreich<<, raunte er uns nur zu und machte dann auf dem Absatz kehrt, um mit wehendem Umhang davon zu rauschen.

Ich starrte noch einen Moment in die Richtung, in der Professor Snape verschwunden war.

>>Professor Fledermaus<<, murmelte Ruby grinsend und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ich hob eine Augenbraue. >>Professor... was?<<

>>Fledermaus. Hast du seinen Umhang gesehen? Wenn der Mann um die Ecke biegt, erwartet man jeden Moment, dass er kopfüber von der Decke hängt.<<

Trotz allem musste ich gegen meinen Willen schmunzeln. >>Das solltest du ihm besser nicht nochmal ins Gesicht sagen.<<

>>Warum nicht? Er wirkt, als würde er Humor lieben.<<

Ich warf ihr einen trockenen Blick zu. >>Ruby, der Mann sieht aus, als hätte Humor ihn irgendwann beleidigt und seitdem Hausverbot.<<

Sie lachte leise, ehe sie kaum merklich den Kopf schüttelte und seufzte. >>Der macht seiner Erscheinung wirklich alle Ehre. Wer ist wohl schauriger: Moody oder Snape?<<

>>Moody, eindeutig<<, erwiderte ich ohne zu zögern und Ruby betrachtete mich sorgenvoll.

>>Geht’s dir gut? Ich meine, wegen vorhin. Der Todesfluch…muss doch sicher etwas in dir ausgelöst haben<<, beendete Ruby ihren Satz schließlich vorsichtig.

Ich senkte den Blick auf die Bücher in meinen Armen. >>Schon möglich.<<

Eine glatte Lüge. Natürlich hatte der Todesfluch etwas in mir ausgelöst. Er hatte mich direkt zurück in jene Nacht geschleudert, die mein Leben beendet und gleichzeitig zu meinem Fluch gemacht hatte. Ich konnte noch immer das kalte Lächeln meines Bruders sehen. Die grünen Blitze. Die Schmerzen. Erfüllt vom Echo meines Todesschreis, verblasste die Erinnerung und ich hatte Mühe, nicht aus Erschütterung zusammenzubrechen.

Ruby kannte mich gut genug, um zu merken, dass ich ihr nicht die Wahrheit sagte. Doch sie drängte nicht weiter nach. Dafür war ich ihr dankbar. >>Luce.<<

>>Bitte nicht.<< Mehr musste ich nicht sagen.

Ihre Miene wurde weicher. >>In Ordnung. Aber du weißt, dass du nicht allein bist.<<

Ein schwaches Lächeln huschte über mein Gesicht. >>Das weiß ich. Deshalb stehe ich überhaupt noch hier.<<

Ruby schien mit der Antwort zufrieden zu sein, auch wenn sie sich vermutlich mehr gewünscht hätte. Sie wusste, dass manche Wunden selbst nach fünfzig Jahren nicht verheilt waren.

Eine Weile gingen wir schweigend nebeneinander durch die Korridore. Doch meine Gedanken kreisten längst nicht mehr um Moody. Sondern um Severus Snape. Allein dieser Gedanke war unerquicklich. Ich kannte den Mann kaum. Eigentlich überhaupt nicht. Dennoch hatte die kurze Begegnung etwas Seltsames in mir ausgelöst. Nicht unangenehm, aber irritierend. Vielleicht lag es an seinem Blick.

Professor Snape hatte mich angesehen, als würde er mehr wahrnehmen als andere Menschen. Als würde ihm nichts entgehen. Das gefiel mir ganz und gar nicht. Menschen, die zu viel bemerkten, waren gefährlich. Vor allem für jemanden wie mich.

>>Du denkst an ihn.<<

Ich blieb abrupt stehen.

Ruby grinste. >>Oh, bei Merlin. Du denkst tatsächlich an ihn.<<

>>Unsinn.<<

>>Natürlich. Deshalb bist du auch gerade fast gegen eine Rüstung gelaufen.<<

Erst jetzt bemerkte ich, dass ich tatsächlich direkt vor einer Ritterrüstung stehen geblieben war. Ich funkelte Ruby an. Sie lachte. >>Das wird ja immer besser. Der finstere Hauslehrer von Slytherin hat ganze drei Minuten mit dir gesprochen und schon bringst du die Korridore von Hogwarts nicht mehr unfallfrei hinter dich.<<

>>Ich denke nicht an Snape<<, zischte ich, doch sie glaubte mir kein Wort.

>>Natürlich nicht. Und ich bin die Königin von England.<<

>>Ruby.<<

Meine beste Freundin grinste verschlagen. >>Was denn? Ich stelle nur fest, dass du normalerweise nichts und niemanden interessant findest. Außer Zaubertränke, Bücher und gelegentliche Mordfantasien gegenüber deinem Bruder.<<

>>Das stimmt überhaupt nicht.<<

>>Doch.<<

Leider hatte sie damit vermutlich sogar recht. Ich verdrehte die Augen und setzte meinen Weg fort. >>Professor Snape ist einfach...ungewöhnlich.<<

Ruby hob triumphierend die Arme. >>Ha! Da haben wir es. Ungewöhnlich<<

>>Das habe ich nicht so gemeint.<<

>>Natürlich nicht.<< Sie grinste noch breiter.

Manchmal fragte ich mich ernsthaft, weshalb ich diese Frau seit über fünfzig Jahren ertrug. Wahrscheinlich, weil sie die einzige Person war, die mich nie aufgegeben hatte. Der Gedanke ließ meine Gereiztheit sofort verblassen. Ruby bemerkte die Veränderung in meinem Gesicht und wurde augenblicklich ernster. >>Weißt du, was mir Sorgen macht?<<

>>Dass Snape irgendwann merkt, wie oft du ihn Professor Fledermaus nennst?<<, meinte ich vielsagend, doch winkte Ruby gelassen ab.

>>Das auch.<< Sie schob sich eine Haarsträhne hinter das Ohr. >>Aber eigentlich meine ich Moody. Sein Unterricht heute war völlig überzogen. Selbst für einen Auror.<<

Ich nickte langsam. Endlich ein Thema, bei dem wir einer Meinung waren. >>Da stimmt etwas nicht<<, sagte ich entschlossen, was Ruby hellhörig werden ließ.

>>Du glaubst es also auch?<<

>>Ja.<<

Moody hatte sich nicht wie ein Lehrer verhalten. Nicht wie jemand, der Kindern etwas beibringen wollte. Sondern wie jemand, der etwas demonstrieren wollte. Etwas testen wollte. Und mein Instinkt hatte mich selten getäuscht.

Ruby verschränkte die Arme. >>Snape schien unsere Geschichte übrigens ebenfalls nicht ganz zu glauben<<, bemerkte sie scharfsinnig, was ich nicht widerlegen konnte.

>>Das ist mir aufgefallen.<<

Ein ungutes Gefühl breitete sich in mir aus. Professor Snape hatte keine einzige überflüssige Frage gestellt. Genau das machte die Sache problematisch. Menschen, die laut wurden, waren berechenbar. Menschen, die schwiegen, beobachteten. Und Severus Snape beobachtete. Überaus genau. Und das sehr zu meinem Leidwesen.

Aber Moody dürfte das weitaus größere Problem sein. So viel stand schon einmal fest. Und ich dachte darüber nach, wie man seine Methoden am besten hinterfragen könnte. >>Was machen wir jetzt?<<

Ruby seufzte. >>Genau darüber denke ich seit fünf Minuten nach.<<

Wir lehnten uns gegen eine der kalten Steinmauern des Korridors. Um uns herum strömten die letzten Schüler vorbei, bis es allmählich ruhiger wurde.

>>Wir können Moody unmöglich offen beschuldigen<<, sagte Ruby schließlich.

>>Das weiß ich.<<

>>Und Dumbledore wird sich kaum gegen einen Auroren stellen, der als Held gefeiert wird.<<

Brummend nickte ich. >>Ich weiß.<<

>>Dann hör auf, so zu gucken.<<

>>Wie gucke ich denn?<<

>>Als würdest du bereits überlegen, wie man jemanden unauffällig in einen Kessel mit Schrumpflösung wirft.<<

Ich überlegte kurz. >>Das wäre tatsächlich eine Möglichkeit.<<

Ruby stöhnte. >>Lucinda.<<

>>War nur ein Gedanke.<<

>>Genau das macht mir Sorgen.<<

Ich verschränkte die Arme. >>Seine Methoden sind falsch.<<

>>Da stimme ich dir zu.<<

>>Er wollte den Schülern Angst einjagen.<<

>>Ja.<<

>>Und genau deshalb vertraue ich ihm nicht.<<

Ruby schwieg einen Moment. >>Vielleicht beobachtest du ihn einfach.<<

>>Das tue ich bereits.<<

>>Ohne ihn zu provozieren<<, legte sie nach.

Ich verzog den Mund. >>Du verlangst wirklich Unmögliches.<<

>>Ich verlange nur, dass du dieses Schuljahr nicht schon in der ersten Woche von Hogwarts fliegst.<<

>>Das klingt deutlich realistischer.<<

>>Findest du?<<

>>Nein.<<

Ruby lachte erneut.

Gerade wollte ich etwas erwidern, als sie plötzlich leicht die Augen verdrehte. >>Oh nein...<<

>>Was?<<

Sie nickte unauffällig den Korridor hinunter. >>Erinnerst du dich an den Slytherin von heute Morgen?<<

Ich folgte ihrem Blick. Sofort erkannte ich ihn wieder. Der eingebildete Junge, der vor Moodys Unterricht von einer ganzen Schar kichernder Mädchen umringt gewesen war und sich sichtlich darin gesonnt hatte, kam mit selbstbewusstem Schritt direkt auf uns zu.

>>Ach der<<, meinte ich und Ruby seufzte.

>>Genau der.<<

>>Wie hieß er noch?<<

>>Castor Thornbloom.<<

Ich betrachtete ihn einen Moment. >>Der Name passt.<< Ruby sah mich fragend an. >>Klingt genauso selbstverliebt wie sein Besitzer.<<

>>Du bist heute wirklich gnadenlos.<<

>>Ich bin nur ehrlich.<<

Wenige Sekunden später blieb Castor vor uns stehen. Sein dunkelblondes Haar saß makellos, der Umhang schien keine einzige Falte zu kennen und auf seinen Lippen lag ein Lächeln, das vermutlich schon unzählige Schülerinnen um den Verstand gebracht hatte. >>Na, na...zwei hübsche Damen ganz allein auf dem Flur? Welch glücklicher Zufall.<<

Ich musterte ihn regungslos. >>Zufall<<

>>Natürlich.<<

>>Komisch.<< Er hob fragend die Augenbrauen. >>Du bist schließlich ziemlich zielstrebig direkt auf uns zugelaufen.<<

Ruby biss sich auf die Lippe.

Castor ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen. >>Lucinda Stonefield, nicht wahr?<<

>>Offenbar.<<

>>Ich habe dich heute Morgen bereits bemerkt.<<

>>Das überrascht mich nicht.<<

Sein Lächeln wurde breiter. >>Nicht?<<

>>Du warst schwer zu übersehen.<<

>>Freut mich zu hören.<<

Ich zuckte mit den Schultern. >>Zwischen deinen Verehrerinnen konnte man dich gerade noch erkennen.<<

Ruby prustete los.

Castor räusperte sich. >>Sie scheinen meine Gesellschaft eben zu schätzen.<<

>>Oder sie haben eine bemerkenswert geringe Auswahl.<<

Rubys Schultern bebten.

Castor fing sich erstaunlich schnell wieder. >>Ich muss sagen... deine Augen sind außergewöhnlich.<<

>>Sie erfüllen ihren Zweck.<<

>>Und dein Haar—<<

>>Ist ebenfalls vorhanden.<<

Ruby drehte sich halb weg und hielt sich eine Hand vor den Mund.

>>Du machst es einem nicht leicht<<, meinte Castor, doch mich ließ sein Charme völlig kalt.

>>War nie mein Ziel.<<

Er trat einen Schritt näher. >>Normalerweise reagieren Mädchen etwas erfreuter, wenn ich sie anspreche.<<

>>Dann musst du heute wohl eine neue Erfahrung machen.<<

>>Du hast wirklich keinen Sinn für Romantik?<<

Ich dachte kurz nach. >>Doch.<<

Sein Grinsen wurde sofort breiter. >>Na also.<<

>>Aber ich verwechsle Romantik nicht mit Eigenwerbung.<<

Ruby hustete verdächtig.

Castor blinzelte. >>Du bist schlagfertig.<<

>>Danke.<<

>>Das macht dich interessant<<, entgegnete Castor, woraufhin ich nur mit den Schultern zuckte.

>>Das macht mich hauptsächlich gesprächsmüde.<<

Er verschränkte die Arme. >>Die meisten Mädchen reißen sich darum, mit mir auszugehen.<<

>>Dann solltest du zu den meisten Mädchen gehen.<<

>>Und wenn ich lieber dich möchte?<<

>>Dann wirst du mit einer Enttäuschung leben müssen.<<

>>So schnell gibst du mir einen Korb?<<

>>Nein.<< Ich schenkte ihm ein höfliches Lächeln. >>Ein Korb hätte den Vorteil, dass man etwas hineinlegen kann. Bei dir sehe ich aktuell eher eine Sackgasse.<<

Ruby musste sich nun an der Wand abstützen, weil sie endgültig in Gelächter ausbrach.

Castors Selbstbewusstsein bekam langsam sichtbare Risse. >>Weißt du was, Stonefield?<<

>>Nein.<<

>>Du bist die Erste, die sich nicht von mir beeindrucken lässt.<<

Dafür hatte ich den perfekten Ratschlag. >>Dann solltest du diesen historischen Moment vielleicht im Kalender markieren.<<

Er grinste plötzlich. Diesmal wirkte es weniger überheblich als herausgefordert. >>Interessant.<<

>>Das höre ich heute schon zum zweiten Mal.<<

>>Ich werde dich schon noch umstimmen<<, drohte er mir regelrecht an, woraufhin sich meine Stimme vor Ironie fast überschlug.

>>Und ich werde vermutlich vorher alt und grau.<<

>>Wir werden sehen.<<

Ich schüttelte langsam den Kopf. >>Du gibst wirklich nicht auf.<<

>>Nein.<<

>>Das ist bewundernswert.<<

Er lächelte siegessicher. >>Endlich ein Kompliment.<<

>>...wenn man Ignoranz für eine Tugend hält.<<

Ruby lachte erneut laut auf.

Castor seufzte theatralisch. >>Ich glaube, wir beide werden noch eine Menge Spaß miteinander haben.<<

>>Ich glaube eher, wir werden eine Menge Diskussionen miteinander haben.<<

>>Auch gut.<< Er verbeugte sich leicht. >>Bis bald, Lucinda.<<

>>Das bleibt zu befürchten.<<

Mit einem letzten selbstgefälligen Grinsen drehte er sich um und verschwand den Korridor hinunter.

Erst als er außer Hörweite war, schüttelte Ruby lachend den Kopf. >>Lucinda...<<

>>Hm?<<

>>Du hast ihn komplett auseinandergenommen.<<

Ich sah in die Richtung, in der Castor verschwunden war. >>Nein.<<

>>Nein?<<

>>Ich habe lediglich ehrlich geantwortet.<<

Ruby grinste breit. >>Dann wünsche ich Castor Thornbloom schon jetzt viel Glück.<<

Ich konnte mir ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. >>Wieso?<<

>>Weil ich gerade den Eindruck bekommen habe, dass hier zwei Naturgewalten aufeinandergetroffen sind.<<

>>Dann sollte Hogwarts besser stabil gebaut sein.<< ***

Severus PoV

Zur selben Zeit stand Severus Snape vor einer der hohen Fensterfronten im Schloss und blickte auf das Gelände hinaus. Eigentlich hätte die Begegnung längst aus seinen Gedanken verschwunden sein müssen. Sie war eine Schülerin. Eine neue Schülerin.

Nicht mehr. Und dennoch dachte er noch immer darüber nach.

Lucinda Stonefield. Schon seit ihrer Ankunft war sie ihm aufgefallen. Nicht, weil sie besonders auffällig gewesen wäre. Sondern weil sie genau das Gegenteil versuchte. Sie hielt Abstand. Mied die anderen Slytherins. Suchte keine Aufmerksamkeit. Und wirkte dabei wie jemand, der ständig mit einem Auge über die Schulter blickte. Als würde sie eine Gefahr erwarten.

Severus missfiel dieses Gefühl. Noch mehr missfiel ihm die Tatsache, dass er überhaupt darüber nachdachte. Er hatte wichtigere Probleme. Den Dunklen Lord. Dumbledore. Karkaroff. Das Trimagische Turnier. Da brauchte er keine zwei rätselhaften Schülerinnen, die offensichtlich Geheimnisse hüteten.

Und doch erinnerte er sich an den Ausdruck in Lucindas Augen, als Moody zur Sprache gekommen war. Das war keine gewöhnliche Angst gewesen.

Es hatte tiefer gesessen. Viel tiefer. Dann war da noch Ruby Chadwick. Das komplette Gegenteil von Lucinda. Lebhaft. Schlagfertig. Chaotisch. Und offenbar bereit, sich für ihre Freundin mit jedem anzulegen. Selbst mit ihm.

Ein Schatten von Belustigung huschte über Snapes Gesicht. Nur für einen Augenblick. Dann verschwand er wieder. >>Interessant<<, murmelte er. Ein Wort, das er nur äußerst selten benutzte.

Die beiden Mädchen waren ein Rätsel. Und Severus Snape mochte Rätsel nicht. Zumindest redete er sich das ein. Mit wehendem Umhang drehte er sich schließlich um und setzte seinen Weg durch die Korridore fort. Fest entschlossen, den Vorfall zu vergessen. Doch tief in seinem Inneren wusste er bereits, dass ihm das nicht gelingen würde.

Denn etwas sagte ihm, dass Lucinda Stonefield und Ruby Chadwick noch für erheblichen Wirbel in Hogwarts sorgen würden. Und aus irgendeinem Grund hatte er das Gefühl, dass dies erst der Anfang gewesen war.

>>Eine interessante Schlussfolgerung.<<

Snape blieb abrupt stehen. Er hätte diese Stimme überall erkannt. Langsam wandte er den Kopf zur Seite und entdeckte Albus Dumbledore, der einige Meter entfernt aus einem Seitengang trat. Seine Hände waren hinter dem Rücken verschränkt und die blauen Augen funkelten aufmerksam hinter der Halbmondbrille. >>Direktor<<, grüßte er den Zauberer flüchtig, was dieser mit einem Kopfnicken erwiderte.

>>Severus.<<

Für einen kurzen Moment herrschte Schweigen zwischen ihnen. Dumbledore trat näher und sein Blick wanderte in die Richtung, aus der Snape gekommen war. >>Ich nehme an, Sie hatten bereits das Vergnügen mit unseren beiden neuen Schülerinnen.<<

Snape verzog keine Miene. >>Falls Sie Miss Stonefield und Miss Chadwick meinen – sie sind mir auf dem Korridor begegnet. Mehr nicht.<<

Dumbledore lächelte milde. >>Natürlich. Mehr nicht.<<

Severus verengte die Augen leicht. Es konnte nichts Gutes bedeuten, wenn Dumbledore diesen Tonfall anschlug. Der alte Zauberer schien stets mehr zu wissen, als er preisgab. >>Wenn Sie etwas Bestimmtes sagen wollen, Professor, dann tun Sie es<<, forderte Snape und Dumbledores Lächeln verblasste ein wenig.

>>Ich möchte Sie lediglich daran erinnern, weshalb wir alle hier sind. Die Lage wird zunehmend komplizierter. Harry Potter braucht unseren Schutz und Voldemorts Rückkehr ist nur noch eine Frage der Zeit.<<

Snape versteifte sich unmerklich. Allein der Name genügte. >>Ich habe meine Aufgabe nicht vergessen.<<

>>Das weiß ich.<< Dumbledore musterte ihn aufmerksam. Fast schon zu aufmerksam. >>Dennoch sollten Sie darauf achten, dass gewisse Dinge Ihre Aufmerksamkeit nicht unnötig beanspruchen.<<

Nun verstand Snape. Und augenblicklich verschlechterte sich seine Laune. >>Sie machen sich Sorgen wegen zweier Schülerinnen?<<

>>Nein.<< Dumbledore schüttelte den Kopf. >>Ich mache mir Sorgen um Menschen. Das ist ein bedeutender Unterschied.<<

Severus schwieg. Er mochte die Richtung dieses Gesprächs überhaupt nicht. Dumbledore seufzte leise. >>Manchmal vergessen wir, wie wichtig Abstand sein kann. Besonders dann, wenn uns jemand an Dinge erinnert, die wir längst verloren glaubten.<<

Ein Schatten huschte über Snapes Gesicht. Lily. Der Name wurde nicht ausgesprochen. Musste er auch nicht. Dumbledore erkannte den kurzen Moment der Anspannung sofort.

>>Wie dem auch sei. Ich vertraue Ihrem Urteilsvermögen, Severus. Aber verlieren Sie unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen. Die kommenden Monate werden schwierig genug werden.<<

Snape nickte knapp. >>Das werde ich nicht.<<

Dumbledore schenkte ihm ein freundliches Lächeln. >>Gut. Dann hoffe ich, dass Sie mir verzeihen, wenn ich nun einen armen Hauselfen vor einem Nervenzusammenbruch retten muss. Das Festmahl heute Abend scheint bereits jetzt organisatorische Katastrophen hervorzubringen.<<

Mit diesen Worten setzte er seinen Weg fort. Snape blieb allein zurück. Sein Blick ruhte auf dem leeren Korridor. Dumbledores Worte hallten unangenehm in seinem Kopf nach. Abstand. Menschen. Verlorene Dinge.

Missmutig straffte er die Schultern. Es spielte keine Rolle. Lucinda Stonefield war lediglich eine Schülerin. Eine rätselhafte Schülerin vielleicht. Aber nichts weiter. Davon war Severus Snape zumindest fest überzeugt. Oder er versuchte es. Auch wenn er nicht leugnen konnte, dass Stonefield und Chadwick durchaus sein Interesse geweckt hatten.

***

Ruby PoV

Die Tür zum Gemeinschaftsraum von Ravenclaw schloss sich leise hinter mir. Für einen kurzen Moment blieb ich einfach stehen und ließ den Blick über den runden Raum schweifen. Das warme Licht der Kerzen spiegelte sich in den hohen Fenstern, überall saßen Schüler beisammen und unterhielten sich über die Einschulung, das Trimagische Turnier oder die beiden fremden Schulen, die Hogwarts nun bereicherten.

Eigentlich hätte ich mich freuen sollen. Ravenclaw. Genau wie damals. Genau wie geplant. Dumbledores Vorhaben war aufgegangen. Lucinda war in Slytherin unter den Schlangen und ich konnte von Ravenclaw aus unauffällig Harry und seine Freunde im Auge behalten, wie wir es beschlossen hatten. Und trotzdem fühlte sich etwas furchtbar falsch an. Es fehlte jemand.

Ich seufzte leise und zog mich in eine ruhige Ecke des Gemeinschaftsraums zurück. Dort stand ein kleiner Schreibtisch direkt vor einem Fenster. Dahinter breitete sich die dunkle Nacht über Hogwarts aus, während irgendwo draußen der Wind durch die Bäume des Verbotenen Waldes strich.

Langsam nahm ich Pergament, Feder und Tinte hervor. Meine Finger zitterten kaum merklich. Seit wir uns getrennt hatten, dachte ich jeden einzelnen Tag an ihn. An Sirius. Ich setzte die Feder auf das Pergament.

Mein liebster Sirius,

ich hoffe, dieser Brief erreicht dich schnell und vor allem sicher. Seit unserer Trennung vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir keine Sorgen um dich mache. Ich frage mich ständig, wo du gerade bist, ob du genug zu essen hast und ob du irgendwo einen sicheren Unterschlupf gefunden hast. Wir sind gestern wohlbehalten in Hogwarts angekommen.

Die Reise verlief glücklicherweise ohne größere Zwischenfälle und Dumbledore hat alles genau so vorbereitet, wie wir es besprochen hatten. Unsere Tarnung hält. Ich wurde erneut Ravenclaw zugeteilt. Lucinda sitzt nun tatsächlich bei Slytherin.

Es war ein seltsamer Moment, sie dort zwischen all den Schlangen sitzen zu sehen. Ich weiß, weshalb sie sich dafür entschieden hat, und trotzdem fällt es mir schwer, sie dort allein zurückzulassen. Ich werde sie so gut unterstützen, wie ich kann. Hogwarts fühlt sich gleichzeitig vertraut und fremd an. So vi eles erinnert mich an früher...und doch ist die Rückkehr hierher nicht so unbeschwert, wie ich dachte.

Vielleicht liegt es daran, dass du fehlst. Ich ertappe mich ständig dabei, wie ich mich nach dir umsehe, obwohl ich genau weiß, dass du nicht hier sein kannst. Es ist verrückt, aber manchmal glaube ich sogar, dein Lachen auf den Fluren zu hören. Dann fällt mir wieder ein, dass du irgendwo da draußen bist.

Allein. Und mein Herz zieht sich jedes Mal schmerzhaft zusammen.

Bitte pass gut auf dich auf. Versprich mir, keine unnötigen Risiken einzugehen. Ich weiß, dieser Satz passt eigentlich überhaupt nicht zu dir, aber ich musste ihn trotzdem schreiben. Wir werden Harry beschützen. Wir werden herausfinden, was hier wirklich vor sich geht. Und wir werden einen Weg finden, deinen Namen reinzuwaschen. Das verspreche ich dir.

Bis dahin trage ich dich jeden Tag bei mir. Nicht nur in meinen Gedanken. Sondern auch ganz nah an meinem Herzen.

Ich vermisse dich mehr, als Worte jemals ausdrücken könnten.

In Liebe,

Deine Ruby

Als ich den letzten Punkt setzte, verschwammen die Buchstaben vor meinen Augen. Ich blinzelte die aufsteigenden Tränen fort und ließ die Feder sinken.

>>Reiß dich zusammen<<, murmelte ich leise zu mir selbst. Doch es gelang mir nicht.

Unwillkürlich glitt meine rechte Hand unter den Kragen meiner Schuluniform. Meine Finger fanden sofort die feine silberne Kette, die Sirius mir geschenkt hatte. Vorsichtig zog ich den kleinen Anhänger hervor und schloss ihn fest in meiner Hand. Für einen Augenblick war es, als könnte ich seine Wärme noch spüren.

Ich erinnerte mich daran, wie er mir die Halskette lächelnd umgelegt hatte. Wie unbeholfen er versucht hatte, dabei ernst zu bleiben, obwohl ihm anzusehen gewesen war, wie nervös er gewesen war. Ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen.

>>Ich vermisse dich auch<<, flüsterte ich in die Stille.

Er konnte mich unmöglich hören. Und trotzdem fühlte es sich richtig an. Ich faltete den Brief sorgfältig zusammen, versiegelte ihn mit Wachs und schrieb seinen Namen darauf. Keine Adresse. Er würde den Brief trotzdem bekommen. Unsere Schnee-Eule saß bereits auf ihrer Stange und drehte neugierig den Kopf, als ich auf sie zuging. >>Ich habe wieder eine wichtige Aufgabe für dich.<<

Sanft befestigte ich den Brief an ihrem Bein. Bevor ich sie losschickte, strich ich noch einmal über die silberne Halskette auf meiner Brust und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Halte durch, Sirius. Bitte halte durch.

Mit einem kräftigen Flügelschlag erhob sich die Eule in die Luft, flatterte durch das geöffnete Fenster hinaus und verschwand in der dunklen Nacht über Hogwarts. Ich blieb noch lange am Fenster stehen und blickte ihr nach, bis sie nur noch ein winziger heller Punkt zwischen den Sternen war.

>>Bald<<, flüsterte ich. >>Ganz bestimmt sehen wir uns bald wieder.<<