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Das Versprechen, das keines sein durfte

The Majors Promise — www.fanfiktion.de · All chapters

Das Versprechen, das keines sein durfte

Von diesem Abend an veränderte sich etwas zwischen Jasper und mir.

Nichts, was andere sofort bemerkt hätten.

Er suchte nicht meine Nähe.

Er blieb nicht länger bei mir stehen als nötig.

Wenn wir uns begegneten, grüßte er mich mit derselben Höflichkeit wie jeden anderen im Lager.

Und doch...

war da etwas.

Ein Blick, der einen Herzschlag zu lange anhielt.

Ein kaum sichtbares Lächeln, wenn Nathan wieder Unsinn machte.

Die Art, wie seine Augen zuerst den Raum absuchten – und erst dann für einen flüchtigen Moment auf mir ruhten.

Es waren Kleinigkeiten.

Aber ich begann, sie alle zu bemerken.

„Du siehst glücklich aus.“

Ich verschluckte mich fast an meinem Tee.

Margaret stellte grinsend einen Korb mit frischer Wäsche auf den Tisch.

„Wie bitte?“

„Du summst.“

„Nein.“

„Doch.“

„Das bildest du dir ein.“

„Bella.“

Sie verschränkte die Arme.

„Seit drei Tagen summst du beim Verbandswechsel.“

Ich wurde rot.

„Das tue ich nicht.“

Nathan kam mit einem Stapel Bettwäsche herein.

„Doch.“

Ich stöhnte auf.

„Nicht du auch noch.“

„Margaret hat recht.“

Er grinste breit.

„Und außerdem lächelst du ständig den Major an.“

„Das stimmt überhaupt nicht!“

„Ach nein?“

Er legte gespielt nachdenklich den Kopf schief.

„Komisch. Ich hätte schwören können, ich hätte gestern genau das gesehen.“

„Nathan!“

„Was denn?“

„Sie erschrecken noch die Patienten“, mischte sich Margaret trocken ein.

Nathan hob ergeben die Hände.

„Schon gut, schon gut.“

Er zwinkerte mir verschwörerisch zu.

„Ich sag ja gar nichts mehr.“

Ich wusste genau, dass das gelogen war.

Am Nachmittag brachte ich frische Verbände ins Hauptquartier.

Ich klopfte vorsichtig.

„Herein.“

Jasper saß über einer Karte gebeugt.

Mehrere Berichte lagen neben ihm.

Er sah erschöpft aus.

„Entschuldigung.“

Ich stellte den Korb auf den Tisch.

„Ich wollte nicht stören.“

„Sie stören nicht.“

Er legte die Feder beiseite.

„Margaret schickt mich.“

„Dann sollte ich mich wohl bei ihr bedanken.“

Ich lächelte.

„Oder beschweren.“

Zum ersten Mal an diesem Tag entspannte sich sein Gesicht.

„Beschweren dürfte erfolgreicher sein.“

Ich blickte auf die Karte.

„Sie arbeiten schon wieder?“

„Ja.“

„Seit wann?“

Er überlegte kurz.

„Seit Sonnenaufgang.“

Ich sah erschrocken zur Uhr an der Wand.

„Es ist fast acht Uhr abends.“

„Ist es das?“

Er wirkte tatsächlich überrascht.

„Sie haben den ganzen Tag nichts gegessen.“

„Doch.“

Ich hob eine Augenbraue.

„Wann?“

Er dachte nach.

„Heute Morgen.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Das zählt nicht.“

„Für Soldaten schon.“

Ich seufzte.

„Bleiben Sie hier.“

„Bella...“

Ich war schon aus der Tür.

Zehn Minuten später kam ich mit einer dampfenden Schüssel Eintopf zurück.

„Bitte.“

Ich stellte sie vor ihm ab.

Er betrachtete sie einen Moment.

Dann mich.

„Sie hätten das nicht tun müssen.“

„Ich weiß.“

Er lächelte müde.

„Das sagen Sie in letzter Zeit ziemlich oft.“

„Vielleicht, weil Sie ständig Dinge tun, die niemand von Ihnen verlangt.“

Er nahm den Löffel in die Hand.

„Danke.“

Er aß langsam.

Offenbar war ihm gar nicht bewusst gewesen, wie hungrig er war.

Ich setzte mich auf den Stuhl gegenüber.

Schweigend beobachtete ich ihn.

Nicht aufdringlich.

Einfach...

ruhig.

Nach einigen Löffeln legte er den Löffel wieder hin.

„Warum sehen Sie mich so an?“

Ich erschrak.

„Tue ich das?“

„Ja.“

Ich lächelte verlegen.

„Sie wirken... friedlicher.“

„Beim Essen?“

„Nein.“

Ich suchte nach den richtigen Worten.

„Wenn Sie vergessen, dass Sie Major sind.“

Er schwieg.

Lange.

„Das ist gefährlich.“

„Warum?“

Er lehnte sich zurück.

„Weil Männer im Krieg anfangen, Fehler zu machen, wenn sie sich zu sehr daran erinnern, wofür sie nach Hause wollen.“

Ich spürte einen Stich in der Brust.

„Vielleicht kämpfen sie dann gerade deshalb härter.“

Er schüttelte langsam den Kopf.

„Oder sie zögern einen einzigen Augenblick.“

Seine Stimme wurde leise.

„Und dieser Augenblick reicht.“

Ich verstand.

Zum ersten Mal wirklich.

Er hielt Abstand zu mir...

nicht weil ich ihm gleichgültig war.

Sondern weil ich ihm zu wichtig werden konnte.

Als ich aufstand, um zu gehen, hörte ich seine Stimme hinter mir.

„Bella.“

Ich drehte mich um.

Er war ebenfalls aufgestanden.

Zwischen uns lagen nur wenige Schritte.

„Sie sollten sich nicht an mich gewöhnen.“

Ich schluckte.

„Warum sagen Sie das?“

„Weil dieser Krieg irgendwann endet.“

„Ist das nicht gut?“

„Vielleicht.“

Er senkte den Blick.

„Oder ich komme nie zurück.“

Ich trat einen Schritt näher.

„Das sagen Sie so, als hätten Sie sich schon damit abgefunden.“

Er lächelte traurig.

„Das musste ich.“

„Ich nicht.“

Die Worte waren heraus, bevor ich sie zurückhalten konnte.

Er sah mich an.

Direkt.

So intensiv, dass ich den Atem anhielt.

„Bella...“

Zum ersten Mal klang mein Name wie eine Bitte.

„Tun Sie das nicht.“

„Was?“

„Warten.“

Seine Stimme war kaum hörbar.

„Auf jemanden wie mich.“

Ich schüttelte langsam den Kopf.

„Das entscheiden nicht Sie.“

Für einen Moment schien die Welt stillzustehen.

Er machte einen halben Schritt auf mich zu.

Seine Hand hob sich.

Als wollte er meine Wange berühren.

Doch kurz davor hielt er inne.

Seine Finger schlossen sich langsam wieder.

Er ließ den Arm sinken.

„Gute Nacht.“

Mehr sagte er nicht.

Er ging an mir vorbei.

So nah, dass ich den Duft von Leder, Holzrauch und Seife wahrnahm.

Doch er berührte mich nicht.

Nicht einmal zufällig.

Er verschwand aus dem Zelt.

Ich blieb allein zurück.

Und ich wusste plötzlich mit erschreckender Sicherheit:

Die größte Gefahr in diesem Lager war nicht der Krieg.

Sondern dass Major Jasper Whitlock und ich uns jeden Tag ein kleines bisschen mehr ineinander verliebten.