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Worte, die Hoffnung machten

The Majors Promise — www.fanfiktion.de · All chapters

Worte, die Hoffnung machten

Der Sommer verging schneller, als ich es für möglich gehalten hätte.

Die Tage im Lazarett blieben anstrengend.

Manchmal arbeiteten wir bis tief in die Nacht.

Manchmal blieb es überraschend ruhig.

An solchen Abenden saßen wir am Feuer, hörten Nathan dabei zu, wie er die unglaublichsten Geschichten erzählte, und taten für ein paar Stunden so, als gäbe es keinen Krieg.

Es waren diese Stunden, die ich am meisten liebte.

Nicht, weil etwas Besonderes geschah.

Sondern weil sie sich wie ein normales Leben anfühlten.

„Bella!“

Nathan kam mit verschränkten Armen auf mich zu.

„Ich muss mich beschweren.“

Ich blickte überrascht auf.

„Worüber denn?“

„Der Major.“

Ich musste unwillkürlich lächeln.

„Was ist mit ihm?“

„Seit du hier bist, ist er kaum noch schlecht gelaunt.“

Ich blinzelte.

„War er das vorher?“

Nathan starrte mich entgeistert an.

„Bella... der Mann konnte einen Rekruten allein mit einem Blick zum Zittern bringen.“

„Das kann er immer noch.“

„Ja.“

Nathan grinste.

„Aber danach fragt er wenigstens, ob der Junge schon gegessen hat.“

Ich lachte.

„Das stimmt.“

„Du tust ihm gut.“

Seine Stimme war plötzlich ernst geworden.

Ich sah ihn überrascht an.

„Das sage ich nicht, um dich zu ärgern.“

Er blickte über den Lagerplatz, wo Jasper gerade mit einigen Offizieren sprach.

„Vor einem Jahr hätte er niemals einen freien Abend am Fluss verbracht.“

„Woher weißt du...“

Nathan hob grinsend die Hand.

„Bella.“

„Das ganze Lager weiß, dass ihr beide manchmal verschwindet.“

Mir blieb der Mund offen stehen.

„Was?“

„Keine Sorge.“

Er lachte.

„Niemand würde euch verraten.“

„Warum nicht?“

Nathan sah mich an, als wäre die Antwort selbstverständlich.

„Weil wir den Major mögen.“

Er machte eine kurze Pause.

„Und weil wir dich mögen.“

Mir wurde warm ums Herz.

Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl, irgendwo dazuzugehören.

Am Nachmittag erreichte ein Versorgungswagen das Lager.

Zwischen Kisten voller Lebensmittel lagen mehrere Briefe.

„Post!“

rief einer der Soldaten.

Sofort sammelten sich überall Männer.

Einige bekamen Nachrichten von ihren Familien.

Andere warteten vergeblich.

Ich beobachtete, wie ein junger Rekrut den Brief seiner Frau öffnete.

Noch bevor er die erste Zeile gelesen hatte, lächelte er.

„Sie schreibt, dass unser Sohn laufen kann!“

Die Männer klopften ihm lachend auf die Schulter.

Nur Jasper stand etwas abseits.

Er hielt keinen Brief in der Hand.

„Bekommen Sie nie Post?“

fragte ich leise, als ich mich neben ihn stellte.

Er schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Niemand schreibt Ihnen?“

Ein trauriges Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Es gibt niemanden mehr.“

Mein Herz zog sich zusammen.

„Gar niemanden?“

„Nein.“

Seine Stimme blieb ruhig.

„Meine Eltern sind beide gestorben.“

Er blickte den anderen Männern beim Lesen ihrer Briefe zu.

„Geschwister hatte ich nie.“

Ich wusste plötzlich nicht mehr, wohin mit meinen Händen.

So einsam...

Er musste sich jahrelang so gefühlt haben.

„Jetzt schon.“

Die Worte rutschten mir heraus.

Er sah mich fragend an.

„Sie haben jetzt Menschen.“

Ich deutete über den Platz.

„Nathan.“

„Margaret.“

„Colonel Davis.“

„Die Männer.“

Ich lächelte.

„Und...“

Ich wurde leiser.

„...mich.“

Für einen Moment sagte Jasper nichts.

Dann zog er mich ganz vorsichtig ein Stück zur Seite, außer Hörweite der anderen.

„Bella.“

Seine Stimme war ungewöhnlich weich.

„Ich habe mein ganzes Leben geglaubt, allein zu sein.“

Er strich langsam über meinen Handrücken.

„Bis zu dem Tag auf dem Markt.“

Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen.

„Ich dachte, ich hätte Ihnen geholfen.“

Er lächelte.

„Dabei haben Sie mich gerettet.“

Ich schüttelte sofort den Kopf.

„Nein.“

„Doch.“

Er sah mich mit einer Ehrlichkeit an, die mir den Atem nahm.

„Sie haben mir etwas zurückgegeben, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es verloren hatte.“

„Was?“

„Die Hoffnung.“

Am Abend lud Colonel Davis alle Offiziere und Helfer zu einem gemeinsamen Essen ein.

Es gab frisches Brot, Eintopf und sogar einen kleinen Apfelkuchen.

Ein seltener Luxus.

Nathan stand mit einem Becher in der Hand auf.

„Ich möchte einen Trinkspruch ausbringen!“

Mehrere Soldaten stöhnten gespielt auf.

„Nicht schon wieder.“

„Doch!“

Nathan grinste breit.

„Auf Margaret!“

Alle hoben ihre Becher.

Margaret wurde rot.

„Auf unsere hartnäckigste Krankenschwester.“

„Auf Margaret!“

riefen alle.

„Und...“

Nathan hob den Finger.

„...auf Bella.“

Jetzt wurde ich rot.

„Nathan...“

„Nein.“

Er lächelte.

„Seit sie hier ist, ist dieses Lager ein Zuhause geworden.“

Für einen Augenblick wurde es ganz still.

Dann erhoben sich nach und nach alle.

Sogar Colonel Davis.

Jasper blickte mich an.

Seine Augen glänzten.

„Auf Bella.“

sagte er leise.

„Auf Bella.“

antworteten die Männer.

Ich musste gegen die Tränen ankämpfen.

Vor einem halben Jahr hatte ich geglaubt, ich würde den Rest meines Lebens in Angst verbringen.

Jetzt saß ich zwischen Menschen, die mich wie eine Familie behandelten.

Und zum ersten Mal verstand ich, dass Familie nicht immer aus Blut entstehen musste.

Manchmal entstand sie aus Menschen, die beschlossen hatten, füreinander einzustehen.

Ich ahnte nicht, dass genau diese Familie schon bald auseinandergerissen werden würde.