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Zusammen

The Majors Promise — www.fanfiktion.de · All chapters

Zusammen

Ich hörte sie, bevor ich sie sah.

Zwei Stimmen.

Dann Gelächter.

Ich blieb mitten im Garten stehen und sah zwischen den Bäumen hindurch.

Jasper kam zuerst aus dem Wald.

Sein Haar war zerzaust, seine Jacke hing offen und auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck, den ich bei ihm noch nicht oft gesehen hatte.

Er lächelte.

Nicht dieses kleine, vorsichtige Lächeln, das er manchmal trug, wenn er bei mir war.

Ein echtes Lächeln.

Hinter ihm kam Jasper Jr.

„Du hast geschummelt!“, rief er.

„Ich habe gewonnen.“

„Du hast einen Vorsprung gehabt.“

„Das nennt man Strategie.“

„Das nennt man Betrug.“

Ich musste lachen.

Beide blieben stehen.

Jasper sah zu mir.

Für einen Moment veränderte sich sein Gesicht.

Seine Augen wurden weicher.

„Hallo.“

Es war nur ein Wort.

Aber ich kannte inzwischen die verschiedenen Arten, wie er dieses Wort sagte.

Dieses hier bedeutete: Ich freue mich, dich zu sehen.

„Hallo“, antwortete ich.

Jasper Jr. sah zwischen uns hin und her.

„Ich lasse euch allein.“

„Du musst nicht—“

„Doch.“

Er grinste.

„Ich kenne euch.“

Dann verschwand er im Haus.

Ich sah ihm nach.

„Er ist glücklich.“

Jasper trat neben mich.

„Ja.“

„Das habe ich lange nicht so gesehen.“

Er schwieg.

Dann sagte er:

„Ich glaube, ich bin es auch.“

Ich sah ihn an.

Er erwiderte meinen Blick.

Und plötzlich war da wieder dieses kleine Ziehen in meiner Brust.

Nicht das alte.

Nicht die Sehnsucht nach dem Mann, den ich vor fast einem Jahrhundert verloren hatte.

Etwas anderes.

Etwas, das erst vor wenigen Wochen begonnen hatte.

„Wie war es?“, fragte ich.

„Mit ihm?“

Ich nickte.

„Gut.“

„Nur gut?“

Er lächelte.

„Sehr gut.“

Ich setzte mich auf die niedrige Steinmauer am Rand des Gartens.

Jasper blieb vor mir stehen.

„Ihr wart jagen.“

„Ja.“

„Hat er dich geschlagen?“

Er sah mich empört an.

„Natürlich nicht.“

Ich musste lachen.

„Natürlich.“

„Er hatte einen unfairen Vorteil.“

„Welchen?“

„Er ist jünger.“

„Das ist kein unfairer Vorteil.“

„Für mich schon.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Du bist unglaublich.“

Er setzte sich neben mich.

Unsere Schultern berührten sich.

Es war inzwischen selbstverständlich geworden.

Und genau das machte mich glücklich.

„Er hat viel von dir“, sagte ich.

Jasper sah mich an.

„Das sagen viele.“

„Nicht nur äußerlich.“

Er schwieg.

„Seine Art zu beobachten. Wie er überlegt, bevor er etwas sagt. Diese Ruhe.“

Ich lächelte.

„Und seine Sturheit.“

„Die hat er von dir.“

„Natürlich.“

Ich stieß ihn leicht mit der Schulter an.

„Du kennst mich noch gar nicht lange genug, um solche Behauptungen aufzustellen.“

„Ich kenne dich seit hundert Jahren.“

„Nein.“

Sein Blick wurde ernst.

„Nein.“

Ich sah auf meine Hände.

„Du kennst mich seit ein paar Wochen.“

Er schwieg.

Ich wollte nicht, dass meine Worte wie ein Vorwurf klangen.

„Und ich glaube, genau das ist gut.“

„Warum?“

„Weil du mich jetzt kennenlernen kannst.“

Er betrachtete mich.

„Das möchte ich.“

Mein Herz schlug schneller.

Ich sah ihn an.

„Nicht nur, weil du weißt, wer ich war?“

„Nein.“

Er nahm meine Hand.

„Vielleicht ist das der wichtigste Unterschied.“

Ich verschränkte meine Finger mit seinen.

„Was meinst du?“

„Ich habe mein menschliches Leben nicht in meinem Kopf.“

Seine Stimme war ruhig.

„Ich habe das Tagebuch. Deine Geschichten. Die Briefe. Dinge, die du aufgehoben hast.“

Ich nickte.

„Aber wenn ich dich jetzt ansehe, habe ich nicht das Gefühl, dass ich einfach etwas zurückbekomme.“

Er strich mit dem Daumen über meine Hand.

„Ich bekomme etwas Neues.“

Ich schluckte.

„Jasper.“

„Ich weiß, dass ich den Mann aus deinem Leben nicht einfach wiederholen kann.“

„Das habe ich nie verlangt.“

„Ich weiß.“

Er lächelte.

„Und ich glaube, ich will es auch nicht.“

Ich sah ihn an.

„Warum?“

„Weil ich wissen möchte, wer wir jetzt sind.“

Ich konnte nicht verhindern, dass mir die Augen feucht wurden.

„Das klingt schön.“

„Es fühlt sich auch schön an.“

Wir blieben noch lange im Garten.

Ich erzählte ihm von den Blumen, die ich in diesem Jahr neu gesetzt hatte.

Er fragte nach jeder einzelnen.

Nicht weil er sich für Pflanzen interessierte.

Zumindest glaubte ich das nicht.

Sondern weil ich darüber sprach.

„Die hier“, sagte ich und deutete auf eine Reihe kleiner Pflanzen, „sind noch nicht richtig angewachsen.“

Jasper ging in die Hocke.

„Was brauchen sie?“

„Mehr Sonne.“

„Dann stehen sie falsch.“

Ich lächelte.

„Das habe ich auch schon gedacht.“

Er sah mich an.

„Warum setzt du sie nicht um?“

„Weil ich immer denke, dass sie sich vielleicht doch noch daran gewöhnen.“

„Das klingt nach dir.“

„Was soll das heißen?“

Er stand wieder auf.

„Du gibst Dingen sehr lange Zeit, bevor du sie aufgibst.“

Ich sah ihn an.

„Ist das schlecht?“

„Nein.“

Er nahm meine Hand.

„Ich glaube, es ist eine deiner besten Eigenschaften.“

Mein Herz machte einen kleinen Sprung.

„Du sagst inzwischen ziemlich viele nette Dinge.“

„Ich übe.“

„Mit deinem Sohn?“

„Mit dir.“

Ich lächelte.

„Dann bist du überraschend lernfähig.“

„Ich hatte einen guten Lehrer.“

„Wer?“

Er beugte sich zu mir.

„Du.“

Dann küsste er mich.

Nur kurz.

Sanft.

Und trotzdem fühlte es sich nicht mehr wie etwas an, über das wir nachdenken mussten.

Es war einfach da.

Als wir uns wieder voneinander lösten, blieb seine Stirn an meiner.

„Ich mag das“, flüsterte er.

„Was?“

„Dass ich dich nicht vermissen muss, obwohl ich gerade erst anfange, dich wirklich kennenzulernen.“

Ich schloss für einen Moment die Augen.

„Ich habe dich sehr lange vermisst.“

„Ich weiß.“

„Aber ich glaube, ich vermisse jetzt etwas anderes.“

Er sah mich fragend an.

„Was?“

„Die Zeit, die wir noch nicht hatten.“

Sein Blick wurde weich.

„Dann sollten wir sie nicht verschwenden.“

Ich lächelte.

„Nein.“

Hinter uns knarrte die Terrassentür.

Wir drehten uns um.

Jasper Jr. stand dort.

„Ich wollte nur sagen, dass ich morgen wieder jagen gehe.“

Ich musste lachen.

„Allein?“

„Vielleicht.“

Jasper sah ihn an.

„Oder mit mir.“

Jasper Jr. grinste.

„Ich lasse dich diesmal gewinnen.“

„Das ist großzügig.“

„Ich weiß.“

Er verschwand wieder.

Ich sah Jasper an.

„Ihr habt euch wirklich gefunden.“

Er sah zur Tür, durch die sein Sohn verschwunden war.

„Ich glaube, wir versuchen es.“

Ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter.

„Das reicht.“

Seine Hand schloss sich um meine.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit dachte ich nicht daran, wie viele Jahre hinter uns lagen.

Nicht an den Krieg.

Nicht an Liverpool.

Nicht an das Grab ohne Körper.

Nicht an die Jahrzehnte, in denen ich geglaubt hatte, dass ich ihn verloren hatte.

Ich dachte an den Garten.

An meinen Sohn im Haus.

An den Mann neben mir.

Und an morgen.

Vielleicht war das die eigentliche zweite Chance.

Nicht die Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern.

Sondern endlich eine Zukunft zu haben, die uns niemand mehr nehmen konnte.

Am nächsten Morgen stand eine Tasse Kaffee auf dem Tisch, obwohl ich genau wusste, dass Jasper ihn nicht trinken würde.

Ich hatte sie trotzdem hingestellt.

Vielleicht war das Gewohnheit.

Vielleicht Hoffnung.

Oder einfach ein Überbleibsel aus einem Leben, in dem ich morgens für zwei Menschen gedeckt hatte.

Jasper bemerkte die Tasse sofort.

„Du stellst mir inzwischen sogar Kaffee hin.“

Ich sah von meinem Teller auf.

„Ich kann sie wieder wegnehmen.“

„Nein.“

Er setzte sich mir gegenüber.

„Lass ihn stehen.“

Ich lächelte.

„Du wirst sie trotzdem nicht trinken.“

„Das ist nebensächlich.“

„Für einen Mann, der seit fast hundert Jahren nichts isst oder trinkt, bist du erstaunlich wählerisch.“

„Ich habe meine Prinzipien.“

Ich lachte.

Dann sah ich zur Tür.

„Jasper Jr. wollte heute wieder mit dir jagen.“

„Das hat er erwähnt.“

„Er wird vermutlich gleich kommen.“

Jasper sah auf die Uhr.

„Er ist schon da.“

Ich runzelte die Stirn.

„Wo?“

Jasper deutete mit dem Kopf Richtung Fenster.

Im nächsten Moment klopfte es.

Ich öffnete.

Jasper Jr. stand draußen.

„Morgen.“

„Morgen.“

Sein Blick wanderte zu Jasper.

„Bereit?“

„Natürlich.“

Dann sah er mich an.

„Mama, kommst du mit?“

Ich blinzelte.

„Ich?“

„Ja.“

Jasper sah ebenfalls überrascht aus.

„Ich dachte, das wäre Vater-Sohn-Zeit.“

Jasper Jr. zuckte mit den Schultern.

„Kann morgen sein.“

Ich musste lächeln.

„Dann komme ich mit.“

Wir liefen gemeinsam durch den Wald.

Jasper Jr. ging vorne.

Jasper neben mir.

Ich beobachtete die beiden.

Es war seltsam.

Und gleichzeitig wunderschön.

Jasper Jr. war ungefähr in dem Alter, in dem ich ihn damals kennengelernt hatte – nur dass er inzwischen längst kein Mensch mehr war.

Er war stärker als damals.

Schneller.

Sicherer.

Und trotzdem erkannte ich meinen kleinen Jungen noch immer in bestimmten Bewegungen.

Wenn er den Kopf schief legte.

Wenn er etwas hörte.

Wenn er lächelte.

Jasper blieb plötzlich stehen.

„Rechts.“

Jasper Jr. sah ihn an.

„Links.“

„Rechts.“

„Links.“

Ich musste lachen.

„Ihr könnt euch auch einigen.“

Beide sahen mich an.

„Er hat Unrecht“, sagte Jasper.

„Du hast Unrecht“, sagte Jasper Jr. gleichzeitig.

Ich schüttelte den Kopf.

„Ihr seid euch ähnlicher, als euch lieb sein dürfte.“

Jasper Jr. grinste.

Dann verschwand er zwischen den Bäumen.

Jasper folgte.

Ich blieb zurück.

Nicht weit.

Aber weit genug.

Ich hörte ihre Schritte.

Dann ein kurzes Lachen.

Ich konnte mir nicht helfen.

Ich lächelte.

Später trafen wir uns wieder an einem kleinen Bach.

Jasper Jr. hatte bereits gejagt.

Jasper ebenfalls.

Ich hatte nichts gebraucht.

Mein Körper funktionierte anders.

Ich konnte noch essen, schlafen, mein Herz schlug noch.

Manchmal vergaß ich, wie ungewöhnlich ich selbst eigentlich war.

Jasper setzte sich auf einen Stein.

Jasper Jr. blieb stehen.

„Mama?“

„Hm?“

„Wie war Dad als Mensch?“

Ich sah zu Jasper.

Er wurde sofort still.

„Ich weiß es nicht aus eigener Erinnerung“, sagte er ruhig. „Deshalb möchte ich es auch hören.“

Ich lächelte.

„Dann erzähle ich euch etwas.“

Jasper Jr. setzte sich neben seinen Vater.

Ich blieb ihnen gegenüber.

„Dein Vater war sehr ernst.“

Jasper hob eine Augenbraue.

„Das habe ich erwartet.“

„Und manchmal ziemlich stur.“

„Das habe ich auch.“

„Aber er konnte lachen.“

Jasper Jr. sah seinen Vater an.

„Kannst du?“

„Offensichtlich.“

„Dann hat sich nicht alles verändert.“

Ich lächelte.

„Nein. Nicht alles.“

Ich erzählte ihnen von unserem ersten Treffen.

Vom Markt.

Vom Lazarett.

Von Nathan.

Von Margaret.

Vom Fluss.

Von dem kleinen Holzvogel.

Jasper hörte schweigend zu.

Er stellte keine Fragen.

Er ließ mich erzählen.

Und irgendwann merkte ich, dass Jasper Jr. seinen Vater beobachtete.

Nicht mich.

Ihn.

Als würde er versuchen, in jedem Wort eine Verbindung zu finden.

„Und dann“, sagte ich, „hat er mir den Ring gegeben.“

Jasper sah auf meine Hand.

Ich trug ihn noch immer.

„Er hat dir nie einen Antrag gemacht“, sagte Jasper Jr.

Ich lächelte.

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Weil der Krieg schneller war.“

Jasper senkte den Blick.

Ich legte meine Hand auf seine.

„Aber er wollte.“

Er strich mit dem Daumen über den Ring.

„Das weiß ich.“

Seine Stimme war leise.

„Ich habe es gelesen.“

Ich wusste sofort, dass er an das Tagebuch dachte.

Wir blieben eine Weile am Wasser.

Dann stand Jasper Jr. auf.

„Ich hole etwas.“

„Was?“

„Du wirst sehen.“

Er verschwand.

Jasper sah ihm nach.

„Er macht das oft.“

„Was?“

„Dinge ankündigen, aber nicht erklären.“

Ich lachte.

„Das hat er von mir.“

„Nein.“

„Sicher?“

„Ziemlich.“

Ich sah ihn an.

„Du bist heute sehr überzeugt von dir.“

„Ich lerne.“

Ich lächelte.

Dann wurde ich ernst.

„Wie fühlt es sich an?“

„Was?“

„Vater zu sein.“

Er sah auf das Wasser.

„Ich weiß es nicht.“

Ich wartete.

„Ich dachte immer, wenn ich jemals herausfinde, wer ich vor Maria war, würde ich mich wieder vollständig fühlen.“

Er schwieg.

„Aber das stimmt nicht.“

Ich sagte nichts.

„Ich habe jetzt mehr von meinem menschlichen Leben als vorher.“

Er sah mich an.

„Aber ich fühle mich nicht wie der Mann aus dem Tagebuch.“

Ich nickte.

„Das musst du auch nicht.“

„Ich weiß.“

Er nahm meine Hand.

„Und trotzdem bin ich froh, dass ich ihn kennenlernen durfte.“

Mein Herz wurde schwer.

„Ich auch.“

Er sah wieder zum Wald.

„Vor allem, weil ich dadurch dich kennengelernt habe.“

Ich lächelte.

„Und deinen Sohn.“

„Ja.“

Er sagte es mit einer Wärme, die ich inzwischen kannte.

„Das ist wahrscheinlich das Seltsamste an meinem ganzen Leben.“

„Was?“

„Dass ich mein früheres Leben nicht erinnern kann und trotzdem plötzlich Menschen darin finde, die heute zu meinem Leben gehören.“

Ich drückte seine Hand.

„Vielleicht musst du dich nicht erinnern, um sie zu lieben.“

Er sah mich an.

Lange.

„Nein.“

Dann lächelte er.

„Vielleicht reicht es, sie kennenzulernen.“

Jasper Jr. kam zurück.

In seinen Händen hielt er einen kleinen alten Gegenstand.

Ich erkannte ihn sofort.

„Wo hast du den her?“

Er reichte ihn seinem Vater.

Jasper nahm ihn vorsichtig entgegen.

Es war ein kleiner, geschnitzter Holzvogel.

Nicht der Vogel, den Jasper mir damals gegeben hatte.

Dieser war kleiner.

Ein wenig unbeholfener.

„Was ist das?“, fragte Jasper.

„Den habe ich gemacht.“

Jasper sah ihn überrascht an.

„Wann?“

„Vor Jahren.“

Er drehte den Vogel in der Hand.

„Warum?“

Jasper Jr. zuckte mit den Schultern.

„Mama hat erzählt, dass du früher geschnitzt hast.“

Jasper sah zu mir.

Ich lächelte.

„Du hast als Kind ständig versucht, Dinge nachzumachen, die dein Vater gemacht hatte.“

„Ich war kein Kind.“

„Für mich schon.“

„Mama.“

„Jasper.“

Sein Vater lachte.

Ich sah zwischen ihnen hin und her.

Und plötzlich wurde mir bewusst, was ich da sah.

Nicht die Vergangenheit.

Nicht den Major und seinen Sohn.

Sondern einen Vater, der gerade einen kleinen Holzvogel seines Sohnes in der Hand hielt.

Einen Sohn, der ihn selbst gemacht hatte.

Und beide waren hier.

Jetzt.

Jasper strich mit dem Daumen über die kleine Figur.

„Ich behalte ihn.“

Jasper Jr. lächelte.

„Das war der Plan.“

„Danke.“

„Gerne, Dad.“

Wieder dieses Wort.

Und wieder sah ich, wie Jasper kurz innehielt.

Nicht vor Schmerz.

Diesmal vor etwas anderem.

Vor Glück.

Als wir später nach Hause gingen, lief Jasper Jr. ein Stück vor uns.

Ich nahm Jaspers Hand.

„Du bist glücklich.“

Er sah mich an.

„Ja.“

„Wegen ihm?“

Er sah zu unserem Sohn.

„Auch.“

Dann blieb er stehen.

„Aber nicht nur.“

Ich lächelte.

„Ich weiß.“

Er zog mich näher.

„Ich glaube, ich fange langsam an zu verstehen, warum der Mann aus dem Tagebuch so viel Angst davor hatte, dich zu verlieren.“

Ich sah ihn an.

„Und?“

„Ich habe dieselbe Angst.“

Mein Lächeln verschwand.

Nicht vor Traurigkeit.

Vor der Bedeutung seiner Worte.

„Jasper—“

„Aber diesmal“, sagte er ruhig, „will ich nicht vor der Angst davonlaufen.“

Er küsste mich.

Kurz.

Sanft.

Und als wir uns wieder voneinander lösten, rief Jasper Jr. aus einigen Metern Entfernung:

„Ihr seid langsam!“

Ich lachte.

Jasper schüttelte den Kopf.

„Er hat wirklich keinerlei Respekt vor seinem Vater.“

„Das nennt man Familie.“

Er sah mich an.

Dann lächelte er.

„Dann gefällt mir Familie.“