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Eine neue Erinnerung

The Majors Promise — www.fanfiktion.de · All chapters

Eine neue Erinnerung

Ich war noch da, als Bella am Morgen die Augen öffnete.

Sie blinzelte verschlafen, sah mich an und lächelte.

„Du bist wirklich geblieben.“

„Ich habe es versprochen.“

„Das ist nicht dasselbe.“

Ihre Stimme war noch rau vom Schlaf.

Ich strich eine lose Haarsträhne aus ihrem Gesicht.

„Nein“, sagte ich. „Diesmal wollte ich einfach bleiben.“

Sie sah mich einen Moment lang an.

Dann rückte sie näher und legte ihre Stirn an meine.

„Guten Morgen.“

„Guten Morgen.“

„Auch wenn du nicht geschlafen hast?“

„Auch dann.“

Sie lächelte.

„Dann hast du jetzt eine neue Aufgabe.“

„Welche?“

„Mich daran gewöhnen zu lassen, dass du morgens neben mir bist.“

Ich hob eine Augenbraue.

„Das klingt nach einer langfristigen Verpflichtung.“

„Vielleicht ist es das.“

Ich küsste sie.

Kurz.

Sanft.

Doch als ich mich wieder zurückziehen wollte, hielt sie mich am Kragen fest.

„Das war zu kurz.“

Ich musste lachen.

„Anspruchsvoll.“

„Ich habe hundert Jahre gewartet. Ich darf anspruchsvoll sein.“

Der Satz traf mich.

Nicht schmerzhaft.

Aber tief.

Ich legte meine Hand an ihre Wange.

„Du musst nicht mehr warten.“

Ihr Lächeln verschwand für einen Augenblick.

Nicht, weil sie traurig war.

Sondern weil sie die Bedeutung verstand.

„Nein“, sagte sie leise. „Das muss ich nicht mehr.“

Sie küsste mich erneut.

Und diesmal blieb der Kuss länger.

Nicht vorsichtig.

Nicht fragend.

Bella legte eine Hand in meinen Nacken und zog mich näher, während meine Hand an ihre Taille glitt.

Es war erstaunlich, wie schnell sich etwas Fremdes vertraut anfühlen konnte.

Noch vor wenigen Wochen hatte jede Berührung zwischen uns eine Vergangenheit getragen.

Jetzt begann sie, ihre eigene Bedeutung zu bekommen.

Als wir uns lösten, blieb Bella dicht bei mir.

„Ich möchte dir etwas zeigen.“

„Was?“

„Komm.“

Sie schlüpfte aus dem Bett und zog sich einen Pullover über.

Ich folgte ihr nach draußen.

Der Garten lag still im frühen Morgenlicht.

Bella ging zu einer Stelle am Rand des Beetes, an der noch freie Erde zu sehen war.

„Hier.“

Sie deutete darauf.

„Was ist hier?“

„Noch nichts.“

Ich sah sie fragend an.

„Das ist deine große Überraschung? Ein Stück Erde?“

„Sehr lustig.“

Sie kniete sich hin.

„Ich möchte hier etwas pflanzen.“

„Was?“

„Rosen.“

Ich sah auf die freie Fläche.

„Warum gerade dort?“

Bella zuckte mit den Schultern.

„Weil du immer von einem Garten gesprochen hast.“

Ich sagte nichts.

Sie sah zu mir auf.

„Aber ich möchte nicht deinen alten Garten nachbauen.“

Das überraschte mich.

„Warum nicht?“

„Weil der nicht unserer wäre.“

Sie stand wieder auf.

„Ich möchte einen neuen.“

Ich betrachtete sie.

„Unseren.“

„Wenn du möchtest.“

Ich ging auf sie zu.

„Bella.“

„Ja?“

„Ich möchte.“

Sie lächelte.

Und dann nahm sie meine Hand.

Wir standen mitten in ihrem Garten, zwischen Blumen, feuchter Erde und dem ersten Licht des Tages.

„Dann brauchen wir Rosen“, sagte sie.

„Und eine Bank.“

Sie sah mich an.

„Eine Bank?“

„Ja.“

„Warum?“

„Damit wir einen Ort haben, an dem wir sitzen können.“

Sie lächelte.

„Wir haben den Fluss.“

„Der Fluss gehört uns nicht.“

„Und die Bank?“

„Die bauen wir.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Du willst tatsächlich eine Bank bauen.“

„Ich habe gewisse handwerkliche Fähigkeiten.“

„Das klingt gefährlich.“

„Ich bin Major Whitlock.“

Sie lachte.

„Nein.“

Ich sah sie an.

„Nein?“

„Nicht heute.“

Sie trat näher.

„Heute bist du einfach Jasper.“

Ich legte meine Arme um sie.

„Damit kann ich leben.“

Sie schmiegte sich an mich.

„Gut.“

Am Nachmittag fuhren wir gemeinsam in die Stadt.

Es war nichts Besonderes.

Zumindest hätte es für jeden anderen so ausgesehen.

Für mich war es das Gegenteil.

Bella saß neben mir im Wagen, ihre Hand lag auf meinem Oberschenkel, während sie mir erklärte, welche Rosen sie kaufen wollte.

„Keine roten.“

„Warum?“

„Zu offensichtlich.“

„Welche dann?“

„Weiße.“

„Warum?“

Sie sah aus dem Fenster.

„Weil sie mich an dich erinnern.“

Ich sah kurz zu ihr.

„Warum?“

„Weil du nach außen so ruhig wirkst.“

„Und innen?“

Sie grinste.

„Das finde ich noch heraus.“

Ich lachte leise.

„Ich glaube, du überschätzt dich.“

„Ich habe hundert Jahre Übung darin, dich zu beobachten.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Das ist unfair.“

„Das Leben ist unfair.“

„Das sagt ausgerechnet die Frau, die mich mit einer Rose vergleicht.“

Sie lachte.

Und ich merkte, wie sehr ich dieses Geräusch inzwischen liebte.

Nicht die Erinnerung daran.

Nicht das Bild aus dem Tagebuch.

Dieses Lachen.

Das hier.

Die Frau neben mir.

Als wir später wieder bei ihr ankamen, stellte Bella die Rosen vorsichtig auf die Veranda.

Ich half ihr, die Erde vorzubereiten.

Sie beobachtete mich dabei.

„Du weißt wirklich, was du tust.“

„Ein bisschen.“

„Woher?“

Ich hielt inne.

Die Antwort war schwieriger, als sie hätte sein müssen.

„Ich weiß es nicht.“

Bella verstand sofort.

Sie trat näher.

„Das ist in Ordnung.“

Ich sah sie an.

„Im Tagebuch wusste ich viel über einen Garten.“

„Aber du erinnerst dich nicht daran.“

„Nein.“

Ich sah auf die Erde zwischen meinen Händen.

„Manchmal fühlt sich das merkwürdig an. Ich lese, was ich geschrieben habe, und erkenne mich darin. Aber ich erinnere mich nicht daran, es erlebt zu haben.“

Bella legte ihre Hand auf meinen Arm.

„Dann müssen wir nicht versuchen, den alten Jasper wiederzufinden.“

Ich sah sie an.

„Nein?“

„Nein.“

Sie nahm meine Hand.

„Wir können diesen hier kennenlernen.“

Ich verschränkte meine Finger mit ihren.

„Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich wirklich verstehen kann, was du damit meinst.“

„Was?“

„Dass ich nicht zurückmuss.“

Ihre Augen wurden feucht.

Sie lächelte trotzdem.

„Nein.“

Ich zog sie näher.

„Und du auch nicht.“

Sie lehnte ihre Stirn an meine.

„Dann bleiben wir hier.“

„Hier?“

„In der Gegenwart.“

Ich küsste sie.

Langsam.

Tiefer als am Morgen.

Ihre Hände legten sich um meinen Hals.

Meine glitten über ihren Rücken.

Es war keine Erinnerung.

Kein Versprechen aus einem anderen Jahrhundert.

Keine Wiederholung von etwas, das wir verloren hatten.

Es war unsere eigene Erinnerung.

Eine, die gerade erst entstand.

Als wir uns voneinander lösten, sah Bella mich an.

„Die erste Rose pflanzen wir zusammen.“

„Und die Bank?“

„Auch.“

„Wann?“

Sie lächelte.

„Morgen.“

„Dann habe ich morgen eine Verabredung.“

„Mit mir.“

„Mit dir.“

Sie küsste mich noch einmal.

„Gut.“

Ich hielt sie fest.

Und zum ersten Mal dachte ich nicht daran, wie lange ich sie verloren hatte.

Ich dachte daran, wie viel Zeit noch vor uns lag.