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Etwas stimmt nicht

The Majors Promise — www.fanfiktion.de · All chapters

Etwas stimmt nicht

Bellas POV:

Ich wusste zuerst nicht, wann es angefangen hatte.

Vielleicht am Morgen.

Vielleicht schon in der Nacht.

Vielleicht sogar früher.

Es war nichts gewesen, das man sofort hätte benennen können.

Nur dieses seltsame Gefühl, dass mein Körper nicht ganz derselbe war wie noch vor einigen Tagen.

Ich bemerkte es zum ersten Mal, als ich morgens aus dem Bett stieg.

Normalerweise war ich nach dem Aufwachen sofort wach.

Nicht unbedingt voller Energie, aber klar.

Meine Gedanken funktionierten.

Mein Körper fühlte sich vertraut an.

An diesem Morgen musste ich mich am Bettpfosten festhalten.

Nur für einen Moment.

Dann war es vorbei.

Ich schloss die Augen.

„Alles gut“, murmelte ich zu mir selbst.

Es war lächerlich.

Ich war nicht krank.

Zumindest nicht auf die Art, wie Menschen krank wurden.

Ich hatte seit Jahrzehnten mit meinem seltsamen Zustand gelebt.

Mein Herz schlug.

Ich konnte schlafen.

Ich konnte essen.

Ich konnte bluten.

Ich konnte altern, wenn auch nicht wie ein Mensch.

Und trotzdem war ich stark genug, um mit Vampiren mitzuhalten.

Mein Körper hatte sich an diesen Zwischenzustand gewöhnt.

Ich hatte gelernt, ihm zu vertrauen.

Bis jetzt.

Ich ging in die Küche.

Der Geruch von Kaffee, den ich mir eigentlich nur aus Gewohnheit machte, ließ meinen Magen plötzlich umkippen.

Ich blieb stehen.

„Nein.“

Ich stellte die Tasse wieder ab.

Allein der Geruch war plötzlich unerträglich.

Ich öffnete das Fenster.

Kalte Luft strömte herein.

Besser.

Viel besser.

Ich atmete tief durch.

Dann hörte ich das Auto.

Jasper.

Natürlich.

Er war inzwischen so selbstverständlich Teil meiner Tage geworden, dass ich manchmal vergaß, wie ungewöhnlich das eigentlich war.

Ich hörte die Tür.

Seine Schritte.

Dann stand er in der Küche.

„Guten Morgen.“

„Guten Morgen.“

Er blieb stehen.

Ich sah es sofort.

Dieser winzige Moment, in dem sich seine Miene veränderte.

Jasper bemerkte alles.

„Was ist?“

„Nichts.“

Sein Blick ging zu meiner Tasse.

Dann zum offenen Fenster.

„Du hast den Kaffee weggestellt.“

„Ja.“

„Warum?“

„Ich hatte keine Lust darauf.“

Er sah mich an.

„Du trinkst jeden Morgen Kaffee.“

„Heute eben nicht.“

Er kam näher.

„Bella.“

Ich seufzte.

„Mir ist ein bisschen übel.“

Seine Miene wurde sofort ernst.

„Seit wann?“

„Seit heute Morgen.“

„Und davor?“

Ich zögerte.

„Ich war gestern müde.“

„Müde?“

„Ja.“

Er sah mich lange an.

„Wie müde?“

„Jasper.“

„Wie müde?“

Ich verschränkte die Arme.

„So müde, dass ich mich hingelegt habe.“

„Das ist ungewöhnlich.“

„Ich kann schlafen.“

„Das weiß ich.“

Seine Stimme war ruhig.

Zu ruhig.

„Aber du schläfst normalerweise nicht mitten am Tag.“

Ich sah zur Seite.

Er hatte recht.

Am Tag zuvor hatte ich mich tatsächlich fast zwei Stunden hingelegt.

Ohne besonderen Grund.

Ich hatte einfach das Gefühl gehabt, dass mein Körper es verlangte.

„Vielleicht habe ich mich übernommen.“

„Womit?“

„Mit nichts.“

Er trat näher.

Seine Hand legte sich an meine Stirn.

Ich musste lächeln.

„Du bist kein Arzt.“

„Das ist mir bewusst.“

„Dann hör auf, mich so anzusehen.“

„Wie sehe ich dich an?“

„Als würdest du gleich Carlisle holen.“

„Das könnte ich.“

„Jasper.“

Er lächelte kurz.

Doch seine Augen blieben ernst.

„Ich mache mir Sorgen.“

Ich nahm seine Hand.

„Es ist nichts.“

Er antwortete nicht.

Stattdessen verschränkte er seine Finger mit meinen.

Am Nachmittag ging es mir wieder besser.

Zumindest dachte ich das.

Wir waren im Garten.

Jasper arbeitete an der Bank, die wir angefangen hatten.

Ich saß auf der Veranda und sortierte die Rosen.

Es war ein schöner Tag.

Ruhig.

Warm.

Und dann stand ich plötzlich auf.

Alles drehte sich.

Ich griff nach der Tischkante.

„Bella.“

Jasper war im selben Augenblick bei mir.

„Ich habe nur—“

Ich kam nicht weiter.

Mein Herz schlug plötzlich viel zu schnell.

Ein heftiges, unregelmäßiges Pochen gegen meine Brust.

Ich legte die Hand darauf.

„Was passiert?“

„Ich weiß es nicht.“

Jasper hielt mich fest.

„Setz dich.“

„Mir geht es gleich wieder gut.“

„Bella.“

Diesmal widersprach ich nicht.

Er half mir auf die Bank.

Ich schloss die Augen.

Mein Herz raste noch immer.

Ich konnte seinen Blick auf mir spüren.

„Es wird langsamer“, sagte ich.

„Ich weiß.“

Natürlich wusste er es.

Er hörte jeden einzelnen Schlag.

Nach einigen Minuten beruhigte sich mein Herz wieder.

Ich öffnete die Augen.

Jasper kniete vor mir.

„Das ist nicht normal.“

Ich wollte widersprechen.

Doch ich konnte nicht.

Denn das war es nicht.

„Vielleicht habe ich etwas eingefangen.“

Er schüttelte langsam den Kopf.

„Du weißt, dass das nicht der Punkt ist.“

„Dann was?“

„Ich weiß es nicht.“

Das war das Beunruhigende.

Jasper wusste sonst fast immer, was ich fühlte.

Er konnte die kleinsten Veränderungen wahrnehmen.

Und trotzdem konnte er mir nicht sagen, was mit mir geschah.

Er nahm meine Hand.

„Wir fahren zu Carlisle.“

Ich sah ihn an.

„Jetzt?“

„Ja.“

„Ich möchte nicht, dass er mich sofort untersucht.“

„Warum?“

„Weil ich nicht weiß, ob ich krank bin.“

„Eben deshalb.“

Ich schwieg.

Dann wurde mir wieder übel.

Diesmal stärker.

Ich sprang auf und schaffte es gerade noch bis zum Rand des Gartens.

Jasper war sofort hinter mir.

Ich musste mich übergeben.

Es war kaum etwas da.

Mein Magen war fast leer.

Aber die Übelkeit blieb.

Als sie endlich nachließ, blieb ich vornübergebeugt stehen.

Jasper hielt mein Haar zurück.

Ich schloss die Augen.

„Das ist lächerlich.“

„Was?“

„Ich habe seit Jahrzehnten nicht mehr so reagiert.“

Er sagte nichts.

Ich richtete mich langsam auf.

„Ich bin nicht krank.“

„Das weißt du nicht.“

Ich sah ihn an.

„Ich kenne meinen Körper.“

„Und ich kenne dich.“

Seine Stimme war sanft.

„Und deshalb weiß ich, dass etwas nicht stimmt.“

Ich wollte wieder widersprechen.

Doch plötzlich konnte ich nicht mehr.

Nicht, weil mir schlecht war.

Sondern weil ich Angst bekam.

Eine ganz kleine.

Noch kaum greifbare Angst.

Aber sie war da.

„Jasper.“

„Ja?“

„Wenn etwas mit mir nicht stimmt …“

Er nahm mein Gesicht zwischen seine Hände.

„Dann finden wir heraus, was es ist.“

„Und wenn Carlisle nichts findet?“

„Dann suchen wir weiter.“

„Und wenn es schlimmer wird?“

Sein Blick wurde fest.

„Dann bleibe ich bei dir.“

Ich schluckte.

„Du kannst nichts dagegen tun.“

„Das weiß ich.“

Er strich mit dem Daumen über meine Wange.

„Aber ich kann bei dir sein.“

Ich lehnte meine Stirn gegen seine.

„Du machst es mir schwer, Angst zu haben.“

„Das ist Absicht.“

Ich lächelte schwach.

Dann schloss ich die Augen.

Seine Arme legten sich um mich.

Ich hörte seinen ruhigen Atem nicht.

Vampire atmeten nicht aus Notwendigkeit.

Und trotzdem tat er es manchmal.

Für mich.

Damit ich mich nicht so allein fühlte.

Ich wusste noch nicht, was mit mir geschah.

Ich wusste nicht, warum mein Körper plötzlich nicht mehr so funktionierte wie sonst.

Ich wusste nur, dass etwas anders war.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich Angst vor meinem eigenen Körper.

Nicht vor dem, was er geworden war.

Sondern davor, dass er vielleicht gerade dabei war, sich erneut zu verändern.

Und ich hatte keine Ahnung, warum.