Sinking – Additional Content [zeitlich zwischen The Glimpse of Us und SoD]
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Das Wasser des Brunnens leuchtete im Mondlicht. Wolkenlos war der Himmel, lie0 all die Sterne glitzern. Die Luft war immer noch warm.
Mit schweren Schritten ließ er sich an der Mauer des Brunnens nieder und ließ den Kopf in den Nacken kippen.
Schwerfällig atmete er aus und schloss die Augen. Hörte nur dem Plätschern des Wassers zu. Es war nicht beruhigend, im Gegenteil. Dass es sich so leise und sicher anhörte, jagte ihm Angst ein.
„Will ich wissen, was du hier zu so später Stunde machst?“
Er blickte auf, erkannte Zora in der Tür ihres Ladens. Mit kleinen Schritten ging sie auf ihn zu, stützte sich auf ihrem Gehstock.
Er winkte ab, schüttelte den Kopf. „Ich brauch bloß 'nen Moment.“
Zora schnalzte mit der Zunge und setzte sich langsam auf die Bank des Brunnens, sodass sie auf ihn hinabschauen konnte. „Deine Frau könnte einen Moment gebrauchen“, sagte sie. „Hana ist ein paar Wochen alt und du traust dich, deine Frau mit ihr allein zu lassen, an Akis Stelle hätt ich dich schon einen Kopf kürzer geschlagen.“
Er lachte nicht.
Senkte stattdessen den Blick und hob die Schultern. „Sie ist nicht allein, Hideo und Setsuko sind da. Und Nanami und Midori. Das Haus ist voll.
„Ah ja, die Großeltern und Tanten nehmen dir also die Arbeit ab?“
Wieder hob er die Schultern. „Nein, ich… ich brauch nur einen Moment. Das ist alles.“
„Gut“, meinte sie, atmete tief durch. „Dann nehmen wir uns einen Moment und gehen danach wieder nach Hause.“
Verwirrt sah er zu ihr, doch sie hatte die Augen geschlossen. Ei kleines Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
Sie stellte keine Fragen mehr, ließ ihm die Ruhe. Zum Glück.
Er hatte keine Ahnung, was er sagen sollte.
Dass er seine Familie über alles liebte.
Dass sie wie die perfekte Familie aussahen und alle nur Strahlen in den Gesichtern hatten.
Dass Aki erschöpft war von den vielen Diskussionen, die sie ihm verschwieg.
Dass Nanami nicht ohne Grund fast täglich zu Besuch war.
Dass es sich wieder so anfühlte, als würde er im endlos schwarzen Loch versinken.
Obwohl alle so davon überzeugt waren, dass es dieses Mal anders und besser war und werden würde, er war dennoch wie gelähmt.
„Was macht die andere Dame in eurer Familie?“, fragte Zora plötzlich.
Er unterdrückte ein Seufzen.
Zora schnalzte nochmals mit der Zunge. „Diese Rose . So eine freche junge Dame, die sollte ganz dringend Manieren lernen.“
Er schnaubte. „Sie ist irgendwie dabei, würde ich sagen.“
„Ra sei Dank, dann kann es ja nur besser werden“, antwortete Zora und ein heiseres Lachen entglitt ihr, dann holte sie tief Luft. „Das war ein guter Moment. Auch wenn euer Haus voll ist, ich bin mir sicher, deine Kinder brauchen ihren Papa und Aki ihren Mann. Na los.“
„Ich werde gnadenlos durch die Gegend gescheucht“, witzelte er, stand auf und half ihr ebenfalls wieder auf die Beine. Sie stupste mit ihrem Gehstock an sein Bein. „Zurecht, du hast deine Frau nicht mit einem Baby allein zu lassen, auch wenn Hilfe zugegen ist.“ Sie wandte sich ab und hob die Hand. „Gute Nacht, Yusei.“
„Gute Nacht, Zora.“
Es dauerte eine Weile, bis sie wieder in dem Laden verschwand und die Lichter erloschen.
Yusei hatte die Hände in den Hosentaschen stecken und sah wieder zum Brunnen.
Der Moment war nicht lang genug.
Aber wie lang dauerte ein Moment, um sich in den eigenen finsteren Gedanken zurechtzufinden, ohne davon verschlungen zu werden?