Prayer – mild spoiler
Prayer – mild spoiler
Geht weiter, geht weiter, kommt hier nicht rein, bitte bitte geht weiter.
Sie kniff die Augen zu, die Hand über ihrem Mund dämpfte jedes Geräusch, das ihr entfloh.
Bitte wirf keinen Schatten, bitte bitte mach, dass sie keinen Schatten werfen.
„Sicher, dass bei Ihnen alles in Ordnung ist?“, erklang die tiefe Stimme. „Die Blutspur führt zu Ihrer Tür.“
Verwundert sah Nyoko zum Boden und schnappte nach Luft, als wär es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen. „Ach so, das meinen Sie! Nein, das war nur mein… Freund, der sich geschnitten hat.“ Hilfesuchend sah sie zu Declan, der sich den Finger bereits mit einem Küchentuch umwickelt hatte. Mit einem Lächeln begrüßte er die Männer, hob dabei die umwickelte Hand hoch. „Fragt mich nicht, wie ich das geschafft habe, muss irgendwo auf dem Weg passiert sein.“
Nyoko seufzte. „Manchmal frage ich mich, wie ihr Männer so lang überleben könnt.“
Declan sah sie scharf an, doch sie zuckte mit den Schultern. „Ist doch wahr. Ich wette mit dir, dass das genäht werden muss, so stark, wie das blutet.“ Dann wandte sie sich wieder den Männern an der Tür zu. „Entschuldigen Sie, wir wollten Sie nicht erschrecken. Ich kümmer mich um die Reinigung vom Hausflur.“
„Ja, das ist etwas blöd gelaufen“, gab Declan zerknirscht zu. „Tut mir wirklich leid.“
„Kein Problem“, murmelte der Mann, musterte beide. Nyoko in ihrem Pyjama und Declan mit dem verwischten Blut auf dem T-Shirt und dem Küchentuch, das triefend rot angelaufen war. Er räusperte sich. „Gute Besserung und einen schönen Abend.“
„Danke, Ihnen auch“, erwiderte Nyoko, schloss die Tür und nahm Declans Hand, hielt dann still. „Jetzt zeig her, wie tief die Wunde ist. Bei dem ganzen Blut kannst du froh sein, dass der Finger noch dran ist.“
Beide jedoch beobachteten die Schatten unter dem Türspalt. Wie sie sich langsam entfernten.
Bitte kommt nicht zurück, geht weiter und kommt nicht zurück, schöpft bloß keinen Verdacht.
Geht weg.