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Kapitel

《Transparent》- A New Home — www.fanfiktion.de · All chapters

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Obwohl sie gestern erst um zwei Uhr nachts nach Hause kam, war Sasha schon um fünf wieder auf, um mit Charlie vor der Schule noch raus zu gehen. Takeda stand zu einer ähnlichen Uhrzeit auf. Aber aus dem Grund, dass er ab jetzt statt nur eines für sich selbst, zwei Bentos für den Mittag vorbereitete. Während Sasha weg war, kochte er Reis, wusch und schnippelte Gemüse, bereitete ein Omelett zu und ordnete alles liebevoll in die zwei Boxen. Als er fertig war, setzte er die Deckel drauf und umwickelte sie mit bunten Furoshiki. Danach machte er sich etwas Kleines zum Frühstück.

Sasha ließ sich einiges an Zeit mit ihrem Spaziergang. Als sie zurückkam, war Takeda bereits dabei, das Haus zu verlassen. Sie eilte die Treppe hoch und machte sich fertig, während Takeda Charlie etwas Futter in den Napf füllte und ihn streichelte. Nach einem Blick auf die Uhr stellte er fest, dass er auch spät dran war und ging doch vor ihr hinaus. Er hinterließ aber zur Sicherheit einen Zettel auf dem Tisch, der auf das Bento hinwies.

Als Sasha wieder die Treppe runter kam, dachte sie jedoch gar nicht erst daran, was auf dem Tisch lag, irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken. Schnell richtete sie ihre Uniform, bevor sie ihre Tasche schnappte und durch die Haustür verschwand.

Die ersten paar Minuten joggte sie die Straße entlang. Sobald sie den Laden auf dem Weg passierte, schraubte sie ihr Tempo zurück und lief den Rest entspannt zur Karasuno.

Es war komisch, all die Schüler auf dem Gelände zu sehen. Das gab der Schule gleich eine ganz andere Atmosphäre. Durch den Haupteingang betrat sie das Schulgebäude. Ihr wurde schnell klar, dass die Orientierung ein Problem werden würde. Lauter fremde Menschen umgaben sie und sie hatte keine Ahnung, wo das Sekretariat war. Mit den Schildern über den Türen konnte sie auch nichts anfangen, da sie alle mit Kanji bedruckt waren.

Wohl oder übel ging sie auf ein paar Mädchen zu, um sie nach der Richtung zu fragen.

Sobald Sasha auf sie zuging, rückten sie peinlich berührt zusammen, erklärten ihr aber dennoch höflicherweise den Weg. Dankend machte sie eine kleine Verbeugung, bevor sie der Anweisung der Mädchen folgte.

Die Schulglocke klingelte schon, als sie endlich beim Sekretariat ankam. Auch die Sekretärin war sehr freundlich und gab Sasha direkt die ihr fehlenden Dokumente. Darunter ein Stundenplan und ein Schülerausweis. Danach erklärte die ältere Dame ihr den Weg zu ihrem Klassenraum. Sie machte sich direkt auf den Weg.

Vor dem Klassenraum blieb Sasha stehen und checkte nochmal ihren Stundenplan, um sicherzugehen, dass es auch der richtige war.

Hinter dieser Tür verbarg sich ihre neue Klasse.

Das hieß, der heutige Tag würde über das nächste Jahr, oder immerhin die nächsten zehn Monate ihres Lebens entscheiden.

Sasha atmete einmal tief durch, hob ihre Hand und klopfte sanft gegen das Holz.

Die Tür öffnete sich. Die junge Lehrerin vor ihr sah sie erst etwas verdutzt an, lächelte aber dann freundlich.

“Du bist Sasha Weber, nicht wahr? Willkommen an der Karasuno. Komm doch herein.”

Sasha machte eine kleine Verbeugung und folgte ihr in das Klassenzimmer. Ihr war jeder Schritt bewusst, den sie tätigte. Sobald sie hinter der Schwelle hervor trat, rumpelte es im Raum. Alle standen auf. Zwanzig Augenpaare waren auf sie gerichtet.

Ihr Blick blieb ausdruckslos, ihre Arme schwangen locker neben ihr her, ihre Schultern waren entspannt. Sie ließ sich nichts anmerken.

Gelangweilt ließ sie ihre Augen schweifen. Lauter Fremde Gesichter. Mehr Jungen als Mädchen. Eine relativ diverse Klasse. Alle ordentlich gekleidet. Jeder starrte sie an, als würden sie-

Nein, das hier waren fremde Gesichter. Sie wussten nichts. Sie kannten Sasha nicht. Es gab nichts, was sie ihr vorhalten konnten. Hier durfte sie ihren Neuanfang machen.

“Alle zusammen, das hier ist eure neue Klassenkameradin. Sie kommt aus Deutschland. Bitte seid freundlich und behandelt sie mit Respekt.”, begann die Lehrerin und drehte sich dann zu ihr.

“Stell dich doch bitte kurz vor.”

Sasha steckte ihre Hände in ihre Hosentaschen und begrüßte die Gleichaltrigen vor ihr.

“Hallo, mein Name ist Sasha Weber, ihr dürft mich aber gerne nur Sasha nennen. Schön euch kennenzulernen. Auf gute Zusammenarbeit.”

Sie machte eine tiefe Verbeugung.

“Vielen Dank Sasha. Ich heiße Aiko Nakamura und das hier ist deine neue Klasse, die 3-1. Herzlich willkommen.”

Die Schüler begrüßten sie alle zusammen und verbeugten sich ebenfalls. Danach setzten sie sich. Sasha war schon bereit, sich ihren Platz zu suchen. Nakamura machte ihr jedoch einen Strich durch die Rechnung.

“Habt ihr irgendwelche Fragen an sie?”

Sofort meldete sich ein Junge mit schelmischem Grinsen aus der zweiten Reihe. Nakamura nahm ihn dran.

“Bist du ein Junge oder ein Mädchen?”

Wahrscheinlich war es die Frage, die sich jede Person in diesem Klassenraum dachte.

Sasha musterte ihn genervt. “Ich bin ein Mädchen.”

“Aber du trägst doch eine Jungenuniform.”, wandte eine andere Schülerin ein, ohne sich zu melden. Sie schnalzte mit der Zunge.

“Das liegt an einer Verwechslung. Meine richtige Uniform kommt in einer Woche.”

Grimmig warf sie Frau Nakamura einen auffordernden Blick zu. Diese wollte darauf direkt bei dem unhöflichen Verhalten ihrer Schüler etwas einwenden, kam aber nicht zu Wort.

Eine weitere Hand schoss in der hintersten Reihe hoch.

“Betreibst du irgendwelche Sportarten?”, schnitt ihr ein Mädchen mit kurzen braunen Haaren das Wort ab.

Sasha zögerte, warf Nakamura einen kurzen Blick zu, bevor sie antwortete.

“Früher habe ich Kampfsport gemacht. In der Mittelstufe habe ich Volleyball gespielt, aber aktuell skate ich nur noch.”

“Das ist doch toll. Ich glaube, das waren aber genug Fragen für jetzt. Falls ihr noch mehr Fragen habt, könnt ihr Sasha ja in der Pause fragen.”, ging Nakamura schließlich dazwischen.

“Sasha, setz dich doch hinten neben Michimiya.”

Sie zeigte auf das Mädchen, das sich zuletzt gemeldet hatte. Sasha nickte und lief zwischen den Reihen hindurch zu ihrem Tisch. Ihr folgten ein paar Augenpaare, bis sie sich am Fenster auf ihren Platz setzte. Besonders ihre Tischnachbarin schien sehr auf sie fixiert zu sein.

Die Stunde verging relativ schnell. Möglicherweise lag das daran, dass Sasha sich kaum beteiligte und nur aus dem Fenster starrte. Irgendwann klingelte die Glocke und kündigte die Pause an.

Sasha erwartete nicht, dass irgendjemand mit ihr sprechen wollte. Deswegen überraschte es sie fast, als ihre Tischnachbarin sie antippte. Desinteressiert schaute sie zu dem Mädchen rüber, welches sie wie ein Sonnenschein anstrahlte.

“Du hast also früher Volleyball gespielt? Ja?”

Für ein paar Sekunden starrte Sasha sie grimmig an, in der Hoffnung, sie ließe sie peinlich berührt in Ruhe. Als sie Sasha aber weiter erwartungsvoll anstarrte, gab sie letztendlich nach und antwortete trocken. “In der Mittelstufe.”

Sie rückte mit ihrem Stuhl näher ran.

“Ich bin Kapitänin des Mädchen-Volleyballclubs der Karasuno. Hättest du nicht vielleicht Lust uns beizutreten? Schließlich hast du Erfahrung und wir könnten die Unterstützung gut gebrauchen!”

Sasha sah sie mit gehobener Augenbraue an.

“Kannst du vergessen.” Sie schüttelte den Kopf.

Endlich kippte Michimiyas strahlendes Lächeln.

“Wie- Was? Wieso lehnst du so schnell ab? Willst du nicht nochmal darüber nachdenken?”

“Ich habe seit Jahren nicht mehr gespielt und möchte es auch gerne dabei belassen. Nettes Angebot, aber nein danke.”

Trotz ihrer Absage gab Michimiya nicht auf. Freundlich lächelnd versuchte sie, Sasha weiter zu überzeugen.

“Aber es wäre doch schön, ein altes Hobby wieder aufleben zu lassen!”

“Nein, danke.”

“Wir sind ein sehr offenes Team!”

“Danke, aber nein danke.”

“Dadurch lernst du auch direkt ein paar neue Freundinnen kennen!”

“Vielen Dank, aber das habe ich nicht nötig.”, schnitt Sasha sie schließlich harsch ab.

Michimiya seufzte.

“Na gut. Lass es aber zumindest ein bisschen auf dich wirken. Das Angebot steht weiterhin.”

Sasha rollte mit den Augen.

“Ich bin übrigens Yui Michimiya. Schön dich kennenzulernen.”

“Gleichfalls.”, gab Sasha wieder und drehte ihre Aufmerksamkeit zurück zum Fenster.

Anscheinend war das genug, um Michimiya zu zeigen, dass sie keine Lust auf ein Gespräch hatte. Letztendlich ließ die Kapitänin sie in Ruhe.

-

Die Mittagspause brach an und die meisten Schüler verteilten sich, um mit Freunden ihr Bento zu essen. Da Sasha nichts dabei hatte, dachte sie sich, sie könnte die Zeit nutzen, um herauszufinden, wo der Volleyballclub später sein würde. Schließlich hatte Takeda sie ja dahin gebeten, um ihr diesen Musterschüler vorzustellen, von dem sie Nachhilfe bekommen sollte. Wahrscheinlich wäre es also am schlausten, erst mal Takeda zu suchen und ihn zu fragen, wo sie hin musste.

Sasha trat aus dem Klassenzimmer und sah nach links und rechts.

Natürlich musste sie dafür erst mal wissen, wie sie zurück zum Lehrerzimmer kam. Etwas verloren trat sie in den Gang, lief erst mal nach rechts und richtete dabei die Tasche über ihrer Schulter. Nur um sicherzugehen, checkte sie, ob sie ihr Handy eingepackt hatte und nichts mehr von ihr im Klassenraum war. Vor ihr, gegen ein offenes Fenster gelehnt, war eine kleine Gruppe Jungs. Als sie vorbei lief, hörte Sasha sie tuscheln.

“Hey, schau mal. Da kommt Shimizu.” “Shimizu? Ehrlich?! Schnell! Haltet alle die Klappe!” “Heute ist sie noch schöner als sonst~.”

Sasha blieb im Gang stehen.

Shimizu? Der Name kam ihr bekannt vor…Kiyoko Shimizu etwa?… Wer war das denn nochmal?

Auf einmal lief ein schwarzhaariges Mädchen mit Brille an ihr vorbei.

“Wow…”, staunte einer der Jungs und sie schauten ihr gemeinsam hinterher.

Sasha musste ihnen zustimmen. Sie war wirklich eine Schönheit. Plötzlich erinnerte sie sich.

Kiyoko Shimizu. Die Managerin des Jungen-Volleyballclubs der Karasuno. Takeda hatte sie erwähnt.

Schnell hielt sie die andere Schülerin an der Schulter fest. Sie konnte ihr bestimmt sagen, wo sie hin muss.

“Hey, du bist doch Kiyoko Shimizu, nicht wahr?”, fragte Sasha und zwang sich zu einem Lächeln. Shimizu zuckte zusammen und sah sie etwas schockiert an.

“Bist du nicht die Managerin vom Volleyballclub? Kannst du mir vielleicht helfen?”, bat die größere Schülerin. Dabei merkte sie gar nicht, wie nah sie Shimizu eigentlich stand.

Shimizu rückte nervös ihre Brille auf der Nase hoch und antwortete kleinlaut.

“Ja, die bin ich. Was willst du von mir?”

“Ich möchte nur wissen, wo der Volleyballclub gleich stattfindet. Das ist alles.”

Nervös schluckte die Managerin.

“Also, tut mir leid, aber um dem Club beizutreten, brauchst du ein Anmeldeformular.”

Sasha zog eine Augenbraue hoch. “Beitreten? Nein, nein, ich will nicht beitreten. Es ist nur-”

Sie wurde unterbrochen, als ein paar Schüler an ihnen vorbei wollten. Ohne darüber nachzudenken, rückte Sasha etwas näher an Shimizu ran. Da sie von den anderen Schülern etwas gedrängt wurde, lehnte sie sich neben dem Kopf der Managerin an der Wand ab, um nicht umzukippen.

Sobald die Gruppe vorbeigegangen war, machte sie der anderen wieder Platz.

“Tut mir leid. Jedenfalls, was sich sagen wollte-”

Plötzlich legte sich ruckartig ein Arm um ihre Schulter. Ein kahlrasierter Schüler zog sie an sich ran und knurrte provozierend.

“Na Kumpel! Alles fit im Schritt? Du scheinst dich ja blendend mit unserer Kiyoko zu verstehen, was?!”, meinte er lautstark. Sasha erstarrte.

“Willst du mir nicht mal sagen, warum du ihr so auf die Pelle rückst, Freundchen?"

“Was zum-”

Sasha brauchte einen Moment, bevor sie ihn wiedererkannte. Er war einer der Jungs, der ihr am Samstag während ihrer Erkundungstour entgegenkam.

Der Griff um ihre Schulter wurde etwas enger, als würde er sie gleich in den Schwitzkasten nehmen wollen. Sasha schubste ihn genervt von sich. “Was soll der Scheiß? Lass mich in Ruhe.”

Der Junge stolperte ein paar Schritte zurück und sah sie dann wütend an.

“Was fällt dir ein?! Spielst dich hier auf wie der größte Macker und wirst auch noch handgreiflich?!”

Auf einmal packte der Kerl sie am Kragen. Ihre Füße lösten sich leicht vom Boden.

“Du Penner lässt mal schön die Finger von unserer Kiyoko, hast du gehört?!”

Er war nicht viel größer als sie. Definitiv kräftig gebaut. Betreibt Sport. Impulsiver Charakter. Provokant. Sasha hasste große Klappen.

“Sag schon du-!”

Ihre Faust flog schneller, als dass sie darüber nachdenken konnte.

Schmerzhaft kollidierte sie mit dem Wangenknochen des Jungen.

Sofort wurde sie losgelassen.

Raunen durchzog den Gang. Es folgte angespanntes Schweigen. Ein zweites Mal heute, waren alle Augen auf sie gerichtet. Der Junge vor ihr hielt gekrümmt sein Gesicht. Sasha rieb ihre gerötete Faust.

Langsam erhob er sich wieder. Sie funkelte ihn wütend an. Als sein zorniger Blick sie traf, wusste sie jedoch, dass sie einen Fehler begangen hatte.

Zwei Sekunden und sie knallte plötzlich mit dem Rücken auf den Holzboden. Der Junge hatte sich auf sie gestürzt. Mit geballten Fäusten schlug er nun auf sie ein. Zum Glück konnte sie schnell genug ihre Arme heben und schützte mit den Unterarmen ihren Kopf. Seine Bewegungen waren gehetzt. Von Ärger gelenkt. Wahrscheinlich prügelte er sich nicht oft. Sasha hatte also einen taktischen Vorteil.

Sobald sie eine Lücke erkannte, griff sie nach dem Kopf des anderen und verpasste ihm eine harte Kopfnuss. Sie nutzte die kurze Ablenkung und stieß ihn mit der Kraft ihrer Beine von sich. Das sollte ihr Zeit verschaffen, sich aufzurappeln.

Ihre Umgebung waren nur noch verschwommene Formen. Aus dem Augenwinkel erkannte sie, dass Shimizu verschwunden war.

Sasha stand nur wenige Sekunden, da packte ein Arm um ihren Hals und hielt sie fest. Er hatte sie im Schwitzkasten.

Wut mixte sich mit Adrenalin. Mehrmals versuchte sie, ihr Gewicht zu verlagern, um ihn über ihre Schulter zu werfen, aber sein Griff war zu stark. Er schnürte ihr immer mehr die Luft weg. In reiner Muskelkraft war er ihr weitaus überlegen. Allmählich wurde ihr schwarz vor Augen.

Plötzlich löste sich der Griff von ihr und sie flog mit einem Mal nach vorne. Den Aufprall bekam sie nicht mit. Am Boden aufgestützt musste sie erst mal tief Luft holen.

Hinter ihr waren Schreie zu hören.

“Hast du nen Knall?!”

“Was?! Er hat angefangen, okay?!"

“Aber du kannst dich doch nicht mit ihm prügeln! Willst du etwa wie Noya Club-Arrest bekommen?!”

Sasha drehte sich und griff nach ihrer Schultasche vor den Fremden. Ihr Blick wanderte nach oben.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Sie erstarrte.

“Na, Sucker?”

Eine Stimme hallte in ihrem Hinterkopf. Ein Stechen zog sich durch ihren Brustkorb.

“Du siehst anders aus.”

Du auch.

Aber was zur Hölle machst du hier?

“Sei froh, dass kein Lehrer euch gesehen hat!”

Die Luft blieb ihr im Hals stecken.

Sie konnte ihre Augen nicht von ihm abwenden. Ihr Körper bewegte sich in Zeitlupe.

Sie wollte aufstehen, aber ihre Beine ließen es nicht zu. Immer wieder rutschten ihre Füße aus, und sie fand keinen Halt.

Er drehte seinen Kopf zu ihr und seine Augen trafen ihre.

Sie war wie vom Blitz getroffen. Und auf einmal ging alles ganz schnell.

Sie erinnerte sich nicht, was passiert war.

Plötzlich war sie auf dem Schulhof. Ihre Lungen brannten und ihre Beine trugen sie auf die Straße.

Sie rannte.

-

Tanaka und Sugawara beobachteten, wie dem Fremden alle Farbe aus dem Gesicht wich. Auf einmal begann er, zurückzuweichen und versuchte panisch aufzustehen. Suga bemerkte seinen starren Blick, der dabei auf ihm haftete. Seine Miene sah fast gruselig aus. Als hätte er den Tod höchstpersönlich erblickt.

Sobald er es geschafft hatte, aufzustehen, ergriff er die Flucht und rannte mit Mordsgeschwindigkeit in die andere Richtung.

Suga hörte Tanaka neben sich dem Jungen hinterher rufen.

“Genau! Lauf nur! Und leg dich nie wieder mit uns an!”

Suga war sich bewusst, dass er nicht wegen Tanaka weggerannt war. Tanaka hatte seinen entgeisterten Blick wahrscheinlich gar nicht erst bemerkt. Schließlich war er ja auch nicht an ihn gerichtet.

Sugawara fragte sich, ob er den Jungen schon einmal irgendwo gesehen hatte.