Kapitel 1 – Der Brief
Kapitel 1 – Der Brief
A/N: Ich bin keine Transperson und habe somit keine Erfahrungen, wie sie mit Dysphorie und ähnlichem umgehen. Alles, was ich hier beschrieben habe baut auf einer Mischung aus meiner eigenen Vorstellung und Sachen die ich im Internet gelesen habe auf. Ich bin kein Experte was das Thema betrifft. Diese Fanfiktion beinhaltet Themen die Menschen triggern könnten unter anderem Transfeindlichkeit, Misgendering, familiäre Ablehnung, Mobbing, psychische Belastung, Atemprobleme durch zu enges Binden. Bitte lest nur weiter, wenn ihr mit solchen Themen umgehen könnt. Zum Schluss noch Transrechte sind Menschenrechte und wenn du trans bist, denk dran deinen Binder nicht länger als 8 Stunden zu tragen. Ich werde wöchentlich hier Kapitel hochladen. Jetzt aber los mit Kapitel 1.
James saß am Gryffindortisch in der großen Halle und aß sein Frühstück. Links von ihm verdrückte Peter einen Donut und rechts von ihm war Remus damit beschäftigt, sein Toast in vier Dreiecke zu schneiden und jedes mit einem anderen Aufstrich zu beschmieren. Sirius saß gegenüber von ihm, sein Spiegelei vergessen und sein Gesicht hinter einem aufgefalteten Brief verschwunden. Wütend zerknüllte er den Brief und James konnte ihm zwei Sachen vom Gesicht ablesen. Zum einen, dass der Brief von seiner Mutter gewesen sein musste, denn kein anderer Brief könnte ihn so sehr aus der Fassung bringen. Zum anderen musste sie eine Grenze deutlich überschritten haben, denn das Meiste, was sie heutzutage schrieb, ließ Sirius an sich abprallen, war er doch die Gemeinheiten seiner Mutter mittlerweile gewöhnt. James blickte von seinem Teller auf und machte sich auf eine Schimpftirade gefasst, und er sollte nicht lange warten. „Diese Frau, diese unmögliche Frau, wie kann man nur so gehässig sein? Und das zum eigenen Kind. Ich wusste ja, dass sie furchtbar ist …“ Sirius raufte sich die Haare: „Irgendwann bring’ ich sie noch um.“ James sah Sirius dabei zu, wie er den Brief wieder glattstrich, ein oder zwei Sätze las und ihn wieder zerknüllte. „Deine Mutter nehme ich an?“, stellte Remus fest, der nun von seinen fertig bestrichenen Toaststücken aufblickte. Sirius nickte nur. „Was hat sie nun wieder getan?“, fragte James, doch Sirius schüttelte nur den Kopf und antwortete: „Nicht jetzt, nicht hier drinnen, muss nicht jeder mitbekommen.“ Er ließ seinen Blick zum Slytherintisch hinüberwandern, wo sein Blick bei einer Person hängen blieb. James folgte seinem Blick zu Regina „Reggie“ Black, Sirius’ Schwester, die sich wohl über die Sommerferien die Haare kürzer geschnitten hatte. Wahrscheinlich ging es um sie in dem Brief, deswegen war Sirius auch so sauer gewesen. Er war seiner Schwester gegenüber schon immer sehr beschützerisch gewesen, auch als sie, wie zu erwarten, in Slytherin gelandet war. Auch wenn er es Sirius niemals sagen würde, hatte James seine Schwester schon immer hübsch und gut aussehend gefunden. Anscheinend waren die Blacks mit guten Genen gesegnet worden. Selbst jetzt, wo sie ihr Haar auf Kinnlänge abgeschnitten hatte, sah sie noch immer wunderschön aus, besser sogar. James schüttelte diese Gedanken ab. So sollte er nicht denken. Schließlich ging es hier um Sirius’ kleine Schwester und nicht um irgendein Mädchen. Er nickte auf Sirius’ Worte hin. Sie würden später über den Brief reden, wenn sie alleine waren.
Nach dem Frühstück fanden sie sich schließlich alleine in ihrem Schlafsaal wieder. Remus war mit Lily in die Bibliothek gegangen, um zu lernen und Peter saß im Gemeinschaftsraum und spielte Schach gegen Marlene. James setzte sich im Schneidersitz auf Sirius’ Bett und blickte ihn an. „Was hat deine Mutter jetzt geschrieben?“, fragte er, schließlich wollte er wissen, was seinen besten Freund so sauer machte. Sirius atmete tief ein: „Also in den Sommerferien hat Reggie uns allen erklärt, dass sie – nein, er ein Junge ist, es immer schon gewesen ist und im falschen Körper geboren wurde. Und dass er jetzt Regulus genannt werden möchte. Regulus, wenn das nicht mal ein guter Name ist und auch noch typisch Black. Naja, Mutter hat daraufhin ihn angeschrien, dass das bestimmt nur pubertäre Verstimmungen wären und dass er einfach nur öfter seine hübschen Kleider anziehen müsse. Als er sich dann die Haare abgeschnitten hat, ist sie fast an die Decke gegangen. Sie hat den ganzen Tag nicht mehr mit Reggie geredet, hat jede Tür geknallt und vor sich hin gemurmelt, wie das eigene Kind nur so undankbar sein konnte. Hat gesagt, Reggie würde das Haus Black entehren und mit so einem Quatsch die ganze Blutlinie besudeln, bla, bla, bla. Ich hab’s ja auch erst nicht verstanden. Aber wenn mein Bruder mir sagt, dass er mein Bruder ist, dann wird das wohl so stimmen. Ich habe ja gesehen, wie glücklich es ihn macht, in meinen Hosen herumzulaufen. Er sieht darin fast schon besser aus als ich und deutlich glücklicher als in all den Röcken, die er von Mutter bekommen hat. Auf jeden Fall ist das alles schon ein paar Wochen her und noch immer schreibt sie von Regina und nennt ihn meine Schwester. Wie kann man nur so ignorant sein!“ Wütend schlug er mit der Hand aufs Bett, schüttelte den Kopf und sackte dann ein wenig hilflos in sich zusammen. Er könnte tun, was er wollte, aber seine Mutter dazu zu bringen, Regulus so zu akzeptieren, wie er war, dazu wäre schon ein Imperius-Fluch nötig. James brauchte einen Moment, um das alles zu verarbeiten. Reggie, ein Junge, ihm ging es da wie Sirius, er konnte sowas nicht ganz verstehen, aber er hatte sich auch nie falsch in seinem Körper gefühlt. Wenn Reggie ein Junge war, was sollten da andere Leute mitzureden haben? War es nicht einfach nur wichtig, dass er glücklich war? Und wirklich schwierig war es jetzt auch nicht, von Reggie als er statt als sie zu denken. Er räusperte sich: „Also … dann hast du einen Bruder?“ Sirius blickte ihn an und nickte: „Sieht so aus.“ Sirius sah noch immer wütend aus, sein Gesichtsausdruck wirkte aber entspannter, als wäre er froh, dass James so gelassen reagiert hatte. „Deine Mutter reagiert mal wieder völlig über. Ich verstehe, warum du sauer bist. Sie wird sich auch nicht ändern, was?“ Sirius schüttelte den Kopf: „Niemals.“