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Kapitel 2 – Verwirrung

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Kapitel 2 – Verwirrung

James ließ sich rückwärts auf das Bett sinken und ein Gedanke von früher beim Frühstück sickerte langsam durch. Er hatte Regulus als Mädchen hübsch gefunden, aber jetzt, wo er ein Junge war, fand James ihn nicht weniger gut aussehend. Er fand sogar, dass die kurzen Haare ihn noch hübscher machten. Aber was hieß das für ihn? Stand er etwa auf Jungen? Konnte das wirklich sein? Er blickte an die Decke und es schien ihm, als würde sich der Raum um ihn herum drehen, immer schneller werden und in einem Strudel von Farben verschwimmen, welche sich neu zusammensetzten und Regulus’ Gesicht bildeten, das ihn anlächelte. Er schreckte hoch. Er musste eingenickt sein, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Sirius blickte ihn kurz verwirrt an. Als James aber seinen Kopf schüttelte, wandte er sich wieder seiner Plattensammlung zu. Für einen Moment überlegte James, seinen besten Freund zu fragen, wie dieser festgestellt hatte, dass er Jungs mochte, aber gleichzeitig wollte er nicht, dass Sirius etwas von seinen verwirrenden Gedanken über Regulus mitbekam.

Als er an diesem Tag nach einem erfolgreichen Quidditchtraining und einem füllenden Abendessen in den Schlafsaal zurückkehrte, war es, als hätte er eine Tür in seinem Kopf weit geöffnet, die er den ganzen Tag versucht hatte, so gut es ging, zu verbarrikadieren. Er hatte nicht an seine verwirrenden Gedanken vom Vormittag denken wollen, hatte versucht, noch mehr als sonst schon die Slytherins auf den Korridoren zu vermeiden, was ihm nur so semi gut gelungen war. Einmal war er geradewegs auf Regulus zugelaufen, welcher von Crouch und Rosier flankiert wurde. Er hatte es nicht lassen können, einen interessierten Blick auf ihn zu werfen. Er hatte ein weißes Hemd und die Slytherinkrawatte an und seine Beine steckten in einer zu großen, von einem Gürtel gehaltenen schwarzen Anzughose, welche an den Enden hochgekrempelt war. Im Vorbeigehen hatte er etwas bemerkt, was ihn erst jetzt stutzen ließ. Regulus’ Oberkörper hatte durch sein Hemd flach ausgesehen, genau wie sein eigener. Aber wie machte er das? Er konnte wohl kaum mit einem Zauber seine Brust einfach verschwinden lassen. Solche Zauber gab es doch überhaupt nicht. Wieso interessierte ihn das überhaupt so sehr? Eigentlich sollte er sich doch keine Gedanken über Regulus Black machen müssen. Klar, er war Sirius’ kleiner Bruder, aber mehr auch nicht, und mehr als ein „Hallo“ im Hogwartsexpress in Regulus’ erstem Jahr hatten sie auch nicht gewechselt.

Aber trotzdem fand James das ganze Thema hochinteressant, nicht mal unbedingt nur, weil es Reggie anging. Vielleicht, nein, sicherlich, gab es noch viele Menschen, die sich genauso fühlten wie Regulus. James wollte mehr wissen, mehr herausfinden, sich in Recherchen verstecken, damit er nicht mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert wurde. Er war noch nie besonders gut darin gewesen, mit seinen eigenen Gefühlen umzugehen, und er war auch nicht geduldig genug, um sich die Zeit zu nehmen, um sie zu verstehen. Wenn er etwas herausfinden wollte, dann immer sofort und impulsiv. Ja, vielleicht hatte James ein Problem, mit seinen Gefühlen umzugehen, aber es war einfach deutlich einfacher für ihn, Gefühle von außen zu betrachten, bei anderen, aber bei sich selbst … Er schüttelte den Kopf. Viel wichtiger war es, herauszufinden, wie man Menschen wie Regulus verstehen und ihnen helfen konnte. Aber konnte er das überhaupt, helfen, ohne zu wissen, wie er sich fühlte? Er wünschte sich, er könnte helfen.

Die Nacht lag er noch lange wach in seinem Bett, nicht in der Lage, einzuschlafen. Seine Gefühle hatten ihn dann doch eingeholt und er fühlte sich gezwungen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn er Regulus mochte, hieß das dann, dass er schwul war? Er hatte nie darüber nachgedacht, zu wem er sich hingezogen fühlte, und jetzt, im Bett liegend, stellte er fest, dass es ihn nicht störte, dass er anscheinend Jungs mochte. Aber hieß das, dass er keine Mädchen mehr mögen konnte? Nein, er fand sie genauso toll wie vorher. Vielleicht sollte er statt mit Sirius mal mit Remus reden. Der könnte ihm bestimmt einiges erklären. Als er mehr über seine Gefühle nachdachte, kam eine Erinnerung aus dem letzten Schuljahr hoch. Er hatte sie schon fast verdrängt, doch jetzt war sie wieder so klar in seinem Kopf, als wäre es gestern gewesen. Sie hatten sich mithilfe ihrer Karte Zugang zum Lagerraum der drei Besen verschafft und hatten ein paar Flaschen Butterbier und Feuerwhisky mitgenommen (James hatte sich schlecht gefühlt und deswegen ein paar Galleonen zurückgelassen). Zusammen hatten sie sich dann in den Schlafsaal gesetzt, über Sirius’ Plattenspieler Musik gehört und geredet. Irgendwann hatte Sirius betrunken Remus seine Liebe gestanden, als hätte er das nicht schon längst getan, und die beiden hatten angefangen, sich so intensiv zu küssen, dass James am liebsten den Raum verlassen hätte. Nicht viel später waren die beiden dann zusammengekuschelt auf Sirius’ Bett eingeschlafen und hatten dabei so süß ausgesehen, dass James sich am liebsten übergeben hätte. Also waren noch er und Peter wach geblieben. Sie hatten auf James’ Bett gesessen und Peter hatte zu Sirius und Remus geschaut und hatte James gefragt, ob er schon jemals jemanden geküsst hatte. James hatte nur gelacht und den Kopf geschüttelt, dann hatte er, betrunken wie er war, nicht weiter nachgedacht, hatte sich vorgelehnt und Peter auf den Mund geküsst. Es war nichts Ernstes gewesen, der Kuss war nicht lange gewesen und die beiden hatten sich darauf geeinigt, dass dieser Kuss aus zu viel Alkohol geboren war und dass sie es nie wieder ansprechen würden. Aber jetzt im Nachhinein fiel James ein, dass er dem Kuss nicht abgeneigt gewesen war. Es war nett gewesen, hatte sich in dem Moment gut angefühlt. Er hatte immer angenommen, dass es am Alkohol gelegen hatte, aber vielleicht hatte er ja schon immer Jungs gemocht, aber nicht Peter. Er war nur sein bester Freund und der Kuss hatte nie etwas bedeutet. Oder zu der Zeit hatte er nicht gewusst, dass dieser Kuss einmal eine Rolle spielen würde, wenn er dabei war, zu verstehen, wer er eigentlich war.