Kapitel 3 – Regulus Black
Kapitel 3 – Regulus Black
Content Warnung: Binding, Körperdysphorie, misgendering, angedeutetes deadnaming, mobbing, transfeindliche und sexualisierte Beleidigungen
Am frühen Morgen, eine Woche später, erwachte Regulus Black einige Etagen tiefer in seinem Bett, in den Kerkern, in denen die Slytherins ihren Gemeinschaftsraum hatten. Er hasste diesen Raum, er hasste es in einem Mädchenschlafsaal schlafen zu müssen. Er stand aus dem Bett auf und ging ins Badezimmer. Solange noch niemand außer ihm wach war, konnte er sich wenigstens Zeit lassen. Er griff unters Waschbecken und nahm die Verbände, die er bei Madame Pomfrey geklaut hatte, aus einer Schublade. Er zog sich das T-Shirt aus und wünschte, er müsste nicht in den Spiegel blicken. Der Anblick seiner Brüste ließ einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen. Er ekelte sich vor sich selbst, er hasste die Brüste an sich. Er hasste es, wie sie an ihm aussahen und wie sie sich an ihm anfühlten. Wenn es möglich wäre, dann würde er sie einfach wegzaubern oder auf einem anderen Weg verschwinden lassen, aber er wusste, dass es leider nicht so einfach war. Also griff er nach den Verbänden und fing an sie straff, um seinen Oberkörper zu binden, bis seine Brust so flach war, wie die eines Jungen. Dann zog er ein T-Shirt an und darüber sein Hemd, jetzt sah er aus wie der Junge, der er war, so wie er schon lange hatte aussehen wollen.
Während ihrer Kindheit war er immer neidisch darauf gewesen, dass Sirius hatte Hosen tragen dürfen, er hatte sich in den Röcken und Kleidern, von denen seine Mutter immer wollte, dass er sie trug nie wohlgefühlt. Öfter hatte er sich heimlich Hosen von Sirius geklaut, um sie in seinem Zimmer zu tragen. Hatte sich vor dem Spiegel seine langen Haare hochgehalten und sich vorgestellt wie toll kurze Haare an ihm aussehen würden. Lange hatte er nichts davon gegenüber seiner Familie geäußert und jetzt bereute er, dass er es jemals getan hatte. Seine Mutter hielt ihn für verrückt und war sich sicher, dass das alles nur eine Phase war. Nur Sirius hatte zu ihm gehalten, Evan und Barty hatten auch kein Problem damit gehabt, als er ihnen seinen neuen Namen genannt hatte. Aber viele Slytherins hatten ähnliche ansichten wie seine Mutter. So hatten einige Slytherins, die er nicht mal namentlich kannte, angefangen sich über ihn lustig zu machen, weil er „versuchte wie Junge auszusehen“ oder benutzten weiterhin den falschen Namen und die falschen Pronomen, egal wie oft er sie auch korrigierte. Es nervte ihn, dass die anderen Schüler*innen sich nicht einfach um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern konnte, er gab ja schließlich auch nicht seinen Senf zu dem Aussehen jeder anderen Person ab und wenn ihm etwas nicht gefiel, dann konnte er sich das immer noch denken, aber nicht alles, was man dachte, musste auch ausgesprochen werden. Mental bereitete er sich auf einen weiteren Tag voller dummer Sprüche vor, bevor er sich noch einmal zufrieden im Spiegel anblickte und das Badezimmer verließ.
Auf dem Weg in die große Halle fühlte er Augenpaare, die ihn musterten. Seine Veränderung war schnell eine Sache gewesen, die sich durch Hogwarts verbreitet hatte wie ein Lauffeuer und so wusste gefühlt jede Person Bescheid. Es hatte definitiv seine Vor- und Nachteile. Er hasste es, dass jemand ihm vorausgegangen war, dass er nicht hatte selbst entscheiden können, wann und wer wie schnell wissen über ihn in der Hand hatte. Auf der anderen Seite war es auch gut, denn nicht jeder war so hasserfüllt wie seine Mutter, somit benutzten weniger Leute seinen alten Namen oder die falschen Pronomen. Jedes Mal, wenn im Unterricht jemand, egal ob Schüler*in oder Professor*in die richtigen Pronomen und/oder den richtigen Namen benutzte, machte ihn das unglaublich glücklich und er konnte kaum ein Lächeln unterdrücken.
Gerade war ihm aber nicht zu lächeln zumute, denn eine Gruppe Gryffindors kam in seine Richtung als er gerade in die Große Halle abbiegen wollte. Welchen Spruch er sich wohl jetzt wieder anhören musste. „Oii, Mädchen. Wenn du doch so ein Mann bist dann zeig uns doch was in deiner Hose ist.“ Regulus erstarrte bei den Worten. Das war neu, das war deutlich schlimmer als die Sprüche die er schon kannte. Scham und Wut kochten in ihm hoch, er wollte was schnippisches erwidern aber ihm fiel auf diesen Spruch nichts ein. Bevor er reagieren konnte, baute sich ein dunkelhaariger Gryffindor zwischen ihm und dem Arschloch auf. „Oi, Schwachkopf! Er hat dir gesagt das er ein Junge ist! Du hast kein Recht auf irgendwelche Erklärungen nur, weil dein Hirn zu klein ist um Toleranz und Akzeptanz zu verstehen! Wie wärs, wenn du dich bei ihm entschuldigst, bevor mir wieder die Handbewegung für den Ratzeputz einfällt.“, erst jetzt wo er sprach, fiel Regulus auf, wer ihn da eigentlich verteidigte. Es war nicht irgendein Gryffindor, sondern James Potter, der beste Freund seines Bruders. Warum half James ihm, verteidigte ihn? Nicht, dass sie sich hassen würden, nicht wie es bei Sirius, seinen Freunden und Severus der Fall war. Aber er hatte in seiner ganzen Schulzeit an Hogwarts vielleicht ein Wort mit Potter gewechselt. Aber gerade war nicht der Zeitpunkt um Potters Intentionen zu hinterfragen und es war wahrscheinlich besser James Potter auf seiner Seite als gegen sich zu haben. Die Stimme des Arschlochs riss ihn aus seinem Gedanken: „Na, Potter. Wollen wir uns bei der Black-Lady einschleimen? Sind männliche Weiber dein Typ? Du willst doch selbst nur unter ihren Rock … Verzeihung, in ihre Hose kommen.“ Regulus Magen drehte sich bei diesen Worten um, wie konnte ein Mensch so wiederwärtige Sachen denken und aussprechen. Er war von zuhause schon vieles gewöhnt aber was dieser Wiederling von sich gab war nochmal um Stufen schlimmer. Er riss sich zusammen, wollte ihm nicht die Befriedigung einer Reaktion geben. Aber er musste auch nicht reagieren, denn James tat es schon. Sein Gesicht war wütend verzerrt, er hatte seinen Zauberstab gehoben und war einen Schritt auf den anderen zugetreten. Dieser sah jetzt nicht mehr überlegen und selbstsicher aus. Seine Augen waren in Schock geweitet und sein Mund stand offen, ohne das ihm ein Ton von den Lippen kam. Dann quoll dichter Schaum aus seinem Mund und Potter grinste schadenfroh. „Das nächste mal solltest du dir besser überlegen mit wem du dich anlegst, Schwachkopf.“, er lachte dem Gryffindor ins Gesicht dem noch immer Schaum aus dem Mund lief. Dieser blickte Potter wütend an, bevor er sich dann eine Hand vor dem Mund hielt und wegrannte. Regulus fühlte sich nahezu euphorisch, der Gryffindor hatte bekommen was er verdient hatte. Wären Barty und Evan jetzt bei ihm gewesen hätten sie zusammen über den Gesichtsausdruck des Gryffindors gelacht. Aber es war James Potter, der neben ihm stand und Regulus wusste nicht so richtig wie er sich jetzt verhalten sollte. Bedanken und gehen? Nett zu James Potter sein? Diese Situation war Fremd für ihn, unerwartet und deswegen auch irgendwo einschüchternd. Schließlich stellte er die Frage, die ihm auf der Zunge lag: „Potter? Warum hast du das getan?“ James blickte ihn an, seine braunen Augen funkelten und ein schiefes Grinsen lag noch immer auf seinen Lippen. Er schien einen Moment lang nach den richtigen Worten zu suchen: „Du bist ein Slytherin, ich bin ein Gryffindor. Und? Ich kann dich trotzdem respektieren. Aber anscheinend muss man machen Respekt noch beibringen.“ Er rang mit sich und fügte schließlich hinzu: „Die Haare sind cool, Black.“ Ohne ein weiteres Wort zu sagen ging er in die Große Halle und setzte sich zu seinen Freunden an den Gryffindortisch.
Regulus blickte ihm verwirrt hinterher. Was war gerade passiert? Hatte Potter ihm ein Kompliment gemacht? Er schüttelte seine Verwirrung ab und fuhr sich mit der Hand durch die kurzen Haare, die Potter eben noch komplimentiert hatte. Dann trat er selbstbewusst in die Große Halle und setzte sich zu Evan und Barty. Einen letzten Blick zum Gryffindortisch konnte er nicht vermeiden und so hatte er, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, Augenkontakt mit Potter. Dieser nickte ihm fast schon freundlich zu, bevor er sich in ein Gespräch mit Lupin vertiefte.