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Wie viel frisst, kackt und riecht er?

Warum Dinosaurier Nicht In New York Leben — www.fanfiktion.de · All chapters

Wie viel frisst, kackt und riecht er?

Gut.

Rex ist zu Hause.

Er hat die Katze nicht gefressen.

Dem Staubsauger noch keinen Krieg erklärt.

Er schläft neben dem Sofa.

Er kennt das Wort „Nein“.

Manchmal tut er sogar so, als könnte es etwas mit ihm zu tun haben.

Ihr seid fast eine Familie.

Und genau jetzt wird es interessant.

Denn ein Haustier zu lieben ist ziemlich einfach, solange es hauptsächlich aus Augen, Schwanz und Charakter besteht.

Leider besteht Rex auch aus einem Magen.

Am nächsten Morgen kommst du in die Küche.

Rex ist schon da.

Er sitzt vor seinem Napf.

Und schaut.

Nicht einfach nur schaut.

Er schaut dich an wie ein Tier, das zuletzt ungefähr zu einer Zeit gefressen hat, als die Kontinente ihre heutigen Grenzen noch nicht ganz ausdiskutiert hatten.

Neben ihm steht ein Sack:

Prehistoric Protein Junior

Auf der Packung ist ein fröhlicher kleiner Dinosaurier abgebildet.

Sauber.

Schlank.

Auf einer grünen Wiese.

Keine Katze.

Keine Müllbeutel.

Keine Folgen.

Offenbar hat der Verpackungsdesigner noch nie mit einem Dinosaurier zusammengelebt.

Du nimmst den Messbecher.

Eine Portion.

Rex schaut.

Zweite Portion.

Rex schaut weiter.

Dritte Portion.

Er legt den Kopf schief.

Sein Blick sagt:

— Fütterst du mich, oder führst du mir nur das Sortiment vor?

Und in diesem Moment wird zum ersten Mal etwas wirklich klar:

Ein kleiner Rex ist kein kleines Spielzeug.

Er ist ein kleiner biologischer Motor.

Protein.

Fett.

Mineralstoffe.

Wasser.

Und irgendetwas, das der Hersteller „natürliches Jagdaroma“ nennt und vernünftigerweise nicht näher erklärt.

In der Natur muss ein Tier Nahrung finden.

Verfolgen.

Erreichen.

Zerreißen.

Fressen.

Der Mensch hat sich diesen ganzen Vorgang angesehen und gefragt:

— Könnten wir das auch in einem wiederverschließbaren Beutel bekommen?

Die Zivilisation sagte:

— Natürlich.

Und legte einen Messbecher dazu.

Tierfutter ist überhaupt eine erstaunliche Erfindung.

Es ist der Versuch, Natur in eine praktische Form zu verpacken.

Im Regal könnten stehen:

Rex Junior

Für heranwachsende kleine Theropoden.

Dino Sensitive

Für empfindliche Mägen und unempfindlichen Umgang mit Möbeln.

Urban Rex

Weniger Geruch. Mehr Kontrolle.

No-Cat Formula

Jagdgeschmack ohne juristische Folgen.

Und natürlich:

Prehistoric Protein — 82 % Fleisch, 18 % Konsequenzen.

Zuerst kaufst du einen Sack.

Dann den zweiten.

Dann stellst du fest, dass Rex inzwischen ein eigenes Regal in der Küche besitzt.

Danach ein eigenes Fach im Kühlschrank.

Und irgendwann kennst du den Fleischpreis besser als der Mann hinter der Fleischtheke.

Eines Tages schaust du auf den Kassenbon und verstehst:

Die Größe eines Tieres sieht man mit den Augen.

Seinen Appetit sieht man in der Banking-App.

Aber Futter ist nur die erste Hälfte der Biologie.

Jedes System hat einen Eingang.

Und einen Ausgang.

Am nächsten Morgen gehst du durch den Flur.

Barfuß.

Das war bereits der erste Fehler.

Dann siehst du etwas auf dem Boden.

Keinen Pfotenabdruck.

Keinen niedlichen Kratzer.

Keine Feder.

Nein.

Eine echte Spur.

Biologisch.

Durchaus ernst zu nehmen.

Eine von den Spuren, bei denen ein Mensch innerhalb weniger Sekunden um mehrere Jahre altert.

Du bleibst stehen.

Schaust nach unten.

Dann zu Rex.

Rex schaut dich an.

Barsik schaut vom Schrank herunter.

In seinem Gesicht steht:

— Na? Wie gefällt dir jetzt das exotische Haustier?

Du holst einen ganz normalen Hundekotbeutel.

Machst ihn auf.

Schaust auf den Beutel.

Dann wieder auf das Ergebnis eines kreidezeitlichen Verdauungssystems.

Und stellst fest:

Dieser Beutel wurde ganz offensichtlich von einem Menschen mit sehr bescheidenen Erwartungen entworfen.

Kot ist kein niveauloses Thema.

Es ist ein ehrliches Thema.

Denn ein lebender Körper nimmt nicht nur Dinge auf.

Er verarbeitet sie.

Und irgendwann gibt er der Welt eine überarbeitete Version deiner Ausgaben zurück.

Ändert sich das Futter, kann sich auch das Ergebnis ändern.

Frisst Rex etwas vom Tisch, kann sich das Ergebnis ändern.

Sagt die Großmutter:

— Ich hab ihm doch nur ein kleines Stück gegeben,

ist plötzlich die ganze Familie Teil eines Experiments, dem niemand zugestimmt hat.

Nach so einem Morgen verwandelt sich die Frage:

— Ist er nicht süß?

unauffällig in:

— Ist diese Farbe normal?

Danach kommen:

— Wo sind die Beutel?

— Womit macht man das weg?

— Warum riecht das so?

— Müssen wir beim Tierarzt anrufen?

— Wer hat ihm gestern Käse gegeben?

Die Großmutter sagt:

— Er hat doch gebettelt.

Du sagst:

— Wir haben es alle gemerkt.

Und jetzt kommen wir zum Geruch.

Hier verliert die Romantik endgültig an Boden.

Denn Rex würde nicht nur nach dem riechen, was aus Rex herauskommt.

Rex würde nach Rex riechen.

Wenn er Federn hat, dann riechen da Federn, Haut, Staub, Liegeplatz und Feuchtigkeit mit.

Wenn seine Haut anders aufgebaut ist, riecht auch das anders.

Wenn er viel Fleisch frisst, spielen Maul, Futter und Essensreste mit.

War er im Regen draußen, kommt Wasser dazu.

Lag er auf dem Sofa, ist das Sofa ab sofort Teil des Experiments.

Du öffnest die Wohnungstür.

Rex kommt angerannt.

Begeistert.

Der Schwanz arbeitet.

Die Krallen klackern.

Sein Kopf landet an deinem Bauch.

Und dann trifft es dich.

Nicht schlimm.

Nicht lebensgefährlich.

Nur sehr … überzeugend.

Irgendetwas zwischen nassem Huhn, warmem Terrarium, Fleischkühlschrank und Zoo nach einem Regenschauer.

Rex ist glücklich.

Er weiß nicht, dass er riecht.

Er versteht nicht einmal, worin das Problem bestehen soll.

Er existiert einfach.

Barsik sitzt weiter oben.

Mit dem Gesichtsausdruck eines Tieres, das schon seit Wochen Protokoll führt.

Du kaufst einen Lufterfrischer.

„Bergbrise“.

Sprühst.

Jetzt riecht die Wohnung nach einem nassen Dinosaurier in den Bergen.

Du probierst Lavendel.

Jetzt riecht sie nach Lavendel, der die Kreidezeit verloren hat.

Und irgendwann passiert etwas Wichtiges.

Du hörst auf zu fragen:

— Wie schaffe ich es, dass dieses Tier überhaupt nach nichts riecht?

Und beginnst zu fragen:

— Was erzählt mir dieser Geruch?

Was hat er gefressen?

Wo hat er gelegen?

Ist er nass?

Ist sein Liegeplatz sauber?

Hat sich das Futter verändert?

Muss etwas gewaschen werden?

Geruch ist Information.

Geruch ist die Biografie eines Körpers.

Und dieser Körper schreibt sie jeden Tag weiter.

Ohne Lektorat.

Abends schaut die Familie einen Film.

Rex liegt auf dem Teppich.

Das Kind neben ihm.

Der Vater hat sich entspannt.

Die Mutter liest endlich einmal nichts über Dinosaurier.

Barsik ist zum ersten Mal seit langer Zeit vom Schrank heruntergekommen.

Das allein ist bereits ein diplomatischer Durchbruch.

Er sitzt im Sessel.

Vorsichtig.

Mit Würde.

Wie ein Botschafter, der nach einem Staatsstreich beschlossen hat, ins Land zurückzukehren.

Im Film wird die Musik lauter.

Der Held will gerade etwas Wichtiges sagen.

Und dann.

Ein Geräusch.

Nicht besonders laut.

Aber sehr alt.

Alle erstarren.

Der Vater schaut zur Mutter.

Die Mutter zu Rex.

Rex schaut geradeaus.

Ruhig.

Philosophisch.

Wie ein Wesen, in dessen Innerem gerade etwas stattgefunden hat, das absolut nichts mit öffentlicher Meinung zu tun hat.

Barsik steht auf.

Langsam.

Keine Hektik.

Kein Kommentar.

Und geht zurück auf den Schrank.

Ein evakuierter Diplomat.

Ja.

Verdauung kann Gase produzieren.

Und Futter spielt dabei eine Rolle.

Ganz besonders, wenn irgendwo eine Großmutter existiert.

— Ich habe ihm nur ein bisschen Bohnen gegeben.

— Warum?

— Er wollte doch.

— Wir haben es alle gehört.

Danach liest du die Aufschrift auf dem Futtersack plötzlich deutlich genauer.

Leicht verdauliches Protein.

Für sensible Verdauung.

Langsame Umstellung auf neues Futter.

Verdauung wirkt nur so lange wie Privatsache, wie sie leise bleibt.

In jedem niedlichen Haustier arbeitet eine chemische Fabrik.

Manchmal veröffentlicht sie eine Pressemitteilung.

Die eigentliche Liebesprüfung wartet allerdings an der Wohnungstür.

Du kommst nach Hause.

Rex hört den Schlüssel.

Er rennt dir entgegen, als wärst du von einer zwanzigjährigen Expedition zurückgekehrt.

Dabei warst du vierzig Minuten weg.

Er springt hoch.

Stützt sich mit den Vorderbeinen an dir ab.

Du sagst:

— Na, mein Guter.

Und Rex leckt dir durchs Gesicht.

Eigentlich müsste das ein schöner Moment sein.

Warm.

Vertrauensvoll.

Ein Moment über Bindung.

Darüber, dass dein Dinosaurier dich liebt.

Nur leider riecht die Liebe verdächtig.

Du gehst ein Stück zurück.

Rex sieht beleidigt aus.

Er hat doch gerade Gefühle gezeigt.

Du gehst dir das Gesicht waschen.

Einmal.

Dann noch einmal.

Beim dritten Mal ist es bereits spirituell.

Das Maul eines Raubtiers im Haus hört ziemlich schnell auf, nur eine Frage des Beißens zu sein.

Fleisch.

Futterreste.

Bakterien.

Zähne.

Zahnfleisch.

Und das, was er gestern irgendwo im Gebüsch gefunden und geschluckt hat, bevor du den Satz beenden konntest:

— Was hast du da im Maul?

Vor allem, wenn dich genau dieses Maul anschließend liebt.

Liebe macht vielleicht blind.

Aber ihre Nase funktioniert trotzdem.

Dann kommt der Frühling.

Du wachst auf.

Feder auf dem Boden.

Feder auf dem Sofa.

Feder auf dem Teppich.

Feder auf dem Ladekabel.

Feder in der Tasse.

Du nimmst ein schwarzes T-Shirt.

Es gehört bereits Rex.

Barsik läuft vorbei.

Auch auf Barsik klebt eine Feder.

Er bleibt stehen.

Schaut dich an.

Zum ersten Mal seit Wochen sieht er nicht aus wie das Opfer.

Sondern wie ein Beweisstück.

Wenn unser kleiner Theropode gefiedert wäre, würde der Wechsel seines Gefieders zum Alltag gehören.

Was draußen im Gras, im Wind oder auf dem Boden verschwinden würde, bleibt in der Wohnung bei dir.

Auf dem Sofa.

Auf den Socken.

Im Kaffee.

Irgendwann hattest du gedacht:

Wenigstens ein Dinosaurier. Keine Hundehaare.

Die Evolution hat das gehört.

— Gut.

— Dann nimm Federn.

Du kaufst eine Bürste.

Dann einen Fusselroller.

Dann noch einen.

Und in deiner Wohnung beginnt eine neue Jahreszeit:

Kreidezeit-Schnee.

Eines Tages kraulst du Rex am Hals.

Er schließt die Augen.

Zufrieden.

Du schiebst die Federn auseinander.

Und siehst einen kleinen Punkt.

Er bewegt sich.

Dann verschwindet er.

Du erstarrst.

Rex genießt weiter.

Barsik schaut aus einiger Entfernung zu.

Mit einem Gesichtsausdruck, der ungefähr sagt:

— Na? Hast du die Natur kennengelernt?

Du dachtest, du hättest ein Tier nach Hause geholt.

Aber ein lebender Körper kommt selten ganz allein.

Auf ihm und in ihm lebt eine eigene kleine Welt.

Bakterien.

Mikroorganismen.

Ein Mikrobiom.

Und manchmal noch jemand, der Rex angeschaut und gedacht hat:

Warme Immobilie.

Zentralheizung.

Ich ziehe ein.

Einem Parasiten ist ziemlich egal, wie viel dein Dinosaurier gekostet hat.

Warmes Tier?

Danke.

Reicht.

Du hast Rex nach Hause geholt.

Die Natur war im Lieferumfang enthalten.

Und plötzlich ist Rex nicht mehr nur ein einzelnes Tier mit schönem Halsband.

Er ist eine ganze kleine Welt, die auf zwei Beinen durch deine Wohnung läuft.

Und diese Welt hinterlässt Spuren.

Auf dem Boden.

Auf dem Sofa.

Auf deiner Kleidung.

In deinem Budget.

In der Luft.

Dann wird es Abend.

Rex kommt zum Sofa.

Dreht sich ein paarmal.

Legt sich hin.

Legt den Kopf auf deinen Hausschuh.

Er riecht ein bisschen.

An deinem Pullover klebt eine Feder.

In der Küche steht ein Sack Futter.

Irgendwo trocknet sein Handtuch.

Im Mülleimer liegt ein viel zu optimistischer Beutel.

Barsik sitzt im Sessel.

Nicht mehr auf dem Schrank.

Nur mit angemessenem Sicherheitsabstand.

Rex öffnet ein Auge.

Schaut zur Katze.

Du sagst:

— Fang gar nicht erst an.

Rex seufzt.

Schließt das Auge.

Und ohne nachzudenken, kraulst du ihn unter dem Kiefer.

Denn mit lebenden Wesen passiert etwas Merkwürdiges.

Am Anfang liebst du das Bild.

Die schönen Augen.

Den Schwanz.

Die Art, wie er dich an der Tür begrüßt.

Und dann lernst du das Gesamtpaket kennen.

Den Geruch.

Die Verdauung.

Die Federn.

Den Dreck.

Die Beutel.

Die merkwürdigen Geräusche nachts.

Und wenn alles gut läuft, verschwindet die Liebe trotzdem nicht.

Sie wird nur weniger Werbung.

Und mehr Zuhause.

Gut.

Rex haben wir inzwischen vollständig akzeptiert.

Jetzt bleibt nur noch eine kleine Sache.

Futter braucht er.

Beutel auch.

Eine Bürste offenbar ebenfalls.

Mit den Zähnen muss man irgendetwas machen.

Mit den Krallen auch.

Mit dem Geruch vermutlich ebenfalls.

Die Leine kauft sich nicht von selbst.

Der Maulkorb auch nicht.

Und damit kommen wir zur nächsten völlig normalen menschlichen Frage:

Was kauft man eigentlich für ein Wesen, dessen Zähne älter sind als unsere Zivilisation?