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Abgründe

Weißer Adler — www.fanfiktion.de · All chapters

Abgründe

Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich und der Boden unter mir zu wanken begann. “Nein”, keuchte ich fassungslos. In meinem Kopf hallte es wider. Nein! Nein! Nein! Nein! NEIN! Für einige, ewig scheinende Momente schien es nichts anderes zu geben, als den besessenen Wunsch, dass dies nicht wahr wäre. Dass ich nur einen schlechten Traum hatte und gleich aufwachen würde.

Doch es war kein Traum. Es gab kein Erwachen, keine Rettung vor dieser entsetzlichen Wirklichkeit. Altaїr war tot. Ich hatte ihm doch noch so viel sagen wollen! Wieso ausgerechnet jetzt? Wie ein Band aus Eisen legte sich die Trauer schmerzhaft um meine Brust und schnürte mir die Luft ab. Die Welt um mich herum begann sich zu drehen. In meinen Ohren rauschte es. Instinktiv griff ich nach Hassan und hielt mich an ihm fest, bevor ich auch wortwörtlich den Boden unter den Füßen verlor. Ich sah wie sich seine Lippen bewegten und Worte zu formen schienen, doch das Rauschen verschluckte jeglichen Laut. Abwehrend schüttelte ich den Kopf. Meine Gedanken kreisten um die Tatsache, dass Altaїr tot sein und die Bruderschaft verraten haben sollte. Das konnte einfach nicht wahr sein. Das durfte nicht sein! Altaїr würde doch niemals die Bruderschaft verraten! Niemals ...

Für einen Moment kehrte die Vernunft in mein aufgewühltes Bewusstsein zurück. Ich musste Haltung bewahren. Ich durfte der alles erstickenden Trauer jetzt nicht nachgeben. Nicht hier, vor allen Leuten. Im besten Falle würde ich mich zum Gespött von ganz Masyaf machen, im Schlimmsten würde doch noch an die Öffentlichkeit gelangen, was mich tatsächlich mit Altaїr verbunden hatte. Ich zwang mich, trotz der geradezu körperlichen Schmerzen, tief Atem zu schöpfen. Einmal. Dann noch einmal. Nur darauf konzentrierte ich mich und es half.

Allmählich ließ das infernalische Rauschen in meinen Ohren nach. Die Geräusche, das Geschwätz, die den Dorfplatz noch immer beherrschten, kehrten zurück. Beinahe ebenso laut, wie das Rauschen zuvor. Endlich konnte ich auch herausfiltern, was Hassan zu mir sagte. Es war die besorgte Frage, ob es mir gut ginge. Im letzten Moment konnte ich verhindern, dass ich in Hysterie abdriftete. Von 'gut' war ich noch nie weiter entfernt gewesen. Gewaltsam drängte ich alle Gedanken, die darauf antworten wollten, zurück. Zusammenreißen. Ein klein wenig nur noch.

Ich zwang mich zu einem antwortenden Nicken und löste endlich meinen Griff. Meine Finger taten weh, so sehr hatte ich mich in die raue Tunika gekrallt. Nicht ganz sicher, ob ich überhaupt einen Fuß vor den anderen setzen konnte, wandte ich mich um und ging langsam den Weg wieder hinauf. Mein Ziel war die Werkstatt. Der einzige Zufluchtsort, der mir im Moment erreichbar schien. Wirre Gedanken drängten sich in mein Bewusstsein, doch ich schob sie fort, bevor sie eindeutig formuliert waren. Noch nicht! Noch nicht! Meine Hände ballten sich zu Fäusten, die Fingernägel bohrten sich schmerzhaft in die Handflächen. Doch dies half mir, alles zu ignorieren, das meine Selbstbeherrschung ins Wanken bringen und mich daran hindern würde weiter zu gehen.

Bis ich meine Werkstatt erreicht hatte, schien es eine Ewigkeit zu dauern. Jeder Schritt war so kraftraubend, wie ein stundenlanger Marsch. Endlich konnte ich die Tür hinter mir schließen. Ich schob den Riegel vor und versperrte gleichermaßen den Zugang ins Haus. Nun konnte niemand mehr herein.

Keine Sekunde später verließ mich meine eisern aufrecht erhaltene Beherrschung. Unaufhaltsam und heftig, wie ein Sturm, brach alles erneut über mich herein. Altaїr war tot. Endgültig. Unwiederbringlich. Und ich hatte versäumt, ihm all das zu sagen, was doch so wichtig war. Ich biss mir in die geballte Faust, um ein lautes Schluchzen zu unterdrücken. Aus. Vorbei. Nichts konnte Altaїr je wieder zurück bringen. Warum hatte ich nur so lange gezögert?

Unaufhaltsam liefen mir die Tränen über das Gesicht. In meiner Brust tobte ein Feuersturm und ich krümmte mich vor Schmerz. Wie konnte Trauer nur so körperlich verletzen? Doch der Gedanke an Altaїr tat es. Es tat so weh, dass ich glaubte, keine Luft mehr zu kriegen. Erneut trat in mein Bewusstsein, welches Unrecht ich ihm angetan hatte und dass ich nun keine Gelegenheit mehr erhalten würde, um meinen Fehler wieder gutzumachen.

Ein Schrei, geboren aus Schmerz und Verzweiflung, wollte nach außen dringen. Doch ich wagte es nicht, dem nachzugeben. Lediglich ein klägliches Wimmern drang mir über die Lippen. Ich hatte das Gefühl, gleich bersten zu müssen, wenn ich nicht irgendetwas tat, um mich abzureagieren. Der Schemel geriet in mein, durch Tränen verschwommenes, Blickfeld. Kurzerhand packte ich ihn, holte aus und warf ihn mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, gegen die Wand.

Es krachte. Unversehrt fiel der Hocker über den Werktisch zu Boden und riss dabei einige Werkzeuge mit sich. Von der Wand bröckelte Putz. Doch weder der Kraftaufwand noch der Lärm halfen im Geringsten gegen meinen desolaten Zustand. Die darauffolgende Stille wurde nur von meinen schweren, halb schluchzenden, Atemzügen durchbrochen.

Dann erklangen plötzlich Schritte vor der Tür. Salima. Wer sonst sollte im Haus sein? Sie zog an der Tür, die sich leicht bewegte, doch der Riegel verhinderte, dass sie eintreten konnte. “Verschwinde!”, blaffte ich. Sie sollte mir bloß nicht unter die Augen kommen. Immerhin war sie schuld an dieser ganzen Misere. Die Schritte entfernten sich zögerlich, doch das registrierte ich nur noch ganz am Rand meines Bewusstseins. Ein grauenhafter Gedanke hatte sich mir plötzlich aufgedrängt und schnürte mir beinahe die Luft ab.

Was, wenn die Anklage des Verrats doch der Wahrheit entsprach? War ich es gewesen, der Altaїr so weit getrieben hatte? Immerhin hatten die Templer es doch bisher auch nicht gewagt, Masyaf anzugreifen. Hatte Altaїr ihnen geholfen? Oder hatte er nur einen Fehler gemacht, die den Templern einen Vorteil verschafft hatte?

Meine Beine gaben unter mir nach. Kraftlos sank ich zu Boden und blieb sitzen. Mein Blick war starr auf die heruntergefallenen Werkzeuge gerichtet ohne dass ich sie wirklich sah. War ich daran schuld? Wäre es auch geschehen, wenn ich Altaїr nicht so grausam von mir gestoßen hätte? Niemand wusste wohl so gut wie ich, wie sehr ich ihn damit verletzt hatte. War dies der Auslöser für unbedachtes Handeln gewesen? Unaufhaltsam kreisten meine Gedanken um diese Fragen. Sämtliches Gefühl, außer Schuld, schien verschwunden zu sein.

Ich weiß nicht, wie lange ich auf dem Boden gesessen hatte. Das Echo all der Fragen in meinem Kopf. Irgendwann drang ein leises Klopfen an die Tür. Was wollte sie jetzt schon wieder? “Verschwinde!”, grollte ich heiser. Meine Stimme gehorchte mir kaum.

“Willst du nicht etwas essen?”, klang die vorsichtige Frage dumpf durch die Tür.

War es schon so spät? Ich sah zum Fenster. Es dämmerte bereits. Ich hatte mich tatsächlich den ganzen Tag lang hier eingesperrt. Hunger verspürte ich trotzdem keinen. Mir war eher übel. “Nein”, gab ich kalt zurück. Alles, was ich noch wollte, war allein zu sein. Gerade ihre Gesellschaft könnte ich jetzt nicht ertragen. Salima ging und ließ mir meine Einsamkeit.

Irgendwann, es musste bereits nach Mitternacht sein, rappelte ich mich mühsam auf. Ich rollte mich auf meinem provisorischen Nachtlager zusammen und versuchte im Schlaf ein wenig Ruhe zu finden. Doch ich träumte nur von Altaїr, der mich traurig und verachtend ansah.

Es vergingen zwei Wochen, in der es mir reichlich gleichgültig war, was um mich herum geschah. Die Trauer um Altaїr war zurückgekehrt und begleitete mich durch die Tage und Nächte. Sprach mich jemand an, reagierte ich einsilbig oder äußerst gereizt. Der Gedanke, dass ich an Altaїrs unrühmlichem Ende schuld sein könnte, hatte sich gleichermaßen festgesetzt und ließ sich nicht mehr verscheuchen. Vor allem meine Frau bekam dies zu spüren, denn sie erinnerte mich durch ihre Gegenwart ständig daran, was ich Altaїr angetan hatte.

Kaum etwas, das sie tat, war mir gut genug. Das Essen war mir ständig zu kalt, schmeckte nicht oder stand zu spät auf dem Tisch. Wenn es dies nicht war, dann lag etwas herum, das mich störte. Ich suchte geradezu nach einem Grund Salima anzuschnauzen. Und wenn ich keinen offensichtlichen Anlass fand, dann erfand ich einen.

Sie war schuld ...

Ohne sie wäre Altaїr noch immer der unfehlbare weiße Adler von Masyaf. Diese Überzeugung hatte sich so sehr in mein Leben gebrannt, dass ich es beinahe genoss, sie zu schikanieren.

Irgendwann fiel mir auf, dass Salima nicht mehr so oft da war, wie ich es gewohnt war. Ich selbst hatte einst ebenfalls die Pflichten dieses Haushalts erfüllt und wusste, wie viel Zeit sie beanspruchten. Salima brauchte inzwischen immer auffallend lange, wenn sie nach draußen ging. Selbst der Dorfklatsch mit den anderen Frauen konnte sie doch nicht derart aufhalten. Dabei sollte mir doch eigentlich gleich sein, was sie tat, so lange sie mir nicht auf die Nerven ging.

Ich ließ es dabei bewenden und versuchte damit zufrieden zu sein, dass sie sich von mir fern hielt. Doch dann geschah es, dass ich eines Abends zum Essen die Küche betrat und niemand dort war. Der Herd war kalt und von Salima keine Spur. Nun war es mir doch nicht mehr so egal, wie ich es gern hätte. Es war Hochsommer und es würde noch eine Weile dauern, bis es dämmerte. Vielleicht hatte sie beim Klatsch einfach nur die Zeit vergessen. Frauen waren wohl nun einmal so. Was für mich jedoch keine Entschuldigung darstellte, dass Salima ihre Pflichten als Hausfrau vernachlässigte.

Entschlossen, mir von ihr nicht einfach so auf der Nase herumtanzen zu lassen, ging ich hinunter ins Dorf, um sie zu suchen. Was sich jedoch als nicht so einfach herausstellte. Auf dem Markt hatte sie heute Nachmittag noch niemand gesehen und auch am Brunnen konnte ich meine Frau nicht finden. Das war seltsam. Noch seltsamer kamen mir jedoch die Blicke von vielen, die ich ansprach, vor. Ganz so, als wäre es ihnen unangenehm, dass ich fragte.

Missgestimmt und grübelnd machte ich mich auf den Heimweg. Plötzlich glaubte ich ein leises Lachen zu vernehmen. Die Stimme erinnerte mich an Salima, auch wenn ich sie noch nie hatte lachen hören. Misstrauisch ging ich in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Ich gelangte vor einen Hinterhof. Als ich näher kam, erklangen zwei Stimmen, die miteinander flüsterten. Jetzt war ich mir auch sicher, dass es die Stimme meiner Frau war. Die andere gehörte einem Mann.

In mir keimte ein ekelhafter Verdacht. Von der Hauswand verdeckt schlich ich mich näher und sah vorsichtig um die Ecke. Mein Verdacht bestätigte sich. Dort stand meine Ehefrau in den Armen eines anderen Mannes und küsste ihn sogar! Mir wurde ganz schlecht vor Zorn und ich zog mich zurück, bevor mich ein unbedachtes Geräusch verraten würde.

Sie betrog mich! Und ich war sicher, dass die peinlichen Blicke auf dem Dorfplatz von dem Wissen herrührte, dass sie es tat. Wohl ganz Masyaf wusste davon. Jetzt wurde mir auch klar, weshalb sie immer so lange weg war. Sie hatte mich vor allen bloß gestellt! Mein Hass auf Salima kochte über. Nur mit Mühe konnte ich mich davon abhalten, die beiden Ehebrecher hier und jetzt zur Rede zu stellen. Doch ich konnte sie nicht einfach so davon kommen lassen. Eine Ehefrau hatte treu zu sein! So stand es auch im Gesetz. Dass ich sie damit zum Tode verurteilte, kam mir in meinem Zorn gerade recht.

Ich brauchte Zeugen! Vier Zeugen sogar, die vor Al Mualim bestätigen konnten, was ich gerade gesehen hatte. Leise schlich ich mich zurück zur Straße und sprach die ersten Männer an, die mir über den Weg liefen. Zwei Wachen standen in der Nähe, die ich ebenso als Zeugen verpflichtete. Es reichte völlig aus sie alle zum Mitkommen zu bewegen, als ich von Ehebruch sprach. Niemand stand diesem befürwortend gegenüber.

Als ich mit meinen Zeugen zum Ort des Geschehens zurückkehrte, hatte sich das Bild kaum verändert. Noch immer lagen sich die beiden in den Armen. Nun gab es auch für die Männer, die ich hierher geführt hatte, keinen Zweifel an meiner Aussage. Das schockierte Einatmen einer meiner Zeugen ließ die beiden aufschrecken. Nun erkannte ich auch den Mann mit dem sich meine Frau herumtrieb.

Es war Atuf. Einer der älteren Novizen, gegen die ich damals auf Altaїrs Geheiß hin gekämpft hatte. Ausgerechnet er! Ihm war ich damals empfindlich unterlegen gewesen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er inzwischen der Meinung war, dass ich weder kämpfen noch meine eigene Frau zufrieden stellen konnte. Ein Blick zu seiner linken Hand zeigte mir, dass er kein Novize mehr war. Sein Ringfinger fehlte.

Beinahe zeitgleich wurden meine treulose Frau und ihr Liebhaber blass im Gesicht. Die Erkenntnis, dass es kein Verleugnen mehr gab, dass ihr Treiben aufgeflogen war, wurde ihnen bewusst. Schützend legte Atuf den Arm um Salima.

Die Wache neben mir stellte laut die Frage, deren Antwort das Schicksal dieser Beiden besiegeln würde. “Welcher Tat wollt Ihr die beiden Anwesenden anklagen?” Es war reine Formsache und die letzte Möglichkeit für mich, von einer Anklage zurückzutreten.

Salima sah mich bittend mit großen Augen an und schüttelte leicht den Kopf. Ich wandte den Blick von ihr ab und erklärte mit klarer Stimme. “Ich klage beide des Ehebruchs an.”

Dies war es. Nun gab es kein Zurück mehr. Die beiden Wächter gingen auf die Beschuldigten zu. Atuf wehrte sich, wurde jedoch nach einer kurzen Rangelei überwältigt. Salima wich vor dem Kampf zurück. Beide Hände angstvoll auf den Mund gepresst. Die Augen weit aufgerissen, als glaubte sie nicht, was da geschah. Erst als der Kampf vorbei war und die Wache auf sie zu kam, begann sie zu toben. Sie kratzte, biss und kreischte. Mit einiger Mühe gelang es dem Mann sie zu bändigen.

Es gab einen wahren Tumult. Schaulustige, angelockt von dem Lärm, sammelten sich um uns. In kürzester Zeit beobachtete beinahe die gesamte Einwohnerschaft von Masyaf wie Atuf und Salima in die Festung abgeführt wurden.

Sie wurden sofort zu Al Mualim gebracht und ich äußerte erneut meine Anklage, die die Zeugen bestätigten. Das Urteil wurde schnell gefällt. Atuf wehrte sich nicht. Er hatte Glück, wenn man es so nennen darf. Er war selbst nicht verheiratet und bekam eine vergleichsweise milde Strafe.

Salima jedoch erwartete der Tod durch Steinigung. Sie entwickelte sich zu einer wahren Furie, als sie das Urteil vernahm. “Wenn er mich doch nie anrührt”, kreischte sie und deutete auf mich. “Er kümmert sich doch um nichts anderes, als seine verdammte Arbeit und geht lieber spazieren, als das Ehebett aufzusuchen!”

“Schweig, Weib!”, herrschte Al Mualim sie derart an, dass sie tatsächlich verstummte. Er sah zu mir und ich spürte wie ich vor Scham und Zorn rot wurde. “Sagt sie die Wahrheit?”, fragte er. Es war reine Formalität, das konnte ich sehen. Seine Meinung von Frauen war weithin bekannt, aber einer solchen Aussage musste er wohl nachgehen.

Ich zuckte mit den Schultern. “Was erwartet Ihr von einer Ehebrecherin? Ich habe mir nichts vorzuwerfen.” Dies genügte. Die beiden Verurteilten wurden abgeführt. Atuf schweigend, mit erhobenem Haupt, Salima tobend, mich der Lüge bezichtigend.

Der nächste Tag kam. Und damit die Vollstreckung der Urteile. Ich hielt den ganzen Trubel nicht lange aus. Es war meine Aufgabe, als Kläger, den ersten Stein zu werfen. Salima tat mir nicht im Geringsten leid. Auch wenn sie sich inzwischen von Anschuldigungen auf Flehen und Betteln verlegt hatte. Sie hatte nichts anderes verdient.

Die Menge grölte, als der erste Stein flog. Salima schrie. Ungerührt wandte ich mich ab. Der Mann neben mir hielt mich am Arm fest und fragte über das Gebrüll der Menge hinweg, ob ich nicht bleiben wolle. Ich schüttelte den Kopf. “Ich werde keinen Finger mehr rühren, was diese Frau angeht.” Er ließ mich los und ich ging. Das Geschrei der Menge begleitete mich bis in mein Haus. Erst, als ich die Tür hinter mir schloss, verstummte es.

Nun war ich wirklich allein. Kein Altaїr. Keine Salima. Ich fühlte mich leer und kalt. Als ob es nichts mehr gäbe, was mir einen Grund zu leben bot. Nicht einmal der Hass auf Salima, den ich bis zuletzt in mir getragen hatte, war noch vorhanden. Ich setzte mich an den Tisch und starrte ins Leere.

Ich erwachte erst aus dieser Starre, als mir auffiel, wie finster es geworden war. Vor den Fenstern herrschte Nacht. Schwerfällig erhob ich mich. Es machte im Augenblick zwar keinen Sinn ins Bett zu gehen, so wie nichts mehr wirklich sinnvoll zu sein schien, doch noch weniger Sinn würde es wohl ergeben, wenn ich die ganze Nacht da saß und vor mich hin starrte.

Meine ersten Schritte führten mich zur Werkstatttür, bis mir bewusst wurde, dass es nicht mehr nötig war auf der harten Bank zu schlafen. Ich wandte mich um und stieg die Treppe ins Schlafzimmer hinauf. Noch halb in dieser seltsamen Lähmung gefangen, betrat ich das Zimmer. Und erstarrte.

Ein schmaler Streifen Mondlicht schien durch das offene Fenster hinein und umrahmte die Silhouette von jemandem, der auf dem Bett saß. Im ersten Moment dachte ich schon, dass es Salima war, doch dann erhob sich der Schatten und mir blieb beinahe das Herz stehen. Es war Altaїr ...

tbc ...