Zweisamkeit
Zweisamkeit
Das Alles ist nun etwa zwei Jahre her. Altaїrs Besitzanspruch hat sich in dieser Zeit nicht verringert und wenn er in Masyaf ist, setzt er alles daran, ihn auch aufrecht zu erhalten. Nicht, dass es wirklich nötig wäre. Ich gehöre ihm. Mit jeder Faser meines Körpers und meiner Seele. Aber es ist sehr schön, dass er es mir dennoch so direkt zeigt.
Die Stimme meiner moralischen Bedenken war noch eine ganze Zeit lang präsent, doch es gelang mir mit jedem Tag besser, sie zu ignorieren. Ich weigerte mich standhaft, mir mein Glück mit Altaїr davon zerstören zu lassen. Zu lange hatte ich darum gekämpft. Vor allem mit mir selbst. Irgendwann im Laufe der Zeit ist diese Stimme dann endgültig verstummt.
Endlich sehe ich, wie er die Festung verlässt. Zum ersten Mal seit drei Monaten scheint er es nicht eilig zu haben. Überhaupt zum ersten Mal seit dem unglückseligen Zwischenfall in Salomons Tempel. Unsere Blicke treffen sich, als er näher kommt und ich sehe, wie er sich kurz an der linken Schulter kratzt. Unser Zeichen für 'Ich möchte mich heute Nacht mit Euch treffen.'
Wie könnte ich verneinen? Er war lange genug unterwegs gewesen, dass ich seine Anwesenheit schon beinahe schmerzlich vermisse. Mehr als ein paar seltene Stunden, wenn er kurz heimkehrte um neue Anweisungen zu erhalten, waren uns nicht vergönnt. Und dann war er meist so erschöpft, dass er sofort in meinen Armen einschlief. So wie letzte Nacht.
Also antworte ich mit 'ja', indem ich mir durch die Haare streiche. Ein kurzes, kaum sichtbares Lächeln fliegt über Altaїrs Gesicht, als er das sieht. Dann ist er vorbei und unser Blickkontakt bricht ab. Ein mehr als angenehmes Kribbeln der Vorfreude macht sich in mir breit. Hoffentlich nutzt er den Tag, um sich zu erholen, denn wenn es nach mir geht, werden wir beide heute Nacht kaum zum Schlafen kommen.
Der Rest des Tages scheint dahin zu schleichen. Egal was ich tue, meine Gedanken sind bei ihm und den gemeinsamen zärtlichen Stunden, die vor uns liegen. Doch auch der längste Tag geht irgendwann vorbei und so auch der Heutige. Endlich verschwindet die Sonne hinter den Bergen und macht der nächtlichen Dunkelheit Platz.
Ich schleiche mich durch das Dorf, durch eine versteckte Lücke in der Palisade und den beinahe unbegehbaren Pfad die Klippen hinunter. Wir treffen uns niemals zu einem Stelldichein in meinem Haus. Die Gefahr entdeckt zu werden ist dort viel zu groß. Doch Altaїr hat als Kind diese kleine Höhle in den Klippen entdeckt und kurz nachdem wir uns gefunden hatten, zeigte er sie mir.
Sie liegt weit genug vom Dorf entfernt, dass wir uns keine Gedanken darüber machen müssen, ob uns jemand hören oder gar entdecken könnte. Mit ein paar Kissen und Decken wurde daraus eine kleine Zuflucht, in der wir uns ungestört treffen können.
Nur der Weg dorthin und wieder zurück, ist jedes Mal eine Herausforderung für mich. Das, was Altaїr nicht einmal ein müdes Lächeln auf das Gesicht locken könnte, kostet mich mehr als einen Schweißtropfen. Doch es ist ein denkbar geringer Preis, den ich gern für unsere gemeinsamen Stunden zahle.
Endlich habe ich die Kletterei überstanden. Erleichtert aufatmend betrete ich die Finsternis, die mich in der Höhle erwartet. Altaїr ist noch nicht da. In einer Nische am Eingang warten Lampe und Zunder. Die entstehende Flamme wirft nur spärliches Licht auf die Felswände, doch für mich ist es ausreichend. Ich schüttele ein paar Spinnen aus den Decken und richte ein gemütliches Lager her.
Plötzlich schlingen sich zwei starke Arme um meine Taille. Erschrocken zucke ich zusammen, doch es ist Altaїr. Lautlos, wie stets, hat er sich angeschlichen und hält mich nun fest, so dass ich mich nicht zu ihm umdrehen kann. “Ihr seht aus wie ein Kater, der eine Schüssel Sahne in Aussicht hat”, flüstert er in mein Ohr. Neckisch knabbert und leckt er über die empfindliche Haut an meinem Hals.
Ich seufze auf und versuche noch einmal mich seinem Griff zu entwinden. Vergeblich. Also schlage ich eine andere Taktik ein. “Wenn ich ein Kater bin, solltet Ihr Euch in Acht nehmen …”, antworte ich schmunzelnd und greife nach hinten. Ich lasse meine Hände über seine Hüfte streicheln und füge beinahe schnurrend an. “Katzen haben im Allgemeinen Krallen …” Mit diesen Worten kralle mich schließlich in die beiden, so appetitlich gerundeten Pobacken, die ich unter dem rauen Stoff seiner Robe ertasten kann.
Altaїr keucht heiser auf und lockert seinen Griff. Ich nutze die Gelegenheit und drehe mich leise lachend in seinen Armen um. Mit einem schnellen Handgriff zieht er sich die Kapuze vom Kopf. Kaum ist das störende Stück Stoff verschwunden, vergrabe ich meine Hände in seinen Haaren und erobere seinen Mund mit einem verlangenden Kuss. Seine eigene Begierde scheint der Meinen in nichts nachzustehen. Viel zu lange mussten wir sie zügeln.
Unsere Zungen berühren sich in dem hemmungslosen Tanz, streichen begehrend aneinander. Ich spüre schon jetzt dieses wundervolle Ziehen in meinen Lenden. Der leidenschaftliche Kuss lässt ganze Wellen der Lust durch meinen Körper rieseln. Doch es ist nichts im Gegensatz zu dem, was Altaїrs Hände vermögen.
Er streift mir innerhalb von wenigen Augenblicken mein Gewand von den Schultern. Die erste Berührung seiner schwieligen Fingerspitzen auf meiner Haut lässt mich erschaudern. Seine Hände streicheln fordernd über meinen Rücken. Zielsicher findet Altaїr die Stelle zwischen meinen Schulterblättern, die mich aufseufzen lässt.
Doch das allein reicht mir nicht. Ich kann nicht genug von ihm bekommen. Ich will seine blanke Haut an meiner fühlen. Altaїr brummt kurz unwillig, als ich unseren Kuss unterbreche, hält sich jedoch nicht in seinem Kosen inne. Mit zärtlichen Küssen zieht er eine feuchte Spur über mein Schlüsselbein.
Ungeduldig mache ich mir derweil an den Schnallen seines Gürtels zu schaffen. Endlich fällt das schwere Leder zu Boden. Der Rest ist nicht so kompliziert. Die Robe folgt dem Weg des Gürtels und in meiner Hast zerreiße ich beinahe seine Tunika. Endlich bin ich am Ziel. Mit beiden Händen streiche ich genießerisch über seine Brust.
Sein Leben als Assassine hat schon so viele Narben auf seinem Körper hinterlassen. Helle Linien auf sanft gebräunter Haut. Jede Einzelne ist in meinen Augen eine Auszeichnung. Für seinen Einsatz für das Heilige Land, für seinen Mut, seinen Siegeswillen und für seine ungebrochene Lebenskraft. Zärtlich berühre ich die feinen Linien mit den Fingerspitzen. Lippen und Zunge folgen meinen Berührungen. Ich spüre, dass er mich beobachtet und sehe auf.
In Altaїrs Gesicht spiegelt sich Begierde wider, doch da ist auch etwas anderes, was ich nicht einordnen kann. “Was ist?” frage ich. Etwas ruppiger als eigentlich beabsichtigt, doch er grinst. Und das ziemlich anzüglich. “Ich sollte mir wirklich noch einmal überlegen, ob ich meinen Gegnern nicht mehr Angriffsfläche bieten sollte …”
Er meint es kein bisschen ernst und die Absicht hinter seinen Worten ist eindeutig. “Untersteht Euch …”, knurre ich im gleichen Tonfall und piekse ihn mit dem Zeigefinger. “Ihr seid schon versehrt genug. Und außerdem …” Ich halte inne und lecke mir lasziv über die Lippen. “Würde ich mir dann überlegen, ob ich weiterhin so sanft mit Euch umgehe …”
Den Worten lasse ich Taten folgen. Nicht ganz zärtlich beiße ich ihn in die Brust und ernte damit ein durch zusammengebissenen Zähnen gepresstes “Überredet …” Es wird kaum für einen blauen Fleck reichen, aber für ein paar Momente sind die Abdrücke meiner Zähne gut zu erkennen. Versöhnlich hauche ich einen Kuss auf die malträtierte Stelle und setze meinen Weg über seinen Körper fort.
Das Brustbein entlang. Über eine dünne, weiße Narbe, die sich bis unter den rechten Rippenbogen zieht. Mit Absicht lasse ich Altaїrs Brustwarzen aus. Es ist die einzige Stelle, an der er extrem kitzlig ist und im Augenblick bin ich weniger an einem kichernden Altaїr interessiert. Viel lieber möchte ich ihn stöhnen hören.
Zumindest ein erregtes Keuchen ernte ich, als ich dreist mit der Hand über seine deutlich sichtbare Erregung unter dem Stoff seiner Hose streiche. Jetzt ist er es, der ungeduldig wird. Ehe ich mich versehe, liege ich auf den Decken und Altaїr fällt förmlich über mich her. Innerhalb weniger Augenblicke landen unsere restlichen Kleidungsstücke ebenfalls auf dem Boden.
Wesentlich ungehaltener als ich zuvor, doch nicht weniger zärtlich, erkundet er meinen Körper. Seine wundervollen, starken Hände, die für seine Opfer nur Gewalt bedeuten, bedeuten für mich Vergnügen. Altaїr weiß genau, was er tun muss, damit ich mich schamlos stöhnend unter seinen Zärtlichkeiten winde. Er entfacht in mir einen Orkan der Lust, den nur er in mir erwecken kann.
Gerade, als ich glaube vollends den Verstand zu verlieren, lässt er wieder von mir ab. Erstaunt und ziemlich atemlos richte ich mich ein Stück auf. Nach seinem Gesicht und anderen Indizien zu urteilen, hat Altaїr nicht vor, unsere Liebesnacht zu unterbrechen.
Ich muss wohl sehr verwirrt ausgesehen haben, denn er erstickt die Frage, die mir auf den Lippen liegt, mit einem zärtlichen Kuss. Als er sich wieder von mir löst wispert er. “Beinahe hätte ich etwas vergessen. Wartet einen Moment …” Es bleibt mir wohl kaum etwas anderes übrig. Neugierig geworden sehe ich zu, wie Altaїr in den achtlos weggeworfenen Kleidungstücken wühlt. Er flucht leise, als er nicht sofort findet, was er sucht. Dann offenbart ein triumphierendes “Ha!”, dass er doch noch fündig geworden ist.
Mit einem selbstzufriedenen Lächeln im Gesicht setzt er sich neben mich. Was auch immer er gefunden hat, es ist klein genug, dass er es in seiner Hand verbergen kann. “Das habe ich von einem Händler, den ich vor ein paar streitlustigen Soldaten gerettet habe.” Mit diesen Worten öffnet er seine Hand. Auf der Handfläche liegt eine kleine, gläserne Phiole. Altaїr zieht den Korken heraus und sofort breitet sich ein angenehmer Duft nach Sandelholz im Raum aus. Allein dieses Fläschchen muss ein halbes Vermögen wert sein, von dem Inhalt überhaupt nicht zu reden.
Er grinst neckisch. “Eigentlich ist es für adlige Frauen gemacht und ich bezweifle, dass er jemals an eine derartige Verwendung gedacht hätte, aber ich denke, wir werden Möglichkeiten finden, dieses Geschenk angemessen zu nutzen …”
Es fällt mir nicht schwer, dem zuzustimmen. Dieses Öl stellt einen plötzlichen Luxus dar. Bisher hatten wir uns mit weitaus weniger komfortablen Lösungen zufrieden geben müssen. Ich lege mich bäuchlings auf das Lager, den Kopf auf meine verschränkten Arme gebettet. Meine Augen geschlossen. Jeder einzelne meiner Atemzüge zittert vor Erregung und in Erwartung auf das, was nun kommt.
Ich spüre erst einen, dann die nächsten Tropfen Öl auf meinem Steiß. Dann folgt seine Hand. Zärtlich verteilt er die duftende Flüssigkeit zwischen meinen Pobacken und dringt langsam mit einem Finger in mich ein. Ich beiße in die Decken, um ein lautes Stöhnen zu dämpfen. Ich spreize meine Beine, um ihm mehr Platz zu geben, doch plötzlich zieht sich Altaїr zurück. Enttäuscht öffne ich meine Augen.
“Dreht Euch um …” wispert er, die Stimme rau vor Lust. “Ich will Euch ansehen, wenn ich das tue.”
Meine Wangen brennen, als ich mich auf den Rücken wälze. Doch verwehren kann und will ich es ihm nicht. Denn es erregt mich ebenso wie ihn. Unsere Blicke treffen sich. Er liegt halb über mir. Den Mund leicht geöffnet, mit feuchten, geröteten Lippen von unseren Küssen. Die Augen vor Lust verschleiert. So anziehend, wie nie zuvor.
Er hält meinen Blick gefangen. Mit einer Hand greift er zwischen meine Beine. Nur kurz kost er über meine Hoden, was dafür sorgt, dass ich geräuschvoll die Luft einsauge. Dann wandert seine Hand wieder tiefer. Langsam dringt er wieder in mich. Ich beiße mir auf die Lippen und kann ein lustvolles Stöhnen doch nicht unterdrücken. Altaїr nimmt einen weiteren Finger hinzu. Unwillkürlich schließe ich die Augen und biege genießend den Rücken durch.
Nur mühsam kann ich meine, in die Decken verkrallten, Hände lösen. Ich umfasse seinen Nacken und ziehe ihn zu mir hinunter. Mit bebenden Lippen erobere ich seinen Mund. Ein erregtes Stöhnen antwortet auf meinen Überfall.
In diesem Augenblick wird es mir reichlichst egal, ob ich morgen noch einen vernünftigen Schritt tun kann. Ich will nur eins. Ihn tief in mir spüren. Ich beende den fordernden Kuss und bringe meinen Mund ganz nah an sein Ohr. Mit rauer Stimme flüstere ich. “Ich will Euch! Jetzt …”
Er keucht heiser, doch er gibt meiner Forderung nach. Als er seine Hand zurückzieht, fühle ich mich seltsam leer. Mein Verlangen ihn endlich zu spüren wird beinahe unerträglich. Ich rolle mich zurück auf den Bauch und rappel mich auf alle Viere hoch.
Ein Blick über die Schulter zeigt mir Altaїr, wie er mit vor Erregung bebenden Händen das Öl auf seinem Glied verteilt. Unwillkürlich stöhne ich bei diesem Anblick dunkel auf. Er hebt den Blick und sieht mich an. Oh, wie ich diesen Gesichtsausdruck bei ihm liebe. So völlig offen. Sämtliche Masken hinweggefegt. Übrig sind nur Leidenschaft, Begehren und Lust.
Er kommt hinter mich und entschwindet meinem Blickfeld. Jetzt kann ich ihn nur noch fühlen. Seine Hände umfassen meine Hüfte. Fordernd graben sich seine Finger in meine Haut. Jede Berührung erscheint plötzlich doppelt so intensiv. Er drängt sich an mich und dringt langsam in mich ein.
Ich bin viel zu sehr im Rausch der Lust gefangen, um das leichte Ziehen wirklich zu bemerken. Viel stärker ist das alles beherrschende Gefühl, das Altaїrs Eindringen auslöst. Als ob sich in mir ein Feuer ausbreitet, das mir den Atem raubt und mir ein lang gezogenes, lustvolles Stöhnen entlockt. Schwer atmend hält Altaїr inne, um mir Zeit zu geben, mich an ihn zu gewöhnen. Ich nutze die Gelegenheit, um etwas zur Ruhe zu kommen.
Er streichelt mit einer Hand nach vorn und lässt sie in einer liebevollen Geste auf meinem Bauch liegen. Gleichzeitig beugt er sich zu mir herab, bis er nahezu auf mir liegt. Er stützt sich nur so weit ab, dass nicht sein volles Gewicht auf mir lastet. Zärtlich haucht er kleine Küsse auf meine Schultern. Allmählich atme ich wieder ruhiger. Der Sturm meiner Lust, der mich hinwegzufegen drohte, ist zu einem beständigen, heißen Wind abgeflaut. Altaїr schmiegt sich noch etwas näher an mich. Rau flüstert er in mein Ohr. “Bereit?”
Ich nicke und antworte nicht weniger heiser. “Ja …”
Altaїr platziert noch einen sachten Kuss in meinen Nacken und richtet sich wieder auf. Langsam zieht er sich aus mir zurück. Jedoch nur um dann ebenso langsam wieder in mich einzudringen. Der langsame Rhythmus lässt uns beide nahezu zeitgleich aufstöhnen. Seine Finger krallen sich in meine Hüften. Es kostet ihn immense Beherrschung, doch er genießt es spürbar. Ebenso wie ich. Noch einmal quält er uns beide mit einem langsamen Stoß.
Der letzte Rest meiner Selbstbeherrschung geht dahin. Ich will mehr. Ich will all seine Kraft und Leidenschaft spüren. Fordernd bewege ich mich gegen ihn und bringe ihn, und mich, erneut zum Aufstöhnen. Nun lässt er alle Zurückhaltung fallen. Das Feuer, mit dem er mich nun nimmt, scheint mich von innen heraus zu verbrennen. Und ich habe dem nichts entgegenzusetzen.
Ich vergrabe meine Finger wieder in den Decken unter mir. Schon längst ist der Orkan meiner Leidenschaft wieder zu voller Stärke entfacht. Ich nehme kaum noch etwas anderes wahr, als unsere gemeinsame Lust und das daraus resultierende Stöhnen und Keuchen, das die Höhle erfüllt.
Wie das Steigen der Gezeiten, steigt mit jedem von Altaїrs Stößen das Prickeln des kommenden Orgasmus in mir höher, bis er wie eine Flutwelle über mir zusammenbricht. Kurz darauf spüre ich, wie auch Altaїr seinen Höhepunkt erreicht und ich höre dieses wundervolle gutturale Geräusch, das er dabei immer von sich gibt.
Verschwitzt und nach Atem ringend lösen wir uns voneinander. Ich fühle mich herrlich entspannt, zufrieden und so typisch klebrig, wie immer nach dem Akt. Gleichzeitig überkommt mich eine angenehme Erschöpfung. Zufrieden sinke ich in die Kissen. Altaїr zieht eine Decke über uns und kuschelt sich ganz nah an mich. Den Kopf wieder auf meiner Schulter gelegt, tastet er nach meiner Hand. Wie selbstverständlich verschränken sich unsere Finger ineinander.
Kaum hat er sich zurechtgelegt, ist er auch schon eingeschlafen. Sanft genug, dass er nicht wieder munter wird, streiche ich ihm zärtlich durch das dunkle Haar. Ich gönne ihm die Ruhe. Er hat sie sich wahrlich verdient. Es dauert auch nicht lange und er schläft tief und fest. Seine Brust hebt und senkt sich ruhig im Takt seiner Atemzüge.
Ich beobachte ihn gern, wenn er schläft. So völlig entspannt sehe ich ihn selten. Und manchmal, wenn er träumt, kräuselt er seine Nase. Eine Mimik, die ich noch nie gesehen habe, wenn er wach war. Überhaupt zeigt er in der Öffentlichkeit dahingehend eine bemerkenswerte Selbstbeherrschung. Eine Fähigkeit, um die ich ihn beneiden könnte.
Selbst mit ihm als Vorbild und Lehrer habe ich es nie geschafft, derartig diszipliniert zu sein. Zumindest reichen meine bescheidenen Schauspielfähigkeiten aus, um vor allen anderen zu verbergen, was ich wirklich für ihn empfinde.
Altaїr murmelt irgendetwas Unverständliches, ohne jedoch aufzuwachen. Mir fällt ein, dass ich ihn noch gar nicht gefragt habe, wann er wieder fort muss. Hoffentlich nicht zu bald. Vielleicht gesteht ihm Al Mualim endlich ein paar Tage Ruhe zu. Es muss ja nicht gleich so lang sein, wie damals.
Altaїr nahm sich Zeit, um sich vollständig zu erholen und seine ursprüngliche Kondition wieder zu erlangen. Was uns gleichzeitig genügend Gelegenheiten gab, um uns in Ruhe näher zu kommen. Als er sich wieder entsprechend fühlte, griff er auch wieder in mein Training ein.
Wenn ich geglaubt hätte, unsere neu gefundene Zuneigung würde etwas an der Intensität seines Trainings ändern, wäre ich schwer enttäuscht worden. Nicht einmal seine bissigen Bemerkungen verloren an Schärfe. Doch ich hatte eigentlich nicht erwartet, dass sich in dieser Hinsicht etwas ändern würde. Und es war gut, so wie es war. Es wäre nur aufgefallen.
Der einzige Unterschied bestand in den gemeinsamen Nächten danach. Behutsam küsste er die blauen Flecken, die er fabriziert hatte und sorgte mit seinen fordernden Berührungen dafür, dass ich sämtliche Schmerzen bald vergaß. Ich genoss jede Sekunde, die wir zusammen verbringen konnten. Ganz gleich, ob wir allein waren oder den Schein für die Öffentlichkeit wahren mussten. Denn wer konnte schon sagen, wann Altaїr wieder fort musste?
Ich hätte ihn am Liebsten für immer in Masyaf gehalten. Jedes Mal, wenn er fort ging, bangte ich um sein Leben. Zwar kannte ich seine Fähigkeiten, ich wusste, dass er sich sehr wohl seiner Haut wehren konnte, trotzdem riskierte er alles. Es war ein Alptraum für mich, wenn ich daran dachte, dass er umkommen könnte. Das hat sich bis heute auch kaum geändert. Im Gegenteil. Gerade die Ereignisse der letzten Monate haben mir vor Augen geführt, wie schnell ich ihn für immer verlieren könnte.
Interessanterweise hatte ich weniger Probleme damit, wenn ich mir vorstellte mein eigenes Leben zu riskieren. Innerlich war ich schon lange bereit auszuziehen, um das Heilige Land zu schützen. Nur dass meine Fähigkeiten bei Weitem noch nicht ausreichten. Und das würden sie wohl auch nie.
tbc ...