LNCrawler

Alles nur nicht Naruto

Wenn Drachen Weinen — www.fanfiktion.de · All chapters

Alles nur nicht Naruto

Das Eingangstor von Konohagakure war das Erste, was man erblickte, wenn man sich der Stadt näherte.

An diesem Nachmittag standen die Torflügel weit offen, doch der Betrieb hielt sich in Grenzen. Anders gesagt: Izumo und Kotetsu, die Torwachen, hatten kaum etwas zu tun.

„Hallo, Amaya!“, begrüßten mich beide gleichzeitig, als ich näher kam.

„Na, ihr zwei.“ Ich blieb kurz stehen. „Harte Schicht?“

„Und ob“, meinte Izumo trocken und gähnte.

„Wie war deine Mission?“, fragte Kotetsu.

„Anstrengend, langwierig … aber erfolgreich.“ Ich klopfte auf die Tasche an meiner Hüfte.

„Dann solltest du dich lieber beeilen. Tsunade wartet bestimmt schon.“

„War sowieso mein Ziel. Passt gut auf euch auf.“

Ich verabschiedete mich mit einem Winken und machte mich auf den Weg zum Hokage-Turm.

Die Straßen Konohas zogen an mir vorbei. Kinder huschten zwischen den Verkaufsständen hindurch, der Geruch von gegrilltem Fisch lag in der Luft und irgendwo lachte jemand so laut, dass sich mehrere Passanten nach ihm umdrehten.

Ganz schön viel los hier.

Manchmal vergaß ich, wie laut eine Stadt sein konnte. In meiner Kindheit hatte ich hauptsächlich das Rauschen der Bäume und das Brüllen der Drachen am Morgen gekannt. Hier war es nie wirklich still.

Und trotzdem fühlte sich das alles inzwischen vertraut an.

Seltsam, wenn ich daran dachte, dass ich früher geglaubt hatte, nirgendwo wirklich dazuzugehören. Mittlerweile konnte ich mir kaum vorstellen, einfach wieder zu verschwinden, ohne mich noch einmal umzudrehen.

Vor dem Hokage-Turm kam mir Naruto entgegen, der gerade die Treppe hinunterlief.

„Hey, Naruto! Alles gut? Kommst du von Tsunade?“

„Amaya-chan!“ Er grinste breit. „Schön, dich wiederzusehen!“

Schon hatte er mich in eine feste Umarmung gezogen. Typisch Naruto. Als wären keine zwei Wochen, sondern zwei Jahre vergangen.

„Ich wollte mir eine Mission holen, aber Oma Tsunade gibt mir keine.“ Er seufzte theatralisch, schien sich darüber aber nicht allzu sehr zu ärgern. „Aber weißt du schon das Neueste?“

Ich hob eine Augenbraue.

„Kazekage Gaara wurde von Akatsuki entführt! Die haben seinen Bijū aus ihm herausgeholt, echt jetzt!“

„Was?!“ Für einen Moment vergaß ich, was ich sagen wollte.

Gaara. Entführt? Und dann auch noch von Akatsuki?

„Wir waren dort und haben ihn zurückgeholt“, verkündete Naruto stolz.

Ich starrte ihn einen Moment an, bevor ich die Arme verschränkte.

„Na wunderbar. Ich bin zwei Wochen weg und hier passiert das Spannendste des Jahres.“

Naruto lachte. „Hast du Lust, was essen zu gehen?“

„Geht nicht. Ich muss erst etwas abgeben.“ Ich klopfte erneut auf meine Tasche.

„Pass auf dich auf. Die Alte hat 'ne miese Laune.“

„Danke für die Warnung. Und guten Appetit.“

Ich ließ ihn stehen und verschwand im Gebäude.

Der Flur zum Büro war kühl und still, ein scharfer Kontrast zur Wärme und dem Lärm draußen. Meine Schritte hallten leise auf dem Holzboden wider. Unwillkürlich straffte ich die Schultern.

Eine alte Gewohnheit. Manche Dinge legte man eben nicht so einfach ab.

Schon bevor ich die Tür erreichte, hörte ich Tsunade schimpfen.

Na, das kann ja heiter werden.

Ich klopfte.

„Herein!“

Ich trat ein und wurde prompt begrüßt: „Schön, dass du es auch mal schaffst!“

Genervt legte ich die Schriftrolle mit einem dumpfen Schlag auf ihren Tisch.

„Mission erfolgreich.“

„Gab es Probleme?“, fragte sie, während sie das Dokument entrollte.

„Nur geringfügige.“

Tsunade überflog den Bericht. Dann hob sie den Kopf, und ihr Gesichtsausdruck wurde ernst.

„Gut, dass du zurück bist. Ich habe eine Mission, die ich nicht irgendjemandem überlassen möchte. Und ganz besonders nicht Naruto.“

Das klang schon deutlich weniger nach einer gewöhnlichen Begrüßung.

Sie reichte mir eine Mappe. Ich öffnete sie und blieb an der Einstufung hängen.

S-Rang – Personenschutz.

Der Auftrag war eindeutig: Gaara, der Kazekage von Sunagakure, sollte zu einer Besprechung mit dem Hokage eskortiert werden.

Nach dem, was Naruto mir gerade erzählt hatte, war das wohl kaum überraschend.

Ich überflog die knappen Zeilen der Mission, während in mir ein vertrautes Gefühl aufstieg. Es war nicht Aufregung, eher eine stille Bereitschaft. Ein weiterer Auftrag, eine weitere Verantwortung. So kannte ich es. So hatte es immer funktioniert.

„Verstanden“, sagte ich und verneigte mich knapp, bevor ich das Büro verließ.

Die Zeit war knapp. Also ging ich direkt nach Hause, packte frische Kleidung ein, kontrollierte meine Waffen und Siegelrollen und steckte ein paar medizinische Kräuter dazu.

Am Abend brach ich auf.

Bis nach Suna würde ich zu Fuß drei Tage brauchen. Mit meinen besonderen Fähigkeiten hätte ich die Strecke deutlich schneller zurücklegen können, aber ich hatte es nicht eilig.

Ein paar Tage allein unterwegs zu sein, klang eigentlich ganz verlockend.

Nur ich, der Weg und ein bisschen Ruhe.

Die Reise führte mich durch dichte Wälder, über trockene Pfade und schließlich in die ersten Sandebenen. Mit jedem Tag wurden die Bäume weniger, bis selbst die letzten Sträucher verschwanden und endlose, golden schimmernde Dünen den Horizont beherrschten.

Die Luft wurde trockener, der Wind schärfer, und die Stille der Wüste hatte etwas seltsam Beruhigendes, als würde sie all die Stimmen und die Hektik endlich zum Schweigen bringen.

Ich mochte diese Landschaft. Die Wüste war unerbittlich, aber wenigstens machte sie kein Geheimnis daraus.

Hier draußen gab es nur den Weg vor mir und das Ziel dahinter.

Und so erreichte ich drei Tage später, wie geplant, die Tore von Sunagakure.