Kleine Drachen im Bauch (Amayas Sicht)
Kleine Drachen im Bauch (Amayas Sicht)
Ich saß im Wald hinter meinem Haus, die Beine verschränkt und den Rücken gerade. Die Augen hatte ich geschlossen.
Meine Ohren zuckten bei jedem Laut, sortierten die Geräusche um mich herum zu neuen Mustern. Doch eigentlich hörte ich vor allem meinen Atem. Gleichmäßig. Ruhig. Mit jedem Atemzug versuchte ich, mich zwischen die Ebenen zu öffnen, dorthin, wo Meian existierte.
Zunächst spürte ich nur einen kalten Hauch.
Dann nahm ihre Gestalt vor meinem inneren Auge Form an. Durchscheinend, schimmernd in sanften Regenbogenfarben, als bestünde sie aus Licht, das sich nicht ganz entscheiden konnte, welche Farbe es annehmen wollte.
Die Königin der Drachen.
Kein Bijū. Kein gewöhnlicher Geist. Etwas dazwischen. Etwas, das älter war als vieles, was ich überhaupt verstand.
Ich war kein Jinchūriki. Ich war lediglich ein Knotenpunkt. Eine Brücke zwischen ihrer und dieser Welt.
„Schön… dass du gekommen bist", flüsterte Meian. Ihre Stimme wie das Rauschen der Blätter. „Es ist lange her."
„Ich hätte es gern weiterhin vermieden", erwiederte ich. „Aber ich hatte keine Wahl."
„Man hat immer eine Wahl."
„Selbst wenn die ganze Welt von einem abhängt?“
„Selbst dann“, hauchte sie. „Du entscheidest, wie du sie rettest.“
Ich atmete zittrig ein.
„Meian… ist es möglich, den Jūbi endgültig zu besiegen?"
Sie neigte den Kopf, und ein durchsichtiges Barthaar strich über meine Wange.
„Das kommt darauf an, ob du aufhörst zu zweifeln."
Bevor ich etwas erwidern konnte, fuhr ein Windstoß über die Lichtung. Meians Gestalt begann sich aufzulösen. Ihre schimmernde Form zerfiel in unzählige Lichtsplitter, die davongetragen wurden wie Kirschblüten im Frühling.
Ich wollte nach ihr rufen, doch sie war bereits verschwunden, bevor ich den Gedanken ganz fassen konnte.
Langsam öffnete ich die Augen und betrachtete meine Hände. Die Krallen waren wieder ein Stück länger geworden.
„Du hast dich weiterentwickelt“, stellte Luna fest und ließ sich neben mir ins Gras sinken.
„Kommt mir nicht so vor.“
„Dann fühl mal an deine Stirn.“
Misstrauisch tastete ich über meinen Haaransatz. Unter meinen Fingern spürte ich zwei kleine Erhebungen.
Hörner.
Kleine, aber eindeutig vorhandene Hörner.
Ich ließ die Hand sinken. „Trotzdem müsste ich weiter sein.“
„Du bist zu hart zu dir.“
„Jemand muss es ja sein", seufzte ich und ließ mich rückwärts ins Gras fallen, den Blick nach oben zum Himmel, der sich langsam Orange färbte.
Luna richtete sich neben mir auf, die Flügel leicht angelegt.
„Was hat Meian gesagt?“
Ich erzählte ihr von unserem Gespräch. Von meiner Frage über den Jūbi und von ihrer wenig hilfreichen Antwort. Luna hörte ungewöhnlich lange schweigend zu. Normalerweise hätte sie mich längst unterbrochen, um irgendeine Bemerkung einzuwerfen.
Diesmal sagte sie nichts dazu.
Stattdessen fragte sie plötzlich: „Wann hast du Gaara eigentlich zuletzt gesehen?“
Ich blinzelte und drehte den Kopf zu ihr.
„Ähm … vor drei Wochen? Vielleicht länger?“
War das wirklich schon so lange her? Hier im Drachenland verlor die Zeit manchmal jede vernünftige Bedeutung. Drei Wochen. Vielleicht sogar mehr.
Ich richtete den Blick wieder auf den Himmel.
„Du vergräbst dich zu sehr im Training“, seufzte Luna. „Geh ihn besuchen.“
Ich antwortete nicht sofort.
Konnte ich einfach nach Suna zurückkehren, als wäre nichts gewesen? Nach dem Sommerfest. Nach dem Abschied auf der Mauer.
„Hallo?! Hörst du mir überhaupt zu?“
Luna stellte sich direkt über mich und nahm mir die Sicht auf den Himmel.
„Natürlich höre ich dir zu!“
„Und warum sagst du dann nichts?“
„Weil ich darüber nachdenke!“
„Dann sag einfach: ‚Ja, Luna, du hast recht! Ich gehe ihn besuchen!‘“
Ich starrte sie an. Sie starrte zurück, vollkommen unbeeindruckt.
„Ist ja gut", murmelte ich und richtete mich auf. „Du bist echt nervig.“
Luna grinste zufrieden.
„Du kannst dich bei mir später bedanken“
Noch bevor ich einen passenden Konter fand, richtete ich meine Gedanken auf Suna und ließ das Drachenland hinter mir zurück.
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Ich saß auf dem Dach des Kage-Turms und wartete auf die schwarze Gestalt, die ich so gern sehen wollte.
Doch Gaara kam nicht.
Der Platz neben mir blieb leer. Obwohl ich wusste, dass er vermutlich wieder bis zum Hals in Akten steckte, nagte ein kleiner, unnötiger Stich der Enttäuschung in meiner Brust.
Ich atmete die trockene Wüstenluft aus und beobachtete, wie der Sonnenuntergang langsam verblasste. Mit den letzten Strahlen wich auch die Wärme, doch ich spürte sie ohnehin nicht. Irgendwie war alles in mir so leer, dass weder Kälte noch Hitze mich richtig erreichten.
Warum ging ich nicht einfach nach Hause? Dort konnte man genauso gut den Sternenhimmel anstarren und sich fragen, warum man sich so lächerlich fühlte. Trotzdem blieb ich sitzen. Mein Körper fühlte sich schwer an, als müsste ich einen Berg versetzen, nur um aufzustehen. Also zog ich die Knie an die Brust, legte den Kopf darauf und starrte hinaus zu den Stadtmauern, die sich im Zwielicht abzeichneten.
Hör auf zu zweifeln.
Ein leises Echo von Meian, oder vielleicht nur mein eigenes Gewissen. Zweifeln war einfacher. Sich einzureden, dass man zu schwach war, dass man etwas nicht schaffen konnte. Das war bequemer, als den Mut aufzubringen, es trotzdem zu versuchen.
Und wenn ich nicht gezweifelt hätte … wäre mein Vater dann heute noch am Leben?
Ein Gähnen stieg in mir auf. Ich unterdrückte es, schloss die Augen und ließ die vertrauten Zweifel kommen. Zweifel am Guten. An mir selbst. An der Liebe.
Wenn ich hier einschlief, würde ich erfrieren. Der Wind wurde rauer, trug Sandkörner mit sich, die an mir vorbeizischten. Ich hörte, wie etwas neben mir landete, eine feine, kontrollierte Bewegung. Der Klang eines Menschen, nicht des Windes.
Ich hob den Kopf und sah noch wie der Sand sich zurückzog. Gaara blickte auf mich, mit seinen türkisfarbenen Augen herab. So wie er mich ansah, wusste ich nicht mehr, ob es richtig war hier einfach zu warten.
„Es ist zu kalt, um hier draußen zu sitzen." Seine Stimme war ruhig, kaum lauter als der Wind. Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, aber mir fiel nichts ein. Also sah ich ihn einfach nur an.
Er hielt meinem Blick einen Moment stand, dann setzte er sich neben mich.
„Aber ich verstehe, warum du es tust."
Meine Kehle wurde eng.
Er fragte nicht, ob ich auf ihn gewartet hatte. Er sagte nur, dass er es verstand, und ließ mir damit die Möglichkeit, nichts erklären zu müssen.
„Ich wollte nur kurz …“ Ich brach ab und sah auf meine Hände. „Ich wusste nicht, ob du Zeit hast.“
„Ich habe vom Fenster aus gesehen, dass jemand auf dem Dach sitzt.“ Sein Blick richtete sich auf die Stadt. „Zuerst dachte ich, es wäre eine Wache. Dann habe ich deine Haltung erkannt.“
„Meine Haltung?“
„Du sitzt immer so, wenn du nachdenkst. Die Knie an der Brust, den Kopf darauf.“
Überrascht hob ich die Augenbrauen. „Das weißt du?“
„Ich habe dich oft genug beobachtet.“
Ich wollte lachen, doch es kam nur ein dünnes Ausatmen heraus. Der Wind strich kalt über meine Arme, und erst jetzt merkte ich, wie sehr ich fror. Gaaras Blick glitt kurz zu mir, aber er kommentierte es nicht.
Eine Weile schwiegen wir. Es war nicht unangenehm. Es erinnerte mich an unsere Abende auf der Stadtmauer, nur dass diesmal drei Wochen zwischen uns lagen, über die keiner von uns sprach.
„Wie geht es dir?", fragte er schließlich leise.
„Ganz gut."
Er sah mich von der Seite an. „Bist du sicher?“
„Nur etwas gestresst vom Training", murmelte ich. „Und dir?"
„Akatsuki hat Konoha angegriffen“, sagte er, als ob das all den Stress erklären würde, denn bestimmt jetzt hatte.
„Ich weiß", seufzte ich. Naruto… wo wäre Konoha ohne ihn?
Einen Moment sagte Gaara nichts. Dann legte er vorsichtig seine Hand auf meine und verschränkte seine Finger mit meinen.
Ich spürte, wie meine Brust eng wurde. Drei Wochen lang hatte ich seine Nähe, die Berührung vermisst, ohne es zuzugeben.
„Ich habe dich vermisst, Amaya“ hauchte er mir ins Ohr. So nah, dass sein Atem meine Haut streifte.
Ich brachte kein Wort heraus. Stattdessen lehnte ich mich an seine Schulter. Es war nur eine kleine Bewegung, doch sie gab mir mehr Halt, als ich erwartet hatte.
Gaara legte behutsam einen Arm um mich. Ich ließ es geschehen und war dankbar für die Selbstverständlichkeit, mit der er mir Nähe anbot, ohne etwas von mir zu verlangen.
„Ich dich auch", flüsterte ich schließlich.
Ich schloss die Augen und atmete seinen vertrauten Duft ein, warm und erdig, mit einem Hauch von Sandelholz.
Langsam ließ die Anspannung nach. Wärme breitete sich in mir aus, so sanft und tröstlich, dass ich beinahe vergaß, wie schwer sich mein Herz noch vor wenigen Minuten angefühlt hatte.
Ich hätte stundenlang so bleiben können. Eingehüllt in seinen ruhigen Herzschlag und die Sicherheit seines Arms.
Und zum ersten Mal seit Langem gestattete ich mir, einen Gedanken nicht sofort wieder zu verdrängen.
Hier gab es keine Etikette, die ich wahren musste. Kein Publikum, das über mich urteilte. Keine Position, die ich verteidigen musste.
Nur Gaara und mich, unter einem Himmel, der uns beiden gehörte.
In einigen Wochen oder Monaten würde der Krieg kommen, den mein Vater vorausgesehen hatte. Wann genau, wusste ich nicht. Und was danach sein würde, wagte ich mir kaum auszumalen.
Vielleicht gab es für mich kein Danach. Vielleicht auch für ihn nicht.
Sicher war nur dieser Moment. Sein Arm um mich, seine Wärme an meiner Seite und mein Herz, das sich zum ersten Mal seit Wochen nicht schwer, sondern einfach nur voll anfühlte.
Wenn es keine Garantie für ein Morgen gab, sollte ich ihn dann nicht fragen, was er für mich empfand? Oder ihm wenigstens sagen, was ich selbst fühlte, bevor mir die Gelegenheit für immer genommen wurde?
Der Gedanke erschreckte mich. Nicht, weil ich ihn nicht wollte, sondern weil er sich plötzlich so richtig anfühlte.
„Du solltest schlafen gehen", sagte Gaara ganz nah bei mir und riss mich aus der Trance.
„Mhm“, machte ich, ohne mich zu bewegen.
Ich wollte nicht aufstehen. Nicht von ihm weg. Nicht jetzt.
Doch schließlich löste er unsere Haltung behutsam und half mir auf die Beine.
„Ich reise morgen zur Kagekonferenz.“ Seine Worte klangen, als wäre mehr damit verbunden als nur eine Information.
Ich drückte seine Hand. „Sei vorsichtig unterwegs.“
„Temari und Kankurō begleiten mich.“
„Dann solltest du doppelt vorsichtig sein.“
Er schüttelte belustigt den Kopf, wandte den Blick aber nicht von mir ab. Dann zögerte er kurz.
„Würdest du mitkommen, wenn ich dich darum bitte?“
Ich stockte. Ein Teil von mir wollte sofort Ja sagen. Doch der andere erinnerte mich daran, dass ich Verpflichtungen hatte, die ich nicht einfach hinter mir lassen konnte.
„Ich … kann nicht. Ich habe hier noch Dinge zu erledigen.“
Gaara senkte den Blick. Für einen kurzen Moment sah er enttäuscht aus, als hätte er mit meiner Antwort gerechnet und trotzdem auf etwas anderes gehofft.
„Wir sehen uns bestimmt bald wieder“, versprach ich, obwohl ich selbst nicht wusste, wann das sein würde.
„Das wäre schön.“ Er sah mich wieder an. „Aber woher soll ich wissen, dass du zurück bist? Es war heute Zufall, dass ich dich von meinem Zimmer aus auf dem Dach gesehen habe.“
Ich hielt inne.
Er hatte recht. Ich konnte nicht mehr einfach in den Kage-Turm spazieren, wann immer mir danach war, so wie ich es früher getan hatte.
Ich wollte meine Hand aus seiner lösen, um mir etwas zu überlegen, doch er hielt sie sanft fest.
Verwundert sah ich zu ihm auf.
„Kannst du dich noch daran erinnern, als du mich gefragt hast, wie wichtig dieser Stapel Akten eigentlich ist?“
Seine Stimme wurde etwas tiefer. Er beugte sich leicht zu mir, und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass er etwas vorhatte.
Schließlich nickte ich, obwohl ich noch immer nicht ganz verstand, worauf er hinauswollte.
„Also, Amaya …“ Er schien kurz Luft zu holen. „Was hast du heute Abend noch vor? Gibt es etwas Wichtiges, bei dem du unbedingt sein musst?“
Ich runzelte die Stirn. „Nein …“ Luna wartete nicht auf mich. „Ich wäre einfach nach Hause gegangen, hätte geschlafen und morgen weitertrainiert.“
„Du bist also frei?“
Mit wachsendem Misstrauen sah ich ihn an. „Ja?“
Ein kleines Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
„Möchtest du noch mit zu mir kommen?“
Ich sah ihn erst überrascht an. Zu ihm?
In all den Monaten, die wir uns kannten, hatte er mich noch nie so direkt zu sich eingeladen. Und trotzdem gefiel mir, wie selbstverständlich er die Frage stellte, als wäre es das Natürlichste der Welt, dass er noch etwas Zeit mit mir verbringen wollte.
Eine angenehme Wärme breitete sich in meiner Brust aus.
Mein Herz machte einen Satz.
Ich nickte. Vermutlich etwas zu schnell und zu heftig.
Ich schlang einen Arm um seinen, als sich der Sand vom Dach erhob und uns sanft in die Höhe trug. Unwillkürlich rückte ich näher an ihn heran.
Während wir über die Stadt glitten, blickte ich zu ihm auf. Gaara schien sich ganz auf unser Ziel zu konzentrieren: einen kleinen Balkon, der in der Dämmerung kaum zu erkennen war.
Der Sand löste sich wieder unter uns auf und ich spürte den festen Stein unter meinen Füßen. Der Balkon war teilweise in das Gebäude eingelassen. Von außen hätte man kaum vermutet, dass der Kazekage hier oben wohnte. Alles wirkte schlicht und unscheinbar.
Ich hatte immer angenommen, Gaara würde über seinem Büro schlafen und nicht in einem separaten Wohngebäude. Vielleicht hatte es Sicherheitsgründe.
Gaara zog seine Schuhe aus. Ich wollte es ihm gleichtun, stellte dabei jedoch fest, dass ich gar keine trug.
War ich wirklich so spontan zu ihm gerannt?
Auch er bemerkte es. „Wo sind deine Schuhe?“
„Zu Hause“, fiel mir wieder ein.
Wir sahen uns an und lachten. Im Drachenland brauchte ich schließlich keine.
Ich drehte mich um und blickte über die funkelnde Stadt. Sunagakure war nachts schöner, als es irgendein Künstler hätte malen können. Die kleinen, runden Fenster leuchteten wie ein Meer aus Laternen.
Hinter mir hörte ich, wie Gaara die Tür öffnete. Mit einer einladenden Handbewegung deutete er an, dass ich hineingehen konnte.
Mein Herz schlug schneller. Ich hatte seine Wohnung noch nie gesehen, und nun stand ich tatsächlich auf seinem Balkon und durfte eintreten.
Neugierig trat ich durch die Terrassentür. Dahinter lag ein helles, ruhiges Wohnzimmer, in dem zahlreiche Kakteen in Töpfen unterschiedlicher Formen und Größen standen.
Stachelig, minimalistisch und irgendwie weich im Inneren. Genau wie er.
Alles war erstaunlich ordentlich. Ein deutlicher Gegensatz zu seinem chaotischen Büro.
„Ich wusste gar nicht, dass du Kakteen züchtest“, gestand ich und betrachtete eines der grünen Gewächse genauer.
„Ein kleines Hobby. Es hilft mir, nach langen Tagen abzuschalten.“ Er wandte sich zu mir. „Aber jetzt geht es nicht um mich. Ich möchte wissen, was bei dir passiert ist.“
Gaara hatte sich auf dem grünen Sofa gegenüber der Tür niedergelassen. Hier wirkte er anders als im Büro. Entspannter, als wäre dieser Platz wirklich sein Zuhause. Er lehnte sich zurück und klopfte neben sich auf das Polster.
„Setz dich.“
Etwas an seiner Stimme ließ mein Herz kurz stocken. Vielleicht war es nur die Selbstverständlichkeit, mit der er mich zu sich bat. Trotzdem fragte ich mich, ob ich ihm wirklich so viel bedeutete, wie es sich in diesem Moment anfühlte.
„Gaara, ich weiß gar nicht, was ich dir erzählen kann, ohne dass daraus eine ganze Kette von Fragen entsteht.“ Ich holte tief Luft. „Mein Clan hat sich und die Drachen seit Jahrzehnten versteckt. Ich bin die Letzte eines Volkes, das eigentlich längst ausgestorben sein sollte.“
Die Bürde dieser Verantwortung lag schwer auf meiner Brust. Selbst jetzt, da ich endlich darüber sprechen wollte, fiel es mir nicht leicht, die richtigen Worte zu finden.
„Gibt es irgendetwas, das mir helfen würde, das Ganze besser zu verstehen? Etwas, das du mir erklären kannst?“
Ich überlegte und ließ mich dabei neben ihm aufs Sofa nieder. Es war eine berechtigte Frage. Und tief in mir wusste ich, dass ich ihm vertrauen konnte. Wenn es jemanden gab, der mit diesen Informationen verantwortungsvoll umgehen würde, dann war es Gaara.
„Also gut …“ Ich sammelte meine Gedanken. „Die Drachen stammen von der Gottheit Meian ab. Sie ist ein zweischwänziger Drache, der zwischen Raum und Zeit lebt und früher die Wächterin des Götterbaums war. Damals vertraute sie Hanabi die Drachen an.“
„Wer war diese Hanabi?“, fragte Gaara.
„Sie war die Erste, der die Drachengöttin erlaubte, ihre Kraft zu nutzen. Später gründete sie unseren Clan.“ Ich hielt kurz inne. „Um es geschichtlich zusammenzufassen: Was genau damals passiert ist und was das alles mit mir zu tun hat, wäre eine sehr lange Geschichte. Ich weiß nicht, ob du das wirklich alles hören möchtest.“
„Ich habe Zeit“, erwiderte er ruhig.
Er lehnte sich zurück und wartete darauf, dass ich weitererzählte.
Dieser Mann brachte mich noch um den Verstand. Wie er dort saß, entspannt in der Sofaecke, die Arme locker geöffnet, und mich mit diesem aufmerksamen Blick ansah, als gäbe es gerade nichts Wichtigeres auf der Welt als meine Worte.
Ich seufzte leise.
„Seit meiner Geburt bin ich mit Meian verbunden. Nicht auf dieselbe Weise wie ein Jinchūriki mit einem Bijū, aber ich kann ihre Chakrakraft nutzen.“
Ich sah zu Gaara, um mich zu vergewissern, dass er mir noch folgte.
Dabei bemerkte ich eine kaum sichtbare Veränderung in seinem Gesicht. Seine Augen wurden ernster, und die leichte Neugier wich für einen Moment etwas anderem. Ein Schatten, der so schnell verschwand, wie er gekommen war.
Ich zögerte.
„Ist das … ein schlechter Vergleich?“
„Nein.“ Seine Antwort kam sofort. „Ich verstehe, was du meinst.“
Ich betrachtete ihn einen Augenblick. In seiner Stimme lag etwas, das mir sagte, dass er diesen Vergleich vielleicht besser verstand, als mir lieb war.
„Du weißt, wie sich das anfühlt“, stellte ich leise fest.
Sein Blick traf meinen. Für einen Moment sagte keiner von uns etwas.
Dann nickte er kaum merklich.
„Ja.“
Mehr erklärte er nicht. Ich fragte auch nicht weiter nach.
„Meian ist diejenige, die spürt, dass der alte Dämon kurz vor seiner Auferstehung steht. Deswegen bin ich zurück in mein Geburtsland, um zu lernen, mit der göttlichen Kraft umzugehen, die sie mir bereitstellt. Es ist für mich selbst sehr herausfordernd..." Meine Worte stockten. Luna hatte recht gehabt. Ich hatte mich so sehr im Training verloren, dass ich dabei beinahe vergessen hatte, warum ich all das überhaupt tat: weil ich diese Welt retten wollte.
Gaara wandte den Blick zum Regal.
„Kann es sein, dass du das hier meinst damit?"
Er stand auf, nahm eine Schriftrolle heraus und breitete sie auf dem kleinen Couchtisch vor uns aus.
Darauf war eine Bildergeschichte zu sehen. Sie zeigte einen zweischwänzigen Drachen, der sich mit einer Frau verband, um gemeinsam in die Schlacht zu ziehen.
Ich starrte auf die Abbildungen und dann zu Gaara.
„Wo hast du das her?“
Er setzte sich wieder neben mich. Diesmal so nah, dass sich unsere Beine berührten.
„Seit dem ersten Angriff dieser Gruppe auf dich habe ich Nachforschungen anstellen lassen.“ Er sah mich an. „Wenn du möchtest, erzähle ich dir beim nächsten Mal, was ich herausgefunden habe.“
Beim nächsten Mal.
Die Worte blieben einen Augenblick in meinem Kopf hängen, bevor ich mich wieder auf das Gespräch konzentrierte.
„Nur noch eine Frage“, fuhr er fort. „Warum gerade jetzt?“
„Das weiß ich leider selbst nicht.“ Ich deutete auf die Schriftrolle. „Ich weiß nur, dass ich sehr viel trainiere, um das hier zu schaffen.“
Ich tippte auf die Stelle, wo die Frau sich mit dem Drachen zu einer gewaltigen Gestalt vereinten. Eine Einheit aus zwei Wesen.
Allein der Anblick ließ mich erschauern. Ich hatte diese Form bisher nicht erreicht. Und je deutlicher ich vor Augen hatte, was möglich sein sollte, desto weiter entfernt schien ich davon zu sein.
„Danke, dass du mir das alles erzählst, Amaya.“ Holte mich Gaara aus meinen Selbstzweifeln zurück. Seine Finger schlossen sich um meine Hand. Einen Moment lang sah er darauf, als müsste er selbst erst entscheiden, was er tun wollte. Dann hob er meine Hand an und hauchte einen zarten Kuss auf meine Finger.
Mein Atem stockte.
Langsam ließ er meine Hand wieder sinken, als wäre ihm selbst gerade bewusst geworden, wie intim diese kleine Geste gewesen war.
Als ich in seine türkisfarbenen Augen blickte, sah ich darin jene Wärme, die mir schon so oft aufgefallen war. Und plötzlich spürte ich wieder dasselbe Verlangen wie damals auf der Stadtmauer.
Mein Blick wanderte wie von selbst zu seinen Lippen.
Sie waren leicht geöffnet, als hätte auch er noch nicht entschieden, was er sagen wollte. Ich fragte mich, wie sie sich wohl anfühlen würden. Ob sie ebenso zurückhaltend waren wie seine Worte oder ob sich darunter etwas verbarg, das er sich selbst nie erlaubt hatte zu zeigen.
Der Gedanke erschreckte mich durch seine Direktheit.
Ich hatte diesen Mann noch nie auf diese Weise betrachtet. Nicht so offen, nicht mit dem bewussten Wunsch, ihn zu berühren und ihm näher zu sein.
Und doch konnte ich jetzt nicht mehr wegsehen.
Lass los, hörte ich eine leise Stimme in mir. Es klang nicht wie eine Anweisung, eher wie eine Ermutigung.
Ich beugte mich zu ihm vor, langsam genug, dass er mich hätte aufhalten können. Hoffte, dass er es nicht tun würde. Er bewegte sich nicht.
Ich blickte ihn noch ein letztes Mal an, nach Erlaubnis suchend, bevor ich meine Augen schloss und ich meine Lippen auf seine legte.
Seine Lippen waren weich, als ich den Kopf leicht neigte. Er erwiderte die Berührung, zunächst vorsichtig, dann bestimmter.
Der Kuss schmeckte nach Sehnsucht, nach Zurückhaltung, die zu lange angehalten hatte. Seine Hände wanderten zu meinem Rücken und zogen mich näher zu sich. Diesmal zögerte er nicht, als hätte auch er sich diesen Moment ebenso lange gewünscht wie ich.
Meine Hände glitten zu seinem Nacken.
Plötzlich löste er sich von mir und sah mich an, als müsste er erst begreifen, was gerade geschehen war. Seine Finger ruhten weiterhin an meinem Rücken, doch er bewegte sie keinen Zentimeter.
„Du …“
Er brach ab und atmete leise ein.
„Du kannst heute hierbleiben. Wenn du möchtest“, sagte er schließlich. Seine Stimme klang unsicherer, als ich es von ihm gewohnt war. „Ich würde mich freuen, dich bei mir zu haben.“
Die Ehrlichkeit in seinen Worten berührte mich tiefer, als es jede geübte Verführung je gekonnt hätte.
„Ich würde gerne bleiben“, antwortete ich leise und verschränkte meine Arme hinter seinem Nacken.
Er schien selbst überrascht über seinen Mut. Sein Blick flackerte kurz, unsicher und glücklich zugleich, ein wenig überfordert von dem, was zwischen uns geschah.
Gaara sah mich einen Moment lang einfach nur an, dann senkte sich sein Blick kurz auf meine Lippen, bevor er wieder meine Augen fand.
„Dann bleib“, sagte er leise.
Nur zwei Worte und doch lag darin so viel Wärme, dass mein Herz einen kleinen Sprung machte.
Seine Hand hob sich langsam zu meinem Gesicht. Seine Finger strichen beinahe zögernd über meine Wange, als müsste er sich vergewissern, dass ich wirklich bei ihm war und nicht bloß ein Wunschbild, das seine Gedanken ihm vorgaukelten.
„Ich bin… froh darüber.“ Ein echtes Lächeln lag auf seinen Lippen und ich spürte die Wärme, die von seinem Nacken ausging.
Ich wollte etwas erwidern, doch bevor ich dazu kam, beugte er sich erneut zu mir. Langsam, den Blick auf meinen gerichtet, als wollte er mir die Entscheidung überlassen, ob wir uns noch einmal küssen sollten.
Statt zu antworten, rückte ich näher zu ihm.
Er schloss die letzten Zentimeter zwischen uns.
Seine Lippen berührten meine erneut. Dieser zweite Kuss war anders. Keine vorsichtige Suche mehr, sondern eine leise Antwort auf das, was zwischen uns unausgesprochen geblieben war.
Seine Hand lag an meiner Wange, die andere noch immer an meinem Rücken. Er küsste mich langsam, als wollte er sich jeden Augenblick davon einprägen.
Als er sich sachte zurücklehnte und ins Sofa sank, folgte ich der Bewegung, ohne darüber nachzudenken. Schließlich lag ich halb über ihm, meine Hände an seiner Brust abgestützt. Seine freie Hand fand ebenfalls meinen Rücken. Die Wärme seiner Hände drang selbst durch den Stoff meiner Kimonojacke, als würde sie sich direkt in meine Haut einbrennen.
Seine Finger bewegten sich kaum merklich und zeichneten sanfte, unregelmäßige Linien über meinen Rücken. Eine Gänsehaut breitete sich aus und zog sich bis in meinen Nacken. Jede Berührung fühlte sich an wie ein kleiner Funke unter meiner Haut. Ein Kribbeln in den Fingerspitzen, ein Schauer, der meine Arme hinablief, als eine seiner Hände kurz an meinem Nacken verweilte, bevor er mich behutsam auf seinen Schoß zog.
Sein Atem war warm auf meiner Haut und vermischte sich mit meinem eigenen, während der Kuss intensiver wurde. Meine Hände wanderten wieder zu seinem Nacken und vergruben sich wie von selbst in seinen Haaren.
Dabei löste sich etwas in mir, das ich lange festgehalten hatte. Die Anspannung, die mich so oft begleitete, wich einer warmen, schweren Ruhe.
Als wir uns schließlich voneinander lösten, blieb seine Stirn an meiner. Sein Atem ging noch immer unregelmäßig, genau wie meiner.
Einen Moment lang sagte keiner von uns etwas. Dann atmete er leise aus.
„Amaya.“ Er machte eine kurze Pause. „Darf ich das öfter tun?“
Ich löste mich ein wenig von ihm, gerade weit genug, um ihm richtig in die Augen sehen zu können, ohne die Nähe ganz aufzugeben. Im schwachen Licht wirkten seine türkisfarbenen Augen dunkler. Sein Blick war aufmerksam, ein wenig unsicher, als wartete er tatsächlich auf eine Antwort, die keineswegs selbstverständlich für ihn war.
Ein leises Lachen entkam mir, mehr aus Zuneigung als aus Belustigung.
„Du fragst mich das jetzt? Nach allem?“
„Ich wollte sichergehen.“ Seine Stimme blieb ernst, obwohl sich eine leichte Röte über seine Wangen zog.
Etwas in mir wurde weich bei diesen Worten. Bei dem Gedanken, dass der Mann, der ganze Nationen durch Verhandlungen führen konnte, ausgerechnet in dieser einen Sache so vorsichtig war.
„Ja“, sagte ich schließlich und strich mit dem Daumen über seine Wange. „Du darfst, wenn du das auch möchtest?"
Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen, bevor er mich zu sich herunterzog und mich küsste. Doch mitten im Kuss hielt er plötzlich inne.
Verwundert sah ich ihn an. Ein überraschter Ausdruck lag auf seinem Gesicht, als wäre ihm gerade etwas eingefallen, das er beinahe vergessen hätte.
„Was ist?“, fragte ich, noch etwas atemlos.
„Ich habe dir noch gar nicht gezeigt, wo du schlafen kannst.“ Er sah mich an, fast entschuldigend. „Du wolltest doch bleiben.“
Ein leises Lachen entkam mir. „Das kann noch warten.“
„Kann es das?" Doch selbst während er sprach, setzte er bereits dazu an, aufzustehen. Offenbar konnte er den Gedanken nicht einfach loslassen, sobald er ihm einmal gekommen war.
„Ich zeige dir das Schlafzimmer“, sagte er schließlich und stand mit mir im Arm auf.
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Er trug mich durch die Schiebetür in den Flur, der schwach vom runden Fenster am Ende erleuchtet wurde. Drei Türen. Ausgang, Bad, Schlafzimmer, fast wie bei mir, nur… größer.
„Das Badezimmer ist hinter dieser Tür", erklärte er. „Handtücher findest du im Regal. Willst du zuerst gehen?"
Ich nickte und gab ihm einen kurzen Kuss auf die Wange. Dann setzte er mich ab, und ich verschwand im Badezimmer.
Der Raum war ähnlich aufgebaut wie mein eigenes Bad, allerdings deutlich ordentlicher. Bei mir lagen Cremes, Bürsten und Zopfgummis immer griffbereit. Hier wirkte alles beinahe steril.
Zuerst benutzte ich die Toilette. Es fühlte sich ungewohnt an, seine Sachen zu benutzen. Als ich noch offiziell in Suna gelebt hatte, hätte ich es niemals gewagt, ihn so nah an mich heranzulassen. Er war der Kazekage, ich eine zeitweise angestellte Fremde. Ich hatte geglaubt, mir stünde eine solche Nähe nicht zu.
Mein Leben war lange davon geprägt gewesen, mich im Hintergrund zu halten, nicht aufzufallen und tiefere Bindungen zu vermeiden. Zu viel Wissen bedeutete zu viel Gefahr. Zu viel Nähe bedeutete, dass andere Dinge über mich erfahren konnten, die ich lieber für mich behalten wollte.
Und jetzt stand ich hier, mit klopfendem Herzen und glühenden Wangen.
Wir hatten uns einfach geküsst. Und es war wunderschön gewesen.
Innerlich schickte ich Luna einen dankbaren Gedanken, während meine kleinen inneren Drachen vor Freude Purzelbäume schlugen.
Ich hatte Ja gesagt.
Und es erschreckte mich längst nicht mehr so sehr, wie es das noch vor wenigen Stunden getan hätte. Die Entscheidung fühlte sich richtig an, beinahe selbstverständlich. Als hätte ein Teil von mir längst gewusst, dass ich diesen Schritt machen würde, lange bevor mein Verstand überhaupt bereit gewesen war, darüber nachzudenken.
Als ich das Badezimmer verließ, war Gaara nicht im Flur. Dafür stand die Schlafzimmertür offen. Weiches Licht fiel daraus auf den Boden und erhellte den Gang.
Ich trat an den Türrahmen. ein Schlafzimmer war schlicht eingerichtet. Ein Wandschrank, ein breites Bett in der Mitte des Raumes. Gaara saß darin, an das Kopfteil gelehnt, einen Bericht in der Hand. Inzwischen trug er einen schwarzen Schlafanzug und wirkte erschöpfter als zuvor.
Als ich mich ans Fußende des Bettes stellte, hob er den Blick von den Papieren und ließ den Bericht auf seinen Schoß sinken.
„Wo kann ich …?“, fragte ich schließlich, ohne den Satz zu Ende zu bringen.
Dabei biss ich mir leicht auf die Unterlippe und versuchte, ihn nicht direkt anzusehen. Wir hatten uns gerade erst geküsst, sollte ich deswegen gleich neben ihm schlafen?
Ein Anflug von Verlegenheit huschte über sein Gesicht.
„Du kannst hier schlafen, wenn dir das recht ist. Ich nehme das Sofa im Wohnzimmer.“
„Das ist albern,“, erwiederte ich schneller, als ich es geplant hatte. „Es ist dein Bett. Du kannst nicht auf dem Sofa schlafen, nur weil ich hier bin.“
„Ich möchte nicht, dass du dich zu irgendetwas gedrängt fühlst. Nur weil wir uns geküsst haben.“ Ich hielt inne.
Hatte er etwa meine Gedanken gelesen?
Bei seinen Worten wurde mir warm ums Herz. Es war die Selbstverständlichkeit, mit der er mir die Wahl ließ, obwohl es ihn sichtlich Überwindung kostete, das überhaupt anzusprechen.
„Danke Gaara“, sagte ich leise. „Aber ich will hierbleiben. Neben dir. Nichts weiter.“
Er sah mich einen Moment lang an, als wollte er sich vergewissern, dass ich es wirklich so meinte. Dann nickte er und schlug die Bettdecke zurück, um mir Platz zu machen.
Ich ließ meine Kimonojacke von den Schultern gleiten und sie leise zu Boden fallen. Dann sank ich auf die freie Bettseite, schwer wie ein Stein.
Gaara legte seinen Bericht beiseite und sah eine Weile zu mir herüber. Es wirkte, als wollte er etwas sagen, entschied sich dann aber dagegen.
„Du solltest dich ausruhen“, murmelte er.
Ich antwortete nicht mehr. Meine Augen fielen bereits zu.
Ganz vorsichtig zog er die Decke über mich.
„Schlaf gut“, hauchte er und drückte mir einen Kuss auf den Kopf.
Doch da war ich bereits auf dem Weg ins Land der Träume.
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Sonnenstrahlen kitzelten mein Gesicht, als ich langsam die Augen öffnete. Für einen Moment wusste ich nicht, wo ich war. Dann fiel mir wieder ein, warum ich hier geschlafen hatte.
Mein Blick wanderte zur anderen Bettseite. Sie war leer.
Ich richtete mich auf und spitzte die Ohren. In Gaaras Wohnung war es still. Ungewöhnlich still.
Weder im Bad noch im Wohnzimmer konnte ich ihn finden. Er war bestimmt schon zur Arbeit aufgebrochen.
Mein Blick blieb an dem kleinen Sofatisch hängen. Darauf lag eine Nachricht, geschrieben in seiner beinahe kindlich perfekten Handschrift.
Ich musste früh aufbrechen.
Ich freue mich auf den Moment, in dem du wieder hier sitzt.
Bis du zurück bist, denke ich an dich.
– Gaara
Ich las die Zeilen dreimal.
Sie waren nicht überstürzt. Nicht zu viel. Und doch lag in ihnen mehr Wärme, als ich erwartet hatte.
Das Gefühl von gestern kehrte zurück und breitete sich in meiner Brust aus.
Ich faltete die Nachricht sorgfältig zusammen und steckte sie in meine Kimonotasche. Dann entdeckte ich Papier und einen Stift auf dem Regal. Ich setzte mich kurz hin und schrieb ihm eine kleine Antwort. Nichts Großes. Nur etwas Persönliches, das er finden würde, wenn er zurückkam.
Danke für gestern. Und für heute.
Ich glaube, ich werde deinen Balkon vermissen.
– Amaya
Ich legte den Zettel neben sein Bett, stand auf und teleportierte mich nach Hause.
Doch mein Herz … das blieb bei ihm.