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Nichts als Wasser zwischen uns (Gaara´s Sicht)

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Nichts als Wasser zwischen uns (Gaara´s Sicht)

Die heiße Quelle lag auf der Rückseite des Hauses. Für diesen Luxus war sogar ein Stück des Berges abgetragen worden. Die dahinterliegende Erde wurde von einer sorgfältig errichteten Feldsteinmauer gestützt.

Der gesamte Bereich wirkte wie eine kleine, geschützte Welt. Das Becken war leicht oval und reichte bis an die Mauer, aus der ein Rohr ragte, durch das frisches, warmes Wasser nachströmte. Es war so groß, dass Luna zweimal hineingepasst hätte. Als hätte jemand ein perfektes Stück Ruhe aus der Natur herausgeschnitten.

Über dem Außenbereich spannte sich ein dreieckiges Tuch, das wie ein schwebendes Segel die herabfallenden Blätter der umliegenden Bäume abhielt.

Die Luft war warm und von Dampf durchzogen, der in weichen Schlieren aufstieg und den Garten in ein silbriges Flirren tauchte.

Amaya lag im Wasser, den Kopf auf den Beckenrand gebettet, die Augen geschlossen. Ihre Haare trieben wie dunkler Seetang an der Oberfläche, und der Dampf schmiegte sich um sie, als wollte selbst die Luft sie nicht mehr loslassen.

Ich glitt neben ihr ins Becken. Das Wasser reichte mir bis zur Brust und war angenehm warm. Es fühlte sich an wie ein sanfter Atemzug, der mir die letzten Spannungen aus den Schultern löste.

„Hast du es auch endlich hergeschafft?“

Sie drehte den Kopf zu mir, und allein der Blick ihrer goldenen Augen ließ mich zur Ruhe kommen.

Ich antwortete nicht. Es war auch nicht nötig. Amaya richtete sich auf und schmiegte sich an meine Seite.

Ich nahm ihre Hand. Unter Wasser fühlten sich ihre Finger noch weicher an. Es war kaum vorstellbar, dass diese kleinen Hände Steine zerschmettern konnten.

Erst jetzt bemerkte ich all die Schnittwunden, die sich ihre Arme hinaufzogen, und die verkrustete Stelle einer Brandverletzung. Was auch immer sie getroffen hatte … Allein der Gedanke daran ließ einen stechenden Schmerz in mir aufkommen.

„Amaya, wie geht es dir? Deine Wunden scheinen relativ gut verheilt zu sein.“

Sie betrachtete ihre Narben eine nach der anderen.

„Mhm, du hast recht. Sie sind ziemlich gut verheilt. Direkte Schmerzen habe ich kaum noch, nur wenn ich mich bewege. Ich fühle mich einfach kraftlos, als hätte ich am ganzen Körper Muskelkater. Es ist, als wäre mein Chakra vollständig aufgebraucht, aber das regeneriert sich schon wieder.“

Erschöpft glitt sie etwas tiefer ins Wasser.

Ich strich ihr sanft über den Kopf.

Nach allem, was passiert war, hätte sie eigentlich noch nicht einmal aufstehen dürfen. Ich erinnerte mich daran, wie ich sie blutverschmiert auf dem Schlachtfeld gefunden hatte, mit einem Eisenstab, der aus ihrer Schulter ragte. Und jetzt saß sie hier, die Augen geschlossen, als wäre dieser Krieg nur ein längst vergangener Albtraum.

Ist das die Zukunft, die ich mit ihr haben könnte?

Ein ruhiger, friedlicher Gedanke schob sich in meinen Kopf.

Doch unmittelbar darauf folgte eine zweite Frage: Was, wenn sie ganz andere Pläne hat?

„Amaya, hast du schon darüber nachgedacht, was du nach dem Krieg machen möchtest?“

„Keine Ahnung, was Tsunade mit mir vorhat. Ich konnte bisher noch nicht mit ihr reden, und soweit ich weiß, ist mein Vertrag in Suna ausgelaufen …“

„Mach dir darüber keine Sorgen. Ich habe bereits mit ihr darüber gesprochen, ob du dauerhaft nach Suna wechseln kannst. Sie wäre damit einverstanden, sofern du es auch möchtest.“

Ihre Augenbraue wanderte nach oben. „Echt? Das hast du schon geklärt?“

„Ja. Ich wollte mir die Möglichkeit offenhalten, weiterhin von deiner hervorragenden Arbeit als Jōnin zu profitieren. Ich habe Tsunade klargemacht, dass deine Truppe dich noch braucht und ich dich nicht ohne weitere Verhandlungen nach Konoha zurückgeben werde.“

„Ach ja? Und die Entscheidung liegt trotzdem noch bei mir?“ Sie schien ein Grinsen zu unterdrücken.

„Im Großen und Ganzen, ja … Aber ein Nein würde ich nicht so einfach akzeptieren.“

„Was würdest du denn machen, wenn ich Nein sage?“

„Ähm …“, begann ich, doch eine konkrete Antwort blieb aus. So weit hatte ich nicht gedacht. „Also … wenn du eine höhere Position anstrebst, können wir natürlich darüber reden. Und nach allem, was du geleistet hast, könnte ich auch verstehen, wenn du eigentlich keine weiteren Verpflichtungen eingehen möchtest.“

Sie schüttelte lachend den Kopf, bereute es aber beinahe sofort wieder, denn selbst das Lachen schien ihr Schmerzen zu bereiten.

„Das meinte ich nicht. Ich freue mich, dass du das mit der Hokage schon besprochen hast. Ich hätte Tsunade selbst darum gebeten.“

Die Last, die allein der Gedanke daran verursacht hatte, sie vielleicht nicht mehr jeden Tag sehen zu können, fiel von mir ab. Ich hatte mich an ihre Anwesenheit gewöhnt. Mehr noch, als ich mir eingestehen wollte.

Vielleicht hätte ich den Mut aufbringen sollen, sie direkt zu fragen. Aber war jetzt der richtige Zeitpunkt dafür? Konnte ich ihr sagen, dass ich sie liebte? Dass ich mich zu ihr hingezogen fühlte und sie tiefe Gefühle in mir hervorrief?

„Gaara, wenn du das schon geklärt hast: Gibt es noch etwas, das ich organisieren muss?“

Sie richtete sich auf. Das Wasser perlte an ihrer Haut hinab, während sie sich zu mir drehte, bis wir uns auf Augenhöhe gegenüberstanden.

„Eigentlich musst du nur entscheiden, wo du wohnen möchtest. Du wärst dann offiziell Bewohnerin von Suna und hättest damit alle entsprechenden Rechte.“

Sie dachte kurz nach und ließ dabei ihre Hand über meine Brust wandern. Eine sanfte, beinahe beiläufige Berührung. Trotzdem regte sich etwas in mir, wie ein aufgeschreckter Vogel, der endlich die Freiheit entdeckte, seine Flügel auszubreiten.

Mein Herzschlag beschleunigte sich.

Spürt sie das? Merkt sie, wie sehr mein Körper auf ihre Nähe reagiert?

„Welche Möglichkeiten hätte ich denn?“

Ich überlegte kurz. „Deine alte Wohnung, eine andere freie Wohnung in Suna oder …“

Ich ließ bewusst eine Pause entstehen, um keine Regung in ihrem Gesicht zu verpassen.

„Du könntest bei mir einziehen“, beendete ich den Satz. Meine Stimme klang dabei tiefer, als ich beabsichtigt hatte.

„Würdest du denn wollen, dass ich bei dir einziehe?“

Ihre Worte klangen kokett, verspielt, süß wie eine Provokation, die sie ganz bewusst setzte. Sie wusste genau, was sie tat. Sie spielte mit meinen Nerven, und ich ließ es geschehen.

„Weil es so aussieht, als könnten wir nicht ohne den anderen.“

Als ich die Worte aussprach, hörte ich den Ernst in meiner eigenen Stimme. Und den Wunsch, der dahinterlag.

Ein spitzes, gefährlich schönes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

Sie beugte sich nach vorn, und für einen kurzen Moment schien die Luft zwischen uns zu knistern. Eine ungewohnte Hitze breitete sich in mir aus, stärker, als ich erwartet hatte.

Seit ich denken konnte, hatte ich gelernt, meine Impulse zu kontrollieren. Angst. Wut. Schmerz. All das ließ sich beherrschen, wenn ich mich nur genug darauf konzentrierte. Doch das hier war anders. Bei Amaya wollte ein Teil von mir sich gar nicht beherrschen. Er wollte einfach nur näher zu ihr.

„Da hast du wohl recht.“

Dann berührte sie mich.

Ihre Lippen fanden meine, während ich sie zu mir auf den Schoß zog. Es geschah beinahe gleichzeitig, ohne Zögern, ohne Zurückhaltung. Da war nur dieser eine, klare Wunsch: sie näher bei mir zu haben.

Ihre Hände glitten über meinen Hals in mein Haar und hielten sich darin fest, als wüsste sie genau, dass sie bei mir willkommen war.

Ich legte die Arme um sie und spürte ihre Wärme, ihre weiche Haut unter meinen Händen, das leichte Zittern ihres Atems.

Ihr Geschmack.

Ich hatte ihn vermisst. Verdammt, wie sehr.

Mit einem Mal schien all die Sehnsucht, die ich so lange zurückgehalten hatte, keinen Platz mehr in mir zu finden. Als hätte ich jahrelang nur einen Teil von mir zugelassen und würde nun erst begreifen, wie viel mehr ich fühlen konnte.

Ihre Lippen waren weich, doch in ihrem Kuss lag eine Entschlossenheit, die mich alles andere vergessen ließ.

Ihr Herz schlug dicht an meinem.

Ihr Atem strich warm über meine Haut.

Und mit jedem Augenblick, den sie bei mir blieb, wuchs der Wunsch, sie nie wieder loslassen zu müssen.

Alles an ihr zog mich an wie ein Sturm, dem ich mich nicht nur nicht entziehen wollte, sondern nach dem ich mich längst gesehnt hatte.

Schließlich löste sie sich von mir, um Luft zu holen.

Ihre Augen funkelten. In ihnen lag eine solche Lebendigkeit, dass ich für einen Moment vergaß, was wir hier machten.

Ihr Handtuch war heruntergerutscht und gab ihren Oberkörper frei. Mein Atem stockte. Nicht allein wegen ihrer Schönheit, sondern auch, weil mich der Anblick so unvermittelt traf. Sie war mir nah, näher als je zuvor, und für einen Moment wusste ich nicht, wohin mit all den Gefühlen, die dieser Anblick in mir auslöste.

Auf ihrer rechten Brust zeichnete sich der kunstvoll gestaltete Kopf eines Drachen ab. Feine, präzise Linien formten das geöffnete Maul, als wollte das Wesen sie spielerisch necken.

Amaya griff hastig nach dem Tuch. Eine verlegene, fast schüchterne Bewegung, die ich so selten an ihr sah.

Behutsam hielt ich ihre Hand fest.

Nicht, um sie daran zu hindern, sich zu bedecken. Ich wollte ihr nur zeigen, dass sie sich vor mir nicht zu schämen brauchte.

Meine Finger berührten ihre warme Haut. Langsam folgte ich dem Verlauf der Zeichnung, vom Drachenkopf an ihrer Brust über die sanfte Rundung ihres Arms bis hinauf zu ihrem Handgelenk, wo der Schweif endete. Ich ließ mir Zeit, als wäre es etwas Kostbares, das ich nicht einfach nur betrachten, sondern wirklich verstehen wollte.

Unter meinen Fingern spannte sich ihre Haut leicht an. Eine feine Gänsehaut zeichnete sich dort ab, wo ich die Linien entlangstrich.

Ich hob ihre Hand, drehte sie behutsam und küsste ihren Handrücken.

Eine stille Geste, mit der ich ihr sagen wollte, was mir die Worte nicht recht auszudrücken vermochten: Du bist bei mir sicher.

Amaya sah mich schweigend an. Ihre Züge waren weich geworden, und in ihren Augen lag ein Glanz. Ich erkannte das Vertrauen darin. Die Nähe, die sie mir gestattete. Etwas Zartes, das zwischen uns gewachsen war und sich inzwischen so selbstverständlich anfühlte, dass ich kaum noch wusste, wie ich jemals ohne es ausgekommen war.

„Es ist wunderschön“, sagte ich leise. „Genauso wie du.“

„Danke.“

Ihre Stimme klang leiser, als ich es von ihr kannte. So ehrlich, dass eine angenehme Wärme in mir aufstieg.

Sie wickelte sich wieder in das Handtuch. Obwohl ich wusste, dass sie sich damit wohler fühlte, durchzog mich ein leiser Stich.

Nicht aus Besitzdenken, sondern aus Sehnsucht. Aus dem Wunsch, diesen Moment noch ein wenig länger festzuhalten.

Vielleicht hatte Kankurō tatsächlich recht gehabt, als er behauptete, Brüste seien eines der schönsten Dinge an einer Frau und erst jetzt verstand ich, warum.

Weil ich sie ansah.

Nicht irgendeine Frau. Amaya.

„Wie geht es dir eigentlich, Gaara?“

Ihre Stimme holte mich aus meinen Gedanken zurück, wie eine sanfte Hand auf meiner Schulter.

„Du hast schließlich auch ein paar Wunden davongetragen.“

Ihre warmen Fingerspitzen strichen behutsam über den Schnitt an meiner Stirn.

„Ich war kaum im Krankenhaus“, murmelte ich. „Seit drei Tagen leite ich schon wieder Besprechungen. Mir geht es besser, als du vielleicht denkst.“

Sie musterte mich mit jener Mischung aus Skepsis und Fürsorge, die mir inzwischen erstaunlich guttat.

„Was gibt es Neues, jetzt, da der Krieg vorbei ist?“

„Wir versuchen, bei den Konferenzen den Frieden zu sichern“, erklärte ich. „Außerdem wollen wir die kleineren Länder in die Allianz einbinden. Das wird allerdings noch eine Weile dauern.“

Sie nickte. Ein sanfter, aber entschlossener Impuls ließ mich den Arm heben und sie näher an mich ziehen.

Der Laut, den sie dabei von sich gab, ein kleines, überraschtes Quieken, zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen, das ich nicht einmal zu unterdrücken versuchte.

„Viel wichtiger ist“, sagte ich leise in ihr nasses Haar, „dass du wieder zu Kräften kommst. Und deshalb gehen wir jetzt raus. Du bekommst schon blaue Lippen.“

Ein Hauch Trotz blitzte in ihrem Blick auf, doch sie widersprach nicht, als wir uns gemeinsam erhoben.

Das Wasser rann an uns herab, warm und schwer wie flüssiges Licht, das sich auf unserer Haut brach.

Ich half ihr, am Beckenrand Halt zu finden. Ihre Finger glitten dabei kurz über meinen Unterarm.

Gemeinsam verließen wir den Außenbereich und gingen durch die Schiebetür zurück ins Badezimmer.

Amaya steuerte direkt auf das Regal mit den Handtüchern zu und zog einen blauen Bademantel hervor. Mit einem kleinen Schmunzeln hielt sie ihn mir hin.

„Der ist zwar noch von meinem Dad, aber du kannst ihn gerne haben.“

Der Stoff war weich und dicker als der Kimonomantel, den sie in Suna getragen hatte.

„Danke“, sagte ich.

„Und was ist mit dir?“

„Meiner hängt in meinem Schlafzimmer.“

Für einen Moment wirkte ihr Blick beinahe scheu.

„Ich würde mich drüben auch gern noch um meine Wunden kümmern. Wenn du möchtest, kannst du in zehn Minuten nachkommen.“

„In Ordnung“, antwortete ich ruhig. „Dann bis gleich.“

Sie nahm zwei Dosen vom Waschbecken und ein Handtuch, dann wandte sie sich zur Tür.

Die nächsten zehn Minuten nutzte ich, um mir zurechtzulegen, was ich ihr schon lange hatte sagen wollen, ohne jemals den richtigen Moment dafür gefunden zu haben.

Schließlich schlüpfte ich in den Bademantel und verließ das Badezimmer.