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Wunden heilen zusammen? (Amaya's Sicht)

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Wunden heilen zusammen? (Amaya's Sicht)

Vorsichtig verteilte ich die Salbe auf meinen Wunden. Jede Berührung brannte leicht. Die Brandverletzungen pochten dumpf, und bei manchen Schnitten musste ich die Zähne zusammenbeißen.

Am schlimmsten war die Verletzung an meiner Schulter. Der verkrustete Abdruck ließ mich unwillkürlich an den Moment denken, in dem der Eisenstab meinen Körper durchbohrt hatte. Noch immer konnte ich kaum glauben, dass dabei kein Knochen gebrochen war. Ich hielt kurz inne und atmete tief durch, bis die Erinnerung wieder verblasste.

Es war vorbei.

Der Krieg. Die Gewalt. Das Chaos.

Zurückgeblieben waren Wunden, Narben und ein Körper, der mich bei jeder Bewegung daran erinnerte, wie knapp ich dem Tod entkommen war.

Ein leises Geräusch an der Tür ließ mich aufblicken.

Gaara trat ein. Der Bademantel meines Vaters lag um seine Schultern. Für einen flüchtigen Moment sah er darin aus wie ein Doragon-Clanchef: aufrecht, stolz und mit jener ruhigen Selbstverständlichkeit, die Menschen dazu brachte, ihm zu vertrauen.

Mein Herz zog sich bei diesem Anblick ein wenig zusammen.

Er würde seine Aufgabe in meinem Clan vermutlich mit derselben Sorgfalt erfüllen wie alles andere, was ihm anvertraut wurde. Trotzdem war ich die Clanführerin. Ich trug die Verantwortung, ich traf die Entscheidungen und ich gab die Richtung vor.

Der Gedanke fühlte sich seltsam an, während ich ihn dort stehen sah. Vielleicht, weil ich mir zum ersten Mal vorstellen konnte, diese Verantwortung nicht mehr ganz allein tragen zu müssen.

„Gut, dass du kommst. Kannst du mir bitte die Verletzungen am Rücken eincremen?“

Ich reichte ihm die Dose.

Gaara setzte sich hinter mich auf den Boden. Seine Finger waren warm auf meiner Haut. Als er sie über meine Wunden gleiten ließ, spürte ich, wie jede Berührung eine Mischung aus Schmerz und seltsamer Geborgenheit in mir auslöste. Mein Rücken zuckte, doch gleichzeitig wollte ich, dass er noch länger blieb.

„Gaara, gibt es einen Termin, zu dem du zurückmusst?“

Sein Blick blieb ruhig und nachdenklich.

„Eigentlich schon. Andererseits kommen die anderen Kage auch ohne mich durch das Meeting.“

Unwillkürlich atmete ich erleichtert aus.

„Dann können wir noch eine Weile hierbleiben? Du weißt ja, wie die Kage und die Ärzte sind. Sobald wir zurückkommen, will jeder etwas von mir wissen. Und ich bin noch nicht bereit, all diese Fragen zu beantworten.“

„Ganz wirst du ihnen nicht entkommen. Über dich wird mit am meisten gesprochen.“ Er machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach. „Aber ich verspreche dir, dass ich dafür sorgen werde, dass du aus der Krankenstation entlassen wirst und mit zu mir kommen kannst.“

Wärme breitete sich in meiner Brust aus.

Er sagte das so selbstverständlich, als wäre es längst beschlossen, dass er sich um mich kümmern würde. Nicht, weil er mich für unfähig hielt, allein zurechtzukommen. Sondern weil er bei mir sein wollte.

„Danke, Gaara.“

Mühsam zog ich mir ein weites Shirt über. Schon diese einfache Bewegung erinnerte mich daran, wie viel Kraft mir noch fehlte.

Und trotzdem war ich glücklich.

Glücklich, dass er hier war. Dass ich ihn hatte.

Mein Vater hatte recht gehabt, mich in die Welt hinauszuschicken. Damals hatte ich geglaubt, ich müsste nur weit genug reisen, um Antworten zu finden. Ich hatte nach ihm gesucht, nach meiner Vergangenheit und nach einem Platz, an dem ich wirklich hingehörte.

Dabei hatte ich unterwegs etwas gefunden, mit dem ich nie gerechnet hätte.

Gaara.

Wenn ich ihm nie begegnet wäre, hätte ich vielleicht niemals den Mut gefunden, mich dieser Welt und ihren Gefahren so entschlossen entgegenzustellen. Er hatte mich nicht stärker gemacht. Die Kraft hatte längst in mir gesteckt. Aber durch ihn hatte ich verstanden, dass ich nicht alles allein tragen musste.

Der Gedanke daran ließ mich lächeln.

Doch gleich darauf schlich sich eine Frage in meine Gedanken.

Empfindet er das genauso?

Ich wollte nicht länger nur hoffen, seine Nähe richtig zu deuten. Nicht nach allem, was zwischen uns geschehen war.

„Du, Gaara …“ Ich zögerte kurz. „Es gibt noch etwas, das wir klären sollten, bevor wir zurückgehen.“

Mein Herz begann schneller zu schlagen. Eine leichte Nervosität breitete sich in mir aus.

„Und das wäre?“

Ich sah ihn an und versuchte, meine Gedanken in eine vernünftige Reihenfolge zu bringen.

„Wie stellst du dir das eigentlich vor? Mit uns. Ich meine … ganz praktisch.“ Schon während ich sprach, hörte ich, wie unbeholfen das klang. Aber einen besseren Einstieg fand ich nicht. „Du hast vorhin gesagt, ich könnte bei dir einziehen. Hast du dir das wirklich überlegt, oder war das nur so dahingesagt?“

Gaara schwieg einen Moment. Sein Blick ruhte auf der Salbendose in seinen Händen, als wollte er seine Antwort sorgfältig abwägen.

„Ich habe darüber nachgedacht“, sagte er schließlich. „Öfter, als mir bewusst war. Wenn du in Suna bleibst, möchte ich, dass du dort bist, wo ich bin. Nicht, weil ich es von dir erwarte. Sondern weil ich es mir wünsche.“

Es war keine überschwängliche Liebeserklärung, wie man sie aus Geschichten kannte.

Gaara sagte nichts, nur um mich zufriedenzustellen. Wenn er etwas aussprach, dann hatte er darüber nachgedacht. Und ich glaubte ihm jedes Wort.

„Und wenn wir zusammenziehen …“ Ich spielte kurz mit meinen Fingern, bevor ich weitersprach. „Was bedeutet das für uns nach außen? Für dich als Kazekage?“

Er hob den Blick. „Was meinst du?“

„Ob wir es geheim halten sollten. Oder nicht.“

Diesmal dachte er länger nach. Natürlich tat er das. Gaara konnte selbst eine scheinbar einfache Frage so gründlich durchdenken, als hinge das Schicksal eines ganzen Dorfes davon ab.

Ich wartete, obwohl die Unsicherheit in mir langsam wuchs.

„Ich sehe keinen Grund, es zu verheimlichen“, sagte er schließlich. „Ich habe nichts, wofür ich mich schämen müsste. Und du auch nicht.“

Ein kleines Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus.

„Also dürfen die Leute wissen, dass ich mit dem Kazekage zusammen bin?“

„Sie werden es früher oder später ohnehin herausfinden.“ Ein schiefes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Temari hätte es wahrscheinlich längst überall erzählt, wenn ich sie nicht ausdrücklich darum gebeten hätte, es für sich zu behalten.“

Ich musste lachen. „Das sieht ihr ähnlich.“

Gaara nahm meine Hand und hielt sie einfach fest. Er fügte nichts hinzu, und ich hatte auch das Gefühl, dass das Thema keine weiteren Worte bedarf.

Ich rückte näher an ihn heran und legte den Kopf an seine Schulter.

„Also sind wir dann… offiziell?", fragte ich leise, halb im Scherz, halb ernst.

„Wenn du das möchtest.“

Seine Stimme war ruhig. Doch seine Finger schlossen sich etwas fester um meine Hand.

Ich hob den Kopf und sah ihn an.

„Das möchte ich.“

Für einen Moment begegnete ich seinem Blick. In seinen türkisfarbenen Augen lag etwas, das er nicht aussprach, das ich aber trotzdem zu erkennen glaubte. Eine stille Freude, vielleicht auch Erleichterung.

Dann beugte er sich zu mir und küsste mich.

Ich erwiderte den Kuss, doch als ich mich etwas bewegte, schoss ein stechender Schmerz durch meine Schulter. Ich zuckte zusammen und löste mich von ihm.

„Entschuldigung“, sagte er sofort. „Das wollte ich nicht.“

„Schon gut“, brachte ich hervor und hielt mir die schmerzende Stelle. „Es geht gleich wieder.“

Das Brennen ließ langsam nach, doch Gaara betrachtete mich mit einem Ausdruck, der mir verriet, dass er mir meine Worte nicht ganz abnahm.

„Dir geht es schlechter, als du zugibst.“

Ich hob eine Augenbraue. „Soll ich deiner Meinung nach lieber die ganze Zeit jammern?“

„Ehrlichkeit wäre mir lieber.“

Seine Antwort war so typisch Gaara, dass ich beinahe wieder gelacht hätte. Diesmal ließ ich es lieber bleiben. Meine Schulter hätte mir die Unvernunft vermutlich sofort übel genommen.

„Ich bin ehrlich. Mir geht es gut, wenn man davon absieht, dass ich überall Verletzungen habe und mein Körper bei jeder Bewegung schmerzt.“ Ich verzog das Gesicht. „Es hätte schlimmer kommen können.“

Sein Blick wurde ernster.

„Als ich dich gefunden habe, sah es schlimm aus. Zuerst dachte ich, du wärst tot.“

Die Worte trafen mich unerwartet. Für einen Moment war es, als würde die Wärme des Badezimmers verschwinden und die Kälte des Schlachtfelds zurückkehren.

Ein Schaudern lief mir über den Rücken.

„Zum Glück bin ich es nicht.“

Er sah mich einen Moment lang an.

„Das hätte mir auch nicht gefallen.“ Seine Stimme war leise, aber ernst. „Deshalb ruhst du dich jetzt aus. Ich kümmere mich um dich.“

Ich lächelte schwach.

„Wenn das bedeutet, dass wir hierbleiben, bin ich einverstanden.“

Er nickte und strich mir sanft durchs Haar. Die Bewegung war so selbstverständlich, dass ich mich einfach an sie schmiegte.

„Was kann ich dir Gutes tun?“, fragte er.

Ich sah zu ihm auf und konnte mir ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen.

„Du weißt schon, dass ich das jetzt ausnutzen könnte?“

Er betrachtete mich einen Moment lang, als würde er die Frage tatsächlich ernsthaft abwägen.

„Dann nutz es aus“, sagte er schließlich. Schlicht und ohne jede Ironie. „Ich meine es ernst.“

Das Lächeln auf meinem Gesicht wurde weicher.

Ich hätte ihn um vieles bitten können. Um etwas zu essen, um eine Massage oder darum, dass er mir versprach, sich nie wieder solche Sorgen um mich zu machen. Letzteres hätte vermutlich ohnehin nichts gebracht.

Aber eigentlich wollte ich gerade nur eines.

„Dann möchte ich, dass wir hierbleiben und gemeinsam einschlafen. Schlaf ist das, was ich im Moment am dringendsten brauche.“

Gaara küsste mich sanft auf die Stirn.

Dann legte er sich neben mich und zog mich vorsichtig an sich, bis mein Kopf an seiner Brust ruhte.

Keine großen Worte. Keine weiteren Fragen.

Nur seine Wärme, sein vertrauter Duft und der ruhige Schlag seines Herzens unter meinem Ohr.

Ich schloss die Augen und lauschte diesem gleichmäßigen Rhythmus. Zum ersten Mal seit dem Ende des Krieges musste ich nicht daran denken, was als Nächstes auf mich wartete. Ich durfte einfach nur hier liegen, bei Gaara.

Meine Augen wurden schwer, und ich schmiegte mich noch ein wenig näher an ihn.

So soll es immer sein.

Mit diesem Gedanken schlief ich ein.

---

Die Sonne schob sich gerade über den Bergkamm, als ich langsam die Augen öffnete. Neben mir lag Gaara. Ein Arm ruhte um mich, während seine Finger sanft über meinen Rücken strichen.

Jede Bewegung ließ meine Verletzungen spüren, besonders die an meiner Seite. Trotzdem fühlte ich mich geborgen.

„Guten Morgen, Amaya“, flüsterte Gaara.

Seine Stimme klang leise und vertraut, noch ein wenig rau vom Schlaf. Ich drehte mich vorsichtig in seinem Arm, doch das Ziehen in meiner Schulter erinnerte mich sofort daran, dass mein Körper noch lange nicht wiederhergestellt war.

Gaara bemerkte es. Seine Hand glitt behutsam über die schmerzende Stelle, ohne Druck auszuüben. Allein diese kleine Geste ließ mich entspannen. Bei ihm musste ich nicht so tun, als wäre ich bereits wieder vollkommen auf den Beinen.

„Guten Morgen …“, murmelte ich und lächelte ihn verschlafen an.

Er erwiderte mein Lächeln und beugte sich zu mir. Seine Lippen berührten meine in einem sanften Kuss. Kurz, warm und vertraut. Ich schloss die Augen und genoss seine Nähe. Die Müdigkeit und selbst das unangenehme Ziehen meiner Wunden rückten ein wenig in den Hintergrund.

„Wollen wir langsam aufstehen?“, fragte er schließlich. Seine Stimme blieb sanft, doch ich hörte die Entschlossenheit darin. „Wir sollten allmählich zurück. Besonders ich.“

Ich seufzte und ließ den Kopf wieder aufs Kissen sinken.

„Ja … Je länger wir es hinauszögern, desto unangenehmer wird es wahrscheinlich.“ Ich sah ihn von der Seite an. „Glaubst du, du bekommst Ärger?“

Gaara lachte leise. Sein Lachen war warm und tief.

„Vielleicht“, gab er zu. „Aber du warst es mir wert.“

Mein Herz wurde weich.

Ich betrachtete sein Gesicht, seine ruhigen Augen, die leichte Entspannung in seinen Zügen. Es war noch immer ungewohnt, ihn so nah bei mir zu haben und zu wissen, dass er sich bewusst dafür entschieden hatte. Nicht aus Pflichtgefühl. Nicht, weil er als Kazekage Verantwortung für mich empfand. Sondern weil er bei mir sein wollte.

„Ich habe wirklich keine Lust darauf“, gestand ich. „Ich habe schon so viel hinter mir. Genau deshalb wollte ich nie im Mittelpunkt stehen.“

„Das verstehe ich.“

Er schwieg einen Moment, als würde er überlegen, ob er den nächsten Gedanken tatsächlich aussprechen sollte.

„Manchmal wünschte ich, ich könnte meinen Posten einfach für einen Tag abgeben. Nur für einen einzigen.“

Ich musste lachen. Es war ein kleines, erleichtertes Lachen, nicht weil ich seine Worte lustig fand, sondern weil ich die Ehrlichkeit dahinter verstand.

„Wir könnten ja tauschen“, schlug ich vor. „Du wärst dann die Landstreicherin, die niemand kennt.“

Seine Mundwinkel hoben sich.

„Das würde mir gefallen.“

Ich lachte erneut und schüttelte leicht den Kopf. „Na gut. Es hilft nichts. Lass uns aufstehen.“

Ich wollte mich aufrichten, doch Gaara legte eine Hand sanft an meine Taille und hielt mich zurück.

„Noch nicht.“

Seine Stimme war so leise. Es klang weniger wie eine Aufforderung als wie eine Bitte.

Ich sah ihn an. Ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen, denn ich verstand, was er meinte, ohne dass er es erklären musste.

Also beugte ich mich zu ihm und suchte seine Lippen.

Er erwiderte den Kuss sofort. Diesmal lag mehr darin als bloße Zärtlichkeit. Wärme, Vertrautheit und ein Verlangen, das wir beide nicht länger hinter vorsichtigen Worten verstecken mussten. Seine Hände hielten mich behutsam, während ich mich an ihn schmiegte und die vertraute Stärke seines Körpers spürte.

Mein Herz schlug schneller. Meine Schulter zog unangenehm, und auch meine Seite machte sich bemerkbar, doch ich achtete kaum darauf. Nicht, weil die Schmerzen verschwunden wären, sondern weil ich diesen Moment mit ihm auskosten wollte.

Für eine Weile schien die Zeit stillzustehen. Es gab weder einen Kazekage, der auf eine Konferenz zurückmusste, noch eine Clanführerin, die sich den Fragen der anderen stellen sollte. Nur Gaara und mich, eng beieinander in einem Bett, während draußen langsam ein neuer Tag begann.

Als wir uns schließlich voneinander lösten, blieben unsere Stirnen aneinandergelehnt. Ich lächelte ihn an, und er erwiderte mein Lächeln. Wir brauchten keine Worte, um zu verstehen, was dieser Augenblick für uns bedeutete.

Doch die Sonne kletterte weiter über die Bergspitzen, und irgendwann würden wir uns der Welt wieder stellen müssen.

„Bist du sicher, dass du heute mitkommen möchtest?“, fragte Gaara, als wir uns schließlich darauf vorbereiteten, das Haus zu verlassen. „Du weißt, was dich erwartet. Alle werden etwas von dir wollen. Vor allem die Kage.“

Ich atmete tief durch. Allein die Vorstellung, den anderen gegenüberzutreten, Fragen zu beantworten und über den Krieg sprechen zu müssen, ließ meine Erschöpfung wieder spürbar werden.

Trotzdem nickte ich.

„Ich schaffe das. Du wirst ja auch da sein.“

Sein Blick wurde ernst, aber nicht streng.

„Du bist bei mir“, sagte er bestimmt. „Ich nehme dich mit. Und wenn es dir zu viel wird, beende ich die Besprechung. Du musst nicht länger bleiben, als du kannst.“

Ich sah ihn einen Moment lang an.

Er würde mir nicht alle Fragen ersparen können. Und ich wusste, dass ich mich früher oder später dem stellen musste, was geschehen war. Aber ich musste es nicht allein tun.

„Gut“, sagte ich leise.

Ich nahm seine Hand und verschränkte meine Finger mit seinen.

Mit ihm an meiner Seite würde ich diesen Tag schaffen.

Dann konzentrierte ich mein Chakra, schloss die Augen und teleportierte uns zurück.

---

Der Konferenzraum war bereits von gespannter Erwartung erfüllt, als wir eintraten. Die anderen Kage – die des Erd-, Feuer-, Wasser- und Blitzreiches – saßen an ihren Plätzen und waren in angeregte Gespräche vertieft. Ihre Stimmen verstummten jedoch beinahe augenblicklich, als Gaara und ich die Schwelle überschritten.

Alle Blicke richteten sich auf uns.

„Sieh mal einer an, wen wir da haben“, bemerkte die Mizukage mit einem spöttischen Lächeln.

Der Raikage verschränkte die Arme und musterte mich von oben bis unten. „Schön, dass du wieder auftauchst, Gaara-sama. Und Amaya hast du gleich als Gesellschaft mitgebracht. Sieht so aus, als wärst du wieder fit genug.“

Fit genug. Wenn er wüsste, wie sehr mir allein der Weg hierher noch in den Knochen steckte.

Ich ließ mir nichts anmerken. Ich hatte mich nicht hierher teleportiert, um mich von ein paar skeptischen Blicken einschüchtern zu lassen.

„Danke für eure Geduld“, erwiderte Gaara in seinem gewohnt professionellen Ton.

Dann deutete er auf den Stuhl, der eigentlich ihm zustand, und bedeutete mir, mich zu setzen.

Ich zögerte nur kurz, bevor ich seiner Aufforderung nachkam. Schon die Bewegung ließ einen stechenden Schmerz durch meine Seite fahren. Ich biss die Zähne zusammen und setzte mich so vorsichtig hin, wie es mir möglich war. Natürlich entging Gaara das nicht. Er blieb direkt neben mir stehen, eine Hand fest auf die Lehne meines Stuhls gelegt.

Eine kleine Geste. Unauffällig genug, dass sie kaum jemandem auffallen musste, und doch verstand ich, was er mir damit sagen wollte.

Ich bin hier.

Allein das half mir, die Schultern ein wenig zu entspannen.

„Wir würden gern direkt zum Thema kommen“, begann Gaara und wandte sich den anderen Kage zu. „Es sind noch einige Fragen offen, die wir gern unmittelbar an Amaya richten möchten. Besonders, was die Drachen betrifft.“

Kaum hatte er das Wort ausgesprochen, ging ein leises Raunen durch den Raum.

Niemand von ihnen hatte vor dem Krieg gewusst, dass Drachen überhaupt existierten. Und nun sollten sie akzeptieren, dass Wesen, deren Macht sie kaum einschätzen konnten, sich jahrhundertelang verborgen gehalten hatten.

Das versprach ein angenehmes Gespräch zu werden.

„Amaya wird eure Fragen ehrlich beantworten“, fuhr Gaara fort. „Sie kennt die Drachen, ist mit ihnen aufgewachsen und kann über ihre Natur sprechen.“

Die Blicke der Kage wanderten zu mir. Erwartungsvoll, prüfend, teilweise unverhohlen misstrauisch.

Ich atmete langsam ein und wieder aus. Meine Verletzungen pochten, doch ich richtete mich ein wenig auf.

Der Tsuchikage ergriff als Erster das Wort.

„Warum haben wir nie zuvor von ihnen gehört? Haben sie sich absichtlich versteckt, oder gab es andere Gründe?“

Ich sah ihn direkt an.

„Die Drachen, die mein Clan beschützt, wurden früher gejagt. Manche Menschen fürchteten sie, andere wollten sie verkaufen und aus ihrer Existenz Profit schlagen.“ Meine Stimme blieb ruhig. „Sie leben schon länger in dieser Welt, als unsere Reiche bestehen. Um sie zu schützen, haben meine Vorfahren beschlossen, sie von der übrigen Welt abzuschirmen. Sie sollten nicht länger Zielscheibe menschlicher Gier und Angst sein.“

Ich ließ meine Worte einen Moment im Raum stehen.

Der Erd-Kage schien darüber nachzudenken, doch der Raikage ließ sich davon nicht aufhalten.

„Wie groß ist ihre Macht? Könnten sie Städte oder ganze Armeen bedrohen? Und wie kontrollierst du sie, falls sie unberechenbar werden?“

Bei der Frage zogen sich meine Schultermuskeln schmerzhaft zusammen. Ich hielt seinem Blick stand.

„Habt ihr jemals von einem Drachenangriff gehört?“, fragte ich zurück. „Nicht von einem Gerücht oder einer Geschichte, sondern von einem tatsächlichen Angriff auf ein Dorf oder eine Stadt?“

Der Raikage antwortete nicht sofort.

„Meine Drachen handeln nicht grundlos. Sie sind keine wilden Bestien, die nur darauf warten, über Menschen herzufallen. Sie respektieren die Grenzen unserer Welt und wollen mit unseren Konflikten nichts zu tun haben.“

Ich machte eine kurze Pause.

„Und ich kontrolliere sie nicht, wie man eine Waffe kontrolliert. Zwischen uns besteht Vertrauen. Das ist etwas anderes.“

Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Gaara seine Hand kurz auf meine Schulter legte. Die Berührung war vorsichtig. Ich musste ihn nicht ansehen, um zu wissen, dass er aufmerksam jedes Wort verfolgte.

Der Tsuchikage beugte sich ein wenig vor.

„Wie schnell und flexibel lassen sie sich einsetzen? Könnten sie im Ernstfall unsere Kämpfe beeinflussen?“

Ich musste mich beherrschen, nicht hörbar auszuatmen.

„Drachen sind keine Kriegswaffen“, sagte ich, diesmal schärfer. „Was während dieses Krieges geschehen ist, war eine Ausnahmesituation. Sie haben sich nicht eingemischt, weil sie darauf gewartet hätten, für die Shinobi-Welt kämpfen zu dürfen. Sie waren dort, weil ich mich entschieden hatte, in den Krieg zu ziehen.“

Ich ließ den Blick durch die Runde wandern.

„Sie haben geholfen, weil sie mir vertraut haben. Nicht, weil sie sich irgendeinem Dorf oder einem Bündnis verpflichtet fühlen.“

„Wie können wir sicher sein, dass diese Drachen vertrauenswürdig sind?“, bohrte die Mizukage nach. Ihr Ton war nicht laut, aber scharf genug, um die Frage wie eine Anklage klingen zu lassen.

Bevor ich antworten konnte, trat Gaara einen halben Schritt näher an mich heran.

„Ich stehe voll und ganz hinter ihr“, sagte er ruhig.

Seine Stimme blieb beherrscht. Kein erhobener Ton, keine unnötige Drohung. Doch als ich zu ihm aufsah, erkannte ich an seinem Blick, dass er es vollkommen ernst meinte.

„Amaya hat uns bereits gezeigt, wozu sie und die Drachen bereit sind, wenn die Sicherheit dieser Welt auf dem Spiel steht. Wer ihre Drachen missachtet oder versucht, sie gegen ihren Willen zu benutzen, gefährdet damit auch die Sicherheit unserer Länder.“

Seine Worte waren diplomatisch genug, um nicht als offene Herausforderung zu gelten. Trotzdem lag darin eine unmissverständliche Grenze.

Ich spürte, wie sich etwas in meiner Brust löste. Nicht, weil ich seine Hilfe gebraucht hätte, um mich zu verteidigen. Das konnte ich selbst. Aber es machte einen Unterschied, in einem Raum voller Menschen zu sitzen, die mich am liebsten auf meine Fähigkeiten und meine Herkunft reduziert hätten, und dabei zu wissen, dass jemand an meiner Seite stand, den ich nicht erst von meinen Wert überzeugen musste.

Er vertraute mir und ließ mich selbst entscheiden.

Das bedeutete mir mehr, als ich in diesem Moment sagen konnte.

„Schluss jetzt“, unterbrach Tsunade schließlich die Diskussion.

Ihre Stimme war ruhig, aber so bestimmt, dass selbst der Raikage schwieg.

„Wir sollten dankbar sein, dass wir überhaupt so mächtige Verbündete haben. Wer weiß, wie viele Shinobi, Kinder und Familien wir zusätzlich verloren hätten, wenn die Drachen nicht eingegriffen hätten.“ Ihr Blick wanderte über die versammelten Kage. „Nach allem, was wir erlebt haben, sollten wir es besser wissen, als unsere Verbündeten zuerst nach möglichen Bedrohungen zu beurteilen.“

Dann wandte sie sich mir zu. Ihr Gesichtsausdruck wurde etwas weicher.

„Amaya, danke für deine Antworten. Ich denke, wir haben alles erfahren, was wir für den Moment wissen müssen.“

Ich blinzelte überrascht.

Mit einer solchen Reaktion hatte ich nicht gerechnet und während ich die anderen Kage betrachtete, wurde mir bewusst, wie viel sich verändert hatte. Der Krieg hatte in uns allen Narben hinterlassen und vielen gezeigt, wie bedeutsam es war, wenn man einander vertraute.

Ich nickte Tsunade dankbar zu.

Ein Teil von mir wollte immer noch aus diesem Raum fliehen. Aber diesmal war es anders.

Ich musste nicht jede Skepsis persönlich nehmen. Ich musste mich nicht kleiner machen, nur damit andere sich sicherer fühlten. Und ich musste auch nicht allein dafür sorgen, dass meine Worte gehört wurden.

Ich sah kurz zu Gaara hinauf.

Er erwiderte meinen Blick. Auf seinen Lippen lag ein kaum merkliches Lächeln, das vermutlich keinem der anderen auffiel.

Ich wandte den Blick wieder den anderen Kage zu und atmete vorsichtig durch, trotz des Ziehens in meiner Seite.

Was auch immer sie noch fragen würden, ich würde ihnen antworten.

Aber ich würde nicht klein beigeben, nur weil ich mich dieser Welt zeigte.