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warmer Wind über der Wüste von Suna (Amayas / Gaaras Sicht)

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warmer Wind über der Wüste von Suna (Amayas / Gaaras Sicht)

Ich konnte nicht mit ihnen reisen. Sieben Tage Marsch wären in meinem derzeitigen Zustand schlicht unmöglich gewesen. So schwer es Gaara auch fiel, das einzusehen, am Ende musste selbst er akzeptieren, dass ich die Reise nicht durchgestanden hätte.

Also holte Luna mich am Morgen der Abreise pünktlich ab.

Sieben Tage getrennte Wege.

Wir hatten schon längere Trennungen überstanden. Trotzdem wollte ich nicht gehen, weil ich mich inzwischen daran gewöhnt hatte, Gaara in meiner Nähe zu wissen.

Bevor ich aufbrach, ließ ich ihn mir versprechen, gut auf die Drachenperle aufzupassen. Solange er sie bei sich trug, konnte Luna mich leichter zu ihm zurückbringen, ohne viel Zeit zu verlieren.

Der Abschied selbst fiel kurz aus, beinahe beiläufig. Als würden wir uns lediglich für einen gewöhnlichen Tag trennen und nicht für eine ganze Woche. Doch ich bemerkte die Anspannung in seinen Schultern, das kaum wahrnehmbare Zögern, bevor er meine Hand losließ.

Ich hätte etwas sagen können. Ihm versichern, dass sieben Tage nicht die Welt bedeuteten. Doch wir wussten beide, dass Versprechen nichts bringen würde.

Also sah ich ihn nur noch einen Moment länger an, bevor ich mich zu Luna wandte. Manche Dinge brauchten keine Worte.

Und dann brach ich auf.

Die Tage im Land der Drachen fanden schnell ihren eigenen Rhythmus.

Morgens erwachte ich mit dem vertrauten Duft von Fels und Wasser, der durch mein geöffnetes Fenster hereinzog. Nach dem Frühstück mit Luna zog ich mich in den hinteren Garten zurück, dorthin, wo die Bäume dicht genug standen, um angenehmen Schatten zu spenden, und das Rauschen des Flusses tief unten im Tal bis zu mir heraufdrang.

Dort setzte ich mich mit verschränkten Beinen ins Gras, richtete den Rücken auf und schloss die Augen.

Ich hatte diese Haltung unzählige Male eingenommen, um meine Verbindung zu Meian im Außen zu stärken.

Diesmal musste ich in die entgegengesetzte Richtung suchen.

Nach innen.

Es war schwieriger, als ich erwartet hatte.

Jahrelang hatte ich mich darauf verlassen können, dass Chakra einfach da war, wenn ich es brauchte. Ich hatte nie ernsthaft darüber nachdenken müssen, woher es kam oder wie ich es selbst hervorbringen konnte. Meians Kraft war so selbstverständlich ein Teil meines Lebens gewesen, dass ich kaum zwischen ihrer Energie und meinen eigenen Fähigkeiten unterschieden hatte.

Jetzt saß ich in der Stille und versuchte, etwas in mir zu finden, von dem ich nicht einmal wusste, wie es sich anfühlen sollte.

Die ersten Tage fand ich nichts.

Nur Stille.

Eine beunruhigende, beinahe greifbare Leere, die sich mit jedem erfolglosen Versuch ein wenig schwerer anfühlte. Manchmal war ich versucht, einfach aufzustehen und etwas anderes zu tun. Mich abzulenken, statt immer wieder gegen dieselbe unsichtbare Wand anzulaufen.

Doch am nächsten Morgen kehrte ich zurück.

Nicht, weil ich besonders geduldig war, sondern weil ich keine andere Wahl hatte, wenn ich meine Kräfte irgendwann zurückgewinnen wollte.

Am vierten Tag spürte ich es zum ersten Mal.

Zunächst war es kaum mehr als ein winziges Aufflimmern tief in meinem Inneren, irgendwo zwischen Brust und Bauch. So schwach, dass ich mich fragte, ob ich es mir nur eingebildet hatte.

Ich hielt vollkommen still und konzentrierte mich darauf.

Da war es wieder.

Ein kaum wahrnehmbarer Impuls, der sich für einen kurzen Moment zeigte und beinahe sofort wieder zu verschwinden schien.

Ich hatte erwartet, dass sich mein eigenes Chakra ähnlich anfühlen würde wie das von Meian. Doch dieses kleine Flimmern war anders.

Meians Chakra war mächtig, weit und feurig. Es hatte eine Präsenz, die keinen Zweifel daran ließ, dass es da war.

Das hier war klein. Zaghaft. Fast scheu.

Und doch lag darin eine Wärme, die mich überraschte. Etwas Weiches, Persönliches. Es fühlte sich an wie ein zweiter Herzschlag, leise und unscheinbar, aber unverkennbar meiner.

Ich hätte am liebsten sofort herausgefunden, was ich damit anfangen konnte.

Doch ich erinnerte mich an Nyxias eindringliche Warnungen. Keine Jutsu. Keine Experimente. Keine Versuche, meine Kräfte vorzeitig wieder einzusetzen. Mein Körper brauchte Zeit, und ich musste ihm diese Zeit geben.

Also ließ ich das kleine Aufflimmern für heute in Ruhe.

Am sechsten Tag saß ich wieder hinter meinem Haus. Die vertraute Stille umgab mich, und irgendwo in der Ferne rauschte der Fluss. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung, ließ meine Gedanken allmählich zur Ruhe kommen und suchte nach jener winzigen Energiequelle, die ich inzwischen zumindest erahnen konnte.

Diesmal fand ich sie schneller.

Das Flimmern war deutlicher als zuvor. Noch immer schwach, noch immer empfindlich, aber es verschwand nicht sofort, sobald ich es wahrnahm.

Ich hätte es dabei belassen sollen.

Nyxia hätte mir vermutlich genau das geraten.

Doch Neugier war meine Schwäche, besonders wenn es darum ging, mich an Anweisungen zu halten.

Ich wollte nichts anwenden. Ich wollte nur verstehen, was da in mir war. Wie es sich anfühlte, wenn ich mich nicht bloß darauf beschränkte, es wahrzunehmen, sondern vorsichtig danach griff.

Ganz behutsam versuchte ich, die winzige Quelle in mir zu erfassen.

Sofort veränderte sich etwas.

Ein leises, warmes Ziehen breitete sich tief in meinem Inneren aus. Es war kein Schmerz, aber auch kein Gefühl, das ich einfach ignorieren konnte. Für einen Augenblick schien sich etwas in mir zusammenzuziehen, ein sanfter Widerstand, als wäre diese Energie noch zu jung und zu schwach, um von mir vollständig erfasst zu werden.

Ich ließ sofort locker.

Mein Herz schlug schneller, während ich reglos sitzen blieb und abwartete, ob das Gefühl wieder verschwinden würde.

Es dauerte einen Moment.

Dann beruhigte sich alles.

Das kleine Flimmern war noch da.

Ich atmete langsam aus und ließ die Schultern sinken. Mehr würde ich heute nicht versuchen. Vielleicht hatte ich gerade schon mehr riskiert, als vernünftig gewesen wäre. Nyxia würde mir vermutlich eine Standpauke halten, wenn sie davon erfuhr.

Der Gedanke ließ mich schmunzeln.

Zum ersten Mal seit Tagen fühlte ich mich nicht mehr, der Situation ausgeliefert.

Ich hatte zwar noch einen langen Weg vor mir und ich wusste nicht, ob ich jemals lernen würde, damit so umzugehen wie mit Meians Kraft. Aber das musste ich nicht heute herausfinden.

Heute hatte ich etwas gefunden, das mir die ganze Zeit gefehlt hatte.

Es war klein. Unbeständig. Kaum mehr als ein Anfang.

Aber es war da und es gehörte mir.

Gaaras Sicht

Ich saß auf der Stadtmauer, an jenem Ort, an dem Amaya und ich so oft gemeinsam den Abend verbracht hatten, und wartete.

Die Reise zurück nach Suna war ohne Zwischenfälle verlaufen. Sieben Tage Marsch, in denen es abgesehen von den täglichen Strapazen kaum etwas Besonderes gegeben hatte. Wir hatten jeden Abend unsere Zelte aufgeschlagen und sie am nächsten Morgen wieder abgebaut. Ich hatte die verwundeten Shinobi im Auge behalten, ihre Verbände kontrollieren lassen und dafür gesorgt, dass wir unser Tempo anpassten, wenn jemand nicht mehr mithalten konnte. Es hatte kurze Rastpausen unter der sengenden Sonne gegeben und längere in der kühlen Nacht.

Keine Ratssitzungen, keine Berichte, keine endlosen Besprechungen. Nur der gleichmäßige Rhythmus des Reisens, der mir mehr Zeit zum Nachdenken gelassen hatte, als mir lieb gewesen war, weil ein Teil meiner Gedanken immer wieder zu Amaya zurückgekehrte.

Zu der Frage, wie es ihr ging. Ob sie sich ausreichend schonte oder bereits wieder versuchte, mehr zu tun, als ihr Körper verkraften konnte. Ich kannte sie inzwischen gut genug, um Letzteres zumindest für möglich zu halten.

Vor allem aber hatte ich auf diesen Abend gewartet.

Auf das Wiedersehen. Auf das vertraute Flimmern in der Luft, das ich mittlerweile so gut kannte, dass ich manchmal glaubte, es schon zu spüren, bevor es überhaupt begann.

Der Himmel über Suna war klar und übersät mit Sternen. Nach der Hitze des Tages hatte die Wüste ihre angenehme Kühle zurückgewonnen, und ein leichter Wind strich über die Stadtmauer. Ich griff unter meine Jacke und berührte die Drachenperle.

Ich hatte das inzwischen bestimmt ein Dutzend Mal getan, nur um mich zu vergewissern, dass sie noch da war.

Es war unsinnig. Natürlich war sie noch da. Ich hatte sie sorgfältig verstaut und seit unserer Abreise nicht ein einziges Mal aus den Augen verloren.

Trotzdem glitten meine Finger immer wieder zu ihr zurück.

Dann begann die Luft vor mir zu flimmern.

Zunächst war es kaum mehr als ein leichtes Zittern, das sich über den dunklen Hintergrund der Nacht legte. Der Schimmer wurde stärker, verdichtete sich und nahm schließlich Gestalt an.

Im nächsten Augenblick stand Luna vor mir, Amaya auf ihrem Rücken.

So plötzlich, als hätte die Nacht selbst sie hervorgebracht.

Selbst auf der Stadtmauer wirkte Luna gewaltig. Ihr weißes Fell schimmerte im Mondlicht, und ihre Haltung besaß eine mühelose Anmut, die ihre Größe beinahe vergessen ließ.

Ich war sofort auf den Beinen.

Luna ließ eine Tasche zu Boden plumpsen. Offenbar hatte Amaya sich auf das Nötigste beschränkt.

Amaya blieb auf Lunas Rücken sitzen und betrachtete mich mit einem schelmischen Grinsen, das mir sofort verriet, dass sie etwas vorhatte.

„Na?“, fragte sie, während Luna ein paar Schritte auf mich zukam. „Lust auf einen Ausflug?“

Ich sah erst sie an, dann Luna, deren Flügel sich bereits leicht ausbreiteten.

„Jetzt? Es ist mitten in der Nacht.“

Luna schnaubte belustigt. „Ich habe dir doch gesagt, dass er kneifen wird.“

„Ich wollte dich eigentlich gerade fragen, ob es für dich in Ordnung ist, uns beide zu tragen“, verteidigte ich mich.

Amayas Grinsen wurde breiter.

„Der Ausflug war Lunas Idee, also komm.“ Sie unterbrach mich, bevor Luna eine weitere Bemerkung machen konnte, und streckte mir die Hand entgegen. Ihre Augen funkelten im Sternenlicht. „Oder hast du etwa Angst?“

Ich musterte sie einen Moment lang.

Sieben Tage hatte ich darauf gewartet, sie wiederzusehen, und kaum stand sie vor mir, forderte sie mich zu einem nächtlichen Flug auf einem Drachen heraus.

Ich konnte nicht anders, als zu lächeln.

„Du weißt genau, wie du mich dazu bringst, ja zu sagen.“

„Ich habe da so eine Vermutung.“

Ich ergriff ihre Hand und schwang mich hinter ihr auf Lunas Rücken. Als ich sicher saß, legte Amaya meine Arme um ihre Taille.

Erst jetzt wurde mir bewusst, wie sehr mir genau das gefehlt hatte.

„Wohin fliegen wir?“, fragte ich.

Amaya lehnte sich ein wenig gegen mich.

„Lass dich überraschen.“

Luna stieß sich mit einem kräftigen Satz von der Mauer ab.

Für einen kurzen Augenblick schien der Boden unter uns zu verschwinden. Dann breitete sie ihre gewaltigen Flügel aus, fing den Luftstrom auf und trug uns mühelos in die Höhe.

Der Wind riss an meiner Kleidung, kühl und scharf, während Suna unter uns immer kleiner wurde. Die Lichter der Stadt verwandelten sich in einen funkelnden Teppich. Vor uns erstreckte sich die Wüste, weit und still unter dem Sternenhimmel.

Luna flog zunächst niedrig über die Dünen. Der Mond tauchte ihre geschwungenen Kämme in silbernes Licht, während die Schatten dazwischen wie dunkle Wellen wirkten. Es war ein Anblick, den ich kannte, aber aus dieser Perspektive erschien mir die Wüste beinahe fremd.

Ich schlang die Arme etwas fester um Amayas Taille. Sie lehnte sich gegen mich, ihr Rücken warm an meiner Brust, und für einen Moment gab es nichts weiter als den Wind, die Sterne und die endlose Weite unter uns. Und sie.

„Schön, dich wiederzusehen, Amaya“, sagte ich laut genug, damit sie mich über das Rauschen des Windes hinweg hören konnte.

Sie drehte den Kopf leicht zu mir. Ich konnte ihr Gesicht nicht vollständig erkennen, doch das Lächeln war deutlich in ihrer Stimme zu hören.

„Ich freue mich auch. Sieben Tage sind länger, als ich gedacht hätte.“

Ich senkte kurz den Kopf, bis meine Wange ihr Haar berührte.

„Mir ging es genauso.“

Luna setzte ihren Flug fort, mühelos und sicher. Der Mond stand hoch über uns, und die Dünen zogen unter unseren Füßen vorbei, als würden wir über eine silberne See gleiten.

Ich hatte schon einmal auf dem Rücken eines Drachen gesessen. Damals war alles von Angst, Schmerzen und Dringlichkeit geprägt gewesen. Ich hatte mich an Luna festgehalten, während sie Amaya ins Krankenhaus brachte, und jeder Augenblick hatte sich danach angefühlt, als könnte er über Leben und Tod entscheiden.

Diesmal war alles anders. Wir waren nicht auf der Flucht.

Wir flogen einfach, weil wir es konnten.

„Haltet euch gut fest!“, rief Luna plötzlich über den Wind hinweg.

Ich hatte gerade den Mund geöffnet, um zu fragen, warum, da zog sie bereits steil nach oben.

Mein Magen schien einen Moment länger auf der ursprünglichen Flughöhe zu verharren.

Dann kippte die Welt.

Der Himmel, der eben noch über uns gelegen hatte, befand sich plötzlich unter uns, während die Wüste für einen atemlosen Augenblick kopfüber an uns vorbeizog. Luna vollführte einen vollständigen Looping, fing sich mit einer eleganten Bewegung ab und flog weiter, als wäre nichts geschehen.

Amaya kicherte laut.

Es war ein helles, unbeschwertes Geräusch, das selbst den Wind übertönte.

„Luna!“, rief sie, doch in ihrer Stimme lag keine wirkliche Empörung. Eher das Gegenteil.

Luna schien das als Ermutigung aufzufassen.

Sie legte eine Reihe scharfer Kurven und Rollen hin, ihre Flügel schnitten mühelos durch die Nachtluft. Wir schossen über die Dünen, so tief, dass der Sand beinahe unsere Füße zu streifen schien, bevor Luna sich im nächsten Moment wieder steil in die Höhe schraubte.

Ich hielt Amaya fest und versuchte, gleichzeitig meine Position zu bewahren und meinen Magen davon zu überzeugen, dass er sich nicht gegen mich verschwören musste.

Es war ein aussichtsloses Unterfangen.

Bei jeder scharfen Wendung zog sich mein Bauch zusammen. Das Gefühl war unangenehm, und ich war mir ziemlich sicher, dass ich mich nicht daran gewöhnen würde, wenn Luna diesen Flug noch wesentlich länger fortsetzte.

Und trotzdem gefiel es mir.

Vielleicht gerade deshalb.

Mein Alltag bestand daraus, Entscheidungen zu treffen, Konsequenzen abzuwägen und möglichst jede Unwägbarkeit vorherzusehen. Selbst wenn ich nicht alles kontrollieren konnte, versuchte ich zumindest, auf jede mögliche Entwicklung vorbereitet zu sein.

Hier war das unmöglich.

Ich wusste nie, wann Luna die Richtung ändern, eine Kurve fliegen oder plötzlich an Höhe gewinnen würde. Ich konnte mich nur festhalten, mit Amaya mitlachen, wenn sie sich über die nächste Wendung freute, und darauf vertrauen, dass Luna genau wusste, was sie tat.

Ein wilder, atemloser Rausch, der mit meiner sonstigen, kontrollierten Existenz kaum etwas gemeinsam hatte.

Und vielleicht war es genau das, was ich gebraucht hatte.

Nach einer letzten, besonders eleganten Schleife nahm Luna wieder Kurs auf Suna. Sie glitt über die Stadt hinweg und setzte uns schließlich so sanft auf der Stadtmauer ab, dass ihre Krallen kaum hörbar den Stein berührten.

Ich blieb noch einen Moment sitzen und versuchte, meinen Atem zu beruhigen.

„Das war …“ Ich machte eine kurze Pause, um Luft zu holen. „Intensiv.“

„Grandios“, korrigierte Amaya mich sofort.

Ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen strahlten.

Luna schnaubte zufrieden.

„Ich zeige eben gerne, was ich kann.“

„Das habe ich bemerkt“, erwiderte ich trocken.

Amaya lachte, schwang sich von Lunas Rücken und legte ihr die Arme um den Hals. Sie knuddelte das dichte Fell, während Luna den Kopf ein wenig senkte, um ihr entgegenzukommen.

„Danke, Luna.“

„Schon gut“, murmelte diese, hörbar zufrieden mit sich selbst.

Ich stieg ebenfalls ab und strich mir die vom Wind zerzausten Haare aus der Stirn.

„Danke für den Ausflug“, sagte ich. Ich war noch immer etwas atemlos, doch das Lächeln auf meinem Gesicht ließ sich nicht unterdrücken. „Auch wenn ich vorher gern gewusst hätte, worauf ich mich einlasse.“

Luna neigte den Kopf.

„Dann wäre es doch keine Überraschung gewesen.“

Dagegen ließ sich schlecht argumentieren.

„Gute Nacht, ihr beiden“, verabschiedete sie sich schließlich.

Mit einem letzten Blick in unsere Richtung begann ihre Gestalt in einem sanften Schimmer aus Licht zu verschwinden. Einen Augenblick später war sie fort, als wäre sie nie auf der Stadtmauer gewesen.

Zurück blieben die kühle Nachtluft, die Sterne und Amaya.

Sie trat zu mir und nahm meine Hand. Ihre Finger schlossen sich warm um meine, und ich erwiderte den Druck, ohne darüber nachzudenken.

„Und jetzt?“, fragte sie.

Ich sah sie an. Sieben Tage lang hatte ich mir vorgestellt, wie es sein würde, sie wieder in den Armen zu halten.

„Jetzt“, sagte ich und drückte ihre Hand sanft, „gehen wir zu mir.“

Ich bückte mich, hob das zusammengerollte Tuch auf und warf es mir über die Schulter. Es war erstaunlich leicht. Offenbar hatte Amaya tatsächlich nur das Nötigste mitgebracht.

Sie trat an meine Seite, und gemeinsam machten wir uns auf den Weg.

Wir gingen langsam durch die stillen Straßen Sunas. Die meisten Häuser lagen im Dunkeln, und nur vereinzelt brannte noch Licht hinter einem Fenster. Die Stadt schlief, während wir durch ihre vertrauten Gassen gingen, die Aufregung des Fluges noch in unseren Adern.

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Die Wohnung war still, als wir eintraten. Nur das leise Klicken der Tür, die hinter uns ins Schloss fiel, durchbrach die Ruhe.

Wir zogen die Schuhe aus und stellten sie nebeneinander an die Wand. Eine beiläufige, vertraute Geste, die sich beinahe so anfühlte, als hätten wir sie schon unzählige Male gemeinsam ausgeführt.

Amaya ging voraus ins Wohnzimmer. Ich stellte ihren Beutel ordentlich im Flur ab und folgte ihr. Sie war bereits an der Terrassentür stehen geblieben und blickte hinaus auf die schlafende Stadt. Hier und da brannten noch Lichter, doch die meisten waren bereits erloschen.

Ich fragte mich, wie es für Amaya sein musste, nach so langer Zeit wieder hier zu sein. Ob ihr etwas vertraut vorkam. Ob sie sich fremd fühlte. Oder ob sie einfach nur froh war, zurückgekehrt zu sein.

„Wie ist die Reise verlaufen?“, fragte sie, ohne sich umzudrehen.

„Ohne Beschwerden oder größere Probleme.“ Ich trat ein wenig näher. „Die Bewohner haben uns mit Jubel empfangen, als hätten sie sehnsüchtig auf unsere Rückkehr gewartet. Kaum waren wir durch das Tor, füllten sich die Straßen mit Menschen.“

„Das klingt schön“, sagte sie leise.

Ihr Blick blieb auf die Stadt gerichtet, und für einen Moment ließ ich ihr die Stille. Ich wollte sie nicht mit Fragen bedrängen. Sie war wieder hier. Das allein zählte zunächst.

Als ich hinter sie trat, spürte ich die Wärme ihres Körpers. Ihr Haar hatte sie zu zwei Zöpfen geflochten, die ihr über die Schultern fielen. Ich nahm einen davon vorsichtig zwischen die Finger und ließ ihn langsam durch meine Hand gleiten.

„Wie ist es dir zu Hause ergangen, Amaya?“

Sie drehte sich zu mir um. Ich hielt ihren Zopf noch immer in der Hand, und ihr Blick huschte kurz zu meinen Fingern, bevor er wieder mein Gesicht fand.

„Ruhig.“ Ihre Hand legte sich auf meine Brust. Mit den Fingerspitzen zeichnete sie kleine, gedankenverlorene Kreise auf den Stoff meines Oberteils. „Ich habe viel geschlafen und im Garten gesessen. Luna und die anderen haben mir Gesellschaft geleistet.“

„Dir scheint es auch besser zu gehen.“ Meine Stimme war leiser geworden. Es war keine Frage, auf die ich unbedingt eine bestimmte Antwort hören wollte.

„Ja, sehr sogar.“

Sie lächelte dabei, und diesmal musste ich nicht überlegen, ob sie es ernst meinte. Ihre Haltung wirkte entspannter, ihre Bewegungen freier. Die Anspannung, die sie noch vor wenigen Tagen begleitet hatte, schien ein wenig von ihr abgefallen zu sein.

„Meine Schulter schmerzt kaum noch“, fügte sie hinzu.

Erleichterung breitete sich in mir aus.

Ich beugte mich vor und küsste sie sanft auf den Haaransatz.

„Es freut mich, dass es dir besser geht.“

Amaya hob den Kopf und schlang die Arme um meinen Nacken. Sie zog mich ein wenig näher, und unsere Lippen fanden sich.

Der Kuss war kurz und sanft. Trotzdem lag darin mehr, als Worte in diesem Moment hätten ausdrücken können. Sieben Tage hatten uns voneinander getrennt.

Nun war sie hier.

Als wir uns voneinander lösten, sah sie mich an. Ein kleines Lächeln spielte um ihre Lippen. Ich nahm ihre Hand.

„Komm. Ich muss dir etwas zeigen.“

Sie zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Ihr fragender Blick folgte mir, als ich sie durch die Schiebetür ins Schlafzimmer führte.

Dort standen zwei Kisten ordentlich nebeneinander. Ich hatte sie sorgfältig gepackt und alles darin verstaut, was Amaya in ihrer alten Wohnung zurückgelassen hatte: Kleidung, ihren Zeichenblock und einige persönliche Gegenstände. Nichts Besonderes, zumindest nicht auf den ersten Blick.

Amaya blieb im Türrahmen stehen. Ihr Blick wanderte von den Kisten zu mir und wieder zurück.

„Ich habe mich um alles gekümmert“, erklärte ich. Plötzlich war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. „Ich wusste nicht genau, was du hier brauchen würdest. Also habe ich einfach … alles mitgenommen, was mir wichtig erschien.“ Ich hielt kurz inne. „Und eine neue Zahnbürste habe ich auch besorgt, weil ich nicht wusste, ob du deine noch hast oder eine brauchst.“

Für einen Moment sagte sie nichts.

Dann kniete sie sich neben die erste Kiste und öffnete sie langsam. Ihre Finger glitten über die vertrauten Gegenstände, beinahe behutsam, als müsste sie sich erst vergewissern, dass tatsächlich alles da war. Ich beobachtete sie schweigend.

„Das hast du wirklich alles selbst gemacht?“, fragte sie, ohne aufzusehen.

„Ja.“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust und bemühte mich um einen möglichst unbeeindruckten Ton. „Hast du eine Beschwerde?“

Das brachte sie zum Lächeln. Sie richtete sich auf und sah mich an. In ihren Augen lag etwas, das tiefer ging als bloße Überraschung. Etwas Warmes, beinahe Verletzliches.

„Danke“, sagte sie leise. „Dafür, dass du das gemacht hast. Dass du daran gedacht hast.“

„Es war das Mindeste.“ Ich spürte, wie mir ihre Aufmerksamkeit plötzlich unangenehm bewusst wurde, und wandte den Blick für einen kurzen Moment zu den Kisten. „Ich wollte, dass du dich hier willkommen fühlst. Von Anfang an.“

Die Worte klangen schlicht, aber sie meinten mehr, als ich auf Anhieb hätte erklären können. Ich wollte nicht, dass sie das Gefühl bekam, sich erst einen Platz in meinem Leben erarbeiten zu müssen. Sie sollte wissen, dass sie hier sein durfte. Dass ich sie hier haben wollte.

Amaya stand auf und trat zu mir. Dann legte sie die Arme um meinen Nacken und schmiegte sich an mich.

Ich schlang meine Arme um ihre Taille und hielt sie fest, ohne sie an mich zu ziehen. Für einen Moment standen wir einfach nur da.

Mein Blick fiel über ihre Schulter hinweg auf die beiden Kisten.

Es waren nur ein paar Habseligkeiten. Doch sie bedeuteten, dass Amaya nicht mehr bloß zu Besuch war. Sie hatte ihre Sachen hier, in meiner Wohnung. Sie war zurückgekommen, und ich hatte dafür gesorgt, dass auch ein Teil ihres bisherigen Lebens hier auf sie wartete.

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Wir passten kaum beide gleichzeitig in den Badezimmerspiegel. Entweder war Amaya oder ich halb abgeschnitten. Es war ein wenig umständlich, aber irgendwie auch amüsant. Unsere Zahnbürsten bewegten sich beinahe im Gleichtakt, als Amaya mit vollem Mund fragte: „Was steht bei dir morgen an?“

Ich spuckte die Zahnpasta aus und spülte den Mund aus, bevor ich antwortete.

„Ein Besprechungstag mit dem Ältestenrat. Angesetzt für den ganzen Vormittag, aber ich vermute, dass es länger dauern wird.“

Amaya nickte und wischte sich den Mund ab. Für einen Moment betrachtete sie ihr Spiegelbild, dann sah sie zu mir.

„Gaara, glaubst du, ich kann morgen meine Truppe besuchen? Sind sie überhaupt noch meine Truppe? Oder hat jemand anderes übernommen, während ich weg war?“

„Kankurō ist eingesprungen. Er hat sie in den letzten Monaten unterrichtet.“ Sie stellte ihre Zahnbürste zurück in den Becher. „Allerdings hat er mehrmals erwähnt, dass sie nach dir gefragt haben.“

Ein Schatten legte sich über ihr Gesicht. Es war nur eine kleine Veränderung, kaum mehr als ein Nachlassen ihres Lächelns, doch ich bemerkte es sofort.

„Ich weiß nicht, ob ich noch die Richtige für sie bin“, murmelte sie. „Ohne Chakra kann ich ihnen nicht einmal mehr etwas demonstrieren, geschweige denn sie im Kampf unterrichten.“

Ich legte meine Zahnbürste beiseite und wandte mich ihr zu.

„Hast du dein Wissen über Techniken und Jutsu ebenfalls verloren? Deine Erfahrung, deine taktischen Fähigkeiten, alles, was du über die Jahre gelernt hast?“

Sie blinzelte und sah mich an, als hätte sie mit dieser Frage nicht gerechnet.

„Nein“, gab sie schließlich zu. „Das nicht.“

„Dann bist du immer noch genau die Lehrerin, die sie brauchen.“

Ich trocknete mir die Hände ab und lehnte mich leicht gegen das Waschbecken. Amaya sah mich nachdenklich an, als würde sie meine Worte prüfen, ohne schon entscheiden zu können, ob sie ihnen glauben wollte.

„Du hast ihnen nicht nur beigebracht, wie man ein Jutsu ausführt“, fuhr ich fort. „Du hast ihnen gezeigt, wie man Situationen einschätzt, wie man im Kampf Entscheidungen trifft und wie man auch dann einen klaren Kopf behält, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Das verschwindet nicht, nur weil du dein Chakra im Moment nicht einsetzen kannst.“

Ihre Schultern sanken ein wenig. Vielleicht hatte sie selbst vergessen, wie viel von dem, was sie ausmachte, gar nichts mit ihren Fähigkeiten zu tun hatte.

„Vielleicht solltest du morgen bei ihnen vorbeischauen“, schlug ich vor. „Ich glaube, es würde euch allen guttun.“

Ein kleines, nachdenkliches Lächeln kehrte auf ihr Gesicht zurück.

„Vielleicht hast du recht.“

Ich hoffte, dass sie es versuchen würde. Nicht, weil ich glaubte, ein Besuch könnte ihre Zweifel einfach verschwinden lassen, sondern weil ich wusste, wie schwer es ihr fiel, sich selbst nicht länger an dem zu messen, was sie gerade nicht mehr konnte. Vielleicht würde sie bei ihrer Truppe daran erinnert werden, was sie ihnen immer noch geben konnte.

Wir gingen zurück ins Schlafzimmer.

Ich zog meine Jacke und mein T-Shirt aus und griff nach meinem Schlafshirt. Gerade wollte ich es überstreifen, als ich bemerkte, dass Amayas Blick auf mir ruhte.

Sie saß auf dem Bett und sah mich an. Nicht flüchtig oder beiläufig, sondern bewusst, mit einer beinahe neugierigen Aufmerksamkeit, die mich mitten in der Bewegung innehalten ließ.

Ich war es gewohnt, dass Menschen mich ansahen. Als Kazekage gehörte das zu meinem Alltag. Manche blickten mit Respekt zu mir auf, andere betrachteten mich mit Misstrauen. Es gab auch jene, in deren Augen noch immer ein Rest der Angst lag, die mich seit meiner Kindheit begleitet hatte.

Doch Amayas Blick war anders.

Es lag etwas Selbstverständliches darin, etwas Warmes, das ich nicht recht einordnen konnte. Sie sah mich einfach an, weil sie es wollte.

Es war eine ungewohnte Erfahrung.

Und zu meiner eigenen Überraschung gefiel es mir.

„Was?“, fragte ich schließlich. Ein Hauch von Verlegenheit schlich sich in meine Stimme.

„Nichts.“ Amaya schien erst jetzt zu bemerken, dass ich sie erwischt hatte. Eine leichte Röte stieg ihr ins Gesicht. „Sorry, dass ich gestarrt habe.“

Ich hielt inne. Mein Schlafshirt war bereits halb übergezogen, doch statt es weiter nach unten zu ziehen, ließ ich es wieder sinken.

Amaya sah mich fragend an. In ihrem Blick lag neben der Neugier nun auch eine Spur Überraschung, als hätte sie nicht erwartet, dass ich etwas dazu sagen würde.

„Ich …“ Ich suchte nach den richtigen Worten. Es war merkwürdig, wie schwer mir eine so einfache Sache fiel. „Es ist nicht schlimm.“ Ich zögerte kurz, bevor ich hinzufügte: „Wenn du schauen willst, darfst du das.“

Das Lächeln, das sich auf ihrem Gesicht ausbreitete, war weder spöttisch noch herausfordernd. Es war ehrlich, beinahe gerührt.

Sie stand auf und kam zu mir. Ihre Hand fand meine Brust und strich sanft über meine Haut.

„Danke“, sagte sie leise. „Dass du mir das erlaubst.“

Ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte.

Mein ganzes Leben lang hatten Blicke eine Bedeutung gehabt, die selten angenehm gewesen war. Amayas Blick strahlte das genaue Gegenteil aus. In ihrer Neugier lag nichts, wovor ich mich schützen musste. Sie sah mich an, weil sie mich mochte. Vielleicht sogar, weil sie mich schön fand.

Der Gedanke ließ etwas in meiner Brust warm werden.

Amaya stand vor mir, ihre Hand auf meiner Brust, und ich stellte fest, dass ich mich nicht verstecken wollte. Ich durfte einfach hier stehen und es zulassen.

Und vielleicht machte mich genau das mutiger, als ich es erwartet hätte.

Ich legte meine Hand über ihre und ließ ihre Berührung einen Moment länger zu, während sich die anfängliche Verlegenheit langsam in etwas Ruhigeres verwandelte. Es war ein ungewohntes Gefühl, beinahe wie Stolz, doch ohne den Wunsch, irgendjemandem etwas beweisen zu müssen.

Nach einer Weile trat sie noch ein wenig näher und zog mich sanft zu sich. Ihre Stirn lehnte sich gegen meine Schulter.

„Komm“, sagte sie schließlich mit einem leisen Lächeln. „Lass uns schlafen gehen.“

Diesmal zog ich mein Schlafshirt ohne weiteres Zögern über.

Wir legten uns gemeinsam ins Bett. Amaya schmiegte sich an mich, ihre Hand ruhte in meiner, ihr Kopf lag auf meinem Arm. Ich zog die Decke über uns und spürte, wie sie sich an meiner Seite entspannte.

Draußen schlief Suna.

Und während die letzten Geräusche der Stadt verstummten, wurden auch wir langsam ein Teil dieser Stille.