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Kurzer Aufenthalt in Konoha (Amayas Sicht)

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Kurzer Aufenthalt in Konoha (Amayas Sicht)

Wieder einmal war ich zurück in Konoha.

Drei Tage waren wir unterwegs gewesen, und in dieser kurzen Zeit waren mir die Geschwister des Kazekage mehr ans Herz gewachsen, als ich erwartet hatte.

Temari hatte mir bereits nach dem ersten Abend das Du angeboten und mich kurzerhand zu einer Shoppingtour verpflichtet, sobald wir wieder in Suna wären. Dieser Frau konnte man genauso schwer etwas ausschlagen wie Naruto.

Kankurō … nun ja. Seine Flirtversuche waren anstrengend gewesen. Nachdem er jedoch begriffen hatte, dass er damit bei mir nicht weiterkam, hatte er sich als erstaunlich angenehmer Gesprächspartner erwiesen.

Und dann war da noch Gaara.

Er war anders als die beiden. Ruhiger als Kankurō, zurückhaltender als Naruto. Er beobachtete viel, ohne mir dabei das Gefühl zu geben, mich rechtfertigen zu müssen. Bei ihm hatte ich nicht ständig das Bedürfnis, auf der Hut zu sein.

Das überraschte mich mehr, als ich zugeben wollte.

Früher war ich gern allein gereist. Ich hatte die Ruhe geschätzt, die Freiheit, selbst zu entscheiden, wohin ich ging und wie lange ich an einem Ort blieb. Gesellschaft war dabei nicht unbedingt nötig gewesen.

Doch diesmal hatte ich die gemeinsamen Tage tatsächlich genossen. Mehr, als ich erwartet hätte. Dabei war ich eigentlich dafür zuständig gewesen, die drei sicher nach Konoha zu bringen, nicht umgekehrt.

Am Tor von Konoha angekommen, trennten sich unsere Wege vorerst. Ich brachte Gaara und seine Geschwister zum Hokage-Turm, wo sich die Mitarbeiter des Hokage um alles Weitere kümmern würden.

Damit war mein Auftrag vorerst beendet.

Drei Tage hatte ich nun frei, bevor ich die drei auf ihrer Rückreise erneut begleiten sollte.

Drei Tage in Konoha.

Ich hatte einiges zu erledigen. Trotzdem ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass die Zeit bis zur Rückreise vermutlich länger dauern würde, als mir lieb war.

Ich kam gerade aus dem Laden, die Tüten schwer, der Tag lang, als ich meinen Namen hörte.

„Amaya-chan!" So nannte mich nur einer.

Ich drehte mich um und sah Naruto, der wie ein Wirbelwind auf mich zustürmte. Zu meinem Erstaunen hatte er Gaara im Schlepptau, der gemütlich und würdevoll zu uns aufschloss.

„Na, Naruto. Was geht?" fragte ich grinsend.

„Kannst du dich noch an Gaara erinnern? Er ist für drei Tage hier, um mit Oma Tsunade zu reden!" Naruto wedelte mit den Händen in die Richtung Kazekage, als ob er eine Überraschung präsentieren würde.

Ich richtete meinen Blick auf Gaara und musste dabei lächeln. „Ich weiß. Sind eure Konferenzen schon vorbei?"

„Wir machen eine Pause", erklärte Gaara ruhig, „Naruto wollte unbedingt Nudeln essen. Willst du uns begleiten?"

„Ich muss eigentlich noch etwas erledigen", versuchte ich dem Angebot höflich auszuweichen, denn meine Schwester wartete auf mich.

„Du schuldest mir aber immer noch eine Suppe!", durchbrach sich Naruto meine klägliche Absage.

Ich seufzte amüsiert. „Das habe ich nicht vergessen. Ich habe jetzt nur diese großen Einkäufe, da kann ich ja schwer mitkommen." Ich hob leicht mein Beweismaterial an, nur um zu unterstreichen, dass es wirklich viel war.

,,Ausrede", erwischte mich Naruto und streckte mir die Hände entgegen. ,,Ich trage die für dich und dafür kommst du mit, echt jetzt."

Dieser Ninja, man kam nicht an ihm und seiner Freundlichkeit vorbei. Er besaß ein Talent dafür, mit allen befreundet zu sein und jeden so wie er war zu nehmen. Ich wusste, dass es wegen seiner Einsamkeit in der Kindheit war, dass er niemanden zurücklassen wollte und das war ihm auch gelungen, selbst bei mir.

Ich gab mich geschlagen und reichte ihm meine beiden Beutel. ,,Sei nur vorsichtig in dem einen sind Eier drin." Wie um mich zu ärgern tat er so als ob er diese Tasche fast fallen lassen würde, als ich ihm jene übergab. Ich boxte ihm gegen die Schulter. ,,Das ist nicht witzig."

Der Blonde grinste nur.

Wir liefen los, zu dritt, ich in der Mitte von beiden, als ob die Herren meine beiden Leibwächter wären. Gaara hatte bisher nichts weiter gesagt.

,,Wo gehen wir hin zum Nudeln essen?", fragte ich unauffällig.

,,Na wo wohl, zu Ichiraku, echt jetzt!"

Warum fragte ich überhaupt. Naruto war da Stammkunde.

Gaara räusperte sich. „Triffst du dich später noch mit Temari?"

„Nein. Erst morgen. Sie ist mit Shikamaru unterwegs."

,,Amaya-chan, du kennst Temari?", sprang Naruto dazwischen.

,,Rate mal wer die drei nach Konoha begleitet hat?"

Naruto sah mich jetzt doppelt schockiert an. Gaara schien sich ein schmunzeln zu verkneifen.

,,Das warst du? Ich dachte du machst immer nur diese Informationsmissionen. Gaara wusstest du dass Amaya mega gut in Windkontrolle ist, echt jetzt!" Mir war neu, dass er dass nennenswert fand.

,,Luftmanipulation wenn schon," korrigierte ich, so viel Zeit musste sein,  ,,und nein, wir wurden auf unsere Reise nicht angegriffen. Also es gab keinen Grund es anzuwenden."

,,Wie manipuliert du die Luft", hackte Gaara dazwischen, sichtlich interessiert an dem Thema.

Ich musste kurz nachdenken, wie ich das erkläre ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

,,Ich versetzte die Luft mit meinem Chakra und kann somit die Atome manipulieren."

,,Also so ähnlich wie ich das mit dem Sand mache. Dann wirst du auch sehr viel Chakra besitzen."

Da hatte er recht. Luft mit seinem eigenen Chakra zu nutzen verbrauchte viel davon, und um so mehr ich damit versetzte um so schneller kam ich an meine Grenzen.

„Genau deswegen setze ich es auch nur sparsam..."

Ich kam nicht dazu, den Satz zu beenden.

Narutos Fuß verfing sich in einer nach oben stehenden Bodenplatte des Gehwegs, und im nächsten Moment schoss er vornüber, die Einkaufstaschen,  meine Einkaufstaschen, verließen seine Hände.

„Naruto!", schrie ich. Bevor ich auch nur reagieren konnte, schoss Gaaras Sand nach vorn, wickelte sich in schnellen, präzisen Bewegungen um Narutos Oberkörper und Arme, fast wie Tentakeln, die sich um ihn schlangen und fing ihn sanft ab, noch bevor sein Gesicht den Boden berührte. Gleichzeitig umschloss eine zweite Sandwelle die Taschen, hielt sie in der Schwebe, bevor sie umkippen konnten.

Naruto hing für einen Moment schräg in der Luft, die Beine noch immer leicht in Bewegung, als würde er weiterlaufen wollen, während der Sand ihn langsam wieder aufrichtete und behutsam auf die Füße stellte.

„Whoa." Er blinzelte, offensichtlich noch nicht ganz begreifend, was gerade passiert war. „Das war knapp."

„Alles in Ordnung?" fragte ich, spürte, wie mein Herz noch immer schneller schlug als gewöhnlich.

„Ja, ja, alles gut!" Er grinste, als wäre nichts passiert, klopfte sich imaginären Staub von den Schultern. „Gaara, das war mega!"

Ich wandte mich zu Gaara, der die Taschen noch immer sanft mit seinem Sand fest hielt.

„Danke", sagte ich, wirklich erleichtert.

„Kein Problem." Er hatte die Hände vor der Brust verschränkt und blickte konzentriert auf meine Taschen.

Ich zog beide vorsichtig von Gaaras Sand runter, bevor Naruto sie wieder ergreifen konnte. „Ich glaube, ich trage die jetzt lieber selbst."

„Hey, ich hab doch nichts kaputt gemacht!" Ihm gefiel meine Entscheidung ganz und gar nicht und mir war es egal. Lieber ganze Eier, als Naruto meine Einkauf wieder tragen zu lassen.

„Noch nicht", sagte ich trocken. „Aber nach dieser Vorstellung riskiere ich das nicht noch mal. Die Eier haben schon genug überlebt für heute."

Naruto protestierte, doch ich ließ mich nicht erweichen, hielt die Taschen fest umklammert, während wir weiter Richtung Ichiraku liefen, Gaara mit einem kleinen, kaum sichtbaren Lächeln neben mir.

Wir erreichten den Ramenladen und setzten uns in der gleichen Reihenfolge auf die Barhocker. Ich in der Mitte, Naruto zu meiner Linken, bereits eifrig die Speisekarte studierend, obwohl er sie vermutlich auswendig kannte, und Gaara zu meiner Rechten, ruhig, aber aufmerksam.

„Hey Ayame-sama!" rief Naruto sofort in Richtung Theke. „Einmal die große Portion, mit extra Ei!"

Die junge Frau hinter dem Tresen lachte, während sie bereits die Zutaten vorbereitete. „Immer dasselbe, Naruto."

„Weil es immer perfekt ist!"

Ich blätterte langsamer durch die Karte, während ich spürte, wie sich Gaara neben mir leicht entspannte, sein Blick über den kleinen, gemütlichen Laden wandernd. Die dampfenden Töpfe, die abgenutzten Holzbänke, das warme Licht, das durch die Stoffbahnen am Eingang fiel.

„Was nimmst du?" fragte ich ihn.

„Ich weiß nicht recht. Ich war noch nie hier."

„Was?!" Naruto fuhr herum, als hätte Gaara gerade eine Beleidigung ausgesprochen. „Du warst noch nie bei Ichiraku? Bei deinen ganzen Besuchen hier?"

„Ich hatte meistens wenig Zeit zwischen den Konferenzen."

,,Das ist ja fast eine Straftat, echt jetzt!" Naruto wackelte mit den Stäbchen, essbereit in der Luft rum. „Nimm das Gleiche wie ich, Gaara. Vertrau mir einfach."

Gaara sah kurz zu mir, als würde er nach einer zweiten Meinung suchen. Ich nickte nur, ein Grinsen im Gesicht. „Er hat in diesem einen Punkt recht. Das hier ist wirklich gut."

„Na gut", sagte Gaara zur Verkäuferin. „Dasselbe wie er, bitte."

Naruto strahlte, als hätte er gerade einen persönlichen Sieg errungen, und ich musste über die beiden lächeln, wie unterschiedlich sie waren, und wie mühelos Naruto es trotzdem schaffte, jeden in seine Nähe zu ziehen, selbst jemanden so zurückhaltenden wie Gaara.

Ich selbst bestellte mir die Ramen mit extra Pak Choi.

„Wie laufen die Besprechungen mit Madam Tsunade?", fragte ich, während ich mir Sojasoße über die Ramen goss.

„Zäh", gab Gaara zu. „Grenzfragen, Handelsrouten, ein paar Sicherheitsabsprachen. Nichts, was schnell geklärt wäre."

„Klingt langweilig", murmelte Naruto mit vollem Mund.

„Das ist es meistens auch." Ein kleines Schmunzeln huschte über Gaaras Gesicht. „Aber jemand muss es tun."

„Wart nur, bis ich Hokage bin", verkündete Naruto, den Löffel in der Luft schwenkend. „Dann sitzen wir beide da drin, du und ich, und machen das viel cooler. Weniger Papierkram, mehr echte Entscheidungen."

„Das bezweifle ich", sagte ich trocken, „aber ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich dabei zusehen darf, wie ihr beide versucht, eine Konferenz in einer halben Stunde durchzuziehen."

Naruto grinste breit, ließ sich von meinem Spott nicht beirren.

„Und wie war dein Tag?" fragte Gaara, sein Blick auf mich gerichtet, während er vorsichtig seinen ersten Bissen probierte.

„Ruhig, bis jetzt. Ich habe die drei Tage frei, bevor wir wieder zurück nach Suna müssen." Ich rührte in meiner Schale, dachte an Luna, die sich sicher wunderte wo ich blieb. „Meine nächste Mission steht erst danach an."

„Drei Tage frei?" Naruto setzte sich kerzengerade hin, seine Augen weiteten sich. „Und du begleitest die beiden nach Suna? Das ist unfair! Ich will auch mal auf so eine Reise mitgenommen werden, echt jetzt!"

„Das darfst du auch", sagte ich, ein Grinsen im Gesicht. „Sobald du Jōnin bist. Solche Aufträge kriegt man nicht als Genin, weißt du."

„Ich bin doch quasi schon Jōnin-Niveau!"

„Quasi", wiederholte ich, „ist nicht dasselbe wie tatsächlich."

Naruto schmollte, aber nur für einen Moment, bevor er sich wieder seinen Ramen zuwandte, offensichtlich schon dabei, seinen nächsten großen Plan zu schmieden, wie er das beweisen würde.

Oder eher um Tsunade ein Ohr abzukauen für die eine bessere Mission.

Als die letzten Reste der Ramen verschwunden waren, lehnte sich Naruto zufrieden zurück, klopfte sich auf den Bauch.

„Das war mal wieder super mega lecker, echt jetzt."

Es war schön zu sehen, das man Naruto mit guten Essen so glücklich machen konnte. Ich wandte den Blick über die Theke zu den beiden Restaurantbesitzern.

„Ayame-sama, ich würde gern für uns drei bezahlen“, sagte ich und griff nach meinem Geldbeutel.

Gaara kam mir zuvor. „Ich übernehme das.“

„Das musst du nicht.“

„Ich weiß.“ Er wandte sich bereits an Ayame. „Die Rechnung, bitte.“

Ich ließ meinen Geldbeutel wieder sinken. Es wäre albern gewesen, deswegen zu diskutieren.

Trotzdem fragte ich mich, warum sich diese kleine Geste so ungewohnt anfühlte. Vielleicht wollte er einfach Naruto einladen. Schließlich waren die beiden Freunde.

Ich beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken.

Ich stand auf, griff nach meinen Einkaufstaschen. „Ich sollte langsam los. Die Sachen halten sich nicht ewig frisch, besonders bei der Hitze."

„Schon?" Naruto zog eine Grimasse. „Wir haben uns doch gerade erst gesehen."

„Du siehst mich noch oft genug, Naruto." Ich streckte mich.

„Ich sollte auch wieder zurück gehen", sagte Gaara und erhob sich ebenfalls.

„Ich bring dich hin!" Naruto sprang sofort auf.

Wir traten gemeinsam aus dem Laden, die Nachmittagssonne noch immer warm über den Dächern Konohas. An der Kreuzung, wo sich unsere Wege trennten, blieben wir kurz stehen.

„Bis später, Amaya-chan!" Naruto winkte übertrieben, bevor er sich schon in Richtung Kageturm in Bewegung setzte, ungeduldig wie immer.

Gaara zögerte einen Moment länger, sah mich an. „Danke fürs Mitkommen."

„Danke, dass du meine Eier gerettet hast", sagte ich trocken, und ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Bis in ein paar Tagen?"

„Wir sehen uns."

Ich sah den beiden nach, wie sie die Straße hinaufgingen. Naruto redend und gestikulierend, Gaara ruhig neben ihm, ab und zu mit einem kurzen Nicken antwortend, bevor ich mich selbst auf den Weg machte, die Taschen fest in beiden Händen, während die Straßen Konohas um mich herum ihrem gewohnten, geschäftigen Rhythmus folgten.

Am Abend, kurz vor der geplanten Abreise zurück nach Suna, wurde ich zum Hokage gerufen.

Ich klopfte an.

„Herein!" brüllte Tsunade, wie immer temperamentvoll. Ändern würde sie dieses Verhalten wohl nie.

„Ah, da bist du ja." Sie klang genervt, was bei ihr allerdings normal war. „Wie du weißt, hatte ich Konferenzen mit dem Kazekage. Er hat mir die Lage in Suna geschildert und um Unterstützung gebeten. Konkret fehlen ihm qualifizierte Lehrkräfte."

Sie griff nach einem Dokument. „Ich habe eine vorgeschlagen. Dich."

Ich zog eine Augenbraue hoch. „Warum mich?"

„Weil du qualifiziert bist, junge Shinobi auszubilden."

„Sind Sie sich sicher? Wäre ein erfahrener Jōnin nicht besser geeignet?"

„Das würde ich tun, wenn ich nicht jeden einzelnen hier brauchen würde." Tsunades Nasenflügel bebten leicht. Typisch.

Opferte sie mich gerade oder war das einer dieser Pläne, die erst im Nachhinein Sinn ergaben?

Ich verschränkte die Arme. „Wie lange würde ich in Suna bleiben?"

„Bis genug Jōnin ausgebildet wurden. Etwa ein Jahr."

Ein Jahr?!

Ein Jahr in einer fremden Stadt.

Ein Jahr weg von allem, was ich mir hier aufgebaut hatte.

In Konoha fiel ich nicht auf. Niemand stellte Fragen, und ich konnte mich darauf verlassen, dass meine Geheimnisse hier sicher blieben. Auch meine Drachen.

Wenn das der Weg ist, den ich gehen soll, Meian, dann werde ich ihn gehen.

Ich dachte über die Vorteile nach. Temari würde sich freuen, mich wiederzusehen. Ich mochte Suna, und die Aufgabe war sinnvoll. Die jungen Shinobi brauchten eine gute Ausbildung, und ich wusste, dass ich ihnen etwas beibringen konnte.

Eigentlich gab es genug Gründe, die für die Mission sprachen.

Dann tauchte ein weiterer Gedanke auf.

Und Gaara war dort.

Ich hielt kurz inne.

Es war seltsam, dass mir ausgerechnet er als Erstes einfiel, wenn ich an mein Leben in Suna dachte. Ich kannte den Mann kaum. Eine gemeinsame Reise, ein paar Abende. Dass sein Gesicht überhaupt in meiner Überlegung auftauchte, ärgerte mich mehr.

Ich schob den Gedanken beiseite, so resolut ich konnte, und konzentrierte mich wieder auf das, was wirklich zählte: die Mission, die Verantwortung, die Kinder, die ich ausbilden sollte.

Tsunade musterte mich. „Ich sehe deine Bedenken, Amaya. Und sie sind verständlich."

Sie lehnte sich zurück. „Ich habe dich nicht vorgeschlagen, um dich loszuwerden. Du bist kompetent und du verstehst dich bereits mit dem engsten Umfeld des Kazekage. Das erleichtert dir den Start."

Verdammt.

Sie konnte wirklich überzeugend sein, wenn sie wollte.

„Okay… ich mache es."

Ein zufriedenes Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Gut. Morgen begleitest du den Kazekage zurück. Dein Gepäck schicke ich später mit der Post. Viel Erfolg beim Packen."

Ich verneigte mich leicht und verließ ihr Büro mit gemischten Gefühlen.

Ein Jahr in Suna.

Ein Jahr an Gaaras Seite.

Ein Jahr… mit einer Zukunft, die ich nicht vorhersehen konnte.

Mürrisch verließ ich den Kageturm. Warum war immer ich diejenige, die hin und her geschoben wurde? Andererseits … wenn ich in Suna lebte, würden mir zumindest die ständigen Auswärtsmissionen erspart bleiben. Mehr Routine. Mehr Sonne. Und viel mehr Wärme, im wahrsten Sinne des Wortes.

Zu Hause angekommen blieb ich erst einmal mitten im Raum stehen. Was musste ich überhaupt mitnehmen? Was wollte ich mitnehmen? Am Ende stopfte ich doch alles, was mir wichtig erschien, in meinen Rucksack: ein paar Anziehsachen, meinen Zeichenblock, die nötigste Ausrüstung. Den Rest, welcher mir mit der Post nachgeschickt werden soll, musste ich in einen Koffer packen und morgen früh an der Lieferstelle abgeben, bevor wir aufbrachen.

Ich seufzte schwer.

Konoha würde mir fehlen. Vielleicht mehr, als ich mir eingestehen wollte. Die vertrauten Straßen, die bekannten Gesichter und das Gefühl, mich nicht erklären zu müssen.

Doch Suna hatte ebenfalls seinen eigenen Charme. Die Weite der Wüste, die wechselnden Windströmungen und diese besondere Stille, die ich während unserer Reise kennengelernt hatte.

Außerdem würde ich nicht völlig allein sein. Temari und Kankurō kannte ich inzwischen gut genug, um mich auf ihre Gesellschaft zu freuen.

Und Gaara?

Ich hielt kurz inne, den letzten Gegenstand noch in der Hand.

Ich kannte ihn kaum. Wir hatten eine gemeinsame Reise hinter uns und ein paar Gespräche geführt. Trotzdem fragte ich mich, wie es sein würde, ihm nicht nur auf einer Mission zu begegnen, sondern ihm im Alltag immer wieder über den Weg zu laufen.

Der Gedanke, mit ihnen gemeinsam dorthin zurückzukehren, war seltsam. Nicht unangenehm, aber auch nicht das, was ich erwartet hätte.

Ich legte den Gegenstand in meinen Rucksack und zog den Verschluss zu.

Ein Jahr in Suna. Das würde ich schaffen.

Alles Weitere würde sich zeigen.