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Sunas Schüler (Amayas Sicht)

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Sunas Schüler (Amayas Sicht)

Ich erwachte in Weiß.

Die Wände, die Möbel, der Vorhang und selbst die dünne Decke über mir schienen dieselbe Farbe zu haben. Nur die Abendsonne, die durch das Fenster fiel, tauchte den Raum in ein sanftes, goldenes Licht.

Für einen Moment wusste ich nicht, wo ich war. Dann kehrten die Erinnerungen zurück. Der Kampf. Das Gift. Luna … und Gaara.

Mein Körper fühlte sich gleichzeitig schwer und seltsam leicht an, als müsste ich mich erst wieder daran gewöhnen, dass er mir gehorchte.

Als ich mich aufrichtete, bemerkte ich die Infusion an meinem Handrücken. Mit einem geübten Griff zog ich die Nadel heraus und legte sie beiseite. Anschließend streckte ich mich vorsichtig. Meine Gelenke knackten, und ich verzog kurz das Gesicht.

Es tat gut, meinen Körper wieder ohne die Wirkung von Adrenalin zu spüren.

Genau in diesem Moment öffnete sich die Tür. Eine Pflegekraft trat ein und blieb abrupt stehen, als sie mich aufrecht im Bett sitzen sah.

„Sie sind wach! Einen Moment, ich hole den Arzt!“

Bevor ich etwas erwidern konnte, war sie bereits wieder verschwunden.

Die anschließende Untersuchung dauerte nicht lange. Das Gift war vollständig abgebaut, lediglich minimale Nachwirkungen waren noch festzustellen. Der Arzt wirkte beeindruckt von meiner schnellen Erholung. Ich selbst war weniger überrascht. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass mein Körper sich schneller erholte, als andere es erwartet hätten.

Nachdem ich entlassen worden war, machte ich mich auf den Weg zum Kazekage.

Ich musste Gaara schließlich noch erklären, warum ich künftig in Suna bleiben würde. Tsunade hatte mich nicht nur mit der Begleitung der Delegation beauftragt. Ich sollte hier als Lehrkraft arbeiten und die Ausbildung der jungen Shinobi unterstützen.

Ich klopfte an seine Bürotür.

„Herein!“

Gaara saß mit Temari am Schreibtisch. Beide waren über mehrere Dokumente gebeugt, doch als ich eintrat, hoben sie die Köpfe. Ihre Gesichter hellten sich merklich auf.

Mit dieser Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Für einen kurzen Moment wusste ich nicht recht, was ich damit anfangen sollte.

„Schön, dass du wieder wach bist, Amaya", sagte Gaara. „Wie geht es dir?"

„Sehr gut, wenn man bedenkt, was passiert ist.“

Ich verbeugte mich leicht. Tatsächlich fühlte ich mich stabiler, als ich erwartet hatte. Die Müdigkeit war noch da, aber ansonsten schien mein Körper sich vollständig erholt zu haben.

Ich reichte Gaara Tsunades Schreiben zusammen mit meinen Missionsunterlagen. Er nahm sie entgegen und begann, sie aufmerksam zu lesen.

Diese Ernsthaftigkeit gefiel mir. Sein Blick blieb ruhig und konzentriert. Er überflog die Dokumente nicht einfach, sondern nahm sich die Zeit, ihren Inhalt wirklich zu erfassen. Dabei wirkte er weder ungeduldig noch wertend.

Schließlich sah er wieder auf.

„Du bist also die neue Lehrkraft."

Ich nickte.

„Das hätte ich nicht erwartet. Ich wusste, dass Tsunade gute Jonin hat, aber dich herzugeben…" Ein feines Lächeln erschien auf seine Lippen. „Es freut mich, dass du es bist."

Ich spürte, wie mir die Wärme in die Wangen stieg. Großartig.

Reiß dich zusammen, Amaya. Du bist Vertretungs-Jōnin auf Zeit. In einem Jahr bist du wieder weg.

Der Gedanke half. Zumindest ein wenig.

Gaara schien meine Verlegenheit nicht zu bemerken. Er wandte sich einem Schrank zu, zog einen Aktenstapel heraus und legte ihn vor mir auf den Tisch.

„Hier findest du die Unterlagen zur Genin-Ausbildung und die Akten deiner Schüler. Ich habe dir ein Team aus fünf Shinobi zusammengestellt. Wenn du möchtest, kannst du sie morgen schon kennenlernen.“

„Das mache ich.“

Er reichte mir zusätzlich einen Stadtplan, den ich dankend entgegennahm.

„Gut“, sagte Temari und erhob sich. „Dann übernehme ich jetzt. Komm, ich zeige dir alles.“

Ich verabschiedete mich von Gaara und folgte ihr aus dem Büro.

Temari führte mich durch die Gänge des Verwaltungsgebäudes und anschließend in ein kleineres Nebengebäude. Hier schien es deutlich ruhiger zuzugehen als im Hauptgebäude.

Vor einer Tür blieb sie stehen.

„Du wirst hier wohnen“, erklärte sie. „Gaara wollte, dass du in der Nähe bist.“

Ich sah sie an.

„In der Nähe?“

„Ja.“ Sie zuckte mit den Schultern, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Dann öffnete sie die Tür und drückte mir den Schlüssel in die Hand. „Hier ist deine Wohnung. Ich wohne gleich nebenan. Wenn irgendetwas ist, egal was, klopf einfach.“

„Danke, Temari.“

Sie lächelte, verabschiedete sich und machte sich auf den Rückweg. Vermutlich wartete noch genug Arbeit auf sie und Gaara.

Ich blieb einen Moment vor der offenen Tür stehen.

Gaara wollte, dass du in der Nähe bist.

Warum fühlte sich dieser Satz so merkwürdig an?

Ich schob den Gedanken beiseite und betrat die Wohnung.

Alles war neu, aber nicht fremd. Der Grundriss erinnerte mich an meine alte Wohnung in Konoha, auch wenn die kleine Teeküche hier in den Wohnbereich integriert war. Die Einrichtung war schlicht, praktisch und vollkommen ausreichend für eine Person.

Ob Gaara wohl ähnlich wohnte? Oder hatte er als Kazekage ein ganzes Haus für sich, so wie ich meines in der Drachenwelt?

Ich schüttelte den Kopf.

Seit wann interessierte mich eigentlich, wie Gaara wohnte?

Es war eine belanglose Frage. Wahrscheinlich würde ich es früher oder später ohnehin erfahren. Ich hatte schließlich vor, mindestens ein Jahr in Suna zu bleiben.

Ich stellte meinen Rucksack im Schlafzimmer ab und ließ den Aktenstapel auf das Bett fallen.

Nach einer Dusche würde ich die Unterlagen durchgehen. Doch die Zusammenfassung der Schüler wollte ich bewusst nicht lesen. Es war unfair, ihre Fähigkeiten zu kennen, während sie meine nicht kannten.

In einem echten Kampf wusste man schließlich auch nicht, wozu der Gegner fähig war. Man musste es herausfinden, während man sich ihm stellte.

Für den Anfang würde ich mir lediglich ihre Namen einprägen.

Fünf Schüler.

Fünf junge Shinobi, die von mir lernen sollten.

Ich setzte mich auf die Bettkante und betrachtete den Aktenstapel.

Bislang hatte ich Missionen ausgeführt, Gefahren eingeschätzt und Entscheidungen getroffen, von denen manchmal mehr als mein eigenes Leben abhing. Doch jemanden auszubilden, bedeutete etwas anderes. Ich sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern ihnen helfen, eigene Entscheidungen zu treffen. Ich musste erkennen, worin sie gut waren, wo sie Unterstützung brauchten und wann ich ihnen zutrauen konnte, allein zurechtzukommen.

Ich wusste, wie viel davon abhing, wer einen ausbildete. Ich hatte selbst gute Lehrer gehabt. Menschen, die mir etwas beigebracht hatten, das weit über Techniken und Taktik hinausging.

Nun lag es an mir, dieses Wissen weiterzugeben.

Mir wurde ein wenig flau.

Nicht aus Angst.

Sondern wegen der Verantwortung.

Ich atmete tief durch, stand auf und ging ins Badezimmer.

Morgen würde ich meine Schüler kennenlernen. Und dann würde sich zeigen, ob ich der Aufgabe wirklich gewachsen war.

Am nächsten Morgen

Nach einem Frühstück mit Temari machte ich mich auf den Weg zur Akademie. Die Morgensonne stand noch flach über den Dächern, tauchte die sandfarbenen Häuser in ein zartes Rosa, und die Luft trug noch die Kühle der Nacht in sich, bevor die Hitze des Tages sie verschlucken würde.

Die Tür des Klassenraumes stand halb offen, und schon von weitem hatte ich das Stimmengewirr der jungen Ninjas vernommen.

Na wunderbar. Eine Horde Genin am frühen Morgen, mit mehr Energie als ein Drache.

Ich stieß die Tür schwungvoll auf und fing im selben Moment den Tafelschwamm ab, der mir direkt auf den Kopf fallen sollte.

Für einen kurzen Augenblick herrschte Stille.

„Verdammt", fluchte ein Junge mit schwarzen Haaren und hellblauen Streifen im Gesicht.

„Ich hab dir doch gesagt, dass das nicht funktioniert!“, fauchte das rothaarige Mädchen neben ihm. Dann wandte sie sich zu mir und setzte ein übertrieben höfliches Lächeln auf. „Ich bitte vielmals um Entschuldigung, Sensei.“

„Hinaka! Tu nicht so unschuldig! Wer hatte denn die Idee mit dem Streich?“, mischte sich ein schwarzhaariges Mädchen ein, das ebenfalls hellblaue Streifen im Gesicht trug.

„Na, Roku“, murmelte Hinaka.

Das reichte offenbar, um den nächsten Streit auszulösen. Die beiden Mädchen fuhren einander an, während der Junge namens Roku versuchte, sich aus der Sache herauszureden.

Ich betrachtete das Schauspiel schweigend.

Der Braunhaarige am Fenster schien sich nicht im Geringsten dafür zu interessieren. Neben ihm saß ein weißhaariges Mädchen, das ebenfalls unbeteiligt aus dem Fenster blickte, als hätte sie mit dem Rest des Raumes nichts zu tun.

Ich atmete langsam aus.

Das konnte ja heiter werden.

Fünf Kinder, fünf unterschiedliche Charaktere und offenbar nicht einmal genug Disziplin, um eine neue Lehrkraft ordentlich zu begrüßen. Und ich sollte aus ihnen ein funktionierendes Team machen.

Mein Vater hatte es mit nur einer Schülerin geschafft.

Vielleicht war das tatsächlich der einfachere Weg gewesen.

Ich pfiff scharf.

Der Ton durchschnitt das Stimmengewirr wie ein Kunai die Luft. Die beiden Mädchen verstummten mitten im Satz, Roku richtete sich auf, und selbst die beiden Unbeteiligten wandten mir nun ihre Aufmerksamkeit zu.

Gut. Wenigstens hörten sie, wenn man deutlich genug wurde.

Ich legte den Schwamm auf das Lehrerpult und ließ meinen Blick über die fünf Gesichter wandern.

„Wisst ihr, was mein erster Eindruck von euch ist?“

Niemand antwortete.

„Eine respektlose Kindergartengruppe, die offenbar keine Ahnung hat, warum sie überhaupt hier ist.“

Hinaka stemmte die Hände in die Hüften.

„Natürlich wissen wir das! Wir sind hier, um Ninjas zu werden!“

Ich sah sie einen Moment lang an.

„Und genau dieser Satz beweist, dass du es nicht weißt.“

---

Wir wechselten auf einen weitläufigen Trainingsplatz, dessen staubiger Boden von hohen, verwitterten Mauern umgeben war. Die Mittagssonne hatte die Mauern noch nicht vollständig erreicht, sodass sich entlang ihres Fußes schmale Schattenstreifen hielten.

Meine fünf Schüler saßen mir gegenüber auf massiven Baumstämmen, die tief in die Erde gerammt worden waren. Einige wirkten neugierig, andere eher gelangweilt. Hinaka schien bereits darauf zu warten, mir zu widersprechen.

Na, das konnte ja heiter werden.

„Also gut“, begann ich. „Stellt euch vor.“

Rika runzelte die Stirn. „Wie sollen wir uns denn vorstellen?“

„Mit eurem Namen, euren Hobbys und euren Zukunftswünschen. Erzählt, was euch wichtig ist.“

„Warum stellen Sie sich nicht zuerst vor?“, fragte Roku.

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich bin Amaya Doragon. Mein einziges Hobby ist Zeichnen. Und über meine Zukunft habe ich bisher noch nie nachgedacht.“

Die fünf starrten mich an.

Ja, willkommen in der Realität.

„Jetzt seid ihr dran.“

Rika begann. „Ich heiße Rika Mahomi. Meine Hobbys sind … Eis essen und Reisbällchen mag ich auch. Später will ich Jōnin werden.“

„Ich bin Roku Mahomi“, stellte sich der Junge neben ihr vor. Die beiden waren Zwillinge. „Ich messe mich gern mit anderen in Wettkämpfen. Und später will ich den Rekord für die meisten abgeschlossenen S-Rang-Missionen brechen.“

Sein Ehrgeiz war offensichtlich. Ob er auch verstand, was es bedeutete, solche Missionen zu übernehmen, würde sich noch zeigen.

Als Nächstes meldete sich Hinaka.

„Also, ich bin Hinaka Rin. Ich mag Jungs und meine Zukunft ist …“

Sie warf einen verstohlenen Blick zu Tako, dem Braunhaarigen, und wurde leicht rot.

Ich unterdrückte ein Seufzen.

Na wunderbar. Wenigstens schien sie sich schon Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Nur lagen ihre Prioritäten offenbar etwas anders, als ich es mir für eine angehende Shinobi gewünscht hätte.

„Yuki Kashima“, stellte sich das weißhaarige Mädchen vor. „Ich lese gern und möchte später die ganze Ninjawelt bereisen.“

Das war ein schöner Traum. Und einer, für den man vermutlich mehr Durchhaltevermögen brauchte, als Yuki bisher ahnte.

Damit blieb nur noch der Braunhaarige.

„Tako Tanaki“, sagte er knapp. „Es gibt nicht viel, das ich mag. Ich habe keinen Zukunftstraum, sondern einen Plan. Ich werde meinen Vater finden und mich an ihm rächen.“

Ich blinzelte. Das waren Kinder. Und doch trugen manche von ihnen bereits Dinge mit sich herum, die schwer genug waren, um einen Erwachsenen daran zu zerbrechen.

Ich ließ mir nichts anmerken und unterdrückte ein Seufzen.

Diese fünf würden mir einiges abverlangen.

„Wie ihr sicher selbst bemerkt habt, habt ihr unterschiedliche Vorstellungen davon, was ihr erreichen wollt.“ Ich stand auf. „Deshalb machen wir für heute Schluss.“

„Aber wollen Sie uns denn nichts beibringen?“, fragte Roku.

„Morgen beginnen wir mit einer Mission.“

Hinaka richtete sich begeistert auf. „Cool! Was für eine Mission?“

„Eine Art Überlebenstraining.“

Rika verzog das Gesicht. „Und ich dachte, es wäre eine richtige Mission.“

„Warum denn nicht?“, beschwerte sich Hinaka. „Wir haben auf der Akademie schon so viel trainiert!“

„Weil ihr zu fünft seid und ich nur drei von euch auswählen werde, die weiterkommen. Die anderen beiden müssen zurück an die Akademie.“

Für einen Moment war es vollkommen still.

Fünf Paar Augen starrten mich an.

Dann brach der Protest los.

„Wie unfair ist das denn?“, rief Roku. „Wozu haben wir dann überhaupt die Prüfung gemacht?“

„Damit wurde geprüft, ob ihr grundsätzlich das Zeug dazu habt, Genin zu werden.“ Ich verschränkte die Arme. „Das bedeutet nicht, dass ihr automatisch für jedes Team geeignet seid.“

„Aber wir haben doch bestanden!“, warf Hinaka ein.

„Und jetzt müsst ihr beweisen, dass ihr auch als Team funktionieren könnt.“

Ein kollektives Stöhnen ging durch die Gruppe.

Ich zuckte mit den Schultern. „So ist es nun einmal. Ich entscheide, ob ihr besteht oder durchfallt. Wir treffen uns morgen bei Sonnenaufgang hier. Vergesst eure Ninjaausrüstung nicht. Und frühstückt nicht zu viel. Ihr wollt schließlich nicht alles wieder hochbringen.“

Bevor einer von ihnen erneut protestieren konnte, sprang ich mit einem Satz von meinem Baumstamm.

„Bis morgen.“

Mit den Händen in den Hosentaschen schlenderte ich davon.

Ich hatte das ungute Gefühl, dass ich diese Entscheidung noch bereuen würde.

---

Am nächsten Morgen saß ich auf der hohen Mauer, die das Trainingsfeld umgab. Hinter mir ging die Sonne langsam auf und tauchte den Sand in ein blasses, kühles Gold. Mit jeder Minute würde die Farbe kräftiger werden, bis die Hitze des Tages den Platz beherrschte.

Unten warteten meine fünf Schüler.

Erstaunlicherweise waren sie pünktlich.

Ich betrachtete sie von oben. Ihre Gesichter erinnerten mich an meine eigene Geninzeit mit Naruto. An seine unerschütterliche Begeisterung, seine endlosen Diskussionen und die Schwierigkeiten, die er sich regelmäßig selbst einhandelte.

Ein kaum merkliches Lächeln huschte über meine Lippen.

Dann sprang ich von der Mauer und landete lautlos vor meinen Schülern.

„Sie sind zu spät“, stellte Tako fest.

Ich sah ihn an.

„Guten Morgen, meine Schüler.“

Alle schwiegen und sahen mich misstrauen an. Das sie mich gerade nicht leiden konnten war mir bewusst. Aus ihrer Sicht stand ich ihrer Ninja-Karriere im Weg, was mich zu ihrem persönlichen Feind machte. Sie würden es nachher verstehen, so hoffte ich.

„Dann fangen wir an.“ Ich klatschte in die Hände und deutete auf den höchsten Baumstamm in der Mitte des Trainingsplatzes. „Bis Mittag müsst ihr es schaffen, diesen Stamm zu erobern. Nur drei von euch passen hinauf, und ich werde ihn bewachen. Wenn ihr es nicht schafft, gibt es kein Mittagessen.“

Entsetzen, Empörung und Zweifel machten sich auf den fünf Gesichtern breit.

„Ihr dürft alles benutzen“, fügte ich hinzu. „Auch Shuriken.“

Rika sah mich unsicher an. „Ist das nicht zu gefährlich?“

„Du traust dich ja nicht einmal, einen Schwamm zu werfen“, murmelte Hinaka.

Rika fuhr zu ihr herum, doch ich hob die Hand, bevor der nächste Streit beginnen konnte.

„Wenn ihr fertig seid, euch gegenseitig abzulenken, können wir anfangen.“

Ich drehte mich um, sprang auf die Anhöhe und sah zu ihnen hinunter.

„Macht euch bereit … LOS!“

Die fünf stoben auseinander und verschwanden zwischen den Baumstämmen.

Wenigstens hatten sie verstanden, dass ein Shinobi nicht mitten auf dem Trainingsplatz stehen bleiben sollte, wenn er einen Gegner überraschen wollte. Sie suchten Deckung, nutzten die Umgebung und hielten Abstand zueinander.

Nicht schlecht.

Nur Hinaka blieb auf einem der Pfähle stehen und grinste mich breit an.

Natürlich.

„Frau gegen Frau, Sensei!“

Ich rieb mir die Stirn.

Diese Kinder würden mich noch umbringen.

„Das ist das Dümmste, was ich heute gehört habe. Und wir haben noch nicht einmal Mittag.“

Hinaka ließ sich davon nicht beirren. Sie sprang vom Pfahl und stürmte auf mich zu, die Faust bereits zum Schlag erhoben.

Ich blockte ihren Angriff mühelos ab. Sie nutzte den Schwung, sprang auf einen benachbarten Stamm und setzte zu einem Tritt an.

Ich duckte mich, wich zur Seite aus und ließ sie ins Leere treten.

Als sie sich umdrehte, stand ich nicht mehr vor ihr, sondern hinter ihr.

„Erste Lektion: Achte immer darauf, wo sich dein Gegner befindet. Wenn du ihn aus den Augen verlierst, kann das dein letzter Fehler sein.“

Ich stieß sie mit einem kontrollierten Luftstoß vom Stamm. Hinaka flog mehrere Meter weit, landete unsanft im Sand und rollte sich ab, bevor sie wieder auf die Füße kam.

Sie schien unverletzt.

Gut.

Ich setzte mich wieder auf den höchsten Baumstamm und zog einen Apfel aus meiner Tasche.

So. Ich glaube, ich frühstückte jetzt erst einmal.

„Sie glauben wohl, dass Sie uns einfach besiegen können!“, rief Hinaka vom Boden aus. „Aber da liegen Sie falsch!“

Sie sprang erneut auf einen Pfahl.

Ich biss in meinen Apfel.

„Das werden wir sehen.“

Hinaka formte die Fingerzeichen für ein Jutsu, und plötzlich standen mehrere Doppelgänger neben ihr. Diesmal hatte sie offenbar etwas mehr nachgedacht. Sie griff mich gemeinsam mit ihren Doppelgänger von vorne an.

Ein besserer Einfall.

Bevor ich reagieren konnte, schlang sich ein Arm um meinen Oberkörper und hielt mich fest.

„Haben Sie nicht gesagt, dass man seinen Gegner immer im Blick behalten soll?“, fragte Hinaka triumphierend hinter mir.

Ihre Doppelgängerin holte zum Schlag aus und haute mit ihrer Faust in ihren eigenen Double. Ich hatte mich mit dem Tauschjutsu in Sicherheit gebracht.

Mit einem Knall löste sich die Schattenhinaka in einer Rauchwolke auf.

„Was?“

Die Doppelgängerin schlug ins Leere, während ich mich hinter einem der Stämme nicht weit weg versteckt hielt und das Geschehen beobachtete. Hinaka hatte sich zu sehr auf ihren vermeintlichen Erfolg verlassen und den Austausch gar nicht bemerkt.

„Das ist so fies von Ihnen, Amaya-Sensei!“, beschwerte sie sich.

Ich ließ ihr keine Zeit, sich einen neuen Plan auszudenken und, wickelte eine dünne Drahtschnur um ihre Beine. Mit einem gezielten Ruck brachte ich sie aus dem Gleichgewicht und band sie an einen benachbarten Stamm.

Hinaka zerrte an den Fesseln.

„Zweite Lektion: Überlege dir vorher, ob dein eigenes Jutsu gegen dich verwendet werden kann.“

„Ich hab's verstanden! Können Sie mich jetzt losbinden?“

Ich trat zu ihr und tippte ihr mit dem Finger gegen die Stirn.

„Hast du nicht.“

In diesem Moment pfiffen Shuriken durch die Luft.

Einer traf mich an der Schulter. Ich kippte zur Seite und fiel vom Stamm.

Hinaka riss erschrocken die Augen auf.

Doch bevor sie etwas sagen konnte, löste sich mein Körper in einer Rauchwolke auf.

„Ein Doppelgänger …“, murmelte sie verblüfft.

Ich lag noch immer flach auf dem ursprünglichen Baumstamm, außerhalb ihres Blickfeldes. Die Shuriken hatten meinen Doppelgänger getroffen, während ich die ganze Zeit beobachtet hatte, wie sich die anderen bewegten.

Ein Treffer. Endlich jemand, der nicht nur frontal angriff.

Zwischen den Pfählen entdeckte ich Tako, der sich geduckt von Stamm zu Stamm bewegte. Er hielt sich im Schatten, prüfte seine Umgebung und achtete darauf, nicht zu lange an derselben Stelle zu bleiben.

Ich lächelte leicht.

Mal sehen, ob er als Nächster versuchen würde, mich vom Stamm zu holen.