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Teamwork?!

Wenn Drachen Weinen — www.fanfiktion.de · All chapters

Teamwork?!

Die Sonne war bereits ein gutes Stück weitergewandert, als der Boden unter mir zu flimmern begann. Ein leichter Druck legte sich auf meine Schläfen, und plötzlich schien sich der gesamte Trainingsplatz mit Wasser zu füllen.

Ein Genjutsu also. Interessant.

Das Wasser stieg rasch und breitete sich über den Sand aus, bis es den Baumstamm erreichte, auf dem ich saß. Türkise und silberne Lichtreflexe tanzten auf der Oberfläche. Die Illusion war so überzeugend, dass selbst mein Verstand für einen kurzen Moment zweifelte.

Das war nicht schlecht. Meine Schüler versanken in der scheinbaren Flut, ihre Bewegungen wurden schwer erkennbar, ihre Stimmen klangen gedämpft, als läge tatsächlich eine Wasserschicht zwischen uns.

Ich blieb auf meiner kleinen „Insel“ sitzen und wartete.

Noch gab es keinen Grund, das Genjutsu aufzulösen. Stattdessen konzentrierte ich mein Chakra in die Luft und breitete meine Wahrnehmung über den Bereich um den Stamm aus. Eine dünne Schicht aus kontrollierter Luft legte ich knapp über die vermeintliche Wasseroberfläche. Sollte jemand versuchen, sich mir zu nähern, würde ich die Bewegung sofort bemerken.

Ein Schatten huschte hinter mir vorbei.

Tako. Du bist nicht halb so leise, wie du glaubst.

Er sprang aus dem Wasser, das Katana erhoben, und stürzte mit einem lauten Schrei auf mich zu.

Ich glitt seitlich vom Stamm. Seine Klinge krachte ins Holz. Mit einem gezielten Tritt beförderte ich ihn zurück in die Flut, doch noch während er fiel, bekam er meinen Knöchel zu fassen.

Ein kräftiger Ruck genügte.

Ich verlor das Gleichgewicht und wurde mit ihm ins Wasser gezogen.

Die Illusion fühlte sich erschreckend echt an. Kaltes Wasser schloss sich um meinen Körper, schwer genug, um meine Bewegungen zu bremsen. Ich sank nach unten und landete beinahe gleichzeitig mit Tako auf dem vermeintlichen Grund.

Sein Aufprall ließ das Genjutsu flackern.

Die Wasseroberfläche verzerrte sich, die Farben verschwammen, und im nächsten Augenblick war die Illusion verschwunden. Stattdessen lag ich auf dem staubigen Boden des Trainingsplatzes, direkt neben Tako.

Ich wollte gerade aufstehen, als sich ein Drahtseil um meinen Oberkörper schlang.

Es zog mich rückwärts zu einem der Baumstämme.

Eine Falle.

Ich hatte Tako falsch eingeschätzt. Er hatte offenbar nie vorgehabt, mich mit seinem Schwert direkt zu treffen. Der Angriff sollte mich lediglich dazu bringen, mich an eine bestimmte Stelle zu bewegen.

Nicht schlecht.

Noch während das Seil mich über den Boden zog, hatte ich ein Kunai gezogen. Mit einer kurzen Bewegung durchschnitt ich den Draht.

Genau in diesem Moment sprangen Tako und Yuki gleichzeitig auf den Hauptstamm.

Sie hatten offenbar denselben Zeitpunkt gewählt, und dabei nicht bedacht, dass sie sich gegenseitig im Weg sein könnten.

Ihre Schultern prallten zusammen. Beide verloren das Gleichgewicht und stürzten mit einem dumpfen Aufprall in den Sand.

Ich sprang zu ihnen.

„Ihr hättet zusammenarbeiten sollen“, bemerkte ich trocken.

Bevor sie wieder aufstehen konnten, legte ich die Hände auf den Boden und formte die Fingerzeichen für ein Erdjutsu. Aus der Erde schossen mehrere kräftige Ranken, die sich um ihre Beine wickelten und sie am Boden festhielten.

Es war eines der wenigen Erdjutsu, die ich beherrschte. Nicht besonders elegant, aber ausgesprochen nützlich, wenn man jemanden daran hindern wollte, wegzulaufen.

„Vielleicht findet ihr ja gemeinsam wieder heraus.“

Tako starrte mich missmutig an, während Yuki bereits an den Ranken zehrte.

Ich sprang zurück auf den höchsten Stamm.

Nur Rika und Roku waren noch übrig. Bis zum Ende der Prüfung blieb ihnen knapp eine halbe Stunde.

Ich hatte kaum Zeit, mich wieder hinzusetzen, da tauchten die ersten blauen Schmetterlinge vor mir auf.

Dann wurden es mehr.

Dutzende. Hunderte.

Ihre Flügel schimmerten in einem leuchtenden Blau, und in jedem einzelnen flackerte Chakra wie ein winziger Funke. Sie schwebten um den Stamm herum, sammelten sich über meinem Kopf und kreisten schließlich in einer immer enger werdenden Spirale.

Ich runzelte die Stirn.

Was war das für ein Jutsu?

Die Schmetterlinge waren wunderschön anzusehen. Gleichzeitig war ihre ungewöhnliche Chakra-Signatur alles andere als beruhigend.

Dann änderte der Schwarm plötzlich seine Richtung.

Alle stürzten gleichzeitig auf mich zu.

Ich streckte die Hand aus und drückte die Luft vor mir zusammen. Eine kugelförmige Druckwelle breitete sich vom Stamm aus und schleuderte die Schmetterlinge auseinander. Der Schwarm zerfiel, und die blauen Lichtpunkte wirbelten wie ein Regenschauer durch die Luft.

Genau darauf hatten sie gewartet.

Roku sprang hinter dem Schwarm hervor. Um seine Hände waren mit blauem Chakra umhüllt, die sich zu den Köpfen knurrender Löwen verdichtet hatten.

Er griff direkt an.

Ich riss die Arme hoch, um den Schlag abzufangen. Die Löwenköpfe bissen sich in meinen Arm und drückten mich rückwärts über den Stamm. Die Wucht des Angriffs überraschte mich. Ich fing mich gerade noch, brachte meine Beine zwischen uns und stieß Roku mit aller Kraft von mir weg.

Er flog zurück.

Ich rollte mich auf den Bauch und wollte mich aufrichten, als mich etwas Schweres zu Boden drückte.

Ein großer, blauer Chakra-Hund lag auf meinem Rücken und hielt mich mit seinem Gewicht fest.

Respekt, die beiden das war bisher der effektivste Angriff von allen.

„Und wie sollen wir sie jetzt da runterbekommen?“, fragte Rika, die vorsichtig neben Roku auf dem Stamm landete.

Ich hob den Kopf so weit, wie es unter dem Gewicht des Hundes möglich war.

Das war also ihr Plan. Erst den Schwarm, dann Roku und schließlich der Hund, um mich festzuhalten, während Rika sich um den Rest kümmerte.

Für einen Moment musste ich ihnen zugestehen, dass sie mehr zusammen gearbeitet hatten als die anderen.

Allerdings hatten sie einen entscheidenden Punkt übersehen.

Meine Stärke war die Luft.

Ich konnte sie ziehen, drücken und formen. Ich konnte sie verdichten, bis sie sich beinahe so hart wie Stahl anfühlte.

Und dafür musste ich nicht einmal aufstehen.

Ich sammelte die Luft über meinem Körper. Der Druck nahm zu, erst langsam, dann immer schneller. Der Chakra-Hund stemmte sich gegen mich, doch ich ließ ihm keine Zeit, seine Position zu festigen.

Mit einem einzigen Impuls entlud ich die aufgestaute Luft.

Ein kleiner Tornado brach hervor.

Der Hund löste sich auf, während Roku und Rika von der plötzlichen Windböe erfasst wurden. Beide verloren den Halt und wirbelten zusammen mit den letzten blauen Schmetterlingen durch die Luft, bevor sie unsanft im Sand landeten.

Einen Moment lang sagte niemand etwas.

Ihre Gesichter sprachen für sich.

Damit hatten sie nicht gerechnet.

Ich strich mir den Staub von der Kleidung und stellte mich auf meinen Stamm, als wäre nichts geschehen.

Ein Blick auf die Sonne verriet mir, dass es Zeit war, die Prüfung zu beenden.

„Schluss jetzt!“, rief ich. „Ich habe genug gesehen. Roku, Rika, befreit die anderen. Wir treffen uns vorne am Eingang.“

Diesmal widersprach niemand.

Ich sprang vom Stamm und ging zu der Stelle, an der ich unser Essen vorbereitet hatte. Als ich zurückkam, saßen die fünf nebeneinander an der Mauer. Ihre Kleidung war staubig und ihre Gesichter verrieten deutlich, was sie von diesem Vormittag hielten.

Erschöpft. Beleidigt. Und vermutlich hungrig.

Ich musste mich zusammenreißen, um nicht zu lächeln.

Sie hatten Fehler gemacht. Eine ganze Menge sogar. Aber sie hatten auch versucht, sich etwas einfallen zu lassen, ihre Fähigkeiten miteinander zu kombinieren und mich auf unterschiedliche Weise anzugreifen. Nicht jeder hatte aufgegeben, als der erste Versuch gescheitert war.

Das war immerhin ein Anfang.

Ich stellte das Essen vor ihnen ab und verschränkte die Arme.

„Zieht nicht so lange Gesichter. Eigentlich müsste ich die Enttäuschte sein.“

„Sind Sie ja auch“, murrte Yuki.

„Nein“, erwiderte ich ruhig. „Ich bin mehr als enttäuscht. Ich bin fassungslos. Glaubt ihr wirklich, ein Leben als Ninja wäre ein Spiel? Wisst ihr überhaupt, warum man euch in Teams einteilt?“

Hinaka schnaubte leise. „Woher sollen wir das wissen, Sensei? Wir haben die Einteilung schließlich nicht vorgenommen.“

Ich ignorierte ihren Tonfall.

„Weil ihr als Team funktionieren sollt. Ein einzelner Ninja kann stark sein, aber mehrere, die zusammenarbeiten, sind stärker. Und ihr seid Genin. Ihr gehört noch zu den Schwächsten in der Shinobi-Welt.“

Rika verschränkte die Arme. „Aber selbst wenn wir gemeinsam auf den Stamm gesprungen wären, hätten Sie uns doch trotzdem durchfallen lassen.“

„Es war ein Test!“, rief ich. „Ihr sollt euren Kopf benutzen. Regeln sind wichtig, keine Frage. Aber wenn ihr vor der Wahl steht, einen Kameraden zu retten oder blind einen Befehl zu befolgen, wofür entscheidet ihr euch?“

Niemand antwortete.

Ich ließ die Frage einen Moment im Raum stehen, bevor ich eine weitere stellte.

„Habt ihr euch jemals den großen Gedenkstein auf dem Friedhof angesehen?“

„Da … stehen Namen drauf“, antwortete Yuki leise.

„Die Namen von Shinobi, die im Krieg gefallen sind. Menschen, die Freunde und Geschwister verloren haben. Manche von ihnen waren kaum älter als ihr.“

Ich ließ den Blick über die fünf schweifen.

„Ihr kennt den Krieg nicht. Und das ist euer Glück.“

Die Stimmung veränderte sich. Die fünf verstummten. Zum ersten Mal an diesem Tag wirkten sie wirklich ernst.

Ich betrachtete ihre jungen Gesichter. Noch waren sie unversehrt, trugen keine Narben, die ihnen von Verlust und Kämpfen geblieben waren. Für einen Moment wünschte ich mir, ich könnte ihnen diese Unbeschwertheit bewahren. Wenigstens ein bisschen länger.

Mein Vater hatte mir früh beigebracht, was es bedeutete, jemanden zu verlieren. Ich wollte nicht, dass diese fünf dieselbe Lektion auf dieselbe harte Weise lernen mussten.

Doch ich wusste besser als die meisten, dass die Welt nicht danach fragte, ob man bereit war.

„Eigentlich müsste ich euch zurück an die Akademie schicken“, sagte ich schließlich.

Fünf erschrockene Gesichter wandten sich mir zu.

„Aber ich gebe euch eine letzte Chance.“

Die Anspannung wich ein wenig. Erleichterung machte sich auf ihren Gesichtern breit.

„Ihr dürft essen. Alle... außer Hinaka.“

„Was?! Warum ich?“ Hinaka starrte mich an, als hätte ich ihr gerade das Ende der Welt verkündet.

„Weil dein Angriff der sinnloseste von allen war. Und falls jemand etwas von seinem Essen ihr abgibt, fallt ihr alle durch. Verstanden?“

Fünf Köpfe nickten, manche überzeugter als andere. Ich wandte mich ab und verließ den Platz, aner nur so weit, damit sie glaubten, ich wäre nicht mehr da.

Es dauerte keine drei Sekunden, bis das Geflüster begann.

Yuki schob Hinaka ihr Reisbällchen hin.

„Wenn ich das nehme, fällst du durch“, flüsterte Hinaka.

„Dann iss es eben. Du kannst nicht mit leerem Magen kämpfen.“

Kurz darauf hielten auch die anderen ihr etwas zu essen hin.

„Beeil dich, bevor sie zurückkommt“, drängte Tako.

Hinaka zögerte noch einen Augenblick, dann nahm sie das Essen und biss hinein.

Das war mein Stichwort.

Mit einer dichten Rauchwolke erschien ich direkt vor ihnen.

Alle fünf zuckten zusammen.

„Ihr habt die Regel gebrochen“, stellte ich streng fest. „Habt ihr noch etwas zu eurer Verteidigung zu sagen?“

Tako hob den Kopf. „Sie haben gesagt, wir sollen als Team handeln.“

„Wir wollten, dass Hinaka genug Kraft hat, um zu kämpfen“, ergänzte Yuki.

„Im Team hilft man sich gegenseitig“, sagte Roku.

Rika und Hinaka nickten so heftig, dass ich mich fragte, ob ihnen dabei nicht schwindelig wurde.

„Das ist also eure Erklärung?“

„Ja!“, antworteten alle fünf gleichzeitig.

Fünf entschlossene Gesichter sahen mich an.

Ich versuchte, ernst zu bleiben. Es gelang mir nicht ganz.

„Dann habt ihr bestanden.“

Ihre Münder klappten auf.

Einen Moment lang sagte niemand etwas. Dann brach die Erleichterung aus ihnen heraus, und Hinaka sah aus, als hätte sie am liebsten einen Freudentanz aufgeführt.

„Morgen um zehn“, sagte ich, bevor sie auf die Idee kam, es tatsächlich zu tun. „Dann sehen wir uns an, was ihr wirklich könnt.“

Die fünf sammelten ihre Sachen ein und liefen davon. Ich sah ihnen nach, und mit jedem Schritt, den sie sich entfernten, wurde mir ein wenig leichter ums Herz.

Ich hatte selten so viel Spaß am Unterrichten gehabt.

Natürlich würde ich ihnen noch einiges beibringen müssen. Sehr viel sogar. Aber sie hatten verstanden, worauf es mir ankam. Zumindest fürs Erste.

Nun brauchte ich nur noch einen passenden Auftrag für meine kleine Rasselbande.

Und dafür musste ich zu Gaara.

Ich fragte mich, womit sich der Kazekage wohl gerade beschäftigte. Hoffentlich hatte er etwas, das fünf frisch geprüfte Genin fordern würde, ohne sie gleich in Schwierigkeiten zu bringen.

Bei Gaara konnte man schließlich nie ganz sicher sein.