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Kapitel IX - Weihnachten im Mai

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Kapitel IX - Weihnachten im Mai

Ich werde unsanft von einem lauten Dröhnen geweckt.

Laute Musik dringt durch die Tür in mein Zimmer.

Ich reibe mir durch das Gesicht und setze mich auf.

»Guten Morgen, Lord Loki. Ich hoffe Sie haben gut geschlafen.«

»Guten Morgen, JARVIS.«

Mein Blick fällt auf die Tür, durch welche es immer noch durchwummert.

»Tony hört Musik im Penthouse?«

»Das ist korrekt, Lord Loki.«

»Ungewöhnlich.«

Ich runzle ein wenig die Stirn und stehe auf.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Stell die Musik leiser.«

»Natürlich, Lord Loki.«

Kurz darauf wird es ruhiger und die Musik dröhnt nicht mehr so lautstark durch die Tür.

Zufrieden nickend gehe ich zu meinem Kleiderschrank und hole mir eine schwarze Anzugshose und Weste heraus, dazu ein waldgrünes Hemd und eine schwarze Krawatte.

»Hey!« Tony protestiert lautstark im Penthouse.

Ich lache leise und ziehe mich an.

Nur Sekunden später wird die Musik wieder lauter.

Ich prüfe mein Aussehen kurz im Spiegel und richte meine Krawatte.

Danach verlasse ich mein Zimmer.

Die Musik füllt das gesamte Penthouse.

Ich lasse meinen Blick schweifen, bis er auf Tony fällt, welcher mich nicht zu bemerken scheint.

Er wirkt äußerst gut gelaunt.

Tony bewegt sich im Takt der Musik, während er irgendetwas auf seinem holografischen Interface betrachtet.

Wirklich ungewöhnlich gut gelaunt.

Plötzlich sieht er auf und sein Blick fällt auf mich.

»Guten Morgen, Dornröschen!«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

»Guten Morgen, Tony.«

Tony grinst mich an.

»Gut geschlafen?«

»Ziemlich. Bis du beschlossen hast, das gesamte Penthouse zu beschallen.«

»Oh, stimmt. Sorry.«

Er grinst immer noch.

Ich mustere ihn einen Moment lang.

»Du wirkst heute besonders gut gelaunt.«

Tony zuckt mit den Schultern, aber sein Grinsen bleibt. »Kann schon sein.«

Erneut lasse ich meinen Blick durch den Raum schweifen, doch mir fällt nichts weiter auf.

Stark schaut schon wieder auf sein holografisches Interface.

Von hier aus kann ich allerdings nicht erkennen, was er darauf macht.

Ich wende mich um und gehe noch einmal in mein Zimmer.

Auf dem Nachttisch liegen mein eigenes Interface, meine Bankkarte und Ausweis und der Kommunikationsstecker.

Ich gehe zum Schrank, hole mir das zu meiner Hose und Weste gehörende Jackett heraus und ziehe es an.

Danach nehme ich die Sachen von dem Nachttisch und stecke sie ein.

Den Kommunikationsstecker platziere ich in meinem Ohr, bevor ich mein Zimmer wieder verlasse und mich Richtung Fahrstuhl durch das Penthouse bewege.

Tony sieht mich an. »Wo willst du denn hin?«

»Ein bisschen an die frische Luft.«

»Dafür kannst du auch auf den Balkon gehen.«

Ich rolle mit den Augen.

»Ich dachte dabei eher an einen Park, Stark.«

Er grinst schief. »Bist du bis heute Abend wieder da?«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. »Sollte ich?«

Stark verschränkt die Arme vor der Brust. »Es wäre… nett.«

»Wenn das so ist.« Ich nicke knapp.

Wieder grinst er. Dieses Mal vor Begeisterung. »Gut.«

»Bis später, Tony.«

»Bis später, Schneewittchen.«

Ich schüttle seufzend den Kopf und gehe zum Fahrstuhl.

»Tony!«

Ich drehe mich um und bekomme im nächsten Moment ein Glas in die Hand gedrückt.

»Alles Gute zum Geburtstag!«

»Danke.«

Ich stoße mit ihr an und nehme einen Schluck.

Die Party ist genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Laut, voll und völlig außer Kontrolle.

Ich lasse mich auf die Rückenlehne des Sofas sinken und beobachte das Treiben.

Musik, Drinks, viel zu viele Menschen und mindestens drei Leute, deren Namen ich bereits wieder vergessen habe.

Genau so muss eine Geburtstagsfeier aussehen.

Mein Blick wandert kurz durch das Penthouse.

Pepper unterhält sich mit Natasha, was immer noch etwas befremdlich auf mich wirkt und irgendwo zwischen all den Menschen steht Thor herum, der ebenfalls einfach aufgetaucht ist.

Immerhin scheint er Spaß zu haben.

»Tony.«

Ich stehe auf und drehe mich um.

Loki steht auf der anderen Seite des Sofas, mit einem Tütchen in der Hand.

Unwillkürlich breitet sich ein Grinsen auf meinem Gesicht aus.

»Da bist du ja. Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr zurück.«

Er hebt eine Augenbraue.

»Ich habe doch gesagt, dass ich…« Er bricht ab.

»Egal. Hier.« Loki hält mir die kleine Tüte entgegen.

Ich stocke kurz.

Ich könnte schwören, dass ich ihm nicht gesagt habe, was der Anlass der Party ist.

»Woher weißt du…?«

Er grinst. »JARVIS.«

Ich lache leise und nehme ihm das Tütchen ab. »Natürlich.«

Loki sieht mich erwartungsvoll an.

Also öffne ich die Tüte und hole einen viereckigen Karton heraus, der in Geschenkpapier eingepackt ist.

Es sieht aus wie Geschenkpapier, dass man üblicherweise zu Weihnachten nutzen würde, was mich bereits zum Schmunzeln bringt.

Bis ich die Farben wirklich registriere.

Rot, Grün und Gold.

Interessant.

Ich hebe eine Augenbraue und sehe Loki an.

Er verschränkt die Arme vor der Brust. »Packs schon aus.«

Ich grinse und zupfe das Papier von dem Karton.

Anschließend öffne ich diesen und hole eine Tasse heraus.

Die Tasse ist schlicht weiß, aber mit einem Schriftzug versehen.

‚ „Ich habe beschlossen, ihn nicht zu töten.“ ~Loki ‘

Ich starre einen Augenblick lang auf die Tasse.

Dann sehe ich Loki an und fange an zu lachen. »Du bist ein Arsch.«

Er grinst, aber in seinen Augen schimmert etwas, dass ich nicht genau benennen kann.

Mein Blick wandert wieder auf den Text auf der Tasse.

„Ich habe beschlossen, ihn nicht zu töten.“

Nur dieser eine Satz.

»Oh.« Entschlüpft es mir leise.

Wieder sehe ich zu Loki.

Dieser grinst immer noch wie ein Idiot.

Ein großartiger Idiot.

Ich springe über das Sofa und falle ihm mit der Tasse in der Hand um den Hals.

Keine Ahnung, ob es der Alkohol ist, aber ich kann gerade nicht anders.

Nein.

Es ist definitiv der Alkohol.

Er lacht überrascht auf und erwidert die Umarmung.

Nach ein paar Sekunden löse ich mich wieder von ihm.

»Du bist wirklich ein Idiot.«

Loki grinst. »Das sagtest du bereits.«

»Genau genommen sagte ich, dass du ein Arsch bist.«

Er rollt mit den Augen.

Ich sehe auf die Tasse in meiner Hand. »Ich werde sie benutzen.«

»Das hatte ich gehofft.«

Mein Blick fällt zurück auf ihn. »Danke, Loki.«

Er nickt.

»Bruder.«

Thor tritt in mein Sichtfeld.

Ich runzle kurz die Stirn.

»Thor.«

Er lehnt sich neben mir an die Bar.

»Und? Hast du dich mittlerweile eingelebt?«

Ich schweige einen Moment.

Gewissermaßen habe ich das wohl.

Allem voran dank Tony.

»Kann man wohl so sagen.«

Thor nickt langsam. »Das ist gut.«

Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen.

»Und wie geht es dir damit, Bruder?«

Ich rolle mit den Augen. »Besser als in einer Zelle in Asgard. Oder sonst wo.«

Thor schweigt.

Endlich.

Mein Blick fällt auf Tony, der gerade mit Natasha tanzt.

Ich beobachte die Szene ein wenig argwöhnisch.

Ein seltsames Bild, dass er ausgerechnet mit ihr tanzt.

»Loki.« Spricht mich Thor wieder von der Seite an.

»Hm?«

»Geht es dir wirklich gut hier?«

Ich sehe ihn an. »Du gibst keine Ruhe, bis ich dir geantwortet habe, oder?«

Er schüttelt entschieden den Kopf.

Ein weiteres Mal rolle ich mit den Augen.

»Mir geht es gut Thor. Ich komme zurecht.«

Er brummt.

Das ist zwar weder eine Bestätigung noch eine Ablehnung, aber immerhin ist er nun wieder still.

Ich sehe zurück in die Richtung wo Tony und Natasha eben noch waren, allerdings ist nur noch Romanoff übrig.

Ich runzle die Stirn.

»Suchst du jemanden?«

Ich fahre herum.

Tony steht direkt hinter mir und grinst.

»Nein.«

Er hebt eine Augenbraue, doch sein Grinsen bleibt. »Dafür hast du mich gerade aber ganz schön angestarrt.«

»Ich habe nicht…« Ich breche meinen Satz ab.

Tony ignoriert es zu meiner Überraschung.

»Du hast geguckt, als würdest du Tanzen wollen.«

Meine Augen weiten sich kurz vor Überraschung.

Nicht weil es stimmt.

Eher wegen Tonys Auffassung.

Ich lehne mich ein wenig zurück. »Ist das eine Einladung?«

Er zuckt mit den Schultern. »Vielleicht.«

Ich mustere ihn kurz.

Interessant.

Ich stürze meinen Drink und stelle mein Glas ab.

»Gut. Dann lass uns Tanzen.«

Ich warte nicht auf Tonys Antwort.

Ich greife seine Hand und ziehe ihn etwas weiter in den Raum, wo wir genug Platz haben.

Tony scheint einen Moment lang ehrlich überrumpelt zu sein, als ich ihn mitziehe.

Doch es dauert nur Sekunden, bis er sich mit der Situation abfindet.

Meine linke Hand hält seine Rechte und wie selbstverständlich legen sich unsere freien Hände auf den Oberarm des jeweils anderen.

Tony will direkt zu führen beginnen.

Ich erlaube es ihm.

Zumindest für einen Augenblick.

Er tanzt gar nicht schlecht.

Aber ich bin besser.

Während Tony scheinbar nicht so richtig weiß, wo er hinschauen soll, grinse ich ihn an.

Ich setze den nächsten Schritt ein wenig anders als zuvor.

Tony folgt mir.

Beim nächsten Schritt wiederholt es sich.

Ein kleines Lächeln huscht kaum merklich über mein Gesicht.

Tony braucht noch einen Moment, bevor er mich direkt ansieht. »Moment mal.«

Ich hebe eine Augenbraue. »Was?«

»Du führst.«

Ich grinse.

Einen Moment lang sieht er mich an.

Ich halte seinem Blick stand. »Ich führe einfach besser.«

Tony hebt eine Augenbraue. »Ach ja?«

»Mhm.«

»Das werden wir ja sehen.«

Bevor ich antworten kann, versucht er erneut, die Führung zu übernehmen.

Ich lasse es zu.

Für genau zwei Schritte.

Dann lenke ich ihn wieder in eine andere Richtung.

Tony sieht mich an.

»Das ist unfair.«

Ich grinse. »Das ist Tanzen.«

»Das ist kein Tanzen. Das ist ein Handfester Wettstreit unter Egos.«

Ich lache leise. »Vielleicht. Trotzdem führe ich besser.«

Wieder versucht Tony die Führung zu übernehmen.

Sein Ehrgeiz ist beeindruckend.

Ich lasse es ein weiteres Mal zu.

Dieses Mal für ein paar Schritte mehr.

Nur um ihn kurz darauf erneut in eine andere Richtung zu lenken. »Tony?«

Er sieht zu mir auf. »Ja?«

Ich grinse. »Ich bin größer als du.«

Für den Bruchteil einer Sekunde stockt er, doch ich führe ihn gekonnt weiter.

»Na und?«

»Es sieht einfach besser aus, wenn ich führe.« Ich zwinkere ihm zu.

Und tatsächlich entlockt es ihm ein kleines Lachen. »Du bist ein Arsch.«

Ich grinse immer noch.

Tony lächelt, während ich ihn weiter führe.

Und er folgt mir.

Als ich wach werde, fühlt sich mein Schädel an, als wäre ein Panzer drüber gerollt.

Ich brauche einen langen Moment, um mich zu orientieren.

Zu meiner eigenen Überraschung liege ich in meinem Bett und nicht unter dem Sofa.

Oder sonst wo.

Noch mehr überrascht mich, dass ich alleine hier liege.

In Anbetracht des stechend, pulsierenden Kopfschmerzes und dem unguten Gefühl in meinem Magen, bin ich allerdings nicht unfroh darüber.

Verdammt, wie viel oder was habe ich gestern getrunken?

»JARVIS. Lautstärke auf die niedrigste Stufe.«

»Guten Tag, Sir. Die Außentemperatur beträgt derzeit-«

»JARVIS, halt die Klappe.«

Angenehme Stille tritt ein.

Langsam setze ich mich auf und sofort habe ich das Gefühl, dass sich alles dreht.

Ich reibe mir durchs Gesicht. »JARVIS, wie spät ist es?«

»Wir haben es Vierzehn Uhr Einundzwanzig, Sir.«

Ich presse die Kiefer zusammen, um ein Gähnen zu unterdrücken, weil ich befürchte, dass mir damit auch die letzte Nacht wieder hochkommen könnte.

Das muss der Vorhof zur Hölle sein.

Gibt es die überhaupt, wenn es Thor und Loki gibt?

Was wäre es stattdessen?

Mein Kopf beginnt sich zu drehen und mit ihm auch mein Schlafzimmer.

Außerdem fühlt sich mein Mund an, als hätte eine Ratte in ihm genächtigt.

Obwohl ich dringend Wasser brauche, lasse ich mich zurück ins Bett sinken.

»Sir, Sie wirken ein wenig mitgenommen.«

»Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, danke JARVIS.«

»Sehr gerne, Sir.«

Ich seufze und sehe an die Decke.

Ich sollte wirklich aufstehen.

Aber meine Knochen fühlen sich an wie Blei und alles dreht sich.

Und dann ist da auch immer noch dieser Kopfschmerz der mit jeder Sekunde schlimmer zu werden scheint.

Also bleibe ich einfach lethargisch in meinem Bett liegen.

Bis plötzlich die Tür zu meinem Schlafzimmer auf geht.

Loki steht mit einem Grinsen im Gesicht im Türrahmen.

»Sowas wie anklopfen gibt es in Asgard wohl scheinbar nicht.«

Er schmunzelt und spricht mit gedämpfter Stimme. »Soll ich lieber nochmal rausgehen und anklopfen?«

Ich massiere mir die Schläfen. »Vergiss einfach, was ich gesagt habe.«

»Sehr gerne.« Er lacht leise.

»Also… du stehst sicher nicht grundlos in meiner Schlafzimmertür, Loki.«

»Gut erfasst, Stark.«

Ich drehe den Kopf in seine Richtung und kneife die Augen zusammen, gegen das Licht, dass durch die Tür fällt.

Loki beobachtet mich aufmerksam immer noch mit diesem Grinsen im Gesicht.

»Du siehst nicht aus, als würdest du es alleine aus dem Bett schaffen.«

»Ach, wirklich?«

Er lacht leise. »Bleib einfach, wo du bist.«

Noch bevor ich antworten kann, ist er wieder verschwunden.

Die vermutlich wenigen Minuten, die ich hier liege und an die Decke starre, während sich alles dreht, fühlen sich eher an wie Stunden.

Bis mir der Geruch von Kaffee in die Nase steigt.

Kurz darauf taucht Loki wieder in der Tür auf.

Er trägt ein Tablett mit zwei Tassen, einem Glas und mehreren gestapelten Schüsseln.

Vorsichtig setze ich mich wieder auf und lehne mich an das Kopfende meines Betts.

Er setzt sich wie selbstverständlich auf der anderen Seite des Bettes neben mich, stellt das Tablett auf seinem Schoß ab und reicht mir das Glas mit Wasser.

Dankbar nehme ich es an und leere es in einem Zug, während er die Schüsseln auf dem Tablett ausbreitet.

Rührei. Bacon. Essiggurken. Frisches Obst. Brot.

Okay.

Wow.

»Wofür das alles?«

Loki deutet auf die verschiedenen Schüsseln. »Fettig und salzhaltig, säurehaltig, Vitamine, Eiweiß und wenn nichts davon geht, dann eben Brot. Alles davon soll gegen den Kater helfen.«

Ich starre sprachlos auf die Schüsseln.

Dann wandert mein Blick zu den Kaffeetassen.

„Ich habe beschlossen, ihn nicht zu töten.“

Natürlich.

»Du bist ein Arsch.« Ich lache leise, bereue es aber sofort wieder und fasse mir an den Kopf.

»Ein liebenswürdiger Arsch.« Lacht Loki und reicht mir meine Tasse.

Ich schmunzle und nehme die Tasse entgegen, inhaliere dabei den Geruch von dem Kaffee.

Loki setzt sich wie selbstverständlich ganz aufs Bett, streckt die Beine aus und lehnt sich ebenfalls an das Kopfende, leistet mir schweigend Gesellschaft.

»Danke.« Ich nippe an meiner Tasse.

Er nickt. »Jederzeit.«

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Vielen lieben Dank für einen weiteren Favo-Eintrag!