LNCrawler

Kapitel X - Muster

What If...? - Genie Und Wahnsinn — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel X - Muster

Loki bleibt abrupt stehen. »Tony, bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?«

Ich drehe mich zu ihm um. »Ich habe schon vor Wochen gesagt, dass du einer von uns wirst. Mir ist egal was Fury oder die anderen denken.«

Er sieht nicht besonders überzeugt aus.

Ich nehme ihn am Arm und ziehe ihn mit mir. »Komm schon.«

Loki lässt sich widerwillig von mir mitziehen. »Ich weiß wirklich nicht, woher du diese Zuversicht nimmst, Stark.«

»Du hast mir bereits gezeigt, dass du besser bist als das in New York. Die Anderen werden das schon auch noch lernen.«

Seine großen Schritte holen mich schnell ein, sodass er kurz darauf neben mir geht.

»Ich denke nicht, dass die Anderen mich akzeptieren werden. Zumindest nicht als einen von ihnen.«

Ich sehe zu ihm, während wir weiter gehen. »Gib ihnen Zeit. Und dir selbst auch.«

Loki nickt langsam und geht schweigend weiter neben mir her.

Kurz darauf erreichen wir den Konferenzraum.

Als ich die Tür öffne, richten sich alle Blicke auf uns.

Natasha, Clint, Steve und Fury sind anwesend.

»Da fehlen aber noch welche. Ich bin es nicht gewöhnt, pünktlich zu sein.«

Fury mustert mich kurz tadelnd. »Mister Stark.«

»Was denn? Normalerweise sind schon alle da, wenn ich ankomme.« Ich zucke mit den Schultern und gehe rüber zu dem Tisch.

Loki folgt mir und setzt sich gleich neben mir auf den Stuhl, nachdem ich mir einen Platz ausgesucht habe.

Steve wirft Loki einen skeptischen Blick zu.

Natasha und Clint hingegen wirken neutral und Furys Ausdruck ist absolut undurchdringlich.

Ich lehne mich zurück und verschränke die Arme vor der Brust.

»Wo sind Banner und Thor?«

»Auf dem Weg.« Antwortet Fury knapp.

Ich nicke.

Steve beobachtet Loki immer noch misstrauisch und ich schüttle warnend den Kopf.

Loki sieht zwischen Steve und mir hin und her, sagt zu meiner eigenen Überraschung aber nichts.

Kurz darauf öffnet sich eine Tür und Thor kommt rein.

»Dieses Gebäude ist ein wahrer Irr-« Er stockt, als er Loki neben mir sitzen sieht.

Loki grinst ein wenig. »Bruder.«

Thor nickt. »Bruder.«

Sein Blick wandert kurz zu mir und er nickt mir ebenfalls zu. »Stark.«

»Rapunzel.«

Thor runzelt verwirrt die Stirn.

Loki neben mir beginnt leise zu lachen.

»Was?« Der blonde Gott sieht seinen Bruder an.

»Nichts.« Loki versucht sichtlich, sein Grinsen wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Ich lehne mich zurück. »Setz dich einfach, Rapunzel.«

Loki kämpft offensichtlich damit, seine Fassung zu bewahren und nicht laut loszulachen.

Scheinbar hat er das Märchenbuch mittlerweile gelesen, oder zumindest Teile davon.

Thor sieht mich verständnislos an, setzt sich aber schließlich auf einen freien Stuhl.

Gerade als dieser wieder zum Reden ansetzen will, öffnet sich die Tür erneut.

»Tut mir leid, dass ich so spät bin.« Banner steht in der Tür.

Natürlich fällt auch sein Blick direkt auf Loki, doch er scheint eher irritiert darüber, dass dieser immer noch grinsend neben mir sitzt und offensichtlich versucht, nicht laut loszulachen.

Banner zieht eine Augenbraue hoch, fragt aber nicht weiter und setzt sich auf einen der freien Plätze.

Fury zerstört die gelöste Stimmung natürlich sofort. »Gut, dann können wir ja anfangen.«

Fury stützt sich mit beiden Händen auf den Tisch und sieht in die Runde.

»In den vergangenen Tagen gab es in New York mehrere Fälle von Massenpanik.«

Ich richte meine Aufmerksamkeit auf ihn.

Steve wendet sich Fury zu. »Wie viele?«

»Vier.«

Der Tisch scheint ein großes holografisches Interface zu sein, denn kurz darauf laufen mehrere Aufzeichnungen auf diesem ab und zeigen wie an verschiedenen Orten Dutzende bis hin zu hunderten Menschen panisch flüchten.

Banner pausiert die Videos. »Da ist kein erkennbarer Grund, der eine solche Panik erklären würde.«

Fury nickt. »Genau deshalb sind Sie alle hier.«

Ich runzle die Stirn und mustere die angehaltenen Aufnahmen gründlich.

Natasha schaltet sich ein. »Was wissen wir über die Betroffenen?«

»Es gibt nichts, was die Fälle bisher miteinander verbindet.«

Ich lehne mich ein wenig zurück.

Mein Blick liegt weiter auf den Standbildern.

»Da es nichts gab, wovor diese Menschen offensichtlich hätten Angst haben können… wovor hatten sie Angst?«

Fury sieht zu mir und hebt fragend eine Augenbraue.

Ich stehe auf und ziehe mit den Händen auf dem Tisch eine der Aufnahmen auseinander, sodass diese vergrößert wird.

»Die Angst, die diese Menschen zeigen, ist echt, oder zumindest empfinden sie diese als echt.« Ich deute auf die verschiedenen angstverzerrten Gesichter.

»Aber wenn es keinen offensichtlichen Grund gab, vor was hatten sie dann Angst?«

Fury verschränkt die Arme vor der Brust. »Das ist uns bisher nicht bekannt.«

»Also habt Ihr die Menschen nicht befragt?«

Er schüttelt den Kopf. »Wir waren damit beschäftigt, herauszufinden was diese Massenpaniken miteinander verbindet.«

Ich verschränke ebenfalls die Arme vor der Brust und lehne mich zurück. »Dann sollten Sie das mit der Befragung schleunigst nachholen.«

»Das klingt, als hätten Sie bereits eine Idee.«

Ich schüttle den Kopf. »Ich denke nur, dass wir dadurch einen ersten, richtigen Anhaltspunkt finden könnten.«

Mein Blick fällt wieder auf das Standbild.

Clint sieht ebenfalls auf das Standbild. »Was ist mit den Standorten?«

Fury wischt über den Tisch und eine große Karte mit vier Markern ploppt auf. »Überall in New York verteilt.«

Tony sieht auf die Karte und vergrößert einen der Marker. »Das ist mitten in Manhattan. Direkt am Rockefeller Center.«

»Das ist der Standort des aktuellsten Vorfalls gewesen.« Fury deutet auf den Marker den Tony ausgewählt hat.

Stark sieht auf die anderen Marker, dann wieder auf den, den er selbst hervorgehoben hat.

»Wie viele Betroffene?«

»Etwa Zweihundertfünfzig.«

Tony nickt langsam. »Und wann war das genau?«

»Vor zwei Tagen.«

Wieder nickt er.

Tony betrachtet die Karte einen Moment, bevor sein Blick wieder zurück zu Fury wandert. »Und die anderen drei? Gleiche Zeitspanne?«

Fury schüttelt den Kopf. »Der erste Vorfall war vor neun Tagen. Der zweite vor sechs. Der dritte ist jetzt vier Tage her.«

Neun. Sechs. Vier. Zwei.

»Die Abstände werden also kürzer.«

Mehrere Blicke richten sich auf mich.

Fury nickt. »So scheint es.«

»Wie viele Betroffene waren es bei den anderen Vorfällen?«

Tony klopft leise auf den Tisch. »Lassen Sie mich raten, die Zahlen sind ansteigend.«

Wieder nickt Fury.

Ich sehe Tony an. »Also könnte der nächste Vorfall heute passieren und die Betroffenen werden mehr sein als am Rockefeller Center.«

Tony nickt langsam. »Und wir haben vermutlich keine Ahnung wo.«

Ich nicke zustimmend.

Loki und ich verlassen gemeinsam das Gebäude.

Er schweigt.

Irgendwas scheint ihn zu beschäftigen.

Ich sehe ihn kurz an. »Du warst gut.«

Er sieht mich irritiert an. »Bei was?«

»Bei der Besprechung.«

Loki runzelt die Stirn. »Mag sein.«

Ich hebe eine Augenbraue. »Das ist nicht das, was dich beschäftigt, oder?«

Er schüttelt den Kopf.

»Irgendwas kommt mir unstimmig vor bei den Aufnahmen.«

Ich nicke langsam. »Ich verstehe, was du meinst.«

»Ist dem so?« Er sieht mich erwartend an.

»Die Leute reagieren auf etwas, das wir nicht sehen.«

Loki nickt langsam. »Oder etwas, das sie selbst nicht sehen.«

Ich runzle die Stirn. »Was meinst du damit?«

Er verschränkt die Arme hinter dem Rücken. »Wenn sie etwas sehen würden, hätten wir einen Auslöser. Etwas, das wir auf den Aufnahmen erkennen könnten.«

Ich denke kurz darüber nach.

»Du glaubst also, es könnte etwas sein, das sie wahrnehmen, ohne es tatsächlich zu sehen?«

Er zuckt mit den Schultern. »Vielleicht.«

»Das klingt verdächtig nach Magie.«

Loki wirft mir einen kurzen Blick zu. »Es gibt mehr Möglichkeiten als Magie.«

»Ich weiß.« Ich sehe zurück zum Ausgang des Gebäudes.

»Aber wenn du recht hast, haben wir ein Problem.«

Er schmunzelt leicht. »Das haben wir ohnehin.«

Ich muss unwillkürlich grinsen. »Stimmt.«

Ich hole mein holografisches Interface aus meiner Hosentasche. »Hast du deins dabei?«

Loki nickt und zieht es aus seiner Jacketttasche.

Über JARVIS übertrage ich ihm die Aufnahmen. »Dann kannst du sie dir im Auto nochmal ansehen.«

Er nickt und öffnet eine der Aufnahmen, bevor er das Interface wieder einsteckt.

Als wir am Auto ankommen, steige ich auf der Fahrerseite ein.

Loki lässt sich auf der anderen Seite auf den Sitz fallen.

Ich komme nicht einmal dazu, den Motor zu starten, da hat er schon das Interface wieder in der Hand und zieht das Hologramm der Aufnahme vom Rockefeller Center Vorfall groß und startet sie.

Ich lehne mich zurück und sehe auf die laufende Aufnahme.

Irgendwas an der Szenerie wirkt unstimmig, aber ich kann nicht ausmachen, was es ist.

Loki scheint es genauso zu gehen.

Er runzelt die Stirn und wechselt zur nächsten Aufnahme.

Dieses Mal ist es eine Mall.

Die Menschen gehen zuerst ganz friedlich ihren Dingen nach.

Dann brechen sie plötzlich in Panik aus und bekommen Angst, ohne ersichtlichen Grund.

Auf der dritten Aufnahme spielt sich genau dasselbe ab, nur mit weniger Menschen.

Auch die Vierte zeigt genau diesen Ablauf.

Menschen laufen durch das Aquarium und bestaunen die Fische in ihren Becken.

Dann auf einmal Angst und Panik und die Leute rennen, aber es gibt keinen ersichtlichen Grund.

Er schnaubt frustriert und zieht die Aufnahme kleiner.

Ich starte den Motor und fahre den Wagen vom Hof, während er sich die Aufnahme des ersten Vorfalls erneut ansieht.

Der Motor dröhnt, als ich das Gaspedal durchdrücke.

Das Headquarter von S.H.I.E.L.D. wird kleiner im Rückspiegel.

Loki wechselt immer wieder zwischen den Aufnahmen, sieht sie sich immer wieder und wieder an.

»Stopp!«

Ich gehe in die Eisen und ziehe den Wagen an den Straßenrand. »Was?!«

Loki zieht die Aufnahme groß. »Hier.«

Ich sehe auf das Hologramm und runzle die Stirn. »Was ist damit?«

Er deutet auf die Menschenmenge. »Alle reagieren.«

»Das ist nichts neues Loki.«

Er nickt und zieht das Bild noch größer. »Aber seine Angst ist nicht echt.«

Ich sehe ihn an. »Bist du dir sicher?«

Er erwidert meinen Blick ernst. »Tony… ich habe in meinem Leben oft genug Angst verursacht. Glaub mir, wenn ich dir sage, ich erkenne den Unterschied zwischen echter Angst und solcher, die imitiert ist.«

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. »Für mich sieht er ziemlich ängstlich aus.«

»Das dachte ich auch erst, aber…« Loki spricht den Satz nicht zu Ende.

Stattdessen spult er die Aufnahme zurück und lässt sie in halber Geschwindigkeit laufen.

»Die Leute rennen los, bevor sie überhaupt wissen, wohin.«

Ich beobachte die Menschenmenge und nicke.

Dann spult er wieder zurück, zieht den Fokus auf die bestimmte Person und lässt das Video wieder in halber Geschwindigkeit laufen.

Er sieht mich an, als würde er erwarten, dass ich sehe, was er gesehen hat.

Die Menschen setzen sich hastig in Bewegung.

Auch der, den Loki gerade fokussiert hat.

»Und?«

Loki spielt dieselbe Stelle nochmal ab und deutet auf die Person. »Er rennt auch, aber er weiß wohin. Sieh dir an, wie er sich genau ausrichtet, bevor er losrennt.«

»Wenn man Panik hat, dann läuft man einfach und achtet nicht darauf wohin.«

Er nickt zustimmend.

»Er simuliert also.«

Tony und ich stehen vor den groß gezogenen Hologrammen der Aufnahmen.

Gerade sehen wir uns nochmal die Aufnahme vom ersten Vorfall an.

Die Geschwindigkeit habe ich auf ein Viertel des normalen Tempos runtergestellt.

Die Menschen gehen durch einen riesigen, kunstvollen Garten.

Dann bricht auf einmal Panik aus und sie beginnen kopflos zu rennen.

Ich pausiere das Video. »Tony.«

Er sieht mich an. »Was?«

»Sieh genau hin.« Ich deute auf einen bestimmten Bildausschnitt.

Tony folgt meiner Hand mit seinem Blick. »Warte mal.«

Er vergrößert den Bildausschnitt der Aufnahme.

Dann zieht er die Aufnahme des Vorfalls im Aquarium daneben, die wir im Auto angesehen hatten.

Sein Blick wandert zu mir. »Der Typ ist bei beiden Vorfällen gewesen.«

Ich nicke. »Und bei beiden Vorfällen zeigt er keine echte Angst.«

Tony zieht die Aufnahme des dritten und vierten Vorfalls dazu.

Er lässt das Video aus der Mall laufen und hält an der Stelle an, wo die Panik ausbricht.

Wir starren beide eine Weile auf das Standbild.

Auf einmal platzt es aus Tony heraus. »Da!«

Er vergrößert das Standbild auf einen bestimmten Bildausschnitt.

Mein Blick fällt auf den Mann, der auch auf den anderen beiden Aufnahmen zu sehen ist.

»Um was wollen wir wetten?«

Ich sehe ihn an. »Noch eine Tasse?«

Er lacht kurz. »Du bist ein Arsch.«

»Gleichfalls.«

»Fair.«

Ich ziehe die Aufnahme vom Rockefeller Center Vorfall groß und spule zu der Stelle, wo die Panik ausbricht.

Wir sehen uns die Aufnahme Bild für Bild an.

Es ist wie ein Wimmelbild.

Hunderte Menschen die sich in verschiedene Richtungen drängen.

Wir gehen die einzelnen Bilder langsam durch und suchen die Menge nach dem Mann ab.

Immer wieder bleiben wir kurz an einzelnen Personen hängen, nur um festzustellen, dass sie es nicht sind.

Dann fällt mein Blick auf eine Gestalt am Rand der Aufnahme.

Ich halte inne.

»Da.«

Tony tritt neben mich und vergrößert den Bereich der Aufnahme.

Dann nickt er zustimmend. »Vier Orte. Vier Vorfälle.«

»Und bei jedem war er dabei ohne echte Angst zu zeigen.«