LNCrawler

Kapitel XIII - Scarecrow

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Kapitel XIII - Scarecrow

»Loki?«

»Mhm?«

»Du kannst loslassen.«

Ich klammere mich immer noch an Tony.

Mein Blick wandert zu dem Boden unter seinen Füßen.

Langsam löse ich meine Beine von Tonys Hüften und setze die Füße auf dem Boden ab.

Kurz habe ich das Gefühl meine Beine geben nach und ich halte mich an seinen Schultern fest. »Wir brauchen für die Zukunft definitiv eine andere Transportmöglichkeit für mich.«

Tony lacht blechern in seinem Anzug. »Ich lass mir was einfallen.«

Als er sich umdreht, lasse ich seine Schultern los und meine Beine geben tatsächlich kurz nach.

Bevor ich fallen kann, fängt er mich auf. »Hoppla, hat da jemand weiche Knie?«

Sofort straffe und richte ich mich auf. »Niemals.«

Er winkt ab. »Wäre nicht das erste Mal, dass ich diesen Effekt auf jemanden habe.«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

Tony sieht mich durch die Aussparungen der Maske an.

Zumindest vermute ich das.

Ich lasse meinen Blick schweifen.

Der Mann von den Aufnahmen ist nicht zu sehen.

Tony folgt meinem Blick und sieht sich ebenfalls um.

»JARVIS, check die Umgebung.« Ertönt seine Stimme aus dem Anzug, während er sich langsam im Kreis dreht.

Da fällt mir etwas auf.

Ich fasse an mein Ohr.

Verdammt.

»Tony?«

»Ja, Loki?«

»Ich hab mein Zeug zuhause liegen lassen.«

Er dreht sich langsam zu mir. »Was genau?«

»Den Kommunikationsstecker.«

Tony legt den Kopf kurz in den Nacken und seufzt.

Dann richtet er sich wieder auf. »JARVIS, öffne den Anzug.«

Der Anzug öffnet sich wie ein mechanischer Sarkophag.

Tony tritt heraus, greift in seine Hosentasche und hält mir die Hand hin.

Mein Blick wandert zu seiner Hand und ich halte meine darunter.

Er öffnet seine und mir fällt ein grün leuchtender Kommunikationsstecker in die Hand.

»Ist das…?«

Tony grinst. »Dein anderer liegt zuhause, aber du glaubst doch nicht, dass ich nicht vorsorge, hm?«

Ich muss schmunzeln. »Danke.«

Dann stecke ich mir den Kommunikationsstecker ins Ohr.

Tony tritt wieder in seinen Anzug, welcher sich um ihn herum schließt.

Plötzlich rumst es einmal laut auf der Wiese.

Tony dreht sich sofort um und richtet eine seiner Hände aus, lässt sie aber sofort wieder sinken, als er erkennt, wer da auf uns zu kommt.

Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Bruder.«

Thor nickt mir zu. »Bruder.«

Dann sieht er zu Tony. »Stark.«

»Rapunzel.« Ertönt es blechern aus dem Anzug.

Thor rollt genervt mit den Augen.

Ich muss grinsen.

Allerdings scheint Tony das ebenfalls zu bemerken.

Er dreht den Kopf zu mir. »Schneewittchen.«

Thor grinst. »Schneewittchen?«

Ich werfe meinem Bruder einen warnenden Blick zu. »Das darf nur Tony sagen!«

Zeitgleich ertönt Tonys Stimme aus dem Anzug. »Das darf nur ich sagen!«

Die goldene Maske des MARK VII sieht mich an. »Ach?«

Verdammter Stark.

Ich rolle mit den Augen und sehe wieder zu Thor. »Wo ist der Rest?«

»Auf dem Weg.«

Aus der Ferne sind Rotorblätter zu hören und ich sehe gen Himmel.

Tony schubst mich mit dem Ellenbogen an. »Scheinbar sind sie ähnlich gut durchgekommen wie wir.«

Die anderen sind inzwischen ebenfalls eingetroffen.

Gemeinsam stehen wir am Rand des Geländes und beobachten die Menschen, die sich noch vollkommen unauffällig durch die Anlage bewegen.

Ich lasse meinen Blick über die Menge wandern.

Nichts.

Steve sieht mich an. »Sicher, dass wir hier richtig sind, Stark?«

Noch ehe ich antworten kann, ertönt aus dem Inneren des Gebäudes ein Schrei.

Jemand rennt durch einen der Ausgänge nach draußen.

Dann noch einer.

Es werden immer mehr.

Ich sehe kurz zu Steve, bevor ich mich in Bewegung setze.

Loki folgt mir.

Menschen strömen aus dem Gebäude und uns entgegen.

»Da werden wir nicht durchkommen.«

Loki sieht mich an.

»Schneewittchen. Huckepack.«

Er nickt entschlossen und springt mir ohne zu zögern auf den Rücken.

Als wir in der Luft sind, zerschieße ich mit einem Repulsor eines der Fenster im Obergeschoss und bringe uns durch dieses in das Gebäude.

Loki lässt sich fallen, sodass ich gar nicht erst landen muss.

»JARVIS, scanne die Umgebung.«

»Schon dabei, Sir.«

Ich lasse Loki hinter mir und fliege durch die Räumlichkeiten, eine Etage nach unten und über die flüchtenden Menschen.

In meinem Sichtfeld blinken Kreise auf, erfassen die Menschen, aber er ist nicht dabei.

Also weiter.

Ich fliege knapp unter der Decke an den Menschen vorbei.

Ihnen entgegen, in die Richtung, aus der sie kommen.

Immer mehr Kreise blinken vor mir auf.

»JARVIS, stell die optische Darstellung des Scans ab und informier mich bei einem Treffer.«

»Natürlich, Sir.«

Ich fliege weiter.

Das Gebäude ist verworren und eng und mir kommen immer mehr Menschen entgegen.

Sie sind so in ihrer Panik gefangen, dass sie mich nicht einmal wirklich wahrnehmen.

Ich fliege um eine enge Kurve.

Der Flur wird auf einmal sehr schmal.

Teilweise laufen die Leute sich fast über den Haufen.

Eine Frau stürzt.

Die Menschen rennen einfach weiter.

Ich fliege hin und lasse mich mitten in die Masse fallen.

Ich werde beinahe selbst umgerannt, aber die Leute prallen an dem Anzug ab.

Die Frau rappelt sich auf und stürzt davon.

Mitten in der Masse kann ich die Repulsoren nicht nutzen, das wäre zu gefährlich, also dränge ich mich zwischen den Menschen entlang, ihnen entgegen, bis ich auf einmal in einem weitläufigen Saal ankomme.

Die Ausgänge sind fast verstopft vor Menschen und der Saal ist trotzdem noch gut gefüllt.

Ich suche mir einen freien Platz und erhebe mich wieder in die Luft.

»Sir, ich habe einen Treffer.«

»Zeig mir wo, JARVIS.«

An einem der Ausgänge, in den hinteren Reihen, drängt ein Mann sich gegen die anderen.

Dann sieht er zu mir hoch.

Unsere Blicke treffen sich.

Er ist es.

Es ist der Mann von den Aufnahmen.

Plötzlich löst er sich aus der Menge und tritt wieder in den Saal.

Ich fliege zu ihm rüber und lande vor ihm.

Wir stehen uns gegenüber, nur wenige Meter voneinander entfernt.

Dieser Mann sieht absolut unscheinbar aus.

Kurze Braune Haare, etwa meine Größe und Statur.

Vielleicht etwas Schlanker.

Und trotzdem strahlt er etwas Gefährliches aus, das ich nicht genau erfassen kann.

»Sir, Ihr Puls steigt ungesund rasant.«

Ich hyperventiliere. »Was?«

Der Mann vor mir beginnt zu grinsen.

Und schon hat mein Verstand Sendepause.

Ich komme in einer Loge eines Saals an.

Die Ausgänge sind gefüllt mit Menschen, die sich dicht an dicht drängen und versuchen rauszukommen.

Dann fällt mein Blick auf den MARK VII und den Mann ihm gegenüber.

Es ist der Mann aus den Aufnahmen.

Und er grinst.

Tony steht wie angewurzelt da und rührt sich nicht.

Mich beschleicht ein unangenehmes Gefühl.

Meine Nackenhaare stellen sich auf.

Ich schließe die Augen und atme durch.

Statt mich zu beruhigen, wird das Gefühl stärker.

Auf einmal stellt sich die Angst ein, dass Tony etwas passiert.

Dass all die Dinge aus den letzten Wochen nur ein Traum waren und ich auf einmal irgendwo alleine in einer Zelle aufwache.

Mein Atem geht schneller, mein Herz rast.

Ich greife wie aus Reflex an den Kommunikationsstecker in meinem Ohr.

Nein.

Das war kein Traum.

Stark hat mich gerettet.

Vor mir selbst.

Er hat mich davor bewahrt alles schlimmer zu machen, als es war.

Ich muss mich beruhigen.

Ich muss ruhig bleiben.

Meine Schultern spannen sich an und ich öffne die Augen wieder.

Mein Blick fällt wieder auf den Mann, der noch immer vor Tony steht.

Ich weiß nicht, was es ist, aber irgendwas sagt mir, dass er schuld an all dem ist.

Er strahlt irgendwas Bösartiges aus.

Auf einmal setzt sich Tony in Bewegung.

Statt zu fliegen, rennt er in Richtung Ausgang.

»JARVIS?« Flüstere ich und ducke mich hinter die Balustrade der Loge.

»Ja, Lord Loki?«

»Irgendwas stimmt mit Tony nicht.«

»Das ist richtig, Lord Loki. Mister Stark zeigt alle Anzeichen einer Panikattacke mit Fluchtreaktion.«

»Verstehe.«

Ich erhebe mich und sehe über die Balustrade.

Tony drängt mit seinem Anzug gegen die Menschen.

Der Mann von den Aufnahmen steht mit dem Rücken zu mir und beobachtet das Schauspiel.

Ich ducke mich wieder. »JARVIS, du kannst die MARK-Anzüge steuern, oder?«

»Das ist korrekt, Lord Loki.«

»Kannst du Tony zu mir befördern?«

»Wenn Sie das wünschen, Lord Loki.«

»Ja tue ich. Jetzt mach schon, JARVIS.«

Im nächsten Moment höre ich Tony schreien.

Es klingt blechern.

Mit einem lauten Poltern landet er vor mir in der Loge.

Er will schon aufspringen und losrennen, da stürze ich mich auf ihn und fixiere seine Arme zu den Seiten ausgestreckt und knie mich auf den Brustkorb des Anzugs.

»JARVIS, öffne den Helm.«

Tonys Helm öffnet sich.

Seine Augen zucken wild hin und her, als würden sie einen Ausweg suchen.

Seine gesamte Mimik zeigt pure Angst.

»Hey, Tony, sieh mich an.«

Seine Augen richten sich auf mich.

»Ich bin hier. Dir wird nichts passieren, hörst du?«

Er blinzelt, sein Blick wird etwas klarer.

Aber seine Atmung ist immer noch gehetzt und ich kann das Pulsieren seiner Schlagader sehen.

Ich rede weiter auf ihn ein.

»Egal wovor du Angst hast, du bist nicht allein. Alles ist gut. Atme tief durch.«

Ich mache es ihm vor und atme tief durch die Nase ein, halte die Luft einen Augenblick lang und atme dann tief durch den Mund wieder aus.

»Jetzt du, Stark.«

Er atmet ein und aus, so wie ich es ihm vorgemacht habe.

Immer wieder.

Ich kann sehen, wie sein Puls sich beruhigt.

Tony nickt langsam, als er scheinbar wieder in der Realität ankommt.

Loki kniet auf meiner Brust und hält meine Arme fest.

Zum Glück hält der Anzug das aus.

Ich blinzle und atme tief aus.

»Okay. Das war heftig.«

Er sieht zu mir runter und bewegt sich nicht.

»Wenn du weiter so auf mir hockst, Schneewittchen, dann bin ich bald ein Pfannenkuchen.«

Loki schmunzelt und geht endlich von mir runter.

Ich setze mich langsam auf. »JARVIS. Was kann eine solche Angst bewirken, wenn sie von außen beeinflusst wird, aber nicht durch eine offensichtliche Ursache ausgelöst wird?«

»Dafür gibt es einige mögliche Ursachen, Sir.«

»Nur die, die mehrere Menschen zeitgleich beeinflussen können und nicht sichtbar sind, JARVIS.«

»Dann bleiben noch tieffrequente Schallwellen, ein stark erhöhter CO-Zwei Gehalt in der Luft, Pheromone oder inhalierbare chemische Substanzen durch die Luft übertragen, Sir.«

Ich atme tief ein.

Der CO-Zwei Gehalt kann es nicht sein, das wäre zu offensichtlich.

Die chemischen Substanzen über die Luft würden uns hier auch betreffen.

Dasselbe gilt eigentlich für die tieffrequenten Schallwellen.

Ich sehe Loki an.

»Kannst du ihn eintüten?«

Er blinzelt irritiert. »Was?«

»Du hast mich schon verstanden, Schneewittchen.«

»Du willst, dass ich ihn eintüte?«

Ich nicke. »Wie einen besonders gefährlichen Gegenstand den du eingekauft hast.«

Er lacht. »Sicher, dass du bei Sinnen bist, Stark?«

»Kannst du, oder kannst du nicht?«

Loki verstummt und erwidert meinen Blick.

Dann nickt er. »Ich kann. Zumindest kann ich dir eine Tüte besorgen.«

»Das ist ein Anfang.«

Ich stehe auf und sehe nach unten in den Saal. »Oh-oh.«

Loki springt auf und tritt neben mich.

Unsere Blicke tasten den Saal ab.

»Er ist weg.«

»Das hast du früh gemerkt Schneewittchen.«

Er sieht mich an.

Dann sieht er wieder in den Saal.

Ich sehe zu ihm. »Du nimmst den einen Ausgang, ich den anderen. Wir müssen ihn erwischen. Und vor allem, darf er nicht in Banners Nähe kommen.«

Lokis Augen werden groß.

Und plötzlich springt er über die Balustrade nach unten in den Saal.

Mein Blick folgt ihm bis zu dem Ausgang.

»JARVIS, Helm schließen.«

»Sofort, Sir.«

Der Helm meines Anzugs schließt sich binnen Sekunden und ich erhebe mich in die Luft.

Ich fliege nach unten und folge dem anderen Ausgang.

»JARVIS, selbes Spielchen wie zuvor. Scan die Umgebung. Informier mich, wenn du einen Treffer hast.«

»Natürlich, Sir.«

Ich fliege durch die Flure des Gebäudes.

Mittlerweile ist es fast vollständig leer.

Vereinzelt sitzen Menschen an den Wänden oder liegen auf dem Boden.

Manche kümmern sich um die, die offensichtlich gestürzt sind.

Wäre er hier lang gekommen, wären die Leute nicht ruhig.

Ich ziehe eine scharfe Kurve und fliege zurück zum Saal.

Dann folge ich dem Ausgang, durch den Loki gelaufen ist.

Auch hier fliege ich durch die Flure, aber es ist niemand zu sehen.

Von draußen ertönen Schreie.

Ich folge dem Flur und finde einen Ausgang.

»Sir, ich habe einen Treffer.«

»Wo, JARVIS.«

»Etwa hundert Meter links von Ihnen.«

Ich fliege eine scharfe Kurve.

Mein Blick fällt auf Loki, der gerade offensichtlich mit dieser Vogelscheuche zugange ist.

»Hey Angsthase!« Rufe ich, während ich meinen Repulsor auf den Mann richte.

Beide Augenpaare richten sich auf mich.

Loki begreift schnell und ehe der Mann von den Aufnahmen reagieren kann, stülpt Loki ihm einen großen Schwarzen Sack über und wirft sich auf ihn, um ihn zu fixieren.

Ich spüre, wie mein Puls wieder ansteigt und atme tief durch.

Nein.

Nicht nochmal.

Ich behalte mich unter Kontrolle und lande neben den Beiden.

Loki sieht zu mir auf.

Er wirkt unbehaglich, aber nicht panisch.

Ich nicke ihm zu.

Er blinzelt kurz.

Dann nickt er zurück und konzentriert sich wieder darauf, den Mann festzuhalten.