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Kapitel XIV - Schneewittchen und Asgard

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Kapitel XIV - Schneewittchen und Asgard

Mein Blick wandert über den geöffneten MARK VII, der vor mir auf einem Tisch liegt.

»JARVIS, wäre es möglich einen Filter gegen Pheromone und auch andere durch die Luft übertragbare Substanzen einbauen?«

»Natürlich, Sir. Allerdings müssten Sie dafür den gesamten Anzug neu strukturieren.«

Ich lehne mich zurück.

»In Ordnung und wie steht es um ein internes Lüftungssystem, dass unabhängig von der Außenluft funktioniert?«

»Wenn Sie damit meinen, dass man die Luftzirkulation auf den Anzug beschränkt, Sir, das wäre für eine kurze Zeitspanne möglich. Allerdings müssten Sie dafür ebenfalls den Anzug neu strukturieren.«

Ich reibe mir durchs Gesicht.

»JARVIS, wie spät ist es?«

»Es ist drei Uhr siebenundvierzig, Sir.«

Ich sehe auf den MARK VII.

Es ist mitten in der Nacht.

Ich brauche einen Kaffee.

Eigentlich brauche ich Schlaf, aber daran ist für mich gerade nicht zu denken.

Ich stehe auf und verlasse die Werkstatt.

Als ich die Treppe hoch gehe, fällt mir auf, dass es im Penthouse ungewohnt hell ist für diese Uhrzeit.

Wenige Stufen später sehe ich auch warum.

Das Asgard 2.0 Programm läuft.

Überall sind Hologramme.

Goldene und Grüne Ornamente an den Wänden, Ziersäulen mit goldenen Feuerschalen, ein riesiger Wasserfall, der in die Mitte des Raumes fließt, statt der üblichen Aussicht auf New York und an der Decke schimmert ein Sternenhimmel, der unbeschreiblich ist.

Mein Blick wandert durch den Raum und bleibt an Loki hängen.

Er tigert unruhig durch das Penthouse.

Seine Haare sind zerzaust und er trägt nur Shorts und Shirt.

Ich räuspere mich leise.

Loki spannt sich an und fährt herum.

Dann entspannt sich seine Haltung wieder ein wenig und er fährt sich durchs Haar.

»Hast du dich selbst im Spiegel gesehen, oder warum bist du so…?« Ich deute vage auf seinen aufgeschreckten Zustand.

Er hebt eine Augenbraue. »Hast du mich gerade hässlich genannt?«

Ich gehe durch den Raum in Richtung der Kaffeemaschine. »Ich meinte eher, dass du aussiehst wie ein blass gewordenes Gespenst.«

Der Halbgott sieht an sich runter, bevor er mir einen fragenden Blick zuwirft.

Ich grinse und stelle eine Tasse unter den Vollautomaten. »Du machst deinem Spitznamen alle Ehre.«

Loki wirft mir einen Blick zu, als würde er mal wieder darüber nachdenken mich durch die Fensterfront zu werfen.

Statt etwas zu sagen, wendet er sich ab und verschwindet durch die Tür nach draußen auf den Balkon.

Mein Blick folgt ihm, bis er nicht mehr zu sehen ist.

Die Kaffeemaschine signalisiert mir mit einem letzten Geräusch, dass sie fertig ist.

»JARVIS, kannst du mir sagen, was mit meinem Mitbewohner kaputt ist?«

»Lord Loki erwähnte einen Albtraum, als ich ihn nach seinem Wohlbefinden fragte, Sir.«

Ich sehe auf die Tasse Kaffee, die vor mir unter dem Vollautomaten steht.

Dann sehe ich zur Balkontür durch die Loki gerade verschwunden ist.

Ich nehme die Tasse und gehe mit ihr in Lokis Zimmer.

Ich setze mich auf die offensichtlich ungenutzte Seite seines Betts und warte.

Mein Blick wandert zu der Tasse in meiner Hand.

Dann fällt mein Blick auf Lokis Rüstung, die auf dem Sessel am Fenster liegt.

Ich nippe an der Tasse und lehne den Kopf anschließend nach hinten.

»Stark. Was machst du da?«

Mein Blick schnellt zur Tür.

Ich sehe kurz auf die Tasse in meiner Hand. »Ich trinke Kaffee.«

Loki hebt eine Augenbraue. »In meinem Bett?«

Ich zucke mit den Schultern. »Mir ist kein besserer Ort eingefallen.«

Er verschränkt die Arme vor der Brust. »Du bist ein schlechter Lügner, Stark.«

Loki schließt hinter sich die Tür und lässt sich aufs Bett fallen.

Sein Blick hängt an der Decke.

Ich trinke noch einen Schluck Kaffee und stelle die Tasse anschließend lautlos auf den Nachttisch.

Für einen Moment schweigen wir.

Loki bewegt sich neben mir ein wenig und zieht die Decke über sich.

Dann hängt sein Blick wieder an der Zimmerdecke.

Ich lasse mich langsam tiefer in das Bett gleiten.

Er bleibt weiterhin ruhig liegen. Ich schließe die Augen.

Ich höre, wie der Stoff der Bettwäsche leise raschelt.

Dann ein zögerndes Gewicht auf meiner Schulter.

Ich sage nichts und halte die Augen geschlossen, lege nur behutsam meinen Arm um seine Schultern.

Verhaltene Atemzüge streifen meinen Hals.

Ansonsten ist es still.

Nicht nur in diesem Raum.

Auch in meinem Kopf.

Als ich wach werde reibe ich mir durch das Gesicht.

Mein Blick fällt auf Tony, der immer noch neben mir liegt.

Er schläft noch.

»Guten Morgen, Lord Loki.«

Ich antworte im Flüsterton. »Guten Morgen, JARVIS.«

Ich stehe auf, ziehe mir eine Hose über und verlasse mein Zimmer.

Hinter mir schließe ich leise die Tür und gehe dann zur Kaffeemaschine.

Ich stelle die erste Tasse drunter und starte den Vollautomaten.

Die Maschine brummt und surrt vor sich hin, während ich den Kopf in den Nacken lege.

Als die erste Tasse fertig ist, tausche ich sie aus und stelle die Kaffeemaschine erneut an.

Ein Grinsen huscht über mein Gesicht.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Kannst du in meinem Zimmer Musik abspielen?«

»Natürlich, Lord Loki. Möchten Sie etwas bestimmtes hören?«

Während ich überlege, sehe ich zu, wie sich die zweite Tasse füllt.

»Nimm einfach irgendwas, das Stark gerne hört. Aber stell es auf volle Lautstärke.«

»Mister Stark schläft noch, Lord Loki.«

Ich nehme die beiden Tassen und mache mich auf den Weg zurück.

»Das ist mir bewusst, JARVIS. Würdest du das trotzdem bitte tun?«

»Wie Sie wünschen, Lord Loki.«

Es dauert nur wenige Sekunden, bis aus meinem Zimmer lautstark Musik dröhnt.

Gerade als ich die Tür öffnen will, tut diese es fast von selbst.

Tony steht vor mir und starrt mich an.

»Loki, hast du gerade-?« Ich unterbreche ihn.

»Guten Morgen, Katla.« Ich halte ihm eine der Tassen hin.

Er blinzelt verwirrt. »Was?«

Ich halte ihm weiter die Tasse entgegen. »Ich sagte Guten Morgen.«

Tony nimmt die Tasse. »Das habe ich verstanden.«

Ich grinse und nippe an meinem Kaffee. »Klang aber nicht so.«

Langsam wird sein Blick etwas klarer.

In meinem Zimmer dröhnt immer noch die Musik.

Er reibt sich über das Gesicht und seufzt resigniert.

»JARVIS, stell die Musik ab.«

»Natürlich, Sir.«

Tony geht an mir vorbei und zum Sofa.

Ich folge ihm.

Wir setzen uns nebeneinander hin.

Er legt den Kopf in den Nacken und sieht an die Decke. »Du bist unerträglich.«

Ich muss unwillkürlich grinsen. »Nein. Ich bin Loki von Asgard.«

Tony lacht leise. »Du bist ein Arsch.«

Ich lache. »Ich bin ein Gott.«

Er sieht mich an. »Gott der Arschigkeit?«

»Nun eigentlich Gott des Schabernacks, aber ich denke das kann man gelten lassen in deinem Zustand.«

Tony richtet sich auf. »Was soll das heißen, in meinem Zustand?«

»Nur, dass du nicht bei voller, geistiger Leistungsfähigkeit bist.« Ich trinke einen Schluck Kaffee.

Er starrt mich an.

»Ich bin müde.«

»Das sagte ich gerade.«

Tony blinzelt. »Nein. Du hast gesagt, ich bin geistig eingeschränkt.«

Ich grinse. »Habe ich nicht.«

»Aber du hast es gemeint.«

»Vielleicht.« Ich verberge mein Grinsen in der Tasse, indem ich noch einen Schluck Kaffee trinke.

Dann sehe ich ihn an. »Tony?«

»Mhm?«

Ich deute auf seine Tasse. »Dein Kaffee wird kalt.«

Er blinzelt kurz.

Dann beginnt er zu lachen.

»JARVIS, leg einen neuen Projektordner an. MARK-Acht.«

»Selbstverständlich, Sir.«

Ich nehme einen der Schraubendreher in die Hand und drehe ihn zwischen meinen Fingern. »Speichere die Berechnungen für das Filter und das abgeriegelte Luftsystem in dem Ordner.«

»Natürlich, Sir. Ich habe es gespeichert.«

Ich lehne mich zurück. »Speichere auch das neue Energieverteilungssystem, was ich im MARK-Sieben eingebaut habe. Das werden wir noch erweitern.«

»Erledigt, Sir.«

»Gut. Welche Möglichkeiten gibt es, den Anzug mobiler zu gestalten, ohne das neue Luftsystem und ein größeres Energieverteilungssystem zu beeinträchtigen?«

»Die aktuelle Methode vom MARK-Sieben bedarf aufgrund der kompakten Form mehr Zeit durch die mechanische Entfaltung, Sir. Sie könnten stattdessen den MARK-Acht in seiner Anlegekonfiguration transportieren lassen.«

Ich lehne mich ein wenig vor. »Das würde zwar mehr Platz brauchen, aber es würde die neuen Systeme nicht beeinträchtigen, richtig JARVIS?«

»Korrekt, Sir.«

»Dann machen wir das. JARVIS, berechne mögliche Größen für das Energiespeicher- und Verteilungssystem. Ich will wissen, wie viel ich da rausholen kann.«

»Die Berechnung dauert etwa zwanzig Minuten, Sir.«

Ich drehe den Schraubendreher in meiner Hand hin und her.

Dann lege ich ihn auf den Tisch und stehe auf.

Ich gehe die Treppe nach oben in das Penthouse.

Keine Spur von Loki.

Mein Weg führt mich zur Kaffeemaschine.

Ich stelle eine Tasse unter den Vollautomaten und stelle ihn ein.

Das Gerät surrt und brummt vor sich hin.

Ich lasse meinen Blick durch das Penthouse schweifen.

Es ist ungewohnt ruhig hier.

Fast schon zu ruhig, trotz der Geräusche der Kaffeemaschine.

Mit einem letzten Geräusch fließt der letzte Rest Kaffee in die Tasse.

Dann wird die Maschine still.

Ich ziehe die Tasse unter ihr weg und gehe wieder zurück in die Werkstatt.

»JARVIS, wie sieht es aus?«

»Die Berechnungen laufen noch, Sir.«

Mein Blick fällt auf den MARK II.

»JARVIS?«

»Ja, Sir?«

»Wann war Loki das letzte Mal in der Werkstatt?«

»Heute Morgen, Sir.«

Ich setze mich auf meinen Stuhl und nippe an meinem Kaffee.

Mein Blick heftet immer noch auf dem MARK II.

Er trägt schon wieder Lokis Rüstung.

Mit einem Schmunzeln wende ich mich wieder meinem Tisch zu und lehne mich zurück.

Doch nur für einen Augenblick.

Ich sehe nochmal zum MARK II.

Lokis Satz spukt auf einmal in meinem Kopf herum.

‚Wir brauchen für die Zukunft definitiv eine andere Transportmöglichkeit für mich.‘

Ich verschränke die Arme vor der Brust und wende mich dem MARK II zu.

»JARVIS?«

»Die Berechnungen laufen noch, Sir.«

»Nicht das. Leg einen neuen Projektordner an.«

»Sir, Sie haben eben erst-«

»Halt die Klappe J. Leg einen neuen Projektordner an. Name Projekt Schneewittchen.«

»Natürlich, Sir.«

»Ach und JARVIS, der Ordner ist streng geheim. Auch für Loki.«

»Selbstverständlich, Sir.«

Ich lasse mich auf das Sofa fallen.

Menschen und ihr Geld sind wirklich anstrengend.

Mein Blick wandert zu den Comics in meiner Hand und ich lege sie auf den Tisch, bis auf den oben liegenden.

Ich lehne mich zurück und schlage die erste Seite vom neunten Heft ‚Curse of the Spawn‘ auf.

Allerdings komme ich nicht viel weiter.

»Loki! Auch wieder zuhause, hm?«

Ich lasse das Heft sinken und sehe mit einer gehobenen Augenbraue zu Tony.

»Offensichtlich.«

Sein Blick fällt auf den Comic in meiner Hand. »Nachschub?«

Ich nicke knapp.

»Hat dich wohl doch mehr begeistert, als erwartet.« Tony deutet vage auf den Stapel Comics auf dem Tisch.

»Vielleicht.« Ich grinse.

Er lässt sich neben mir auf das Sofa fallen.

Ich schlage die erste Seite wieder auf und beginne zu lesen.

Bis ich bemerke, dass Tony mich anstarrt.

Ich sehe zu ihm und lasse das Heft wieder sinken. »Ist was?«

Tony grinst wie ein Idiot. »Nein.«

Ich lege den Comic zu den anderen auf den Tisch und verschränke die Arme. »Du bist ein schlechter Lügner, Stark.«

»Mag sein.« Er grinst immer noch.

»Darf ich meine Comics lesen, oder willst du mich weiter dämlich grinsend anstarren?«

»Beides.«

Ich nehme mir meinen Comic und werfe ihm einen kurzen Blick zu.

»Weißt du Tony, wenn du offensichtlich eh nur hier sitzt und mich anstarren willst, dann könntest du mir auch einen Kaffee machen.«

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber Tony steht tatsächlich auf und geht zur Kaffeemaschine.

Ich schlage die Seite wieder auf und beginne erneut zu lesen.

Als draußen etwas dumpf auf dem Balkon aufschlägt, weiß ich bereits, dass ich wieder nicht weiterkommen werde.

Ich lasse das Heft ein weiteres Mal sinken und sehe durch die Glasfront nach draußen.

Thor marschiert in Richtung der Balkontür.

Seufzend lege ich den Kopf in den Nacken.

Tony reicht mir von der Seite aus die Kaffeetasse. »Ich glaube du bekommst Besuch.«

»Ich hatte gehofft ich bleibe verschont und er will zu dir.«

Er zieht eine Augenbraue hoch. »Was sollte dein Bruder von mir wollen?«

Ich richte mich auf und nehme die Tasse. »Keine Ahnung, ich weiß ja nicht einmal, was er von mir will.«

Tony setzt sich wieder neben mich, dreht sich aber direkt zu der sich öffnenden Balkontür. »Du weißt schon, dass der Balkon keine Einladung ist, Rapunzel?«

»Entschuldige Stark, aber ich muss mit meinem Bruder sprechen. Dringend.«

Ich straffe mich augenblicklich und sehe zu Thor. »Was ist?«

Thor bleibt stehen und sieht mich ernst an. »Vater will mit dir sprechen.«

Meine Augenbrauen zucken hoch. »Was? Warum?«

Er zuckt mit den Schultern. »Das hat Vater nicht gesagt. Er sagte nur, dass er mit dir zu sprechen wünscht.«

Ich sehe ihn an. »Und wenn ich kein Interesse daran habe?«

»Ich denke nicht, dass Vater das gefallen würde.«

»Das ist mir ehrlich gesagt ziemlich e-«

Tony unterbricht mich. »Er kommt. Unter einer Bedingung.«

Ich werfe Stark einen Blick zu, aber dieser ignoriert mich einfach.

»Welche?« Thor verschränkt die Arme vor der Brust.

Tony grinst. »Ich komme mit.«

Mein Blick schnellt zu ihm. »Was?!«

Thors Stimme kommt nur noch halb bei mir an. »Nein, das geht nicht.«

»Gut dann bleibt Loki eben, wo er ist.« Tony verschränkt die Arme vor der Brust.

Ich reibe mir durchs Gesicht.

Wo bin ich hier nur gelandet?

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