Kapitel XV - Quälgeist auf Reisen
Kapitel XV - Quälgeist auf Reisen
»Loki? Stehst du schon wieder vor dem MARK-Zwei?«
Als ich mich umdrehe, steht Tony in der Tür.
Er verschränkt die Arme. »Das geht jetzt seit Tagen so. Immer wenn ich in die Werkstatt komme, stehst du hier und starrst auf deine Rüstung.«
Ich fahre mir mit beiden Händen durch die Haare. »Ich weiß.«
Mein Blick wandert fahrig durch die Werkstatt.
Aktuell herrscht hier ein ziemliches Chaos.
Überall stehen und liegen Komponenten von Tonys neuem Anzug, an dem er gerade arbeitet.
Aber immerhin sieht es nach Fortschritt aus.
Ich hingegen…
Mein Blick kehrt zurück zu meiner Rüstung, die der MARK II trägt.
Tonys Hand legt sich auf meine Schulter.
Ich schließe die Augen und lege den Kopf in den Nacken.
Dann atme ich tief durch.
»Du weißt schon, dass du kein Ausstellungsstück hier bist, oder?«
Ich sehe zu Tony.
Er grinst ein wenig unbeholfen.
Ich rolle mit den Augen, kann aber das Lächeln, das sich auf mein Gesicht stiehlt, nicht unterdrücken.
Tony nimmt etwas Abstand, geht zu seinem Tisch und setzt sich auf seinen Stuhl.
Mein Blick folgt ihm, dann wandert er wieder zu meiner Rüstung.
»Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, wann ich sie das letzte Mal händisch angelegt habe.«
Er lacht leise. »Du hast ja auch deinen Hokus Pokus dafür.«
»Magie, Tony.« Ich drehe mich zu ihm.
»Dafür, dass du jemand bist, der alles Technische sonst sehr konkret benennt, machst du einen erstaunlich großen Bogen darum, diese bei ihrem Namen zu nennen.«
Tony verschränkt die Arme vor der Brust. »Ich sag doch, Hokus Pokus.«
Ich schüttle grinsend den Kopf. »Du bist wirklich unerträglich.«
»Hey, es war deine Entscheidung mich nicht zu töten. Steht auf meiner Tasse.«
»Vielleicht sollte ich diese Entscheidung nochmal überdenken.« Ich neige den Kopf leicht zur Seite.
Er lehnt sich zurück. »Und wer soll dich dann nach Asgard begleiten?«
Meine Augenbrauen zucken hoch.
»Tu nicht so überrascht Loki. Du kommst seit Tagen hier runter und starrst auf deine Rüstung. Du hast deine Entscheidung schon längst getroffen.«
Kurz balle ich meine Hände zu Fäusten.
Dann entspanne ich sie wieder.
»Oh, was war das? Hab ich dich etwa erwischt?« Tony grinst.
»Ich schwöre dir Stark, das bekommst du irgendwann zurück.«
»Schön. Ich freu mich drauf.« Er sieht mich ruhig an.
»Aber vorher sollten wir uns auf den eigentlichen Kern konzentrieren.«
Ich spanne mich ein wenig an.
Die Illusion hinter Tony beugt sich an sein Ohr und antwortet für mich. »Vielleicht hast du recht.«
Tony springt erschrocken auf und starrt auf die Illusion.
Bis ich sie wieder verschwinden lasse.
Er sieht zu mir.
Ich grinse ihn an. »Erwischt, hm?«
»Du bist ein Quälgeist.«
Mein Grinsen wird breiter und ich zucke mit den Schultern. »Du hast beschlossen, dass ich hier wohne.«
Tony fängt an zu lachen und schüttelt den Kopf.
Ich sehe zu Loki.
Er sieht ein wenig skeptisch aus.
Thor fehlt noch.
»Wo bleibt dein Bruder?«
Er zuckt mit den Schultern und sieht zu mir. »Keine Ahnung.«
Sein Blick wandert gen Himmel.
Ich folge seinem Blick. »Ist da irgendwas, abgesehen von den paar Wolken?«
Er lacht leise. »Das wirst du früh genug herausfinden.«
Ein dumpfes Poltern zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich.
»Loki?!«
Der Halbgott sieht runter zum Balkon. »Hier oben!«
Ich trete neben Loki und sehe zu Thor, der auf dem Balkonring gelandet ist.
»Du kannst die Treppe nehmen!«
Natürlich tut Thor das nicht und wenige Augenblicke später landet er lautstark neben uns.
Er mustert mich skeptisch, als er sich aufrichtet. »Du wirst deine Rüstung nicht brauchen, Stark.«
Ich zucke mit den Schultern. »Ich gehe lieber auf Nummer Sicher.«
Loki sieht mich an. »Tony?«
Ich erwidere seinen Blick. »Was ist?«
Er fängt an zu grinsen. »Du solltest dich an mir festhalten.«
»Was?«
Loki legt wie selbstverständlich einen Arm um meine Schultern. »Tu es einfach.«
Ich sehe zu ihm auf. »Und ich dachte du wärst nicht so der Kuscheltyp.«
Dann lege ich einen Arm um seine Taille.
Thor und Loki starren in den Himmel, als gäbe es dort irgendwas zu sehen.
Sekunden später bemerke ich, dass ich keinen Boden mehr unter den Füßen habe.
Um uns herum rasen Galaxien in einer enormen Geschwindigkeit vorbei, versteckt hinter einer Art durchschimmernden Röhre aus unzähligen Farben.
»Was zur Hölle?!«
Loki sieht zu mir runter und hält mich grinsend fest.
Natürlich genießt er das gerade viel zu sehr.
Plötzlich stolpern wir wieder über festen Boden und Loki lässt mich gerade noch rechtzeitig los, dass wir beide nicht übereinander fallen.
Als ich wieder aufrecht stehe, fällt mein Blick auf einen Mann in goldener Rüstung und mit Augen, als wären sie aus klarem Bernstein.
Er sieht mich mit einer Ruhe an, die ich bei keinem Menschen je gesehen habe. »Willkommen in Asgard, Tony Stark.«
Ich blinzle irritiert.
Dann sehe ich zu Thor. »Du hast ihm gesagt, dass ich mitkomme?«
Das Antworten übernimmt wieder der Mann mit den Bernstein Augen. »Das war nicht nötig.«
Loki klopft mir grinsend auf die Schulter. »Heimdall sieht alles.«
Mein Blick wandert zwischen Loki und Heimdall hin und her. »Alles?«
Heimdall schmunzelt kurz. »Alles.«
Thor geht an uns vorbei. »Kommt jetzt.«
Loki folgt ihm wie selbstverständlich.
Seine Haltung wirkt jedoch anders, als ich sie kenne.
Aufrechter.
Majestätischer.
Ich nicke zu mir selbst und folge ihnen.
Allerdings nur für ein paar Schritte.
Mein Blick fällt durch den Ausgang der goldenen Kuppel auf Asgard.
Ich halte inne.
Die Stadt scheint vollkommen aus Gold zu bestehen.
Alles glänzt und glitzert im Licht der Sonne.
Im Augenwinkel sehe ich, wie Loki stehen bleibt und sich zu mir umdreht.
Mein Blick wandert weiter über die riesige, von Wasser umgebene Stadt, in deren Mitte ein gigantischer Palast aus Gold steht.
Ich sehe auf die Brücke vor mir, die in langsamen Wellen pulsierend leuchtet, als würde sie atmen.
Sie wirkt gläsern und leuchtet in unzähligen Farben.
Als ich den ersten Fuß auf sie setze, leuchtet sie um diesen herum golden auf, als würde sie auf den Druck reagieren.
Ich starre auf meinen Fuß.
Hebe ihn kurz an.
Dann lasse ich ihn wieder sinken.
Die Brücke leuchtet erneut auf.
Faszinierend.
Lokis Stimme reißt mich aus dem Moment. »Tony?«
Ich sehe zu Loki.
Er grinst. »Kommst du?«
Ich nicke und setze mich langsam in Bewegung.
Mein Blick bleibt an meinen Füßen hängen und beobachtet, wie die Brücke unter jedem meiner Schritte aufleuchtet.
Ich betrete die riesige Halle, gefolgt von Tony.
Thor steht bereits auf einer der Stufen beim Thron.
Genau wie Frigga auf der anderen Seite.
Ich atme tief durch und bleibe mit angemessenem Abstand vor dem Thron stehen.
Ich sehe kurz auf meine Handgelenke, dann sehe ich auf zu Odin.
Niemals hätte ich gedacht, dass ich Asgard nochmal frei betreten würde.
Sein Blick mustert mich eindringlich, dann wandert er zu Tony.
»Du bist also Tony Stark.«
Ich werfe Tony über die Schulter einen Blick zu.
Er steht kerzengerade.
Ein ungewöhnlicher Anblick.
Odins Stimme lenkt meine Aufmerksamkeit wieder nach vorne.
»Ich habe einiges über dich gehört.«
Ich spanne mich instinktiv an.
Bitte Tony, sag jetzt nichts Dummes.
»Ich hätte nicht erwartet das mein Ruf mir sogar bis zu den Göttern vorauseilt.«
Ich schließe die Augen.
Das darf jetzt nicht wahr sein.
Verdammter Stark.
Als ich die Augen wieder öffne, schmunzelt Odin.
Er schmunzelt…?!
Ich atme tief durch.
Sein Blick liegt immer noch musternd auf Tony.
Einen Augenblick lang herrscht beklemmende Stille.
Bis er wieder spricht. »Frigga, kleide unseren Gast angemessen ein und Thor, geh bitte mit. Ich möchte allein mit meinem Sohn sprechen.«
Was?
Tonys Stimme hinter mir, setzt mich erneut unter Spannung. »Ich werde nirgendwo-«
Ich hebe eine Hand, um ihn zu unterbrechen.
Ich sehe zu Tony und schüttle langsam den Kopf. »Ist schon gut.«
Tony starrt mich einen Moment lang fassungslos an.
Bis Thor neben ihn tritt und ihm eine Hand auf die Schulter legt.
Er nickt langsam.
Ich nicke zurück.
Dann verlässt er mit Thor und Frigga den Thronsaal und ich wende mich wieder Odin zu.
Dieser erhebt sich gerade von seinem Thron. »Loki.«
Er kommt die Stufen herunter und bleibt vor mir stehen. »Lass uns ein Stück gehen und reden. Ich denke das ist überfällig.«
Ich sehe ihn einen Moment lang an.
Er ignoriert es und geht einfach vor.
Ich weiß nicht zum wievielten Mal, aber ich atme erneut tief durch.
Dann folge ich Odin, bis ich neben ihm hergehe.
Eine Weile gehen wir einfach nur schweigend durch die Gänge.
Die Wachen gehen an uns vorbei.
Manche werfen mir missbilligende Blicke zu.
Odin räuspert sich ein wenig.
»Mein Sohn, ich habe gehört, was du auf Midgard getan hast.«
Ich verschränke wortlos die Hände hinter dem Rücken.
»Du hast versucht Midgard zu erobern.«
Ich stocke kurz, bevor ich weiter gehe. »Zu meiner Verteidigung, ich-«
Odin unterbricht mich, indem er eine Hand hebt. »Ich weiß, Loki.«
Ich sehe ihn an.
»Thor hat mir alles erzählt. Oder zumindest genug.«
»Ich weiß nicht, ob-«
Wieder werde ich unterbrochen.
»Es stimmt doch, dass du deine Pläne aufgegeben hast, oder?«
Ich nicke langsam.
»Und stimmt es auch, dass du vor kurzem geholfen hast, die Menschen zu schützen?«
Ich blinzle kurz.
Dann nicke ich wieder.
»Dann weiß ich genug.«
Ich sehe ihn an. »Vater, ich-«
Odin schüttelt den Kopf.
»Ich kann dir nicht sagen, dass all deine Taten verziehen sind und sie werden auch nicht ungeschehen, Loki.«
»Das wäre mir ebenfalls neu.«
Er nickt bedächtig. »Loki, ich möchte dir etwas wichtiges sagen.«
»Ich bin doch hier und höre zu, oder etwa nicht, Vater?«
Ein zweites Mal an diesem Tag sehe ich ihn kurz schmunzeln.
Dann wird sein Blick wieder ernst.
»Ich denke, ich habe einen Fehler gemacht, mein Sohn. Dein sterblicher Freund, Tony, hat etwas geschafft, was ich nicht geschafft habe.«
Ich bleibe abrupt stehen.
Er wirft mir einen kurzen, aufmerksamen Blick zu. »Er hat dir eine Wahl gelassen.«
Ich trete aus dem Nebenraum und sehe an mir herunter.
Die Kleidung sitzt erstaunlich gut. Der Stoff ist hochwertig, die goldenen Verzierungen sind tatsächlich ziemlich beeindruckend.
Eins muss ich Frigga lassen, sie hat Geschmack.
Ich drehe mich zu ihr um.
»Ich muss zugeben, ich habe schon schlechter ausgesehen.«
Frigga lächelt leicht. »Das ist nicht schwer zu glauben.«
Ich sehe sie an. »Das klang nicht nach einem Kompliment.«
»War es auch nicht.«
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. »Gut zu wissen.«
Mein Blick wandert kurz durch den Raum.
»Wo ist Thor?«
Frigga deutet auf die Tür. »Er wartet draußen.«
Ich nicke und gehe in Richtung der Tür.
Mein Blick fällt nochmal an mir herunter.
Ich gebe es nur ungern zu, aber ich könnte mich dran gewöhnen.
Frigga öffnet die Tür vor mir, mit einem zufriedenen Ausdruck auf dem Gesicht.
Ich sehe sie kurz an. »Danke.«
Sie nickt wissend.
Dann gehe ich an ihr vorbei.
Thor mustert mich aufmerksam.
Danach wandert sein Blick zu Frigga.
»Er sieht fast aus wie einer von uns, Mutter.«
Ich sehe zu Thor. »Das klang verdächtig nach einem Kompliment.«
Er verschränkt die Arme vor der Brust. »Ich sagte nur, du siehst akzeptabel aus.«
Ich grinse leicht. »Man nimmt, was man kriegen kann.«
Ich sehe kurz in den Raum zurück, dann wieder zu Thor. »Und mein Anzug ist hier auch wirklich sicher?«
Er nickt entschieden.
Frigga nickt ebenfalls.
Ich atme tief aus. »Na schön.«
Dann sehe ich kurz zu Thor. »Und jetzt?«
Er zuckt mit den Schultern. »Ich könnte dir Asgard zeigen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass du das lieber gemeinsam mit Loki machen würdest. Also warten wir.«
Ich nicke und lehne mich an die Wand.
Eine Weile stehen wir einfach nur schweigend da.
Mein Blick wandert durch den Korridor.
Dann hallen leise, fast lautlose Schritte von den Wänden wider.
Ich richte mich ein wenig auf.
Loki kommt um die Ecke.
Sein Blick fällt als erstes auf Thor.
Irgendwas an ihm wirkt anders.
Ich kann es nicht genau zuordnen.
Als sein Blick zu mir wandert bleibt er abrupt stehen.
Er mustert mich ungewöhnlich aufmerksam von oben nach unten.
Dann blinzelt er kurz.
Ich muss unwillkürlich grinsen. »Gefällt dir, was du siehst?«
Loki sieht mich an. »Ich habe lediglich deine Kleidung betrachtet.«
Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Natürlich.«
Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Frigga offensichtlich versucht ein Grinsen zu verstecken.
Thor hingegen sieht peinlich berührt aus, als wäre es ihm unangenehm.
»Vielleicht sollte ich das mit nach Hause nehmen.« Ich deute vage auf meine neue Kleidung.
Loki fängt an zu grinsen. »Dann siehst du wenigstens mal vernünftig aus, Stark.«
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Vielen lieben Dank an ElaW für die Review auf das letzte Kapitel!