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Kapitel XVI - Nach Asgard ist vor Asgard

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Kapitel XVI - Nach Asgard ist vor Asgard

Thor hat mich auf einen kleinen Rundgang durch den Palast mitgenommen.

Loki hat sich zurückgezogen.

Außerdem wollte Frigga auch noch mit ihm sprechen.

Mein Blick schweift über die vielen Säulen aus Gold mit den Verzierungen, während wir nebeneinander hergehen.

»Sag mal Rapunzel, wie genau funktioniert das mit eurer Magie eigentlich?«

Thor sieht mich einen Augenblick lang an.

»Ich denke, das solltest du Loki fragen.«

Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Der ist aber gerade nicht hier, deswegen frage ich dich. Oder weißt du etwa nicht, wie eure Magie funktioniert?«

Thor verschränkt ebenfalls die Arme vor der Brust. »Natürlich weiß ich das.«

»Na also. Wo ist dann das Problem?«

Sein Blick wandert den Gang entlang.

»Loki hat eindeutig weit mehr Wissen darüber. Allein schon aufgrund seiner Begabung.«

Ich muss unwillkürlich grinsen. »Ja seine Begabung kenne ich bereits. Ständig diese Illusionen die sich an mich heranschleichen.«

»Ist das alles, was du bisher gesehen hast?«

Ich sehe Thor an. »Na ja ich kenne seine Illusionen und seine Duplikationen.«

Ich mache eine kurze Pause.

»Und einmal stand er als Ich in meiner Werkstatt.«

Der blonde Gott sieht mich an. »Ist das alles, was du bisher von ihm gesehen hast?«

Ich hebe eine Augenbraue. »Sollte es etwa anders sein?«

Er wird etwas langsamer. »Vielleicht ist es besser, wenn du nicht alles weißt, Stark.«

Ich passe meinen Schritt seinem an. »Das klingt eher so, als sollte ich das unbedingt wissen.«

Thor seufzt und spannt sich ein wenig an. »Wie viele Illusionen hast du von Loki schon gleichzeitig gesehen?«

Ich überlege einen kurzen Moment. »Soweit ich mich erinnern kann, eine.«

Er schnaubt leise. »Bevor Loki nach New York kam, gab es einen Vorfall. Ich will nicht groß darüber reden. Der Punkt ist, Loki hatte mich mit einem Haufen seiner Illusionen umzingelt.«

Ich nicke langsam. »Er hat mir gesagt, dass er das kann, aber ich habe es noch nicht gesehen.«

Thor wirft mir einen Blick zu. »Ist vielleicht auch besser so.«

»Das sehe ich anders.«

Er zieht die Augenbrauen zusammen. »Du bist äußerst lästig, Stark.«

»Bist nicht der Erste, der das zu mir sagt.«

Ich grinse. »Aber ich würde gerne nochmal auf das eigentliche Thema zurückkommen. Was kann Loki sonst noch?«

Thor bleibt abrupt stehen. »Vieles. Vielleicht manchmal zu viel… Ich denke du solltest besser mit Loki darüber sprechen.«

»Habe ich schon.«

»Und er hat dir nicht alles gesagt?«

Ich bleibe neben ihm stehen. »Um fair zu sein, das war gerade mal eine Woche nach New York.«

Er sieht mich ernst an. »Wozu willst du das eigentlich wissen, Stark?«

Ich zucke mit den Schultern. »Menschliche Neugier.«

Thor mustert mich einen Augenblick lang.

»Wenn du das alles unbedingt wissen willst, dann sprich mit Loki. Er ist der Einzige, der dir wirklich Antworten darauf geben kann.«

Mein Blick wandert zum Himmel.

Die Sonne steht mittlerweile schon recht tief.

»Schneewittchen!« Tonys Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.

Er und Thor kommen mir gerade entgegen und ich muss unwillkürlich lächeln.

Ich bleibe vor ihnen stehen und sehe Tony an. »Katla.«

Thor fängt an zu lachen.

Tony dreht sich zu ihm um und hebt eine Augenbraue.

Dann sieht er wieder zu mir.

Ich grinse.

Tony sieht zwischen Thor und mir hin und her, dann scheint er zu verstehen.

»Also als du mich vor einer Woche das erste Mal so genannt hast… Du hast mich nach einer asgardianischen Märchenfigur benannt?!«

Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Vielleicht.«

Thor hingegen kriegt sich gar nicht mehr ein vor Lachen.

Tony grinst nun ebenfalls. »Sehr subtil. Ich bin fast beeindruckt.«

»Immerhin hast du eine Woche gebraucht, um es überhaupt zu begreifen.«

Ein weiterer Lachkrampf schüttelt Thor nach meiner Antwort.

Ich sehe zu ihm. »Und wenn mein Bruder sich gerade nicht krümmen würde vor Lachen, hättest du wahrscheinlich noch länger dafür gebraucht.«

Er winkt ab. »Ich wollte dir nur die Gelegenheit geben, dich wirklich mal überlegen zu fühlen.«

»Ach, ist das so?« Ich hebe eine Augenbraue.

Tony grinst immer noch und scheint sich seiner sehr sicher zu sein.

Vielleicht ein wenig zu sicher.

»Vielleicht sollte ich dir mal zeigen, wie überlegen ich dir tatsächlich bin.«

Tony blinzelt kurz.

Sein Grinsen verändert sich.

»Das klang jetzt irgendwie anders, als du es wahrscheinlich gemeint hast.«

Ich sehe, wie sich sein Blick für einen Augenblick über mein Gesicht bewegt.

Dann grinst er wieder.

»Oder genau so, wie du es gemeint hast?«

Ich hebe eine Augenbraue. »Vielleicht.«

Tony lacht leise. »Du wirst wirklich immer dreister.«

Ohne dass Tony es bemerkt, greift ein Duplikat von mir von hinten um seine Kehle und raunt an sein Ohr. »Dreist genug?«

Tony steht wie angewurzelt da und scheint unsicher zu sein, wohin er sich nun richten soll.

Thor richtet sich abrupt auf und strafft sich.

Sein Gelächter verstummt augenblicklich. »Loki!«

Ich sehe zu meinem Bruder. »Ach komm schon Bruder. Glaubst du wirklich ich würde Stark etwas tun?«

Ich rolle mit den Augen und lasse das Duplikat verschwinden.

Tony fährt sich über den Hals und sieht mich an.

»Das war unnötig.«

Ich hebe eine Augenbraue. »Du hast mich herausgefordert.«

Tony zieht ebenfalls eine Augenbraue hoch. »Ich habe nicht darum gebeten, dass du mir an die Kehle gehst.«

Ich grinse. »Du bist noch am Leben.«

»Steht ja auch auf meiner Tasse.«

Thors Blick wandert reichlich irritiert zwischen uns hin und her.

Ich rolle grinsend mit den Augen. »Ich bereue dieses Geschenk bereits zutiefst.«

Tony verschränkt die Arme vor der Brust. »Natürlich.«

Thor sieht immer noch zwischen uns hin und her. »Was genau passiert hier gerade?«

Ich sehe meinen Bruder an. »Nichts, worüber du dir Gedanken machen musst.«

»Das sieht aber nicht danach aus.«

Tony grinst. »Wir haben nur einen kleinen Insider.«

Thor zieht die Augenbrauen zusammen. »Einen Insider?«

»Genau.«

»Und worum geht es?«

Ich sehe kurz zu Tony.

Er grinst noch immer.

Ich werfe Thor einen Blick zu. »Das geht dich nichts an.«

Thor sieht mich fassungslos an. »Ihr macht das absichtlich, oder?«

Tony nickt. »Absolut.«

Ich muss lachen.

»Tony?«

Ich sehe zu Loki. »Hm?«

»Wegen vorhin-«

Ich unterbreche ihn und winke ab. »Vergiss das. Alles gut.«

Loki nickt und geht weiter neben mir her.

Oder eher ich neben ihn.

Ich kenne mich hier ja nicht aus.

Mein Blick wandert an die hohe Decke, die von den riesigen Säulen gehalten wird.

Wirklich beeindruckend.

Loki wirft mir einen Blick zu und grinst.

»Du wirkst beeindruckt.«

Ich zucke mit den Schultern. »Vielleicht ein bisschen.«

Lokis Blick folgt kurz meinem. »Wenn du das beeindruckend findest…«

Er bricht kopfschüttelnd den Satz ab und packt mich am Arm. »Komm einfach mit.«

Schon werde ich einfach von ihm mitgezogen, durch verschiedene Gänge und Korridore.

Kurz frage ich mich, wie man sich hier nicht einfach verlaufen kann.

»Loki, du musst mich nicht mitschleifen.«

Er wirft mir einen Blick über die Schulter zu. »Wäre dir Händchen halten lieber?«

Loki grinst kurz, dann richtet sich sein Blick wieder nach vorne, ohne auf meine Antwort zu warten.

Ich lasse mich von ihm mitziehen, aber mein Blick wandert automatisch kurz zu seiner Hand.

Plötzlich wird er langsamer und lässt mich los.

Wir stehen in einer Art offenen Galerie, von der man aus auf die Stadt sehen kann.

Nicht nur die Stadt.

Mein Blick fällt auf einen atemberaubenden Sternenhimmel und ich trete ein paar Schritte weiter an die offene Fläche bei den Säulen.

Der Nachthimmel über Asgard ist bedeckt von Sternen.

Auf der Erde würde man selbst unter besten Bedingungen niemals so viele Sterne sehen können.

Und als würde das nicht schon reichen, schimmert der Himmel dazwischen in einer dunkelbunten Farbenpracht, als würde er selbst die Brücke spiegeln, über die wir heute gegangen sind.

Loki tritt stumm neben mich und betrachtet ebenfalls den Nachthimmel.

Kurz wandert mein Blick zu ihm.

Er trägt seine Rüstung, wie schon den ganzen Tag, hat die Hände hinter dem Rücken verschränkt, steht aufrecht und aufgrund der Blickrichtung zum Himmel das Kinn leicht angehoben.

Er wirkt tatsächlich so majestätisch wie ein Prinz.

Loki wirft mir einen kurzen Blick von der Seite zu, rührt sich aber nicht.

Dann beginnt er zu grinsen und sieht wieder auf den Nachthimmel.

Ich löse meinen Blick von ihm und sehe ebenfalls wieder zu den unzähligen Farben und Sternen, die den Himmel bedecken.

»Ich verstehe langsam, warum ihr alle so arrogant seid.«

Loki sieht mich von der Seite an. »Ach?«

»Wenn ich hier aufgewachsen wäre, ginge es mir wahrscheinlich genauso.«

Er lacht leise.

Mein Blick wandert zu seinem Gesicht.

Und verharrt dort einen Augenblick.

Sekunden danach fängt er sich leider schon wieder. »Du bist nicht hier aufgewachsen und bist trotzdem überheblich, Stark.«

Ich blinzle kurz.

Dann muss ich grinsen.

Anschließend wende ich mich wieder dem Himmel zu.

Eine Weile lang schweigen wir einfach nur.

Bis Loki die Stille unterbricht, ohne mich anzusehen. »Tony?«

»Hm?«

Er atmet einmal tief aus.

»Danke.«

Mein Blick schnellt zu ihm.

Loki starrt immer noch auf den Nachthimmel.

Langsam sehe ich ebenfalls erneut zum Himmel.

»Du musst dich nicht dafür bedanken.«

»Ich weiß.«

Ich werfe einen Blick zurück auf Asgard.

Die Stadt.

Den Palast.

Die Brücke.

Der Nachthimmel.

Dann wende ich mich entschlossen um.

Ich kann jederzeit wieder hier her.

Aber es gibt nichts, was mich hier hält.

Mein Blick fällt auf Tony, welcher Heimdall anstarrt.

Heimdall hingegen ist ruhig wie eh und je.

»Du siehst wirklich alles?«

Ich muss unwillkürlich grinsen.

Heimdall nickt. »So ist es.«

Tony wirft mir einen Blick zu. »Ich werde mich nun unweigerlich immer beobachtet fühlen.«

»Gewöhn dich dran, Stark.« Ich trete neben ihn.

»Die Vorstellung dauerhaft überwacht zu werden ist nicht gerade beruhigend.«

Ich hebe eine Augenbraue. »Und was ist mit JARVIS?«

Er öffnet den Mund, um zu antworten.

Schließt ihn dann wortlos wieder.

Ich grinse. »Also. Bereit?«

Tony nickt.

»Gut.« Ich nicke Heimdall zu.

Dieser dreht das Schwert, um den Bifröst zu öffnen.

Ich lege einen Arm um Tonys Schultern und trete mit ihm vor den Durchgang.

Sein Arm wandert um meine Taille und er hält sich fest.

Dann ziehe ich ihn mit mir und der Bifröst befördert uns zurück nach Midgard, auf das Dach vom Stark Tower.

Die Farben verflüchtigen sich und ein Windzug streift mein Gesicht.

Mein Blick fällt auf New York um uns herum.

Dann wandert er zu Tony, welcher sich gerade von mir löst.

Ich schließe die Augen und atme tief durch.

Tonys Bewegungen in dem MARK VII klingen wie immer mechanisch.

Die Autos auf den Straßen klingen weit entfernt.

Ich öffne die Augen wieder.

Tony steht bereits in der Tür vom Dach.

Ich nicke ihm zu und er geht vor.

Ich folge ihm langsam.

Lasse dabei nochmal meinen Blick über New York schweifen.

Dann schließe ich die Tür hinter mir.

»Hey Tony.«

Er geht die Treppen runter. »Mhm?«

»Weißt du, worauf ich jetzt Lust hätte?«

Tony bleibt abrupt stehen und dreht den Kopf zu mir. »Sag jetzt nichts falsches.«

Ich hebe eine Augenbraue und grinse. »Es gibt etwas Falsches, das ich sagen könnte?«

»Einiges. Also Spucks aus, was willst du, Schneewittchen?«

Ich grinse und neige den Kopf leicht zur Seite. »Eine Pizza.«

Tonys Augenbrauen schießen hoch.

Dann sieht er an sich runter und beginnt zu grinsen. »Mach mal Platz.«

Ich trete auf der Treppe einen Schritt zur Seite und er geht wieder hoch zur Tür.

Mein Blick folgt ihm.

Er sieht mich an. »Setz dich schonmal aufs Sofa. Ich bin gleich wieder da.«

Tony betritt das Dach und schließt seinen Helm.

Dann hebt er ab und lässt mich hier alleine zurück.

Ich schüttle kurz den Kopf, schließe die Tür und gehe nach unten in das Penthouse.

»JARVIS, schalte das Licht ein.«

Das Licht geht an.

»Guten Abend, Lord Loki. Wie war Ihr Aufenthalt in Asgard?«

Ich gehe zur Kaffeemaschine. »Unerwartet aufwühlend, aber auch befreiend.«

»Das klingt Komplex. Falls ich noch irgendwas für Sie tun kann-«

Ich unterbreche Tonys KI, während ich die erste Tasse unter die Maschine stelle. »Nein danke, JARVIS.«

»Natürlich, Lord Loki.«

Ich lehne mich an die Wand und beobachte, wie sich die Tasse unter dem Vollautomaten langsam füllt.

Als die Kaffeemaschine fertig ist, wechsle ich die Tassen.

Ein dumpfes ‚Plonk‘ lässt meinen Blick durch das Fenster wandern.

Tony kommt den Landesteg entlang, über den er auch gegangen ist, als wir uns hier im Tower das erste Mal gegenüberstanden.

Nur dass ihm dieses Mal der Anzug nicht abgenommen wird und er einen Pizzakarton in den Händen hat.

Ich grinse, nehme unsere Tassen und gehe mit diesen zum Sofa.

Ich stelle die Tassen auf dem Tisch ab und lasse mich auf das Sofa fallen.

»JARVIS, Anzug öffnen.«

»Natürlich, Sir.«

Innerhalb weniger Augenblicke öffnet sich der Anzug um Tony und er steigt heraus.

Anschließend lässt er sich mit dem Pizzakarton neben mir auf das Sofa fallen.

»JARVIS, schalte den Fernseher ein.«

»Natürlich, Sir.«

Der Bildschirm wird hell.

„Odin stirbt.“

„Seit neun Tagen und neun Nächten hängt er in den Ästen des Weltenbaumes Yggdrasil.“

»NEIN!« Keife ich lachend den Fernseher an.

Tony sieht mich an.

»Das ist diese unsagbar schlimme Doku über meine Welt.«

Tony fängt an zu lachen und wirft den Kopf in den Nacken.

»Loki… Loki, können wir die bitte gucken?«

Ich reibe mir das Nasenbein, muss aber grinsen. »Aber nur weil du dann selbst siehst, was für eine falsche Vorstellung ihr Menschen von uns habt.«

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Und wieder vielen lieben Dank an ElaW für die Review auf das letzte Kapitel!