Kapitel XVII - Katla und der grüne Turm
Kapitel XVII - Katla und der grüne Turm
Ich nippe an der Tasse Kaffee mit der ich auf dem Sofa sitze.
In der anderen Hand habe ich einen meiner Comics.
Meine Aufmerksamkeit ist allerdings nicht komplett bei dem Heft.
»Guten Morgen, Sir. Die außen Temperatur beträ-«
Tony schlendert durch das Penthouse. »Klappe JARVIS.«
Ich lasse das Heft sinken und sehe ihn an.
»Guten Morgen, Tony.«
Sein Blick wandert fahrig zu mir. »Morgen.«
Ich deute auf die zweite Tasse Kaffee auf dem Tisch.
Ein kaum sichtbares Lächeln erscheint auf seinem Gesicht.
Tony wechselt die Richtung und lässt sich schließlich neben mir auf das Sofa fallen.
»Du siehst schrecklich aus.«
Er sieht mich an. »Danke auch.«
Ich grinse. »Trink deinen Kaffee.«
Tony schnaubt leise und greift nach der Tasse.
»Du warst wieder die halbe Nacht in der Werkstatt, oder?«
Er nippt an seinem Kaffee. »Mhm.«
Die Fahrstuhltür geht auf. »Mister Stark, sind Sie…-«
Pepper bricht ihren Satz ab und sieht zu Tony.
Sie seufzt leise. »Wie lange brauchen Sie, um sich fertig zu machen?«
Tony winkt ab. »Zehn Minuten.«
Pepper nickt. »Gut.«
Ich sehe zu Tony. »Wichtiger Termin?«
Er grinst mich an. »Ich habe keine Ahnung.«
»Ja, der Termin ist wichtig.« Pepper tippt ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden.
Tony seufzt. »Ich geh ja schon.«
Er stellt die Tasse ab und geht zurück in sein Schlafzimmer, aus dem er eben erst gekommen ist.
Ich richte meine Augen wieder auf den Comic.
Peppers Blick liegt auf mir.
Ich kann es förmlich spüren.
Ich lasse das Heft wieder sinken und sehe sie an. »Ist irgendwas?«
Sie schmunzelt. »Ich hätte nie gedacht, dass ich Sie mal so sehen würde.«
Ich sehe an mir runter.
Dann sehe ich wieder zu ihr. »Wie meinen Sie das?«
»Sie sitzen da auf Tonys Sofa, im Anzug mit einem Kaffee in der Hand und einem Comic.«
Ich neige den Kopf leicht zur Seite. »Und?«
»Sie wirken erstaunlich menschlich.«
Ich hebe eine Augenbraue. »Das klingt wie eine Beleidigung.«
Pepper lächelt ein wenig schief. »Sollte es nicht sein.«
»Gut.« Ich trinke einen Schluck Kaffee.
Sie wirkt immer noch fasziniert von meinem Anblick, aber sie sagt nichts mehr.
Also richte ich meinen Blick wieder auf meinen Comic.
»So, kann los gehen.«
Ich sehe erneut auf.
Tony kommt ordentlich im Anzug gekleidet wieder zurück in das Penthouse.
Er trinkt einen Schluck aus der Tasse, dann huscht er weiter Richtung Fahrstuhl.
»Kommen Sie Miss Potts?«
»Natürlich Mister Stark.«
Beide verschwinden im Fahrstuhl.
Ich bleibe noch einen langen Augenblick sitzen.
Bis ich sicher bin, dass Tony nicht nochmal zurückkommt.
Dann lege ich das Heft auf den Tisch und stelle meine Tasse ab.
Mit schnellen Schritten gehe ich in mein Zimmer.
Ich hole ein Buch und ein paar Kleidungsstücke aus meinem Schrank und verlasse mein Zimmer wieder.
Danach gehe ich die Treppe hoch zu Tonys Schlafzimmer.
Vor der Tür verharre ich einen Moment.
Ich sehe auf die Sachen in meinen Händen.
»JARVIS?«
»Ja, Lord Loki?«
»Ich werde jetzt Tonys Schlafzimmer betreten. Er darf davon aber nichts wissen. Es ist eine Überraschung.«
»Verstanden, Lord Loki.«
Ich nicke langsam und öffne die Tür.
Ich gehe zum Bett, lege das Buch ab und die Kleidungsstücke oben drauf.
Einen Moment lang hängt mein Blick an den Kleidungsstücken.
Dann wende ich mich ab und verlasse Tonys Schlafzimmer wieder.
Ich atme tief aus.
Ich hasse Termine.
»Tony?«
»Was ist Happy?«
»Der Stark Tower ist grün.«
»Warte, warte, warte. Was?«
Ich lehne mich zwischen den Sitzen nach vorne und sehe durch die Frontscheibe.
Der Stark Tower ist grün.
Und zwar vollständig.
Ich muss unwillkürlich lachen.
Happy sieht mich über den Rückspiegel an. »Ich nehme an, das war nicht geplant.«
Ich schüttle den Kopf. »Nein, ganz sicher nicht.«
Für die letzten Minuten der Fahrt lasse ich mich zurück auf den Sitz fallen.
Trotzdem muss ich grinsen.
»Bist du nicht wütend?«
Wieder schüttle ich den Kopf. »Warum sollte ich das sein?«
»Dein Tower ist grün.«
Ich lache leise. »Ich weiß. Ich habe es gesehen.«
Happy sieht mich erneut durch den Rückspiegel an. »Du bist völlig verrückt geworden.«
Ich grinse. »Ich schätze, das war ich schon immer.«
Ich lehne mich zurück und betrachte das grüne Gebäude, bevor Happy den Wagen in die Tiefgarage steuert.
Wir schweigen auf den letzten Metern.
Bis Happy den Wagen hält. »Wir sind da.«
Ich nicke und steige aus dem Wagen.
»Wir sehen uns Happy.«
Er nickt mir zu. »Bis dann, Tony.«
Ich schließe die Wagentür und gehe zu meinem privaten Fahrstuhl.
Ich drücke die Taste zum Penthouse und lehne mich an die Wand.
Der Fahrstuhl setzt sich in Bewegung.
Mein Blick wandert zu der Anzeige über der Tür.
Ich grinse immer noch über den grünen Tower.
Der Fahrstuhl stoppt und die Türen öffnen sich.
Mein Blick fällt in mein Penthouse.
Vollständig grün eingefärbt.
Loki sitzt tiefenentspannt auf meinem jetzt grünen Sofa.
Sein Blick wandert zu mir und er grinst. »Hey Tony. Da bist du ja wieder.«
Ich verschränke die Arme vor der Brust und grinse. »Dir ist schon klar, dass wir heute nicht Saint Patrick's Day haben?«
Er zieht eine Augenbraue hoch. »Bitte was für einen Tag?«
Ich schnaube belustigt. »War klar, dass du den nicht kennst.«
Er rollt mit den Augen. »Ich bin dafür, dass wir einfach einen Tag einführen, den wir nach mir benennen.«
»Da ist der Größenwahn also geblieben!« Ich lache laut auf.
Loki grinst und lehnt sich zurück. »Ich würde es eher als berechtigtes Selbstbewusstsein bezeichnen.«
Ich schüttle lachend den Kopf und lasse mich neben ihm auf das Sofa fallen.
Mein Blick wandert durch das Penthouse. »Ist wirklich alles grün oder hast du etwas vergessen?«
Er sieht sich um, dann fällt sein Blick auf mich. »Nun. Du bist noch nicht grün.«
Ich hebe eine Augenbraue und sehe ihn an. »Du auch nicht.«
Loki grinst mich an. »Ließe sich beides ändern.«
»Das ist mir leider sehr bewusst.« Ich deute vage auf den Raum.
Tony krempelt die Ärmel seines Hemds erneut hoch.
»Reich mir mal bitte den Schraubendreher da drüben.«
Ich nicke und reiche ihm besagtes Werkzeug.
»Danke.«
Ich beobachte aufmerksam, wie er an der Rückenplatte seines MARK VIII arbeitet.
»Wie war eigentlich dein erster Flug in so einem Anzug?«
Tony schaut kurz auf und sieht mich an. »Meinst du wirklich den allerersten? Oder eher in dem ersten ausgereiften Anzug?«
Ich lehne mich zurück. »Beides.«
Er schnaubt leise und dreht eine Schraube fest. »Der Flug im MARK-Eins war auf seine eigene Art speziell.«
Tony starrt kurz auf die Schraube. »Und es war auch zum Großteil eher ein Abschuss mit Absturz als ein wirklicher Flug.«
Ich hebe eine Augenbraue. »Wie meinst du das?«
»Na ja…« Er wirft einen Blick über die Schulter zum MARK I.
»Du erinnerst dich daran, dass ich dir gesagt habe, dass die Waffen, die ich entwickelt habe in den falschen Händen gelandet sind?«
Ich nicke langsam. »Aber was hat das eine mit-«
Tony hebt den Schraubendreher und unterbricht mich. »Ich war mal drei Monate in Geiselhaft bei einer Terrorgruppe. Und die hatten meine Waffen.«
Er sieht mich kurz an, als würde er eine Reaktion erwarten.
Ich bleibe stumm und sehe ihn an.
Er wendet sich wieder der Rückenplatte seines Anzugs zu. »Mit dem MARK-Eins bin ich geflüchtet.«
Mein Blick hängt an seiner Hand mit dem Schraubendreher. »JARVIS hat mal erwähnt, dass es der Prototyp ist und dieser unter widrigen Umständen entwickelt wurde.«
Tony nickt und löst eine andere Schraube ein wenig. »Die Landung in der Wüste war eher unsanft.«
Ich nicke langsam. »Und wie war der Flug in deinem ersten richtigen Anzug?«
Er grinst und greift nach der Zange. »Das war unbeschreiblich. Ein völlig anderes Gefühl von Freiheit.«
Wieder nicke ich.
Tony nimmt eine der kleinen Platten raus und zieht sich den Lötkolben näher.
Mein Blick folgt seiner Hand und anschließend der Spitze des Lötkolbens.
»War es eigentlich anstrengend mit deiner Magie den ganzen Tower grün einzufärben?«
Ich muss unwillkürlich grinsen. »Nein, nicht wirklich.«
Er nickt langsam und wandert mit der Lötkolbenspitze etwas weiter. »Und wie genau funktioniert deine Magie?«
Meine Augenbrauen zucken überrascht hoch.
»Was ist los Schneewittchen? Hat es dir die Sprache verschlagen?« Er lötet eine weitere Verbindungsstelle.
Ich schnaube leise. »Mich überrascht nur, dass du so spezifisch fragst, Katla.«
Tony grinst, bleibt aber konzentriert. »Also?«
Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Das kommt ganz darauf an, um welchen Zauber es geht.«
»Na dann fangen wir doch damit an, was du alles kannst.« Er stellt den Lötkolben zurück und wirft mir einen kurzen Blick zu.
»Nun die Illusionsprojektion, Duplikationszauber und Gestaltwandeln kennst du ja bereits.«
Er nickt und legt die Platte wieder ein. »Ich schätze das ist bei weitem nicht alles?«
Ich schüttle den Kopf.
Tony nimmt wieder den Schraubendreher in die Hand. »Also, was kannst du noch? Und wie funktioniert das alles?«
»Wenn ich dir alles verrate, dann habe ich doch nichts mehr, womit ich dich überraschen könnte.« Ich grinse.
»Gut, dann erzähl mir eben nur wie es funktioniert, statt um den heißen Brei herum zu reden.« Er dreht eine der Schrauben wieder fest.
»Im Endeffekt funktioniert alles über Energie. Grundsätzlich muss ich meine magische Energie kanalisieren und manchmal auch noch manipulieren. Das kommt dann auf den Zauber an.«
Tony nickt und dreht eine weitere Schraube fest. »Also eine Illusionsprojektion wäre demnach wahrscheinlich eine Manipulation dieser Energie, wie heute mit dem Tower?«
Ich lehne mich zurück. »Richtig. Bei einem magischen Geschoss zum Beispiel wäre es hingegen eine reine Kanalisierung.«
Wieder nickt er und zieht eine Schraube fest. »Verstehe.«
Tony legt den Schraubendreher an die Seite und begutachtet die Rückenplatte eindringlich.
Mein Blick folgt seinem. »Fertig?«
Er nickt ein weiteres Mal. »Fürs Erste.«
Ich trommle mit den Fingern auf dem Tisch vor mir.
Mein Blick fällt dabei auf den leeren Hocker neben mir.
»JARVIS, berechne die Mindestgröße der Plattenteile, wenn ich für Loki einen MARK-Anzug anfertigen wollen würde.«
»Die Berechnung läuft, Sir. Die Dauer beträgt etwa zehn Minuten.«
Ich beobachte die Berechnungsanzeige auf einem der Hologramme und klopfe mit den Fingern auf den Tisch.
Das ist vermutlich mein kleinstes Problem.
Ich brauche eine Schnittstelle, die mit der Energie arbeitet, die Loki für seine Magie nutzt.
Und selber testen wie der ganze Hokus Pokus funktioniert, kann ich nicht.
Meine Finger bleiben in der Luft hängen.
Vielleicht doch.
Wenn ich die Neuronalen Muster aus meinem Gehirn auf Loki übertragen könnte und andersherum…
»JARVIS, leg einen neuen Projektordner an unter dem Namen Bewusstseinsübertragung.«
»Natürlich, Sir. Darf ich Sie darauf hinweisen-«
»Nein, JARVIS.«
Ich sehe mich nach Zettel und Stift um und greife nach einem Schraubendreher, als ich nichts davon sehe.
»JARVIS, notiere folgendes; Memory-Core für Neuronale Muster, Neuralnetzwerk-Scanner, Swap-Controller, Transfer-Interface, Stabilisator und einen Prozessor zur Berechnung.«
»Ist notiert, Sir. Soll ich es in dem neu angelegten Projektordner speichern?«
»Jap.« Ich drehe den Schraubendreher zwischen meinen Händen hin und her.
JARVIS blendet mir die Liste ein.
Das ist absolut wahnsinnig.
Vollkommen bescheuert.
Großartig.
Ich flippe den Schraubendreher herum.
Ich starre immer noch auf die Liste.
Meine Augen brennen.
Ich lege den Schraubendreher weg und reibe mir über das Gesicht.
»JARVIS, wie spät ist es?«
»Es ist vier Uhr elf, Sir.«
»Ups.«
Ich stehe auf. »JARVIS, lass die Berechnungen laufen. Ich gehe ins Bett.«
»Natürlich, Sir.«
Ich verlasse meine Werkstatt und gehe die Treppe zum Penthouse hoch.
Mein Blick wandert kurz durch den Raum und fällt auf Loki, der scheinbar schlafend auf dem Sofa liegt.
Zumindest hat er den Comic im Gesicht liegen.
Ich hole mir eine Decke aus seinem Zimmer und trage sie zum Sofa.
Behutsam nehme ich den Comic von seinem Gesicht und lege ihn auf den Tisch.
Dann decke ich ihn zu.
Anschließend gehe ich die Treppe hoch zu meinem Schlafzimmer.
Als ich die Tür öffne, ist es dunkel.
»JARVIS, Licht an. Zehn Prozent.« Ich knöpfe mein Hemd auf.
»Sofort, Sir.«
Ich schließe hinter mir die Tür und werfe das Hemd in eine Ecke.
Dann fällt mein Blick auf etwas, das auf meinem Bett liegt.
Ich trete an das Bett und nehme es in die Hand.
Meine Finger fahren über den Stoff.
Als ich es auseinanderfalte, muss ich grinsen.
Ich sehe auf die Tunika, die ich in Asgard vor wenigen Tagen getragen habe.
Ich lege sie mir über den Arm.
Auf der Hose liegen die Stiefel und der Gürtel, die dazu gehören.
Ich nehme die Sachen und lege sie an das Fußende auf der anderen Seite.
Dann fällt mein Blick auf ein kleines Buch, das unter den anderen Sachen versteckt war.
Ich nehme es in die Hand.
‚Katlas Traum‘
Schmunzelnd lasse ich mich auf das Bett fallen und schlage die erste Seite auf.