Kapitel I - New York 2012
Kapitel I - New York 2012
»Sir, das Kraftfeld ist pure Energie. Nicht zu durchbrechen.«
»Ja hab ich gemerkt… Plan B.«
»Sir, der MARK-Sieben ist noch nicht einsatzbereit.«
»Dann lass die Heckspoiler weg, die Zeit drängt.«
Mit einem ‚Klonk‘ setzen die Füße meines Anzuges auf der Landeplattform auf. Die Situation ist mehr als heikel. Mal sehen, wie ich das am besten angehe.
Während ich den Weg der Landeplattform entlang gehe und mir der MARK VI abgenommen wird, halten Loki und ich Augenkontakt. Wenn man das so nennen kann. Wir starren uns jedenfalls gegenseitig an, bis wir beide in meinem Penthouse stehen.
»Bitte sag mir, dass du jetzt an meine Menschlichkeit appellierst.«
Ich verschränke die Arme hinter dem Rücken. »Äh eigentlich hatte ich vor dir zu drohen.«
Loki schmunzelt. »Dann hättest du deine Rüstung anbehalten sollen.«
Langsam gehe ich die Treppe runter. »Ja... Die ist schon ganz schön verbeult und du hast noch den Leuchtstab des Schicksals.«
Für einen Moment fällt sein Blick mit einem unverschämten Lächeln auf das Zepter in seiner Hand.
»Willst du 'nen Drink?«
Lokis Gesichtsausdruck wechselt für eine Sekunde zu echter Überraschung, bevor er wieder lächelt.
»Kann nicht schaden.«
Ich blinzle kurz, dann schenke ich zwei Gläser ein und stelle eins vor mir auf die Theke. »Gut. Damit habe ich nicht gerechnet.«
»Überrascht mich nicht.«
»Also, was darfs sein?«
»Du hast doch bereits eingeschenkt.«
Ich zucke mit den Schultern. »Wollte nur höflich sein.«
Er zieht eine Augenbraue hoch. »Seit wann?«
»Seit ungefähr drei Sekunden.« Ich lehne mich an eine der Säulen.
Tatsächlich kommt Loki näher und nimmt das Glas.
»Und? Bist du zufrieden damit wie das hier läuft?«
Der Halbgott mustert mich für einen langen Augenblick. »Du meinst die Invasion?«
»Eigentlich meinte ich deinen spontanen Besuch.«
»Ich würde ihn nicht gerade als spontan bezeichnen.«
Nun mustere ich ihn ebenfalls, allerdings kürzer. »Du hast eine Interessante Definition von spontan.«
Ein kurzes Lächeln huscht über sein Gesicht. »Und du von Gastfreundschaft.«
Ich nehme einen Schluck und sehe ihn über den Rand meines Glases hinweg an. »Du weichst aus.«
»Zufriedenheit liegt nicht in meiner Natur.«
»Klingt anstrengend.«
Loki hebt eine Augenbraue. »Du wirkst nicht sonderlich überrascht.«
Ich zucke mit den Schultern. »Sollte ich?«
»Du bist erstaunlich gelassen dafür, dass du gerade mit einem Gott sprichst, der deine Welt erobern will.«
»Hab schon schlimmere Dates gehabt.«
Sein Mundwinkel zuckt kurz. »Das hier ist also ein Date?«
Wieder zucke ich mit den Schultern. »Kommt drauf an, wie der Abend so läuft.«
Er trinkt einen Schluck. »Ich nehme an, dann sollte ich mich wohl bemühen.«
»Wäre vielleicht besser.«
Einen Augenblick lang starren wir uns einfach nur an.
Bis ich erneut das Wort ergreife.
»Aber mal ernsthaft. Was willst du eigentlich?«
»Den Thron.«
»Das kaufe ich dir nicht ab.« Ich drehe das Glas in meiner Hand, während ich ihn beobachte.
»Ach, und warum nicht?«
Nochmal zucke ich mit den Schultern. »Weil du nicht aussiehst wie jemand, der einfach nur herrschen will.«
Loki hebt eine Augenbraue. »Und wonach sehe ich deiner Meinung nach dann aus?«
»Als würdest du jemandem etwas beweisen wollen.«
Für einen Moment lang wird er überraschend still.
»Thor?«
Er schweigt. Irgendwas sagt mir, dass ich einen Nerv getroffen habe.
»Dir ist schon klar, dass du mit…« Ich deute vage auf die Invasion draußen vor meinem Fenster. »…dem da so ziemlich das Gegenteil erreichst?«
Lokis Blick verfinstert sich sofort.
Ich stoße mich von der Säule ab und gehe hinter die Theke, wo ich mein Glas abstelle. »Ich mein ja nur.«
Er wendet sich ab und ich nutze die Gelegenheit um die Armreifen anzulegen, die zu meinem MARK VII gehören.
»Du verstehst gar nichts.«
»Oh, ich glaube ich verstehe ziemlich gut.«
Plötzlich dreht er sich wieder zu mir um und kommt auf mich zu.
Ich bleibe stehen und sehe ihn an. »Ich glaube, dass du gerade ziemlich sauer bist, weil ich einen Punkt getroffen habe.«
Er bleibt direkt vor mir stehen. »Du überschätzt dich.«
Wir starren uns an. »Möglich.«
Zwei Sekunden später packt er mich und ich verliere den Boden unter den Füßen. »He-hey-!«
»Du hast keine Ahnung wie es ist, sein Leben lang im Schatten zu stehen!« Die Fensterfront kommt bedrohlich schnell näher.
»Du könntest es besser machen.« Presse ich hervor und ich sehe mich bereits fallen, doch…
Loki hält inne.
Er starrt auf das Schlachtfeld in den Straßen von New York, während er mich noch immer am Kragen hält.
Meine große Klappe ist schneller als mein Kopf. »Hör mal Kumpel, kannst du mich wenigstens wieder absetzen?«
Ich bereue es sofort und trotzdem überrascht der Halbgott mich ein weiteres Mal und lässt mich fallen.
Ich lande eher unsanft auf dem Boden und starre ihn an. Sein Blick, mit unergründlicher Miene, ist noch immer auf das Geschehen außerhalb des Towers gerichtet.
Ein dumpfer Aufprall zieht meine Aufmerksamkeit auf sich.
»LOKI!«
Na, ganz toll. Da ist der andere von den Beiden.
Thor geht mit schweren Schritten den Balkonring entlang Richtung Tür.
»Loki, hör mir zu!«
Mein Blick hängt an dem blonden Gott. »Thor, warte mal ganz kurz.«
Er ignoriert mich.
Natürlich tut er das.
Loki regt sich endlich.
»Bruder, du musst sofo-!«
ZAPP!
Ich starre irritiert auf das Loch in der Wand.
»Hast du gerade…?«
»Er hat gestört.«
»Das war Thor!«
»Na und?«
Ich sehe zwischen Loki und dem Loch in der Wand hin und her.
»Du hast gerade deinen Bruder durch meine Wand geschossen.«
»So ist es.«
»Mit dem Zepter.«
»Ganz richtig.«
Ich starre ihn an. »Warum?«
Loki sieht mich an, als wäre die Antwort offensichtlich. »Er hat gestört.«
Ich öffne den Mund, schließe ihn wieder und zucke mit den Schultern. »Okay.«
Er mustert mich einen Moment.
»Darf ich aufstehen, oder soll ich dir weiter zu Füßen liegen?«
Tatsächlich huscht ein kurzes Grinsen über sein Gesicht. »Ich gestatte dir aufzustehen.«
»Zu gnädig.«
Ich rapple mich auf und klopfe mir imaginären Staub von der Hose. »Also wo wa-«
»Loki! Ich will nu-!«
ZAPP!
»Ich hinterfrage das nicht weiter.« Ich wende mich ab und hole mir mein Glas von der Bar.
»Er lernt langsam.«
Ich nicke und trinke einen Schluck.
»Also, wo waren wir?«
Loki bewegt sich in meine Richtung. »Du wolltest wissen, warum ich das hier tue.«
»Richtig.«
Ein dumpfer Aufprall hinter ihm.
»Bruder, bitte! Ich-«
Der schwarzhaarige Halbgott hebt das Zepter.
»Ich würde nicht da stehen bleiben.« Kommentiere ich von meinem Platz aus.
»Ich will nur-«
ZAPP!
Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Er sieht mich an. »Du findest das Amüsant?«
Ich zucke mit den Schultern. »Ein bisschen.«
»Er ist mein Bruder.«
»Das macht es irgendwie noch lustiger.«
Loki hebt eine Augenbraue, aber sein Mundwinkel zuckt verdächtig nach oben.
»Also, warum tust du das hier?« Ich nippe an meinem Glas.
»Weil ich-«
»LOKI!«
Er schließt für einen Moment die Augen.
Ich stelle mein Glas ab. »Ich glaube, er hat noch nicht genug davon.«
Loki seufzt. »Offenbar nicht.«
Thor geht erneut auf Loki zu. Er hebt das Zepter und sein Bruder bleibt stehen.
»Ich will doch nur mi-«
ZAPP!
Dann wendet er sich wieder mir zu.
Einen Augenblick lang starren wir uns an.
»Wetten?«
Loki hebt eine Augenbraue. »Worauf?«
»Wie oft er noch wieder kommt.«
Einen Moment lang schweigen wir.
»Acht.«
»Zwei.«
»Sechs.«
»Vier.«
Loki lächelt. »Abgemacht.«
»Dann würde ich sagen wir machen weiter.«
Er nickt.
»Also, warum?«
»Weil ich-«
»LOKI!«
Wir sehen beide zur Tür.
»Immerhin ist es dieses Mal nicht der Balkon.«
Loki grinst.
Thor kommt rein.
Sein Bruder hebt das Zepter.
»Thor, ich würde wirklich ni-«
ZAPP!
Loki schüttelt den Kopf. »Er lernt es wirklich nicht.«
JARVIS meldet sich. »Sir, ich möchte ungern stören, aber die Invasion ist weiterhin im Gange.«
Ich sehe zu Loki.
Er sieht mich an.
»»Oh.««
»Sir, Agent Romanoff befindet sich auf dem Dach.«
»Was will sie da?«
»Dr. Selvig hat offenbar eine Möglichkeit eingebaut, um das Portal zu schließen.«
Mein Blick wandert zu Loki.
Er sieht bereits wieder hinaus auf die Stadt.
»Kann er es schließen?«
»Nein, Sir. Dafür wird das Zepter benötigt.«
Ich sehe Loki an.
Er sieht auf.
»Ich schätze ich sollte meine Prioritäten überdenken.«
Ich nicke und gehe in Richtung der Treppe.
»Wohin gehst du?«
»Auf das Dach. Kommst du, Schneewittchen?«
Loki bleibt stehen und sieht mich an.
»… Was?«
»Kommst du jetzt?«
»Warum nennst du mich Schneewittchen?«
Ich zucke mit den Schultern. »Passt irgendwie.«
Langsam setzt er sich in Bewegung und folgt mir die Treppe nach oben.
»Wer ist Schneewittchen?«
Ich öffne die Tür. »Du kennst Schneewittchen nicht?«
Natashas verwirrter Blick fällt sofort auf uns.
»Sollte ich?« Kommt es von Loki hinter mir.
»Das wird ein langer Abend.«
Natasha starrt uns immer noch an. »Das ist nicht euer Ernst.«
»Erkläre ich dir… wann anders.« Ich öffne die Tür vollständig und betrete das Dach.
Loki folgt mir.
Selvig sieht nicht besonders begeistert aus, als er Loki sieht.
»Also wie schließen wir jetzt dieses Portal?«
Selvig deutet auf die Konstruktion mit dem Tesserakt, welche das Portal offen hält.
»Der Tesserakt kann sich nicht gegen sich selbst schützen.«
Loki sieht mich an.
Ich sehe ihn an.
Ein paar Sekunden, scheinen wir alle den Atem anzuhalten.
Und dann dreht er sich tatsächlich um und tritt vor die Konstruktion.
Mit einer fließenden Bewegung stößt er das Zepter in den Lichtstrahl gegen den Tesserakt und schließt damit wirklich das Portal.
Final und endgültig.
Das Portal erlischt.
Für einen Augenblick sagt niemand etwas.
Dann hebt Natasha ihre Waffe und richtet sie auf Loki. »Nicht bewegen.«
Er sieht sie ruhig an. »Ich habe gerade deine Welt gerettet.«
»Du hast sie angegriffen.«
»Und anschließend habe ich meinen Fehler korrigiert.«
Mein Blick fällt auf Loki. »Also doch.«
Er sieht zu mir. »Was?«
»Du kannst es besser machen.«