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Kapitel II - Der Neue?

What If...? - Genie Und Wahnsinn — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel II - Der Neue?

Ich hatte mit Asgard gerechnet, aber stattdessen sitze ich in einem Raum von S.H.I.E.L.D.

Das ist nicht einmal das Merkwürdigste, was mir heute passiert ist.

Das Merkwürdigste ist, dass ich freiwillig hier sitze.

Ich hätte fliehen können.

Vielleicht hätte ich es sogar tun sollen.

Aber dann denke ich wieder an Tony Stark.

„Du kannst es besser machen.“

Ich verziehe kaum merklich das Gesicht.

Verdammter Stark.

Es sind nur fünf Worte gewesen und trotzdem bekomme ich sie nicht mehr aus dem Kopf.

Die Tür mir gegenüber ist immer noch geschlossen.

Niemand hat wirklich versucht mich festzuhalten.

Keine Fesseln.

Keine Wachen.

Wie überaus töricht.

Langsam lehne ich mich zurück und betrachte den Raum, bevor mein Blick auf meine Hände fällt.

Ich hätte gehen können.

Ich könnte es immer noch.

Stattdessen sitze ich hier.

Freiwillig.

Als die Tür sich öffnet schnellt mein Blick hoch.

Nick Fury betritt den Raum und sieht mich an.

Ich erwidere seinen Blick.

Für einen Moment schweigen wir einfach nur und sehen uns an.

Schließlich setzt er sich mir gegenüber. »Sie haben sich gegen Ihre eigene Armee gestellt.«

Ich lehne mich zurück. »Dem ist wohl so.«

Er mustert mich eindringlich. »Warum?«

Da ist sie. Die Frage auf die ich selbst noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden habe.

Mein Blick fällt auf Fury.

Ich atme tief ein. »Ich hatte offenbar einen kurzen Anflug von Vernunft.«

Fury sieht mich einige Sekunden schweigend an.

»Sie erwarten, dass ich Ihnen das abkaufe?«

»Nein.«

Er lehnt sich zurück. »Gut.«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

»Wir sparen uns also den Teil, in dem Sie mir erklären, warum Sie eigentlich ein guter Kerl sind.«

»Nun, das wäre auch äußerst unglaubwürdig.«

Fury mustert mich erneut. »Da haben Sie wohl recht.«

Einen Moment lang herrscht unbehagliche Stille zwischen uns.

»Sie hätten fliehen können.«

»Das ist mir durchaus bewusst.«

Er verschränkt die Hände auf dem Tisch. »Trotzdem sitzen Sie noch hier.«

»So ist es.«

Fury lehnt sich zurück. »Warum?«

Ich seufze leise. »Sie stellen ausgesprochen viele Fragen.«

»Und sie geben ausgesprochen wenige Antworten.«

Mein Mundwinkel zuckt kurz. »Wir ergänzen uns offenbar hervorragend.«

»Sie wissen, weshalb Sie hier sind?«

»Ich kann nicht hellsehen.«

Er lehnt sich zurück. »Sie haben New York angegriffen.«

»Das ist erstaunlich korrekt.«

»Und anschließend haben Sie es gerettet.«

»Das ist mir bekannt.«

Fury mustert mich ein weiteres Mal. »Das macht Sie zu einem Problem.«

Ich hebe eine Augenbraue. »Und dennoch sitze ich hier.«

»Sie sitzen genau deshalb hier.«

»Ist das so?«

Er beantwortet es nicht.

»Ich habe ein Angebot für Sie.«

Meine Augenbrauen zucken kurz nach oben. »Das ist unerwartet.«

»Das war beabsichtigt.«

»Und wie sieht dieses Angebot aus?«

Fury verzieht keine Miene. »Eine Möglichkeit.«

Mehr nicht.

Ich neige den Kopf leicht zur Seite. »Das klingt nach einem Angebot, das ich ablehnen sollte.«

»Nun, das könnten Sie.«

»Und wenn ich das tue?«

Er verschränkt die Arme vor der Brust. »Dann wird Ihr Bruder Sie nach Asgard bringen.«

Sein Blick ruht weiterhin auf mir, beinahe durchdringend.

Also Asgard oder das hier.

Diese Möglichkeit.

Wie auch immer diese aussehen mag.

Ich nicke kaum merklich. »In Ordnung, ich höre.«

Fury nickt. »Sie bleiben auf der Erde.«

Ich blinzle kurz. »Das ist Ihr Angebot?«

»Noch nicht.«

»Wie bedauerlich.«

Seine Gesichtszüge bleiben unbewegt.

»Sie helfen uns.«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. »Wobei?«

»Bei Dingen, mit denen wir uns bisher nicht beschäftigen konnten.«

Ich mustere ihn aufmerksam. »Sie wollen meine Fähigkeiten.«

»Ich will Ihre Fähigkeiten dort einsetzen, wo sie uns nützlich sein können.«

»Und was genau bekomme ich dafür?«

Fury sieht mich ruhig an. »Freiheit.«

Gerade als ich den Mund öffnen will um zu antworten fliegt die Tür auf.

»Wir behalten Ihn!«

Ich sehe zur Tür.

Stark.

Ich blinzle.

Wir…?

Fury schließt die Augen. »Nein.«

»Doch.«

»Das haben Sie nicht zu entscheiden, Mister Stark.«

Tony kommt herein und beharrt unbeirrt auf seine Aussage. »Er bleibt. Bei den Avengers.«

Ich blinzle.

Dann sehe ich ihn an. »Ich wurde nicht gefragt.«

»Soll ich dir erst einen Antrag machen, Schneewittchen?«

Mein Mundwinkel zuckt. »Ich weiß immer noch nicht, wer oder was dieses ‚Schneewittchen‘ sein soll.«

Tony seufzt frustriert. »Ich erkläre es dir später.«

»Das sagtest du bereits.«

Fury räuspert sich.

Wir sehen beide zu ihm.

»Sind Sie jetzt fertig?«

Tony sieht zwischen mir und Fury hin und her. »Ich schon.«

»Gut. Würden Sie uns dann bitte wieder alleine lassen, Mister Stark?«

»Nein.«

Mein Mundwinkel zuckt.

Tony setzt sich einfach neben mich.

Ich sehe ihn an.

»Was tun Sie da?«

Er deutet auf mich. »Ich helfe ihm bei den Verhandlungen.«

»Ich habe keinen Vertrag.«

»Noch nicht.«

Fury sieht Tony lange an.

»Sie sind sich bewusst, dass ich gerade mit ihm verhandle?«

»Ja.«

Fury seufzt. »Und trotzdem sitzen Sie jetzt hier.«

Stark verschränkt die Arme vor der Brust. »Ich bin sehr unterstützend.«

Ich sehe zwischen ihnen hin und her.

»Vielleicht hätte ich doch nach Asgard gehen sollen.«

Tony sieht mich an. »Also kein zweites Date?«

Fury reibt sich über die Stirn.

»Komm, ich stell dich den anderen vor.«

Tony legt mir wie selbstverständlich eine Hand auf die Schulter.

»Oh ich glaube, wir kennen uns bereits.«

»Du bist kleinlich.«

»Und du aufdringlich.«

»Mag sein.«

Wir schweigen einige Schritte lang.

Ich sehe ihn von der Seite an.

»Warum?«

Tony sieht mich an. »Was?«

»Warum tust du das für mich?«

Er sieht mich einen Moment lang an.

»Weil ich glaube, dass du es kannst.«

»Was kann?«

»Es besser machen.«

Ich bleibe abrupt stehen.

Stark geht noch einen Schritt weiter, bevor er ebenfalls stehen bleibt.

Er dreht sich zu mir um. »Du hattest die Wahl, Loki.«

Sein Blick ist plötzlich vollkommen ernst. »Und du hast dich entschieden.«

Tony macht eine kurze Pause, in der wir uns einfach nur ansehen.

»Außerdem weiß ich sehr gut, wie es ist im Schatten zu stehen.«

Dann setzt er sich wieder in Bewegung.

Ich sehe ihm nach und für einen Moment, weiß ich nicht, was ich darauf erwidern soll.

Also folge ich ihm.

Schweigend.

Verdammter Stark.

Wenige Augenblicke später öffnet Tony eine Tür, ohne anzuklopfen, und tritt ein.

Ich folge ihm.

Sofort richten sich mehrere Blicke auf mich.

Steve erhebt sich langsam.

Clint ist augenblicklich angespannt.

Natasha lehnt sich zurück.

Bruce sieht zwischen Tony und mir hin und her.

Und Thor…

Thor starrt mich unverhohlen an und bekommt kein Wort raus.

Tony scheint der Einzige zu sein, der tiefenentspannt ist und lässt sich auf einen freien Platz fallen.

Ich sehe mich kurz im Raum um. »Nun…«

»Das ist ja ausgesprochen herzlich.«

Thor blinzelt irritiert. »Was…?«

Ich sehe ihn an. »Ich sagte, dass die Begrüßung ausgesprochen herzlich ist.«

Mein Bruder runzelt die Stirn. »Loki, was machst du hier?«

»Nun, das frage ich mich ebenfalls.«

Stark hebt eine Hand. »Er bleibt.«

Thor sieht von mir zu Tony, wieder zu mir und schließlich erneut zu ihm. »Er… was?«

»Er bleibt.«

Natasha beobachtet die Szene beinahe Ausdruckslos, Bruce sieht eindeutig besorgt aus, Clint ist kreidebleich geworden und Steve steht stocksteif da.

»Er bleibt?« Bringt Thor hervor.

Tony nickt. »Wie ich sagte.«

»Hier?«

»Ja.«

Thor sieht erneut zu mir, dann wieder zu Tony und schließlich wieder zu mir. »Warum?«

Ich zucke mit den Schultern. »Stark hält es offenbar für eine gute Idee.«

»Tue ich.«

Thor sieht ihn vollkommen verwirrt an. »Warum?!«

Ich sehe zwischen Tony und Thor hin und her.

Tony zuckt mit den Schultern. »Er ist lustig.«

Ich sehe zu Tony. »Das ist deine Begründung?«

»Eine davon.«

Ich atme tief durch.

Verdammter Stark.

Thor sieht Tony mittlerweile völlig entsetzt an. »Warum?!«

»Habe ich doch gerade gesagt.«

»Hast du nicht!«

»Er ist lustig.«

Ich muss mir das Lachen verkneifen.

Thor bemerkt es sofort. »Du findest das lustig?«

»Ein wenig.«

Stark hebt eine Hand. »Ich sag doch er ist lustig.«

»Das ist doch kein Grund, ihn bei den Avengers aufzunehmen!«

Tony hebt eine Augenbraue. »Warum nicht?«

Die Gesichtszüge meines Bruders entgleisen nun vollends. »Weil er Loki ist!«

Ich räuspere mich. »Ich stehe hier.«

Natasha verschränkt die Arme vor der Brust. »Er ist nicht der Erste.«

Thor sieht zu ihr. »Was?«

»Er ist nicht der erste, den S.H.I.E.L.D. erst als Feind betrachtet und dann für sich arbeiten lässt.«

Thor runzelt die Stirn, während Steve sich endlich wieder langsam setzt.

Clint und Bruce tauschen unschlüssig Blicke aus und scheinen nicht zu wissen, was sie denken sollen, obwohl Clint es war, der Natasha damals verschont hat.

Natasha hingegen bleibt vollkommen ruhig. »Ich war auch nicht immer auf dieser Seite.«

Thor sieht sie an. »Das ist etwas anderes.«

»Ist es das?«

Mein Bruder schweigt.

Ihr Blick wandert kurz zu mir, dann wieder zu Thor. »Wir werden sehen, was daraus wird.«

Thor sieht wieder zu mir. »Ich verstehe das immer noch nicht.«

Tony lehnt sich zurück. »Das wird schon noch.«

Sein Blick wandert zu Stark. »Du machst es nicht besser.«

»Das ist nichts neues.«

Ich muss unwillkürlich Grinsen.

Mein Blick wandert durch den Raum.

Es ist seltsam.

Vor wenigen Stunden war ich noch ihr Feind und nun stehe ich hier und sehe dabei zu, wie mein Bruder versucht, Stark zur Vernunft zu bringen.

Ich bin mir noch nicht sicher, was davon beunruhigender ist.

Tony klopft neben sich auf den leeren Stuhl. »Willst du da Wurzeln schlagen?«

Mein Blick wandert zu Stark, der offensichtlich erwartet, dass ich mich endlich setze.

»Ich bin mir sicher, dass Thor es nicht schlecht finden würde.«

Thor sieht mich fassungslos an. »Ich hab doch gar nichts gesagt!«

»Eben.«

Tony lacht offensichtlich amüsiert auf.

Mein Bruder sieht zu ihm. »Was ist daran jetzt lustig?«

»Um ehrlich zu sein. Alles.«