Kapitel III - Freiheit?
Kapitel III - Freiheit?
Loki sieht sich im Aufzug um, obwohl es nicht viel zu sehen gibt. »Was genau wollen wir jetzt wieder hier?«
»Du wohnst jetzt bei mir.«
Er sieht mich an. »Nein.«
Ich hebe eine Augenbraue. »Wo sonst?«
Er öffnet den Mund.
Schließt ihn wieder.
Volltreffer.
Ich muss grinsen und drücke auf den Knopf für das Penthouse.
»Solange du nicht erwartest, dass ich in deinem Bett schlafe.«
Ich sehe ihn an. »Bist nicht so der Kuscheltyp?«
Er zieht eine Augenbraue hoch. »Was wenn doch?«
Ich zucke mit den Schultern. »Wer weiß das schon.«
Der Aufzug hält und die Türen öffnen sich.
Ich trete hinaus und sehe über die Schulter zu Loki. »Komm.«
Er folgt mir.
»Ich hoffe doch du hast nichts dagegen, wenn ich ein paar Regeln aufstelle.«
»Ich ahne bereits, dass mir diese Regeln nicht gefallen werden.«
Ich gehe zu meiner Bar. »Erste Regel; Du fasst nichts an, das rot leuchtet.«
»Warum?«
Ich sehe ihn an. »Weil es rot leuchtet.«
Er mustert mich einen Moment. »Sehr überzeugende Begründung.«
»Danke.« Ich schenke mir einen Drink ein.
»Zweite Regel; Wenn JARVIS dir sagt, dass du etwas nicht tun sollst, dann solltest du wahrscheinlich darauf hören.«
Loki zieht eine Augenbraue hoch. »Wahrscheinlich?«
»Ich will dich nicht überfordern.«
»Ich bin ein Gott.«
»Das hat nichts zu sagen.«
Die Fahrstuhltüren öffnen sich ein weiteres Mal.
»Mister Stark?«
Pepper kommt herein und bleibt stehen, als sie bemerkt, dass ich nicht alleine bin.
Loki dreht sich zu ihr um.
Ich sehe sie an.
»Miss Potts.«
Ihr Blick wandert zwischen Loki und mir hin und her.
»Mister Stark?«
»Ja, Miss Potts?«
»Habe ich etwas verpasst?«
Ich grinse. »Kann man so sagen.«
Wieder wandert ihr Blick zu Loki.
»Ist das…?«
Loki neigt leicht den Kopf. »Loki von Asgard.«
Sie sieht ihn einige Sekunden an, dann wandert ihr Blick zu mir.
»Mister Stark?«
»Ja?«
»Was genau macht er hier?«
Ich zucke mit den Schultern. »Er wohnt jetzt hier.«
Sie starrt mich sprachlos an.
Dann Loki.
Dann wieder mich. »Bitte was?«
Loki grinst mir unerklärlicherweise zu.
Ich trinke einen Schluck. »Sie haben mich schon verstanden.«
Sie sieht wieder zwischen Loki und mir hin und her, dann schüttelt sie langsam den Kopf.
»Sie sind verrückt.«
Ich grinse. »Gut möglich.«
Sie seufzt kurz resigniert.
»Wo soll er schlafen?«
Ich deute zu einer Tür. »Gästezimmer.«
Loki sieht mich an. »Du bist nicht so der Kuscheltyp, hm?«
Ich grinse. »Ich bin eher der praktische Typ.«
Pepper räuspert sich. »Ich will das nicht hören.«
Mein Blick fällt kurz auf Loki, der sich offensichtlich ein Lachen verkneifen muss.
Peppers Blick ruht derweil noch immer auf mir. »Wie dem auch sei. Ich habe hier die Unterlagen für Morgen, Mister Stark.«
Ich folge Loki mit meinem Blick, welcher beginnt, sich im Penthouse umzusehen. »Sagen Sie es ab.«
»Mister Stark, Sie sollten wirklich-«
Ich unterbreche sie, indem ich eine Hand hebe. »Sagen Sie es ab.«
Pepper nickt resigniert. »Wie Sie wollen, Mister Stark.«
»Sonst noch etwas?«
Sie sieht mich einen Moment lang an. »Nein, Mister Stark.«
Dann wendet sie sich zum Gehen.
»Miss Potts?«
Pepper dreht sich noch einmal um. »Ja, Mister Stark?«
Ich deute auf Loki, der weiter durch mein Penthouse schlendert. »Besorgen Sie ihm alles, was er braucht.«
Sie sieht zu Loki, welcher mich irritiert ansieht.
Dann sieht sie wieder zu mir. »Alles?«
Ich nicke. »Alles.«
Pepper nickt langsam. »Verstanden.«
Dann geht sie.
Tony zieht die Tür hinter sich zu und auf einmal bin ich alleine.
Stille.
Ich sehe mich in dem Raum um.
Groß, mit riesiger Fensterfront. Blick auf die Stadt, die ich vor Stunden noch terrorisiert habe.
Ein Bett, ein Schrank. Ein eigenes Badezimmer, das wahrscheinlich genauso viel Luxus enthält, wie das Zimmer selbst.
Mehr, als ich verlangt habe.
Sehr viel mehr, als ich überhaupt erwartet habe.
Ich lasse mich auf die Bettkante sinken.
Und starre einen Moment lang vor mich hin.
Es ist merkwürdig.
Nicht der Raum.
Der ist beeindruckend, zweifellos. Selbst nach asgardianischen Maßstäben ist er beinahe lächerlich großzügig.
Die Tatsache, dass er mir gehört.
Zumindest vorerst.
Niemand hat mir gesagt, wann ich wieder gehen muss. Oder was ich dafür tun soll. Oder was der Preis dafür ist.
Tony hat einfach gesagt, dass ich jetzt hier wohne.
Als wäre es das normalste der Welt.
Keine Zelle.
Keine Fesseln.
Ich kann gehen, wann ich will.
Einfach so.
Wenn ich will.
Ich starre noch einen Moment vor mich hin.
Plötzlich schnellt die Tür auf und lässt mich Aufsehen.
»Hey Schneewittchen. Hast du Hunger?«
Ich blinzle verdutzt. »Was?«
»Ob du Hunger hast.«
Ich starre Tony im Türrahmen an. Er hält einen riesigen, flachen Karton in der Hand.
Mein Blick wandert zu dem Karton. »Was ist das?«
»Pizza.«
»Und was genau ist dieses… Pizza?«
Er starrt mich an. »Du weißt nicht, was Pizza ist?«
Ich straffe mich. »Natürlich weiß ich, was Pizza ist!«
Tony hebt eine Augenbraue. »Natürlich, Schneewittchen.«
Ich sehe ihn an.
Er grinst. »Also?«
Ich stehe auf und trete langsam näher, während er den Karton öffnet.
Der Geruch steigt mir sofort in die Nase und ich sehe hinein.
»Das ist also Pizza?«
»Ich dachte du weißt, was eine Pizza ist?«
Ich sehe ihn an.
Dann wieder auf die Pizza.
»Ich kenne sie aus Erzählungen.«
Er grinst und wendet sich ab. »Komm.«
Ich folge ihm.
Tony lässt sich auf das Sofa fallen und wirft den Karton auf den Tisch vor sich.
Ein wenig unbehaglich setze ich mich neben ihn.
Er nimmt sich ein Stück von der Pizza aus dem Karton und sieht mich erwartungsvoll an, also tue ich dasselbe.
Plötzlich flackert auf der anderen Seite des Tisches etwas auf.
»Was ist das?«
»Ein Fernseher.«
»Und was tut er?« Ich beiße in mein Pizzastück und stelle fest, dass es gar nicht so schlecht schmeckt.
»Er zeigt dir Dinge.«
Ich sehe zu Tony. »Bewegte Bilder?«
Er grinst. »So kann man das sagen.«
Ich mustere den Fernseher. »Das ist… bemerkenswert unnötig kompliziert.«
Erneut beiße ich in mein Stück Pizza, als eine Frauenstimme aus dem Fernseher ertönt.
„…Die Behörden gehen derzeit von einer hohen Anzahl Verletzten und zahlreichen Todesopfern aus…“
Ich halte inne. Mein Blick klebt auf der Oberfläche des Geräts.
„…Die Schäden im Zentrum der Stadt sind weiterhin beträchtlich…“
Ein Bild der Stadt erscheint auf dem Fernseher.
Und ich erkenne diesen Ort.
Ich starre unbewegt auf das Bild vor mir.
Die Straßen.
Die Trümmer.
Es ist nur Stunden her.
Plötzlich wechselt das Bild.
Ein Tier das sich bewegt.
Ich sehe zu Tony. »Warum hast du das getan?«
Er sieht zu mir. »Was?«
Ich deute wortlos auf den Fernseher.
»Du musst dir das nicht ansehen.«
Mein Blick wandert zwischen ihm und dem Tier auf dem Fernseher hin und her.
Dann lasse ich mich zurück in das Sofa sinken.
Das Stück Pizza immer noch in meiner Hand.
»Vielleicht sollte ich…«
Der geöffnete MARK VI liegt vor mir und ich starre auf ihn.
Mir geht Lokis Blick nicht mehr aus dem Kopf.
Ich kenne diesen Ausdruck.
JARVIS reißt mich aus meinen Gedanken. »Die Reparatur wird voraussichtlich drei Stunden und neununddreißig Minuten dauern, Sir.«
»Dann fang an.«
Ich greife nach einem Werkzeug und sehe wieder auf den Anzug.
Meine Finger spielen mit dem Schraubenschlüssel in meiner Hand.
Ich sehe wieder auf den Anzug.
»JARVIS?«
»Ja, Sir?«
»Was macht Loki?«
»Er befindet sich nach wie vor im Gästezimmer, Sir.«
Ich nicke langsam. »Gut.«
»Soll ich mich nach seinem Wohlbefinden erkundigen?«
Ich drehe den Schraubenschlüssel zwischen meinen Fingern. »Nein.«
»Sir.«
»Hm?«
»Der rechte Repulsor weist weiterhin eine erhebliche Abweichung auf.«
Ich sehe auf meine Hand.
»Dann tauschen wir ihn aus.«
»Das wäre die naheliegende Lösung.«
»Danke, JARVIS.«