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Kapitel IV - Der Tag danach

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Kapitel IV - Der Tag danach

»Sir, die Kaffeemaschine funktioniert einwandfrei.«

»Nein, JARVIS. Sie ist nicht schnell genug.«

»Sir…«

Ich starre auf die Kaffeemaschine vor mir. »Wie könnte ich den Brühvorgang beschleunigen, JARVIS?«

»Eine höhere Wassertemperatur würde die Brühzeit verkürzen.«

»Und den Geschmack ruinieren.« Ich greife nach dem Handschuh meines Anzugs.

Der Repulsor fährt hoch.

»Sir, ich bin nicht sicher, ob-« Ein kurzer Lichtblitz.

Dann Stille.

Ich sehe auf die qualmende Kaffeemaschine am Ende des Raumes.

»JARVIS?«

»Ja, Sir?«

»Wie sieht es aus?«

»Die Leistung der Kaffeemaschine liegt nun bei null Prozent.«

Ich starre immer noch auf die Kaffeemaschine. »Das ist höchst ineffizient.«

»Allerdings, Sir.«

Ich ziehe den Handschuh aus und lege ihn wieder auf die Werkbank. »Bestell eine Neue.«

»Selbstverständlich, Sir.«

Ich greife nach meiner Tasse und trinke einen Schluck.

Hinter mir zieht jemand an der Glastür. „Zutritt verweigert.“

Ich drehe mich um. »Guten Morgen, Dornröschen.«

Loki hebt eine Augenbraue. »Nicht mehr Schneewittchen?«

»Gerade nicht.«

Er seufzt.

Ein weiteres Mal zieht er an der Tür. „Zutritt verweigert.“

»Die Tür mag dich nicht.«

Loki sieht mich an. »Offensichtlich.«

»Vielleicht bist du nicht ihr Typ.« Ich nippe an meinem Kaffee.

Er wirft mir einen genervten Blick zu.

Dann sieht er wieder auf die Tür.

Ich beobachte ihn.

Loki hebt eine Hand und legt sie gegen die Glasscheibe. »Interessant.«

»Was?«

Er antwortet nicht.

»Guten Morgen, Stark.«

Ich fahre erschrocken herum.

Loki steht vor mir.

Ich sehe zurück zur Tür. Dort steht Loki immer noch.

Ich drehe den Kopf wieder und sehe Loki vor mir.

Grinsend.

»JARVIS?«

»Ja, Sir?«

»Loki steht in meiner Werkstatt.«

»Nein, Sir. Er befindet sich vor der Tür Ihrer Werkstatt.«

Ich sehe auf den Loki vor mir.

Dann sehe ich wieder zu dem Loki hinter der Glastür.

»Okay, das ist ziemlich cool.«

Loki grinst.

Beide.

»JARVIS.«

»Ja, Sir?«

»Öffne die Tür.«

»Selbstverständlich, Sir.«

Der Riegel der Tür klickt.

Der Loki vor mir verschwindet und der echte Loki tritt ein.

Er sieht sich in meiner Werkstatt um.

»Nur nichts anfassen.«

Sein Blick fällt auf die qualmende Kaffeemaschine, dann auf mich.

Er hebt eine Augenbraue. »Du hast gerade…«

Loki deutet vage auf die Kaffeemaschine. »…dieses Ding erschossen und sagst mir, ich soll nichts anfassen?«

»Eine Kaffeemaschine.«

»Was?«

»Ich habe eine Kaffeemaschine erschossen. Meine, um genau zu sein.«

»Und…« Er sieht wieder zu der Kaffeemaschine. »…was hat sie getan, dass sie ein solches Schicksal verdient?«

Ich zucke mit den Schultern. »Sie war zu langsam.«

»Du hast sie erschossen, weil sie zu langsam war?«

»Ich habe sie optimiert.«

Loki hebt eine Augenbraue. »Indem du sie erschossen hast?«

»Das Ergebnis war unmittelbar.«

Er sieht mich schweigend an.

»Ich denke, ich beginne zu verstehen, warum du mich aufgenommen hast.«

»Hier. Mach irgendwas damit.«

Ich sehe auf das Ding, dass Tony mir gerade in die Hand drückt. »Was ist das?«

Er grinst. »Finds raus!«

Dann verschwindet er um eine Ecke.

Verdammter Stark.

Ich setze mich also auf das Sofa und beginne wahllos die Knöpfe auf diesem Ding zu drücken.

Nur nicht den roten.

Tony sagte, ich soll nichts drücken, was rot leuchtet.

Wobei…

Dieser Knopf ist rot, aber er leuchtet nicht, wenn man es genau nimmt.

Ich betrachte ihn einen Moment.

Dann drücke ich drauf.

Der Fernseher springt an.

Gut zu wissen.

Eine männliche Stimme erklingt aus dem Fernseher. „…Seit neun Tagen und Nächten hängt er in den Ästen des Weltenbaums Yggdrasil…“

Ich seufze. »Wie soll sich jemand an einer kosmischen Verbindung aufhängen?«

„Eine riesige Esche, die sich inmitten einer weiten Ebene erhebt, die Asgard genannt wird…“

Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

„Sein linkes Auge ist ausgerissen. Die Brust durchbohrt. Odin hängt in diesem Baum…“

»Das rechte Auge!«

»Was ist mit dem rechten Auge?« Tony läuft an mir vorbei.

Ich schüttle den Kopf. »Der Fernseher sagte etwas davon, dass Odins linkes Auge ausgerissen sei, aber es ist das rechte.«

»Na wenn es sonst nichts ist.« Schon verschwindet er wieder.

Mein Blick wandert wieder zu dem Bildschirm.

„Mimir ergreift seinen Speer und durchbohrt mit sicherer Hand Odins Brust.“

»Ich glaube davon wüsste ich.«

„Sein Blut strömt aus seiner Augenhöhle und aus der Wunde an seiner Seite.“

»Ich dachte es war die Brust?! Mal ganz davon ab, dass das totaler Schwachsinn ist!«

Ich schließe die Augen.

Dann atme ich tief aus.

„Loki irrt durch die finsteren Paläste und findet keinen Schlaf.“

Ruckartig spanne ich mich an und starre wieder auf den Fernseher.

„Er ist selbst ein Gott und von unvergleichlicher Schönheit.“

»Immerhin eine Sache habt ihr gut erfasst.«

„Loki ist der Gott des Feuers und der List.“

Ich schlage mir mit der flachen Hand gegen die Stirn.

»Was siehst du dir da an, Bruder?«

Mein Kopf schnellt Richtung Fahrstuhltür.

Thor.

Der Fernseher plappert weiter. „Was er seinem schelmischen, manchmal auch streitsüchtigen, ja sogar boshaften Wesen verdankt.“

Ich starre wieder zum Fernseher. »Jetzt wird es persönlich.«

Thor tritt an das Sofa.

„Odin und Loki hatten sich einst Bruderschaft geschworen und den Pakt durch ihr Blut besiegelt.“

»Was für ein Quatsch. Er hat ihn adoptiert.«

»Ich sitze hier, Thor.«

„Thor ist der Gott des Gewitters.“

»Ich bin der Gott des Donners!«

Ich schmunzle.

„Loki steht vor dem Bett, in dem der Sohn des Göttervaters schläft, des stärksten aller Asen.“

»Das ist wahr.«

Ich rolle mit den Augen.

„Angeschmiegt an die gewaltigen Muskeln Thors,…“

Thor lässt sich neben mir auf das Sofa fallen. »Das gefällt mir.«

„…erkennt er dessen Gattin Sif.“

Thor stutzt. »Was…?«

Ich pruste laut los.

„Die blonde Gottheit…“

Ich lache noch lauter. »Seit wann ist Sif blond?«

Thor starrt immer noch verwirrt auf den Fernseher.

„Plötzlich zieht Loki sein Messer und nähert sich dem Bett des Paares.“

Sofort vergeht mir mein Lachen und mein Blick fällt zurück auf das Gerät.

„Mit der rechten Hand ergreift er den Schopf der Schönen und schneidet ihr das Haar ab bis auf die Kopfhaut.“

»Es war nur eine Strähne!«

Thor verschränkt die Arme vor der Brust und sieht mich an.

„Jetzt flüstert Loki eine Beschwörungsformel, die er kennt, damit ihr Haupt für immer Kahl bleibt.“

»Das ist maßlos übertrieben!«

»Das ist völliger Unsinn.«

Ich sehe zu Thor.

Thor sieht mich an.

Für einen Moment schweigen wir einfach nur.

Dann drücke ich auf den roten Knopf auf dem Ding, das Tony mir gegeben hat, und der Fernseher wird schwarz.

»Sir?«

»Was gibt es JARVIS?«

»Ich würde Ihnen empfehlen, einen Blick in Ihr Wohnzimmer zu werfen.«

»Was ist passiert?«

»Ihr Fernseher wurde soeben ausgeschaltet.«

»Das ist jetzt nicht wirklich ein Notfall, JARVIS.«

JARVIS antwortet nicht mehr, also stehe ich auf.

Ich verlasse meine Werkstatt und gehe die Treppe nach oben.

Mein Blick fällt auf Loki.

Neben ihm sitzt Thor.

Beide starren auf den schwarzen Bildschirm und sehen völlig entsetzt aus.

»Wenn ihr ihn anschaltet, ist das Programm wahrscheinlich unterhaltsamer.«

Langsam, ganz langsam, drehen sich zwei Köpfe in meine Richtung und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich das eben hätte sagen sollen.

Thor sieht mich beunruhigend gefasst an, für seine Verhältnisse.

Loki scheint darüber nachzudenken, ob er mich für diese Aussage töten darf.

Ich hebe vorsorglich die Hände. »JARVIS?!«

»Ja, Sir?«

»Was ist passiert, bevor der Fernseher ausgeschaltet wurde?«

»Es lief eine Dokumentation über die Nordische Mythologie, Sir.«

Die beiden Götter auf meinem Sofa starren mich unverwandt an.

»JARVIS!«

»Ja, Sir?«

»Warum sehen mich die Beiden gerade an, als würden sie mich am liebsten umbringen?«

»Die Dokumentation enthielt einige sachliche Ungenauigkeiten, Sir.«

Ich sehe die Beiden an. »Ungenauigkeiten?«

»Sie ist eine Beleidigung.« Sagt Thor, immer noch zu gefasst.

Loki starrt mich beinahe in Grund und Boden. »Eine schwere Beleidigung.«

Mein Blick wandert zum Fernseher, wieder zu den beiden Göttern, dann wieder zum Fernseher.

»Jetzt bin ich neugierig.«

Loki richtet sich abrupt auf.

Ich sehe zu ihm. »Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich das gleich bereuen werde.«

»Diese Einschätzung halte ich für zutreffend, Sir.«

»Danke, JARVIS.«

Schneewittchen starrt mich immer noch an, als würde er doch noch darüber nachdenken mich durch das Fenster zu werfen.

Thor scheint sich langsam wieder zu entspannen.

Ich mache einen vorsichtigen Schritt zur Seite. »Ich gehe wieder in meine Werkstatt.«

Loki sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an und nickt dann langsam, als würde er mir damit sagen wollen, dass er es mir gestattet.

Also wende ich mich ab und gehe wieder die Treppe runter.

In meiner Werkstatt lasse ich mich auf meinen Stuhl fallen und atme kurz durch.

»JARVIS?«

»Ja, Sir?«

»Gib mir eine Zusammenfassung.«

»Eine Zusammenfassung der gesamten Dokumentation, Sir?«

»Nur den Teil, der dafür gesorgt hat, dass zwei Götter meinen Fernseher anstarren, als hätte er sie persönlich beleidigt.«

»Verstanden, Sir.«

Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück.

»Die Dokumentation betitelt Loki als Gott des Feuers und der List.«

Ich nicke kurz.

»Außerdem beschreibt die Dokumentation ihn als schelmisch, streitsüchtig und boshaft.«

Ich hebe eine Augenbraue. »Boshaft?«

»Ja, Sir.«

»Verstehe…«

»Ich würde dieser Einschätzung nicht zustimmen, Sir.«

»Ich auch nicht, JARVIS.«

Einen Augenblick lang herrscht Stille.

»JARVIS, setz die Zusammenfassung fort.«

»Die Dokumentation betitelt Thor als den Gott des Gewitters, Sir.«

»Dann hätten sie auch gleich nur Regen sagen können. Weiter.«

»Anschließend wird beschrieben, wie Loki sich dem schlafenden Thor und dessen Gattin Sif nähert.«

Ich runzle die Stirn.

»Weiter.«

»Er soll ihr die Haare bis auf die Kopfhaut abgeschnitten haben.«

Ich richte mich in meinem Stuhl auf.

»Bitte was?«

»Weiterhin wird behauptet, Loki habe eine Beschwörung gesprochen, die dafür sorgt, dass ihr Haupt für immer kahl bleibt.«

Ich starre einen Moment ins Leere. »Noch etwas?«

»Lord Loki reagierte damit darauf, dass dies maßlos übertrieben sei. Er habe ihr lediglich eine Strähne abgeschnitten, Sir.«

»Lord Loki?«

»Ja, Sir.«

»Du nennst ihn Lord Loki?«

»Das ist korrekt, Sir.«

»Warum?«

»Weil er ein Lord ist, Sir.«

Ich atme tief aus.

Mich beschleicht das Gefühl, JARVIS hat sich mit Loki gegen mich verschworen.

»Dieses JARVIS hat recht.«

»Was zur-?!« Ich fahre herum.

Loki steht hinter mir.

Ich starre ihn an. »Was hast du gesagt?«

»Dass dieses JARVIS recht hat.«

»Womit?«

Er grinst. »Dass ich ein Lord bin.«

Dann verschwindet die Illusion.

Ich starre auf die leere Stelle vor mir.

»Ich hasse es jetzt schon.«

Ich stehe vor den verschiedenen Sachen, die ausgebreitet auf dem Bett liegen und runzle die Stirn.

Menschliche Kleidung.

Eigenartig.

Ich mustere die verschiedenen Kleidungsstücke vor mir und strecke die Finger aus.

»Dürfte ich Ihnen einen Vorschlag machen, Lord Loki?«

Ich sehe mich kurz irritiert um.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

Ich starre an die Decke.

Dieses JARVIS-Ding ist bemerkenswert.

»Ich würde Ihnen den Anzug rechts empfehlen, Lord Loki.«

Mein Blick fällt wieder auf das Bett und auf den empfohlenen Anzug.

Ich betrachte ihn einen Moment.

Wesentlich besser als die restlichen Sachen.

Offenbar versteht dieses JARVIS zumindest etwas von angemessener Kleidung.

Langsam lege ich meine gewohnte Rüstung ab und verstaue sie ordentlich im Schrank.

Danach ziehe ich den Anzug Stück für Stück an.

»Das steht Ihnen ausgezeichnet, Lord Loki.«

»Danke, JARVIS.«

Irgendwie fühlt es sich ungewöhnlich natürlich an mit diesem JARVIS-Ding zu kommunizieren.

»Sehr gerne, Lord Loki.«

»Vielleicht sollten Tony und du häufiger miteinander reden.«

»Soll ich es Mister Stark ausrichten?«

Ich grinse. »Ich bitte drum.«

Ich streiche den Anzug glatt und verlasse das Gästezimmer wieder.

Einen Augenblick lang stehe ich unschlüssig im Penthouse und sehe mich um.

Was nun?

Geräusche.

Stark kommt die Treppe hoch.

»Hast du mir gerade wirklich durch JARVIS ausrichten lassen, dass ich öfter mit ihm reden soll?«

Ich grinse. »So ist es.«

Er starrt mich an. »Warum?«

Mein Blick gleitet an mir runter, dann breite ich die Arme aus. »Es hat mir einen Anzug empfohlen.«

»Das ist keine wirkliche Antwort.«

»Nicht?«

»Nein!«

Ich grinse. »Ich finde, es hat Geschmack.«

Tony mustert mich einen Augenblick.

»Offensichtlich.«

»Was soll das heißen?«

»Dass JARVIS offenbar genau meinen Geschmack getroffen hat.«

Ich sehe ihn an und ziehe eine Augenbraue hoch.

Stark sieht mich an. »Was?«

Ich grinse.

Er schweigt.

»Deinen Geschmack, hm?«

Tony starrt mich an.

»Oh.«