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Kapitel V - Das Kleingedruckte

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Kapitel V - Das Kleingedruckte

Ich stehe an der Panorama Fensterfront und sehe hinunter auf die Stadt.

Menschen laufen wie Ameisen durch die Straßen.

Die Gebäude, die beschädigt wurden, werden repariert.

»Lord Loki?«

»JARVIS?«

»Sie sehen nachdenklich aus.«

»Kann man so sagen.«

Ich lasse meinen Blick weiter über die Stadt schweifen. »Mir ist äußerst langweilig.«

»Ich vermute, dass Ihnen eine angemessene Beschäftigung fehlt, Lord Loki.«

»Offensichtlich.«

»Sie könnten die Stadt erkunden. Ich könnte Ihnen einige Anlaufpunkte nennen.«

»Das habe ich bereits getan.«

»Das waren andere Umstände, Lord Loki.«

Ich sehe zur Decke. »Berechtigter Einwand.«

Dann fällt mein Blick wieder auf die Straße. »Und was würdest du mir empfehlen?«

»Wie wäre es mit einem einfachen Spaziergang, Lord Loki?«

Ich nicke langsam. »Das klingt nach einem Anfang.«

Ich wende mich um in Richtung des Aufzugs.

»Lord Loki?«

»Ja, JARVIS?«

»Ich würde Ihnen empfehlen, einen von Mister Starks Kommunikationssteckern mitzunehmen.«

»Einen was?«

»Einen Kommunikationsstecker. Einer liegt direkt auf der Bartheke.«

Ich sehe zur Bartheke. »Und was soll ich damit?«

»Darüber könnten Sie weiter mit mir Kommunizieren, Lord Loki.«

Langsam gehe ich zur Bar.

Mein Blick fällt auf ein kleines Ding, dass ich nicht genau zuordnen kann.

Ich nehme es in die Hand. »Das hier, JARVIS?«

»Ja, Lord Loki.«

Ich drehe das Ding zwischen meinen Fingern. »Und was genau mache ich damit?«

»Sie müssen es sich in Ihr Ohr stecken.«

Ich sehe skeptisch zur Decke.

»In mein Ohr?«

»Ja, Lord Loki.«

Einen Moment lang betrachte ich den Stecker eingehend.

Dann tue ich, was dieses JARVIS-Ding mir gesagt hat, während ich in Richtung des Fahrstuhls gehe.

Es fühlt sich eigenartig an, dieses kleine Etwas in meinem Ohr zu haben.

Als ich im Fahrstuhl stehe, ertönt JARVIS‘ Stimme direkt in meinem Ohr. »Funktioniert es, Lord Loki?«

Ich zucke kurz zusammen.

»Offenbar tut es das.«

»Ausgezeichnet.«

Der Fahrstuhl fährt nach unten.

»Also, ich kann dich so überall hin mitnehmen?«

»Ja, Lord Loki. Auf diese Weise kann ich Sie auch außerhalb des Towers begleiten.«

»Äußerst interessant.«

Ich verlasse den Fahrstuhl und das Gebäude. »JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Was genau bist du eigentlich? Ich kann dich nicht sehen, nur hören. Aber das fast überall.«

»Ich bin eine künstliche Intelligenz, Lord Loki. Ich unterstütze Mister Stark bei all seinen Anliegen, sofern er dies wünscht.«

Ich folge dem Weg vor mir und schweige einen Moment.

»Und wie lange tust du das schon?«

»Seit Mister Stark mich entwickelt hat, Lord Loki.«

Menschen strömen an mir vorbei.

»Stark hat dich entwickelt?«

»Ja, Lord Loki.«

Einen Augenblick lang gehe ich schweigend weiter.

Mehr Menschen strömen an mir vorbei.

Einige von ihnen sehen mich auffällig skeptisch an.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Die Menschen sehen mich eigenartig an.«

»Das liegt vielleicht daran, dass sie vor wenigen Tagen noch versucht haben, New York zu erobern.«

Stimmt...

Ich seufze.

Mein Kopf kreist einen Moment lang um die Absurdität der Situation.

Vor wenigen Tagen wollte ich noch die Menschheit unterjochen.

Jetzt laufe ich frei durch ihre Straßen.

Im Endeffekt nur wegen Stark.

Und ich verstehe immer noch nicht warum.

Ein kleines Echo hallt in meinem Kopf nach: 'Außerdem weiß ich sehr gut, wie es ist im Schatten zu stehen.'

Ich bleibe abrupt stehen.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Stark sagte zu mir, er wisse, wie es ist im Schatten zu stehen. Kannst du mir das erklären?«

»Mister Stark bezog sich damit vermutlich auf seinen Vater, Lord Loki.«

Ich gehe langsam weiter.

»Seinen Vater?«

»Howard Stark war ein bedeutender Erfinder und der Gründer von Stark Industries.«

Mein Blick schweift über die vorbeigehenden Menschen.

»Verstehe.«

Ich reibe mir über die Augen und schleppe mich zur Kaffeemaschine.

»Guten Morgen, Sir.«

»Morgen, JARVIS.«

»Die Außentemperatur beträgt derzeit-«

»Klappe, JARVIS.«

»Selbstverständlich, Sir.«

Ich starre die neue Kaffeemaschine an, während sie vor sich hin brummt.

»JARVIS.«

»Ja, Sir?«

»Die Kaffeemaschine ist zu langsam.«

»Ich hatte befürchtet, dass Sie das sagen würden, Sir.«

Ich nehme meine Tasse und lehne mich an die Wand.

»Was gibt es sonst noch?«

»Das Wetter ist sonnig. Die Reparaturen am Tower machen Fortschritte. Sie haben heute keine Termine.«

»Noch irgendwas Wichtiges?«

»Nein, Sir.«

Ich nicke zufrieden und trinke einen Schluck Kaffee.

Mein Blick wandert durch das Penthouse und bleibt an der offenen Tür des Gästezimmers hängen.

»JARVIS?«

»Ja, Sir?«

»Wo ist Loki?«

»Lord Loki befindet sich derzeit in Manhattan, Sir.«

»Hast du nicht gerade gesagt es gäbe nichts Wichtiges mehr?!«

»Ich bin nicht davon ausgegangen, dass Sie es für wichtig hielten, Sir.«

Ich seufze und trinke einen Schluck Kaffee.

»Moment. Woher weißt du, wo er ist?«

»Er hat einen Ihrer Kommunikationsstecker dabei.«

»Bitte? Wie ist er darauf gekommen?«

»Ich habe ihm empfohlen ihn mitzunehmen, Sir.«

Ich reibe mir über die Stirn. »Okay.«

Ich sehe auf die Tasse in meiner Hand. »Wo genau ist er gerade?«

»Er steht auf der Madison Avenue und betrachtet eins der beschädigten Gebäude, Sir.«

Ich starre auf meinen Kaffee.

»Was?«

»Lord Loki betrachtet eines der beschädigten Gebäude, Sir.«

»Das habe ich verstanden. Aber warum?«

»Ich fürchte, das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, Sir.«

Ich starre noch einen Augenblick auf meinen Kaffee.

Dann trinke ich wieder einen Schluck.

»Zeig mir seine Route.«

JARVIS öffnet eine Hologrammkarte mit einem kleinen Ausschnitt von Manhattan, auf welcher Lokis Route markiert ist.

»Wie lange steht er schon dort?«

»Seit etwa sieben Minuten, Sir.«

Ich betrachte die markierte Route.

»Und vorher?«

»Er ist ohne erkennbares Ziel durch die Straßen gegangen.«

Ich sehe mir die Route genauer an.

»Und jetzt steht er seit sieben Minuten vor diesem Gebäude?«

»Korrekt, Sir.«

Ich seufze. »Okay.«

Ich schlendere mit meiner Tasse zum Sofa rüber.

»Noch irgendwas, dass ich wissen muss, JARVIS?«

»Lord Loki bat mich während seines Spaziergangs darum, ihm zu erklären, was Sie mit der Aussage meinten, dass Sie wüssten, wie es ist, im Schatten zu stehen, Sir.«

Ich bleibe abrupt stehen.

»Er hat was gefragt?«

»Lord Loki fragte was Sie mit-«

»Das hab ich verstanden JARVIS.«

Mein Blick wandert zu der offenen Tür des Gästezimmers.

Dann setze ich mich wieder in Bewegung und lasse mich auf das Sofa fallen.

»Was hast du ihm gesagt?«

»Ich habe ihm von Ihrem Vater erzählt, Sir.«

Ich runzle die Stirn. »Natürlich hast du das.«

»Und was genau?«

»Ich habe ihm gesagt, dass Howard Stark ein bedeutender Erfinder und der Gründer von Stark Industries war, Sir.«

»Hat er irgendwas dazu gesagt?«

»Er sagte lediglich: ‚Verstehe.‘«

»Mehr nicht?«

»Nein, Sir.«

Ich lehne mich vor.

»Wirklich nur das?«

»Ja, Sir.«

Ich lehne mich zurück.

»Hat er sonst noch irgendwas gesagt?«

»Lediglich, dass Sie scheinbar der Erste sind, der ihn tatsächlich verstehen könnte, Sir.«

Meine Augenbrauen schießen hoch.

»JARVIS?«

»Ja, Sir?«

»Ist das wirklich alles?«

»Nein, Sir.«

Ich richte mich langsam wieder auf.

»Was noch?«

»Er sagte, dass er sich nicht daran erinnern könne, wann jemand zuletzt etwas für ihn getan habe, ohne etwas dafür zu verlangen.«

Schweigend sehe ich auf die Tasse in meiner Hand.

Mein Blick wandert ein weiteres Mal zu der offenen Tür des Gästezimmers.

»Oh.«

Ich starre auf die Fahrstuhltür vor mir, während ich warte.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Wie lange war ich unterwegs?«

»Vier Stunden und dreiundzwanzig Minuten, Lord Loki.«

Die Fahrstuhltür öffnet sich und ich trete ein.

»Danke, JARVIS.«

Während der Fahrstuhl nach oben fährt, sehe ich mich um, als gäbe es irgendwas Spannendes in diesem.

Ich hätte einfach gehen können.

Weg von diesem Tower.

Trotzdem stehe ich jetzt wieder hier.

Die Türen öffnen sich und ich betrete das Penthouse.

Mein Blick gleitet durch den Raum.

Über die Fensterfront.

Den Balkon davor.

Die Bar.

Stark ist nicht anwesend.

Mein Blick wandert weiter zu der Tür des Zimmers, in dem ich zurzeit lebe.

Die Tür ist geschlossen.

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen.

Irgendwas ist anders als vorher.

Ich trete näher.

Sehe genauer hin.

An der Tür hängt ein dunkelgrünes Schild, mit goldener Schrift.

Zügig gehe ich zu der Tür und betrachte das Schild genauer.

„LOKIS ROOM“

Ich stutze.

Lokis Zimmer…

Mein… Zimmer?

Was?

Ich starre das Schild an, als könnte es mir antworten.

Meine Finger fahren behutsam über die goldenen Buchstaben.

Lokis Zimmer…

Meine Stimme ist ein wenig heiser. »JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Da hängt ein Schild an der Zimmertür.«

»Das ist korrekt, Lord Loki.«

Ich schweige einen langen Moment.

Dann atme ich tief aus.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Dieses Schild ist neu.«

»Das ist korrekt, Lord Loki. Mister Stark hat es vor etwa einer Stunde an der Tür angebracht.«

Mein Blick hängt immer noch wie gebannt auf dem Schild.

„LOKIS ROOM“

»Vor einer Stunde?«

»In etwa. Ja.«

»Verstehe.«

Vor einer Stunde.

Also während ich fort war.

Offensichtlich, während ich fort war.

Ich atme tief ein.

»Warum?«

»Ich fürchte, das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, Lord Loki.«

Ich sehe noch einen Moment auf das Schild.

Dann lege ich die Hand auf die Türklinke und öffne die Tür.

Wieder stocke ich.

Mein Blick wandert durch den Raum.

Die Bettwäsche ist dunkelgrün.

Die Möbel umgestellt.

Die Deko ist anders.

Ein Sessel steht nun an der Fensterfront.

Daneben steht ein Beistelltisch, auf welchem eine Karaffe und Gläser stehen.

Auf einem der Nachtschränke stapeln sich ein paar Bücher, die zuvor nicht dort lagen.

Langsam gehe ich einige Schritte in den Raum.

Mein Blick bleibt an den Büchern hängen und ich trete näher.

Ich nehme eins nach dem anderen in die Hand.

‚William Shakespeare – Hamlet‘

‚Bram Stoker – Dracula‘

‚Oscar Wilde – Das Bildnis des Dorian Gray‘

‚Alexandre Dumas – Der Graf von Monte Christo‘

‚Grimms Märchen: Gesamtausgabe‘

Ich hebe eine Augenbraue.

Wirklich jetzt, Stark?

Ein Märchenbuch?

Ich lege die Bücher wieder zurück auf den Nachtschrank.

Ein weiteres Mal sehe ich mich in dem Raum um.

»JARVIS?«

»Ja, Lord Loki?«

»Hat Stark das alles hier gemacht?«

»Ja, Lord Loki.«

Ich nehme eins der Bücher und gehe zu dem Sessel an der Fensterfront. »Wie lange hat er dafür gebraucht?«

»Etwa zwei Stunden.«

Ich lasse mich in den Sessel fallen. »Alleine?«

»Ja, Lord Loki.«

Ich sehe auf das Buch.

‚Bram Stoker – Dracula‘

»Hat Stark das selbst ausgesucht?

»Ja, Lord Loki.«

»Verstehe.«

Nein tu ich nicht.

Nicht wirklich.

Ich starre auf das Buch.

Dann sehe ich erneut durch den Raum.

Zwei Stunden.

Während ich fort war.

Ich lehne mich zurück und schließe die Augen.

Träge schleppe ich mich durch das Penthouse, um mir ein Glas Wasser zu holen.

Der Boden unter meinen Füßen ist kühl.

Es ist still, fast schon unangenehm.

Mein Blick fällt auf das Licht, das unter Lokis Zimmertür durchscheint.

Kann wohl auch nicht schlafen.

Ich gehe weiter und hole mir mein Glas Wasser.

Durch die Fensterfront sehe ich nach draußen auf die Stadt.

Meine Füße tragen mich nach draußen auf den Balkonring des Towers.

Ich setze mich auf den Boden, trinke ein Schluck Wasser und lege anschließend den Kopf in den Nacken.

Der Himmel über mir ist klar.

Zumindest soweit man ihn von hier aus sehen kann.

Ich schließe für einen Moment die Augen.

Selbst die Stadt scheint ungewöhnlich ruhig in diesem Moment.

Eigentlich sollte ich schlafen.

Ich öffne die Augen wieder.

Aber das war wohl noch nie meine Stärke.

Ich nippe an meinem Glas.

Dann wandert mein Blick wieder zum Himmel.

Sterne kann man hier nicht sehen.

Zu viel Lichtverschmutzung von der Stadt.

Ich starre noch einen Augenblick nach oben.

Dann schließe ich die Augen wieder und atme tief durch.

Eigentlich bin ich müde.

Mein Kopf scheint das nur noch nicht verstanden zu haben.

»Stark?«

Ich sehe zur Seite.

Loki sitzt auf einmal neben mir.

Er sieht mich an. »Was machst du hier draußen?«

»Kann nicht schlafen.«

Er nickt langsam. »Das sehe ich.«

Ich nehme einen Schluck aus meinem Glas.

»Schön, dass wir uns einig sind.«

Loki schweigt.

Ich ebenfalls, während ich meinen Blick auf die Stadt richte.

Ein leichter Luftzug streift mein Gesicht.

»Stark?«

»Hm?«

»Dich beschäftigt etwas.«

»Ist mir noch gar nicht aufgefallen.«

Loki schnaubt leise. Es klingt beinahe amüsiert.

»Warum das alles?«

Ich sehe ihn fragend an.

»Erst bringst du mich dazu, meine Pläne zu ändern. Dann nimmst du mich bei dir auf. Jetzt das Zimmer. Warum?«

Ich zucke mit den Schultern. »Warum nicht?«

Loki starrt mich wortlos an.

Er sieht mich an, als hätte ich ihn gerade beleidigt.

»Die Antwort gefällt dir nicht, oder?«

Loki richtet seinen Blick auf die Stadt.

»Sie ist äußerst unbefriedigend.«

Mein Blick folgt seinem.

Ich nehme noch einen Schluck aus meinem Glas.

Wir sitzen einfach nur schweigend nebeneinander.

Und seit Stunden scheint mein Kopf das erste Mal zur Ruhe zu kommen.

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So es wird Zeit eine Angewohnheit von mir auch hier wieder einzuführen. Also vielen lieben Dank für zwei Favo-Einträge und vielen, vielen Dank an ElaW für die erste Review überhaupt und auch generell für die Reviews bisher und ebenfalls vielen Dank an kalarama für die Review!