Kapitel VI - Nebenwirkungen
Kapitel VI - Nebenwirkungen
»JARVIS?«
»Ja, Sir?«
Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück. »Ruf Direktor Fury an.«
»Natürlich, Sir.«
Wenige Sekunden später erscheint Fury auf dem Display vor mir.
»Mister Stark.«
»Fury.«
»Was wollen Sie?«
Ich lehne mich ein wenig vor. »Ich brauche einen Gefallen von Ihnen.«
Fury sieht mich an. »Nein.«
»Sie wissen nicht mal, worum es geht.«
»Das spielt keine Rolle.«
Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Ich denke, dass es das sehr wohl tut.«
Fury mustert mich einige Sekunden.
Dann seufzt er. »Um was geht es?«
»Loki braucht eine Identität für sein Leben hier und ich weiß, dass S.H.I.E.L.D. die nötigen Mittel dafür besitzt, um das zu regeln.«
Er zieht überrascht eine Augenbraue hoch. »Das ist alles?«
Ich nicke. »Jap.«
Fury sieht mich einen Augenblick lang an, dann nickt er langsam. »Ich kümmere mich drum.«
»Gut.«
»Noch etwas, Mister Stark?«
»Nope.«
Fury nickt und beendet die Verbindung.
Ich lehne mich wieder zurück.
»Das lief doch ganz gut.«
»Sir? Miss Potts und Agent Romanoff sind auf dem Weg zu Ihnen.«
Ich sehe auf. »Zusammen?«
»Ja, Sir.«
»Das klingt beunruhigend.«
Die Tür öffnet sich und Pepper kommt rein, dicht gefolgt von Natasha.
»Mister Stark.«
»Miss Potts. Agent Romanoff.«
Mein Blick fällt auf den Umschlag, den Natasha in der Hand hält.
Kurz darauf reicht sie ihn mir. »Für Loki.«
Ich nehme den Umschlag entgegen und lehne mich zurück. »Das ging schnell.«
»Direktor Fury wollte es schnell erledigt haben.«
Ich nicke Natasha zu. »Umso besser.«
Ich öffne den Umschlag und werfe einen Blick rein.
Dann sehe ich wieder zu Natasha. »Sie können Fury ausrichten, dass ich mich bedanke.«
Sie hebt eine Augenbraue. »Das werde ich ihm nicht antun.«
Ich grinse und nicke, dann wende ich mich Pepper zu. »Miss Potts, begleiten Sie Agent Romanoff bitte zur Tür.«
Pepper nickt. »Natürlich, Mister Stark.«
Die beiden Frauen wenden sich zum Gehen.
»Ach und Miss Potts?«
Sie dreht sich nochmal in meine Richtung. »Ja, Mister Stark?«
»Kaufen Sie weitere Anzüge für Loki, damit er nicht immer den gleichen tragen muss.«
Sie nickt. »Natürlich, Mister Stark.«
Dann verlässt sie gemeinsam mit Natasha die Werkstatt und ich widme mich wieder meinem kleinen Projekt auf meinem Tisch.
Ich betrachte kurz das kleine Gerät in meiner Hand und kopple es mit meinen Systemen und Servern.
Dann stecke ich es mir ins Ohr.
»JARVIS?«
»Ja, Sir?«
»Verbindung herstellen und testen.«
Ein kurzer Ton erklingt in meinem Ohr.
»Verbindung hergestellt und Test erfolgreich, Sir.«
Ich lehne mich zurück. »Hervorragend.«
Anschließend nehme ich es wieder aus dem Ohr und lege es auf den Tisch vor mir.
»Fehlt nur noch der Besitzer.«
»Soll ich Lord Loki informieren, Sir?«
»Nein.«
»Noch nicht.«
»Verstanden, Sir.«
»JARVIS?«
»Ja, Sir?«
»Sag Miss Potts, dass ich Sie sprechen möchte.«
»Natürlich, Sir.«
Ich nicke kurz, stecke das Gerät ein und verlasse die Werkstatt.
Oben im Penthouse ende ich vor der Kaffeemaschine und drücke auf den Knopf.
Von Loki ist nichts zu sehen.
Seine Zimmertür ist geschlossen.
Wahrscheinlich liest er gerade.
Die Fahrstuhltür geht auf und Pepper tritt ein.
»Sie wollten mich sprechen, Mister Stark?«
Ich nehme nickend meine Tasse und deute auf die Glastür des Balkons.
Pepper geht vor, ich folge ihr.
Draußen auf dem Balkonring des Turms sieht sie mich erwartend an. »Also um was geht es Mister Stark.«
»Ich möchte, dass Sie ein Bankkonto für Loki einrichten und richten Sie einen monatlichen Dauerauftrag auf meinem Konto ein mit zehntausend Dollar pro Monat.«
»Ich soll was?«
»Sie haben mich schon verstanden, Miss Potts.«
»Aber-«
»Nein. Kein Aber.«
Sie sieht mich fassungslos an. »Zehntausend Dollar im Monat?«
Ich nicke. »Ja.«
»Für Loki?«
»Miss Potts.«
Sie sieht mich einige Sekunden lang an.
Dann seufzt sie. »Schon gut. Ich richte das Konto ein.«
»Danke.«
Mein Blick wandert über die Zeilen auf dem Papier.
Stück für Stück, immer weiter.
Zwischenzeitlich spreche ich einzelne Sätze leise mit.
Bis meine Augen an einem Satz hängen bleiben.
‚Wir lernen aus unseren Fehlern, nicht aus unseren Erfolgen.‘
Ich klappe das Buch zu, lasse aber einen Finger zwischen den Seiten auf der Stelle.
Mein Blick fällt auf das geschlossene Buch.
Ich atme tief durch.
Ein interessanter Gedanke.
Gerade als ich es wieder öffnen will, meldet sich eine Stimme aus dem Hintergrund.
»Lord Loki?«
»Ja, JARVIS?«
»Mister Stark lässt Ihnen ausrichten, dass er Sie sprechen möchte.«
Mein Blick wandert zur Decke.
»Jetzt?«
»Ja, Lord Loki.«
»Worum geht es?«
»Das hat Mister Stark nicht erwähnt.«
»Natürlich nicht.«
Ich klappe das Buch auf und sehe auf die Seitenzahl.
Danach lege ich es auf den Beistelltisch und erhebe mich.
»JARVIS?«
»Ja, Lord Loki?«
»Wo ist Tony?«
»In seiner Werkstatt, Lord Loki.«
Warum frage ich eigentlich?
»Danke JARVIS.«
Ich verlasse mein Zimmer und gehe durch das Penthouse.
Dann folge ich der Treppe nach unten und klopfe an die Glastür.
Tony sitzt an einem Tisch auf dem diverse Dinge ausgebreitet sind. »JARVIS, öffne die Tür.«
Es klickt und ich drücke die Tür auf.
»Du wolltest mich sprechen?«
Stark steht auf. »Jap.«
Er kommt um den Tisch herum. »Komm her.«
Ich ziehe eine Augenbraue hoch und trete näher.
Tony deutet auf die Dinge auf dem Tisch. »Willkommen in deinem neuen Leben.«
Ich sehe ihn an.
»Das klingt ausgesprochen dramatisch.«
Tony zuckt mit den Schultern. »Ich bin Iron Man. Was hast du erwartet?«
»Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.«
Ich beuge mich über den Tisch und betrachte die Gegenstände.
Eines davon kommt mir äußerst bekannt vor.
Sieht aus wie das Ding, über das JARVIS mich neulich begleitet hat, aber es leuchtet grün und nicht blau.
Dann fällt mein Blick auf etwas anderes.
‚Loki von Asgard‘
Ich sehe zu Tony.
»Was ist das?« Ich deute auf die flache Karte mit meinem Namen drauf.
»Dein Ausweis.«
»Mein was?«
»Ein Ausweis.«
»Das sagtest du bereits.«
»Nein. Ich sagte: Dein Ausweis.«
Ich sehe wieder auf die Karte.
»Und wofür benötige ich einen Ausweis?«
Er sieht mich an. »Damit du beweisen kannst, dass du du bist.«
Mein Blick wandert wieder zu ihm. »Was?«
»Wenn du auf der Erde bleibst, dann brauchst du einen Ausweis.«
Ich richte mich auf. »Ich bin ein Gott.«
Tony zuckt mit den Schultern. »Das steht da nicht drauf.«
Ich nehme die Karte in die Hand und sehe drauf.
Ich lese laut vor. »Loki von Asgard.«
»Also genau genommen steht das da.«
Er seufzt resigniert. »Gut. Punkt für dich.«
Ich grinse zufrieden und betrachte dabei die Karte.
»Also.« Stark nimmt die anderen Gegenstände in die Hand.
Darunter auch eine weitere Karte die er mir reicht. »Das hier ist deine Bankkarte für dein Konto.«
Ich nehme die Karte an und betrachte sie. »Mein was?«
»Dein Bankkonto. Mit der Karte kannst du bezahlen, wenn du etwas kaufen möchtest.«
Ich hebe eine Augenbraue. »Ich habe kein Geld.«
Er grinst. »Doch. Jetzt schon.«
»Was...?«
»Zehntausend Dollar jeden Monat.«
Ich starre ihn an.
»Was...?«
»Ich sagte, du bekommst zehntausend Dollar. Jeden Monat.«
»Das habe ich verstanden.«
»Da war ich mir gerade nicht so sicher.«
»Stark... Warum?«
Er zuckt mit den Schultern. »Damit du davon leben kannst.«
»Ich brauche keine zehntausend Dollar.«
»Das sagst du jetzt.«
Ich ziehe skeptisch eine Augenbraue hoch.
»Du bist doch ein Gott, oder?« Er macht eine ausladende Geste.
»Also bist du wahrscheinlich einen ganz anderen Standard gewohnt. Zehntausend sind... Nicht viel. Zumindest für mich nicht. Und für dich...«
Er winkt ab. »Lassen wir das lieber.«
Dann reicht er mir den nächsten Gegenstand. »Das hier ist ein holografisches Interface.«
Ich starre ihn an. »Ein was?«
»Technik, Loki. Willkommen in der Moderne.«
»Hast du mich gerade altmodisch genannt?«
»Nein.«
Ich sehe ihn skeptisch an. »Aber du hast es gedacht.
»Das ist was anderes.«
Ich starre resigniert auf das Interface in seiner Hand und nehme es entgegen. »Und was mache ich damit?«
»Das kann JARVIS dir erklären.« Er hält mir das kleine Gerät hin.
Ich sehe auf das Ding.
Jetzt erkenne ich es wieder.
»Ein Kommunikationsstecker.«
»Nein. DEIN Kommunikationsstecker. Damit du dir nicht immer meine Leihen musst.«
Ich nehme ihn entgegen und betrachte ihn kurz.
»Du hast extra einen eigenen für mich angefertigt?«
»Jap.«
Ich blinzle, dann sehe ich wieder zu ihm.
»Du bist ein ausgesprochen lästiger Mensch.«
Er grinst. »Ich weiß.«
Ich schüttle resigniert den Kopf und sehe auf die Gegenstände in meinen Händen.
Ich stehe im Fahrstuhl und warte darauf, dass dieser im Penthouse ankommt.
Der Termin war ermüdend.
Oder eher, er wäre es gewesen ohne mich.
Die Tür öffnet sich und ich verlasse den Fahrstuhl.
Mein Blick fällt auf Loki.
Er sitzt auf dem Sofa.
Auf dem Tisch vor ihm steht ein Schachbrett.
Ihm gegenüber sitzt er selbst.
Der Loki auf dem Sofa macht einen Zug und setzt seinen König von f-drei nach f-vier.
»Mein Springer bitte von e-fünf nach g-sechs, Lord Loki.«
Der Loki ihm gegenüber führt den Zug aus. Schach.
Dann setzt der Loki auf dem Sofa wieder. Er stellt seinen König von f-vier nach f-drei zurück.
»Mein Bauer von f-fünf nach f-vier bitte, Lord Loki.«
Wieder führt der Loki auf der anderen Seite des Tisches den Zug aus. Wieder Schach.
Ich blinzle kurz irritiert, dann trete ich näher, während der Loki auf dem Sofa seinen Zug macht. Er setzt seinen Bauer von e-drei nach f-vier und schlägt damit den schwarzen Bauer, der dort stand.
»Meinen Läufer auf c-acht bitte nach g-vier, Lord Loki.«
Der zweite Loki führt den Zug wieder aus. Erneutes Schach.
»Spielst du gerade Schach? Gegen JARVIS? Mit einer Illusion von dir?«
Der Loki vom Sofa sieht auf. »Irgendwie muss JARVIS seine Züge ja machen.«
Dann sieht er wieder konzentriert auf das Brett und macht seinen Zug. Mit seinem König von f-drei schlägt er den schwarzen Läufer auf g-vier.
»Meinen Springer von g-sechs bitte nach e-fünf, Lord Loki.«
Der zweite Loki macht den Zug wie von JARVIS angegeben und setzt den Loki auf dem Sofa wieder Schach.
Loki auf dem Sofa zieht seinen Bauer von f-vier nach e-fünf, um diesen zu schlagen.
»Meinen Bauer von h-sieben nach h-fünf bitte, Lord Loki.«
Der Loki auf der anderen Seite macht den Zug für JARVIS. Schachmatt.
»Schachmatt, Lord Loki.«
Loki vom Sofa starrt verdutzt auf das Schachbrett.
Ich sehe auf das Schachbrett.
Dann zu Loki auf dem Sofa.
Zu dem anderen Loki.
Und wieder auf das Schachbrett.
»JARVIS hat dich gerade besiegt. Mit deiner eigenen Illusion.«
Beide Lokis sehen mich an.
Der vom Sofa antwortet. »Genau genommen ist es keine Illusion, sondern ein Duplikationszauber.«
»Was ist der Unterschied?«
»Eine Illusion ist eine Illusionsprojektion also im Endeffekt ein detailliertes Abbild außerhalb der eigenen Person, sichtbar für die Umgebung. Während ein Duplikationszauber eine exakte Nachbildung des eigenen Körpers erzeugt, in seinem Gegenwärtigen Zustand, also etwas wie eine Spiegelung seiner molekularen Struktur.«
Ich starre ihn einen Moment lang an.
»Wow.«
Er hebt eine Augenbraue. »Was?«
»Das war sehr präzise.«
Der zweite Loki verschwindet plötzlich, während der echte Loki auf dem Sofa sich zurücklehnt. »Überrascht dich das?«
»Ähm, ein bisschen vielleicht.«
Er hebt eine Augenbraue. »Das war nicht ganz die Reaktion, die ich erwartet hatte.«
Ich sehe ihn einen Augenblick lang an, dann setze ich mich wieder in Bewegung.
»Und du kannst einfach so eine exakte Kopie von dir erschaffen?«
»Das habe ich doch gerade erklärt.«
Ich lasse mich neben ihm aufs Sofa fallen. »Ich wollte nur sicherstellen, dass ich dich richtig verstanden habe.«
Loki dreht sich ein wenig in meine Richtung und sieht mich an.
Ich mache dasselbe und sehe ihn an. »Also. Wie funktioniert das?«
Als ich mein Zimmer verlasse, brennt im Penthouse noch Licht.
Ich sehe mich kurz um.
Stark liegt auf dem Sofa, die Augen geschlossen.
Er sieht ziemlich erschöpft aus.
Mein Blick wandert zur Decke.
»JARVIS?« Flüstere ich.
»Ja, Lord Loki?« Antwortet mir die KI ebenfalls gedämpft.
»Schalte das Licht aus.«
»Natürlich, Lord Loki.«
Kurz darauf gehen die Lampen aus und nur noch das Licht, das durch die Fensterfront reinfällt, erleuchtet den Raum.
Ich bewege mich fast lautlos zum Sofa, entdecke aber keine Decke auf dem Weg dorthin, also schaffe ich einfach eine mit meiner Magie.
Behutsam lege ich sie über Stark.
Dieser regt sich kurz, schläft dann aber einfach weiter.
Lautlos wende ich mich ab und ziehe mich wieder in mein Zimmer zurück, um Tony nicht weiter zu stören.
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Vielen lieben Dank für den dritten Favo-Eintrag!