Unter uns
Unter uns
POV: Serafina
„Du hast vergessen, nach dem dreizehnten zu suchen.“
Die Worte standen noch immer vor meinen Augen.
Ich hielt den Zettel zwischen zwei Fingern, doch plötzlich fühlte er sich an, als wäre er schwerer geworden.
„Das ist eine Falle!“, sagte Elias.
Andi sah ihn an. „Das wissen wir.“
„Nein!“, erwiderte Elias ruhig. „Ich meine, dass dieser Hinweis selbst die Falle sein könnte!“
Mary trat näher an den Tisch.
„Dorn wusste, dass wir die zwölf Namen gefunden haben! Er wusste sogar, dass wir nach weiteren Dateien suchen!“
Vom runzelte die Stirn.
„Dann wusste er auch, dass wir irgendwann diesen Zettel bekommen!“
„Genau!“
Kuddel lehnte sich über den Tisch.
„Also will er, dass wir nach Nummer dreizehn suchen!“
Susi sah auf den Zettel.
„Die Frage ist nur: Warum?“
Niemand antwortete.
Ich spürte Campinos Hand neben meiner.
Nicht aufdringlich.
Nur seine Finger an meinen.
Eine stille Erinnerung daran, dass ich nicht allein war.
Ich drehte den Zettel um.
Nichts.
Keine Unterschrift.
Keine weitere Nachricht.
Nur diese wenigen Worte.
„Was, wenn er möchte, dass wir jemanden verdächtigen?“, fragte ich.
Mary sah mich an.
„Das ist wahrscheinlich.“
„Dann müssen wir besonders vorsichtig sein.“
Andi schnaubte.
„Vorsichtig? Nach allem, was passiert ist, bin ich inzwischen allergisch gegen das Wort!“
Breiti legte ihm eine Hand auf den Arm.
„Dann bist du wenigstens vorbereitet.“
Andi sah ihn an.
„Du findest das lustig?“
„Ein bisschen.“
„Breiti!“
„Was?“
„Ich liebe dich!“
Breiti lächelte.
„Ich weiß.“
Andi verdrehte die Augen.
„Das war keine romantische Erklärung!“
„Für mich schon.“
Ein leises Lachen ging durch den Raum.
Nur kurz.
Doch es reichte.
Dann wurde Mary plötzlich ernst.
„Ich habe etwas.“
Alle drehten sich zu ihr.
Sie tippte auf die Tastatur.
„Ich habe die Metadaten des Dokuments untersucht.“
Elias trat näher.
„Und?“
„Die Datei wurde nicht auf dem Datenträger erstellt.“
„Was bedeutet das?“, fragte Vom.
Mary sah auf den Bildschirm.
„Sie wurde erst später hinzugefügt.“
Ich spürte, wie mein Magen sich zusammenzog.
„Wie viel später?“
„Vor ungefähr drei Tagen.“
Andi erstarrte.
„Drei Tage?“
Mary nickte.
„Ja.“
Kuddel sah zu Elias.
„Also wusste jemand schon vor unserem Fund, dass wir die Dateien bekommen würden.“
„Oder“, sagte Elias langsam, „jemand wollte sicherstellen, dass wir sie bekommen.“
Stille.
Campino sah mich an.
Ich wusste sofort, was er dachte.
„Der dreizehnte Name ist vielleicht gar kein Verräter.“
Er nickte.
„Vielleicht ist er eine Spur.“
Ich sah wieder auf den Zettel.
Und plötzlich hatte ich ein ungutes Gefühl.
„Nein.“
Alle sahen mich an.
„Was?“, fragte Susi.
Ich legte den Zettel auf den Tisch.
„Dorn kennt meine Reaktionen.“
Campino trat näher.
„Sera...“
„Nein, hör zu.“
Ich zeigte auf die Nachricht.
„Er weiß, dass ich Menschen nicht leichtfertig verdächtige.“
Elias nickte langsam.
„Und genau deshalb könnte er einen Namen auswählen, der dir etwas bedeutet.“
Mein Herz begann schneller zu schlagen.
„Jemanden, den ich beschützen möchte.“
Mary öffnete eine Datei.
„Dann sollten wir herausfinden, wer überhaupt Zugang zu den ursprünglichen Listen hatte.“
Sie scrollte.
Dann blieb sie plötzlich stehen.
„Wartet.“
Alle kamen näher.
Mary öffnete die Zugriffsprotokolle.
Ein Benutzerkonto.
Ein Datum.
Eine Uhrzeit.
Und darunter ein Name.
Ich kannte ihn.
Ich kannte ihn sehr gut.
Meine Kehle wurde trocken.
„Nein.“
Campino sah auf den Bildschirm.
Sein Gesicht wurde ernst.
Andi flüsterte:
„Das gibt's nicht.“
Breiti trat näher.
„Wer ist das?“
Ich konnte den Blick nicht vom Bildschirm lösen.
„Elias.“
Niemand sagte etwas.
Elias selbst blieb vollkommen ruhig.
Nur seine Augen veränderten sich.
„Das ist mein Konto.“
Vom trat einen Schritt zurück.
„Du willst uns doch nicht erzählen, dass du...“
„Nein!“
Elias' Stimme war scharf.
„Ich habe diese Datei nicht geöffnet!“
Mary hob sofort die Hände.
„Moment. Das Protokoll beweist nur, dass jemand sein Konto benutzt hat.“
Andi sah zwischen den beiden hin und her.
„Kann man das fälschen?“
„Natürlich.“
„Dann wissen wir überhaupt nichts.“
„Doch“, sagte Elias.
Er zeigte auf den Bildschirm.
„Wir wissen, dass jemand Zugriff auf meine Zugangsdaten hatte.“
Kuddel verschränkte die Arme.
„Und wer hatte Zugriff auf deine Zugangsdaten?“
Elias schwieg.
Ich sah ihn an.
„Wer?“
Er antwortete erst nach einigen Sekunden.
„Dorn.“
Mein Herz schlug schwer.
„Dann ist Elias nicht der Dreizehnte.“
Mary schüttelte den Kopf.
„Noch wissen wir das nicht.“
Ich sah sie an.
„Doch.“
„Sera...“
„Nein.“
Ich trat an den Tisch.
„Wenn Dorn wollte, dass wir Elias verdächtigen, hätte er genau diese Spur gelegt.“
Elias sah mich lange an.
Dann sagte er leise:
„Du hast gelernt.“
Ich sah ihn an.
„Was?“
„Nicht jede Spur zu glauben, nur weil sie plausibel aussieht.“
Ich atmete tief durch.
„Vielleicht habe ich von ihm mehr gelernt, als mir lieb ist.“
Campino trat neben mich.
„Aber du bist nicht wie er.“
Ich sah zu ihm.
„Woher weißt du das?“
„Weil du gerade versucht hast, einen Menschen nicht zu verurteilen.“
Seine Stimme wurde leiser.
„Dorn hätte das nicht getan.“
Meine Augen wurden feucht.
Ich wandte mich wieder dem Bildschirm zu.
„Dann suchen wir weiter.“
***
Eine Stunde später war der Raum kaum wiederzuerkennen.
Akten lagen überall.
Mary hatte mehrere Bildschirme gleichzeitig geöffnet.
Vom überprüfte Sicherheitsaufzeichnungen.
Kuddel und Susi verglichen Namen aus alten Ratsprotokollen.
Andi und Breiti untersuchten die Zugangskarten.
Elias stand still vor einer Wand voller Dokumente.
Und Campino saß neben mir.
Ich hatte seit Minuten nichts gesagt.
„Du bist wieder sehr ruhig“, sagte er.
Ich sah ihn an.
„Du merkst das?“
„Ja.“
„Ich hasse es, dass du das merkst.“
Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Warum?“
„Weil ich dann nichts verstecken kann.“
„Das musst du bei mir nicht.“
Ich sah auf unsere Hände.
„Manchmal weiß ich selbst nicht, was ich verstecke.“
Er schwieg.
Ich atmete tief ein.
„Ich habe heute Morgen noch gedacht, ich könnte wieder lernen zu vertrauen.“
„Und?“
„Jetzt fühlt es sich an, als würde jeder neue Beweis dieses Vertrauen wieder auseinandernehmen.“
Campino drehte sich zu mir.
„Vertrauen ist kein Schalter.“
„Was dann?“
„Etwas, das man immer wieder entscheidet.“
Ich sah ihn an.
„Und wenn ich morgen wieder Angst bekomme?“
„Dann entscheidest du morgen wieder.“
„Und wenn ich übermorgen zweifle?“
„Dann übermorgen.“
Ich musste trotz allem lächeln.
„Du hast wohl auf alles eine Antwort.“
„Nein.“
Er schüttelte den Kopf.
„Ich habe nur beschlossen, nicht vor deinen Fragen davonzulaufen.“
Mein Lächeln verschwand.
„Ich habe Angst, dass ich dich irgendwann mit meiner Angst erschöpfe.“
„Sera.“
Seine Stimme war ruhig.
„Du bist nicht anstrengend, nur weil du verletzt bist.“
Ich sah weg.
„Du weißt nicht, wie lange das dauert.“
„Dann dauert es eben.“
„Und wenn es Jahre dauert?“
„Dann sind es Jahre.“
Ich sah ihn wieder an.
„Du würdest wirklich bleiben?“
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich nicht vorhabe zu gehen.“
Seine Hand hob sich langsam zu meiner Wange.
Sein Daumen strich vorsichtig über meine Haut.
„Aber ich möchte, dass du bleibst, weil du es willst.“
Ich schluckte.
„Nicht, weil du mich brauchst?“
„Genau.“
Er lehnte seine Stirn an meine.
„Ich will nicht dein Gefängnis sein.“
Meine Augen schlossen sich.
„Du bist das Gegenteil.“
„Gut.“
„Du bist der erste Ort, an dem ich nicht das Gefühl habe, mich erklären zu müssen.“
Sein Atem strich warm über meine Haut.
„Dann bleib bei mir.“
Ich öffnete die Augen.
„Nebeneinander?“
„Immer.“
Ich küsste ihn.
Nicht hastig.
Nicht als Flucht.
Einfach langsam und voller Gefühl.
Als wir uns voneinander lösten, blieb er dicht bei mir.
„Besser?“
„Ein bisschen.“
„Dann war es wenigstens nicht völlig nutzlos.“
Ich lächelte.
„Idiot.“
„Deiner.“
Ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter.
Für einen Moment gab es Dorn nicht.
Keine Listen.
Keine Verräter.
Keine Angst.
Nur uns.
Dann riss Mary uns aus dem Moment.
„Ich glaube, ich habe ihn.“
Ich hob den Kopf.
„Wen?“
Mary sah uns an.
„Den echten Dreizehnten.“
***
Alle standen wieder um den Bildschirm.
Mary öffnete eine neue Datei.
„Ich habe die Zugriffsprotokolle rückwärts verfolgt.“
Andi verschränkte die Arme.
„Und?“
„Der manipulierte Datensatz wurde nicht über Elias' Konto verändert.“
„Was?“
„Jemand hat Elias' Zugang benutzt, um eine falsche Spur zu erzeugen.“
Kuddel nickte.
„Das wussten wir.“
„Nein.“
Mary öffnete eine weitere Datei.
„Ihr habt noch nicht gesehen, wer tatsächlich Zugriff auf die Originaldateien hatte.“
Eine Liste erschien.
Elf Namen.
Dann zwölf.
Dann eine weitere Zeile.
Ein Benutzerkonto ohne Namen.
Nur eine Kennung.
Mary zoomte hinein.
„Dieses Konto wurde ausschließlich für interne Zugriffe verwendet.“
Vom runzelte die Stirn.
„Von wem?“
„Das ist das Problem.“
Sie öffnete die nächste Datei.
Ein Personalregister erschien.
Ich las die Zeile.
Dann noch einmal.
Mein Atem stockte.
„Nein.“
Campino sah mich an.
„Was?“
Ich zeigte auf den Bildschirm.
„Das Konto gehört...“
Meine Stimme versagte.
Elias trat näher.
Sein Gesicht verlor jede Farbe.
„Das kann nicht sein.“
Andi sah ihn an.
„Wer?“
Mary beantwortete die Frage.
„Der ehemalige persönliche Berater des Vorsitzenden.“
Susi runzelte die Stirn.
„Der ist doch tot.“
Mary nickte.
„Seit sechs Jahren.“
Stille.
Vom sah auf die Daten.
„Dann kann er das Konto nicht benutzt haben.“
„Richtig.“
Kuddel beugte sich vor.
„Also benutzt jemand die Identität eines Toten.“
Mary nickte.
„Und genau hier wird es interessant.“
Sie öffnete eine weitere Datei.
„Das Konto wurde nach seinem Tod weitergeführt.“
Andi starrte auf den Bildschirm.
„Von wem?“
Mary zoomte auf die Signatur.
„Das weiß ich noch nicht.“
Elias trat näher.
„Dann ist das der Dreizehnte.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Alle sahen mich an.
„Warum?“, fragte Breiti.
Ich zeigte auf die Daten.
„Weil Dorn uns wieder nur einen Namen geben würde.“
Campino verstand zuerst.
„Es geht nicht um die Person.“
Ich nickte.
„Es geht um die Identität.“
Mary sah plötzlich auf einen anderen Bildschirm.
„Moment.“
Sie tippte hektisch.
„Ich habe eine Verbindung.“
„Wohin?“, fragte Vom.
„Zu den aktuellen Zugangsdaten.“
Sie öffnete das Protokoll.
Dann wurde ihr Gesicht blass.
„Oh Gott.“
Andi trat neben sie.
„Was?“
Mary zeigte auf die letzte Zeile.
„Das Konto wurde heute benutzt.“
Stille.
„Wann?“, fragte Elias.
Mary sah auf die Uhrzeit.
„Vor acht Minuten.“
Niemand bewegte sich.
Vor acht Minuten.
Während wir hier standen.
Während wir glaubten, sicher zu sein.
Campino griff nach meiner Hand.
Ich spürte seinen Puls.
Schnell.
„Wo?“, fragte Andi.
Mary antwortete:
„Im Gebäude.“
Andi fluchte.
Vom griff bereits nach seiner Jacke.
Kuddel stand auf.
Susi ebenfalls.
Elias wurde vollkommen still.
„Welcher Raum?“, fragte er.
Mary sah auf den Bildschirm.
Dann hob sie langsam den Blick.
„Der Archivraum.“
Andi erstarrte.
„Da waren wir vor zehn Minuten.“
„Ich weiß.“
„Dann ist er noch hier.“
Mary nickte.
„Oder sie.“
Campino sah mich an.
Ich spürte plötzlich wieder diese alte Kälte.
Doch diesmal ließ ich sie nicht gewinnen.
Ich drückte seine Hand.
„Wir gehen zusammen.“
Er nickte.
„Nebeneinander.“
***
Wir erreichten den Archivraum wenige Minuten später.
Die Tür stand offen.
Keine Geräusche.
Keine Bewegung.
Andi hob eine Hand.
Alle blieben stehen.
Kuddel flüsterte:
„Zu ruhig.“
Vom nickte.
„Viel zu ruhig.“
Elias trat an die Tür.
Er öffnete sie vollständig.
Der Raum war leer.
Regale.
Akten.
Staub.
Nichts weiter.
Dann bemerkte ich etwas auf dem Boden.
Ein kleiner Umschlag.
Ich ging einen Schritt darauf zu.
Campino hielt mich zurück.
„Warte.“
Er ging zuerst hin.
Er hob den Umschlag auf.
Keine Unterschrift.
Nur mein Name.
„Natürlich“, murmelte Andi.
Campino sah mich an.
„Willst du ihn öffnen?“
Ich nahm ihn.
Meine Hände zitterten.
Aber ich öffnete ihn.
Ein einziges Blatt.
Diesmal stand dort mehr.
„Du hast den dreizehnten Namen gefunden.“
Darunter:
„Aber du suchst noch immer nach einer Person.“
Mein Atem stockte.
Die nächste Zeile war kürzer.
„Suche nach demjenigen, der euch alle miteinander verbindet.“
Ich las weiter.
Dann blieb mein Blick an der letzten Zeile hängen.
„Er sitzt bereits unter euch.“
Ich hob langsam den Kopf.
Niemand sagte etwas.
Ich sah Andi an.
Breiti.
Kuddel.
Susi.
Vom.
Mary.
Elias.
Campino.
Acht vertraute Gesichter.
Acht Menschen, die in den vergangenen Jahren für mich mehr geworden waren als Verbündete.
Familie.
Mein Herz begann zu rasen.
Campino bemerkte meinen Blick.
„Sera?“
Ich sah ihn an.
In seinen Augen lag keine Angst um sich selbst.
Nur um mich.
„Was steht da?“
Ich reichte ihm den Zettel.
Er las.
Sein Gesicht wurde hart.
Andi nahm ihm das Blatt ab.
„Er sitzt bereits unter euch.“
Breiti flüsterte:
„Das bedeutet...“
„Dass einer von uns der Dreizehnte sein könnte“, sagte Kuddel.
Stille.
Ich sah Campino an.
Er sah mich an.
Für einen Moment hatte ich Angst vor genau dem, was ich am meisten gefürchtet hatte.
Nicht davor, dass jemand mich belog.
Sondern davor, dass ich nicht mehr erkennen konnte, wer die Wahrheit sagte.
Campino trat einen Schritt näher.
„Sera.“
Ich antwortete nicht.
„Sieh mich an.“
Ich tat es.
„Du musst mir jetzt nicht blind vertrauen.“
Meine Augen wurden feucht.
„Was?“
„Du darfst zweifeln.“
Er nahm vorsichtig meine Hand.
„Aber lass die Angst nicht für dich entscheiden.“
Ich schluckte.
„Und wenn du es bist?“
Der Satz war heraus, bevor ich ihn zurückhalten konnte.
Alle wurden still.
Campino sah mich lange an.
Dann sagte er:
„Dann wirst du die Wahrheit herausfinden.“
Keine Empörung.
Kein Vorwurf.
Nur diese ruhige Antwort.
Ich spürte eine Träne über meine Wange laufen.
„Du bist nicht wütend?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil du Angst hast.“
Seine Finger schlossen sich um meine.
„Und weil ich lieber möchte, dass du mir diese Angst sagst, als dass du sie allein mit dir herumträgst.“
Ich atmete zittrig aus.
„Ich liebe dich.“
Sein Blick wurde weich.
„Ich weiß.“
„Und trotzdem habe ich Angst.“
„Das darfst du.“
Er zog mich vorsichtig an sich.
Ich legte meine Stirn an seine Brust.
Sein Herz schlug schnell.
Aber gleichmäßig.
„Ich werde herausfinden, wer es ist“, flüsterte ich.
„Ja.“
„Und wenn es jemand ist, den ich liebe?“
Seine Arme schlossen sich etwas fester um mich.
„Dann wirst du nicht allein damit fertigwerden müssen.“
Ich schloss die Augen.
„Nebeneinander?“
„Nebeneinander.“
Hinter uns sagte Mary plötzlich:
„Leute.“
Wir lösten uns voneinander.
Sie stand vor dem Computer.
Ihr Gesicht war kreidebleich.
„Ich habe gerade die letzte Verbindung gefunden.“
Andi trat zu ihr.
„Welche?“
Mary zeigte auf den Bildschirm.
Eine neue Datei war geöffnet worden.
Automatisch.
Ohne dass jemand den Computer berührt hatte.
Darauf erschien nur ein Satz.
„Der Dreizehnte ist nicht der Verräter.“
Darunter:
„Er ist der Zeuge.“
Und darunter erschien ein Name.
Mein Herz blieb stehen.
Ich kannte ihn.
Wir alle kannten ihn.
Campino sah mich an.
Ich sah zurück.
Dann flüsterte ich:
„Das kann nicht sein.“
Denn der Name auf dem Bildschirm gehörte einem Menschen, dem wir seit Beginn des Friedens vertraut hatten.
Und plötzlich begriff ich:
Dorn hatte uns nicht dazu gebracht, nach dem Verräter zu suchen.
Er hatte uns dazu gebracht, nach dem Menschen zu suchen, der die Wahrheit über ihn kannte.
Und dieser Mensch war näher bei uns, als ich je gedacht hatte.