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Die Stimme im Schatten

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Die Stimme im Schatten

POV: Serafina

„Das kann nicht sein.“

Meine Stimme war kaum mehr als ein Hauch.

Der Name auf dem Bildschirm verschwamm vor meinen Augen.

Ich kannte ihn.

Wir alle kannten ihn.

Seit Monaten war dieser Mensch Teil unseres neuen Lebens gewesen. Jemand, dem wir Informationen anvertraut hatten. Jemand, dessen Entscheidungen wir akzeptiert hatten. Jemand, dessen Wort im Rat Gewicht besaß.

Und jetzt stand genau dieser Name auf Marys Bildschirm.

Unter den Worten:

„DER DREIZEHNTE IST NICHT DER VERRÄTER. ER IST DER ZEUGE.“

Niemand bewegte sich.

Es war diese Art von Stille, die schlimmer war als jedes Geschrei.

Campino stand neben mir.

Ich spürte seine Nähe, aber er sah nicht auf den Bildschirm.

Er sah mich an.

Nur mich.

„Sera?“

Ich antwortete nicht.

„Hey.“

Seine Stimme wurde leiser.

„Schau mich an.“

Langsam hob ich den Kopf.

Seine Augen suchten meine.

„Du bist ja ganz blass.“

„Ich kenne ihn.“

„Ich weiß.“

„Nein.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Du verstehst nicht.“

Meine Stimme zitterte.

„Ich kenne ihn wirklich.“

Campino trat einen halben Schritt näher.

„Dann erzähl mir, was du gerade denkst.“

Ich schluckte.

„Ich denke an all die Situationen, in denen er bei uns war.“

Mary drehte sich vom Bildschirm weg.

„Was meinst du?“

„Er war bei fast jeder Sitzung dabei.“

Elias sah auf den Namen.

„Und er hatte Zugang zu Informationen.“

„Ja.“

„Dann könnte er...“

„Nein.“

Ich sagte es sofort.

Zu schnell.

Alle sahen mich an.

Ich atmete tief durch.

„Ich weiß es nicht.“

Das war schlimmer.

Ich wusste es nicht.

Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich nicht zwischen Wahrheit und Angst unterscheiden.

Andi fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar.

„Also gut.“

Breiti sah ihn an.

„Was?“

„Wir sitzen hier und starren auf einen Namen, während möglicherweise jemand genau darauf wartet.“

„Andi.“

„Was denn?“

„Wir wissen noch gar nicht, ob die Person überhaupt etwas getan hat.“

Andi zeigte auf den Bildschirm.

„Der Name steht doch da!“

Breiti blieb ruhig.

„Und genau das macht mir Sorgen.“

Andi sah ihn an.

„Warum?“

„Weil Dorn wollte, dass wir nach dem Dreizehnten suchen.“

Breiti deutete auf den Bildschirm.

„Jetzt haben wir einen Namen.“

Er machte eine kurze Pause.

„Vielleicht ist das zu einfach.“

Andi schwieg.

Kuddel verschränkte die Arme.

„Breiti hat recht.“

Vom nickte.

„Wenn Dorn wirklich so weit vorausplant, ist das hier wahrscheinlich kein Zufall.“

Susi sah zu Mary.

„Kannst du feststellen, wann diese Datei erstellt wurde?“

Mary setzte sich wieder an den Computer.

„Ich versuche es.“

Ihre Finger bewegten sich über die Tastatur.

Ich konnte meinen Blick nicht vom Namen lösen.

Etwas in mir wehrte sich.

Nicht gegen die Person.

Gegen die Vorstellung.

Denn wenn dieser Mensch wirklich der Zeuge war...

Warum hatte er geschwiegen?

Warum hatte er uns nie erzählt, was er wusste?

Und warum hatte Dorn gewusst, dass wir irgendwann auf ihn stoßen würden?

Ich merkte erst nach einigen Sekunden, dass Campino noch immer meine Hand hielt.

Seine Finger lagen fest um meine.

„Du bist schon wieder weg“, sagte er.

Ich sah ihn an.

„Was?“

„Mit deinen Gedanken.“

„Ich versuche, einen Sinn darin zu finden.“

„Das musst du nicht allein.“

„Ich weiß.“

„Nein.“

Er schüttelte leicht den Kopf.

„Du sagst es, aber du glaubst es noch nicht.“

Ich sah zur Seite.

Er kannte mich zu gut.

„Wenn ich jetzt anfange, jedem zu misstrauen...“

„Dann reden wir darüber.“

„Und wenn ich dir misstraue?“

Er hielt meinen Blick.

Keine Wut.

Kein verletzter Stolz.

Nur Ruhe.

„Dann sagst du es mir.“

Ich schluckte.

„Einfach so?“

„Nicht einfach so.“

Seine Stimme wurde ernster.

„Es wird wehtun.“

Eine Pause.

„Aber ich möchte lieber wissen, dass du Angst hast, als dass du so tust, als wäre alles in Ordnung.“

Meine Augen wurden feucht.

„Du machst es mir verdammt schwer, dich nicht zu lieben.“

Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Das war der Plan.“

Ich musste trotz allem kurz lachen.

Nur ein Atemzug lang.

Dann wurde ich wieder ernst.

„Ich habe Angst.“

Sein Lächeln verschwand.

„Ich weiß.“

„Nein. Diesmal wirklich.“

Ich drückte seine Hand.

„Ich habe Angst, dass ich wieder jemandem vertraut habe, der mich nur benutzt hat.“

Campino trat näher.

„Sera.“

„Ich kann das nicht noch einmal durchleben.“

„Dann musst du es auch nicht noch einmal allein durchstehen.“

Seine Stirn berührte beinahe meine.

„Aber du musst mir erlauben, neben dir zu bleiben.“

Ich schloss kurz die Augen.

„Nebeneinander?“

„Nebeneinander.“

***

„Ich habe etwas.“

Marys Stimme ließ uns beide wieder auf Abstand gehen.

Alle wandten sich ihr zu.

Sie zeigte auf den Bildschirm.

„Die Datei ist älter als gedacht.“

Elias trat näher.

„Wie alt?“

„Zwei Wochen.“

Andi runzelte die Stirn.

„Aber der Hinweis kam erst heute.“

„Genau.“

Mary öffnete eine weitere Ansicht.

„Und jetzt wird es interessant.“

Kuddel beugte sich vor.

„Was?“

„Die Datei wurde vor zwei Wochen erstellt, aber erst heute aktiviert.“

Vom runzelte die Stirn.

„Aktiviert?“

„Jemand hat einen Trigger gesetzt.“

„Was für einen Trigger?“, fragte Susi.

Mary zeigte auf eine Zahlenfolge.

„Wenn bestimmte Dateien gleichzeitig geöffnet werden, startet diese Datei automatisch.“

Elias wurde still.

„Unsere Suche.“

Mary nickte.

„Genau.“

Andi stieß langsam die Luft aus.

„Das heißt, jemand hat gewusst, dass wir irgendwann genau diese Dateien öffnen würden.“

„Oder jemand hat dafür gesorgt, dass wir sie öffnen.“

Ich sah wieder auf den Namen.

„Dorn.“

Elias nickte.

„Sehr wahrscheinlich.“

„Aber dann ist der Zeuge vielleicht tatsächlich jemand, der uns helfen soll.“

Kuddel sah mich an.

„Warum sollte jemand sechs Monate lang schweigen und dann plötzlich anfangen, uns Hinweise zu geben?“

Ich hatte keine Antwort.

Campino schon.

„Vielleicht konnte er vorher nicht.“

Alle sahen ihn an.

„Was meinst du?“, fragte Mary.

Campino deutete auf den Bildschirm.

„Wenn Dorn wusste, dass dieser Mensch etwas gesehen hat, musste er vorsichtig sein.“

„Dann hätte er uns früher warnen können“, sagte Vom.

„Vielleicht.“

Campino sah auf die Daten.

„Oder jede Warnung hätte ihn verraten.“

Stille.

Ich dachte darüber nach.

Plötzlich erinnerte ich mich.

Eine Tür.

Vor Monaten.

Wir waren auf dem Weg zu einer Sitzung gewesen.

Eine Tür hatte offen gestanden, obwohl sie normalerweise verschlossen war.

Wir hatten uns nichts dabei gedacht.

Dann eine Akte.

Sie war plötzlich dort gewesen.

Ein Dokument, das uns vor einem Hinterhalt bewahrt hatte.

Und eine Nachricht.

Nur ein einziger Satz.

Damals hatten wir geglaubt, sie wäre ein Zufall.

„Wartet.“

Alle sahen mich an.

„Was?“, fragte Andi.

„Ich glaube, er hat uns bereits geholfen.“

Mary stand sofort auf.

„Was meinst du?“

„Die Tür im Südflügel.“

Kuddel sah mich fragend an.

„Welche Tür?“

„Vor ungefähr drei Monaten.“

Elias' Gesicht veränderte sich.

„Die, durch die wir damals aus dem Gebäude gekommen sind?“

Ich nickte.

„Sie war offen.“

„Das war kein Zufall“, sagte Elias.

„Nein.“

Ich spürte, wie Campinos Finger meine Hand erneut fanden.

„Und die Akte?“, fragte er.

Ich sah Mary an.

„Die rote Akte.“

Mary erstarrte.

„Die mit den falschen Truppenzuordnungen?“

„Ja.“

Vom sah zwischen uns hin und her.

„Was ist damit?“

Mary antwortete langsam:

„Diese Akte hat uns damals vor einem Hinterhalt bewahrt.“

„Wer hat sie abgelegt?“, fragte Andi.

Mary schwieg.

Dann öffnete sie ein altes Archiv.

„Das können wir vielleicht herausfinden.“

***

Eine halbe Stunde später lagen Ausdrucke über den gesamten Tisch verteilt.

Namen.

Zeitstempel.

Zugriffsdaten.

Sicherheitsaufnahmen.

Ich betrachtete alles, aber meine Gedanken kehrten immer wieder zu einer einzigen Frage zurück.

Warum?

Warum hatte der Zeuge uns geholfen?

Und warum hatte er nie gesprochen?

Campino saß neben mir.

Er sagte nichts.

Ich wusste inzwischen, dass er manchmal genau wusste, wann Worte nicht halfen.

Ich legte meinen Kopf an seine Schulter.

„Du bist erstaunlich ruhig.“

„Ich denke.“

„Das sieht man dir nicht an.“

„Das ist mein großes Talent.“

Ich lächelte schwach.

„Du machst Witze, wenn du nervös bist.“

„Ich mache immer Witze.“

„Das stimmt.“

Er drehte den Kopf zu mir.

„Aber gerade bin ich nicht nur nervös.“

„Was dann?“

„Ich habe Angst um dich.“

Ich hob den Kopf.

„Warum?“

„Weil ich sehe, was das mit dir macht.“

Seine Stimme war kaum hörbar.

„Du versuchst wieder, alles allein zu lösen.“

„Ich will niemanden gefährden.“

„Du bist nicht verantwortlich für alles.“

„Das sagt sich leicht.“

„Ja.“

Er nahm meine Hand.

„Aber ich sage es trotzdem.“

Ich sah auf unsere Finger.

„Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?“

„Dann korrigieren wir sie.“

„Und wenn es keine zweite Chance gibt?“

Er sah mich lange an.

„Dann sorgen wir dafür, dass wir nicht leichtfertig eine Chance verschenken.“

Ich atmete langsam aus.

„Du glaubst wirklich, dass wir das schaffen?“

„Ich glaube nicht, dass es einfach wird.“

Eine Pause.

„Aber ich glaube an uns.“

Ich sah ihn an.

„Warum?“

„Weil wir nicht mehr dieselben Menschen sind wie damals.“

Sein Daumen strich über meine Hand.

„Der Krieg hat uns viel genommen.“

Seine Stimme wurde leiser.

„Aber er hat uns auch gezeigt, wer wir sein wollen.“

Ich spürte einen Kloß im Hals.

„Und wer willst du sein?“

„Der Mann, der neben dir steht.“

Ich sah ihn an.

„Auch wenn du nicht weißt, ob du mir vertrauen kannst?“

„Gerade dann.“

Ich legte meine Stirn an seine.

„Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch.“

„Ich habe trotzdem Angst.“

„Dann hab Angst.“

Er schloss kurz die Augen.

„Aber bleib bei mir.“

Ich nickte.

„Nebeneinander.“

„Immer.“

***

„Ich hab's!“

Mary rief so laut, dass alle zusammenzuckten.

Andi sprang auf.

„Was?“

„Die Aufzeichnung.“

Sie drehte den Bildschirm.

Ein altes Video erschien.

Schlechte Bildqualität.

Ein Raum.

Ein Tisch.

Dorn.

Mein Atem stockte.

„Das ist vor dem Friedensabkommen“, sagte Elias.

Mary nickte.

„Ja.“

Eine zweite Person betrat den Raum.

Man konnte ihr Gesicht nicht erkennen.

Sie blieb mit dem Rücken zur Kamera stehen.

Dorn legte ein Dokument auf den Tisch.

„Wenn sie irgendwann herausfinden, wer du bist, werden sie dir nicht glauben.“

Die unbekannte Person schwieg.

Dann kam die Antwort.

„Und wenn sie doch glauben?“

Dorn sah auf.

„Dann ist es bereits zu spät.“

Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.

Campino sah nicht auf den Bildschirm.

Er sah mich an.

Ich hörte die Stimme.

Noch einmal.

Und plötzlich wusste ich, warum sie mir so bekannt vorkam.

Ich richtete mich auf.

„Nein.“

Elias sah mich an.

„Was?“

Ich starrte auf den Bildschirm.

„Ich kenne diese Stimme.“

Mary stoppte die Aufnahme.

„Bist du sicher?“

Ich nickte.

„Ja.“

Campino nahm meine Hand.

„Wer ist es?“

Ich brachte zunächst kein Wort heraus.

Dann flüsterte ich den Namen.

„Er.“

Alle sahen mich an.

Andi trat näher.

„Wer?“

Ich blickte auf die eingefrorene Aufnahme.

Auf die Gestalt mit dem Rücken zur Kamera.

„Der Mann, dem wir seit Beginn des Friedens vertraut haben.“

Kuddel wurde blass.

„Der Zeuge?“

Ich nickte.

„Ja.“

Mary sah auf den Bildschirm.

„Dann ist er tatsächlich der Dreizehnte.“

„Nein“, sagte ich.

Alle sahen mich an.

Ich spürte Campinos Hand.

Fest.

Warm.

Real.

„Er ist nicht der Dreizehnte, weil er uns verraten hat.“

Ich blickte wieder auf die Aufnahme.

„Er ist der Dreizehnte, weil er dabei war.“

Elias trat langsam näher.

„Er war dabei, als Dorn etwas getan hat.“

„Oder als Dorn jemanden manipuliert hat.“

Mary sah mich an.

„Dann müssen wir ihn finden.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Noch nicht.“

Andi starrte mich an.

„Sera, wenn dieser Mann wirklich die Wahrheit kennt...“

„Dann weiß Dorn, dass wir ihn suchen.“

Stille.

Ich sah in die Runde.

„Und wenn wir jetzt losrennen, tun wir vielleicht genau das, was Dorn von uns erwartet.“

Breiti nickte langsam.

„Sie will, dass wir ihn finden.“

„Ja.“

Campino sah mich an.

Ein kaum sichtbares Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

Nicht weil die Situation lustig war.

Sondern weil er wusste, dass ich etwas verstanden hatte.

„Dann warten wir“, sagte er.

Andi seufzte.

„Ich hasse Warten.“

Breiti legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ich weiß.“

„Sehr.“

„Dann gewöhn dich dran.“

Andi sah ihn an.

„Du bist heute erstaunlich weise.“

„Ich habe gute Gesellschaft.“

Andi grinste.

„Das war romantisch.“

„Ich weiß.“

Für einen kurzen Moment löste sich die Spannung.

Dann wurde der Bildschirm plötzlich schwarz.

Mary sprang auf.

„Was zum...“

Ein einzelner Satz erschien.

Weiße Buchstaben auf schwarzem Hintergrund.

„IHR SUCHT AM FALSCHEN ORT.“

Darunter:

„DER ZEUGE IST NICHT BEI EUCH.“

Eine weitere Zeile erschien.

„ABER ER WAR ES.“

Ich hielt den Atem an.

Dann erschien die letzte Nachricht.

„UND ER WEISS, WER DORN WIRKLICH IST.“

Der Bildschirm erlosch.

Niemand sagte etwas.

Campino stand auf.

„Sera?“

Ich sah ihn an.

„Was?“

„Du hast gesagt, du kennst seine Stimme.“

„Ja.“

„Dann kennst du vielleicht auch den Ort.“

Ich schloss die Augen.

Und plötzlich erinnerte ich mich.

Nicht an eine Tür.

Nicht an eine Akte.

Nicht an einen Namen.

An einen Raum.

Einen Ort, an dem wir vor langer Zeit gewesen waren.

Einen Ort, den ich seit Jahren nicht mehr betreten hatte.

Ich öffnete die Augen.

„Ich weiß, wo wir hinmüssen.“

Andi griff bereits nach seiner Jacke.

„Dann los.“

Breiti hielt ihn zurück.

„Nicht so schnell.“

Andi sah ihn an.

„Was?“

Breiti deutete auf den schwarzen Bildschirm.

„Wenn Dorn wollte, dass wir den Ort finden, dann ist die eigentliche Frage...“

Er sah uns an.

„Warum?“

Niemand antwortete.

Ich blickte zu Campino.

Er nahm meine Hand.

Diesmal war ich es, die seine Finger verschränkte.

„Wir finden es heraus.“

Er nickte.

„Zusammen.“

Ich sah auf unsere Hände.

Dann auf die anderen.

Niemand ging.

Niemand lief davon.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich das Wort Vertrauen nicht wie eine Schwäche an.

Es fühlte sich wie eine Entscheidung an.

Eine Entscheidung, die wir alle gerade trafen.

Gemeinsam.

Und irgendwo dort draußen wartete ein Mann, der sechs Jahre lang geschwiegen hatte.

Ein Mann, der Dorn kannte.

Ein Mann, der die Wahrheit gesehen hatte.

Und vielleicht war genau das der Grund, warum Dorn so lange versucht hatte, ihn unsichtbar zu halten.

Denn wenn der Zeuge sprach, würde nicht nur eine Verschwörung sichtbar werden.

Dann würde die gesamte Geschichte, an die wir geglaubt hatten, plötzlich eine andere Bedeutung bekommen.

Campino drückte meine Hand.

„Bereit?“

Ich sah ihn an.

„Nein.“

Er lächelte schwach.

„Gut.“

„Gut?“

„Dann sind wir wenigstens ehrlich.“

Ich musste lächeln.

„Du Idiot.“

„Dein Idiot.“

Ich lehnte mich für einen kurzen Moment an ihn.

Dann löste ich mich.

„Also gut. Gehen wir.“

Und diesmal ging ich nicht vor ihm.

Nicht hinter ihm.

Sondern neben ihm.