1. Eine unerwartete Begegnung
1. Eine unerwartete Begegnung
Gridania war ein Ort, an dem selbst das geschäftige Treiben niemals wirklich laut wurde.
Das Rauschen der Blätter lag wie eine beständige Melodie über der Stadt. Stimmen vermischten sich mit dem Klappern vorbeiziehender Händler, mit Schritten auf den Wegen und dem gelegentlichen Ruf eines Chocobos. Zwischen den gewaltigen Bäumen des Finsterwaldes schien selbst das Sonnenlicht langsamer zu werden.
Inmitten dieses Treibens stand eine weißhaarige Miqo'te.
Mina Yukimura.
Sie war nicht auf der Suche nach einem Abenteuer. Zumindest nicht nach einem, das sie als solches bezeichnet hätte.
Eigentlich hatte sie vorgehabt, sich auf ihr Training vorzubereiten.
Doch dann war da diese vertraute Frage gewesen, die sie sich bei einem Aufenthalt in Gridania beinahe zwangsläufig stellte:
Ob es auf dem Markt wohl wieder frisches Obst gab?
Und vielleicht, wenn sie schon dort war, auch etwas Kaffee.
Ein wenig entfernt bewegte sich ein rothaariger Miqo'te durch die Menge mit einer auffälligen Augenklappe, dieser war für einen Moment stehen geblieben. Sein Blick wanderte durch die Menge, bis er schließlich bei Mina hängen blieb.
Ein leichtes Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Oh? Das ist doch eine unerwartete Begegnung.“
Er kam ein paar Schritte näher und musterte Mina neugierig, ohne dabei aufdringlich zu wirken.
„Ich glaube nicht, dass wir uns schon vorgestellt wurden. Mein Name ist G'raha Tia. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“
Erstaunt drehte Mina sich um, als sie die fremde Stimme hörte. Verwundert betrachtete sie den Fremden. Es war das erste Mal, dass sie einfach so angesprochen wurde.
„Ähm, hi. Kann ich dir bei irgendwas helfen oder warum sprichst du mich so plötzlich an?“, fragte sie höflich.
G'raha blinzelte kurz, offenbar ein wenig überrascht von ihrer direkten, aber höflichen Frage. Dann hob sich ein Mundwinkel zu einem verlegenen Lächeln. Beschwichtigend hob er eine Hand.
„Ah – verzeih. Ich wollte dich nicht überrumpeln.“
Sein Blick fiel für einen kurzen Moment auf ihr weißes Haar, ehe er ihr wieder in die Augen sah. Es war offensichtlich keine abschätzige Musterung gewesen, eher schlichte Neugier.
„Einen besonderen Grund gab es eigentlich nicht. Du bist mir nur aufgefallen, und ich dachte mir … warum nicht einfach Hallo sagen?“
Er schmunzelte leicht über seine eigene Erklärung.
„Was vermutlich nicht gerade die überzeugendste Begründung dafür ist, eine völlig Fremde mitten auf der Straße anzusprechen.“
Sein Schweif bewegte sich ruhig hinter ihm, während er Mina interessiert betrachtete.
„Aber nun, da ich schon deine Aufmerksamkeit habe … darf ich wenigstens deinen Namen erfahren?“
Zunächst blickte Mina erstaunt drein. Dann fing sie an zu kichern.
„Entschuldige, du scheinst ja ein sehr spontaner Typ zu sein. Ein Mädchen einfach so aus heiterem Himmel anzusprechen. Sowas ist mir bisher noch nicht passiert.“
Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, fügte sie hinzu:
„Ich heiße Mina, freut mich.“
Sie reichte dem Rothaarigen die Hand.
G'raha sah einen Moment auf ihre ausgestreckte Hand. Ein leises, verlegenes Lachen entwich ihm, ehe er sie ergriff und mit einem freundlichen Händedruck begrüßte.
„Nun … wenn du es so formulierst, klingt es tatsächlich ein wenig gewagt.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Aber ich verspreche dir, ich habe nicht vor, wahllos jedes Mädchen auf der Straße anzusprechen. Du warst lediglich … eine Ausnahme.“
Bei den letzten Worten hielt er kurz inne, als wäre ihm selbst aufgefallen, wie das klingen konnte. Ein leicht verlegener Ausdruck huschte über sein Gesicht.
„Mina … ein schöner Name.“
Er ließ ihre Hand wieder los und neigte leicht den Kopf.
„Die Freude ist ganz meinerseits.“
Sein Blick wanderte kurz über den belebten Platz von Neu-Gridania. Dann sah er wieder zu ihr.
„Bist du zum ersten Mal in Gridania? Ich frage nur, weil du einen etwas … verlorenen Eindruck machst. Oder vielleicht täuscht mich mein Blick auch einfach.“
Er lächelte entschuldigend.
„Ich neige gelegentlich dazu, Dinge zu beobachten, die mich eigentlich nichts angehen.“
Mina grinste schief. Ihr Schweif schwang entspannt hinter ihr hin und her.
„Sag ich doch.“
Ihr Grinsen wurde noch breiter.
„Und warum bin ausgerechnet ich eine Ausnahme?“
Dabei schaute auch sie über den Platz.
„Nein, ich komme öfter hierher. Ich wohne in den Beeten. Und auf dem Markt hier gibt es immer so leckeres frisches Obst. Ich hab gerade überlegt, ob ich mir welches hole, bevor ich zum Üben gehe.“
G'rahas Ohren zuckten leicht, als er ihre Frage hörte. Für einen Moment schien er tatsächlich nach einer passenden Antwort zu suchen. Sein Blick wanderte kurz zu Mina und dann wieder über den Platz.
„Warum ausgerechnet du?“
Er wiederholte ihre Frage mit einem leisen Schmunzeln, als müsse er sie zunächst selbst für sich beantworten.
„Nun … dein weißes Haar ist mir zuerst aufgefallen. Es ist nicht gerade etwas, das man in einer Menschenmenge übersieht.“
Sein Blick blieb einen Augenblick länger auf ihr liegen, bevor er sich räusperte und wieder zum Markt sah.
„Aber ich glaube, es war eher dein Gesichtsausdruck. Du hast so ausgesehen, als würdest du gerade über etwas nachdenken und gleichzeitig versuchen, dich nicht von allem um dich herum ablenken zu lassen.“
Er lächelte amüsiert.
„Und offenbar lag ich damit nicht ganz falsch. Obst vor dem Training klingt nach einem durchaus vernünftigen Plan.“
Bei dem Wort „Training“ hob sich eine seiner Augenbrauen neugierig.
„Du trainierst also? Darf ich fragen, was du übst?“
Er verschränkte locker die Arme vor der Brust.
„Und keine Sorge – ich werde dich nicht davon abhalten, dir dein Obst zu holen. Ich habe lediglich eine gewisse Neugierde, die gelegentlich mit mir durchgeht.“
Mina musste wieder leise kichern.
„So, so. Du bist also ein neugieriger Kater, was?“
Verschmitzt nahm sie eine ihrer Haarsträhnen zwischen die Finger und zwirbelte sie.
„Ja, ein Fluch und Segen zugleich, wenn man weiße Haare hat. Hab versucht, sie zu färben, aber die Farbe blieb nicht lange drin.“
Sie erklärte ihm weiter:
„Ich wollte mir ein ruhiges Plätzchen zum Zaubern suchen.“
G'rahas Ohren stellten sich bei ihrem neckischen Kommentar auf. Für einen Moment sah er sie mit gespielter Empörung an, bevor ein amüsiertes Grinsen seine Lippen umspielte.
„Ein neugieriger Kater? Ich würde es eher als … ausgeprägtes Interesse an meiner Umgebung bezeichnen.“
Er legte eine Hand ans Kinn, als würde er ernsthaft über ihre Wortwahl nachdenken.
„Obwohl ich zugeben muss, dass ‚neugieriger Kater‘ durchaus zutreffend klingt.“
Sein Blick fiel auf die Haarsträhne, die Mina zwischen ihren Fingern zwirbelte. Bei ihrer Erklärung musste er leise lachen.
„Dann hat dein Haar offenbar beschlossen, sich jeder Veränderung zu widersetzen. Ich kann nicht behaupten, dass ich ihm das übelnehme.“
Er betrachtete die weißen Strähnen einen Augenblick interessiert, diesmal jedoch bewusster darauf bedacht, nicht zu lange zu starren.
„Aber ich finde, du musst dich dafür nicht schämen. Es steht dir.“
Kaum hatte er das ausgesprochen, schien ihm bewusst zu werden, dass er das vielleicht etwas zu direkt gesagt hatte. Ein leicht verlegenes Zucken ging durch sein Ohr, doch er überspielte es schnell mit einem Lächeln.
Als Mina vom Zaubern sprach, hellte sich sein Gesicht deutlich auf.
„Zaubern?“
Seine Neugier war nun kaum noch zu übersehen.
„Ah, das erklärt einiges. Ich hatte mich schon gefragt, welche Art von Training du meinst.“
Er machte einen kleinen Schritt zur Seite, damit die vorbeigehenden Leute an ihnen vorbeikamen.
„Wenn du tatsächlich einen ruhigen Ort zum Üben suchst, könnte ich dir vielleicht einen empfehlen. Es gibt einige Plätze außerhalb des geschäftigsten Teils der Stadt, an denen man ungestört üben kann.“
Er lächelte.
„Natürlich nur, wenn du nichts dagegen hast, dass sich der ‚neugierige Kater‘ dabei ein wenig einmischt.“
Bei G'rahas Kompliment wurde Mina etwas rot.
„Danke, aber wenn ich mich tarnen müsste, wäre es eher ein Leuchtfeuer im Dunkeln.“
Auch Mina ließ die Leute vorbeiziehen, damit niemand sie anrempelte.
„Du willst mitkommen?“, fragte sie verwundert. „Ich will dich nicht aufhalten. Du bist doch sicher aus einem bestimmten Grund hergekommen, oder?“
Auch wenn Hilfe vielleicht nicht schlecht wäre, fügte sie schließlich hinzu:
„Hast du denn Ahnung von Weißmagierzaubern?“
G'raha bemerkte die leichte Röte in Minas Gesicht. Für einen Moment huschte ein zufriedenes, beinahe schelmisches Lächeln über seine Lippen, doch er kommentierte es nicht. Stattdessen wandte er den Blick kurz ab, als wolle er ihr die Gelegenheit geben, sich wieder zu fangen.
„Ein Leuchtfeuer im Dunkeln, hm?“
Er schmunzelte.
„Dann wäre es wohl ziemlich schwierig, dich unbemerkt zu verlieren. Vielleicht ist das ja gar kein so schlechter Vorteil.“
Er trat ebenfalls ein wenig zur Seite, als eine Gruppe Passanten an ihnen vorbeizog. Erst bei ihrer nächsten Frage sah er wieder zu ihr.
„Ich will dich nicht aufhalten. Und was meinen ursprünglichen Grund für meinen Aufenthalt hier betrifft …“
Er machte eine kurze Pause und zuckte leicht mit den Schultern.
„Nichts, das nicht noch ein paar Minuten warten könnte.“
Sein Blick wurde bei ihrer letzten Frage deutlich interessierter.
„Weißmagie? Nun, ich würde nicht behaupten, ein Meister darin zu sein.“
Er hob einen Finger, als wolle er eine wichtige Einschränkung hinzufügen.
„Meine eigenen Kenntnisse liegen auf einem anderen Gebiet. Aber ich habe im Laufe meiner Reisen genügend Zeit mit Heilmagiern und anderen Zauberwirkern verbracht, um zumindest die Grundlagen zu verstehen.“
Seine Augen funkelten neugierig.
„Warum fragst du? Hast du Schwierigkeiten mit einem bestimmten Zauber?“
Er neigte leicht den Kopf.
„Oder bist du gerade erst dabei, die Weißmagie zu erlernen?“
Bei G'rahas Worten zuckten Minas Öhrchen.
„Du bist viel auf Reisen?“
Ihre Neugier war sofort wieder geweckt.
„Okay, machen wir es so. Ich hol mir etwas Obst, du zeigst mir die Stelle, wo man gefahrlos Zauber üben kann, und erzählst mir von deinen Reisen und darfst mir sogar vielleicht helfen. Und als Gegenleistung darfst du auch etwas Obst haben. Einverstanden?“
Auch wenn ihr klar war, dass der Deal wohl mehr Vorteile für sie brachte als für den Kater.
G'rahas Ohren zuckten amüsiert, als er ihre unverhohlene Neugier bemerkte. Offenbar hatte sie genau den Punkt erwischt, bei dem seine eigene Neugier sofort wieder geweckt wurde.
„Du bist wirklich schnell dabei, Gegenleistungen auszuhandeln, nicht wahr?“
Ein warmes Lachen entwich ihm. Er verschränkte die Arme und tat für einen Moment so, als würde er den Vorschlag äußerst gründlich abwägen.
„Obwohl ich zugeben muss … Obst als Bezahlung für eine Geschichte über meine Reisen ist ein ziemlich gutes Angebot.“
Er legte den Kopf leicht schief.
„Und ja. Ich war viel unterwegs. Mehr, als ich vermutlich jemals erwartet hätte.“
Für einen kurzen Augenblick wurde sein Gesichtsausdruck nachdenklicher. In seinen Augen lag etwas, das darauf hindeutete, dass hinter diesen Reisen weitaus mehr Geschichten steckten, als er in einem einzigen Gespräch erzählen konnte.
Doch dann kehrte sein gewohntes Lächeln zurück.
„Also gut. Abgemacht.“
Er hielt ihr die Hand hin, diesmal mit einem verschmitzten Funkeln in den Augen.
„Du besorgst uns etwas Obst, ich führe dich zu einem geeigneten Platz und erzähle dir von meinen Reisen. Und wenn du möchtest, sehe ich mir deine Weißmagie an.“
Er hob eine Augenbraue.
„Allerdings möchte ich gleich eines klarstellen: Ich nehme keine Verantwortung dafür, wenn du mir anschließend vorwirfst, ich hätte dich mit meinen Geschichten vom Training abgelenkt.“
Sein Schweif schwang leicht hinter ihm hin und her.
„Nun denn, Mina. Was möchtest du uns denn für diese … äußerst großzügige Bezahlung kaufen?“
Mina strahlte.
„Oh, super!“
Sie klatschte freudig in die Hände.
„Hm, mal überlegen.“
Langsam schritt sie in Richtung Markthalle voran, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.
„Wie wär es mit Äpfeln, Trauben und Melonenstücke? Sagt dir das zu? Ach, und Kaffee, ich verdurste fast.“
Dabei legte sie eine Hand auf ihren Bauch.
„Du hast es hier mit einer Kaffeesüchtigen zu tun.“
Sie drehte sich zu ihm um und ging nun rückwärts weiter, wobei ihr Rock leicht um ihre Beine wirbelte.
„Und keine Sorge, ich bin sowieso nicht so schnell im Lernen, woran mein Lehrmeister fast verzweifelt. Auch wenn er mich das nie anmerken lässt.“
G'raha musste unwillkürlich lachen, als Mina so begeistert in die Hände klatschte. Seine Ohren richteten sich aufmerksam auf, während er ihr folgte.
„Äpfel, Trauben und Melonen? Das klingt ausgezeichnet. Ich glaube, mit dieser Auswahl kann ich mich kaum beschweren.“
Bei ihrer Erwähnung von Kaffee hob er jedoch überrascht eine Augenbraue.
„Kaffee also?“
Ein amüsiertes Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.
„Dann habe ich es offenbar mit einer ausgesprochen gefährlichen Miqo'te zu tun.“
Als Mina sich umdrehte und rückwärts weiterging, fiel sein Blick kurz auf ihren wirbelnden Rock. Er sah beinahe sofort wieder zu ihrem Gesicht, als wäre ihm bewusst geworden, dass er sie nicht anstarren sollte.
„Eine Kaffeesüchtige, die gleichzeitig behauptet, nicht schnell zu lernen. Das klingt nach einer Kombination, die deinen Lehrmeister einiges an Geduld gekostet haben dürfte.“
Er holte ein paar Schritte auf, damit er nicht hinter ihr zurückblieb.
„Aber weißt du … langsam zu lernen bedeutet nicht zwangsläufig, dass man schlecht darin ist.“
Sein Ton wurde etwas ruhiger.
„Manche brauchen einfach länger, bis sich etwas richtig festsetzt. Und wenn dein Lehrmeister dich weiterhin unterrichtet, obwohl er gelegentlich verzweifelt … dann scheint er ja durchaus Vertrauen in dich zu haben.“
Er lächelte leicht.
„Vielleicht brauchst du einfach jemanden, der dir die Dinge auf eine andere Art erklärt.“
Seine Augen funkelten wieder neugierig.
„Und falls du beim Lernen tatsächlich Kaffee brauchst, werde ich mich hüten, zwischen dich und deine nächste Tasse zu geraten.“
Er deutete mit einem leichten Nicken auf die Markthalle vor ihnen.
„Aber zuerst sollten wir wohl deine Vorräte sichern. Eine durstige Miqo'te ist schließlich keine besonders zuverlässige Zauberin.“
Ein schelmisches Grinsen.
„Oder sehe ich das falsch, Mina?“
Mina kicherte und blieb stehen.
„Da hast du recht. Wobei eine Mina auf Kaffeeentzug gefährlich sein kann, G'raha.“
Sie grinste spitzbübisch.
„Aber du bist auch ungewöhnlich. Dass ich mal einen Mann begegne, der gerne Obst isst, kommt so gut wie nie vor. Ich hab eher den Eindruck, es laufen nur Fleischfresser herum.“
Sie betrat die Markthalle und ging zu dem Obststand.
„Ach, eine kleine Warnung: Du solltest in Deckung gehen, wenn ich zaubere. Ich bin noch nicht zielsicher. Will ja nicht schuld sein, wenn du lädiert da ankommst, weswegen du hergekommen bist.“
Sie wandte sich der Auslage zu und ließ sich das Obst in eine Papiertüte überreichen.
Danach ging sie zu den Getränken und holte sich einen großen Becher Kaffee, an dem sie genüsslich schnupperte. Ihr Schweif wedelte freudig hin und her.
„Oh, ich liebe den Geruch von Kaffee“, sagte sie strahlend.
Dann sah sie zu G'raha.
„So, hab alles. Wir können dann.“
G'raha blieb neben ihr stehen und hob bei ihrer Warnung gespielt ernst die Hände.
„Eine Mina auf Kaffeeentzug … verstanden. Ich werde diese Gefahr keinesfalls unterschätzen.“
Sein Grinsen verriet jedoch deutlich, dass er sie ein wenig aufzog.
Als sie die angebliche Seltenheit von Männern erwähnte, die Obst mochten, legte er eine Hand ans Kinn.
„Nun, dann muss ich wohl eine weitere Überraschung für dich sein. Ich kann durchaus verstehen, warum man nach all den Abenteuern ein gutes Stück Obst zu schätzen weiß.“
Er betrachtete die verschiedenen Früchte und nahm sich schließlich einen Apfel aus der Auslage.
„Und was Fleisch betrifft … nun, ich würde mich nicht unbedingt als Fleischfresser bezeichnen. Ein gutes Mahl ist willkommen, aber ich muss nicht bei jeder Gelegenheit einen Braten vor mir haben.“
Als Mina ihn vor ihrer mangelnden Zielsicherheit warnte, wurde sein Ausdruck kurz nachdenklicher. Dann erschien ein selbstbewusstes Lächeln.
„Keine Sorge. Ich habe schon gefährlichere Dinge überlebt als einen fehlgeleiteten Zauber.“
Er hob eine Augenbraue.
„Aber ich werde deine Warnung beherzigen. Schließlich wäre es ausgesprochen peinlich, wenn unser frisch geschlossener Handel damit endet, dass du mich versehentlich in einen Busch beförderst.“
Während Mina ihre Einkäufe entgegennahm, wartete er geduldig. Als sie schließlich ihren großen Becher Kaffee in den Händen hielt und genüsslich daran schnupperte, musste G'raha unwillkürlich schmunzeln.
Sein Blick wanderte kurz zu ihrem fröhlich wedelnden Schweif.
„Ich glaube, ich beginne langsam zu verstehen, was du mit ‚kaffeesüchtig‘ meinst.“
Er nahm einen Bissen von seinem Apfel und nickte zufrieden.
„Nun gut. Obst und Kaffee sind gesichert. Dann sollten wir uns auf den Weg machen.“
Er deutete mit einer Hand in Richtung Ausgang der Markthalle.
„Ich kenne einen ruhigen Ort etwas abseits der belebten Wege. Dort sollten wir genügend Platz haben, ohne dass du versehentlich einen unschuldigen Händler in einen Baum verwandelst.“
Sein Lächeln wurde schelmisch.
„Und unterwegs kannst du mir erzählen, was dein Lehrmeister dir bisher beigebracht hat. Vielleicht finde ich ja heraus, weshalb dieser arme Mann bereits an seiner Schülerin verzweifelt.“
Mina folgte ihm vorsichtig und pustete dabei ihren Kaffee trinkbar.
„Der Busch wäre noch dein kleinstes Problem, G'raha, wenn ich dich treffe.“
Sie blickte den Kater mit ihren grünen Augen von der Seite an.
„Ach, Firmien ist schon ganz okay, er ist locker. Ich bin ja froh, dass ich bei ihm überhaupt Fortschritte erzielt habe. Im Gegensatz zur Heilergilde oder den zwei Studiengängen, die mir nichts gebracht haben.“
Während sie neben ihm herging, erzählte sie weiter.
„Außerdem verwechselst du Verwandlungsmagie mit Heilungsmagie. Ich benutze einen Stab, na ja, eher momentan noch einen Zweig. Also, ich kann mittlerweile den Äther aus meiner Umgebung nutzen. Und Samen wie Blumen zum Wachsen bringen.“
Sie machte eine kurze Pause.
„Er hat auch angefangen, mir Verteidigungszauber beizubringen. Ich kann kleine Steine anheben und sie auf den Gegner loslassen. Nur treffe ich manchmal nicht, weil die Entfernung zu groß ist oder der Wurf zu schwach.“
Dann kam sie auf etwas anderes zu.
„Firmien hatte mich auch mal mit zwei anderen mit in einen Dungeon genommen, wo ich praktisch lernen konnte.“
Sie seufzte.
„Am effektivsten ist es aber, Wasser um den Stein zu schließen. Aber ich bekomm es einfach nicht gehalten.“
Nach diesem langen Monolog schritt sie weiter neben G'raha her.
Der rothaarige Miqo'te hatte ihr aufmerksam zugehört, ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen. Je länger sie erzählte, desto interessierter wurde sein Gesichtsausdruck. Besonders bei der Erwähnung der Heilergilde und ihrer beiden Studiengänge legte sich ein nachdenklicher Zug über seine Miene.
„Firmien also. Er scheint zumindest zu wissen, wie er dich dazu bringt, Fortschritte zu machen.“
Er nahm noch einen Bissen von seinem Apfel und kaute nachdenklich, bevor er leicht schmunzelte.
„Und ich fürchte, du hast mich erwischt. Verwandlungsmagie und Heilmagie sind tatsächlich zwei sehr unterschiedliche Dinge. Ich hätte wohl genauer zuhören sollen, bevor ich voreilige Schlüsse ziehe.“
Seine Ohren zuckten leicht, als sie von den Steinen und dem Wasser erzählte.
„Äther aus deiner Umgebung zu nutzen, Pflanzen zum Wachsen zu bringen, Steine zu bewegen … das klingt durchaus vielversprechend. Besonders wenn du noch am Anfang deiner Ausbildung stehst.“
Er sah sie von der Seite an.
„Und du hast bereits einen Dungeon betreten, um deine Fähigkeiten unter realen Bedingungen zu erproben? Das ist wesentlich mutiger, als du dich gerade selbst darstellst.“
Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Was die Sache mit dem Wasser betrifft …“
Er blieb kurz stehen und wandte sich Mina zu.
„Vielleicht versuchst du gerade, zu viel auf einmal zu kontrollieren.“
Er hob eine Hand und deutete damit auf den Becher in ihrer anderen.
„Wasser ist ständig in Bewegung. Wenn du versuchst, jeden Tropfen einzeln festzuhalten, kämpfst du vermutlich gegen seine Natur an. Vielleicht wäre es besser, den Äther nicht dazu zu zwingen, das Wasser stillzuhalten, sondern ihm eine Richtung zu geben.“
Er bemerkte ihren leicht seufzenden Ausdruck und lächelte aufmunternd.
„Aber das ist nur eine Vermutung. Ich möchte nicht so tun, als wäre ich plötzlich dein neuer Lehrmeister.“
Er setzte seinen Weg fort.
„Allerdings hast du mich jetzt neugierig gemacht. Wenn du mir gleich zeigen kannst, was du bereits beherrschst, kann ich vielleicht erkennen, wo das Problem liegt.“
Seine Augen funkelten erwartungsvoll.
„Und keine Sorge. Ich werde mich weit genug entfernen, damit dein berühmtes mangelndes Zielen mich nicht erwischt.“
Ein schelmisches Grinsen.
„Obwohl ich zugeben muss, dass ich inzwischen doch ein wenig gespannt bin, wie gefährlich eine kaffeedurstige, weißhaarige Miqo'te mit einem Zweig als Zauberstab tatsächlich sein kann.“
Mina blies gespielt die Backen auf.
„Sag mal, ziehst du mich hier gerade auf?“
„Püh“, kam es beleidigt, während sie das Kinn etwas nach oben reckte.
„Pass ja auf, dass ich dir dein zweites Auge nicht auch noch wegschieße. Nachher rennst du dann mit zwei Augenklappen rum. Das könnte sehr gefährlich sein.“
Dann erzählte sie weiter:
„Firmien habe ich in meinem ersten Studium kennengelernt und ja … ich hab ihn dann gefragt, ob er mir privat beibringen kann, wie man zaubert.“
Sie sah nach vorn.
„Sag mal, wie weit ist es denn noch? Mein Arm wird langsam schlapp bei der Tüte. Ich hätte nicht so viele Äpfel kaufen sollen.“
G'raha blieb abrupt stehen.
Für einen Herzschlag sah er Mina vollkommen ernst an, bevor sich seine Lippen zu einem breiten Grinsen verzogen.
„Ich? Dich aufziehen? Niemals.“
Sein Tonfall verriet allerdings eindeutig das Gegenteil.
Als sie beleidigt das Kinn reckte, legten sich seine Ohren leicht nach hinten. Er hob beschwichtigend beide Hände.
„Schon gut, schon gut. Ich gebe zu, vielleicht ein kleines bisschen.“
Bei ihrer Drohung mit seinem zweiten Auge hob er überrascht eine Augenbraue und fasste instinktiv an seine Augenklappe.
„Das wäre allerdings eine ziemlich beeindruckende Leistung. Und ich fürchte, zwei Augenklappen würden meine Orientierung doch erheblich erschweren.“
Er grinste.
„Außerdem könnte ich dann vermutlich nicht mehr sehen, wohin ich laufe. Du müsstest mich wahrscheinlich überall hinführen.“
Er ließ die Bemerkung einen Moment wirken, ehe er sich räusperte und wieder nach vorn blickte.
„Was Firmien betrifft … dann habt ihr euch also bereits während deines ersten Studiums kennengelernt. Und du hast ihn anschließend tatsächlich dazu gebracht, dich privat zu unterrichten?“
Ein anerkennendes Lächeln erschien.
„Das klingt ganz danach, als hättest du ihn ziemlich von dir überzeugen können.“
Dann bemerkte er, wie Mina die schwere Tüte hielt. Sein Blick fiel auf die Äpfel.
„Oh.“
Er betrachtete sie einen Moment, dann die Tüte und wieder Mina.
„Ich nehme an, das ist der Punkt, an dem sich meine großzügige Obst-Bezahlung als äußerst schlechte Idee herausstellt.“
Er streckte die Hand nach der Tüte aus.
„Gib her. Ich trage sie.“
Sein Ton war freundlich, aber bestimmt.
„Und bevor du protestierst: Ich habe schließlich selbst zugestimmt, Teil dieses Handels zu werden.“
Er wartete, bis sie ihm die Tüte übergab, und setzte anschließend seinen Weg fort.
„Wir sind übrigens fast da. Noch ein paar Minuten.“
Ein kurzer Blick zu Mina.
„Und falls du dich fragst: Nein, ich werde dich nicht dafür auslachen, dass du dich beim Obsteinkauf überschätzt hast.“
Eine kleine Pause.
„Zumindest nicht sehr lange.“
„Blödmann“, kam es gespielt beleidigt, wobei ihr Schweif zuckte.
Dann wurde sie etwas rot.
„Ähm, ja. So kann man es auch beschreiben, dass ich Firmien von mir überzeugt hatte.“
Sie blickte zu ihm.
„Aber das ist vorbei. Verrätst du mir auch, wie du zu der da gekommen bist?“
Dabei deutete sie auf das Auge, das keine Klappe trug.
„Also nur, wenn du willst.“
Dann legte sie noch nach:
„Und danke fürs Tragen.“
Sie nahm einen ersten Schluck von ihrem Kaffee, der mittlerweile soweit abgekühlt war, dass sie sich nicht mehr verbrühte.
G'raha lachte leise bei ihrem gespielt beleidigten „Blödmann“. Sein Schweif schwang amüsiert hinter ihm her.
„Das nehme ich wohl als Zeichen dafür, dass du dich inzwischen wohl genug fühlst, mich einen Blödmann zu nennen.“
Als sie jedoch nach seiner Augenklappe fragte, veränderte sich sein Gesichtsausdruck ein wenig. Das Lächeln blieb, wurde aber zurückhaltender. Seine Hand wanderte beinahe unbewusst zu der Klappe.
Für einige Schritte sagte er nichts.
Schließlich atmete er leise aus.
„Du darfst fragen.“
Er sah kurz zu ihr, dann wieder auf den Weg vor ihnen.
„Aber die Geschichte dahinter ist … etwas komplizierter als eine gewöhnliche Verletzung.“
Seine Finger strichen kurz über den Rand der Augenklappe.
„Ich habe sie mir während eines Abenteuers zugezogen. Ein ziemlich gefährliches Abenteuer, wenn ich ehrlich bin.“
Ein schwaches, beinahe nostalgisches Lächeln erschien.
„Es gab einen Kampf. Ich wollte jemandem helfen und habe dabei etwas mehr abbekommen, als mir lieb war.“
Er schwieg einen Moment.
„Das Auge selbst … nun, es war nicht mehr zu retten. Aber ich habe gelernt, damit zu leben.“
Dann sah er Mina wieder an. Sein Blick war ruhig.
„Mehr möchte ich dir darüber im Moment lieber nicht erzählen. Nicht, weil ich dir nicht vertraue. Wir kennen uns schließlich erst seit kurzer Zeit.“
Ein kleines Lächeln kehrte zurück.
„Aber vielleicht erzähle ich dir den Rest irgendwann. Wenn wir uns besser kennen.“
Er hob die Obsttüte ein wenig an.
„Und was das Tragen betrifft: Keine Ursache. Schließlich kann ich schlecht zulassen, dass meine zukünftige Zauberlehrerin schon vor dem eigentlichen Training an ein paar Äpfeln scheitert.“
Sein Grinsen wurde wieder frecher.
„Außerdem wäre es ausgesprochen ungünstig, wenn du deine kostbare Energie für das Tragen von Obst verschwendest. Ich möchte schließlich sehen, was du mit deinem Äther anstellen kannst.“
Mina schaute betrübt zu Boden und kickte einen kleinen Kiesel mit dem Fuß weg.
„Oh, das tut mir leid.“
Sie sah ihn wieder an.
„Du scheinst dich ja in richtig gefährliche Abenteuer zu begeben.“
Dann hellte sich ihr Gesicht wieder etwas auf.
„Auch wenn ich mir sicher bin, dass dir die Mädels in Scharen hinterher wären mit den roten Augen. Sieht man selten, Augen, die wie Rubine funkeln.“
Sie schaute kurz zum Himmel.
„Dann erzählst du mir ein anderes deiner Abenteuer, die nicht so gefährlich waren, ja?“
G'raha bemerkte, wie Minas Blick zu Boden sank und ihr Fuß den kleinen Kiesel fortschob. Sein Ausdruck wurde sanfter.
„Danke. Das weiß ich zu schätzen.“
Bei ihrer Bemerkung über seine Augen musste er allerdings kurz lachen. Seine Ohren klappten für einen Moment leicht zur Seite, und er sah beinahe verlegen drein.
„In Scharen? Nun … das ist eine äußerst großzügige Einschätzung.“
Er hob eine Hand, als wolle er sich verteidigen.
„Ich kann dir versichern, dass mein Leben keineswegs von einer endlosen Reihe liebestoller Verehrerinnen begleitet wird.“
Ein schelmisches Funkeln trat in sein verbliebenes Auge.
„Obwohl ich zugeben muss, dass ich mit der Beschreibung ‚wie Rubine‘ durchaus leben könnte.“
Er warf ihr einen kurzen Seitenblick zu.
„Du bist ziemlich aufmerksam, Mina.“
Ein paar Schritte lang ging er schweigend neben ihr her. Dann hob er den Blick zum Himmel, als würde er in seinen Erinnerungen nach einer geeigneten Geschichte suchen.
„Ein Abenteuer, das nicht ganz so gefährlich war … hm.“
Sein Gesicht hellte sich auf.
„Da fällt mir tatsächlich eines ein.“
Er begann wieder zu lächeln.
„Es gab einmal eine Reise, bei der ich eigentlich nur etwas über eine alte Ruine herausfinden wollte. Nichts Dramatisches. Zumindest war das der Plan.“
Er seufzte gespielt.
„Natürlich endete es damit, dass meine Begleiter und ich uns hoffnungslos verlaufen haben.“
Er schüttelte amüsiert den Kopf.
„Wir hatten eine Karte. Eine sehr gute Karte. Nur leider stellte sich heraus, dass jemand sie … äh … falsch herum gehalten hatte.“
Er räusperte sich und versuchte, seine Würde zu bewahren.
„Und bevor du fragst: Nein, ich werde nicht verraten, wer das war.“
Ein kurzes Grinsen.
„Jedenfalls fanden wir schließlich einen kleinen See mitten in den Wäldern. Wunderschön, vollkommen ruhig … und voller kleiner Frösche.“
Sein Blick bekam etwas beinahe Verträumtes.
„Wir haben dort einige Stunden verbracht, bevor wir unseren Weg fortsetzten. Keine Monster, keine Fallen, keine uralten Flüche.“
Er sah Mina an.
„Nur ein See, ein paar Frösche und eine Gruppe völlig erschöpfter Abenteurer.“
Ein leises Lachen.
„Manchmal sind es gerade die unspektakulären Erlebnisse, an die man sich später am liebsten erinnert.“
Sein Blick blieb einen Augenblick länger auf Mina liegen, bevor er wieder nach vorn sah.
„Und ja … ich erzähle dir gerne noch mehr davon. Vorausgesetzt, du verschonst mich dafür mit weiteren Kommentaren über meine angeblichen Verehrerinnen.“
Mina hörte aufmerksam zu, wobei sich ihre Ohren aufstellten, damit sie ja kein Wort verpasste. Immer wieder nippte sie an ihrem Kaffee.
Dann begann sie zu kichern.
Das Kichern weitete sich zu schallendem Gelächter aus.
„Lass – mich – raten – hahaha – das war zufälligerweise du, der die Karte verkehrt herum gehalten hatte?“
Sie hielt sich vor Lachen den Bauch.
„Oh Himmel, so verpeilt könnte ich sein.“
Sie versuchte, wieder Luft zu bekommen und wischte sich mit einer Hand die Lachtränen weg.
„Aber das hatte auch was Gutes. Ihr habt einen tollen Ort entdeckt. Hätte gerne den See gesehen.“
Dann grinste sie.
„Ich wäre wohl sofort hineingesprungen. Ich bin nicht nur kaffeesüchtig, sondern auch eine Baderatte. Ich gehe in jedes Badehaus, was gerade offen hat. Egal ob in den Beeten, Ul'dah oder Limsa.“
G'rahas Ohren legten sich langsam nach hinten, während Minas Lachen immer lauter wurde. Zunächst versuchte er noch, eine würdige Miene zu bewahren.
Doch als sie sich schließlich vor Lachen den Bauch hielt, gab er den Versuch auf und begann selbst herzlich zu lachen.
„Ich … ich habe doch ausdrücklich gesagt, dass ich den Namen desjenigen nicht verrate!“
Er schüttelte grinsend den Kopf und seufzte gespielt ergeben.
„Aber ja. Du hast mich erwischt.“
Er hob einen Finger.
„Zu meiner Verteidigung: Die Karte sah aus beiden Richtungen vollkommen identisch aus!“
Eine kurze Pause.
„Zumindest … für die ersten fünf Minuten.“
Sein Grinsen verriet, dass er selbst wusste, wie wenig überzeugend diese Verteidigung klang.
Als Mina von ihrer Leidenschaft für Badehäuser erzählte, hob G'raha überrascht die Augenbraue.
„Eine Baderatte also?“
Er musterte sie einen Moment amüsiert.
„Kaffee, Obst, Badehäuser … ich beginne langsam, ein Muster zu erkennen. Du scheinst eine ausgesprochene Vorliebe für die angenehmen Dinge des Lebens zu haben.“
Sein Schweif schwang locker hin und her.
„Wobei ich dir das mit dem See durchaus zutraue. Du hättest vermutlich nicht einmal gezögert.“
Er stellte sich den Anblick offenbar gerade vor und musste wieder schmunzeln.
„Allerdings wäre ich vermutlich hinterhergesprungen, wenn du einfach hineingesprungen wärst. Schließlich kann man eine Kaffeesüchtige und Baderatte nicht unbeaufsichtigt an einem unbekannten See lassen.“
Er sah sie von der Seite an, mit einem kleinen Funkeln in seinem Auge.
„Wer weiß, was du sonst noch alles anstellst.“
Nach einigen weiteren Schritten wurde sein Ausdruck etwas nachdenklicher.
„Wenn du Badehäuser in allen drei großen Städten ausprobiert hast … dann hast du bestimmt einen Favoriten.“
Er lächelte neugierig.
„Welches ist dein liebstes?“
Mina lief gut gelaunt weiter neben G'raha her.
„Hm, ich würde sagen, die Meerjungfrau gefällt mir am besten. Da gibt es ein Zimmer voll mit Büchern. Und die sind so verzaubert, dass sie nicht nass werden können.“
Sie erzählte weiter:
„Warst du schon mal in einem?“
Dann stellte sie fest:
„Du scheinst wohl der Beschützer-Typ zu sein, wenn du mir hinterherspringen würdest in einen See.“
G'raha hörte ihr aufmerksam zu, während sie von der „Meerjungfrau“ erzählte. Bei der Erwähnung der verzauberten Bücher wurden seine Ohren augenblicklich aufmerksam aufgestellt.
„Ein Raum voller Bücher, die selbst unter Wasser trocken bleiben?“
Sein Interesse war sofort geweckt. Er sah Mina mit unverhohlener Begeisterung an.
„Das klingt ja geradezu fantastisch. Ich frage mich, welche Art von Magie dafür verwendet wurde. Eine einfache Schutzverzauberung? Oder vielleicht eine speziell auf das Material abgestimmte Barriere?“
Er schmunzelte über sich selbst.
„Verzeih. Sobald Magie und alte oder ungewöhnliche Bücher erwähnt werden, ist meine Neugier nur schwer zu bremsen.“
Bei ihrer nächsten Frage schüttelte er leicht den Kopf.
„Nein, tatsächlich war ich noch nie dort. Meine Reisen haben mich bisher eher an … weniger entspannte Orte geführt.“
Er ließ einen Moment verstreichen, ehe er sie von der Seite ansah.
„Aber vielleicht sollte ich das ändern. Ein Badehaus mit einer Bibliothek klingt jedenfalls weitaus interessanter, als ich zunächst angenommen hätte.“
Dann bemerkte er ihren Kommentar über seine beschützende Art. Seine Ohren zuckten leicht, und ein kleines, etwas verlegenes Lächeln erschien.
„Beschützer-Typ?“
Er überlegte kurz.
„Vielleicht.“
Sein Blick wanderte nach vorne.
„Wenn jemand in Schwierigkeiten gerät und ich etwas dagegen tun kann, fällt es mir schwer, einfach daneben zu stehen. Das war vermutlich schon immer eine meiner … weniger gut abzulegenden Eigenschaften.“
Er lachte leise.
„Allerdings solltest du daraus nicht schließen, dass ich jedem Fremden hinterherspringe, der in einen See fällt.“
Ein schelmischer Blick zu Mina.
„Bei dir würde ich es vermutlich trotzdem tun.“
Er sagte es ganz selbstverständlich, bevor er nach einem kurzen Moment etwas verlegen hustete und wieder nach vorne sah.
„Nun … schließlich kenne ich dich inzwischen immerhin schon eine ganze Weile.“
Mina zog eine Augenbraue hoch.
„Eine ganze Weile? Der Spaziergang hier? Na, du bist ja gut.“
Dann wurde ihr Ausdruck ruhiger.
„Aber ich find es schön, dass es Leute gibt, auf die man sich verlassen kann. Die immer für einen da sind … so jemanden muss man sich bewahren.“
Sie dachte kurz über seine Worte nach.
„Die Leute können sich glücklich schätzen, dich zu haben, auch wenn ich es nicht gut finde, dass du dich dann selber in Gefahr begibst, anstatt gemeinsam dann zu fallen.“
Ihre Stimme wurde nachdenklicher.
„Aber ich vermute auch, dass es keine andere Möglichkeit bei einigen deiner Abenteuer gab. So viel konnte ich damals aus der Exkursion in den Dungeon mitnehmen.“
Dann hellte sich ihr Gesicht wieder etwas auf.
„Aber das Badehaus solltest du dann mal unbedingt besuchen, wenn du so buchvernarrt bist. Wobei ich nicht besser bin, was Schmökern angeht.“
Sie beugte sich beim Gehen nach vorne und schaute G'raha von der Seite an.
„Was liest du denn gerne? Ich wette, du kommst wie eine getrocknete Rosine wieder raus, wenn überhaupt.“
Sie grinste breit bei dem Gedanken.
G'raha musste bei ihrem Einwand leise lachen. Sein Schweif schwang amüsiert hin und her, während er den Blick für einen Moment auf den Weg vor ihnen richtete.
„Gut, gut. Ich gebe zu, ‚eine ganze Weile‘ war vielleicht etwas großzügig formuliert.“
Er warf ihr einen schelmischen Seitenblick zu.
„Aber ich hoffe, du verzeihst mir die Übertreibung.“
Ihre nächsten Worte ließen sein Lächeln jedoch etwas ruhiger werden. Er hörte ihr aufmerksam zu, bevor er schließlich nickte.
„Jemanden zu haben, auf den man sich verlassen kann … ja. Das ist etwas sehr Wertvolles.“
Sein Blick wurde für einen Moment nachdenklich.
„Und vielleicht hast du recht. Man sollte solche Menschen bewahren. Auch wenn sie manchmal ausgesprochen stur sein können, wenn es darum geht, sich selbst in Gefahr zu bringen.“
Bei dieser Bemerkung musste er schmunzeln, als hätte sie gerade eine ziemlich treffende Beschreibung geliefert.
„Ich werde mir deine Worte jedenfalls zu Herzen nehmen.“
Als Mina sich beim Gehen nach vorne beugte und ihn von der Seite ansah, blieb sein Blick einen Augenblick an ihrem Gesicht hängen. Dann wandte er ihn wieder nach vorn.
„Was ich lese? Nun …“
Seine Ohren stellten sich interessiert auf.
„Geschichte. Alte Zivilisationen. Archäologische Aufzeichnungen. Reiseberichte. Magietheorie. Alles, was mir dabei helfen könnte, die Vergangenheit besser zu verstehen.“
Ein begeistertes Funkeln trat in sein Auge.
„Und wenn ich ein besonders interessantes Buch finde, kann es durchaus passieren, dass ich alles um mich herum vergesse.“
Er hielt kurz inne.
„Was vermutlich erklärt, weshalb ich gelegentlich Dinge übersehe, die direkt vor meiner Nase liegen.“
Bei ihrem Vergleich mit der getrockneten Rosine musste er wieder lachen.
„Eine getrocknete Rosine? Das ist eine ausgesprochen grausame Vorstellung.“
Er legte eine Hand theatralisch auf seine Brust.
„Ich werde also dafür sorgen müssen, dass du mich irgendwann begleitest. Sollte ich nach drei Stunden im Wasser anfangen auszutrocknen, kannst du mich schließlich rechtzeitig daran erinnern, wieder aufzustehen.“
Ein verschmitztes Lächeln.
„Und was liest du so gerne, wenn du schon zugibst, genauso schlimm zu sein wie ich?“
Mina verzog bei seiner Bücherwahl das Gesicht.
„Alte Schinken also. Auch wenn die Geschichte uns einiges lehrt. Ohne sie könnte ich heute nicht zaubern und wüsste nichts von den Elementen und dem Äther.“
Sie erklärte:
„Solche Wälzer musste ich auch studieren, trockene Kost. Aber in meiner Freizeit lese ich gerne Fantasy und Romane.“
Bedächtig schwang ihr Schweif hin und her.
„Aha. Soll das etwa eine Art Einladung sein, dass du vielleicht das nächste Mal mit mir ins Badehaus gehst?“
Sie warf ihm einen Seitenblick zu, wobei ihre Ohren zuckten.
„Und im Wasser kann man nicht austrocknen, nur schrumpelt die Haut dann und man sieht aus wie eine getrocknete Rosine.“
Sie hob eine Braue.
„Warst du noch nie so lange im Wasser?“
G'rahas Ohren zuckten, als Mina seine geliebten Geschichtsbücher kurzerhand als „alte Schinken“ bezeichnete. Er setzte eine gespielt entrüstete Miene auf.
„Alte Schinken? Diese Bücher enthalten teilweise Wissen, das Jahrhunderte überdauert hat!“
Er konnte das ernste Gesicht jedoch nicht lange halten und musste wieder schmunzeln.
„Aber ich gebe zu, dass ein Roman nach einem langen Tag manchmal wesentlich angenehmer zu lesen ist als ein dreihundertseitiger Bericht über irgendeine längst vergangene Dynastie.“
Bei ihrer Bemerkung über eine mögliche Einladung ins Badehaus blieb sein Schritt für einen Augenblick beinahe unmerklich langsamer.
Seine Ohren richteten sich auf. Dann sah er zu Mina hinüber.
„Eine Einladung?“
Ein kleines, etwas verlegenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Nun … ich hatte eigentlich nur erwähnt, dass ich es interessant fände, diesen Ort einmal zu sehen.“
Eine kurze Pause.
„Aber wenn du mich tatsächlich mitnehmen möchtest, würde ich mich wohl kaum beschweren.“
Sein Schweif bewegte sich ein wenig lebhafter hinter ihm.
„Allerdings solltest du wissen, dass ich vermutlich mehr Zeit in dem Bücherzimmer verbringen würde als im eigentlichen Bad.“
Bei ihrer Erklärung über die schrumpelige Haut musste er lachen.
„Nein, so lange war ich tatsächlich noch nie im Wasser. Zumindest nicht freiwillig.“
Er überlegte kurz.
„Bei einigen meiner Reisen war ich allerdings schon unfreiwillig nass genug. Flüsse, Regen, ein paar sehr schlecht geplante Überquerungen …“
Er verzog leicht das Gesicht.
„Ich habe dabei gelernt, dass nasse Kleidung erstaunlich schwer werden kann.“
Dann sah er wieder zu Mina.
„Aber wenn du tatsächlich so gerne badest, wie du behauptest, nehme ich an, dass du mir noch einiges beibringen könntest.“
Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge.
„Zum Beispiel, wie lange man im Wasser bleiben kann, ohne zur Rosine zu werden.“
Mina hob beide Augenbrauen vor Erstaunen.
„Von Mitnehmen kann keine Rede sein. Ich hab das so verstanden, dass du dich wieder wie jetzt selber einladen würdest.“
Sie seufzte ergeben.
„Aber gut, wenn wir uns das nächste Mal irgendwo sehen und du Zeit hast, kann ich dich ja mal mit reinschleppen.“
Dann betrachtete sie ihn nachdenklich.
„Du bist aber schon ein komischer Miqo'te. Wenn man dich so reden hört, könnte man denken, du bist ein absoluter Einsiedler, der nur in staubige Bücher schaut. Und dann kommt die andere Seite, wo du durch die Weltgeschichte tingelst und das wohl nicht alleine.“
Ihr Zeigefinger tippte gegen ihr Kinn.
„Was auch wieder interessant ist, geb ich zu.“
Dann sah sie ihn an.
„Aber sag mal, wann sind wir denn endlich da?“
G'raha blieb für einen kurzen Moment still, während er Minas Worte verarbeitete. Dann breitete sich ein amüsiertes Grinsen auf seinem Gesicht aus.
„Ah. So hast du das gemeint.“
Er hob beide Hände in einer unschuldigen Geste.
„Dann ziehe ich meine vorlaute Selbst-Einladung zurück. Vorerst.“
Das letzte Wort betonte er mit einem kleinen Schmunzeln.
„Aber wenn wir uns wieder über den Weg laufen und du mich tatsächlich mit ins Badehaus schleppst … werde ich mich selbstverständlich nicht wehren.“
Bei ihrer Beschreibung von ihm als eigenbrötlerischem Bücherwurm musste er leise lachen.
„Ein Einsiedler? Das wäre vermutlich eine etwas zu einfache Beschreibung.“
Er überlegte kurz.
„Ich gebe zu, Bücher haben einen ziemlich großen Platz in meinem Leben. Aber die Welt ist viel zu interessant, um sie ausschließlich aus einem Lesesessel heraus zu betrachten.“
Sein Blick wanderte über den Weg vor ihnen.
„Und allein reisen … nun, das kommt vor. Aber ich hatte das Glück, einige außergewöhnliche Menschen kennenzulernen. Viele meiner schönsten Erinnerungen verdanke ich genau diesen Begleitern.“
Für einen Moment wurde sein Lächeln wärmer.
„Vielleicht erzähle ich dir irgendwann von ihnen.“
Dann hörte er ihre Frage und blieb stehen.
„Oh.“
Er blickte nach vorne.
Zwischen den Bäumen war bereits ein kleiner, abgelegener Platz zu erkennen, weit genug von den Hauptwegen entfernt. Eine freie Lichtung lag zwischen alten Bäumen, mit ausreichend Abstand zu den nächsten Häusern.
„Da wären wir.“
Er deutete auf die Lichtung.
„Hier sollte dich niemand stören. Und falls einer deiner Zauber etwas weiter fliegt als geplant, gibt es zumindest keine Marktstände, die du versehentlich in Mitleidenschaft ziehen könntest.“
Er stellte die Obsttüte vorsichtig auf einem flachen Stein ab und sah Mina erwartungsvoll an.
„Nun denn, Mina. Zeig mir, was du kannst.“
Sein Lächeln wurde neugierig.
„Und bitte denk daran, deinen neugierigen Zuschauer nicht gleich mit einem Stein zu erschlagen.“
Mina stellte ihren mittlerweile leeren Kaffeebecher ab und streckte sich ausgiebig.
„Puh, hat ja ganz schön gedauert.“
Dann sah sie sich um.
„Den Platz kenn ich noch gar nicht. Und ich dachte, ich hätte alle Ecken von Gridania ausgekundschaftet.“
Sie wirkte ehrlich erstaunt.
„Ich würde auch gerne mal mehr sehen als die drei Hauptstädte. Aber mir fehlt leider das Gil, um weite Reisen unternehmen zu können. Da beneide ich dich schon etwas. Als Abenteurer muss man recht gut verdienen, oder?“
Sie holte ihren Zweig hervor.
G'raha beobachtete sie.
„Dann habe ich dir tatsächlich noch einen Ort in Gridania zeigen können, den du nicht kennst. Das ist doch schon einmal ein kleiner Erfolg.“
Er grinste und setzte sich auf einen flachen Stein am Rand der Lichtung, während er die Obsttüte neben sich stellte.
Bei ihrer Bemerkung über das Reisen wurde sein Ausdruck etwas nachdenklicher.
„Gil … ja. Reisen kann durchaus kostspielig werden. Vor allem, wenn man ständig von einem Ort zum nächsten zieht.“
Er hob leicht die Schultern.
„Aber ich würde nicht sagen, dass jeder Abenteurer reich wird. Manche Aufträge bringen kaum genug ein, um die nächste Mahlzeit zu bezahlen. Andere wiederum sind ausgesprochen lukrativ.“
Sein Blick fiel auf Minas Zweig.
„Und was mich betrifft … ich hatte das Glück, bei einigen Unternehmungen mehr zu verdienen als nötig.“
Er machte eine kurze Pause.
„Außerdem hatte ich manchmal andere Möglichkeiten, an einen Ort zu gelangen. Nicht jede Reise muss schließlich mit einem prall gefüllten Geldbeutel beginnen.“
Sein Blick wanderte wieder zu Mina.
„Wenn du wirklich mehr von der Welt sehen möchtest, solltest du deinen Wunsch deshalb nicht gleich aufgeben. Es gibt Wege, günstig zu reisen. Und als angehende Abenteurerin könntest du dir manche Reisen sogar durch Aufträge finanzieren.“
Sein Blick fiel wieder auf ihren Zweig.
„Aber bevor wir uns Gedanken über deine nächste große Reise machen …“
Er deutete auf den Zweig.
„… solltest du mir vielleicht zeigen, was dein kleines Stück Holz inzwischen alles kann.“
Ein schelmisches Lächeln.
„Und keine Sorge. Ich werde mich nicht darüber lustig machen. Zumindest nicht, bevor du mir einen Grund dazu gibst.“
Er lehnte sich etwas zurück und wartete gespannt.
„Was möchtest du zuerst versuchen? Die Pflanzenmagie? Die Steine? Oder möchtest du mir zeigen, was du mit dem Wasser bisher geschafft hast?“
Mina sah sich aufmerksam um.
„Hm, Samen hab ich jetzt keine dabei. Dann werd ich dir erst mal das mit den Steinen zeigen.“
Sie senkte ihren Blick gen Boden und suchte diesen nach passenden Steinen ab. Nach einigen Prüfungen hob sie kleinere Steine auf und legte sie der Reihe nach auf den Boden.
„Siehst du die Eiche da?“
Sie zeigte auf einen alten Baum mit dickem Stamm.
„Darauf ziele ich.“
Dann stellte sie sich vor die Steine und atmete tief durch.
Sie hob konzentriert ihren Zweig. Ihr Blick war auf die Steine fokussiert.
Einer der Steine erhob sich leicht zitternd, bis er etwas höher als ihre Hüfte schwebte.
Mina holte mit ihrem Zweig aus, als wollte sie ihn von sich schmeißen.
Der Stein flog.
Mit einem leisen Geräusch traf er den Stamm des Baumes.
„Ziemlich kläglich, nicht?“
Sie blickte zu G'raha.
Der hatte jede ihrer Bewegungen aufmerksam verfolgt. Als der erste Stein sich vom Boden löste, hatten sich seine Ohren aufgerichtet. Er sagte kein Wort, um sie nicht aus ihrer Konzentration zu bringen.
Der Stein zitterte, schwebte schließlich auf Hüfthöhe und flog auf die Eiche zu.
Mit einem dumpfen Geräusch traf er den Stamm.
G'raha betrachtete die Stelle, an der der Stein aufgekommen war. Dann sah er zu Mina.
„Kläglich?“
Er hob eine Augenbraue.
„Nein. Ganz und gar nicht.“
Er stand auf und ging einige Schritte auf die Eiche zu, ohne dabei den getroffenen Stamm zu berühren.
„Du hast den Äther aus deiner Umgebung aufgenommen, ihn auf den Stein übertragen, ihn angehoben und anschließend mit genügend Kraft bewegt, um ihn über diese Entfernung zu beschleunigen.“
Er drehte sich zu ihr um.
„Und du hast getroffen.“
Ein warmes Lächeln erschien.
„Vielleicht nicht genau dort, wo du hinzielen wolltest. Aber du hast getroffen.“
Er deutete auf den Stein.
„Das Entscheidende ist: Du verlässt dich dabei nicht auf rohe Kraft. Du musst gleichzeitig deine Konzentration, den Ätherfluss, die Position des Steins und anschließend noch seine Flugbahn kontrollieren.“
Er ging zurück zu Mina und blieb in angemessenem Abstand vor ihr stehen.
„Das ist ziemlich viel für einen einzigen Zauber.“
Sein Blick fiel auf ihren Zweig.
„Ich glaube sogar, dass ich sehe, wo dein Problem liegt.“
Er hob den Blick wieder zu ihr.
„Du versuchst, den Stein mit deinem Zweig regelrecht wegzuschleudern.“
Er machte eine kleine Bewegung mit der Hand, als würde er etwas nach vorne schieben.
„Vielleicht solltest du stattdessen versuchen, ihm die Bewegung bereits während des Anhebens zu geben. Nicht erst Kraft aufbauen und dann werfen. Stell dir vor, der Stein würde bereits wissen, wohin er fliegen soll.“
Er lächelte leicht.
„Und noch etwas.“
Sein Ton wurde sanfter.
„Hör auf, dich selbst so kleinzumachen. Wenn dein Lehrmeister dich tatsächlich für unfähig hielte, würde er dich wohl kaum in einen Dungeon mitnehmen.“
Er verschränkte locker die Arme.
„Also … möchtest du es noch einmal versuchen? Ich kann dir dabei helfen, deine Haltung und den Ätherfluss zu beobachten.“
Mina deutete auf den Baum.
„Also wirklich, so dick wie der Stamm ist, kann den keiner verfehlen.“
Doch ihre Augen wurden bei G'rahas Worten immer größer. Sie war über sein Kompliment ehrlich erstaunt.
„Ähm, äh … danke, schätze ich.“
Verlegen kratzte sie sich am Kopf.
Dann besann sie sich wieder auf ihre Übung.
„Okay, ich versuch es mal, wie du es sagst.“
Sie stellte sich in Position und konzentrierte sich. Ihr Blick lag fest auf dem nächsten Stein, der langsam in die Höhe stieg und den sie dabei zu sich heranzog.
Sie stellte sich vor, wie sie den Stein gegen den Baum prallen lassen würde.
Dann stieß sie ihren Stab nach vorne.
Diesmal flog der Stein mit etwas mehr Kraft gegen den Stamm, was ein deutlich lauteres Geräusch verursachte.
„So besser?“, fragte sie leicht außer Atem.
G'rahas Ohren zuckten bei ihrer Bemerkung amüsiert, doch diesmal widersprach er ihr nicht sofort. Stattdessen beobachtete er den zweiten Versuch sehr genau.
Der Stein erhob sich. Zunächst noch etwas unsicher, doch diesmal bewegte er sich bereits während des Anhebens in die gewünschte Richtung.
Als Mina ihren Zweig nach vorne stieß, schoss der Stein los und traf den Stamm mit einem deutlich kräftigeren Klack.
G'raha lächelte sofort.
„Ja. Deutlich besser.“
Er ging zur Eiche und betrachtete kurz die neue Einschlagstelle. Dann verglich er sie mit der ersten.
„Siehst du den Unterschied? Du hast nicht nur mehr Kraft eingesetzt. Du hast den Äther diesmal bereits während der Bewegung des Steins gelenkt.“
Er wandte sich wieder Mina zu.
„Und du hast weniger Energie dafür verschwendet.“
Als er bemerkte, dass sie außer Atem war, hob er leicht eine Augenbraue.
„Allerdings solltest du jetzt erst einmal durchatmen.“
Er deutete auf einen flachen Stein in seiner Nähe.
„Setz dich ruhig kurz. Du musst deinen Äther nicht bis zum letzten Funken verbrauchen.“
Dann nahm er selbst einen der übrigen kleinen Steine vom Boden auf und betrachtete ihn.
„Darf ich?“
Ohne auf eine Antwort zu warten, warf er den Stein nicht etwa gegen den Baum, sondern ließ ihn spielerisch in seiner Hand kreisen.
„Du hast übrigens etwas Interessantes gemacht.“
Er sah wieder zu Mina.
„Beim ersten Versuch hast du dich darauf konzentriert, den Stein überhaupt zu bewegen. Beim zweiten hattest du bereits ein klares Bild davon, was passieren sollte.“
Ein kleines, ermutigendes Lächeln.
„Vielleicht ist genau das deine Stärke. Du scheinst besser zu funktionieren, wenn du dir nicht nur den Zauber selbst, sondern auch sein Ergebnis vorstellst.“
Er legte den Stein wieder ab.
„Und falls du jetzt wieder behauptest, das sei nichts Besonderes …“
Er verschränkte die Arme und sah sie mit gespielter Strenge an.
„… werde ich dich daran erinnern, dass ich dich ausdrücklich gewarnt habe, dich nicht selbst zu unterschätzen.“
Mina ließ sich wie befohlen auf dem Stein nieder, um auszuruhen, wobei sich ihr Schweif um sie legte.
„Puh. Manch einer wäre nicht so außer Atem wie ich. Ich kann nur eine gewisse Menge zaubern, bevor ich völlig erschöpft bin.“
Sie dachte kurz nach.
„Vielleicht liegt es auch daran, dass kein Wasser in der Nähe ist. Wasser ist mein Element, sagt Firmien.“
Sie setzte sich in den Schneidersitz und drapierte ihren Rock.
„Auch wenn ich mich schwer damit tue, zwei Dinge gleichzeitig zu machen. Einmal den Stein oben zu halten und dann ihn mit dem Wasser zu umschließen. Das ist noch viel anstrengender für mich.“
Dann sah sie zu G'raha.
„Mit was zauberst du denn, G'raha? Darf ich mal sehen?“
G'raha nickte aufmerksam, während er Mina zuhörte. Sein Blick blieb einen Moment auf ihrem entspannten Schweif liegen, ehe er wieder zu ihrem Gesicht wanderte.
„Das erklärt einiges. Wenn Wasser tatsächlich dein bevorzugtes Element ist, könnte es gut sein, dass du dich in seiner Nähe wesentlich leichter mit dem Äther tust.“
Er setzte sich ihr gegenüber auf einen flachen Stein und legte die Hände locker auf die Knie.
„Und zwei Dinge gleichzeitig zu kontrollieren, ist durchaus anspruchsvoll. Du versuchst im Grunde, zwei unterschiedliche Aufgaben mit demselben Ätherfluss zu koordinieren. Es wäre vermutlich sinnvoller, zunächst eine davon zu automatisieren, bevor du beides miteinander verbindest.“
Bei ihrer Frage nach seiner eigenen Magie hellte sich sein Gesicht sofort etwas auf.
„Was ich benutze? Nun …“
Er griff an seinen Gürtel und holte einen kleinen, kunstvoll gearbeiteten Fokus hervor. Er war deutlich professioneller als Minas einfacher Zweig.
„Ich habe im Laufe meiner Reisen verschiedene Arten des Zauberns erlernt. Mein Schwerpunkt liegt allerdings nicht bei der Weißmagie.“
Er hielt den Fokus zwischen zwei Fingern.
„Ich kann dir etwas zeigen, wenn du möchtest. Nichts Gefährliches.“
Er stand auf und trat ein paar Schritte von ihr weg. Dann hob er den Fokus.
Ein sanftes Leuchten sammelte sich um seine Hand. Winzige Lichtpartikel schwebten durch die Luft, zunächst kaum mehr als glitzernder Staub.
Mit einer kleinen Bewegung seiner Finger verdichteten sie sich zu einer schwebenden Kugel aus warmem Licht.
„Das hier ist eine einfache Ätherkonstruktion. Nichts besonders Spektakuläres.“
Die Lichtkugel schwebte zwischen ihnen und bewegte sich langsam im Kreis.
„Der eigentliche Trick besteht darin, nicht mehr Äther hineinzustecken, als nötig ist. Zu viel Kraft macht einen Zauber nicht zwangsläufig besser.“
Er ließ die Kugel langsam schrumpfen, bis sie schließlich in einem kleinen Lichtfunken zerfiel.
G'raha sah zu Mina und lächelte.
„Und? Entspricht das ungefähr dem, was du sehen wolltest?“
Mina runzelte die Stirn und schaute auf das Ding, das G'raha hervorgeholt hatte.
„Was ist das?“
Ihre Augen wurden groß und leuchteten bei der Lichtkugel, die zwischen ihnen entstand.
„Wow.“
Ehrfürchtig hob sie einen Finger, um die Kugel berühren zu wollen, ließ es dann aber doch bleiben.
„Das sah ja toll aus, und das ohne Anstrengung.“
Ihre Ohren zuckten.
„Kannst wohl schon von klein an zaubern, oder?“
G'raha bemerkte, wie Minas Finger sich der Lichtkugel näherten, bevor sie es sich anders überlegte. Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Das?“
Er hob den kleinen Fokus zwischen zwei Fingern und betrachtete ihn selbst kurz.
„Das ist ein Fokus. Er hilft mir dabei, meinen Äther zu bündeln und gezielter zu formen. Du brauchst nicht unbedingt einen solchen Gegenstand, um Magie zu wirken – dein Zweig erfüllt für dich im Grunde eine ähnliche Funktion.“
Bei ihrem staunenden „Wow“ wurde sein Lächeln etwas breiter. Offensichtlich gefiel ihm ihre Begeisterung.
„Du hättest sie ruhig berühren dürfen.“
Er ließ die kleine Lichtkugel erneut entstehen, diesmal etwas näher bei Mina. Sie schwebte ruhig zwischen ihnen und warf ein sanftes Leuchten auf ihr Gesicht.
„Sie hätte dich höchstens ein wenig gekitzelt.“
Bei ihrer Vermutung, er hätte schon als Kind zaubern können, lachte er leise.
„So talentiert war ich leider nicht.“
Er schüttelte den Kopf.
„Ich habe nicht schon als kleines Kind mit solchen Zaubern herumgespielt. Im Gegenteil. Meine Ausbildung war … etwas ungewöhnlich.“
Sein Blick wurde für einen Moment nachdenklich.
„Ich musste vieles erst lernen. Und einiges davon war wesentlich schwieriger, als es heute vielleicht aussieht.“
Er ließ die Lichtkugel langsam über seine Handfläche wandern.
„Was du gerade gesehen hast, wirkt nur deshalb so mühelos, weil ich sehr viel Zeit damit verbracht habe, es zu üben.“
Er sah Mina direkt an.
„Du hast selbst gerade etwas Ähnliches geschafft. Dein zweiter Stein war deutlich besser als dein erster.“
Ein aufmunterndes Lächeln.
„Also lass dich nicht davon täuschen, dass ich es heute leicht aussehen lasse. Du wirst mit deinem Zauber irgendwann genauso umgehen können.“
Er hielt die Lichtkugel noch einen Moment zwischen ihnen.
„Und wenn du möchtest, kannst du sie jetzt berühren. Ich verspreche, sie beißt nicht.“
Neugierig betrachtete Mina die Lichtkugel, wobei ihr Schweif aufgeregt auf ihren Schoß klopfte. Die Ohren hoch aufgestellt, verfolgten ihre grünen Augen die Kugel.
„Ungewöhnlich bist du in der Tat.“
Langsam streckte sie abermals ihren Finger aus und berührte die Lichtkugel.
„Sieht aus wie ein leuchtender Stern.“
G'raha beobachtete aufmerksam, wie Mina schließlich den Mut fasste und ihre Fingerspitze gegen die Lichtkugel führte. Die kleine Kugel flackerte bei der Berührung kaum merklich, blieb aber stabil.
Sein Blick wanderte kurz zu ihrem aufgeregt schlagenden Schweif. Ein leises, amüsiertes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Wie ein leuchtender Stern …“
Er wiederholte ihre Worte leise, während er die Kugel betrachtete.
„Das ist tatsächlich eine sehr schöne Beschreibung.“
Die Lichtkugel schwebte weiterhin zwischen ihnen. G'raha ließ sie langsam ein wenig höher steigen, sodass ihr sanfter Schein Minas weißes Haar zum Leuchten brachte.
„Vielleicht gefällt mir deine Beschreibung sogar besser als meine eigene.“
Er sah Mina einen Moment lang an, bevor sein Blick wieder zu der Kugel wanderte.
„Weißt du … Sterne sind faszinierend. Sie scheinen so weit entfernt zu sein, und doch begleiten sie einen, ganz gleich, wohin man reist.“
Ein nachdenkliches Lächeln.
„Auf meinen Reisen habe ich oft unter einem fremden Himmel gestanden. Manchmal war alles um mich herum völlig unbekannt. Aber wenn ich nach oben sah, waren die Sterne trotzdem da.“
Er ließ die Lichtkugel langsam um Mina herumkreisen, ohne sie dabei zu berühren.
„Vielleicht ist es deshalb gar nicht so schlecht, wenn du deinen Zauber mit einem kleinen Stern vergleichst.“
Sein Blick traf wieder ihren.
„Du hast gerade erst angefangen, ihn zu formen. Und trotzdem hast du bereits etwas erschaffen, das dir gefällt.“
Ein warmes Lächeln.
„Das ist doch ein ziemlich guter Anfang, findest du nicht?“
Fasziniert verfolgte Minas Blick die Kugel, die um sie herumflog.
„Ja, da hast du recht. Aber haben Foki nicht Rotmagier? Wir hatten einen bei uns in der Akademie. Der hatte sein Florett damit bezaubert oder so. Genau kann ich es auch nicht erklären.“
Sie erzählte weiter:
„Aber ich hab sowas Ähnliches. Zuhause hab ich Kristalle stehen, die helfen meinen Ätherfluss. Und im Dungeon hatte ich ein Gewand an, was mit ätherleitenden Metallen gestickt war. Das es mir leichter fiel zu zaubern.“
G'raha hob bei ihrer Erklärung leicht die Augenbrauen. Offenbar gefiel ihm die Richtung, in die sich das Gespräch entwickelte, denn seine Ohren richteten sich aufmerksam auf.
„Ah, dann hast du bereits mehr Erfahrung mit magischen Foki, als du vielleicht denkst.“
Er ließ die kleine Lichtkugel noch einmal langsam um seine Hand kreisen.
„Und ja, Rotmagier verwenden ebenfalls Foki und magisch verstärkte Waffen. Das Florett deines Akademiekameraden dürfte allerdings etwas anderes gewesen sein als das hier. Ein Rotmagier verbindet seine Kampfkunst mit Weiß- und Schwarzmagie und nutzt dafür verschiedene Formen der Ätherkontrolle.“
Er deutete auf den kleinen Fokus in seiner Hand.
„Meiner dient hauptsächlich dazu, meine Zauber präziser zu formen. Aber dein Gewand und deine Kristalle erfüllen tatsächlich einen ähnlichen Zweck.“
Sein Blick wanderte interessiert zu Mina.
„Ätherleitende Metalle im Stoff … das könnte erklären, warum dir das Zaubern damit leichter fiel. Sie unterstützen vermutlich den Fluss, anstatt dass du ihn vollständig selbst aufrechterhalten musst.“
Er betrachtete ihren Zweig.
„Und die Kristalle zu Hause helfen dir vermutlich dabei, deinen Äther zu sammeln oder zu stabilisieren.“
Ein neugieriges Funkeln erschien in seinem Auge.
„Du hast dir also bereits deine eigene kleine Ausrüstung zusammengestellt, obwohl du noch mitten in deiner Ausbildung steckst.“
Er lächelte.
„Vielleicht bist du doch nicht ganz so untalentiert, wie du dich selbst gerne darstellst.“
Die Lichtkugel schwebte weiterhin zwischen ihnen.
„Und jetzt möchte ich natürlich wissen, wie diese Kristalle aussehen. Sind sie einfach nur hübsch anzusehen oder hast du sie speziell wegen ihrer ätherischen Eigenschaften ausgesucht?“
Mina schüttelte den Kopf, sodass ihre weißen Haare ihr über die Schulter fielen.
„Nein, Firmien hatte sie mir damals zum Geburtstag geschenkt. Und sie sollen genau das machen, was du beschrieben hast.“
Sie schaute in ihren Schoß und knibbelte an ihren Fingern.
„Hatte da nämlich mal einen kleinen Unfall.“
G'rahas Lächeln verschwand ein wenig, als er ihre Körpersprache bemerkte. Seine Ohren richteten sich aufmerksam auf sie, und sein Blick blieb ruhig auf Mina gerichtet. Er drängte sie nicht.
„Einen kleinen Unfall?“
Seine Stimme war deutlich sanfter geworden.
Er setzte sich wieder auf den Stein gegenüber von ihr und legte den Fokus beiseite.
„Du musst mir davon natürlich nicht erzählen, wenn du nicht möchtest.“
Er ließ einen Moment verstreichen.
„Aber wenn du möchtest … höre ich dir zu.“
Sein Blick fiel kurz auf ihre Hände, an denen sie nervös herumknibbelte, bevor er ihr wieder ins Gesicht sah.
„Und falls du dir gerade die Schuld dafür gibst, was auch immer damals passiert ist …“
Er schüttelte leicht den Kopf.
„Mach das nicht. Beim Lernen von Magie passieren Fehler. Gerade am Anfang.“
Ein kleines, aufmunterndes Lächeln.
„Ich habe selbst mehr als einmal etwas falsch gemacht. Manche Fehler waren sogar ziemlich spektakulär.“
Sein Schweif bewegte sich ruhig hinter ihm.
„Also … was ist passiert?“
Mina schaute zur Seite.
„Na ja … ich hatte einen Freund.“
Sie atmete kurz durch.
„Nach ein paar Wochen fand ich heraus, dass er mich betrogen hatte. Das hatte mich so sauer und wütend und enttäuscht gemacht.“
Ihre Finger bewegten sich unruhig.
„Und dabei hab ich dann meinen Zweig in die Hand genommen und eine Vase ging zu Bruch.“
Sie sah wieder zu G'raha.
„Firmien sagte mir, dass ich mit meinen Emotionen aufpassen sollte. Weil die auch irgendwie mit dem Äther zusammenhängen, was die Intensität und Stärke betrifft.“
Dann kam, fast als bewusster Versuch, die Schwere des Themas wieder etwas zu lösen, ihre Frage:
„Du hast sicher auch schon vielen Frauen das Herz gebrochen, oder?“
G'rahas Ausdruck wurde nachdenklich, während er ihr aufmerksam zuhörte. Bei der zerbrochenen Vase musste er kurz schmunzeln, doch als er hörte, warum es dazu gekommen war, verschwand das Lächeln wieder.
„Dann war es also kein Unfall, weil du deine Magie nicht beherrschen konntest. Es war ein Unfall, weil deine Gefühle stärker waren, als du sie in diesem Moment kontrollieren konntest.“
Er nickte langsam.
„Firmien hat dir damit vermutlich einen ziemlich wichtigen Hinweis gegeben. Äther ist schließlich nicht einfach nur etwas, das man mit dem Verstand steuert. Wenn deine Emotionen dich überwältigen, kann sich das durchaus auf deine Konzentration auswirken.“
Sein Blick blieb ruhig auf ihr liegen.
„Und nach dem, was du mir erzählt hast, kann ich verstehen, warum du damals so wütend warst. Betrogen zu werden, nachdem man jemandem vertraut hat … das tut weh.“
Bei ihrer letzten Frage hob sich seine Augenbraue. Für einen Moment wirkte er ehrlich überrascht.
„Ich? Vielen Frauen das Herz gebrochen?“
Ein verlegenes Lachen entwich ihm.
„Ich fürchte, meine vermeintliche Schar an Verehrerinnen existiert hauptsächlich in deiner Vorstellung.“
Er schüttelte amüsiert den Kopf.
„Nein. So viele Herzen habe ich nun wirklich nicht gebrochen. Ich war … ziemlich lange mit anderen Dingen beschäftigt.“
Sein Blick wanderte kurz zur Seite, als würde er nach den richtigen Worten suchen.
„Abenteuer, Forschung, Bücher, die Rettung der Welt … solche Kleinigkeiten.“
Ein schelmisches Lächeln.
„Für eine ausgedehnte Romanze blieb da nicht besonders viel Zeit.“
Dann sah er wieder zu Mina.
„Aber ich würde behaupten, dass es besser ist, jemandem ehrlich zu sagen, dass man nicht bereit für eine Beziehung ist, als ihm falsche Hoffnungen zu machen.“
Er hielt kurz inne.
„Und wenn ich jemanden wirklich mag, würde ich vermutlich ziemlich schlecht darin sein, das zu verbergen.“
Ein kaum merkliches, warmes Lächeln legte sich auf seine Lippen.
„Dafür bin ich wahrscheinlich viel zu leicht zu durchschauen.“
Mina seufzte tief.
„Ja, er stellte sich als Arschloch heraus. Denn er fuhr nicht nur zweigleisig, sondern mehrgleisig, wenn du verstehst. Ich war nicht die Einzige zur gleichen Zeit.“
Sie winkte ab.
„Aber das ist schon etwas her.“
Dann grinste sie schief.
„Und danach gab mir Firmien dann die Kristalle, damit nicht noch einmal so ein Malheur passiert.“
Sie lehnte sich etwas nach hinten und stützte sich auf ihre Hände.
„Sag ich doch, Einsiedler. Du hast sicher einigen Frauen das Herz gebrochen, die Interesse an dir hatten, aber du lieber deine Nase in den Büchern hattest und es nicht mitbekamst.“
Dann blinzelte sie.
Ein Satz war ihr plötzlich wieder eingefallen.
„Moment, Rettung der Welt? Wann war die Welt denn bitte in Gefahr?“
G'raha verzog bei ihrer Beschreibung des ehemaligen Freundes leicht das Gesicht.
„Mehrgleisig? Dann war ‚Arschloch‘ vermutlich tatsächlich eine ziemlich treffende Bezeichnung.“
Er schüttelte langsam den Kopf.
„Und ich kann verstehen, weshalb Firmien dir danach die Kristalle geschenkt hat. Wenn deine Gefühle einen solchen Einfluss auf deinen Äther haben können, war es vermutlich besser, dir etwas an die Hand zu geben, das dir dabei hilft, ihn zu stabilisieren.“
Bei ihrer Theorie über sein Liebesleben musste er allerdings wieder lachen.
„Du gibst wirklich nicht so schnell auf, was?“
Er verschränkte die Arme und sah sie mit einem amüsierten Funkeln an.
„Vielleicht hast du sogar ein kleines bisschen recht. Es gab vermutlich tatsächlich Momente, in denen ich so sehr in einem Buch oder einer Untersuchung versunken war, dass ich die Welt um mich herum kaum wahrgenommen habe.“
Er hob einen Finger.
„Aber ob mir deswegen gleich mehrere Frauen hinterhergelaufen sind, wage ich zu bezweifeln.“
Dann fiel ihm auf, was Mina aus seinen vorherigen Worten herausgegriffen hatte.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich.
„Ah.“
Er schwieg einen Moment zu lange.
„Das.“
Er räusperte sich und strich sich leicht über den Hinterkopf.
„Ich glaube, da habe ich gerade etwas gesagt, das ich vielleicht besser hätte erklären sollen.“
Sein Blick wanderte kurz über die Lichtung, bevor er wieder zu Mina zurückkehrte.
„Die Welt war tatsächlich in großer Gefahr. Mehr als einmal, wenn ich ehrlich bin.“
Er lächelte schwach.
„Es ist eine lange Geschichte. Eine, bei der Magie, alte Geheimnisse und einige ziemlich außergewöhnliche Menschen eine Rolle spielten.“
Er machte eine kurze Pause.
„Und bevor du fragst: Ja, ich war dabei.“
Sein Tonfall wurde etwas ernster.
„Aber ich möchte dir nicht einfach einen Haufen Geschichten auftischen und so tun, als wäre ich irgendein großer Held. Viele Menschen haben dabei geholfen. Ich war nur einer von ihnen.“
Dann erschien wieder ein kleines, verschmitztes Lächeln.
„Allerdings hast du jetzt vermutlich noch mehr Fragen als vorher.“
Er deutete leicht auf sie.
„Also gut, Mina. Welche möchtest du zuerst stellen?“
Mina grinste breit, wobei ihre Ohren wackelten.
„Das mit den Frauen ist nur die Retourkutsche für dein Auf-den-Arm-Nehmen hierher. Du musst auch lernen einzustecken.“
Ihr Grinsen wurde noch breiter.
„Du machst mich wirklich neugierig.“
Sie beugte sich nun wieder nach vorne und legte die Unterarme auf ihre im Schneidersitz verschränkten Beine.
„Das hört sich an, als hättest du alles, aber auch nichts gemacht.“
Sie wackelte leicht mit dem Kopf, während sie sich eine Frage überlegte.
„Okay, welches Abenteuer der rettenden Welt war am gefährlichsten für dich?“
G'raha musste bei ihrer Erklärung lachen. Seine Ohren zuckten amüsiert, während er den Kopf leicht schüttelte.
„Ah, eine Retourkutsche also. Das erklärt natürlich einiges.“
Er legte sich gespielt nachdenklich eine Hand ans Kinn.
„Dann werde ich mir wohl merken müssen, dass ich bei dir nicht ungestraft frech werden kann.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Gut zu wissen. Ich werde mich bemühen, gelegentlich auch einzustecken.“
Als Mina sich wieder nach vorne beugte und ihn so aufmerksam ansah, wurde sein Gesichtsausdruck etwas ernster. Bei ihrer Beschreibung, dass er scheinbar „alles und nichts“ gemacht hatte, musste er jedoch schmunzeln.
„Das ist vermutlich gar nicht so falsch formuliert. Bei manchen Dingen war ich mitten im Geschehen. Bei anderen konnte ich nur meinen kleinen Teil beitragen.“
Er ließ den Blick über die Lichtung wandern.
„Aber wenn du nach dem gefährlichsten fragst …“
Sein Lächeln verschwand langsam. Für einige Sekunden sagte er nichts.
„Dann gibt es eines, das mir sofort in den Sinn kommt.“
Er verschränkte die Hände vor sich und atmete ruhig aus.
„Eine Reise, bei der wir uns einer Bedrohung gegenübersahen, die nicht einfach mit einem Schwert oder einem Zauber zu besiegen war. Wir mussten in eine Zukunft reisen, die bereits vom Untergang gezeichnet war.“
Sein Blick wurde nachdenklich.
„Stell dir vor, du kommst an einen Ort, an dem die Welt, wie du sie kennst, praktisch nicht mehr existiert. Städte sind Ruinen. Die Menschen kämpfen ums Überleben. Und überall spürst du, dass etwas Schreckliches geschehen ist.“
Er erzählte ihr von einer Zukunft, die nicht mehr die Welt war, die er gekannt hatte. Von der Reise, von dem Turm, von der Einsamkeit und davon, wie sich ein ganzes Jahrhundert für ihn angefühlt hatte.
Mina hörte ihm aufmerksam zu.
Als er schließlich von dem Ende seiner Geschichte sprach, wurde ihre Miene nachdenklich.
„Also … du warst der schlafende Prinz?“
G'raha musste lachen.
„Wenn du es so nennen möchtest …“
Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Also ja. Wenn du unbedingt eine Fantasygeschichte daraus machen möchtest, dann war es tatsächlich eine Frau, die den schlafenden … äh … ‚Prinzen‘ aus seinem langen Warten befreit hat.“
Er hob eine Augenbraue.
„Allerdings solltest du vorsichtig sein. Wenn du daraus noch eine romantische Heldensaga machst, wird die Geschichte vermutlich wesentlich kitschiger, als sie tatsächlich war.“
Ein schelmisches Funkeln trat in sein Auge.
„Aber ich bin neugierig: Wie würde deine Version dieser Geschichte aussehen, Mina?“
Mina musste grinsen.
„Wusste ich es doch“, kam es schon fast siegessicher.
Sie sah zum Himmel, um zu überlegen.
„Meine Vorstellung der Geschichte. Vermutlich ähnlich wie deine, nur dass er es nicht freiwillig tat, sondern da eingesperrt wurde.“
Sie erklärte ihre Vorstellung weiter:
„Und als er dann die Möglichkeit hatte, wieder nach Hause zu kehren, hat er mitbekommen, dass er längst zu Hause war. Nur dass er dann auch das alte Zuhause, wann immer er wollte, besuchen konnte, um die alten Freunde zu sehen. Ansonsten würde wohl sein Leben in dem zukünftigen Zuhause stattfinden.“
Dann legte sie den Kopf schief.
„Du vermisst die Leute da, oder?“
G'raha musste bei ihrem siegessicheren „Wusste ich es doch“ lachen. Seine Ohren zuckten amüsiert, und er schüttelte leicht den Kopf.
„Du bist wirklich hartnäckig.“
Bei ihrem Vorwurf, dass ausgerechnet er sich gerade selbst kleinmachte, hob er gespielt unschuldig die Hände.
„Ich? Ich habe doch lediglich versucht, bescheiden zu bleiben. Du hast mich schließlich schon zum alten Knacker erklärt. Da kann ich schlecht auch noch behaupten, ein großer Held zu sein.“
Doch während Mina ihre eigene Version der Geschichte erzählte, wurde sein Ausdruck zunehmend nachdenklich. Er hörte ihr aufmerksam zu und unterbrach sie nicht ein einziges Mal.
Als sie geendet hatte, blieb er einen Moment still.
„Das ist … erstaunlich nahe an dem, was tatsächlich passiert ist.“
Ein sanftes Lächeln.
„Zumindest, was das Ende betrifft.“
Er sah zur Lichtkugel, die inzwischen nur noch schwach neben ihnen schwebte.
„Ich hatte lange Angst davor, dass ich nach meiner Rückkehr nirgendwo mehr hingehören würde. Dass die Welt, zu der ich zurückkehre, nicht mehr meine sein würde.“
Sein Blick wanderte über die Lichtung.
„Aber dann stellte ich fest, dass ich tatsächlich wieder zu Hause war.“
Er ließ die Worte einen Moment wirken.
„Und ja … ich vermisse die Menschen aus der Zukunft.“
Seine Stimme wurde leiser.
„Sehr sogar.“
Er lächelte etwas wehmütig.
„Ich habe dort ein ganzes Leben verbracht. Freunde gefunden, Menschen kennengelernt, mit ihnen gelacht und gestritten. Manche von ihnen kannte ich länger als alles, was ich aus meiner ursprünglichen Zeit kannte.“
Seine Finger schlossen sich langsam um den Fokus.
„Es ist seltsam. Für die Menschen hier bin ich zurückgekehrt. Für mich fühlt es sich manchmal so an, als hätte ich einen Teil meines Lebens zurückgelassen, den ich niemals wiedersehen kann.“
Dann sah er Mina wieder an.
„Aber du hast etwas Wichtiges gesagt.“
Ein kleines Lächeln.
„Dass man sein altes Zuhause besuchen kann, ohne aufzuhören, im neuen Zuhause zu leben.“
Er nickte langsam.
„Vielleicht ist das die beste Art, damit umzugehen.“
Sein Blick blieb einen Moment auf ihr ruhen.
„Du hast eine erstaunlich gute Vorstellung davon, wie man jemanden aus hundert Jahren Einsamkeit zurückholt, Mina.“
Ein warmes, leicht schelmisches Lächeln.
„Vielleicht solltest du doch mehr Fantasyromane lesen.“
Mina kicherte.
„Danke für das Kompliment.“
Sie verneigte sich spielerisch.
„Vielleicht ist es irgendwann möglich und du kannst die Leute dort dann aber wirklich als alter Knacker wiedersehen.“
Sie grinste.
„Aber ich kann das gut verstehen. Wenn man sich nirgends irgendwie angekommen fühlt und es doch einen Ort gibt, wo man gerne sein möchte, aber nicht kann. Man könnte das auch gut als Fernweh bezeichnen, oder?“
G'raha musste bei ihrer spielerischen Verbeugung erneut lachen. Seine Ohren wippten amüsiert, während er den Kopf schüttelte.
„Bitte, bitte. Ich nehme das Kompliment selbstverständlich an.“
Bei ihrem erneuten Hinweis auf sein Alter legte er eine gespielt beleidigte Miene auf.
„Und du wirst nicht müde, mich daran zu erinnern, dass ich ein alter Knacker bin, oder?“
Doch als Mina anschließend von Fernweh sprach, wurde sein Gesichtsausdruck ruhiger.
„Fernweh …“
Er wiederholte das Wort nachdenklich.
„Ja. Ich glaube, das trifft es tatsächlich ziemlich gut.“
Er sah eine Weile über die Lichtung hinweg.
„Es ist dieses merkwürdige Gefühl, irgendwohin zu wollen, obwohl man vielleicht nicht einmal genau weiß, was einen dort erwartet. Man weiß nur, dass ein Teil von einem selbst dort sein möchte.“
Ein kleines Lächeln.
„Bei mir war es allerdings etwas komplizierter. Ich wusste genau, wohin ich wollte. Und gleichzeitig wusste ich, dass ich diesen Ort vielleicht nie wiedersehen würde.“
Sein Blick wanderte zu Mina.
„Aber vielleicht ist das Schöne daran, dass Fernweh einem auch zeigt, dass man noch etwas entdecken möchte.“
Er deutete mit einer kleinen Bewegung auf die Umgebung.
„Du hast mir vorhin erzählt, dass du gerne mehr von der Welt sehen würdest. Vielleicht ist das bei dir genau dasselbe.“
Ein warmes Lächeln.
„Du hast nur noch nicht herausgefunden, wohin dein Fernweh dich führen möchte.“
Er stand langsam auf und streckte sich.
„Und wer weiß? Vielleicht findest du irgendwann einen Ort, an dem du dich so wohlfühlst, dass du gar nicht mehr weg möchtest.“
Er sah zu ihr hinunter.
„Oder du wirst eine genauso rastlose Reisende wie ich und sammelst irgendwann mehr Geschichten als Bücher.“
Mina zuckte mit den Schultern.
„Wer weiß. Das Leben sagt uns nicht, was es für uns bereithält. Was auf uns zukommt. Ob wir eine goldige Zukunft oder eine dunkle vor uns haben.“
Sie dachte laut weiter.
„Wir werden in diese Welt hineingeschmissen und müssen damit klarkommen.“
Dann sah sie G'raha an.
„Boah, ist das ansteckend, dass man so philosophisch wird in deiner Gegenwart?“
G'raha blinzelte überrascht, als Mina ihre kleine philosophische Betrachtung beendet hatte. Dann breitete sich langsam ein breites Grinsen auf seinem Gesicht aus.
„Oh? Ist es etwa schon so weit?“
Er legte eine Hand ans Kinn und tat, als würde er ernsthaft darüber nachdenken.
„Dann muss ich wohl aufpassen. Erst verwandle ich dich in eine Philosophin und als Nächstes fängst du noch an, freiwillig dreihundertseitige Bücher über die Geschichte Eorzeas zu lesen.“
Er schüttelte gespielt besorgt den Kopf.
„Das wäre eine ausgesprochen gefährliche Entwicklung.“
Dann setzte er sich wieder auf den Stein und sah sie mit einem warmen Lächeln an.
„Aber was du gesagt hast … gefällt mir.“
Sein Blick wanderte für einen Moment über die Lichtung.
„Wir wissen tatsächlich nicht, was vor uns liegt. Manchmal erscheint einem die Zukunft düster, und dann kommt etwas völlig Unerwartetes, das alles verändert.“
Er sah wieder zu Mina.
„Und manchmal führt uns gerade ein kleiner, scheinbar unbedeutender Schritt an einen Ort, den wir niemals erwartet hätten.“
Sein Schweif bewegte sich ruhig hinter ihm.
„Wenn ich eines aus meinen Reisen gelernt habe, dann wohl, dass man nicht immer wissen muss, wohin der nächste Weg führt.“
Ein leichtes Schmunzeln.
„Manchmal reicht es, neugierig genug zu sein, ihn einfach entlangzugehen.“
Er betrachtete sie einen Moment.
„Und wenn dich meine Anwesenheit tatsächlich philosophisch werden lässt …“
Seine Mundwinkel hoben sich.
„… sollte ich mich vielleicht geehrt fühlen.“
Er deutete auf ihren Zweig.
„Obwohl ich zugeben muss, dass ich ursprünglich eigentlich nur vorhatte, dir beim Zaubern zu helfen.“
Ein schelmischer Blick.
„Jetzt sitzen wir hier und diskutieren über das Schicksal, die Zukunft und hundert Jahre alte Katzen.“
Mina kicherte bei G'rahas Worten, griff in die Tüte und erbeutete sich einen Apfel.
„Daran bist du schuld, beschließ ich einfach mal bei so einem alten Knacker.“
Sie zwinkerte.
„Ich necke gerne Leute, die ich sympathisch finde. Andere zeig ich meine Krallen.“
Sie hob eine Hand, während sie in den Apfel biss, und zeigte G'raha ihre Nägel, die länger waren als üblich.
„Reine Schutzmaßnahme.“
G'rahas Blick fiel auf ihre erhobene Hand und die deutlich sichtbaren Krallen. Für einen Moment betrachtete er sie, dann wanderte sein Blick zu Mina zurück.
Ein amüsiertes Funkeln erschien in seinem Auge.
„Ah. Eine wichtige Unterscheidung also.“
Er hob einen Finger, als würde er eine besonders wichtige Erkenntnis festhalten.
„Wer dir sympathisch ist, wird geneckt. Wer dir nicht sympathisch ist, bekommt deine Krallen zu sehen.“
Er grinste.
„Dann fühle ich mich doch ausgesprochen geehrt, dass ich bisher nur die erste Behandlung erfahren durfte.“
Als sie in den Apfel biss, musste er leise lachen.
„Eine reine Schutzmaßnahme, natürlich. Das hätte ich mir denken können.“
Er nahm sich selbst einen Apfel aus der Tüte und betrachtete ihn kurz, bevor er hineinbiss.
„Wobei ich zugeben muss, dass deine Krallen vermutlich eine ziemlich überzeugende Warnung abgeben.“
Er deutete mit seinem Apfel auf ihre Hand.
„Ich werde mir also merken, dich nicht so weit zu treiben, dass ich Bekanntschaft mit ihnen machen muss.“
Ein kurzer, schelmischer Blick.
„Obwohl ich mich frage, ob du sie tatsächlich benutzen würdest.“
Er nahm einen weiteren Bissen und kaute nachdenklich.
„Du wirkst auf mich eher wie jemand, der zuerst versucht, mit Worten zu gewinnen.“
Seine Ohren zuckten leicht.
„Und wenn das nicht funktioniert, kommt wahrscheinlich ein Stein geflogen.“
Er grinste breit.
„Was mich wieder daran erinnert, dass ich dich vielleicht besser nicht weiter provozieren sollte.“
Mina hielt sich die Hand vor den Mund, da dieser voll war, und musste lachen, damit ihr das halb Gekaute nicht durch die Gegend flog.
„Das mit dem Stein spielst du echt perfekt durch, oder?“
Sie fragte weiter:
„Bis jetzt hab ich sie noch nicht einsetzen müssen, aber ich hatte leider genug Leute kennengelernt, die es, weiß Gott, mehr als verdient hätten, diese zu spüren zu bekommen.“
Dann wurde sie wieder neugierig.
„Und was treibt dich jetzt nach Gridania? Wieder ein Auftrag für ein gefährliches Abenteuer oder einfach nur so?“
G'raha musste ebenfalls lachen, als Mina sich hastig die Hand vor den Mund hielt. Seine Ohren zuckten belustigt.
„Ich gebe zu, der Stein hat inzwischen einen gewissen Ruf.“
Er hob seinen Apfel leicht an.
„Nach zwei Versuchen kann man schließlich schon von einer persönlichen Spezialität sprechen.“
Bei ihren Worten über die Menschen, die ihre Krallen verdient hätten, wurde sein Lächeln etwas nachdenklicher.
„Dann hoffe ich für sie, dass sie dir nie einen wirklich guten Grund dafür geben.“
Er biss erneut in seinen Apfel und sah anschließend über die Lichtung.
„Was mich nach Gridania führt? Diesmal tatsächlich nichts so Dramatisches.“
Ein kleines Grinsen.
„Kein Weltuntergang. Kein uraltes Relikt, das geborgen werden muss. Keine gefährliche Expedition in irgendeine Ruine.“
Er hob beschwichtigend eine Hand.
„Zumindest nicht heute.“
Sein Blick wanderte wieder zu Mina.
„Ich bin wegen einer Angelegenheit hier, die mit meiner Forschung zusammenhängt. Ein paar Aufzeichnungen, die ich mir ansehen wollte, und einige Informationen, die ich zusammentragen muss.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Außerdem ist Gridania ein angenehmer Ort, wenn man einmal eine Pause von den großen Städten und dem ganzen Trubel braucht.“
Ein kurzer Blick auf Mina.
„Und dann bin ich zufällig über dich gestolpert.“
Sein Mundwinkel hob sich.
„Was sich im Nachhinein als wesentlich interessanter herausgestellt hat als mein ursprünglicher Plan.“
Er nahm noch einen Bissen von seinem Apfel.
„Und du? Wenn du heute nicht hier wärst und Steine auf Bäume werfen würdest – was würdest du normalerweise an einem freien Tag machen?“
Mina hatte den Apfel schon bis zum Gribsch vernichtet und knabberte nur noch am Gehäuse, bevor sie ihn neben sich ablegte und sich über die Lippen leckte.
„Na, dann war ich wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
Sie schaute sich auf der Lichtung um.
„Ich liebe den Wald und das Grün. Ich könnte stundenlang im Gras liegen und den Geräuschen um mich herum einfach nur zuhören.“
Sie überlegte kurz.
„Liegt vielleicht auch daran, dass ich in einem Dorf hier in der Nähe von Gridania geboren wurde.“
Dann kam ihr ein anderer Gedanke.
„Was sagen denn eigentlich deine Eltern dazu, dass du so ein Rumtreiber bist? Die müssen sich doch jedes Mal tierische Sorgen um dich machen, G'raha.“
G'raha betrachtete amüsiert, wie Mina selbst den letzten Rest des Apfels verschwinden ließ. Bei ihrer Beschreibung des Waldes wurde sein Ausdruck ruhiger.
„Dann bist du hier tatsächlich am richtigen Ort.“
Er ließ den Blick über die Bäume schweifen.
„Ich kann verstehen, weshalb du dich hier wohlfühlst. Der Wald hat etwas Beruhigendes. Selbst wenn man nichts tut, gibt es immer etwas zu hören.“
Bei ihrer Frage nach seinen Eltern hielt er jedoch kurz inne.
Seine Ohren senkten sich ein wenig.
„Meine Eltern …“
Er schwieg einen Moment und lächelte dann etwas verlegen.
„Ich fürchte, ich kann dir keine besonders spannende Geschichte über besorgte Eltern erzählen.“
Er sah wieder zu Mina.
„Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der meine Familie und ich nicht besonders viel miteinander zu tun hatten. Mein Vater ist früh verstorben, und meine Mutter …“
Er machte eine kleine Pause.
„… nun, sagen wir, unsere Beziehung war nie besonders einfach.“
Sein Blick wanderte wieder in den Wald.
„Deshalb gab es niemanden, der zu Hause auf mich gewartet und sich Sorgen gemacht hätte, wenn ich länger unterwegs war.“
Ein leicht melancholisches Lächeln.
„Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb ich mich so leicht daran gewöhnt habe, allein unterwegs zu sein.“
Er sah wieder zu Mina.
„Aber ich habe später Menschen gefunden, die sich durchaus Sorgen um mich machen. Manchmal sogar viel zu sehr.“
Ein kleines Schmunzeln.
„Und vermutlich würde man dir sagen, dass ich mich trotzdem noch viel zu oft in Schwierigkeiten bringe.“
Er hob seinen Apfelrest an.
„Obwohl ich heute immerhin noch beide Augen habe. Das ist doch ein gutes Zeichen.“
Sein Blick wanderte kurz zu Mina und ihren Krallen.
„Und du? Hast du noch Familie hier in der Nähe? Oder bist du inzwischen vollständig aus deinem Dorf weggezogen?“
Ein merkwürdiger Ausdruck breitete sich auf Minas Gesicht aus.
„Das – das tut mir leid. Ich wollte nicht alte Wunden aufreißen.“
Ihre Ohren legten sich etwas an den Kopf.
Dann schüttelte sie den Kopf bei seiner Frage.
„Mir geht es ähnlich wie dir. Meine Eltern leben nicht mehr. Als ich klein war, haben Soldaten sie … da war ich gerade mal fünf.“
Dann hob sie verwundert den Kopf.
„Sagtest du nicht, du hast ein Auge verloren?“
G'rahas Gesicht veränderte sich sofort, als Mina von ihren Eltern erzählte. Das amüsierte Funkeln verschwand aus seinem Auge, und seine Ohren legten sich leicht nach hinten.
„Mina …“
Er sprach ihren Namen ungewöhnlich leise aus.
Für einen Moment wusste er offenbar nicht recht, was er sagen sollte. Dann schüttelte er langsam den Kopf.
„Du musst dich dafür nicht entschuldigen. Du konntest es nicht wissen.“
Sein Blick blieb bei ihr.
„Und es tut mir leid, was dir passiert ist. Fünf Jahre …“
Er ließ den Satz offen. Mehr musste er dazu wohl nicht sagen.
Als sie schließlich nach seinem Auge fragte, blinzelte G'raha überrascht. Dann wanderte seine Hand wie ganz automatisch zu der Stelle, an der sich die Augenklappe befand.
„Ah.“
Ein verlegenes Schmunzeln.
„Ja. Das habe ich.“
Er tippte leicht gegen die Augenklappe.
„Das hier ist tatsächlich nicht nur ein modisches Accessoire.“
Ein kurzer Versuch, die Stimmung etwas aufzulockern.
„Ich habe mein rechtes Auge verloren. Es ist also tatsächlich nur eines übrig.“
Er hob leicht eine Augenbraue.
„Du hast mich nur gerade dabei erwischt, wie ich von meinen beiden Augen gesprochen habe, obwohl ich natürlich mein verbleibendes Auge meinte.“
Ein kleines, selbstironisches Lächeln.
„Aber ich nehme an, nach deiner Steinschleuder-Drohung sollte ich besonders vorsichtig mit meiner Wortwahl sein.“
Sein Blick wurde wieder etwas wärmer.
„Und bevor du jetzt glaubst, du müsstest dich wegen deiner Frage schlecht fühlen: Das musst du nicht. Ich habe mich an die Augenklappe gewöhnt.“
Er ließ die Hand wieder sinken.
„Außerdem …“
Ein leicht schelmischer Ausdruck kehrte zurück.
„… hast du mir gerade immerhin bewiesen, dass du aufmerksam zuhörst.“
Mina sah ihn offen an.
„Warum sollte ich dir nicht aufmerksam zuhören? Du bist der merkwürdigste Miqo'te auf seine Art, der mir bisher über den Weg gelaufen ist.“
Sie gestand ehrlich:
„Außerdem lerne ich gerne neue Leute kennen, was auch ein Grund ist, ins Badehaus zu gehen. Auch wenn da nicht immer alle baden.“
G'rahas Ohren zuckten bei ihrer offenen Bemerkung. Ein amüsiertes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Der merkwürdigste Miqo'te, der dir bisher über den Weg gelaufen ist?“
Er legte eine Hand an die Brust und tat gespielt beleidigt.
„Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen oder beleidigt sein sollte.“
Doch bei ihrer Erklärung über das Badehaus hob sich seine Augenbraue. Ein wissendes, leicht schelmisches Grinsen erschien.
„Ah. Daher also.“
Er musterte sie kurz.
„Du gehst also nicht ausschließlich wegen des Badens dorthin. Du möchtest Menschen kennenlernen.“
Sein Schweif bewegte sich ruhig hinter ihm.
„Das passt erstaunlich gut zu dem, was ich bisher von dir mitbekommen habe. Du bist neugierig auf die Welt und auf die Menschen darin.“
Er nahm einen weiteren Apfel aus der Tüte und drehte ihn gedankenverloren in der Hand.
„Und ich nehme an, du hast dadurch schon so manche interessante Bekanntschaft gemacht.“
Ein kurzer, neugieriger Blick.
„Wobei ich mich jetzt frage, was du mit ‚nicht immer alle baden‘ meinst.“
Sein Grinsen wurde etwas breiter.
„Sind die Badehäuser in Gridania etwa für ihre außergewöhnlich geselligen Gäste bekannt?“
Mina griff ebenfalls wieder in die Tüte und ergatterte sich Melonenstücke, die auf Zahnstochern aufgespießt waren. Eines davon wanderte in ihren Mund.
„Kannst du dir das nicht denken? Okay, wenn du noch nie in einem warst.“
Sie erklärte weiter:
„Manche haben auch Bereiche, wo man ohne Badeklamotten rumläuft. Und wenn das Personal dann Feierabend macht … kannst du dir den Rest denken, oder?“
G'rahas Ohren stellten sich bei ihrer Erklärung erst auf, dann wanderte sein Blick für einen Moment zur Seite. Ein leicht verlegenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Ah … ich glaube, jetzt verstehe ich, worauf du hinauswillst.“
Er räusperte sich und nahm selbst ein Stück Melone aus der Tüte.
„Dann sind die Badehäuser offenbar wesentlich geselliger, als ich angenommen hatte.“
Sein Schweif zuckte leicht amüsiert.
„Und du gehst dort einfach hinein, lernst neue Leute kennen und lässt dich überraschen, wer gerade dort ist?“
Er sah sie von der Seite an, ein schelmisches Funkeln im Auge.
„Du bist wirklich ausgesprochen neugierig, Mina.“
Er biss in die Melone und dachte einen Moment nach.
„Allerdings muss ich gestehen, dass ich jetzt tatsächlich neugierig geworden bin. Vielleicht sollte ich mir so ein Badehaus doch einmal ansehen.“
Eine kurze Pause.
„Natürlich ausschließlich wegen der Bücher.“
Er grinste unschuldig.
„Ja, ja, wegen der Bücher, verstehe schon.“
Mina grinste schelmisch und hielt G'raha einen Zahnstocher mit Melone hin.
„Der Trick ist herauszufinden, welche Leute nur nette Bekanntschaften sind und welche die gewissen Dinge dort suchen.“
Sie grinste stolz.
„Und ich kann das mittlerweile recht gut unterscheiden.“
Dann erzählte sie ihm von einem Erlebnis in einem Becken.
„War mal in einem Becken. Da kam eine Miqo'te zu mir und bot mir an, was zu trinken für mich zu holen.“
Sie erinnerte sich an die Situation.
„Als er wiederkam und wir uns unterhielten, rutschte der Typ immer näher und näher. Wenn ich den nicht aufgehalten hätte, wäre der auf meinem Schoß gelandet.“
Sie grinste breit.
„Zum Glück kam ich mit ‚hab 'nen Freund‘ um die Ecke, was nicht stimmte, aber egal. Da saß der aber ganz schnell wieder in der anderen Ecke von mir.“
G'raha nahm den Zahnstocher mit der Melone entgegen und betrachtete Mina dabei mit einem amüsierten Funkeln in seinem Auge.
„Natürlich. Die Bücher.“
Er biss von der Melone ab und hörte ihr anschließend aufmerksam zu. Bei ihrer Geschichte hob sich seine Augenbraue immer weiter, bis er schließlich leise lachen musste.
„Auf deinen Schoß? Nach einem einzigen Getränk?“
Er schüttelte ungläubig den Kopf.
„Das nenne ich doch einmal bemerkenswertes Selbstvertrauen.“
Dann wurde sein Ausdruck etwas ernster.
„Aber gut, dass du ihn aufgehalten hast. Wenn jemand deine Grenzen nicht bemerkt oder respektiert, ist es völlig in Ordnung, deutlich zu werden.“
Ein kleines Schmunzeln.
„Und die Geschichte mit dem Freund …“
Er legte den Kopf leicht schief.
„Eine kleine Notlüge, um einen aufdringlichen Verehrer loszuwerden. Ich glaube, darüber kann ich hinwegsehen.“
Er nahm noch ein Stück Melone.
„Wobei ich mich frage, ob du diese Ausrede häufig benutzt hast.“
Sein Schweif zuckte amüsiert.
„Oder war dieser Miqo'te einfach besonders hartnäckig?“
Er sah Mina einen Moment lang prüfend an.
„Du scheinst jedenfalls ziemlich gut darin zu sein, Menschen einzuschätzen.“
Ein leichtes Grinsen.
„Das ist wahrscheinlich eine nützliche Fähigkeit für jemanden, der so gerne neue Bekanntschaften schließt.“
Dann deutete er mit dem Zahnstocher auf sie.
„Aber jetzt bin ich neugierig. Woran erkennst du den Unterschied zwischen jemandem, der einfach nur nett mit dir reden möchte, und jemandem, der andere Absichten hat?“
Mina schüttelte kauend den Kopf.
„Nee, war das erste Mal. Der Typ war mir zu schnell zu aufdringlich.“
Sie steckte dann ihren Zahnstocher zwischen die Lippen.
„Hm, ist schwer zu beschreiben. Ich kann gut zwischen den Zeilen lesen. Wie mein Gegenüber sich verhält. Seine Gestik und Mimik und die Worte, die er wählt.“
Sie erklärte weiter:
„Jemand, der nur was für die Nacht sucht, redet anders und hat andere Themen als jemand, der sich einfach nur unterhalten will. Verstehst du?“
G'raha nickte langsam und hörte ihr aufmerksam zu. Seine Ohren bewegten sich leicht, während er über ihre Erklärung nachdachte.
„Ja. Ich glaube, ich verstehe.“
Er drehte den Zahnstocher zwischen den Fingern und betrachtete Mina nachdenklich.
„Du achtest also weniger darauf, was jemand ausdrücklich sagt, und mehr darauf, was zwischen den Worten passiert. Die Körpersprache, den Tonfall, wohin der Blick wandert … und natürlich darauf, welche Themen jemand von sich aus anspricht.“
Ein anerkennendes Lächeln.
„Das ist tatsächlich eine ziemlich gute Fähigkeit. Gerade bei Menschen, die versuchen, etwas zu verbergen.“
Er nahm noch ein Stück Melone.
„Wobei ich vermutlich bei dir besonders vorsichtig sein müsste.“
Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge.
„Du würdest wahrscheinlich innerhalb weniger Minuten feststellen, wenn ich versuche, mich hinter meinen Büchern zu verstecken.“
Er machte eine kurze Pause und musterte sie mit einem leichten Grinsen.
„Andererseits frage ich mich gerade, ob du mich schon die ganze Zeit analysierst.“
Seine Ohren zuckten.
„Also … was sagen denn meine Gestik und meine Worte bisher über mich aus, Frau Menschenkennerin?“
Mina kicherte bei G'rahas Worten, wobei ihre Ohren fröhlich wippten.
„Wenn ich dich länger und besser kennen würde, mit deinen Marotten, dann ganz sicher.“
Sie grinste und betrachtete den Kater vor sich.
„Hm. Du bist ein lebensfroher Miqo'te, der gerne andere zum Lachen bringt und auch gerne selber lacht. Auch wenn du ziemlich viele schlimme Sachen mitgemacht hast, lässt du dich nicht unterkriegen.“
Sie sah ihn aufmerksam an.
„Und im Moment willst du dich einfach nur nett unterhalten und mich kennenlernen, oder?“
G'raha hielt für einen Moment inne. Sein Lächeln blieb, doch sein Blick wurde etwas ruhiger, als er ihre Einschätzung hörte. Offenbar hatte sie einen ziemlich empfindlichen Punkt getroffen.
„Nun …“
Er ließ den Blick kurz über die Lichtung schweifen, ehe er wieder zu Mina sah.
„Ich fürchte, du bist gefährlich gut darin.“
Ein leises Lachen entwich ihm.
„Ja. Ich denke, deine Einschätzung ist ziemlich treffend.“
Er drehte den Zahnstocher zwischen seinen Fingern.
„Ich habe tatsächlich gelernt, die schönen Dinge zu schätzen. Vielleicht gerade deshalb, weil ich auch erfahren habe, wie schnell man sie verlieren kann.“
Sein Lächeln wurde etwas sanfter.
„Wenn man genug erlebt hat, lernt man irgendwann, dass es keinen Sinn ergibt, jeden Tag damit zu verbringen, über das nachzugrübeln, was man verloren hat.“
Er sah sie direkt an.
„Und ja. Im Moment möchte ich mich einfach mit dir unterhalten.“
Ein kleines, ehrliches Lächeln.
„Du bist interessant, Mina. Du stellst viele Fragen, du bist neugierig, und du hast offenbar keine Angst davor, mir auch einmal zu widersprechen.“
Sein Schweif bewegte sich ruhig hinter ihm.
„Das ist … angenehm.“
Er legte den Kopf leicht schief.
„Aber jetzt hast du mich neugierig gemacht.“
Ein schelmisches Funkeln trat in sein Auge.
„Wenn du mich schon so gut lesen kannst … was glaubst du, was ich gerade über dich denke?“
Mina kniff die Augen zusammen und beugte sich vor.
Einige Momente blieb sie so, bevor sie sich zurücklehnte und den Kopf schüttelte.
„Uff, nee, sorry. Gedanken lesen klappt leider noch nicht. Und ich hab mich gerade wirklich echt bemüht.“
Sie nickte bekräftigend.
G'raha beobachtete, wie Mina sich mit zusammengekniffenen Augen nach vorne beugte. Er blieb vollkommen still, als würde er ihr tatsächlich die Zeit geben, seine Gedanken zu erraten.
Als sie schließlich aufgab, musste er lachen.
„Schade. Und ich hatte schon gehofft, du würdest mir gleich verraten, was ich denke, bevor ich selbst darauf komme.“
Er legte sich gespielt enttäuscht eine Hand an die Brust.
„Aber ich muss zugeben: Du hast dich wirklich bemüht.“
Sein Lächeln wurde etwas wärmer.
„Und vielleicht ist es auch ganz gut, dass du keine Gedanken lesen kannst.“
Er hielt kurz inne und sah sie mit einem leicht schelmischen Ausdruck an.
„Sonst müsste ich vermutlich sehr viel vorsichtiger sein, was ich denke.“
Seine Ohren zuckten amüsiert.
„Aber keine Sorge. Meine Gedanken sind vollkommen harmlos.“
Eine kurze Pause.
„Meistens.“
Er grinste und griff erneut nach einem Stück Melone.
„Was ich dir allerdings sagen kann, ohne dass du Gedanken lesen musst: Ich finde deine Gesellschaft ausgesprochen angenehm.“
Er sah kurz auf ihren Zweig.
„Und ich glaube, dein Lehrmeister hat noch einiges vor sich, wenn du beim Zaubern genauso hartnäckig bist wie beim Fragenstellen.“
Mina lächelte lieb.
„Danke, das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Vielleicht war es Schicksal, dass ich da gerade stand und du mich angesprochen hast, anstatt deine eigentlichen Sachen zu machen.“
Sie wischte sich etwas Melonensaft vom Kinn.
„Glaubst du an sowas?“
G'raha beobachtete, wie Mina sich den Melonensaft vom Kinn wischte. Bei ihrer Frage wurde sein Ausdruck nachdenklicher. Er lehnte sich etwas zurück und ließ den Blick über die Lichtung schweifen.
„Ob ich an Schicksal glaube?“
Er wiederholte die Frage leise, als würde er das Wort selbst abwägen.
„Früher hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass die Dinge einfach geschehen. Zufälle, Entscheidungen, Konsequenzen.“
Sein Blick wanderte wieder zu Mina.
„Nach allem, was ich erlebt habe, bin ich mir da allerdings nicht mehr so sicher.“
Ein kleines Lächeln.
„Ich habe erlebt, wie Entscheidungen, die völlig unbedeutend wirkten, später über das Schicksal ganzer Welten entschieden haben.“
Er nahm einen Moment lang den Zahnstocher zwischen die Finger.
„Und ich selbst bin schließlich durch die Zeit gereist. Wenn mir jemand früher erzählt hätte, dass ich eines Tages in der Vergangenheit sitzen und mit einer neugierigen weißhaarigen Miqo'te über Schicksal sprechen würde …“
Ein leises Lachen.
„… ich hätte ihn vermutlich für verrückt erklärt.“
Sein Lächeln wurde sanfter.
„Aber ob all das wirklich vorherbestimmt war? Das weiß ich nicht.“
Er sah sie direkt an.
„Vielleicht war es Schicksal, dass ich dich heute angesprochen habe.“
Eine kurze Pause.
„Oder vielleicht war es einfach eine Entscheidung, die ich in diesem Moment getroffen habe.“
Sein Schweif bewegte sich langsam hinter ihm.
„Ich glaube, mir gefällt die zweite Möglichkeit ein wenig besser.“
Ein schelmisches Lächeln.
„Denn dann bedeutet es, dass ich selbst entschieden habe, stehenzubleiben und dich kennenzulernen.“
Mina schmunzelte lieb.
„Ja, das hört sich für mich auch wesentlich besser an. Hier zu sitzen und mit dir über Gott und die Welt zu reden ist wesentlich angenehmer als alleine zu trainieren.“
Dann deutete sie auf ihren Zweig.
„Und was meinen Zweig betrifft: Ich hab zu Hause einen richtigen Stab. Aber den darf ich noch nicht benutzen, der verbraucht und fordert zu viel Äther, sagt Firmien.“
G'rahas Ohren zuckten leicht, als Mina so offen zugab, dass sie seine Gesellschaft dem alleinigen Training vorzog. Ein zufriedenes, warmes Lächeln legte sich auf sein Gesicht.
„Dann bin ich froh, dass ich dich angesprochen habe.“
Sein Blick fiel auf den kleinen Zweig in ihrer Hand.
„Und Firmien hat vermutlich recht, wenn er dich den größeren Stab noch nicht benutzen lässt. Ein größerer Fokus bedeutet nicht automatisch, dass ein Zauber besser funktioniert. Wenn dein Ätherfluss noch nicht stabil genug ist, kann er dich sogar unnötig belasten.“
Er deutete auf ihren Zweig.
„Der hier zwingt dich gewissermaßen dazu, deine eigene Kontrolle zu verbessern. Du kannst dich nicht darauf verlassen, dass der Fokus die Arbeit für dich übernimmt.“
Er nahm seinen eigenen Fokus kurz in die Hand.
„Als ich angefangen habe, Magie zu lernen, hätte ich wahrscheinlich auch lieber etwas benutzt, das mir die Arbeit erleichtert. Aber rückblickend war es besser, erst zu lernen, meinen eigenen Äther zu kontrollieren.“
Er sah wieder zu Mina.
„Und wenn du eines Tages stark genug bist, den richtigen Stab zu benutzen, wirst du vermutlich feststellen, dass sich all das Training gelohnt hat.“
Ein kleines, schelmisches Lächeln.
„Wobei ich mich frage, wie dieser Stab überhaupt aussieht. Wenn du ihn schon zu Hause hast, muss er ja etwas Besonderes sein.“
Er legte den Kopf leicht schief.
„Oder ist es einfach ein riesiges, viel zu schweres Ding, das du momentan noch kaum hochheben kannst?“
Mina lachte bei G'rahas Worten.
„Du hast es erfasst. Sowohl als auch.“
Sie erklärte:
„Er ist größer als ich, und wenn ich meinen Äther fließen lasse und der Stab ihn aufnimmt, dann sieht man das. Er fängt an zu leuchten.“
Sie erinnerte sich.
„Hab ihn damals von einem sehr guten Freund geschenkt bekommen. ‚Dass du irgendwann genauso stark und unnachgiebig bist wie dieser Stab‘, das waren seine Worte.“
G'rahas Ohren richteten sich interessiert auf, während er Mina zuhörte. Bei der Beschreibung des Stabes musste er unwillkürlich schmunzeln.
„Größer als du? Dann war meine Vermutung also gar nicht so weit daneben.“
Er stellte sich den beschriebenen Stab offenbar gerade bildlich vor.
„Und er beginnt zu leuchten, sobald dein Äther durch ihn fließt … Das klingt tatsächlich nach einem ziemlich beeindruckenden Fokus.“
Als Mina die Worte ihres Freundes wiedergab, wurde G'rahas Lächeln etwas ruhiger.
„‚Genauso stark und unnachgiebig wie dieser Stab.‘“
Er wiederholte die Worte nachdenklich.
„Das ist ein schönes Geschenk. Nicht nur wegen des Stabes selbst, sondern wegen dessen, was er dir damit sagen wollte.“
Sein Blick fiel auf Minas kleinen Zweig.
„Und vielleicht ist das auch der Grund, weshalb du ihn noch nicht benutzen sollst. Nicht weil du irgendwann einfach nur genug Äther besitzen musst, um ihn zum Leuchten zu bringen.“
Er sah wieder zu ihr.
„Sondern weil du lernen musst, stark und unnachgiebig zu sein, ohne dabei deine Kontrolle zu verlieren.“
Ein leichtes Lächeln.
„Obwohl ich dich nach unserem bisherigen Gespräch nicht gerade für jemanden halte, der schnell aufgibt.“
Sein Blick wanderte kurz zu ihrem Zweig.
„Du hast nach jedem misslungenen Versuch weitergemacht. Du hast sogar meinen Rat ausprobiert, obwohl du mich nicht gekannt hast.“
Er legte den Kopf leicht schief.
„Vielleicht bist du dem, was dein Freund dir damals gewünscht hat, bereits näher, als du denkst.“
Ein warmes Lächeln.
„Und wenn dein Stab eines Tages heller leuchtet als heute …“
Er hob leicht seinen Fokus.
„… dann würde ich ihn wirklich gerne einmal sehen.“
Minas Ohren zuckten aufgeregt bei seinen Worten.
„Das ist lieb, was du sagst. Ja, die Worte hatten einen tieferen Hintergrund.“
Sie dachte einen Moment nach.
„Ich war nicht immer so wie jetzt. Das hat lange gedauert, mit Hilfe meines Freundes. Ohne ihn würde ich wohl jetzt hier nicht sitzen. Ich hab ihm viel zu verdanken.“
Dann schlug sie etwas vor:
„Aber du kannst mich gerne mal auf ein Abenteuer einladen, wenn ich meine Prüfung zur Heilerin geschafft habe. Dann kannst du ihn sehen.“
G'rahas Ohren zuckten leicht, als er ihre Worte hörte. Sein Blick blieb einen Moment auf Mina liegen, und in seinem Gesicht lag ehrliches Verständnis.
„Dann scheint dieser Freund einen ziemlich großen Einfluss auf dein Leben gehabt zu haben.“
Er lächelte sanft.
„Manchmal sind es nicht die großen Schlachten oder mächtigen Zauber, die einen Menschen verändern. Manchmal ist es einfach jemand, der bleibt, wenn man selbst nicht mehr weiß, wohin man gehen soll.“
Bei ihrem Vorschlag hob sich seine Augenbraue überrascht. Dann erschien langsam ein erfreutes Grinsen.
„Ein Abenteuer also?“
Er verschränkte die Arme und tat, als würde er ernsthaft darüber nachdenken.
„Das klingt nach einer ziemlich vernünftigen Belohnung für eine bestandene Prüfung.“
Sein Schweif bewegte sich leicht.
„Aber ich warne dich: Meine Abenteuer sind nicht immer besonders ungefährlich. Du hast schließlich schon angekündigt, dass du mich mit einem Stein erschießen könntest.“
Ein amüsiertes Funkeln erschien in seinem Auge.
„Vielleicht sollte ich also lieber darauf warten, bis deine Trefferquote etwas zuverlässiger geworden ist.“
Er grinste, bevor sein Ausdruck wieder etwas wärmer wurde.
„Aber ja. Wenn du deine Prüfung geschafft hast, nehme ich dich gerne einmal mit.“
Er hob leicht einen Finger.
„Unter einer Bedingung.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Du versprichst mir, nicht bei der ersten Gelegenheit auf irgendeinen mysteriösen See zuzurennen, nur weil du darin baden möchtest.“
Er sah sie erwartungsvoll an.
„Und dann darfst du mir deinen berühmten Stab zeigen.“
Mina zog ihn auf.
„So viele Bedingungen. Aber okay, ich werde dich nicht mit einem Stein bewusstlos schießen, dass du dabei zusehen kannst, wie ich mir die Kleider vom Leib reiße und mich in ein unbekanntes Gewässer stürze. Großes Ehrenwort.“
Sie hielt zwei Finger hoch und grinste breit.
G'rahas Ohren schossen bei ihrer Formulierung überrascht nach oben.
Für einen Herzschlag starrte er Mina einfach an, ehe er sich ein Lachen nicht mehr verkneifen konnte.
„Bei den Sieben, Mina! Das war jetzt aber eine sehr ausführliche Interpretation meiner Bedingung.“
Er schüttelte amüsiert den Kopf, während sein Schweif aufgeregt zuckte.
„Ich hatte eigentlich nur darum gebeten, nicht kopfüber in irgendeinen unbekannten See zu springen.“
Er deutete auf ihre zwei erhobenen Finger.
„Aber gut. Ich nehme dein Ehrenwort an.“
Ein schelmisches Grinsen.
„Wobei ich langsam den Verdacht bekomme, dass ich dich auf einem Abenteuer besser niemals aus den Augen lassen sollte.“
Er legte eine Hand ans Kinn und tat nachdenklich.
„Nicht wegen der Monster. Nicht wegen alter Ruinen. Und schon gar nicht wegen irgendwelcher gefährlicher Artefakte.“
Sein Blick wanderte zu ihr.
„Sondern wegen dir und deiner offensichtlich grenzenlosen Neugier.“
Er lachte leise.
„Aber weißt du was? Genau das könnte ein ziemlich unterhaltsames Abenteuer werden.“
Mina nickte, sodass ihre Haare wippten.
„Genau das denke ich auch. Wenn wir uns schon gegenseitig so aufziehen können, ohne uns an die Gurgel zu gehen, weil einer beleidigt ist, dann wird das sicher großartig.“
Sie warf die Arme zu beiden Seiten.
„Aber du bist doch auch grenzenlos neugierig, oder? Sonst würdest du dich sicher nicht in todesmutige Gefahren und Abenteuer stürzen.“
G'raha lachte leise bei ihrer Feststellung. Seine Ohren wippten amüsiert, während er Mina betrachtete.
„Erwischt.“
Er hob beide Hände in einer kleinen, ergebenen Geste.
„Ja, ich bin neugierig. Sehr sogar.“
Sein Blick wanderte über die Lichtung, ehe er wieder zu ihr zurückkehrte.
„Aber ich glaube, bei mir ist es weniger die Neugier auf Gefahr selbst. Mich interessieren die Dinge, die hinter der Gefahr liegen.“
Er deutete leicht auf seinen Fokus.
„Alte Zivilisationen, unbekannte Magie, vergessene Orte … Dinge, von denen niemand mehr genau weiß, warum sie existieren oder wozu sie einst dienten.“
Ein begeistertes Funkeln trat in sein Auge.
„Wenn irgendwo jemand behauptet: ‚Dort solltest du besser nicht hingehen, niemand weiß, was sich darin befindet‘, dann …“
Er hielt inne und verzog den Mund zu einem unschuldigen Lächeln.
„… möchte ich meistens besonders gerne wissen, was sich darin befindet.“
Sein Schweif zuckte belustigt.
„Was die todesmutigen Abenteuer betrifft … nun, die sind gelegentlich ein notwendiger Nebeneffekt.“
Er sah Mina an.
„Und manchmal hat man einfach keine andere Wahl, wenn man Menschen beschützen möchte, die einem wichtig sind.“
Für einen Moment wurde sein Ton ernster, bevor das vertraute Grinsen zurückkehrte.
„Aber ich glaube, wir beide könnten uns wunderbar ergänzen.“
Er deutete auf ihren Zweig.
„Du würdest vermutlich als Erste einen geheimnisvollen See entdecken und hineinspringen.“
Dann deutete er auf sich selbst.
„Und ich wäre derjenige, der hinter dir herläuft und herausfinden möchte, warum der See geheimnisvoll ist.“
Er lachte.
„Das kann ja heiter werden.“
Mina hielt sich den Bauch vor Lachen, als sie sich das vorstellte.
„Oh man, und die anderen denken: Was für eine mehr als merkwürdige Kombi. Das kann ja nur als Lachnummer der Nation enden.“
Sie grinste.
„Ich glaub nicht, dass du auf mich aufpassen solltest, sondern dass man auf uns beide aufpassen muss, wie du das so sagst.“
G'raha konnte sich bei ihrem schallenden Lachen ebenfalls nicht mehr zurückhalten. Seine Schultern bebten, während er versuchte, sich wieder zu fangen.
„Oh, ich fürchte, du hast recht.“
Er wischte sich mit einer Hand eine imaginäre Träne aus dem Augenwinkel.
„Wenn wir tatsächlich gemeinsam unterwegs wären, würde vermutlich niemand mehr wissen, ob er uns vor den Monstern oder vor unseren eigenen Ideen beschützen müsste.“
Er grinste breit.
„Eine neugierige Weißhaarige mit einem viel zu großen Stab und ein neugieriger Kater mit einer Vorliebe für alte Ruinen.“
Er zählte an den Fingern ab.
„Du springst in unbekannte Gewässer. Ich öffne versiegelte Türen. Du schießt Steine auf Dinge, die dir nicht gefallen. Ich lese Inschriften, auf denen wahrscheinlich steht, dass man genau das nicht tun sollte.“
Er hielt inne und sah sie gespielt ernst an.
„Ja. Ich glaube, wir sollten tatsächlich jemanden mitnehmen, der auf uns beide aufpasst.“
Dann erschien wieder dieses schelmische Funkeln in seinem Auge.
„Wobei …“
Er legte den Kopf leicht schief.
„Wenn wir schon die Lachnummer der Nation werden, sollten wir es wenigstens richtig machen.“
Sein Schweif schwang locker hinter ihm.
„Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass unsere Abenteuer ziemlich unterhaltsam werden.“
Er betrachtete Mina einen Moment lang, dann wurde sein Lächeln etwas wärmer.
„Und ehrlich gesagt … ich glaube nicht, dass es mir etwas ausmachen würde.“
Mina hielt sich noch immer den Bauch vor Lachen.
„Abenteuer dürfen auch lustig sein, und wenn wir beide dabei sind, dann ist kein Auge mehr trocken, das versicher ich dir.“
Sie grinste den Kater breit an.
„Wir sind die beiden Chaoten dann in der Truppe, und es würde mir auch nichts ausmachen, wenn ich nicht die Einzige bin, die sich zum Deppen macht.“
Dann wurde ihr Ausdruck aufrichtig.
„Ich hab schon lange nicht mehr so viel gelacht mit jemandem wie mit dir.“
G'rahas Grinsen wurde bei ihren Worten zunächst noch breiter. Doch als Mina ihm gestand, dass sie schon lange nicht mehr so viel mit jemandem gelacht hatte, wurde sein Ausdruck merklich weicher.
Für einen Moment sagte er nichts. Seine Ohren bewegten sich leicht, während er sie einfach betrachtete.
„Das … freut mich wirklich.“
Ein warmes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Und ich glaube, mir geht es ähnlich.“
Er ließ den Blick kurz über die Lichtung schweifen, bevor er wieder zu ihr sah.
„Es ist lange her, dass ich einfach irgendwo sitzen und mich mit jemandem unterhalten konnte, ohne dass dabei irgendeine Welt gerettet, eine Ruine erforscht oder ein uraltes Geheimnis gelöst werden musste.“
Ein leises Lachen.
„Vielleicht sind solche Momente viel wertvoller, als man zunächst denkt.“
Er nahm den letzten Rest Melone aus der Tüte und hielt ihn kurz hoch.
„Also gut. Dann erkläre ich uns hiermit offiziell zu den beiden Chaoten einer zukünftigen Abenteurergruppe.“
Er streckte ihr den kleinen Zahnstocher wie zu einem feierlichen Handschlag entgegen.
„Unsere zukünftigen Gefährten tun mir jetzt schon leid.“
Sein Grinsen wurde wieder schelmischer.
„Aber eines muss ich klarstellen: Wenn du während unseres ersten Abenteuers tatsächlich auf die Idee kommst, dich wegen eines hübschen Sees auszuziehen und hineinzuspringen, werde ich dich höchstpersönlich daran erinnern, dass du mir dein Ehrenwort gegeben hast.“
Er hob warnend einen Finger.
„Und danach darfst du mich meinetwegen wieder einen alten Knacker nennen.“
Sein Blick blieb einen Moment länger auf ihr liegen.
„Solange du dabei weiterhin so lachst.“
Mina blickte zu dem Stück Melone, das er hielt, und dann in G'rahas Gesicht.
„Wenn ich mich nicht dran halte, darfst du mich eigenhändig übers Knie legen und den Hintern versohlen.“
Dann schnappte sie sich mit dem Mund das Stück Melone.
„Versprochen.“
Sie grinste breit kauend.
G'rahas Augen wurden für einen Moment groß, als Mina sich die Melone einfach aus seiner Hand schnappte. Dann musste er so unvermittelt lachen, dass seine Schultern bebten.
„Bei den Sieben, Mina! Du machst es einem wirklich schwer, ernst zu bleiben.“
Er schüttelte amüsiert den Kopf und deutete mit dem leeren Zahnstocher auf sie.
„Aber gut. Versprochen ist versprochen.“
Sein Grinsen wurde schelmisch.
„Allerdings habe ich den starken Verdacht, dass du dein Ehrenwort gerade hauptsächlich deshalb gegeben hast, weil du an die Melone kommen wolltest.“
Er musterte sie mit gespieltem Misstrauen.
„Ich sollte mir vielleicht angewöhnen, bei dir sämtliche Versprechen schriftlich festzuhalten.“
Dann legte er den Kopf leicht schief.
„Wobei ich mich frage, ob du überhaupt weißt, worauf du dich bei deinen großen Worten einlässt.“
Sein Lächeln wurde wieder warm.
„Aber ich nehme dich beim Wort. Keine unbekannten Gewässer ohne vorherige Prüfung.“
Er hob den leeren Zahnstocher wie zu einem feierlichen Schwur.
„Abgemacht, Mina?“
Mina verdrehte seufzend gespielt die Augen.
„Ja, großer Meister, versprochen. Mina taucht in keine Gewässer ab, die du nicht vorher abgesegnet hast.“
Sie hob einen Finger.
„Und ich werde auch nicht wie wild mit Steinen um mich feuern, außer da ist irgendein Vieh, egal wie groß es ist.“
Sie sah ihn an.
„Zufrieden?“
Dann schien ihr ein Gedanke zu kommen.
„Aber wie … ah.“
Sie friemelte an ihrem Ohr herum, an dem ein Ohrring hing, und hielt ihm diesen hin.
„Wollen wir uns synchronisieren? Ich weiß ja gar nicht, wie und wann ich dich das nächste Mal erreiche. Da ist meine Kontaktperle drin, ich verliere das Ding sonst ständig.“
G'rahas Ohren zuckten bei Minas feierlicher Aufzählung, und bei ihrem letzten „Zufrieden?“ musste er schmunzeln.
„Außer da ist irgendein Vieh, egal wie groß es ist?“
Er hob eine Augenbraue.
„Das klingt verdächtig nach einer sehr großzügigen Auslegung unserer Abmachung.“
Doch als Mina an ihrem Ohrring herumfriemelte und ihm die kleine Kontaktperle zeigte, wurde sein Gesichtsausdruck wieder interessierter.
„Ah, eine Kontaktperle. Das ist tatsächlich eine ausgezeichnete Idee.“
Er beugte sich etwas vor, um den Ohrring genauer zu betrachten.
„Und du verlierst sie ständig? Dann ist der Platz im Ohrring wahrscheinlich deutlich sicherer, als sie irgendwo an deiner Kleidung zu befestigen.“
Ein leises Lachen.
„Ich kann dir meine Nummer ebenfalls geben. Dann musst du nicht darauf hoffen, mir zufällig wieder über den Weg zu laufen.“
Er griff nach einer kleinen Kontaktperle, die er bei sich trug, und hielt sie zwischen Daumen und Zeigefinger.
„Wir müssen sie nur miteinander synchronisieren.“
Er sah Mina mit einem leicht schelmischen Grinsen an.
„Obwohl ich zugeben muss, dass ich nicht erwartet hätte, dass unser erstes gemeinsames Training damit endet, dass du mir deine Kontaktdaten gibst.“
Seine Ohren wippten amüsiert.
„Aber ich beschwere mich keineswegs.“
Er hielt ihr die Perle entgegen.
„Na dann, Mina. Zeig mir, wie du das normalerweise machst.“
Mina lächelte.
„He, jemanden wiederzutreffen, mit dem man so herrlich lachen kann und rumblödelt, ist doch normal, dass man da in Kontakt bleiben möchte.“
Sie hielt ihren Ohrring an die Perle von G'raha und wartete, bis der Ohrring aufleuchtete, bevor sie ihn zurückzog.
„So, das war's.“
Sie befestigte ihren Ohrring wieder am Ohr.
G'raha beobachtete aufmerksam, wie sie den Ohrring an seine Kontaktperle hielt. Als beide kurz aufleuchteten, nickte er zufrieden. Seine Ohren zuckten leicht, als er ihre Worte noch einmal überdachte.
„Da hast du wohl recht.“
Er steckte seine eigene Kontaktperle wieder ein und lächelte.
„Und ich denke, gegen ein Wiedersehen mit einer gewissen weißhaarigen Miqo'te hätte ich ebenfalls nichts einzuwenden.“
Bei ihrer Bemerkung über die Welt wurde sein Blick etwas verträumter.
„Es gibt schließlich noch so viel zu sehen. Orte, an denen weder du noch ich bisher gewesen sind. Und vermutlich genug unbekannte Gewässer, die du unbedingt ausprobieren möchtest.“
Ein schelmischer Blick.
„Natürlich erst nach meiner Genehmigung.“
Er lachte leise.
„Aber im Ernst … ich würde mich freuen, wenn wir uns wiedersehen. Vielleicht können wir dann tatsächlich ein kleines Abenteuer daraus machen.“
Sein Blick fiel kurz auf ihren Zweig.
„Und bis dahin kannst du deine Zauber weiter üben. Vielleicht schaffst du es beim nächsten Mal sogar, den Stein genau dorthin zu befördern, wo du ihn haben möchtest.“
Er hob eine Augenbraue.
„Dann muss ich mich vielleicht schon auf meine erste Prüfung als dein selbsternannter Abenteuerpartner vorbereiten.“
Sein Lächeln wurde warm.
„Und keine Sorge. Ich werde deine Kontaktperle nicht verlieren.“
Eine kurze Pause.
„Du solltest schließlich nicht wieder behaupten können, ich hätte dich einfach vergessen.“
Mina grinste.
„Na ja, wer weiß, manchmal ist es komisch. Aus den Augen, aus dem Sinn.“
Sie zählte auf:
„Aber so jemanden wie dich vergisst man nicht so schnell. Nicht einen bücherliebhabenden, historikvernarrten, ruinenliebenden, gewässerprüfenden Miqo'te wie dich.“
Dann streckte sie frech die Zunge heraus.
„Der auch gut hundert Jahre auf dem Buckel hat.“
G'raha starrte Mina einen Moment lang vollkommen verblüfft an. Dann wanderten seine Ohren langsam nach hinten, während sich ein ungläubiges Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete.
„Gewässerprüfender Miqo'te?“
Er legte eine Hand an die Brust und schüttelte gespielt empört den Kopf.
„Ich glaube, du hast gerade eine vollkommen neue Berufsbezeichnung für mich erfunden.“
Als sie ihm dann auch noch die Zunge herausstreckte, musste er lachen.
„Und natürlich darf der alte Knacker nicht fehlen.“
Er beugte sich ein wenig zu ihr vor und verengte sein verbliebenes Auge gespielt misstrauisch.
„Weißt du, Mina … ich beginne langsam zu glauben, dass deine größte Motivation für ein Wiedersehen darin besteht, mich weiterhin wegen meines Alters aufzuziehen.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Aber ich werde mich revanchieren. Warte nur ab.“
Er richtete sich wieder auf und verschränkte die Arme.
„Und was das Vergessen betrifft …“
Sein Ausdruck wurde für einen Moment ehrlicher und weicher.
„Ich glaube nicht, dass ich dich so schnell vergessen werde.“
Eine kurze Pause, dann hob sich sein Mundwinkel wieder.
„Dafür bist du viel zu auffällig.“
Er deutete auf ihr weißes Haar.
„Eine weißhaarige Miqo'te mit grünen Augen, einem viel zu großen Stab zu Hause, einer Vorliebe für Kaffee, Badehäuser, Fantasyromane und gefährliche Gewässer.“
Er zählte an den Fingern weiter.
„Und neuerdings auch mit einer beeindruckenden Sammlung an Beleidigungen für ältere Herren.“
Er lachte leise.
„Nein. Ich denke, dich würde ich tatsächlich wiedererkennen.“
Mina erhob sich lachend.
„Na, dann bin ich ja beruhigt.“
Sie klopfte sich den Rock ab.
„Sei froh, dass es mich nur einmal gibt. Überleg mal, was es für ein Chaos herrschen würde auf der Welt, wenn es mich mehrmals geben würde.“
Sie grinste.
„Schon alleine davon würde die Welt sicher untergehen.“
Dann fügte sie hinzu:
„Und außerdem, der werte ältere Herr, wir nehmen uns beide schon die ganze Zeit gegenseitig hops. Ich mit den Verehrerinnen, du mit den Steinen und dem See.“
G'raha erhob sich ebenfalls und sah Mina dabei zu, wie sie ihren Rock glattstrich. Bei ihrer Vorstellung von mehreren Minas bekam er einen ausgesprochen nachdenklichen Gesichtsausdruck.
„Moment … mehrere Minas?“
Er legte eine Hand ans Kinn.
„Du hast recht. Das wäre vermutlich tatsächlich gefährlicher als die meisten Katastrophen, die ich bisher erlebt habe.“
Ein breites Grinsen.
„Eine Mina in jedem Badehaus, eine in jeder Bibliothek, eine, die überall nach Kaffee sucht, und mindestens drei, die gleichzeitig auf unbekannte Gewässer zulaufen.“
Er schüttelte gespielt entsetzt den Kopf.
„Nein. Eorzea wäre verloren.“
Dann deutete er auf sie.
„Und was das gegenseitige Aufziehen betrifft …“
Er nickte anerkennend.
„Da hast du mich erwischt. Wir nehmen uns wirklich nichts.“
Sein Grinsen wurde schelmisch.
„Du hast deine Verehrerinnen-Theorie, ich habe meine Stein-und-See-Geschichte. Ich denke, damit sind wir quitt.“
Er verschränkte die Arme.
„Wobei ich noch immer der Meinung bin, dass meine Version der Ereignisse wesentlich realistischer ist.“
Sein Blick fiel auf ihren Zweig.
„Du hingegen bist eindeutig eine Gefahr für jeden Baum in Gridania.“
Er lachte leise.
„Aber vielleicht ist genau das der Grund, weshalb ich dich so gerne aufziehe.“
Für einen Moment wurde sein Blick warm.
„Es macht Spaß, mit dir zu reden.“
Dann deutete er in Richtung des Weges.
„Aber bevor wir hier noch eine philosophische Abhandlung über die Gefahren multipler Minas verfassen … sollten wir vielleicht langsam zurückgehen.“
Ein schelmisches Funkeln.
„Oder hast du noch irgendeine weitere Katastrophe geplant, bevor wir die Lichtung verlassen?“
„Nope. Für heute stehen keine weiteren Katastrophen in meinem Terminkalender.“
Mina schüttelte den Kopf.
„Und die Bäume haben auch wieder Ruhe vor mir.“
Sie setzte sich in Bewegung.
„Und ich will dich auch nicht weiter aufhalten, bevor es dunkel wird und du zu spät zu deinem, was auch immer, kommst. Die warten ja schließlich. Auch wenn Papier geduldig ist.“
G'raha schmunzelte bei ihrer Bemerkung über ihren imaginären „Katastrophen-Terminplan“ und nickte anerkennend.
„Dann bin ich erleichtert. Für einen Tag sind genug Bäume verschont geblieben.“
Er warf einen kurzen Blick in Richtung des Waldes.
„Und du hast recht. Ich sollte mich tatsächlich langsam um meine Aufzeichnungen kümmern. Papier mag geduldig sein, aber manche Bibliothekare sind es erstaunlicherweise nicht.“
Er ging ein paar Schritte in Richtung des Weges, blieb dann aber stehen und drehte sich noch einmal zu Mina um.
„Aber du hältst mich nicht auf.“
Sein Tonfall war ehrlich.
„Im Gegenteil. Ich hatte ursprünglich vor, diesen Tag mit trockenen Aufzeichnungen und noch trockeneren historischen Berichten zu verbringen.“
Ein warmes Lächeln.
„Ich glaube, meine Zeit war wesentlich besser investiert, als ich erwartet hatte.“
Er deutete leicht auf ihren Ohrring.
„Und jetzt haben wir sogar eine Möglichkeit, uns wiederzufinden.“
Seine Ohren zuckten amüsiert.
„Also keine Ausreden. Wenn deine Prüfung vorbei ist, erwarte ich eine Nachricht.“
Er hob warnend einen Finger.
„Und zwar eine Nachricht, die nicht lautet: ‚G'raha, ich habe einen wunderschönen See gefunden und bin bereits hineingesprungen.‘“
Ein breites Grinsen.
„Abgemacht?“
Mina folgte G'raha.
„Na, die Seen und Flüsse hier hab ich schon ausreichend mit meiner Anwesenheit beehrt.“
Sie grinste.
„Langsam brauch ich mal wieder was Neues. Also hab ich gar keine andere Wahl, als dir so eine Nachricht zukommen zu lassen, wenn ich neues Nass erkunden will.“
G'raha lachte leise, während er neben Mina den Weg zurück einschlug. Bei ihrer Bemerkung über „neues Nass“ schüttelte er amüsiert den Kopf.
„Ich sehe schon, ich habe mir mit der Kontaktperle selbst ein kleines Problem geschaffen.“
Er warf ihr einen Seitenblick zu.
„Aber gut. Wenn du schon unbedingt neue Gewässer erkunden musst, dann möchte ich wenigstens vorher davon erfahren.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Und vielleicht kann ich dir dann sogar sagen, ob es dort irgendetwas gibt, das dich auffressen könnte.“
Er hob einen Finger.
„Oder dich in eine andere Dimension befördert.“
Ein kurzer, schelmischer Blick.
„Man weiß schließlich nie. Bei dir scheint das Abenteuer ja förmlich anzuklopfen.“
Er ging ein paar Schritte weiter, ehe er sich wieder halb zu ihr drehte.
„Aber wenn du wirklich etwas Neues sehen möchtest, muss es ja nicht immer Wasser sein.“
Sein Blick wurde neugierig.
„Es gibt noch unzählige Orte, die du vermutlich nicht kennst. Alte Ruinen, versteckte Täler, kleine Dörfer … und sogar Gegenden außerhalb der drei großen Städte.“
Ein warmes Lächeln.
„Wenn deine Prüfung geschafft ist, können wir uns gemeinsam überlegen, wohin es gehen soll.“
Dann fügte er mit einem Grinsen hinzu:
„Und ich verspreche dir, vorher nachzusehen, ob der See tatsächlich sicher ist.“
Bei seinen Worten wurde Mina doch etwas bleich um die Nase.
„Ach du Schreck, daran hab ich gar nicht gedacht. Andere Dimensionen, sagst du?“
Sie dachte kurz darüber nach.
„Na ja, wenn du sogar aus der Zukunft kommst, dann ist das gar nicht so abwegig.“
Dann wurde ihr Ausdruck wieder ruhiger.
„Die Unterhaltung und deine Gesellschaft haben mir wirklich Spaß gemacht. Hätte nicht gedacht, dass ich mal jemanden treffe, der sofort meine Witze und Anspielungen kontert, ohne gleich beleidigt zu sein.“
G'raha bemerkte sofort, wie Mina bei seiner Bemerkung über andere Dimensionen blasser wurde. Seine Ohren zuckten amüsiert, und er hob beschwichtigend eine Hand.
„Keine Sorge. Ich werde dich schon nicht in irgendeine andere Dimension springen lassen.“
Ein schiefes Grinsen.
„Zumindest nicht absichtlich.“
Er ließ ihr einen Moment, bevor er bei ihren letzten Worten wieder etwas ernster wurde. Sein Blick blieb warm auf ihr ruhen.
„Das Kompliment kann ich nur zurückgeben.“
Er ging noch ein paar Schritte, bevor er langsamer wurde.
„Es ist tatsächlich selten, jemanden zu treffen, mit dem man sich so schnell so ungezwungen unterhalten kann.“
Sein Schweif schwang ruhig hinter ihm.
„Und du hast eine ganz eigene Art, jemanden aus der Reserve zu locken.“
Ein leises Lachen.
„Ich glaube, die meisten Menschen hätten mich nach der Hälfte unserer Unterhaltung längst für einen völlig verrückten Bücherwurm gehalten.“
Er sah sie von der Seite an.
„Du hast mich stattdessen zum alten Knacker, zum Gewässerprüfer und beinahe zum Helden einer kitschigen Prinzengeschichte gemacht.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Ich kann mich also wohl kaum beschweren.“
Als sie den Weg weitergingen, wurde sein Tonfall etwas ruhiger.
„Und ehrlich gesagt …“
Er sah kurz zu ihr.
„… hat mir deine Gesellschaft ebenfalls sehr viel Spaß gemacht.“
Ein kleines, aufrichtiges Lächeln.
„Ich bin froh, dass ich heute von meinem ursprünglichen Weg abgewichen bin.“
Er deutete mit dem Kopf auf ihren Ohrring.
„Sonst hätte ich jetzt vermutlich immer noch keine Ahnung, dass es in Gridania eine weißhaarige Miqo'te gibt, die Kaffee liebt, Bücher verschlingt, jeden See persönlich kennenlernen möchte und Steine auf Bäume wirft.“
Sein Auge funkelte.
„Das wäre schließlich eine ausgesprochen große Wissenslücke gewesen.“
Mina kicherte bei seinen Aufzählungen.
„Du kannst es nicht sein lassen, oder?“
Sie schüttelte grinsend den Kopf.
„Alle meine großen Eigenschaften so hervorzuheben.“
Sie hob das Kinn an.
„Aber mal ernsthaft, danke, dass du von deinem Weg abgewichen bist. Ich hoffe, wir haben noch viele schöne, lachende Erinnerungen.“
Sie grinste.
„Und wenn es ist, wie du mich mit einem Ast aus einem Teich angelst.“
Dann kam ihr eine Frage.
„Aber sag mal, wie lange bleibst du in Gridania?“
G'raha lachte leise und schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich fürchte, damit werde ich so schnell nicht aufhören.“
Sein Blick wanderte kurz zu Mina, und ein warmes Lächeln blieb auf seinem Gesicht.
„Schließlich muss ich mir doch merken, wen ich da kennengelernt habe. Und deine ‚großen Eigenschaften‘ sind nun einmal schwer zu übersehen.“
Bei ihrer Bemerkung über die gemeinsamen Erinnerungen wurde sein Ausdruck etwas ruhiger.
„Das hoffe ich ebenfalls.“
Er ließ den Blick über den Weg vor ihnen schweifen.
„Und wenn eine davon tatsächlich damit endet, dass ich dich mit einem Ast aus einem Teich fischen muss …“
Ein Grinsen.
„… dann werde ich mich vermutlich noch Jahre später daran erinnern.“
Bei ihrer letzten Frage dachte er kurz nach.
„Ich werde noch einige Tage in Gridania bleiben. Meine Nachforschungen hier sind noch nicht abgeschlossen.“
Er hob leicht die Schultern.
„Danach weiß ich noch nicht genau, wohin es mich verschlägt. Vermutlich werde ich weiterreisen. Vielleicht nach Ul'dah, vielleicht nach Limsa Lominsa … oder irgendwohin, wo eine interessante Spur auftaucht.“
Er sah sie von der Seite an.
„Aber dank unserer Kontaktperlen musst du dich nicht darauf verlassen, dass wir uns zufällig wieder über den Weg laufen.“
Sein Lächeln wurde etwas schelmisch.
„Wenn du möchtest, können wir uns in den nächsten Tagen noch einmal treffen, bevor ich Gridania verlasse.“
Er hob eine Augenbraue.
„Natürlich nur, wenn du deine Prüfungsvorbereitungen dafür nicht vernachlässigst. Ich möchte schließlich nicht schuld sein, wenn dein Lehrmeister am Ende tatsächlich verzweifelt.“
Mina strahlte, als er den Vorschlag machte, sich noch einmal zu treffen.
„Das würde mich freuen. Und meine Prüfung liegt noch etwas in der Ferne. Ich hab noch einen Weg vor mir.“
Sie betrachtete ihren Zweig, bevor sie ihn verstaute.
„Das mit dem gemeinsamen Abenteuer muss noch etwas warten, so schnell geht das nicht, der Herr.“
Dann kam ihr ein anderer Gedanke.
„Aber wenn du sagst, du reist dahin, wo es dich hinzieht, hast du denn gar keinen festen Wohnsitz?“
G'rahas Blick fiel kurz auf Minas strahlendes Gesicht, und seine Ohren zuckten zufrieden. Es war offensichtlich, dass ihn ihre Freude über das geplante Wiedersehen ebenfalls freute.
„Dann machen wir es so. Ich werde in den nächsten Tagen auf meine Kontaktperle achten.“
Er schmunzelte.
„Und keine Sorge, ich erwarte nicht, dass du deine Prüfung über Nacht bestehst. Ich kann mich ausnahmsweise in Geduld üben.“
Bei ihrer Frage nach seinem Wohnsitz hob er leicht die Augenbrauen.
„Einen festen Wohnsitz?“
Er überlegte kurz.
„Nicht wirklich. Zumindest keinen, den man als gewöhnliches Zuhause bezeichnen könnte.“
Sein Blick wanderte über den Weg.
„Ich bin durch meine Reisen daran gewöhnt, dort zu schlafen, wo es sich gerade ergibt. Ein Zimmer in einem Gasthaus, ein Quartier bei Freunden … manchmal auch einfach irgendwo, wo es halbwegs trocken und sicher ist.“
Ein kleines Grinsen.
„Obwohl ich inzwischen einige Orte habe, an denen ich mich jederzeit willkommen fühlen darf.“
Er sah wieder zu Mina.
„Aber ein eigenes Haus, zu dem ich nach jeder Reise zurückkehre? Nein.“
Für einen Moment wurde sein Gesicht nachdenklicher.
„Vielleicht liegt das daran, dass ich so lange unterwegs war. Wenn man einmal gelernt hat, dass ein Zuhause auch ein Ort sein kann, der längst vergangen ist … dann fühlt sich der Begriff irgendwann etwas anders an.“
Dann hellte sich sein Ausdruck wieder auf.
„Aber ich beschwere mich nicht. Reisen hat seine Vorteile.“
Ein schelmisches Funkeln.
„Zum Beispiel kann ich jederzeit behaupten, dass ich nur deshalb wieder nach Gridania komme, weil ich hier noch wichtige Forschungsarbeit zu erledigen habe.“
Er sah Mina an.
„Und nicht etwa wegen einer gewissen weißhaarigen Miqo'te, die mich ständig einen alten Knacker nennt.“
Mina schüttelte grinsend den Kopf.
„Ach, auf so eine Idee würdest du doch niemals kommen.“
Dann sah sie auf seine Augenklappe.
„Also, dass du nicht als Pirat durchgehst bei deiner Augenklappe, wundert mich schon die ganze Zeit. Aber mich stört es nicht.“
Sie grinste.
„Du hast sicher mehr Treffsicherheit auf einem Auge als ich auf beiden zusammen.“
G'raha blieb für einen Moment stehen und starrte Mina mit gespielter Empörung an. Dann wanderte seine Hand langsam zu seiner Augenklappe.
„Ein Pirat?“
Er zog eine Augenbraue hoch.
„Ich hatte gehofft, meine Bücherkenntnisse und meine ausgesprochen vornehme Ausdrucksweise würden mich davor bewahren, für einen Piraten gehalten zu werden.“
Ein breites Grinsen.
„Aber jetzt, wo du es erwähnst …“
Er legte eine Hand an die Hüfte und nahm eine übertrieben selbstbewusste Haltung ein.
„Kapitän G'raha Tia. Schrecken der sieben Meere. Bezwinger uralter Ruinen. Finder verlorener Schätze.“
Er deutete mit dramatischer Geste auf ihren Zweig.
„Und gefürchteter Beschützer vor fliegenden Steinen.“
Er hielt kurz inne und musste selbst lachen.
„Nein. Ich glaube, als Pirat würde ich keine besonders gute Figur machen.“
Bei ihrer Bemerkung über seine Treffsicherheit sah er sie mit einem schelmischen Funkeln an.
„Das ist eine ziemlich niedrige Messlatte, Mina.“
Er grinste.
„Aber ich nehme das trotzdem als Kompliment.“
Er ging weiter und warf ihr einen Seitenblick zu.
„Wobei ich zugeben muss: Mit nur einem Auge zu zielen hat seine Vorteile. Man lernt irgendwann, sich auf andere Dinge zu verlassen.“
Er deutete auf sie.
„Du hingegen hast zwei Augen und trotzdem schaffst du es, einen Baum zu treffen, der groß genug ist, dass selbst ein betrunkener Kobold ihn nicht verfehlen könnte.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Vielleicht sollten wir bei unserem ersten Abenteuer einfach die Rollen tauschen. Du suchst die Ruinen und ich übe das Steinewerfen.“
Er lachte leise.
„Obwohl … vielleicht überlasse ich das doch lieber dir.“
Mina schüttelte den Kopf.
„Hättest du das jetzt nicht mit den Steinen erwähnt, hätte ich dir das sogar abgenommen, den Piraten.“
Sie zuckte mit den Schultern und schlug G'raha dann spielerisch leicht mit der Faust gegen die Schulter.
„Jetzt wird der einäugige Knacker noch frech hier.“
Sie schaute ihn von der Seite an.
„Na, das kann ja was werden mit dir auf Abenteuer zu gehen. Vielleicht überleg ich mir das nochmal.“
G'raha ließ sich von dem leichten Schlag gegen die Schulter ein wenig zur Seite taumeln und legte sich gespielt empört eine Hand an die Brust.
„Autsch! Siehst du? Kaum verliert man ein Auge, schon wird man von jungen Miqo'te körperlich angegriffen.“
Seine Mundwinkel zuckten, bevor er sich das Lachen nicht mehr verkneifen konnte.
„Und jetzt drohst du mir auch noch damit, unser Abenteuer abzusagen?“
Er sah sie von der Seite an, ein schelmisches Funkeln in seinem verbliebenen Auge.
„Das wäre ausgesprochen schade. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, jemanden dabei zu haben, der mich zuverlässig in unbekannte Gewässer lockt.“
Er machte eine kurze Pause und fügte trocken hinzu:
„Und mir anschließend die Schuld dafür gibt.“
Sein Schweif schwang amüsiert hin und her.
„Aber gut. Wenn du es dir wirklich anders überlegen möchtest, werde ich dich natürlich nicht zwingen.“
Er beugte sich ein kleines Stück zu ihr.
„Nur solltest du bedenken, dass du dann jemanden finden musst, der dir bei deinen Zaubern hilft.“
Ein selbstzufriedenes Grinsen.
„Und jemanden, der deine Steine freiwillig als Zielscheiben überlebt.“
Er richtete sich wieder auf.
„Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg bei der Suche.“
Dann konnte er sich ein leises Lachen nicht verkneifen.
„Obwohl … ich habe so eine Vermutung, dass du mich ohnehin wieder über deine Kontaktperle belästigen wirst.“
Mina verschränkte gespielt im Gehen die Arme vor der Brust.
„Ich bin beliebter bei den Männern als du wohl bei den Frauen. Da würde sich schon Ersatz für dich finden lassen.“
Dann sah sie zu G'raha auf.
„Nur ob ich mit dem genauso viel Spaß hätte wie mit dir, bezweifle ich mal stark.“
Sie betrachtete ihn.
„Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du frech bist?“
G'raha legte eine Hand an die Brust und setzte eine zutiefst betroffene Miene auf.
„Beliebter bei den Männern als ich bei den Frauen? Das klingt ja beinahe nach einer Herausforderung.“
Seine Ohren zuckten amüsiert, und ein schelmisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Aber du hast gerade selbst zugegeben, dass ein Ersatz für mich vermutlich nicht dieselbe Unterhaltung bieten würde.“
Er deutete leicht auf sie.
„Damit hast du mein Argument doch gerade selbst bestätigt.“
Bei ihrer Frage blieb er kurz stehen und sah sie mit gespielter Nachdenklichkeit an.
„Hat mir das schon einmal jemand gesagt?“
Er legte einen Finger ans Kinn.
„Oh, bestimmt.“
Eine kurze Pause.
„Mehr als einmal.“
Dann grinste er sie an.
„Aber weißt du, was das Schlimmste daran ist?“
Er ging wieder weiter.
„Ich glaube, ich werde gerade erst richtig frech, seit ich dich kennengelernt habe.“
Sein Schweif schwang locker hinter ihm.
„Vielleicht bist du ansteckend.“
Er warf ihr einen Seitenblick zu.
„Also solltest du dich besser nicht zu sehr beschweren. Schließlich hast du selbst gesagt, dass du gerne Leute aufziehst, die du sympathisch findest.“
Ein warmes, verschmitztes Lächeln.
„Und ich nehme das als ausgesprochen gutes Zeichen.“
„Grr, Mist, da hab ich mir selber ein Ei gelegt.“
Mina grinste.
„Ja, hast ja recht. Ich geb auf. Aber ich mag diese freche Art. Ich bring dir noch richtig blödsinnige Sachen bei, wenn du sie bei mir abschaust.“
Sie hatte seit Langem nicht mehr so viel Spaß gehabt.
G'raha musste bei ihrem gespielten Ärger leise lachen. Seine Ohren wippten amüsiert, während er neben ihr weiterging.
„Ein Ei gelegt, hm? Dann werde ich mir das merken. Vielleicht kann ich diese Information bei unserem nächsten Streit gewinnbringend einsetzen.“
Er grinste breit, doch bei ihren letzten Worten wurde sein Blick wieder etwas wärmer.
„Aber ich glaube, das Schönste daran ist, dass du gerade selbst ganz anders wirkst als vorhin.“
Seine Stimme wurde ruhiger.
„Du hast erzählt, dass du lange gebraucht hast, um wieder so zu werden, wie du heute bist. Und jetzt läufst du hier neben mir herum, machst dich über einen hundertjährigen Kater lustig und bringst ihm Unsinn bei.“
Er lächelte.
„Ich glaube, das steht dir.“
Nach einem kurzen Moment fügte er mit einem Grinsen hinzu:
„Aber bitte fang nicht damit an, mir beizubringen, wie man in Badehäusern Ärger bekommt. Ich fürchte, dafür bist du bereits viel zu gut ausgebildet.“
Mina wedelte mit dem Finger.
„Ich bin daran schuld, wenn du Blödsinn baust? Nein, mein Lieber. Dafür hast du dich dann selber entschieden, meinen Blödsinn nachzumachen.“
Sie grinste.
„Na, das mit dem Ärger findest du mal schön selber heraus. Ich habe bisher bei keinem Badehaus Hausverbot bekommen. Also, wenn du das schaffst, verleih ich dir einen Orden.“
G'raha hob bei ihrem erhobenen Finger beide Hände, als würde er sich ergeben. Ein breites Grinsen lag auf seinem Gesicht.
„Ah, ich verstehe. Du gibst mir also großzügigerweise die Anleitung zum Unfug und überlässt mir anschließend die vollständige Verantwortung.“
Er nickte langsam.
„Sehr geschickt. Ich glaube, ich sollte wirklich aufpassen, was ich von dir lerne.“
Bei ihrer Herausforderung hob sich seine Augenbraue.
„Ein Orden?“
Sein Schweif zuckte amüsiert.
„Du unterschätzt meine Fähigkeiten gewaltig, Mina. Ich habe uralte Ruinen betreten, verbotene Geheimnisse erforscht und mich mit Dingen angelegt, die mich mit Leichtigkeit hätten umbringen können.“
Er machte eine kurze Pause.
„Aber ein Badehaus dazu zu bringen, mir Hausverbot zu erteilen …“
Er legte sich nachdenklich eine Hand ans Kinn.
„Das könnte tatsächlich meine bisher größte Herausforderung werden.“
Dann grinste er sie von der Seite an.
„Allerdings habe ich nicht vor, mich absichtlich daneben zu benehmen. Dafür bin ich viel zu neugierig darauf, was du dort eigentlich so interessant findest.“
Sein Blick wurde schelmisch.
„Und wenn ich am Ende tatsächlich einen Orden von dir bekomme, erwarte ich, dass du ihn mir höchstpersönlich überreichst.“
Er deutete auf sie.
„Mit einer feierlichen Ansprache. Und natürlich einer Erwähnung meiner beeindruckenden Leistung.“
Ein leises Lachen.
„Aber bis dahin bleibe ich lieber der brave, bücherliebende alte Knacker.“
Mina schaute G'raha prüfend an.
„Ich glaub, den hab ich auch lieber. Lieber ein alter, stinklangweiliger Opa als einer, der nur Ärger macht. Sowas brauch ich nicht.“
Ihr Schweif wedelte zustimmend.
G'raha blieb für einen Moment stehen und sah Mina mit hochgezogener Augenbraue an. Dann legte sich ein gespielt beleidigter Ausdruck auf sein Gesicht.
„Stinklangweilig? Opa?“
Er deutete auf sich selbst.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich heute bereits mehrfach bewiesen habe, dass ich keineswegs langweilig bin.“
Ein kleines Grinsen konnte er sich allerdings nicht verkneifen.
„Und was das ‚Opa‘ betrifft …“
Er verschränkte die Arme und musterte sie gespielt streng.
„… ich werde dich daran erinnern, sobald du selbst einmal ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel hast.“
Seine Ohren zuckten amüsiert.
„Aber gut. Wenn du den langweiligen, bücherliebenden alten Knacker bevorzugst, werde ich mich wohl bemühen, diese Erwartungen zu erfüllen.“
Er ging wieder weiter und warf ihr einen Seitenblick zu.
„Nur beschwer dich später nicht, wenn ich plötzlich anfange, dir Vorträge über Geschichte zu halten.“
Eine kurze Pause.
„Sehr lange Vorträge.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Mit Fußnoten.“
Mina verdrehte die Augen.
„Zum Glück hab ich zwei Ohren.“
Sie wackelte demonstrativ mit ihnen.
„Ins eine rein, aus dem anderen raus. Da kannst du stundenlang Monologe führen, bis dir die Spucke ausgeht. Man kann auch auf Durchzug schalten, weißt du.“
Sie grinste ihn frech an.
G'rahas Ohren zuckten bei ihrer demonstrativen Vorführung, und er starrte sie einen Moment lang an. Dann musste er unwillkürlich lachen.
„Ach, so läuft das also?“
Er legte eine Hand ans Kinn und tat nachdenklich.
„Dann verbringe ich also Stunden damit, dir von alten Zivilisationen zu erzählen, während du innerlich längst beschlossen hast, mich einfach auszublenden.“
Er schüttelte amüsiert den Kopf.
„Das ist ausgesprochen respektlos gegenüber einem Gelehrten.“
Sein Grinsen verriet allerdings, dass er ihr das keineswegs übel nahm.
„Aber gut. Dann habe ich wenigstens eine Herausforderung.“
Er deutete auf ihre Ohren.
„Ich muss nur etwas finden, das interessant genug ist, damit dein berühmter Durchzug nicht funktioniert.“
Sein Schweif schwang locker hin und her.
„Und wenn ich es schaffe, dass du freiwillig länger als fünf Minuten meinem Vortrag über Geschichte zuhörst, dann darfst du mich ausnahmsweise einen ‚alten Knacker‘ nennen.“
Er hielt kurz inne.
„Na gut. Du darfst es sowieso.“
Ein breites, schelmisches Grinsen.
„Aber ich werde trotzdem versuchen, dich irgendwann mit meinem Wissen zu überraschen.“
„Na, da wünsch ich dir gutes Gelingen“, grinste Mina schelmisch.
Dann wechselte sie das Thema.
„Sag mal, hast du eigentlich eine feste Gruppe, mit der du reist, oder ist das immer unterschiedlich?“
Sie sah ihn an.
„Sorry für den Themenwechsel, aber manchmal schießen mir solche Gedanken durch den Kopf oder auch erst Stunden später die Fragen, die ich hätte stellen wollen oder sollen, und sie fallen mir dann ein, wenn es schon lange zu spät ist.“
G'raha winkte bei ihrer Entschuldigung lächelnd ab.
„Du musst dich dafür wirklich nicht entschuldigen. Gedanken halten sich schließlich nicht an eine Reihenfolge. Und wenn dir eine Frage erst später einfällt, kannst du sie mir genauso gut dann stellen.“
Seine Ohren zuckten leicht.
„Außerdem mag ich es, dass du einfach fragst, was dir gerade durch den Kopf geht. Das macht ein Gespräch doch erst interessant.“
Er dachte kurz über ihre eigentliche Frage nach.
„Eine feste Gruppe … nun, nicht wirklich. Ich habe einige Gefährten, mit denen ich immer wieder unterwegs bin. Menschen, auf die ich mich verlassen kann und mit denen ich schon einiges erlebt habe.“
Ein warmes Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Aber wir reisen nicht ständig alle gemeinsam. Jeder hat seine eigenen Aufgaben, Verpflichtungen und Ziele. Manchmal kreuzen sich unsere Wege, manchmal bin ich eine ganze Weile allein unterwegs.“
Er sah kurz nach vorne, ehe er Mina wieder ansah.
„Und manchmal trifft man eben völlig unerwartet jemanden, mit dem man eigentlich gar nicht gerechnet hat.“
Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge.
„So wie heute.“
Er ließ einen Moment verstreichen.
„Also nein, du hast mich mit deiner Frage keineswegs aus dem Konzept gebracht.“
Ein leises Lachen.
„Und falls dir morgen beim Frühstück plötzlich einfällt, dass du mich heute noch etwas fragen wolltest, darfst du mich ruhig kontaktieren.“
Er deutete auf ihren Ohrring.
„Dafür haben wir die Perle schließlich.“
Mina lächelte.
„Und ich bin froh, dass heute einer dieser Tage war.“
Dann drohte sie spielerisch:
„Aber eines sag ich dir: Wenn ich mitkomme auf Abenteuer, häng ich dir die ganze Zeit am Hacken. Da ist dann nichts mehr mit alleine reisen.“
Sie hob warnend einen Finger.
„Ich will es nur mal klarstellen.“
G'raha hob bei ihrer „Drohung“ überrascht die Augenbraue. Dann breitete sich langsam ein amüsiertes Grinsen auf seinem Gesicht aus.
„Ach? Du kündigst also bereits an, dass ich dich nicht mehr loswerde?“
Er legte gespielt nachdenklich eine Hand ans Kinn.
„Das ist eine ziemlich gewagte Drohung, Mina.“
Sein Schweif schwang locker hin und her.
„Aber wenn ich ehrlich bin …“
Er sah sie von der Seite an, und sein Grinsen wurde etwas wärmer.
„… würde es mir vermutlich nicht besonders schwerfallen, mich daran zu gewöhnen.“
Er ging ein paar Schritte weiter.
„Nur damit das klar ist: Wenn du mitkommst, bedeutet das nicht, dass du die ganze Zeit hinter mir herlaufen musst. Du bist meine Gefährtin, nicht meine Anhängerin.“
Er tippte sich leicht an die Stirn.
„Und wenn du irgendwann etwas entdecken möchtest, das mich ebenfalls neugierig macht, dann laufen wir eben gemeinsam dorthin.“
Ein schelmisches Funkeln.
„Allerdings solltest du dich darauf einstellen, dass ich dir genauso am Hacken hängen werde, wenn du plötzlich beschließt, irgendeinen geheimnisvollen Ort alleine zu erkunden.“
Er hob warnend einen Finger.
„Das gilt insbesondere für Gewässer.“
Dann lachte er leise.
„Ich glaube, wir haben gerade eine ziemlich eigenartige Reisegemeinschaft gegründet, ohne überhaupt eine Reise begonnen zu haben.“
Mina kicherte, während sie langsam wieder die belebteren Straßen Gridanias betraten.
Stimmen, Schritte und das Rascheln der Blätter mischten sich wieder zu dem angenehmen Hintergrundrauschen der Stadt.
„Ja, aber es macht doch Spaß, so rumzuspinnen und sich auszumalen, was wäre, oder?“
Sie blieb stehen und wirbelte zu G'raha herum.
„Irgendwie hatte ich geahnt, dass du die Gewässer nicht in Ruhe lässt.“
G'raha blieb ebenfalls stehen. Bei ihrer Bemerkung über die Gewässer legte er gespielt unschuldig den Kopf schief.
„Was? Ich? Ich lasse die Gewässer doch vollkommen in Ruhe.“
Eine kurze Pause.
Dann konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Na gut. Vielleicht interessiert mich einfach, was sich darin befindet.“
Er hob die Hände.
„Aber ja, du hast recht. Es macht Spaß, sich auszumalen, was wäre.“
Sein Blick wanderte kurz über den belebten Platz.
„Gerade weil man im wirklichen Leben nie genau weiß, was als Nächstes passiert. Manchmal ist ein kleines Gedankenspiel viel angenehmer, als ständig alles vorherplanen zu müssen.“
Er sah wieder zu Mina.
„Und manchmal entstehen aus solchen Spinnereien tatsächlich Pläne.“
Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge.
„Wer weiß? Vielleicht stehen wir irgendwann tatsächlich irgendwo weit außerhalb Gridanias, du mit deinem großen Stab und ich mit meinen Büchern …“
Er deutete auf sie.
„… und du entdeckst einen See.“
Er hob warnend einen Finger.
„Dann sehe ich dich nur an.“
Eine kurze Pause.
„Und du weißt genau, was ich sagen werde.“
Er grinste.
„‚Mina. Erst prüfen. Dann springen.‘“
Mina kicherte.
„Okay, das wird echt zu unserem Gag. Wenn uns jemand hört und den Kontext nicht versteht, will ich nicht die vielen Fragezeichen sehen.“
Dann wurde ihre Stimme ruhiger.
„Es hat mir heute wirklich sehr viel Spaß gemacht, G'raha. Danke, ehrlich.“
G'raha lachte leise und schüttelte den Kopf.
„Oh, daran habe ich keinen Zweifel. Irgendwann wird jemand zufällig ‚Gewässer‘ sagen und wir sehen uns beide nur an, während der arme Kerl danebensteht und sich fragt, was zur Hölle zwischen uns vorgefallen ist.“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Vielleicht sollten wir irgendwann eine Liste all unserer seltsamen Insider anlegen. Obwohl …“
Er legte nachdenklich einen Finger ans Kinn.
„… bei uns beiden wäre die vermutlich schon nach dem ersten gemeinsamen Abenteuer ziemlich lang.“
Als Mina dann ruhiger wurde, verschwand auch sein schelmisches Grinsen ein wenig. Er sah sie aufmerksam an und lächelte ehrlich.
„Du musst mir nicht danken.“
Er machte eine kleine Pause.
„Aber ich nehme es trotzdem gerne an.“
Seine Ohren bewegten sich leicht, während er sie betrachtete.
„Mir hat es ebenfalls sehr viel Spaß gemacht, Mina. Mehr, als ich erwartet hätte, als ich heute Morgen losgegangen bin.“
Er sah kurz über den belebten Platz und dann wieder zu ihr.
„Es war schön, einfach einmal zu lachen. Zu reden. Keine Ruinen, keine Weltrettung, keine uralten Prophezeiungen.“
Ein kleines, warmes Lächeln.
„Nur Kaffee, Äpfel, ein paar Steine … und eine ziemlich neugierige Miqo'te.“
Er schmunzelte.
„Ich hoffe, dass wir noch viele solcher Tage bekommen.“
Dann deutete er leicht auf ihren Ohrring.
„Und wenn dir morgen wieder irgendeine Frage einfällt, die du heute vergessen hast …“
Sein Grinsen kehrte zurück.
„… du weißt ja jetzt, wie du mich erreichst.“
Mina hatte die Hände ineinander verschränkt und drehte ihren Oberkörper leicht hin und her wie G'rahas Schweif.
„Ja, ich weiß. Du ebenfalls.“
Dann kam es unerwartet verlegen von ihr:
„Und wenn du sicher gehen möchtest, dass ich nicht in irgendeinem unbekannten Gewässer bin oder wehrlose Bäume mit Steinen abschieße, dann perl mich an.“
G'raha bemerkte die ungewohnt verlegene Art, wie Mina ihren Oberkörper hin und her bewegte. Seine Ohren zuckten leicht, und ein sanftes Lächeln legte sich auf sein Gesicht.
Diesmal machte er keinen Scherz daraus.
„Das werde ich mir merken.“
Er hob seine Kontaktperle ein wenig an, als wolle er ihr damit versichern, dass er ihre Worte ernst nahm.
„Vielleicht werde ich mich tatsächlich einmal melden. Nicht nur, um dich von einem besonders gefährlichen Gewässer fernzuhalten.“
Ein kleines Grinsen.
„Sondern einfach, um zu hören, wie es dir geht.“
Er ließ die Perle wieder sinken.
„Und falls du dich fragst, ob du mich ebenfalls jederzeit anperlen darfst …“
Er sah sie direkt an.
„Natürlich.“
Eine kurze Pause. Sein Ausdruck wurde noch etwas wärmer.
„Auch ohne einen See, einen Baum oder einen anderen Notfall als Vorwand.“
Dann schmunzelte er.
„Obwohl ich zugeben muss, dass ‚G'raha, ich habe einen unbekannten See gefunden‘ wahrscheinlich die interessanteste Nachricht wäre, die ich bekommen könnte.“
Sein Schweif bewegte sich ruhig hinter ihm.
„Also … bis zum nächsten Mal, Mina.“
Er hielt kurz inne und fügte mit einem vertrauten, schelmischen Lächeln hinzu:
„Und denk daran: Erst prüfen. Dann springen.“
Mina grinste bei seinen letzten Worten.
„Mach ich, versprochen. Bis dann, du alter Bücherwurm-Knacker.“
Sie grinste frech und drehte sich dann um.
Langsam verschwand sie in der Menge.
G'raha blieb noch einen Moment stehen und sah Mina nach, wie sie zwischen den Leuten verschwand. Seine Ohren zuckten, als ihre letzten Worte ihn erreichten.
„Bücherwurm-Knacker …“
Er schüttelte mit einem leisen Lachen den Kopf.
„Wirklich unglaublich.“
Doch das Lächeln blieb auf seinem Gesicht, während er noch einen Moment in die Richtung blickte, in der sie verschwunden war.
Er hatte ursprünglich lediglich einige Nachforschungen in Gridania anstellen wollen. Ein paar Aufzeichnungen, vielleicht ein Besuch in der Bibliothek – nichts Besonderes.
Stattdessen hatte er einen ganzen Nachmittag mit einer weißhaarigen Miqo'te verbracht, die ihn innerhalb weniger Stunden mit einem erstaunlichen Repertoire an Spitznamen bedacht hatte.
Und zu seiner eigenen Überraschung musste er feststellen, dass ihm ihre Gesellschaft ausgesprochen gutgetan hatte.
Seine Finger berührten kurz die Kontaktperle.
„Ich glaube, diese Bekanntschaft könnte noch interessant werden.“
Dann wandte er sich schließlich um und setzte seinen Weg fort.
Doch diesmal wirkte sein Schritt ein wenig leichter als zuvor.