2. Ein Abend im Badehaus
2. Ein Abend im Badehaus
Der Nachmittag in Gridania war inzwischen fast vollständig in den Abend übergegangen. Zwischen den Bäumen des Zwölfwalds lag bereits das warme, goldene Licht der untergehenden Sonne. Stimmen und Schritte erfüllten noch immer die Straßen, doch langsam wurde es ruhiger. Händler begannen, ihre Stände abzubauen, während aus einigen Häusern bereits der Duft des Abendessens drang.
Mina hatte sich inzwischen von G’raha verabschiedet. Zumindest vorerst. G’raha stand noch einen Moment dort, wo sie verschwunden war. Seine Ohren bewegten sich leicht, während sein Blick der weißhaarigen Miqo’te folgte, bis sie endgültig zwischen den Leuten und Bäumen außer Sicht geriet. Ein kleines Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „…Bis bald, Mina“, sagte er so leise, dass es niemand außer ihm hören konnte. Dann wandte er sich schließlich um.
Einige Zeit später erklang hinter ihm eine vertraute Stimme. „Du bist spät.“ G’rahas Ohren zuckten. Er war kaum ein paar Schritte gegangen, als er Alisaie bemerkte, die mit verschränkten Armen an einem Baum lehnte und ihn mit einem auffällig wissenden Grinsen musterte. G’raha blieb stehen. „Bin ich das?“
„Mhm.“
„Und woran genau machst du das fest?“
„Daran, dass du normalerweise nicht mitten in Gridania stehen bleibst und Löcher in die Luft starrst.“ G’raha blinzelte. „Ich habe nicht in die Luft gestarrt.“
„Natürlich nicht.“ Alisaies Grinsen wurde breiter. G’raha seufzte und setzte seinen Weg fort. „Du bist unerträglich.“ „Und trotzdem hast du mich vermisst.“
„Das habe ich nie gesagt.“
„Musste du auch nicht.“
Sie ging neben ihm her, während für ein paar Sekunden Schweigen herrschte. Dann sah Alisaie von der Seite zu ihm. „Also?“ G’raha hob eine Augenbraue. „Also was?“
„Wie war dein Nachmittag?“
„Angenehm.“
„Nur angenehm?“
„Ja.“
„Mit wem warst du unterwegs?“ G’raha blieb stehen, und Alisaie tat es ihm gleich. Ein paar Herzschläge lang sahen sie einander an, ehe G’raha seufzte. „…Du weißt es bereits.“
„Ich wollte nur hören, wie du es erzählst.“
„Alisaie.“
„G’raha.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Mina.“ Alisaies Gesicht erhellte sich sofort. „Aha!“
„Mach daraus bitte nichts.“
„Ich habe überhaupt nichts gesagt.“
„Dein Gesicht sagt genug.“
„Mein Gesicht?“
„Ja.“ Alisaie grinste.
„Dann muss ich wohl dringend lernen, mein Gesicht besser unter Kontrolle zu bekommen.“ G’raha verdrehte leicht die Augen, konnte sich ein Lächeln aber nicht verkneifen.
Noch bevor Alisaie etwas erwidern konnte, ertönte plötzlich eine weitere Stimme hinter ihnen. „Ihr beide solltet euch wohl eher Gedanken darüber machen, wer euch gerade beobachtet.“ Beide drehten sich um. Ein paar Schritte entfernt stand Y’shtola, die Arme locker vor der Brust verschränkt. Ihr Blick wanderte von Alisaie zu G’raha. Dann hob sie eine Augenbraue. „Und wenn ich mich nicht irre, habt ihr gerade einen ziemlich interessanten Gesichtsausdruck.“ G’rahas Ohren sanken ein Stück. „Oh nein.“ Alisaie begann zu lachen. Und irgendwo zwischen den Bäumen des Zwölfwalds nahm währenddessen eine kleine, unscheinbare Begegnung ihren Anfang, von der zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte, dass sie Mina schon bald wieder über den Weg laufen würde.
Beschwingt lief Mina den Weg entlang, der zu den Beeten führte, dabei ein Grinsen auf den Lippen. Doch bevor sie zu sich nach Hause ging, wollte sie noch bei jemandem vorbeischauen, um zu prüfen, ob dieser nicht schon in seiner Unordnung versunken war. So öffnete sie einfach die Eingangstür und lugte um eine Ecke. „Na, fleißig am Schreiben, Herr Schriftsteller?“, fragte sie.
Der weißhaarige Eleze blickte von seinem Schreibtisch auf, eine Zigarette zwischen den Lippen. „Was machst du denn hier, Kleines?“, fragte er und legte die Zigarette in den Aschenbecher, bevor er sich erhob, um Mina in eine Umarmung zu ziehen. „Wollte mal schauen, ob du nicht schon in dein Chaos versunken bist, Aki“, grinste sie zu dem Hochgewachsenen hinauf. „Keine Sorge, du weißt doch, dass Tachi sich gut darum kümmert, wenn ich im Rückstand bin“, sagte dieser und ließ sie wieder los.
„Ja, Tachi ist der beste Mann, den du heiraten konntest“, grinste sie breit. „Wo ist der eigentlich?“
„Arbeiten im Restaurant, hat heute Spätschicht“, erwiderte er und machte sich daran, nach unten zu gehen, um sich wohl einen Kaffee zu machen. Mina folgte ihm die Treppe hinunter. Mit der gefüllten Tasse in der Hand betrachtete der große Eleze sein Mündel Mina ausgiebig. „Hm, irgendwas ist passiert. Du strahlst so“, stellte er schließlich fest.
„Dir kann man aber auch nichts vormachen“, grinste sie und setzte sich an den Tisch. „Hatte gerade ’ne ganz witzige und interessante Unterhaltung mit jemandem.“
„Aha, erzähl mal.“ Aki setzte sich zu ihr, während sie ihrem besten und engsten Freund die Begegnung mit G’raha schilderte. Sie plauderten so lange, bis Akis Mann nach Hause kam und die beiden sich mit einem Kuss begrüßten. Zufrieden lächelnd beobachtete Mina, wie liebevoll die beiden miteinander umgingen. Sie freute sich für ihren Freund, dass er so glücklich mit seinem Mann war.
„Hört sich an, als hättest du heute viel Spaß gehabt, Mina“, wandte sich Aki dann wieder an sie. „Ja, das hatte ich. Mal sehen, wann ich ihn wiedersehe. Aber ich werde mich jetzt auch mal auf den Weg nach Hause machen“, erwiderte sie und erhob sich. Sie verabschiedete beide noch mit einer liebevollen und herzlichen Umarmung, bevor sie durch die Tür ging, auf dem Weg nach Hause und ins Bett zu fallen.
Mina hatte kaum die Tür hinter sich geschlossen, da kehrte im kleinen Haus wieder die vertraute Abendruhe ein. Aki blieb noch einen Moment im Eingangsbereich stehen und sah ihr nach. „Sie war wirklich ungewöhnlich gut gelaunt“, bemerkte Tachi, während er seinen Mantel ablegte. Aki schmunzelte. „Sehr.“
„Und?“
„Sie hat jemanden kennengelernt.“ Tachi hielt inne und sah seinen Mann mit einem amüsierten Ausdruck an. „Jemanden?“
„Mhm.“
„Und du weißt, wer?“ Aki grinste breit. „G’raha Tia.“ Tachi hob überrascht eine Augenbraue. „Der G’raha Tia?“
„Genau der.“
„Oh.“ Aki musste lachen. „Das war ungefähr auch meine Reaktion.“
Zur selben Zeit hatte Mina inzwischen den Weg zu ihrem eigenen Zuhause erreicht. Die kühle Abendluft strich durch ihr weißes Haar, während die Geräusche Gridanias langsam hinter ihr verblassten. Der Tag war eigentlich ganz gewöhnlich gewesen. Und doch musste sie immer wieder an dieses Gespräch zurückdenken. An diese roten Augen. An das aufrichtige Interesse in seiner Stimme. Und vor allem an seinen Gesichtsausdruck, als sie ihn wegen seiner Bücher aufgezogen hatte. Ein kleines Grinsen schlich sich erneut auf ihre Lippen.
Währenddessen hatte sich G’raha mit Alisaie und Y’shtola auf den Weg zurück gemacht. Alisaie war ungewöhnlich still. Viel zu still. G’raha kannte sie inzwischen gut genug, um zu wissen, dass das selten ein gutes Zeichen war. „Alisaie.“
„Hm?“
„Du denkst gerade nach.“
„Tue ich das nicht ständig?“
„Nicht auf diese Art.“ Sie sah ihn von der Seite an. „Du magst sie.“
G’raha stolperte beinahe über einen herausragenden Stein. Y’shtola, die einige Schritte vor ihnen ging, blieb stehen. „Alisaie.“
„Was?“
„Du könntest wenigstens versuchen, etwas weniger offensichtlich zu sein.“
„Ich bin überhaupt nicht offensichtlich.“
G’raha richtete sich wieder auf und räusperte sich. „Ich glaube, wir sollten über etwas anderes sprechen.“ Y’shtola wandte den Kopf leicht zu ihm. „Das ist vermutlich das Vernünftigste.“ Eine kurze Pause. Dann fügte sie trocken hinzu: „Obwohl ich zugeben muss, dass ich Alisaies Einschätzung nicht vollkommen abwegig finde.“
G’rahas Ohren gingen schlagartig nach oben. „Y’shtola!“ Alisaie brach in Gelächter aus. „Oh, das wird noch interessant.“ G’raha konnte nur seufzen. Doch trotz allem lag auch auf seinem Gesicht ein kleines, kaum zu übersehendes Lächeln. Denn ganz gleich, wie sehr seine Freunde ihn damit aufzogen … seine Gedanken wanderten wieder zu Mina zurück. Und zu der Frage, wann er sie wohl wiedersehen würde.
Ein paar Tage vergingen, in denen Mina fleißig übte, Bäume mit Steinen zu beschießen, mit der Technik, die G’raha ihr gezeigt hatte. Wie auch jetzt prallte der fünfzehnte Stein gegen die Rinde eines Baumes. „Und wie war das?“, fragte sie außer Atem, als sie sich umwandte und zu Firmien blickte, der entspannt an einem anderen Baum lehnte, die Arme locker vor der Brust verschränkt, und sie durch seine Brille beobachtet hatte.
„Du hast dich gemacht, kleine Rose“, nickte er. „Wenn du es noch schaffst, Wasser und Stein zu beherrschen, dann können wir bald die erste Prüfung abschließen, um dann weiter zuschreiten in deinem Unterricht“, kam es von dem Elezen. Er trat zu ihr und tätschelte ihr den Kopf.
Stolz blickte sie zu ihm hinauf. „Hab ja auch geübt wie eine Verrückte.“
„Übernimm dich aber nicht. Du hast noch nicht die Ausdauer, die du eigentlich haben solltest, woran es auch immer liegt.“
„Ja, versprochen, Professor.“
„Gut, dann war’s das für heute. Ruhe dich aus, Kleines“, wandte er sich mit diesen Worten zum gehen.
Zufrieden steckte Mina ihren Zweig ein und machte sich auf den Weg nach Hause. Dort trank sie erst einmal ausgiebig, während sie die Zeitung durchblätterte. Ihre Augen wurden groß, als sie auf die Seite mit den wöchentlichen Veranstaltungen kam. Was für ein Zufall. Langsam stellte sie ihr Wasserglas auf den Tisch und überlegte. War er noch in Gridania? Ob sie ihn vielleicht störte, wenn sie ihn jetzt anperlen würde? War es nicht zu aufdringlich? Sie schüttelte den Kopf und griff dann zu ihrer Perle am Ohrring. Ein klein wenig aufgeregt war sie schon, als die Perle seine Nummer zu wählen schien. Ob G’raha überhaupt dran gehen würde?
Die Perle an Minas Ohr begann leise zu schimmern. Ein kaum hörbares, magisches Klingen erfüllte den Raum, während die Verbindung hergestellt wurde. Einen Moment geschah gar nichts. Dann knackte die Verbindung. „Hallo?“ G’rahas Stimme. Sie klang ein wenig überrascht – als hätte er gerade nicht unbedingt mit Minas Anruf gerechnet. Im Hintergrund waren leise Stimmen und das Klappern von Geschirr zu hören. Offenbar befand er sich irgendwo, wo gerade reger Betrieb herrschte. „Mina?“ Ein kleines Lächeln lag plötzlich deutlich hörbar in seiner Stimme. „Bist du das?“
Für einen kurzen Moment sagte er nichts weiter, dann hörte Mina, wie er sich offenbar von den anderen entfernte. „Entschuldige. Ich bin gerade mit den anderen unterwegs.“ Eine kurze Pause. „Ist etwas passiert?“ Seine Stimme wurde etwas besorgter. „Du rufst doch nicht etwa an, weil du dich beim Üben verletzt hast?“ Im Hintergrund ertönte prompt Alisaies Stimme: „Wer ist es?“
„Niemand!“, antwortete G’raha viel zu schnell. Stille. Dann hörte Mina Alisaie deutlich sagen: „Aha.“ G’raha seufzte. „Ignorier sie.“
Eine weitere Stimme mischte sich ein. Y’shtola. „Wenn es niemand ist, warum klingt deine Stimme dann plötzlich so fröhlich?“
„Ich klinge nicht anders!“
„Natürlich nicht.“
G’raha räusperte sich und sprach wieder direkt zu Mina. „Verzeih mir.“ Er schien ein wenig verlegen. „Was führt dich zu mir?“ Seine Stimme wurde wieder wärmer. „Oder … wolltest du einfach nur hören, ob ich noch lebe?“ Ein leichtes, neckendes Lächeln schwang in seinen Worten mit. „Falls dem so ist, muss ich dich leider enttäuschen. Ich bin noch immer ausgesprochen lebendig.“ Kurz darauf hörte Mina Alisaie im Hintergrund leise murmeln: „Er flirtet.“
„Alisaie!“
„Was denn?“
G’raha schien kurz davor zu sein, im Boden zu versinken. „Ich glaube, ich sollte mir einen ruhigeren Ort suchen.“ Dann wurde seine Stimme wieder sanfter. „Also, Mina … warum hast du mich angerufen?“
Etwas verwirrt hörte sie die Stimmen im Hintergrund und hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht laut zu kichern. Dann räusperte sie sich. „Ach, schade, ich hatte schon gehofft, der alte Knacker hätte ins Gras gebissen“, erwiderte sie belustigt. „Aber wie ich wohl höre, melde ich mich zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, sagte sie und malte mit dem Finger Kreise auf die Tischplatte. „Ich hab gerade in der Zeitung gesehen, dass das Badehaus offen hat. Und dachte … na ja, dann eben ein anderes Mal. Ist ja nicht das letzte Mal, dass es offen hat. Irgendwann wird es schon passen, G’raha. Bist du überhaupt noch in Gridania?“
G’raha brauchte einen Moment, ehe er antwortete. „Der alte Knacker?“ In seiner Stimme lag deutlich hörbares Amüsement. „Ich nehme an, du meinst mich?“ Im Hintergrund war ein ersticktes Lachen zu hören. Alisaie hatte sich offenbar alle Mühe gegeben, nicht laut loszuprusten. „Oh, sie gefällt mir“, murmelte sie. „Alisaie …“ G’raha seufzte, doch Mina konnte sich beinahe vorstellen, wie seine Ohren dabei nach hinten klappten.
Als Mina jedoch vom Badehaus sprach, wurde er wieder aufmerksamer. „Warte.“ Eine kurze Pause. „Du wolltest mich ins Badehaus einladen?“ Seine Stimme klang plötzlich merklich wärmer. „Und ich glaube kaum, dass du mich gerade wirklich anrufst, um mir mitzuteilen, dass du einen anderen Termin gefunden hast.“ Ein leises Schmunzeln. „Außerdem …“ Man hörte, wie er sich offenbar irgendwohin bewegte. Die Stimmen der anderen wurden leiser. „Ja. Ich bin noch in Gridania.“ Dann entstand eine kleine Pause. „Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich heute noch nichts Besonderes vor.“
Im Hintergrund ertönte wieder Alisaies Stimme. „Du hattest sehr wohl etwas vor.“
„Hatte ich nicht.“
„Doch.“
„Alisaie.“
„Du wolltest doch …“
„Ich sagte, ich hatte nichts vor.“ Diesmal war es Y’shtola, die sich einmischte. „Alisaie, lass ihn doch.“
„Ich sage ja gar nichts mehr.“ G’raha atmete hörbar auf.
Dann sprach er wieder zu Mina. „Wie dem auch sei.“ Seine Stimme klang nun deutlich ruhiger. „Wenn du tatsächlich noch Lust darauf hast …“ Eine winzige Pause. „…würde ich dich sehr gerne begleiten.“ Seine Ohren bewegten sich leicht, als ihm offenbar erst nach den Worten bewusst wurde, wie direkt das geklungen hatte. „Sofern du natürlich nicht bereits beschlossen hast, alleine zu gehen.“ Er räusperte sich. „Und falls du dich nach deinem Training heute nicht übernehmen möchtest, können wir es auch ganz ruhig angehen.“ Dann schmunzelte er. „Obwohl ich zugeben muss, dass mich jetzt doch interessiert, wie gut du dich mit deinem Steinwurf inzwischen machst.“ Alisaie warf irgendwo im Hintergrund ein: „Sie wird dich bestimmt wieder damit bewerfen.“
„Das hoffe ich doch nicht.“
„Ich schon.“
G’raha ignorierte sie tapfer. „Also, Mina?“ Seine Stimme wurde wieder sanft. „Soll ich dich abholen?“
Mina hörte deutlich zwei weibliche Stimmen im Hintergrund bei G’raha und blickte auf die Tischplatte. Jetzt hatte sie ein schlechtes Gewissen, ihn angerufen zu haben. „Das Training lief gut heute. Firmien hatte mich gelobt. Aber ähm … wie ich höre, hast du Besuch. Ich will mich nicht dazwischen drängeln. Wir können das auch ein andermal machen … sorry, dass ich gestört habe“, sagte sie und beendete dann ganz schnell den Anruf.
Sie fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. War doch ein blöder Fehler gewesen, ihn anzurufen. Dann ging sie eben alleine ins Badehaus. G’raha sollte sich um die beiden Mädels im Hintergrund kümmern, die sie gehört hatte. Das ging sie nichts an. Dann stapfte sie ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen und ihre Badesachen zusammenzupacken. Schnell überprüfte sie, ob sie genügend Gil für die Luftschifffahrt nach Ul’dah hatte, und nahm ein Buch mit, das sie lesen würde, bis das Badehaus öffnete, bevor sie das Haus verließ.
Die Verbindung brach ab. G’raha starrte einen Augenblick auf seine Perle. „…Mina?“ Nichts. Er senkte langsam die Hand. „Oh.“ Seine Ohren klappten ein Stück nach hinten. Alisaie, die den Gesichtsausdruck des Miqo’te beobachtet hatte, verlor augenblicklich ihr Grinsen. „Was ist passiert?“
„Sie hat aufgelegt.“ Y’shtola hob leicht eine Augenbraue. „Das haben wir bemerkt.“
G’raha sah zwischen den beiden hin und her. „Sie hat offenbar angenommen, dass ich … Besuch habe.“ Alisaie blinzelte. Dann verstand sie. „Oh.“ Ein winziger Moment Stille. „Ohhh.“
„Alisaie.“
„Nein, nein, ich sage nichts.“
G’raha seufzte und fuhr sich durch die Haare. „Sie hat die Stimmen gehört.“ Y’shtola musterte ihn ruhig. „Und vermutlich angenommen, dass sie dich stört.“
„Das wollte ich ihr gerade erklären.“
„Dann solltest du das vielleicht tun.“ G’raha sah auf seine Perle. „Ja.“ Er zögerte keine Sekunde länger. „Entschuldigt mich.“
„Geh“, sagte Alisaie sofort.
G’raha hob bereits die Hand an seine Perle, als Alisaie ihm noch hinterherrief: „Und beeil dich! Sonst denkt sie am Ende noch, du wärst mit zwei Frauen im Badehaus verabredet!“ G’raha blieb stehen. „Das macht es nicht besser!“ Alisaie grinste. „Ich weiß.“
Zur selben Zeit war Mina bereits auf dem Weg. Die Tür ihres Hauses fiel hinter ihr ins Schloss. Sie hatte sich umgezogen, ihre Badesachen eingepackt und sogar noch ihr Buch mitgenommen. Frische Luft strich ihr über das Gesicht, während sie zügig Richtung Gridania ging. Vielleicht war es wirklich besser so. Sie hatte ihn schließlich einfach angerufen. Und dann diese Stimmen gehört. Zwei Frauen. Natürlich konnte G’raha Freunde haben. Oder Bekannte. Oder vielleicht waren es irgendwelche Mitglieder des Bundes. Das ging sie schließlich nichts an. Trotzdem fühlte sich etwas in ihrer Brust unangenehm an. „Blödmann“, murmelte sie leise vor sich hin. Ob sie nun G’raha meinte oder sich selbst, war vermutlich nicht ganz klar.
Ein gutes Stück hinter ihr ertönte plötzlich ein vertrautes Geräusch. „Mina!“ G’raha kam schnellen Schrittes auf sie zu. Sein rotes Haar bewegte sich leicht im Wind, und seine Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet. Offensichtlich hatte er sich beeilt. „Mina, warte!“ Er holte sie schließlich ein und blieb etwas außer Atem neben ihr stehen. „Da bist du ja.“ Er legte eine Hand auf die Brust und atmete einmal tief durch. „Ich hatte schon befürchtet, dich nicht mehr einzuholen.“ Sein Blick fiel auf ihre Tasche, dann auf ihr Buch und wieder auf sie. Ein kleines Lächeln erschien. „Du wolltest wirklich gehen.“ Es klang beinahe erleichtert.
Doch dann wurde sein Gesicht ernster. „Aber bevor wir weitergehen … muss ich etwas klarstellen.“ G’raha richtete sich etwas auf. „Die beiden Stimmen, die du gehört hast …“ Er hielt kurz inne. „…gehörten Alisaie und Y’shtola.“ Seine Ohren zuckten leicht. „Sie sind keine …“ Er suchte offensichtlich nach den richtigen Worten. „…weibliche Gesellschaft, wegen der du mich gestört hättest.“ Eine Pause. „Na ja. Sie sind natürlich weibliche Gesellschaft.“ Er verzog das Gesicht. „Das klang jetzt furchtbar.“ Ein leises Lachen entwich ihm. „Was ich sagen will: Du hast mich überhaupt nicht gestört.“ Sein Blick wurde weich. „Ganz im Gegenteil.“
Für einen Moment sagte er nichts. Dann deutete er auf ihre Tasche. „Wenn du noch immer ins Badehaus möchtest … würde ich dich sehr gerne begleiten.“ Und mit einem leicht schelmischen Funkeln in den Augen fügte er hinzu: „Es sei denn, du möchtest mich tatsächlich lieber ins Gras beißen lassen.“
Erstaunt drehte sie sich um, als sie ihren Namen hörte und G’raha völlig außer Atem vor ihr stand. Er war ihr extra hinterhergeeilt, wobei das Luftschiff bald ablegte. Mit verdutzt offenem Mund hörte sie seine Worte. „Hey, du bist mir keinerlei Erklärung schuldig, okay. Ich wollte nur nett sein, und als ich die Anzeige in der Zeitung sah, hab ich an unser Gespräch mit dem Badehaus gedacht. Mehr war da nicht“, zuckte sie mit den Schultern. „Dass du Besuch hast, konnte ich nicht ahnen, und ich will auch nicht, dass du meinetwegen ihn jetzt wo auch immer sitzen lässt. Wer die beiden auch immer sind.“ Sie schien die Namen bisher noch nie gehört zu haben. „Außerdem, wie willst du denn baden gehen? Du hast ja gar nichts dabei, bist wohl Hals über Kopf losgerannt“, stellte sie fest.
G’raha blinzelte sie einen Moment lang an. Dann wanderte sein Blick an sich selbst hinunter. Keine Tasche. Kein Beutel. Nichts, was auch nur im Entferntesten nach Badesachen aussah. Er hob den Kopf wieder und verzog leicht das Gesicht. „…Das ist ein ausgesprochen guter Einwand.“ Seine Ohren senkten sich ein wenig, bevor er sich ein verlegenes Lächeln abrang. „Offenbar habe ich tatsächlich nicht besonders weit gedacht.“
Er sah kurz in Richtung des Hafens. Das Luftschiff würde bald ablegen. Dann wieder zu Mina. „Ich habe nur daran gedacht, dich einzuholen, bevor du weg bist.“ Die Worte waren heraus, bevor er offenbar darüber nachdenken konnte. Einen Herzschlag später wurde ihm bewusst, was er gerade gesagt hatte. Seine Ohren zuckten. „Was ich damit sagen wollte …“
Er räusperte sich. „…war, dass ich unser Gespräch nicht einfach so enden lassen wollte.“ Er sah sie offen an. „Und was Alisaie und Y’shtola betrifft: Sie sitzen vermutlich gerade irgendwo und unterhalten sich darüber, wie schlecht ich mich gerade aus einer peinlichen Situation herausrede.“ Ein kleines Schmunzeln. „Du wirst sie vermutlich noch kennenlernen.“
G’raha bemerkte schließlich, dass Mina offenbar tatsächlich nicht wusste, wer die beiden waren. „Alisaie und Y’shtola gehören ebenfalls zum Bund der Morgenröte.“ Er deutete leicht hinter sich. „Wir waren gemeinsam unterwegs. Mehr nicht.“ Dann sah er erneut auf Minas Tasche. „Aber du hast recht. Ohne Badesachen wird mein Besuch im Badehaus vermutlich etwas … schwierig.“ Er überlegte. „Ich könnte noch einmal zurücklaufen.“ Sein Blick wanderte zum Luftschiff, dann wieder zu Mina. „Oder …“ Ein kleines, schelmisches Lächeln erschien. „…du könntest mir ausnahmsweise erlauben, mich auf deine Einladung zu verlassen.“
Er hob beide Hände leicht. „Ich verspreche, ich werde dir weder deine Badekleidung stehlen noch mich mit einem Handtuch aus deinem Gepäck davonmachen.“ Seine Augen funkelten amüsiert. „Und sollte es im Badehaus einen Laden geben, kann ich mir dort etwas besorgen.“ Dann deutete er auf das Buch, das Mina mitgenommen hatte. „Du hattest dich offenbar bereits auf einen entspannten Abend eingestellt.“ Sein Lächeln wurde sanfter. „Ich würde mich freuen, wenn ich daran teilhaben dürfte.“
In diesem Moment ertönte vom Luftschiffsteg das Signal zum bevorstehenden Ablegen. G’raha sah kurz hinüber. „Wir sollten wohl entscheiden, ob ich jetzt noch einmal zurückrenne oder ob wir gemeinsam einsteigen.“ Er sah Mina fragend an. „Was meinst du?“
Nach einem tiefen Atemzug schaute sie erst zu G’raha, dann zum Luftschiff. „Die beiden müssen ja echt schlimm sein, wenn sie über dich so ablästern“, wobei ein Grinsen ihre Lippen zierte. „Im Badehaus gibt es leider keinen Laden, nur ein Lokal“, erklärte sie. „Okay, wenn es für die beiden okay ist, dann komm mit.“ Sie ließ ihr Buch leicht gegen den nackten Oberschenkel klatschen. Heute trug sie einen schwarzen Minirock und ein rotes trägerloses Top. „Geh zurück und hol dir die Klamotten, wir fliegen dann mit dem nächsten Luftschiff. Es ist sowieso noch Zeit, bis das Badehaus aufmacht, brauchst dich also nicht abzuhetzen.“ Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Ich warte hier und werde nicht wegrennen.“
G’raha sah Mina einen Moment lang an. Dann musste er lachen. „Schlimm? Nun …“ Er legte einen Finger nachdenklich an sein Kinn. „Ich würde behaupten, dass Alisaie ausgesprochen talentiert darin ist, Menschen in Verlegenheit zu bringen. Und Y’shtola besitzt leider die unangenehme Fähigkeit, Dinge zu bemerken, die man lieber für sich behalten hätte.“ Ein kleines Grinsen. „Also ja. Vielleicht sind sie ein wenig schlimm.“
Als Mina ihm schließlich erlaubte mitzukommen, hellte sich sein Gesicht deutlich auf. „Wirklich?“ Seine Ohren richteten sich auf. „Dann beeile ich mich.“ Er wandte sich bereits um, blieb aber nach zwei Schritten wieder stehen und sah über die Schulter zurück. „Und ich vertraue darauf, dass du tatsächlich noch hier bist, wenn ich wiederkomme.“ Ein verschmitztes Lächeln. „Du hast schließlich gerade versprochen, nicht wegzulaufen.“ Damit setzte er sich in Bewegung.
Nach einigen Schritten rief er noch einmal zurück: „Und Mina?“ Er wartete gar nicht erst auf eine Antwort. „Danke.“ Dann verschwand er in Richtung der Straßen, die zurück ins Zentrum Gridanias führten.
Seufzend schüttelte sie zur Decke blickend den Kopf und ließ sich auf eine Bank nieder. „Der hätte echt nicht so hetzen müssen“, murmelte sie und überschlug ihre langen Beine, bevor sie das Buch aufklappte und darin las, bis G’raha wieder zurück wäre.
Etwa zehn Minuten später sah Alisaie auf, als G’raha wieder bei ihnen auftauchte. „Da bist du ja.“
„Du bist ja erstaunlich schnell.“
„Ich musste nur ein paar Dinge holen.“ G’raha griff nach seiner Tasche. Y’shtola betrachtete ihn ruhig. „Du hast also beschlossen, Mina tatsächlich zu begleiten.“
„Ja.“
Alisaie grinste. „Badehaus?“
„Ja.“
„Mit Mina?“
G’rahas Ohren zuckten. „Ja.“
„Freiwillig?“
„Alisaie.“
Sie hob abwehrend die Hände. „Schon gut.“
Y’shtola schmunzelte kaum merklich. „Dann solltest du sie wohl nicht warten lassen.“
G’raha nickte. „Das werde ich nicht.“ Alisaie sah ihm hinterher, als er sich erneut auf den Weg machte. „Er ist hoffnungslos.“
Y’shtola nahm ihren Stab und wandte sich zum Gehen. „Vielleicht.“
„Du findest das auch.“
„Ich habe nichts gesagt.“
„Dein Gesicht sagt genug.“
Y’shtola lächelte. „Das scheint heute eine beliebte Feststellung zu sein.“
Wenig später tauchte G’raha wieder am Luftschiffhafen auf. Diesmal trug er eine kleine Tasche über der Schulter und wirkte deutlich entspannter. Als er Mina entdeckte, blieb er kurz stehen. „Du bist tatsächlich geblieben.“ Ein amüsiertes Lächeln erschien. „Ich hatte für einen Augenblick befürchtet, du könntest dein Versprechen vergessen haben.“ Er trat zu ihr. „Und?“ Sein Blick fiel auf das Buch in ihrer Hand. „Hast du die Wartezeit wenigstens sinnvoll genutzt?“ Er deutete auf das Buch. „Oder hast du die ganze Zeit darüber nachgedacht, wie du mich später im Badehaus davon überzeugen kannst, dass ich mir meine eigene Badebekleidung hätte mitbringen sollen?“
„Natürlich bin ich geblieben, ich kann mich schlecht in Luft auflösen. Diesen Trick beherrsche ich noch nicht.“ Sie klappte das Buch zu. „Na, deine Badeklamotten hast du jetzt hoffentlich eingepackt. Also, wenn du nackig bist, wirst du schön ins Männerbad gehen, das sag ich dir. Ich hoffe wirklich, die beiden haben nichts dagegen, dass du jetzt mit mir planschen gehst“, wollte sie sich versichern. Sie wollte nicht der Grund sein wegen einer Meinungsverschiedenheit oder gar eines Streits.
G’raha blieb vor Mina stehen und hob bei ihren Worten gespielt empört eine Augenbraue. „Ich hatte nicht vor, dich warten zu lassen.“ Er deutete auf seine Tasche. „Und ja. Badebekleidung ist eingepackt. Ich habe sogar daran gedacht, ein Handtuch mitzunehmen.“ Ein zufriedenes Nicken folgte, als hätte er gerade eine besonders schwierige Prüfung bestanden. „Du darfst also beruhigt sein. Ich werde nicht gezwungen sein, das Männerbad aufzusuchen, nur weil ich zu unorganisiert war, meine Sachen mitzunehmen.“
Bei ihrem letzten Satz wurde sein Ausdruck allerdings etwas weicher. „Und was Alisaie und Y’shtola betrifft …“ Er setzte sich neben sie auf die Bank. „Du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass du einen Streit verursachst.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Sie sind beide alt genug, selbst zu entscheiden, womit sie ihre Zeit verbringen möchten. Und ich habe ihnen lediglich gesagt, dass ich dich begleiten möchte.“ Ein kleines Schmunzeln. „Alisaie hat mich daraufhin angesehen, als hätte sie genau darauf gewartet, dass ich es endlich sage.“ Er seufzte gespielt genervt. „Und Y’shtola hat nur gelächelt.“
G’raha sah Mina von der Seite an. „Ich glaube, die beiden finden die Vorstellung eher amüsant als problematisch.“ Dann wurde sein Blick wieder warm. „Also bitte mach dir deswegen keine Gedanken.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Du hast mich eingeladen. Ich wollte mitkommen. Das ist alles.“
Kurz darauf ertönte erneut das Signal des Luftschiffs. G’raha stand auf und hielt Mina eine Hand hin. „Unser Schiff.“ Ein leicht schelmisches Lächeln erschien. „Komm. Sonst verpasst du am Ende noch wegen mir dein eigenes Badehaus.“ Er hielt inne. „Und bevor du fragst: Ja, ich habe genügend Gil dabei.“ Seine Augen funkelten. „Ich habe schließlich inzwischen gelernt, dass ein Abend mit dir offenbar eine gewisse Vorbereitung erfordert.“
Als der Gong ertönte, zuckten ihre Ohren und sie ignorierte G’rahas Hand, als sie aufstand. „Dann ist ja gut. Klingt aber so, als wären beide recht neugierig, was deine Person betrifft, kann das sein?“, fragte sie und ging durch die Absperrung, welche zum Steg des Luftschiffes führte. „Ein Badehaus ist nicht kostenlos, G’raha. Außer, sie machen bestimmte Events, aber da gibt es dann noch andere Stände. Und ein Handtuch bekommt man an der Kasse da automatisch“, erklärte sie. „Du musst echt wohl öfter etwas unternehmen, was nicht mit alten Schriften und Ruinen zu tun hat.“
G’raha ließ seine Hand wieder sinken, als Mina einfach an ihm vorbeiging. Ein amüsiertes Schmunzeln huschte über sein Gesicht, bevor er ihr zum Steg folgte. „Neugierig?“ Er legte den Kopf leicht schief. „Das ist noch freundlich ausgedrückt.“ Er schloss zu ihr auf und ging neben ihr her. „Alisaie ist neugierig auf beinahe alles, was sie interessant findet. Und Y’shtola …“ Er überlegte kurz. „…ist weniger neugierig. Sie beobachtet einfach. Was manchmal sogar schlimmer ist.“ Ein leises Lachen.
Als Mina ihm erklärte, wie das mit dem Badehaus funktionierte, sah G’raha sie einen Moment lang völlig ernst an. „Du willst mir also sagen, dass ich extra Gil mitgenommen habe, obwohl ich es gar nicht hätte tun müssen.“ Eine kurze Pause. „Und das Handtuch hätte ich ebenfalls nicht mitnehmen müssen.“ Er sah auf seine Tasche. „Ich habe mich hervorragend vorbereitet.“ Sein Tonfall war derart trocken, dass man deutlich merkte, wie sehr er sich selbst darüber amüsierte.
Dann setzte er einen Fuß auf die Gangway des Luftschiffs. „Und was meine bisherigen Unternehmungen betrifft …“ Er blickte zu Mina. „Ich gebe zu, dass meine Vorstellung von Freizeitgestaltung bisher etwas eingeschränkt war.“ Ein nachdenklicher Ausdruck. „Alte Schriften. Ruinen. Magie. Noch mehr alte Schriften.“ Er seufzte gespielt schwer. „Und gelegentlich ein äußerst unbequemer Stuhl in einer Bibliothek.“
Dann erschien wieder dieses kleine, verschmitzte Lächeln. „Aber ich lerne.“ Er ging weiter auf das Schiff. „Und offenbar habe ich jetzt eine ausgezeichnete Lehrerin.“ G’raha sah sie von der Seite an. „Du hast mir immerhin schon beigebracht, dass man für einen Badehausbesuch besser keine zehn Minuten vor Abflug davonläuft.“ Er grinste. „Das ist bereits wertvolles Wissen.“
Das Luftschiff setzte sich langsam in Bewegung, während unter ihnen die Baumwipfel Gridanias vorbeizogen. G’raha stellte sich an die Reling und ließ den Blick über den Zwölfwald schweifen. „Weißt du …“ Seine Stimme wurde etwas ruhiger. „Ich glaube, ich freue mich tatsächlich darauf.“ Er sah zu Mina. „Nicht nur auf das Badehaus.“ Ein kleines, ehrliches Lächeln. „Sondern darauf, einmal etwas zu tun, das nichts mit einer Mission, einer Ruine oder irgendeinem uralten Artefakt zu tun hat.“ Seine Ohren zuckten leicht. „Einfach nur einen Abend lang entspannen.“ Dann hob er eine Augenbraue. „Auch wenn ich langsam den Verdacht bekomme, dass du mich dabei wahrscheinlich genauso viel ärgern wirst wie die anderen.“
Sie stellte sich neben G’raha an die Reling und der Wind wehte angenehm in ihr Gesicht, während die weißen Strähnen ihres Haares im Wind leicht tanzten. „Heute findet kein Event statt, nur eine ganz normale Öffnungszeit. Also kostet der Eintritt. Genau 50 Gil, wenn du es wissen willst, Essen und Trinken ist inklusive. Das machen die meisten Badehäuser.“ Sie blickte dann zur Seite, wobei sie ihr Haar festhalten musste, damit es ihr nicht ins Gesicht wehte und sie nichts mehr sah. „Also, wenn ich das so höre, weiß ich nicht, vor wem ich mich am meisten in Acht nehmen sollte von beiden. Aber den Bund der Morgenröte, das hab ich schon mal gehört. Und ihr drei gehört also dazu. Hätte nicht gedacht, dass du da mitmachst. Also hat dieser Bund mit dir zusammen mehrfach die Welt gerettet?“
G’raha lehnte die Unterarme locker auf die Reling und lauschte Mina aufmerksam. Als der Wind ihre weißen Strähnen immer wieder ins Gesicht wehte, musste er unwillkürlich lächeln. „Fünfzig Gil, Essen und Getränke inklusive.“ Er nickte anerkennend. „Das klingt tatsächlich nach einem ziemlich guten Preis. Ich verstehe langsam, weshalb du so begeistert von Badehäusern bist.“ Sein Blick wanderte wieder über die Landschaft unter ihnen.
Bei ihrer Frage über den Bund wurde sein Gesichtsausdruck allerdings etwas nachdenklicher. „Ja. Alisaie, Y’shtola und ich gehören zum Bund der Morgenröte.“ Er ließ einen Moment verstreichen. „Wobei … ich bin erst später zu ihnen gestoßen.“ G’raha verschränkte die Finger locker vor sich. „Und was deine Frage betrifft …“ Ein leises Lachen. „Ja. Man könnte es wohl so ausdrücken.“ Er sah Mina an. „Mehrfach.“
Dann schüttelte er leicht den Kopf. „Wenn man mitten darin steckt, fühlt es sich allerdings selten so an, als würde man gerade die Welt retten.“ Ein amüsiertes Schmunzeln. „Meistens fühlt es sich eher an wie: Wir haben ein Problem. Wir müssen es lösen. Und warum ist dieses Problem diesmal noch größer als das letzte?“ Er seufzte gespielt. „Dann folgt eine Menge Reisen, Kämpfe, Diskussionen, viel zu wenig Schlaf und gelegentlich jemand, der uns daran erinnert, dass wir eigentlich auch essen sollten.“
Sein Blick wurde etwas wärmer. „Aber ja. Der Bund hat schon einiges durchgemacht.“ Er sah wieder nach vorne. „Die Mitglieder sind für mich inzwischen mehr als nur Gefährten. Sie sind … Familie.“ Das letzte Wort sprach er etwas leiser aus. Dann blickte er wieder zu Mina. „Und keine Sorge. Du musst dich nicht vor Alisaie oder Y’shtola in Acht nehmen.“ Eine kurze Pause. „Zumindest nicht zu sehr.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem schelmischen Lächeln. „Alisaie wird dich vermutlich einfach mit Fragen löchern, wenn sie dich interessant findet. Und Y’shtola wird wahrscheinlich innerhalb von fünf Minuten Dinge über dich wissen, die du selbst noch nicht ausgesprochen hast.“ Er hob eine Hand. „Aber beide sind gute Menschen.“
Ein paar Sekunden lang schwieg er. Dann fragte er: „Du hast also schon einmal vom Bund gehört?“ Seine roten Augen ruhten neugierig auf Mina. „Was genau hast du denn über uns gehört?“
Sie schmunzelte, als sie hörte, wie G’raha über seine Freunde sprach. „Das ist schön, das freut mich. Es ist wunderbar, wenn Freunde auch Familie sind. Ich hatte auch zwei Leute, die ich meine Familie nannte, auch wenn wir nicht blutsverwandt waren. Aber mittlerweile sind sie schon eine Weile geschieden und ich habe keinen Kontakt mehr zu ihnen“, erzählte sie, wobei sich ihr Blick wieder nach vorne richtete. „Nichts Besonderes“, zuckte sie mit den Schultern. „Ich hab nur den Namen mal gehört, dass es den gibt. Hatte, glaub ich, zu der Zeit auch selber viel mit mir selber zu tun.“
G’rahas Lächeln wurde etwas sanfter, als Mina von den beiden Menschen erzählte, die sie einst ihre Familie genannt hatte. Er sah sie nicht sofort an. Stattdessen ließ er den Blick über die unter ihnen vorbeiziehenden Baumwipfel schweifen und gab ihr einen Moment, ohne sie mit einer vorschnellen Antwort zu bedrängen. „Dann hast du vermutlich selbst erfahren, dass Familie nicht unbedingt etwas mit Blut zu tun haben muss.“ Seine Stimme war ruhig. „Und dass Menschen, die einmal einen festen Platz im eigenen Leben hatten, diesen manchmal wieder verlieren.“ Er drehte den Kopf leicht zu ihr. „Es tut mir leid, dass du den Kontakt zu ihnen verloren hast.“
Nach einem kurzen Moment lächelte er wieder ein wenig. „Aber vielleicht ist das auch der Grund, weshalb du verstehen kannst, was ich mit Familie meine, wenn ich über den Bund spreche.“ Der Wind spielte erneut mit Minas Haaren. G’rahas Ohren bewegten sich leicht, als eine weiße Strähne beinahe in seinem Gesicht landete. „Und was den Bund betrifft …“ Er schmunzelte. „Dann hast du ja bisher nicht besonders viel verpasst.“ Er lehnte sich wieder etwas zurück. „Der Name ist in den letzten Jahren allerdings ziemlich häufig gefallen. Meistens in Verbindung mit irgendwelchen Katastrophen.“
Ein kleines, trockenes Lachen. „Wir scheinen eine gewisse Begabung dafür zu haben, immer dort aufzutauchen, wo etwas schiefgeht.“ Das Luftschiff schwebte weiter über den Wald dahin. Für einen Moment war nur das Rauschen des Windes zu hören. Dann sah G’raha wieder zu Mina. „Vielleicht ist es auch ganz gut, dass du damals andere Dinge um die Ohren hattest.“ Sein Blick blieb einen Moment auf ihr liegen. „Du musst nicht alles über uns wissen.“ Ein warmes Lächeln. „Du kannst uns auch einfach kennenlernen.“ Er wandte sich wieder der Landschaft zu. „Ganz ohne Legenden. Ohne Heldengeschichten.“ Eine kurze Pause. „Einfach als Menschen.“ Dann grinste er. „Wobei ich Alisaie wahrscheinlich davon überzeugen muss, dass sie nicht jedes Gespräch mit dir in ein Verhör verwandelt.“
Sie kicherte bei G’rahas letzten Satz. „Ich würde sie sie gerne alle kennenlernen, ganz besonders weil sie dir wichtig sind. Und vor allem, weil wir ja eine Abmachung haben“, zwinkerte sie dem Rothaarigen zu. „Ja, schade, dass das mit den beiden auseinandergegangen ist, aber ich bin trotzdem nicht ganz alleine. Ich hab immerhin noch Firmien, der nicht nur mein Lehrmeister und damals meine … er ist jetzt ein guter Freund. Und Aki mit seinem Mann. Ihm vertrau ich alles an. Er war es damals, der mir buchstäblich das Leben gerettet hat.“ Sie strich sich dann kichernd die lose Haarsträhne zurück, die G’raha vor das Gesicht gewirbelt hatte.
G’raha musste bei ihrem Zwinkern unwillkürlich lächeln. „Unsere Abmachung“, wiederholte er und nickte feierlich. „Natürlich. Ich habe sie nicht vergessen.“ Seine Ohren zuckten leicht. „Dann werde ich wohl dafür sorgen müssen, dass du die anderen tatsächlich kennenlernst.“ Er schien einen Moment darüber nachzudenken. „Obwohl ich dir vielleicht vorher einen kleinen Rat geben sollte.“ Ein schelmisches Funkeln trat in seine roten Augen. „Wenn Alisaie dich fragt, ob du mich schon immer so leicht aus der Fassung bringen konntest, sag einfach nein.“ Er hob warnend einen Finger. „Sie wird dir nämlich nicht glauben.“ Ein leises Lachen folgte.
Als Mina jedoch von Firmien und Aki erzählte, wurde sein Ausdruck wieder aufmerksamer. „Dann bist du also doch nicht so allein, wie es zunächst klang.“ Er nickte langsam. „Das freut mich.“ Besonders bei der Erwähnung von Aki und dessen Mann lag etwas Nachdenkliches in seinem Gesicht. „Jemandem so sehr zu vertrauen, dass du ihm alles anvertrauen kannst … das ist etwas Wertvolles.“ Sein Blick wanderte wieder über den Wald. „Und wenn er dir sogar einmal das Leben gerettet hat, kann ich verstehen, weshalb er einen so besonderen Platz in deinem Leben hat.“
Dann sah er zu Mina. „Du scheinst einige Menschen um dich zu haben, die dir wichtig sind.“ Ein kleines Lächeln. „Vielleicht sind es nicht viele. Aber die wenigen scheinen dafür umso wichtiger zu sein.“ In diesem Moment wirbelte eine weitere Haarsträhne von Mina durch den Wind direkt in G’rahas Gesicht. Er blinzelte. „…Schon wieder.“ Mina strich die Strähne lachend zurück. G’raha schüttelte den Kopf, musste aber ebenfalls lachen. „Ich glaube, dein Haar hat beschlossen, heute meine Geduld zu testen.“ Er betrachtete die weißen Strähnen kurz amüsiert. „Wobei ich langsam den Verdacht bekomme, dass es erfolgreicher darin ist als Alisaie.“
Das Luftschiff begann langsam an Höhe zu verlieren. In der Ferne tauchten die warmen Lichter einer größeren Stadt auf. G’rahas Blick wanderte dorthin. „Wir sind bald da.“ Dann sah er wieder zu Mina. „Und danach wartet unser fünfzig-Gil-Abenteuer.“ Er grinste. „Ich bin gespannt, ob das Essen und die Getränke den Eintritt tatsächlich wert sind.“ Eine kurze Pause. „Und ich verspreche, mich heute ausnahmsweise nicht mit irgendeiner uralten Schrift zu beschäftigen.“ Er hob die Hand. „Nicht einmal, wenn jemand dort zufällig eine findet.“
Verwundert schaute sie den Kater bei seinem Rat an. „Ich glaube, wenn ich mich gut mit ihr verstehen sollte, werden wir wohl ganz viel Blödsinn machen und deine Geduld testen“, grinste sie frech und lachte dann. „Tut mir leid, ich hab den Haargummi vergessen. Ich bin nicht gewohnt, dass jemand mit mir Luftschiff fliegt. So lange Strecken kann ich noch nicht porten. Nur kurze innerhalb von Gridania schaffe ich, ohne völlig aus der Puste zu sein.“ Sie schaute dann über die Reling, und ihr kam schon der Schwall warmer Luft entgegen, was typisch für Ul’dah war. „Ich vergesse jedes Mal, wie warm es hier sein kann. Und wie gut das Essen und die Bäder sind, musst du selber entscheiden. Ich hab da schon meine Favoriten“, grinste sie.
G’raha lachte leise. „Dann sollte ich mich wohl besser darauf einstellen, dass meine Geduld künftig regelmäßig auf die Probe gestellt wird.“ Er legte eine Hand an die Brust und verneigte sich gespielt ergeben. „Aber wenn ihr beide dabei Spaß habt, werde ich mich wohl kaum beschweren dürfen.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Ich bin ohnehin neugierig darauf, wie du dich mit Alisaie verstehen wirst. Ich habe das Gefühl, dass ihr euch entweder hervorragend verstehen oder gemeinsam für erhebliches Chaos sorgen werdet.“ Er machte eine kurze Pause. „Wahrscheinlich beides.“
Als Mina erklärte, dass sie noch nicht über größere Entfernungen teleportieren konnte, nickte er verständnisvoll. „Das kommt noch. Gerade wenn du deine Ausbildung weiterführst.“ Er sah sie kurz von der Seite an. „Und ehrlich gesagt finde ich es vernünftig, dass du dich nicht übernimmst. Ein Teleport ist zwar praktisch, aber wenn du danach kaum noch stehen kannst, ist ein Luftschiff manchmal die bessere Wahl.“
Dann erreichte sie die warme Luft, die ihnen bereits entgegen strömte. G’rahas Gesicht veränderte sich augenblicklich. „Oh.“ Er trat ein kleines Stück von der Reling zurück. „Das ist … deutlich wärmer als Gridania.“ Er zog den Kragen seines Oberteils ein wenig zurecht. „Ich glaube, ich verstehe jetzt, warum du so oft von Badehäusern sprichst.“ Ein schiefes Grinsen. „Bei dieser Hitze hat man schließlich einen ausgezeichneten Grund, sich irgendwo ins Wasser zu setzen.“
Das Luftschiff setzte zur Landung an. G’raha blickte auf die goldenen Mauern und die geschäftigen Straßen von Ul’dah. „Und du hast bereits deine Favoriten?“ Er sah wieder zu Mina. „Dann bin ich gespannt, ob du mich heute davon überzeugen kannst, dass deine Wahl besser ist als jede Empfehlung, die ich von einem anderen Reisenden bekommen könnte.“ Ein herausforderndes Funkeln erschien in seinen Augen. „Aber ich warne dich.“ Er hob einen Finger. „Wenn das Essen wirklich so gut ist, wie du behauptest, werde ich mich vermutlich daran erinnern.“ Ein kleines Lächeln. „Und dann musst du mir beim nächsten Mal wieder zeigen, wo wir hingehen.“
Das Luftschiff kam schließlich zum Stillstand. G’raha nahm seine Tasche. „Bereit?“ Sein Blick wanderte kurz zu Minas weißem Haar, das noch immer vom Wind zerzaust war. „Und diesmal verspreche ich, nicht wieder davonzulaufen.“ Er grinste. „Zumindest nicht ohne dich.“
„Ja, bereit“, schnappte sie sich ebenfalls eine Tasche und verließ zusammen mit ihm und den anderen Passagieren das Luftschiff. „Warum solltest du weglaufen? Bin ich so furchtbar?“, fragte sie. „Du scheinst nicht oft in Ul’dah zu sein, oder?“, fragte sie und betrachtete G’raha. „Ist dir nicht manchmal zu warm in den Klamotten? Sie stehen dir, die Kette find ich hübsch, aber der Schal. Sind das deine Abenteuerklamotten?“
G’raha stieg gemeinsam mit Mina die Gangway hinunter und blieb für einen Moment stehen, als ihm die warme, trockene Luft von Ul’dah entgegen strömte. Seine Ohren zuckten leicht, während er sich an die Temperatur gewöhnte. Bei Minas erster Frage sah er sie überrascht an. „Furchtbar? Du?“ Er legte eine Hand gespielt nachdenklich ans Kinn. „Nun … du hast mich immerhin dazu gebracht, innerhalb kürzester Zeit meine Sachen zu packen, einem Luftschiff hinterherzulaufen und mich anschließend einer Person auszuliefern, die mich wahrscheinlich im Badehaus ständig wegen meiner mangelnden Alltagstauglichkeit aufziehen wird.“ Er grinste. „Also ja. Absolut furchtbar.“ Sein Blick verriet allerdings deutlich, dass er kein Wort davon ernst meinte.
Dann setzte er sich mit ihr in Richtung Ausgang des Luftschiffhafens in Bewegung. „Nein. Ich bin tatsächlich nicht besonders oft in Ul’dah.“ Er ließ den Blick über die belebten Straßen schweifen. „Die meiste Zeit verbringe ich in Gridania oder unterwegs. Wenn wir hierherkommen, dann meistens wegen einer bestimmten Angelegenheit und nicht unbedingt, um die Stadt in Ruhe zu genießen.“
Bei ihrer Frage zu seiner Kleidung blickte er an sich hinunter. „Zu warm?“ Er griff nach dem Schal und zog ihn ein kleines Stück lockerer. „Manchmal.“ Dann sah er Mina mit einem amüsierten Ausdruck an. „Aber dieser Schal gehört inzwischen beinahe zu mir.“ Er strich kurz über den Stoff. „Und ja. Das sind gewissermaßen meine Reise- und Abenteurerkleidung.“ Sein Blick wanderte über seinen Mantel. „Praktisch, einigermaßen robust und …“ Er hielt inne. „…vermutlich nicht unbedingt die beste Wahl für die Wüste.“ Ein kleines Lachen. „Das habe ich bereits festgestellt.“
Dann deutete er auf die Kette. „Die gefällt dir?“ Er berührte sie kurz. „Die habe ich schon ziemlich lange. Sie hat für mich einen gewissen persönlichen Wert.“ Sein Tonfall wurde etwas ruhiger, aber er ging nicht weiter darauf ein. Dann sah er Mina von der Seite an. „Aber ich muss zugeben, dass ich deine Kleidung heute ebenfalls ziemlich ungewöhnlich finde.“ Sein Blick fiel kurz auf ihren schwarzen Minirock und das rote, trägerlose Oberteil, ehe er höflich wieder ihr Gesicht ansah. Ein leichtes Schmunzeln. „Vor allem im Vergleich zu meiner.“ Er deutete auf seinen Schal. „Vielleicht sollte ich dich irgendwann einmal zu einem Ausflug nach Gridania einladen und du darfst entscheiden, was ich tragen soll.“ Seine Augen funkelten. „Obwohl ich nicht sicher bin, ob ich dir diese Macht wirklich geben sollte.“
„Irgendwann wirst du Badehaus-Experte sein, wenn ich dir alle gezeigt habe“, kam es stolz von ihr. Dann blieb sie stehen und ließ ihren Blick über den Kater schweifen. „Hm, eigentlich passen die Sachen genau zu dir. Ich kann mir dich in anderen Klamotten nicht wirklich vorstellen.“ Sie schaute dann verlegen zur Seite. „Ich trag nun mal gerne Miniröcke. Meine langen, schlanken Beine sind das Einzige, was ich an mir mag“, murmelte sie leise. „Die hab ich mir hart antrainiert.“ Danach blickte sie wieder zu ihm. „Hast du überhaupt andere Klamotten außer diese da im Schrank?“
G’raha blieb ebenfalls stehen und sah an sich hinunter, als würde er seine Kleidung zum ersten Mal wirklich kritisch betrachten. „Badehaus-Experte?“ Ein amüsiertes Lächeln erschien. „Das klingt nach einer erstaunlich wichtigen Qualifikation.“ Er legte eine Hand an die Brust. „Ich werde mich bemühen, deinen Unterricht würdig zu absolvieren.“
Als Mina dann meinte, dass sie ihn sich in anderer Kleidung kaum vorstellen konnte, musste er leise lachen. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass du mich bisher fast ausschließlich in dieser Kleidung gesehen hast.“ Bei ihrer Bemerkung über ihre Beine veränderte sich sein Gesichtsausdruck allerdings etwas. Er sah kurz zu ihr, dann wieder nach vorne. „Dann solltest du sie ruhig zeigen, wenn du dich darin wohlfühlst.“ Ein kleines, warmes Lächeln. „Und wenn du sie dir hart antrainiert hast, hast du allen Grund, stolz darauf zu sein.“ Er sagte es vollkommen selbstverständlich, ohne sie damit aufzuziehen.
Bei ihrer letzten Frage wurde sein Gesichtsausdruck wieder nachdenklicher. „Andere Kleidung?“ Er überlegte. „Ja.“ Eine Pause. „Vermutlich.“ Mina bekam einen skeptischen Blick von ihm. „Was?“ Er seufzte. „Ich habe ein paar andere Sachen.“ Noch eine Pause. „Sehr wenige.“ „Und meistens sind sie nicht besonders interessant.“ Er zog leicht am Schal. „Ich habe Kleidung für formellere Anlässe. Etwas für wärmeres Wetter. Ein paar einfache Sachen.“
Dann grinste er. „Aber wenn du mich fragst, was in meinem Kleiderschrank den meisten Platz einnimmt …“ Er hob einen Finger. „Bücher.“ Einen zweiten Finger. „Schriftrollen.“ Einen dritten. „Notizen.“ Er sah sie an. „Und irgendwo dazwischen versteckt sich vermutlich noch ein Hemd.“ Er lachte leise. „Du scheinst dich wirklich dafür zu interessieren, wie ich mich außerhalb meiner üblichen Kleidung mache.“ Sein Blick wurde schelmisch. „Sollte ich mir Sorgen machen?“
Sie schlug sich die Hand gegen die Stirn. „Irgendwie hätte ich ahnen müssen, dass du nicht nur Klamotten im Schrank hast. Bei so einem Bücherwurm. Ich hab zum Glück so ein Problem nicht“, grinste sie und setzte sich dann wieder in Bewegung. „Ich hab meine eigene kleine Privatbibliothek, zu der ich jederzeit gehen kann“, sagte sie stolz. „Aber okay, wenn man so viel auf Achse ist wie du, braucht man bestimmt nur recht wenig Klamotten“, schlussfolgerte sie. „Wir müssen hier lang, das Badehaus liegt in der Kelchkuppe.“
G’raha lachte leise, als Mina sich die Hand gegen die Stirn schlug. „Ich fühle mich ein wenig ertappt.“ Er folgte ihr und schulterte seine Tasche bequemer. „Aber zu meiner Verteidigung: Bücher nehmen erstaunlich viel weniger Platz ein, wenn man sie ordentlich stapelt.“ Er machte eine kurze Pause. „Zumindest rede ich mir das gerne ein.“
Als sie von ihrer eigenen kleinen Privatbibliothek erzählte, sah er sie interessiert an. „Eine eigene Bibliothek?“ Seine Augen leuchteten geradezu auf. „Das hätte ich jetzt tatsächlich nicht erwartet.“ Er musterte sie neugierig. „Du hast also nicht nur eine Vorliebe für Badehäuser, sondern auch eine ganze Sammlung an Büchern.“ Ein kleines Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Ich glaube, ich beginne langsam zu verstehen, weshalb wir uns so gut über Bücher unterhalten konnten.“
Als sie schließlich die Richtung vorgab, folgte er ihr ohne zu zögern. „Kelchkuppe also.“ Er sah sich kurz um, während sie durch die Straßen gingen. „Dann führe du mich. Ich gebe zu, dass ich mich hier nicht besonders gut auskenne.“ Ein paar Schritte später fügte er hinzu: „Und was meine Kleidung betrifft...“ Er blickte zu ihr. „Du hast vermutlich recht. Wenn man ständig unterwegs ist, lernt man irgendwann, mit wenig auszukommen.“ Dann grinste er. „Allerdings habe ich den Eindruck, dass du gerade versuchst herauszufinden, ob ich überhaupt etwas besitze, das nicht nach einem Archäologen auf Weltreise aussieht.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Wenn du wirklich so neugierig bist, wirst du mich wohl irgendwann besuchen müssen.“ Er sagte es völlig beiläufig. Dann hielt er kurz inne. „Meine Bibliothek meine ich.“ Ein kleines, verlegenes Räuspern. „Also... falls du sie sehen möchtest.“ Sein Blick wanderte wieder nach vorne. „Obwohl ich dich warnen muss: Wenn du einmal dort bist, könnte es passieren, dass du genauso wenig wieder herauskommst wie ich.“
Mina bog den Weg ab, der zur Kelchkuppe führte. „Ja, Aki ist von Beruf Schriftsteller. Und ein sehr erfolgreicher und bekannter noch dazu. Habe jedes seiner Bücher gelesen“, nickte sie, wobei sie ihre Tasche jetzt mit beiden Händen vor sich trug. „Vielleicht ändert sich das ja auch irgendwann, wenn du nicht mehr reist. Ich dachte, du hättest kein Haus oder eine Wohnung in den Beeten?“, kam es verwundert. „Oder ist es einfach nur ein Raum, der bis zum Bersten gefüllt ist, sodass man Berge besteigen muss, mit Büchern?“, fragte sie und schaute zur Seite, wo sich nun hohe Berge mit tiefen Schluchten in der Kelchkuppe erstreckten.
G’rahas Schritte verlangsamten sich ein wenig, als Mina erwähnte, dass Aki Schriftsteller war. „Ein erfolgreicher Schriftsteller?“ Er wirkte ehrlich beeindruckt. „Dann muss er ziemlich gut sein, wenn du tatsächlich jedes seiner Bücher gelesen hast.“ Ein neugieriges Funkeln trat in seine Augen. „Was schreibt er denn? Romane? Reiseberichte? Historische Werke?“ Er ließ die Frage offen im Raum stehen, während sie weiter in Richtung Kelchkuppe gingen.
Bei ihrer nächsten Frage sah G’raha kurz zur Seite. „Doch. Ich habe ein Zimmer in den Beeten.“ Er deutete vage in Richtung der höher gelegenen Bereiche. „Es ist nicht besonders groß, aber es reicht.“ Dann musste er bei ihrer Vorstellung unwillkürlich lachen. „Und nein. Du musst dort keine Berge erklimmen.“ Er schüttelte den Kopf. „Zumindest noch nicht.“ Sein Blick wanderte über die hohen Felsen und tiefen Schluchten der Kelchkuppe. „Wobei...“ Er überlegte. „Wenn du meine Notizen und Bücher mitzählt, könnte man vielleicht tatsächlich von einer gewissen... Platzproblematik sprechen.“ Ein kleines Grinsen. „Aber ich bemühe mich, Ordnung zu halten.“ Eine kurze Pause. „Zumindest bilde ich mir das ein.“ Er sah wieder zu Mina. „Wenn du wirklich irgendwann meine Bibliothek sehen möchtest, kann ich sie dir gerne zeigen.“ Dann hob er warnend einen Finger. „Aber ich bestehe darauf, dass du mir nicht erzählst, wie viel ordentlicher deine Bibliothek ist.“ Seine Augen funkelten. „Das würde meinem Stolz erheblichen Schaden zufügen.“
Als sie tiefer in die Kelchkuppe gelangten, wurde die Umgebung zunehmend beeindruckender. Die gewaltigen Felsformationen ragten über ihnen empor, während zwischen den Häusern und Wegen warme Lichter zu sehen waren. G’raha blickte sich interessiert um. „Ich muss zugeben...“ Er atmete tief durch. „Es ist lange her, dass ich einfach nur hier entlanggelaufen bin, ohne irgendeine Aufgabe zu haben.“ Dann sah er Mina an. „Vielleicht ist das genau das, was mir gefehlt hat.“ Ein ruhiges Lächeln. „Einfach jemandem folgen, der weiß, wohin er geht.“
„Er schreibt Romane und na ja... unter einem Pseudonym Liebesgeschichten zwischen zwei Männern. Ich hab sie auch alle gelesen“, gestand sie mit einem Räuspern. Sie schaute dann verwundert zu G’raha. „Hab ich mich bei unserem ersten Treffen so verhört, dass du mir erzählt hast, dass du keine feste Bleibe hättest?“, kam es verwundert.
Sie winkte jedoch ab, als G’raha seine Ordnung erwähnte. „Ach, das bin ich von Aki gewohnt. Der ist ein absoluter Chaot. Wenn ich nicht manchmal vorbeikomme und da aufräume, würde der Mann in seinen Bergen aus Büchern ersticken oder von ihnen erschlagen werden. Aber seit sein Mann da ist, macht er das meiste. Also mach dir, wie ich deine Unordnung finde, mal keine Sorgen.“
G’rahas Ohren stellten sich bei ihrer ersten Erklärung interessiert auf. „Liebesgeschichten zwischen zwei Männern?“ Ein kleines, wissendes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Und du hast tatsächlich alle gelesen.“ Er musterte sie einen Moment, dann hob er amüsiert eine Augenbraue. „Ich hätte dich vielleicht nicht unbedingt für eine begeisterte Leserin von Liebesromanen gehalten.“ Sein Lächeln wurde breiter. „Aber jetzt bin ich neugierig, welche davon dir besonders gefallen haben.“ Er ließ ihr die Möglichkeit, darauf einzugehen oder es einfach bei der Bemerkung zu belassen.
Bei ihrer Frage zu seiner Unterkunft wurde sein Gesichtsausdruck jedoch nachdenklicher. „Nein, du hast dich nicht verhört.“ Er sah sie an. „Als wir uns das erste Mal getroffen haben, hatte ich tatsächlich keinen festen eigenen Wohnsitz.“ Er machte eine kurze Pause. „Das hat sich inzwischen geändert.“ Seine Finger strichen beiläufig über den Rand seiner Tasche. „Ich habe ein Zimmer in den Beeten bekommen. Es ist nicht besonders groß, aber es ist meines.“ Ein leises Schmunzeln. „Und inzwischen habe ich sogar Dinge dort, die man tatsächlich als persönlichen Besitz bezeichnen könnte.“
Als Mina von Aki erzählte, musste G’raha lachen. „Dann klingt es ja so, als hätte dein Freund einen persönlichen Bibliothekar gebraucht und stattdessen dich bekommen.“ Er grinste. „Und jetzt, wo sein Mann da ist, hat er offenbar jemanden gefunden, der ihn ebenfalls ein wenig zur Ordnung zwingt.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Ich glaube, ich verstehe langsam, warum du dich so gut mit chaotischen Menschen auskennst.“
Dann wurde sein Blick etwas schelmischer. „Das bedeutet allerdings auch, dass ich jetzt besonders vorsichtig sein sollte.“ Er deutete auf sich. „Denn wenn du tatsächlich so viel Erfahrung damit hast, die Wohnungen anderer Menschen aufzuräumen...“ Eine kurze Pause. „...werde ich dich auf keinen Fall in meine Bibliothek lassen, bevor ich nicht selbst dafür gesorgt habe, dass alles halbwegs ordentlich aussieht.“ Er lachte leise. „Ich möchte schließlich nicht, dass du dort plötzlich anfängst, meine Bücher nach Farben zu sortieren.“
G’raha ging weiter neben ihr her. „Obwohl ich zugeben muss...“ Er sah zu Mina. „Dass ich mich tatsächlich darauf freuen würde, dir meinen kleinen Rückzugsort irgendwann zu zeigen.“ Seine Stimme wurde etwas ruhiger. „Es ist der Ort, an dem ich inzwischen wirklich angekommen bin.“ Dann deutete er auf den Weg vor ihnen. „Und jetzt bin ich gespannt auf deinen Rückzugsort.“ Ein warmes Lächeln. „Das Badehaus.“
Mina zog ihre Unterlippe zwischen die Zähne und knabberte sanft darauf herum. „Na ja, seine Romane sind eigentlich alle gut. Er hat für einige sogar Preise verliehen bekommen. Aber er macht sich nicht viel daraus. Seine Männerliebesgeschichten sind fortlaufende Bände. Da schreibt er etwas abgeändert wieder, was er erlebt hat. So verarbeitet er die Sachen in seinem Leben. Ich find’s schön, wenn ich die beiden sehe, wie sie liebevoll miteinander umgehen. Das finde ich irgendwie beneidenswert. Tja, nicht jeder kann das große Glück in der Liebe haben“, zuckte sie mit den Schultern. „Und das kann man in seinen Boylove-Romanen deutlich herauslesen. Und keine Sorge, ich respektiere das Chaos anderer. Du musst meinetwegen nicht extra aufräumen. Ich werde keines deiner Bücher anrühren“, hob sie feierlich die Hand. „Aber was hat sich geändert, dass du plötzlich ein Zimmer in den Beeten hast?“, fragte sie neugierig.
G’rahas Ausdruck wurde bei Minas Erklärung deutlich ruhiger. Er hörte ihr aufmerksam zu, ohne sie zu unterbrechen. Besonders bei den Worten über Aki und Tachi blieb sein Blick einen Moment länger auf ihr liegen. „Dann schreibt er also nicht einfach Geschichten.“ Seine Stimme war nachdenklich. „Er verarbeitet darin sein eigenes Leben.“ Er nickte langsam. „Das erklärt vermutlich auch, weshalb du sie so gerne liest. Du kennst die Menschen hinter den Geschichten und kannst vielleicht erkennen, was davon tatsächlich passiert ist.“ Ein kleines Lächeln. „Und ich kann verstehen, weshalb du die beiden gerne zusammen siehst.“
Bei ihrem letzten Satz verschwand sein Lächeln jedoch ein wenig. „Nicht jeder bekommt das große Glück in der Liebe.“ Er wiederholte ihre Worte nicht spöttisch, sondern eher nachdenklich. „Aber ich glaube nicht, dass das bedeutet, dass es für jemanden unmöglich ist.“ Sein Blick wanderte kurz über die Felsen. „Manchmal trifft man einfach zur falschen Zeit die falschen Menschen.“ Dann sah er wieder zu ihr. „Oder man erkennt den richtigen Menschen erst, wenn man schon viel zu lange geglaubt hat, dass man allein besser zurechtkommt.“ Für einen Moment schwieg er. Dann schmunzelte er leicht. „Aber das ist vermutlich eine ziemlich philosophische Antwort auf eine Unterhaltung über Liebesromane.“
Als Mina feierlich die Hand hob, musste er lachen. „Ich nehme dein Versprechen an.“ Er hob ebenfalls eine Hand. „Und ich verspreche im Gegenzug, dich nicht dazu zu bringen, meine Bücher zu sortieren.“
Dann kam ihre eigentliche Frage. G’raha schwieg kurz. „Was sich geändert hat?“ Er atmete langsam aus. „Viel.“ Sein Blick wurde etwas ernster. „Früher war ich... nicht wirklich jemand, der sich vorstellen konnte, irgendwo dauerhaft zu bleiben.“ Er sah nach vorne. „Ich war lange unterwegs. Und selbst als ich zurückkehrte, fühlte sich vieles noch fremd an.“ Seine Finger schlossen sich etwas fester um den Riemen seiner Tasche. „Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht ständig darauf warten wollte, dass das nächste Abenteuer beginnt.“ Ein kleines Lächeln. „Ich wollte einen Ort haben, an den ich zurückkehren konnte.“
Er sah Mina an. „Also habe ich mir ein Zimmer in den Beeten gesucht.“ Eine kurze Pause. „Es war zunächst nur ein Zimmer.“ Seine Augen funkelten. „Dann kamen Bücher.“ „Dann weitere Bücher.“ „Dann noch mehr Bücher.“ Er seufzte gespielt. „Und irgendwann war es offensichtlich zu spät.“ Ein leises Lachen. „Jetzt ist es mein Zuhause.“ Sein Blick blieb einen Moment bei Mina. „Vielleicht habe ich mich also doch ein wenig verändert.“ Dann deutete er auf den Weg vor ihnen. „Und vielleicht ist es ganz passend, dass ich heute mit dir hierher unterwegs bin.“ Er grinste. „Schließlich war das erste Mal, dass wir uns getroffen haben, auch kein besonders geplanter Ausflug.“
Sie blickte nach vorne. „Oh, da hat sich ja doch schon eine ganz schöne Schlange gebildet“, zeigte sie nach vorne zu seinem Haus, wo schon einige Leute anstanden. „Sollten wir wohl auch, bevor die Schlange noch länger wird. Die Meerjungfrau ist hier sehr beliebt“, und ging auf die Schlange zu, um sich anzustellen. „Und ich habe schon zu viele Männer kennengelernt und war dann die Doofe, die dann betrogen, angelogen und verarscht am Schluss dastand“, und umfasste ihre Tasche fester. „Hört sich an, als hätten die Bücher die Herrschaft in deinem Zuhause übernommen und du nur da schlafen darfst. Aber schön, dass du einen Ort für dich gefunden hast, an dem du nach deinen Abenteuern zurückkommen kannst, den du Zuhause nennst“, freute sie sich ehrlich für G’raha.
G’raha folgte ihrem Blick und blieb kurz stehen. Vor dem Eingang der Meerjungfrau hatte sich tatsächlich bereits eine beachtliche Schlange gebildet. „Bei den Zwölf...“ Er betrachtete die Menschenmenge. „Und ich dachte, du hättest übertrieben, als du meintest, das Badehaus wäre beliebt.“ Er stellte sich hinter Mina an. „Gut, dass wir rechtzeitig losgegangen sind.“
Als sie von ihren bisherigen Erfahrungen mit Männern erzählte, verschwand sein amüsiertes Lächeln. Er bemerkte, wie sie ihre Tasche fester umfasste. G’raha sagte zunächst nichts. Dann wandte er sich ihr etwas zu. „Das tut mir leid.“ Seine Stimme war ungewöhnlich ruhig. „Nicht nur, dass sie dich angelogen und betrogen haben. Sondern auch, dass du dadurch offenbar irgendwann das Gefühl bekommen hast, selbst diejenige zu sein, die am Ende dumm dasteht.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Du warst nicht die Dumme, Mina.“
Sein Blick blieb auf ihr. „Vertrauen zu schenken ist kein Fehler.“ Ein kurzer Moment Stille. „Diejenigen, die dieses Vertrauen missbraucht haben, tragen die Verantwortung dafür.“ Er sah wieder nach vorne, gab ihr aber bewusst Raum. „Und du musst mir davon auch nichts weiter erzählen, wenn du nicht möchtest.“
Dann musste er bei ihrem Kommentar über seine Bücher wieder schmunzeln. „Nun...“ Er sah auf. „Ich fürchte, die Bücher haben tatsächlich die Herrschaft übernommen.“ Sein Gesicht wurde gespielt ernst. „Ich bin nur noch ein geduldeter Bewohner.“ Er hob die Hand und zählte an den Fingern ab. „Sie entscheiden, wo ich sitzen darf. Sie bestimmen, wie viel Platz auf meinem Schreibtisch bleibt. Und wenn ich ein Buch falsch zurückstelle...“ Er schüttelte dramatisch den Kopf. „...werde ich vermutlich irgendwann aus dem Zimmer geworfen.“ Sein Grinsen kehrte zurück.
Doch dann wurde sein Blick wieder weich, als Mina sich ehrlich für ihn freute. „Danke.“ Nur dieses eine Wort. Dann fügte er leise hinzu: „Es bedeutet mir tatsächlich viel.“
Die Schlange bewegte sich ein kleines Stück vorwärts. G’raha machte einen Schritt nach vorn und sah kurz zum Eingang. „Und jetzt bin ich gespannt, ob deine Meerjungfrau ihrem Ruf gerecht wird.“ Er sah Mina von der Seite an. „Du hast mir schließlich bereits erzählt, dass du hier deine Favoriten hast.“ Ein neugieriges Funkeln trat in seine Augen. „Wirst du mir heute zeigen, welcher Teil davon dein absoluter Lieblingsort ist?“
Bei G’rahas Worten blickte sie zu Boden und wackelte mit den Zehen in ihren Ballerinas, die sie heute ausnahmsweise mal anhatte. „Ja, entweder man hat Glück oder keines, das kann man leider vorher nicht wissen“, sagte sie fröhlich. Sie bewegte sich dann mit der Schlange nach vorne, wobei ihr auffiel, dass vor ihr ein großer Roegadyn stand. „Hört sich an, als hättest du in deiner Wohnung gar kein Sagen, solch freche Bücher“, kicherte sie, wobei sie sich zu G’raha umdrehte. „Ich hoffe, du zahlst ihnen nicht auch noch jedem einzelnen Miete“, witzelte sie. „Erst mal werde ich dir alle Zimmer zeigen und dann darfst du entscheiden, welchen du besuchen willst. Danach werde ich dir dann meine Favoriten sagen. Ich will dich ja nicht beeinflussen.“
G’raha musste bei ihrem Spruch über seine Bücher lachen. „Nein, zum Glück verlangen sie keine Miete.“ Er legte eine Hand an die Brust und setzte eine todernste Miene auf. „Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass sie sich irgendwann beschweren werden, wenn ich zu wenig Zeit mit ihnen verbringe.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Vielleicht sollte ich anfangen, ihnen regelmäßig Geschichten vorzulesen. Dann fühlen sie sich vielleicht ausreichend gewürdigt.“
Als Mina erklärte, dass sie ihm erst alle Räume zeigen und ihn anschließend selbst entscheiden lassen wollte, nickte er anerkennend. „Das klingt fair.“ Er betrachtete die Schlange vor ihnen. „Dann bekomme ich also eine Führung, ohne dass du mir vorher verrätst, welchen Ort ich bevorzugen soll.“ Ein kleines Lächeln. „Das gefällt mir.“
Sein Blick wanderte kurz zu den Ballerinas an ihren Füßen. „Und ich sehe, du hast dich heute sogar für bequemes Schuhwerk entschieden.“ Er grinste. „Eine kluge Entscheidung. Ich habe inzwischen gelernt, dass du deine Badehausbesuche ziemlich ernst nimmst.“
Die Schlange rückte erneut ein Stück vor. G’raha ging mit Mina weiter. „Und was deine Aussage über Glück betrifft...“ Er sah sie kurz von der Seite an. „Vielleicht hast du bisher einfach Pech gehabt.“ Ein ruhiger Moment. „Das heißt nicht, dass es immer so bleiben muss.“ Er lächelte schwach. „Manchmal begegnet man jemandem völlig unerwartet.“ Seine Ohren zuckten. „Und manchmal beginnt eine Freundschaft genau so.“ Er sah nach vorne, als wäre das die selbstverständlichste Feststellung der Welt. „Oder ein Badehausbesuch.“ Ein schelmisches Grinsen. „Je nachdem, wie sich die Dinge entwickeln.“
Vor ihnen bewegte sich die Schlange erneut. Diesmal waren sie schon deutlich näher am Eingang. G’raha betrachtete das Gebäude. „Ich glaube, wir sind bald dran.“ Dann wandte er sich wieder Mina zu. „Und ich hoffe wirklich, dass du nicht enttäuscht bist, wenn ich am Ende einen völlig anderen Raum auswähle als du.“ Sein Blick wurde herausfordernd. „Ich möchte schließlich beweisen, dass ich selbstständig Entscheidungen treffen kann.“
Sie kicherte so sehr bei G’rahas Vorschlag, seinen Büchern Geschichten vorzulesen, dass der große Roegadyn sich nach ihr umdrehte und sich dann wortlos wieder abwandte. „Ach, sind wir das? Freunde?“, fragte sie, wobei ihr Schweif etwas zu enthusiastisch ausschwang und leicht gegen G’rahas Beine peitschte. „Oh, sorry, das Teil hat manchmal ein Eigenleben“, und zog ihren Schweif zu sich heran. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen, um nach vorne zu blicken. „Mh, die linke Kasse ist heute relativ fixer als die rechte“, stellte sie fest. „Und wenn du schon bei deinen Büchern nicht das Sagen haben darfst, dann wenigstens im Badehaus“, schaute sie zu dem Kater.
G’raha blickte bei ihrer Frage zunächst überrascht zu ihr. „Sind wir das?“ Seine Ohren stellten sich auf, und für einen Moment schien er tatsächlich darüber nachzudenken. Dann traf Minas Schweif seine Beine. „Oh!“ Er sah kurz nach unten, bevor er amüsiert zu Mina zurückblickte. „Ich glaube, ich sollte mich künftig vor diesem gefährlichen Anhängsel in Acht nehmen.“ Er grinste. „Aber keine Sorge. Ich nehme es dir nicht übel.“
Als Mina sich auf die Zehenspitzen stellte, um die Schlangen vor ihnen besser überblicken zu können, folgte sein Blick ebenfalls nach vorne. „Links also.“ Er nickte ernst. „Dann sollten wir uns das merken. Eine wichtige Lektion für meinen Badehausunterricht.“
Bei ihrer Bemerkung über seine Bücher lachte er leise. „Du hast recht.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Wenn meine Bücher schon zu Hause das Sagen haben, werde ich wenigstens hier meine Entscheidungsfreiheit verteidigen.“ Dann sah er sie von der Seite an. „Wobei...“ Ein schelmisches Funkeln trat in seine Augen. „Wenn wir tatsächlich Freunde sind, dann darfst du mir natürlich trotzdem widersprechen.“ Er ließ die Worte einen Moment wirken. „Aber nur manchmal.“
Seine Ohren zuckten amüsiert. Dann wurde sein Ausdruck etwas weicher. „Und ja.“ Er sah Mina direkt an. „Ich würde sagen, wir sind Freunde.“ Ein kleines, ehrliches Lächeln. „Zumindest hoffe ich das.“
Er wandte sich wieder der Schlange zu, doch das Lächeln blieb. „Schließlich hast du mich bereits durch die halbe Stadt gelotst, mich vor dem Luftschiff abgefangen, mir erklärt, wie Badehäuser funktionieren, und mich davon überzeugt, dass ich dringend mehr Freizeit brauche.“ Eine kurze Pause. „Das klingt für mich ziemlich eindeutig nach Freundschaft.“
Die Schlange bewegte sich wieder. Diesmal waren sie nur noch wenige Personen vom Eingang entfernt. G’raha deutete auf die linke Kasse. „Dann wollen wir doch einmal sehen, ob deine Empfehlung tatsächlich so gut ist.“ Er schmunzelte. „Und falls nicht, werde ich mich selbstverständlich bei dir beschweren.“ Seine roten Augen funkelten belustigt. „Schließlich bist du jetzt meine offizielle Badehaus-Beraterin.“
„Ja, und wie ich bereit bin. Mache das nicht zum ersten Mal“, gestand sie und schaute sich dann um. „Oh Gott, die Leute müssen echt denken, dass wir einen Schuss haben“, kicherte sie. „Aber egal, ich hab meinen Spaß mit dir“, zuckte sie dann mit den Schultern.
Dann waren sie dran und traten an die Kasse. „Hi, einmal Eintritt für den Herren“, und deutete auf G’raha. „Und ich hab einen Jahresring“, holte damit eine Kette hervor, an der ein Ring baumelte. „Das macht dann einmal 50 Gil, bitte. Essen und Trinken sind inklusive“, ging es an G’raha von der Kassiererin und reichte ihm ein blaues und Mina ein rosa Handtuch.
G’raha trat neben Mina an die Kasse und musste bei ihrer Bemerkung über die anderen Besucher leise lachen. „Nun, wenn sie denken, wir hätten einen Schuss, dann haben sie wenigstens einen unterhaltsamen Abend.“ Er warf ihr einen Seitenblick zu. „Und ich habe ebenfalls Spaß. Das ist schließlich das Wichtigste.“
Als die Kassiererin ihn direkt ansprach, richtete G’raha seine Aufmerksamkeit auf sie und nickte höflich. „Guten Abend.“ Er griff nach seinem Geldbeutel, hielt aber kurz inne, als Mina bereits ihren Jahresring hervorgeholt hatte. Seine Augen wanderten neugierig zu dem Ring. „Du hast einen Jahresring?“ Er sah Mina kurz an. „Das erklärt einiges.“
Dann wandte er sich wieder der Kassiererin zu und legte die fünfzig Gil auf den Tresen. „Bitte.“ Die Kassiererin nahm das Geld entgegen und reichte ihm das blaue Handtuch. G’raha nahm es entgegen und betrachtete es einen Augenblick. Dann blickte er zu Minas rosa Handtuch. „Natürlich.“ Er hielt sein blaues Handtuch hoch. „Du bekommst rosa und ich blau.“ Ein breites Grinsen. „Ich nehme an, das ist kein Zufall.“
Die Kassiererin schmunzelte. „Die Farben sind zufällig.“ G’raha nickte ernst. „Natürlich.“ Dann wandte er sich wieder Mina zu. „Ich glaube dir.“ Er legte sich das Handtuch über den Arm und trat mit ihr von der Kasse weg.
Sein Blick fiel noch einmal auf ihren Jahresring. „Wie oft bist du eigentlich hier, dass sich so ein Ring lohnt?“ Er deutete auf das kleine Schmuckstück. „Du hast nicht zufällig irgendwann vor, mir einen Jahresring aufzuschwatzen, damit ich zum Stammgast werde?“ Sein Grinsen wurde breiter. „Denn ich glaube, du bist durchaus dazu fähig.“
Er ging ein paar Schritte weiter und sah sich neugierig um. „Also, Frau Badehaus-Beraterin.“ Er machte eine kleine, übertriebene Geste in Richtung der Räume. „Die Führung kann beginnen.“
„Ich komme regelmäßig her, warum der Ring sich eher für mich lohnt“, und steckte diesen dann wieder ein. „Der kostet aber auch gut 300 Gil. Ob du selber einen willst, musst du entscheiden“, und ging dann zielstrebig auf die Eingangstüre zu, um ins Badehaus zu gehen. Dort ging sie zu der einzigen Tür, die man sehen konnte. „Im ersten Untergeschoss sind die Umkleiden. Rechts die Männer, links die Frauen im gleichen Raum. Wehe, du schmulst“, hob sie warnend einen Finger.
G’raha folgte Mina durch den Eingang und sah sich neugierig um. Bei ihrer Warnung hob er beide Hände. „Ich? Spionieren?“ Er setzte eine ausgesprochen unschuldige Miene auf. „Für wen hältst du mich?“ Ein kleines Grinsen verriet allerdings, dass er die Warnung durchaus amüsant fand. „Keine Sorge. Ich werde mich benehmen.“
Er deutete auf die beiden Türen. „Männer rechts. Frauen links.“ Er nickte feierlich, als würde er sich gerade eine äußerst wichtige archäologische Information einprägen. „Verstanden.“
Dann sah er wieder zu Mina. „Und was den Jahresring betrifft... dreihundert Gil sind nicht gerade wenig.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Ich werde wohl erst herausfinden müssen, ob ich tatsächlich oft genug hierherkomme, bevor ich mir einen zulege.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinen Augen. „Vielleicht brauche ich dafür noch ein paar weitere Badehaus-Ausflüge.“
Er ging zur rechten Tür, blieb jedoch noch einmal stehen. „Wir treffen uns unten wieder?“ Sein Blick wanderte kurz zu Minas Handtuch. „Und keine Sorge. Ich werde weder schmulen noch versuchen, mich irgendwie in die Damenumkleide zu verirren.“ Er hob einen Finger. „Versprochen.“ Dann verschwand er durch die rechte Tür.
Wenige Minuten später stand G’raha bereits im unteren Bereich und wartete vor dem Zugang zu den eigentlichen Baderäumen. Er hatte seine Kleidung ordentlich zusammengelegt und seine Tasche verstaut. Das blaue Handtuch lag über seinem Arm.
Als Mina aus der anderen Umkleide kam, hob er den Kopf. „Ah, da bist du ja.“ Er sah sich kurz um. „Und ich muss sagen...“ Sein Blick wanderte durch den Raum. „...ich verstehe jetzt, weshalb du diesen Ort so magst.“ Dampf lag bereits in der Luft, und aus den angrenzenden Bereichen drangen Stimmen und leises Wasserplätschern.
G’raha sah wieder zu Mina. „Also.“ Er deutete auf die verschiedenen Wege. „Jetzt kommt der Teil deiner Führung, bei dem du mir erklärst, wohin wir gehen.“ Ein kleines Lächeln. „Ich folge dir.“
Vorsichtig öffnete sie etwas die Tür der Damenumkleide und sah G’raha schon draußen stehen. „Wehe, du lachst“, sagte sie und trat zögernd nach draußen. Sie trug einen rosa schimmernden Bikini. Beide Arme hielt sie etwas schützend vor ihre Brust. Verlegen schaute sie zur Seite. G’raha konnte sie jetzt ohne die üblichen Straßenklamotten betrachten. Ihre Figur war zierlich und auch recht schmal gebaut, eigentlich auch viel zu dünn, sodass man ihre Rippen deutlich sehen konnte. „Wollen wir uns erst mal was zu trinken holen?“, fragte sie. Warum genierte sie sich so vor ihm? Sie traute sich noch nicht einmal, ihn anzuschauen, wie er in Badehose aussah.
G’raha, der gerade noch neugierig die verschiedenen Zugänge betrachtet hatte, drehte sich bei Minas Stimme zu ihr um. Für einen Moment sagte er nichts. Sein Blick blieb kurz an ihr hängen, doch kaum bemerkte er ihre Unsicherheit, wandte er den Blick wieder höflich ab. „Ich würde niemals lachen.“ Seine Stimme war sanft, beinahe ein wenig überrascht darüber, dass sie überhaupt damit rechnete. Er nahm wahr, wie verlegen sie wirkte, und beschloss ganz bewusst, ihr keinen zusätzlichen Grund zu geben, sich unwohl zu fühlen. „Du musst dich nicht verstecken, Mina.“ Ein kleines, warmes Lächeln. „Du siehst schön aus.“ Ganz selbstverständlich gesagt, ohne daraus etwas Größeres zu machen.
Dann deutete er auf den Bereich mit den Getränken. „Und ja. Etwas zu trinken klingt ausgezeichnet.“ Er setzte sich langsam in Bewegung, blieb aber nach ein paar Schritten stehen und sah über die Schulter zu ihr. „Und nur damit das geklärt ist...“ Ein schelmisches Funkeln trat in seine Augen. „Ich werde dich nicht dazu zwingen, mich anzusehen, wenn du dich gerade nicht traust.“ Er grinste leicht. „Du kannst dich erst einmal an meine überaus beeindruckende Badehaus-Erscheinung gewöhnen.“ Damit ging er weiter. „Was möchtest du trinken?“ Er betrachtete die Auswahl. „Du bist schließlich die Expertin. Ich überlasse dir die Entscheidung.“ Dann fügte er mit einem leisen Lachen hinzu: „Aber bitte nichts, bei dem ich anschließend das Gefühl bekomme, eine neue Prüfung für meine Ausbildung abgelegt zu haben.“
Verlegen zog sie ihre Haare über die Schulter, die sie durch ihre Finger zog. „Danke“, war sie verlegen über sein Kompliment. Mein Gott, jetzt hab dich nicht so, du hast schon Männer mit gar nichts gesehen, schollt sie sich innerlich selber. Und linste dann auf G’rahas Rücken. Sie war erstaunt, er war nicht so muskelbepackt, wie sie angenommen hatte. Ja, man sah, dass er Muskeln hatte, aber die stachen einem nicht direkt ins Auge, sie waren gut definiert. Tief atmete sie ein, bevor sie dem Rothaarigen folgte. „Die Badehose steht dir und ich nehme einen Kirschmet. Du kannst gerne was Alkoholfreies trinken, wenn du magst. Der Rubinsee schmeckt nicht schlecht, da ist Melonensirup drin“, grinste sie G’raha an.
G’raha bemerkte ihren kurzen Blick, sagte dazu aber nichts. Stattdessen ging er mit ihr weiter zum Getränkebereich und betrachtete die Auswahl. Bei ihrem Kompliment sah er kurz überrascht zu ihr. „Danke.“ Ein kleines, verlegenes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich war mir nicht sicher, ob diese Badehose überhaupt zu mir passt.“ Er blickte an sich hinunter und zupfte einmal etwas unbeholfen am Stoff. „Offenbar habe ich heute zumindest eine Entscheidung richtig getroffen.“
Dann sah er auf die Getränkekarte. „Kirschmet für dich.“ Sein Blick wanderte weiter. „Und Rubinsee für mich.“ Er nickte. „Das klingt gut. Melone mag ich.“
Als die Getränke schließlich vor ihnen standen, nahm G’raha seinen Rubinsee und hob das Glas leicht an. „Auf deinen Badehaus-Rundgang.“ Er stieß sein Glas vorsichtig gegen ihres. „Und auf eine neue Freundschaft.“ Ein Schluck. Seine Augen wurden etwas größer. „Oh.“ Er nahm noch einen kleinen Schluck. „Der ist tatsächlich ziemlich gut.“ Er sah Mina an. „Du hattest recht.“ Ein schelmisches Lächeln. „Ich werde mir wohl merken müssen, dass deine Empfehlungen gefährlich zuverlässig sind.“
Dann deutete er mit seinem Glas auf den Bereich mit den verschiedenen Bädern. „Und nun?“ Er sah sich um. „Du hast gesagt, du würdest mir erst alles zeigen und mich anschließend entscheiden lassen.“ Seine Augen funkelten neugierig. „Also bin ich bereit für die Führung.“ Er machte eine kleine, übertriebene Verbeugung. „Frau Badehaus-Beraterin.“
Lächelnd stieß sie mit G’raha an und nahm einen kleinen Schluck ihres Mets. „Keine Sorge, ich bin den gewohnt. Davon werd ich nicht gleich beschwipst“, sagte sie vorsorglich. Mittlerweile hatte sie sich entspannt. Dann ging sie zur Tür, wo ein Schild mit den verschiedenen Themenbädern und deren Etagen stand. „Also, es gibt die Waldquelle, der Name sagt schon, glaub ich, alles. Dann Radz-at-Han, ein fernöstliches Bad. Das Nngiyo, da ist das Wasser mit Mineralien angereichert. Das Nophica-Bad sieht aus wie ein nächtlicher Wald. Das Unterwasserbad, sagt auch schon alles. Die Berghütte. Dann haben wir noch die Regennacht-Oase und zu guter Letzt die Mondlichtquelle“, zählte sie auf. „Du entscheidest, wo geht es hin.“
G’raha nahm noch einen Schluck von seinem Rubinsee und hörte Mina aufmerksam zu, während sie die verschiedenen Bäder aufzählte. Bei jedem Namen hob er ein wenig die Augenbrauen. „Waldquelle... Radz-at-Han... Nngiyo... Nophica-Bad... Unterwasserbad... Berghütte... Regennacht-Oase... Mondlichtquelle.“ Er wiederholte die Namen langsam, als müsste er sie erst einmal auf sich wirken lassen. „Das sind deutlich mehr Möglichkeiten, als ich erwartet hatte.“
Er stellte sein Glas beiseite und trat näher an die Tafel. „Und du willst wirklich, dass ich entscheide?“ Ein skeptischer, aber amüsierter Blick zu Mina. „Du weißt schon, dass ich mich damit möglicherweise für etwas entscheide, das du selbst niemals ausgewählt hättest.“
Er betrachtete die Beschreibungen noch einmal. „Die Waldquelle klingt schön.“ Sein Blick wanderte weiter. „Aber das Nophica-Bad...“ Er schmunzelte. „Ein nächtlicher Wald klingt ebenfalls ziemlich interessant.“
Dann blieb sein Blick an einem Namen hängen. „Die Mondlichtquelle.“ Er sah zu Mina. „Das klingt nach einem Ort, an dem man tatsächlich vergessen könnte, dass man mitten in Ul’dah ist.“ Sein Blick wanderte wieder zur Tafel. „Andererseits hast du mir gerade acht Möglichkeiten gegeben. Wenn ich jetzt einfach eine auswähle, verpasse ich sieben andere.“ Er sah sie mit einem schelmischen Funkeln an. „Ich glaube, ich brauche einen kleinen Hinweis.“
Dann hob er einen Finger. „Aber nur einen.“ Ein Grinsen. „Du darfst mir nicht sagen, welches dein Favorit ist.“ Er deutete auf die Liste. „Sag mir einfach, welches dieser Bäder du für einen Anfänger wie mich am ehesten empfehlen würdest.“ Dann nahm er sein Glas wieder auf. „Und danach entscheide ich.“ Seine Ohren zuckten erwartungsvoll. „Einverstanden?“
Schelmisch grinsend beobachtete Mina, wie schwer G’raha die Entscheidung fiel, und zuckte mit den Schultern. „Macht keinen Unterschied, ich war schon in allen. Eigentlich sind sie alle anfängertauglich, es kommt auf die Stimmung an, welches man wählt. Aber für dich, alten Knacker mit über hundert, würde ich dir vielleicht sogar das Mineralbad empfehlen, für deine alten, müden Knochen“, zog sie ihren Begleiter auf.
G’raha starrte Mina einen Moment lang an. Dann legte er sich eine Hand auf die Brust. „Über hundert?“ Seine Ohren klappten empört nach hinten. „Meine Güte. Kaum sind wir Freunde geworden, erklärst du mich schon zum alten Knacker.“ Er schüttelte den Kopf, konnte sein Grinsen aber nicht verbergen. „Und ich hatte tatsächlich geglaubt, du würdest mir heute ein wenig Respekt entgegenbringen.“
Er deutete auf die Beschreibung des mineralischen Bades. „Aber gut. Wenn du der Meinung bist, dass meine alten, müden Knochen besondere Pflege benötigen...“ Er nahm eine theatralisch nachdenkliche Haltung ein. „...wer bin ich dann, deine fachkundige Empfehlung infrage zu stellen?“ Ein leises Lachen. „Wir nehmen das Nngiyo-Bad.“
Er wandte sich von der Tafel ab und sah Mina an. „Aber nur unter einer Bedingung.“ Sein Grinsen wurde schelmisch. „Wenn ich danach tatsächlich jünger, beweglicher und mindestens fünfzig Jahre weniger alt aussehe, werde ich dich künftig daran erinnern, dass ich keineswegs ein alter Knacker bin.“ Er hob warnend einen Finger. „Und wenn es nicht funktioniert, werde ich dir vorwerfen, mich absichtlich in ein Bad für alte Elezen geschickt zu haben.“
Dann ging er langsam in Richtung des entsprechenden Eingangs. „Na los, Frau Badehaus-Beraterin.“ Er sah über die Schulter zurück. „Zeig mir, was dieses Nngiyo-Bad zu bieten hat.“ Nach ein paar Schritten fügte er noch hinzu: „Und keine Sorge. Falls meine Knochen dort plötzlich anfangen zu knacken, werde ich versuchen, nicht zu schreien.“ Seine Augen funkelten belustigt. „Versprechen kann ich allerdings nichts.“
Mina kicherte bei G’rahas Worten so sehr, dass sie aufpassen musste, nichts von dem Met zu verschütten. „Also, wenn das wirklich ein Wunderbad wäre und du fünfzig Jahre jünger werden würdest... wie alt wärst du dann, 85?“, fragte sie frech. „Und ich glaub, das musst du dir wohl oder übel gefallen lassen. Du hast mir schließlich erzählt, dass du eigentlich über hundert bist. Selber schuld“, und ging an ihm vorbei, um ins Nngiyo-Bad zu gehen.
Dort standen große, goldene Statuen, die wie Drachen aussahen und Kugeln mit ihren Schwänzen hielten, die bläulich schimmerten. Der Boden war mit Tatamimatten ausgelegt und die Wände zierten rustikale künstliche Steine. In der Mitte war ein großes hölzernes Badebecken eingelassen, welches sie ohne zu zögern betrat. „Vorsicht, die haben unterschiedliche Tiefen, diese Becken hier. Nicht, dass du dich hinsetzt und abgluckerst“, warnte sie und setzte sich auf eine Erhöhung, sodass das Wasser ihr bis fast zur Brust reichte.
G’raha musste so lachen, dass er beinahe selbst sein Glas absetzen musste. „Fünfundachtzig?“ Er sah Mina mit gespielter Empörung an. „Du ziehst mich wirklich erbarmungslos auf.“
Er folgte ihr ins Nngiyo-Bad und blieb beim Anblick der goldenen Drachenstatuen zunächst stehen. Seine roten Augen wanderten interessiert über die schimmernden Kugeln, die Tatamimatten und die kunstvollen Steinwände. „Das ist... beeindruckend.“ Natürlich konnte der Gelehrte in ihm nicht einfach nur schön sagen. Er betrachtete eine der Statuen genauer. „Die Gestaltung erinnert tatsächlich an östliche Drachen. Interessant, wie sie die Kugeln mit den Schwänzen halten.“
Dann hörte er Minas Warnung und blickte zum Becken. „Unterschiedliche Tiefen?“ Er sah sie an. „Gut, dass du mich warnst. Nach meinem gerade erst bestätigten hohen Alter möchte ich ungern tatsächlich ertrinken.“
Mit einer gewissen Vorsicht stieg er ins Wasser und tastete zunächst mit dem Fuß nach dem Boden. „Aha...“ Noch ein Schritt. Dann noch einer. „Du hattest recht.“ Er ging bis zu einer Stelle, an der das Wasser ihm etwa bis zur Brust reichte, und ließ sich langsam nieder. Ein hörbares, zufriedenes Seufzen entwich ihm. „Oh.“ Seine Schultern sanken sichtbar. „Das ist... wirklich angenehm.“
Er lehnte sich etwas zurück und schloss für einen Moment die Augen. „Ich glaube, ich verstehe jetzt langsam deine Begeisterung.“ Nach einigen Sekunden öffnete er wieder die Augen und sah zu Mina hinüber. „Und was meine angeblichen fünfundachtzig Jahre betrifft...“ Ein kleines Grinsen. „Ich werde dich daran erinnern, dass ich mich trotz meines fortgeschrittenen Alters noch hervorragend halte.“
Er hob eine Hand aus dem Wasser und betrachtete sie nachdenklich. „Vielleicht brauche ich tatsächlich einfach mehr Badehäuser.“ Dann ließ er die Hand wieder ins Wasser sinken. „Oder vielleicht ist das hier tatsächlich ein Wunderbad.“ Sein Blick wurde amüsiert. „Wenn ich nachher aussehe wie fünfundachtzig, werde ich mich allerdings bei dir beschweren.“
Mina hatte ihren Krug mit Met auf den Rand gestellt und lehnte sich ebenfalls zurück. „Ja, so ein Bad ist doch sehr entspannend. Manche Badehäuser haben sogar Massagen im Angebot und Saunen gibt es auch, aber nicht in dem hier.“
G’raha ließ sich noch ein wenig tiefer ins warme Wasser sinken, bis nur noch Kopf und Schultern herausragten. Ein zufriedenes Seufzen entwich ihm. „Massagen und Saunen also.“ Er öffnete ein Auge und sah zu Mina hinüber. „Ich beginne zu verstehen, weshalb du so viele Badehäuser kennst.“ Ein kleines Grinsen. „Du hast dir offenbar ein ziemlich umfangreiches Fachgebiet ausgesucht.“
Er schloss wieder die Augen. „Aber ich glaube, für heute reicht mir dieses Bad vollkommen.“ Ein paar Sekunden vergingen, in denen nur das leise Plätschern des Wassers zu hören war. Dann hob G’raha eine Hand aus dem Wasser. „Wobei...“ Er betrachtete seine Finger nachdenklich. „Eine Massage nach einer langen Reise klingt tatsächlich ziemlich angenehm.“ Seine Hand verschwand wieder im Wasser. „Vielleicht sollte ich das irgendwann ausprobieren.“
Er wandte den Kopf zu Mina. „Natürlich nur, wenn du mir dann auch erklären kannst, welche Badehäuser dafür besonders geeignet sind.“ Ein leichtes Lächeln. „Du bist schließlich meine Expertin.“ Seine Ohren bewegten sich entspannt. „Und ich muss sagen...“ Er ließ den Blick durch den Raum wandern. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell abschalten kann.“
Dann sah er wieder zu ihr. „Normalerweise denke ich selbst beim Entspannen darüber nach, was als Nächstes erledigt werden muss.“ Ein leises Schmunzeln. „Heute denke ich gerade nur darüber nach, wie angenehm warm das Wasser ist.“ Er lehnte den Kopf zurück. „Vielleicht hattest du mit deiner Einladung wirklich eine gute Idee.“
„Da hab ich dem alten Herren mal was Gutes getan. Ja, eine gute Tat am Tag tut Wunder“, grinste sie und schloss ebenfalls die Augen. „Ach übrigens, es ist die Mondlichtquelle, mein Lieblingsbad“, kam es entspannt von ihr.
G’raha öffnete bei ihren Worten ein Auge. „Der alte Herr dankt dir für diese gute Tat.“ Ein leises Lachen folgte, bevor er die Augen wieder schloss. „Ich werde diese Wohltat selbstverständlich in mein persönliches Tagebuch aufnehmen.“ Er ließ sich noch ein wenig tiefer ins warme Wasser sinken. „Tag eins: Mina hat mich in ein Badehaus verschleppt. Tag zwei: Meine alten Knochen wurden in einem mineralischen Bad gerettet.“ Seine Mundwinkel zuckten. „Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte.“
Als Mina schließlich ihren Lieblingsort verriet, öffnete er wieder die Augen und sah zu ihr. „Die Mondlichtquelle.“ Er wiederholte den Namen leise. „Natürlich.“ Ein kleines Lächeln erschien. „Das klingt tatsächlich nach etwas, das zu dir passen könnte.“ Er legte den Kopf wieder zurück. „Und jetzt verstehe ich auch, weshalb du mir deinen Favoriten nicht vorher nennen wolltest.“ Seine Stimme wurde etwas ruhiger. „Du wolltest, dass ich selbst einen auswähle.“ Eine kurze Pause. „Das war eigentlich ziemlich clever.“
Er schmunzelte. „Aber jetzt bin ich neugierig.“ Er wandte den Kopf zu ihr. „Was macht die Mondlichtquelle zu deinem Lieblingsbad?“ Seine Stimme klang ehrlich interessiert. „Ist es die Atmosphäre? Das Wasser? Die Ruhe? Oder gibt es dort etwas, das die anderen nicht haben?“ Ein kleines Grinsen. „Und keine Sorge.“ Er hob beschwichtigend eine Hand. „Ich werde dir diesmal nicht vorwerfen, dass du mich beeinflussen willst.“
„Es ist die Atmosphäre. Das Zimmer ist so gestaltet, als wäre man unter freiem Himmel bei Nacht und Vollmond. Nebenbei gibt es auch noch Aquarien, wo Fische neben dir schwimmen. Fast so, als wärst du unter Wasser“, erklärte sie. „Aber sag mal, wo ist eigentlich deine Augenklappe geblieben? Du sagtest doch, dass das eine Auge irreparabel geschädigt ist.“
G’raha hörte aufmerksam zu, während Mina die Mondlichtquelle beschrieb. Bei der Vorstellung von einem nächtlichen Himmel und Fischen, die scheinbar direkt neben einem durchs Wasser glitten, lächelte er. „Das klingt wunderschön.“ Er öffnete die Augen und sah sie an. „Ich glaube, jetzt verstehe ich wirklich, weshalb das dein Lieblingsbad ist. Ein Ort, an dem man gleichzeitig unter dem Mond und unter Wasser sein kann...“ Er schmunzelte. „Das klingt beinahe wie etwas aus einer Geschichte.“
Als Mina jedoch nach seiner Augenklappe fragte, wurde sein Ausdruck etwas ernster. Unwillkürlich hob er die Hand an sein Gesicht und berührte kurz die Stelle über seinem linken Auge. „Ah.“ Ein leises, nachdenkliches Geräusch. „Die Augenklappe.“ Er ließ die Hand wieder sinken. „Ich trage sie nicht immer.“
G’raha sah kurz ins Wasser. „Das Auge ist tatsächlich dauerhaft geschädigt. Daran hat sich nichts geändert.“ Er bewegte leicht die Finger im warmen Wasser. „Aber ich muss es nicht ständig bedecken. Die Augenklappe schützt es hauptsächlich vor Licht, Staub und anderen Dingen, die unangenehm werden können.“
Dann sah er wieder zu Mina. „Und hier...“ Er deutete mit einer kleinen Bewegung auf das dampfende Bad. „...ist es dunkel genug, warm und ruhig. Außerdem ist das Wasser sauber.“ Ein schwaches Lächeln. „Deshalb kann ich sie hier problemlos ablegen.“ Er zögerte kurz. „Und ehrlich gesagt ist es manchmal angenehmer, nicht ständig daran erinnert zu werden, dass ich dieses Auge verloren habe.“
Seine Stimme blieb ruhig, doch etwas Nachdenkliches lag darin. Dann hob er eine Augenbraue. „Warum?“ Ein kleines, schelmisches Lächeln kehrte zurück. „Hast du etwa erwartet, dass unter der Augenklappe ein zweites, völlig funktionsfähiges Auge versteckt ist?“
Leise rutschte sie zu G’raha heran im Wasser, um sein Auge genauer zu betrachten. „Ich dachte, du wolltest damit nur Eindruck schinden. Ich hab mich heute schon die ganze Zeit gefragt, wo die ist oder ob du mich letztens verarscht hast. Das ist wirklich kein echtes Auge?“, fragte sie nach und kam G’raha noch näher. „Das sieht verdammt realistisch aus, ich hab eher damit gerechnet, dass da ’ne Glasmurmel oder so was drin ist.“
Dann wurde ihr gewahr, wie nahe sie ihm war, und wurde prompt rot. Sofort rutschte sie von ihm weg. „Sorry, wollte dir nicht so auf die Pelle rücken“, kam es verlegen.
G’raha blieb zunächst ganz still, als Mina näher an ihn heranrückte. Er hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass ihre Neugier sie tatsächlich so weit bringen würde. Bei ihren Worten hob sich eine Augenbraue. „Eindruck schinden?“ Ein amüsiertes Schmunzeln. „Ich fürchte, wenn ich damit Eindruck schinden wollte, hätte ich mir vermutlich eine wesentlich dramatischere Geschichte dazu ausgedacht.“
Als sie sein Auge genauer betrachtete, wandte er den Kopf ein wenig in ihre Richtung, damit sie es besser sehen konnte. „Nein. Es ist kein echtes Auge.“ Er ließ sie einen Moment schauen. „Aber auch keine Glasmurmel.“ Ein kleines Lächeln. „Es ist eine magisch gefertigte Prothese. Sie sieht einem echten Auge ziemlich ähnlich, erfüllt aber nicht dieselbe Funktion.“ Seine Stimme wurde etwas ruhiger. „Ich kann damit nichts sehen.“
Dann bemerkte er, wie plötzlich Farbe in Minas Gesicht stieg und sie hastig wieder von ihm wegrutschte. G’rahas Ohren zuckten überrascht. „Hey.“ Er lächelte sanft. „Du musst dich doch nicht entschuldigen.“ Er hob beschwichtigend eine Hand. „Du warst neugierig. Das ist nichts Schlimmes.“
Ein kurzer Blick zu seinem Auge. „Und ehrlich gesagt...“ Sein Grinsen wurde wieder etwas schelmischer. „...hätte ich vermutlich genauso geschaut, wenn mir jemand erzählt hätte, er hätte ein magisches Auge, das täuschend echt aussieht.“ Er lehnte sich wieder zurück. „Außerdem hast du mich nicht einmal angefasst.“ Seine roten Augen wanderten kurz zu ihr. „Du hast nur nachgesehen.“
Dann schmunzelte er. „Wobei ich zugeben muss, dass du dabei einen ziemlich konzentrierten Gesichtsausdruck hattest.“ Seine Ohren bewegten sich amüsiert. „Ich hätte beinahe gefragt, ob du vorhast, mir das Auge mit Gewalt herauszunehmen, um nachzusehen, wie es funktioniert.“ Er lachte leise. „Also... keine Sorge, Mina.“ Sein Ton wurde wieder warm. „Du darfst neugierig sein.“
Sie nahm ihren Krug in die Hand und trank einen Schluck Met. „Ich geb zu, ich war versucht, es zu pieksen“, bevor sie sich hinter ihrem Krug versteckte. „Ich hab so was noch nie gesehen. Es schimmert genauso wie dein echtes Auge, auch so rubinrot, verdammt realistisch. Aber ich hab gar nicht darauf geachtet, ob es sich auch mitbewegt, wenn du den Kopf drehst.“
G’raha starrte sie einen Augenblick an, dann entwich ihm ein überraschtes Lachen. „Du warst versucht, es zu pieksen?“ Seine Ohren stellten sich auf, und ein breites Grinsen erschien. „Ich bin ehrlich gesagt froh, dass du dich dagegen entschieden hast.“ Er nahm ebenfalls einen Schluck von seinem Rubinsee und betrachtete Mina über den Rand des Glases hinweg. „Obwohl ich jetzt natürlich neugierig bin, wie du dir das vorgestellt hast.“
Er hob eine Augenbraue. „Einfach mit dem Finger drauf und tipp?“ Er imitierte die Bewegung mit einem Finger in der Luft. „‚Hm. Ja. Definitiv kein echtes Auge.‘“ Er lachte leise.
Bei ihrer Bemerkung über die Ähnlichkeit wurde sein Ausdruck etwas ruhiger. „Das war auch beabsichtigt.“ Er deutete vorsichtig auf das Auge. „Die Magie darin reagiert auf meine Bewegungen. Dadurch wirkt es für andere tatsächlich so, als wäre es ein normales Auge.“ Er drehte den Kopf langsam ein wenig zur Seite und wieder zurück. „Wenn du genau hinsiehst, bewegt es sich mit.“
Dann hielt er inne. „Allerdings nicht ganz so wie mein echtes Auge.“ Er blinzelte einmal. „Es kann beispielsweise nicht wirklich fokussieren.“ Ein kleines Schmunzeln. „Was vermutlich gerade auffällt, weil du dich hinter deinem Met versteckst.“ Seine Ohren zuckten belustigt. „Du brauchst dich übrigens nicht zu verstecken.“
Er lehnte sich wieder entspannt zurück. „Ich nehme es als Kompliment, dass du so neugierig darauf bist.“ Dann sah er sie direkt an. „Aber falls du beim nächsten Mal wirklich pieksen möchtest...“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinen Augen. „...frag vorher.“ Er hob warnend einen Finger. „Ich könnte nämlich zurückpieksen.“ Ein breites Grinsen. „Und ich habe zwei Hände.“
Verwundert schaute sie hinter ihren Krug hervor, den sie dann abstellte, und hielt ihre Hände vors Gesicht, um dann zu nicken. „Ja, genauso wollte ich pieksen“, gestand sie gedämpft. „Du bist ja sehr nachgiebig mit mir, muss ich gestehen. Das reizt mich ja schon fast herauszufinden, wo deine Grenzen liegen“, grinste sie dann schelmisch, als sie ihre Hände sinken ließ und ihre Ohren bei dem Gedanken aufgeregt zuckten.
G’rahas Augenbraue wanderte langsam nach oben. „Ach?“ Ein amüsiertes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, während seine Ohren leicht zuckten. „Du möchtest also herausfinden, wo meine Grenzen liegen?“ Er lehnte sich etwas zurück und verschränkte locker die Arme. „Das klingt verdächtig nach einer Herausforderung.“
Sein Blick blieb auf ihr liegen, eindeutig belustigt, aber nicht verärgert. „Allerdings solltest du eines bedenken.“ Er hob einen Finger. „Nachgiebig zu sein bedeutet nicht, dass ich keine Grenzen habe.“ Ein schelmisches Funkeln trat in seine roten Augen. „Ich lasse dir lediglich ziemlich viel Freiraum, weil ich dir vertraue.“
Er ließ den Finger wieder sinken. „Und außerdem bist du erst seit zwei Treffen meine Freundin. Es wäre vermutlich etwas voreilig, jetzt schon herausfinden zu wollen, wie weit du mich ärgern kannst.“ Ein leises Lachen. „Aber wenn du unbedingt eine Herausforderung brauchst...“ Er beugte sich ein kleines Stück vor. „Dann kannst du gerne versuchen, mich aus der Ruhe zu bringen.“
Seine Ohren stellten sich erwartungsvoll auf. „Nur beschwere dich hinterher nicht, wenn ich irgendwann zurückschlage.“ Er grinste. „Ich habe dich schließlich gewarnt.“
„Mh, ich lass mir was einfallen, darauf kannst du wetten. Und dann, wenn du es am wenigsten vermutest oder ahnst“, kam es diabolisch grinsend von ihr. „Es macht Spaß, dich zu necken, und du kommst dabei auch auf deine Kosten“, sagte sie und rutschte dann entspannt etwas tiefer ins warme Wasser.
G’raha beobachtete ihr diabolisches Grinsen mit einer Mischung aus Belustigung und vorsichtigem Misstrauen. „Oh, das klingt ja ausgesprochen beruhigend.“ Er schüttelte lachend den Kopf. „Dann sollte ich mich wohl besser niemals zu sicher fühlen.“ Seine Ohren zuckten, als er sie dabei beobachtete, wie sie tiefer ins warme Wasser rutschte. „Du planst also bereits deine nächste Attacke.“ Er nahm noch einen Schluck von seinem Rubinsee. „Gut zu wissen.“ Ein schelmisches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Dann werde ich von jetzt an jedes harmlose Grinsen von dir mit größtem Misstrauen betrachten.“ Er lehnte sich ebenfalls wieder zurück und schloss für einen Moment die Augen. „Aber du hast recht.“ Seine Stimme wurde ruhiger. „Es macht tatsächlich Spaß.“ Er öffnete wieder ein Auge und sah zu ihr. „Und ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht, ohne dass es irgendeinen besonderen Grund dafür geben musste.“ Ein kleines, ehrliches Lächeln lag auf seinen Lippen. „Also darfst du mich ruhig weiter necken.“ Dann hob er warnend einen Finger. „Aber vergiss nicht: Ich habe inzwischen verstanden, dass du gefährlich bist.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Eine Badehausbesucherin mit einem Jahresring, einer Vorliebe für Liebesromane und einem ausgeprägten Hang dazu, alte Elezen und Elezen mit über hundert Jahren zu ärgern.“ Er schüttelte gespielt fassungslos den Kopf. „Was für eine Kombination.“ Dann ließ er sich wieder tiefer ins Wasser sinken. „Ich glaube, ich hätte keinen besseren Badehausführer finden können.“
„Ja, hättest du gewiss nicht. Vermutlich hätte jede andere dir längst die Hose vom Leib gerissen und würde nun auf dir drauf sitzen“, kam es unüberlegt von ihr.
G’rahas Augen weiteten sich für einen Moment, und seine Ohren stellten sich kerzengerade auf. „...Mina.“ Er sah sie an, als müsste er gerade überprüfen, ob sie das tatsächlich laut ausgesprochen hatte. Dann wurde sein Gesicht langsam rot. „Das war... ausgesprochen direkt.“ Er räusperte sich und nahm demonstrativ einen Schluck von seinem Rubinsee, obwohl sein Blick weiterhin irritiert auf ihr lag. „Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt geschmeichelt fühlen oder um meine Badehose fürchten sollte.“ Ein verlegenes Lachen entwich ihm. „Und ich glaube, du hast gerade vergessen, dass wir erst unser zweites Treffen haben.“ Seine Ohren zuckten nervös. Dann erschien wieder ein kleines, schelmisches Grinsen. „Aber wenn du mir damit sagen wolltest, dass ich mich glücklich schätzen kann, dich als Badehausbegleitung zu haben...“ Er hob leicht sein Glas. „...dann nehme ich das Kompliment natürlich gerne an.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Du bist wirklich gefährlich, wenn du einfach aussprichst, was dir gerade durch den Kopf geht.“
Oh shit, hatte sie das gerade laut gesagt? „Na, ich meine, ähm...“, suchte sie nach Worten, ohne die Augen zu öffnen. „Bei mir brauchst du diesbezüglich keine Bedenken zu haben, will ich damit sagen. Andere Weiber hier sind triebgesteuerter. Ganz besonders, wenn du ohne diese Augenklappe rumläufst.“ Innerlich hoffte sie, dass sich gerade der Badebeckenboden unter ihr auftun und sie darin versinken würde. Wie peinlich.
G’raha wurde noch ein gutes Stück röter, während er Mina mit einer Mischung aus Verlegenheit und ungläubigem Staunen ansah. „Aha.“ Seine Ohren zuckten nervös. „Andere Weiber also.“ Er wiederholte das Wort, als müsste er erst einmal verarbeiten, was sie gerade gesagt hatte. Dann schüttelte er leicht den Kopf und musste trotz seiner Verlegenheit lachen. „Mina, du machst es gerade wirklich nicht besser.“ Er nahm einen Schluck von seinem Rubinsee und sah dabei demonstrativ irgendwohin, nur nicht direkt zu ihr. „Aber... danke, denke ich.“ Ein kleines, verlegenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Es ist beruhigend zu wissen, dass ich mich bei dir zumindest nicht vor einem plötzlichen Angriff auf meine Kleidung fürchten muss.“ Er warf ihr einen Seitenblick zu. „Obwohl ich nach unserem bisherigen Gespräch durchaus gelernt habe, dass ich niemals vollkommen sicher sein sollte.“ Dann wurde sein Ausdruck etwas sanfter. „Und wegen der Augenklappe...“ Er tippte kurz an die Stelle über seinem künstlichen Auge. „Ich glaube, ich habe unterschätzt, wie auffällig es ohne sie wirkt.“ Sein Grinsen kehrte zurück. „Vielleicht sollte ich sie künftig tatsächlich tragen, wenn ich mich unter größeren Menschenmengen begebe.“ Eine kurze Pause. „Oder ich lasse mich einfach von meiner neuen Badehaus-Beraterin bewachen.“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Du scheinst schließlich ziemlich zuverlässig darin zu sein, mich vor gefährlichen Situationen zu warnen.“ Dann schmunzelte er. „Auch wenn deine Warnungen manchmal... ungewöhnlich formuliert sind.“
„Keine Sorge, deine Klamotten sind mehr als sicher vor mir. Wenn ich gewollt hätte, würden wir jetzt hier nicht so sitzen. Aber ich bin nicht wie andere Weiber. Ich mach nur Spaß. Grenzen austesten, schon vergessen?“, kam es flapsig von ihr, und sie linste dann doch durch ein Auge zu G’raha herüber.
G’raha sah sie durch die kleine Lücke zwischen ihren Fingern an und musste schließlich leise lachen. „Ja, ich erinnere mich.“ Seine Ohren entspannten sich wieder, und das Rot in seinem Gesicht wich langsam einem amüsierten Schmunzeln. „Grenzen austesten.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Du bist dabei allerdings erstaunlich gründlich.“ Er nahm einen weiteren Schluck von seinem Rubinsee und musterte sie über den Rand des Glases hinweg. „Und ich glaube dir durchaus, dass du keine Absichten hast, meine Kleidung zu stehlen.“ Eine kurze Pause. „Zumindest vorerst.“ Sein Grinsen wurde frecher. „Aber ich werde trotzdem vorsichtig bleiben. Schließlich hast du mir gerade höchstpersönlich angekündigt, dass du dir etwas einfallen lassen willst, wenn ich es am wenigsten erwarte.“ Er lehnte sich wieder zurück und schloss entspannt die Augen. „Also werde ich von nun an jedes unschuldige ‚Mina-Grinsen‘ als potenzielle Falle betrachten.“ Dann öffnete er ein Auge und sah zu ihr. „Und du?“ Ein kleines Schmunzeln. „Bist du jetzt wieder so weit entspannt, dass du mich anschauen kannst, ohne dich unter deinem Metkrug verstecken zu wollen?“
„Ja, ich schau dich ja an“, öffnete sie dann ihre Augen und blickte zu ihm. „Zufrieden? Ich wusste halt nur nicht, was mich erwartet zu sehen, dich ohne Kleider. Und ich bin erleichtert, dass du kein Muskelmonster wie manch einen, den ich gesehen habe, bist.“
G’raha blinzelte bei ihrer Bemerkung und sah kurz an sich hinunter, bevor er wieder zu Mina blickte. „Ein Muskelmonster?“ Er musste lachen. „Ich weiß nicht, ob ich mich darüber jetzt geschmeichelt oder beleidigt fühlen sollte.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Aber ich bin erleichtert, dass ich deine Erwartungen offenbar nicht enttäuscht habe.“ Er lehnte sich wieder etwas entspannter zurück. „Und nur damit wir das geklärt haben: Ich habe mich nicht absichtlich in dieser Badehose präsentiert, um dich zu beeindrucken.“ Ein schelmisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Obwohl ich zugeben muss, dass ich inzwischen neugierig bin, was du ursprünglich erwartet hast.“ Er hob eine Augenbraue. „Einen riesigen Muskelberg mit Fell?“ Eine kurze Pause. „Oder jemanden, der kaum noch durch eine Tür passt?“ Er lachte leise. „Dann hätte ich dich vermutlich wirklich erschreckt.“ Sein Blick wurde wieder freundlich. „Aber ehrlich gesagt finde ich es angenehmer, dass du jetzt einfach entspannt mit mir hier sitzen kannst.“ Er nahm einen Schluck von seinem Getränk. „Und du musst dich wirklich nicht dafür schämen, dass du neugierig warst.“ Ein kleines Lächeln. „Wir sind Freunde. Da darf man sich schließlich auch mal überraschen lassen.“
„Muskelmasse mit Fell? Mutierst du nachts zum Hrothgar?“, fragte sie und hob die Brauen. „Die sind doch von Natur aus solche Muskelpakete.“ Dabei hob sie etwas ihre Arme aus dem Wasser, um sich breiter zu machen. „Du bist kein Klappergestell, sondern hast Muskeln, nicht zu viel, aber man sieht sie. Das sieht völlig natürlich aus und nicht zu übertrieben.“ Sie biss sich dann auf die Lippe und drehte den Kopf weg, damit sie nicht noch mehr plapperte.
G’raha sah sie einen Moment lang an, dann musste er herzlich lachen. „Nein, Mina. Ich mutiere nachts nicht zum Hrothgar.“ Er hob eine Hand, als müsse er diese absurde Anschuldigung unbedingt klarstellen. „Obwohl ich zugeben muss, dass das vermutlich eine ziemlich interessante Verwandlung wäre.“ Als sie ihre Arme aus dem Wasser hob und sich breiter machte, schüttelte er amüsiert den Kopf. „Ich glaube, ich verstehe, was du meinst.“ Sein Blick wanderte kurz zu ihr, bevor er sich wieder entspannt zurücklehnte. „Und danke für die... ausgesprochen genaue Einschätzung meiner körperlichen Verfassung.“ Ein schelmisches Grinsen. „Du hast gerade eine erstaunlich detaillierte Beschreibung geliefert und versuchst jetzt, so zu tun, als hättest du überhaupt nichts gesagt.“ Seine Ohren zuckten belustigt. „Aber keine Sorge. Ich nehme es als Kompliment.“ Er ließ einen Moment verstreichen. „Und was die Hrothgar betrifft: Ich glaube, du hast gerade selbst bewiesen, dass du ziemlich genau weißt, was du an ihnen beeindruckend findest.“ Ein neckisches Funkeln erschien in seinen Augen. „Vielleicht sollte ich dich bei Gelegenheit einmal fragen, was du sonst noch alles über die verschiedenen Völker weißt.“ Er nahm einen Schluck von seinem Rubinsee. „Aber ich verspreche, ich werde dich dabei nicht so lange reden lassen, bis du dich anschließend wieder hinter deinem Met verstecken möchtest.“ Ein leises Lachen. „Obwohl das inzwischen irgendwie zu unserem Badehausbesuch dazugehört.“
„Du Blödmann, jetzt ärgerst du mich“, und spitzte mit den Fingerspitzen G’raha etwas Wasser entgegen. „Ist mir schon peinlich genug, dass ich dich so angesehen habe. Wobei du nicht der erste Mann bist.“
G’raha bekam den kleinen Wasserschwall direkt ab und blinzelte überrascht. „Oh!“ Dann wischte er sich mit einer Hand über das Gesicht und sah Mina mit einem breiten Grinsen an. „Jetzt werde ich also schon mit Wasser angegriffen.“ Er schöpfte selbst ein wenig Wasser mit der Hand, hielt jedoch inne und betrachtete sie gespielt ernst. „Aber ich werde mich beherrschen.“ Ein kurzer Blick auf ihre verlegene Miene. „Zumindest vorerst.“ Er ließ das Wasser wieder ins Becken zurücklaufen. „Und Mina...“ Sein Ton wurde etwas sanfter. „Du musst dich wirklich nicht dafür schämen, dass du mich angesehen hast.“ Er lehnte sich zurück. „Ich habe schließlich auch Augen.“ Ein schelmisches Zucken seiner Mundwinkel. „Und ich habe dich ebenfalls angesehen.“ Er nahm seinen Rubinsee und trank einen kleinen Schluck. „Das ist bei Freunden doch nichts Ungewöhnliches.“ Dann hob er eine Augenbraue. „Auch wenn du gerade äußerst energisch darauf bestehst, dass ich nicht der erste Mann bin, den du so gesehen hast.“ Ein wissendes Grinsen. „Das macht mich jetzt natürlich neugierig.“ Er ließ ihr einen Moment. „Aber keine Sorge.“ Seine Stimme wurde wieder verspielt. „Ich werde nicht nachbohren.“ Eine kurze Pause. „Noch nicht.“
Bei seinen Worten sank sie bis zum Kinn ins Wasser. „Ich weiß selber, dass ich kaum Oberweite habe, weil ich viel zu dünn bin“, blubberte sie im Wasser. „Bist du ja auch nicht. Ich werde dir sicher nichts über mein Liebesleben ausplaudern, mit wem ich was gemacht habe im Bett.“
G’rahas Grinsen verschwand augenblicklich, als Mina sich bis zum Kinn ins Wasser sinken ließ. „Hey.“ Seine Stimme war nun deutlich sanfter. „Das war überhaupt nicht das, worauf ich hinauswollte.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Und ich werde ganz sicher nicht anfangen, deinen Körper zu beurteilen.“ Sein Blick wandte sich kurz ab, um ihr etwas Privatsphäre zu lassen. „Du musst dich vor mir nicht verstecken, nur weil du glaubst, nicht so auszusehen, wie du aussehen solltest.“ Nach einem Moment sah er wieder zu ihr. „Und was dein Liebesleben betrifft...“ Ein kleines Schmunzeln kehrte zurück. „Das musst du mir selbstverständlich nicht erzählen.“ Er hob beschwichtigend beide Hände. „Ich wollte dich nicht ausfragen.“ Dann lehnte er sich wieder zurück. „Außerdem wäre es ziemlich unfair, wenn ich von dir Details verlangen würde, die ich selbst nicht über mein Privatleben erzählen möchte.“ Seine Ohren zuckten leicht. „Also machen wir es ganz einfach.“ Er deutete zwischen ihnen hin und her. „Du behältst deine Geheimnisse.“ Ein kleines Grinsen. „Und ich behalte meine.“ „Abgemacht?“
„Okey, solange diese Geheimnisse nicht unsere Freundschaft beeinträchtigen oder schaden, abgemacht“, ging sie darauf ein und kam jetzt wieder bis zu den Schultern aus dem Wasser. „Okay, Themenwechsel. Lass mich eines deiner Abenteuer hören“, schlug sie vor.
G’raha nickte bei ihrer Bedingung ernst. „Abgemacht.“ Sein Blick wurde warm. „Und wenn eines meiner Geheimnisse irgendwann tatsächlich etwas betrifft, das unsere Freundschaft beeinflussen könnte, dann werde ich es dir sagen. Ich würde nicht wollen, dass du etwas Wichtiges von jemand anderem erfährst.“ Als Mina wieder etwas höher aus dem Wasser kam, entspannte sich auch seine Haltung. Bei ihrem Themenwechsel lächelte er. „Ein Abenteuer also?“ Er überlegte einen Moment und lehnte den Kopf gegen den Beckenrand. „Gut. Aber dann erzähle ich dir nicht von einer großen Schlacht oder irgendeiner Weltrettung.“ Ein kleines Grinsen. „Davon hast du vermutlich schon genug gehört.“ Seine roten Augen wanderten nach oben, während er in Erinnerungen suchte. „Vor einigen Jahren war ich einmal mit einer kleinen Gruppe unterwegs. Wir hatten den Auftrag, eine alte Ruine zu untersuchen, die irgendwo in einem abgelegenen Waldgebiet verborgen lag.“ Er hob einen Finger. „Das klingt zunächst ziemlich gewöhnlich.“ Noch einen. „War es aber nicht.“ Seine Ohren zuckten. „Die Ruine war nämlich nicht auf einer Karte verzeichnet. Wir hatten nur eine sehr alte Beschreibung, in der stand, dass sich dort angeblich eine Bibliothek befinden sollte, die seit Jahrhunderten niemand mehr betreten hatte.“ Sein Blick bekam diesen vertrauten, begeisterten Glanz eines Gelehrten. „Du kannst dir vorstellen, wie schnell ich mich freiwillig gemeldet habe.“ Ein leises Lachen. „Wir fanden schließlich den Eingang. Das Problem war nur, dass die Tür verschlossen war und niemand wusste, wie sie sich öffnen ließ.“ Er machte eine kurze Pause. „Also haben wir ungefähr drei Stunden lang versucht, verschiedene Mechanismen zu verstehen.“ Ein schiefes Grinsen. „Bis jemand bemerkte, dass die Tür gar keinen Mechanismus hatte.“ Er sah Mina an. „Sie musste einfach aufgezogen werden.“ Einen Moment lang herrschte Stille. Dann lachte G’raha über sich selbst. „Drei Stunden.“ Er hob beschämt eine Hand. „Drei ganze Stunden haben wir eine Tür untersucht, die man einfach hätte öffnen können.“ Er schüttelte den Kopf. „Und das Schlimmste daran?“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich war derjenige, der am lautesten behauptet hatte, dass es sich ganz eindeutig um ein komplexes magisches Siegel handeln müsse.“ Er nahm einen Schluck von seinem Getränk. „Seitdem lässt mich meine damalige Begleiterin keine Tür mehr untersuchen, ohne vorher selbst daran zu ziehen.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Ich habe also durchaus auch Abenteuer erlebt, bei denen nicht die Welt gerettet werden musste.“ Er sah Mina an. „Und ehrlich gesagt sind mir solche Geschichten inzwischen manchmal sogar lieber.“
Bei der Erzählung lachte sie so sehr, dass das Wasser kleine Wellen schlug. „Oh Mann, wenn wir beide auf Abenteuer gehen, kann das nur in eine mittelgroße Katastrophe mit katastrophalen Ausmaßen enden, wenn ich das so höre.“ Sie wischte sich die Lachtränen weg. „Aber die Bibliothek würde ich gerne mal selber sehen“, gestand sie dann. „Was gab es denn da für Bücher?“
G’raha grinste, als Mina so herzlich lachte, dass das Wasser um sie herum in kleinen Wellen schwappte. „Eine mittelgroße Katastrophe mit katastrophalen Ausmaßen?“ Er legte gespielt nachdenklich einen Finger ans Kinn. „Das klingt nach einer ziemlich treffenden Beschreibung.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Wobei ich dann wohl darauf bestehen müsste, dass du nicht als Erste irgendeinen uralten Hebel umlegst, nur weil er interessant aussieht.“ Er grinste. „Und ich verspreche im Gegenzug, keine Tür drei Stunden lang anzustarren.“ Bei ihrer Frage nach der Bibliothek wurde sein Ausdruck sofort wieder neugierig. „Welche Bücher dort waren?“ Er lehnte sich etwas zurück. „Sehr unterschiedliche.“ Seine Stimme bekam diesen vertrauten enthusiastischen Klang. „Es gab historische Aufzeichnungen über die Region, alte Reiseberichte, Beschreibungen von längst verschwundenen Siedlungen... und erstaunlich viele Texte über lokale Pflanzen und Tiere.“ Er hob eine Hand. „Aber das wirklich Interessante waren die persönlichen Aufzeichnungen.“ Sein Blick wurde nachdenklicher. „Tagebücher. Briefe. Notizen von Menschen, die dort gelebt hatten.“ „Und einige davon waren Jahrhunderte alt.“ Ein kleines Lächeln. „Man konnte darin lesen, wie diese Menschen über ihr alltägliches Leben dachten. Was sie gegessen haben. Welche Feste sie gefeiert haben. Worüber sie gestritten haben.“ Er sah Mina an. „Solche Dinge interessieren mich fast genauso sehr wie die großen historischen Ereignisse.“ Dann schmunzelte er. „Es gab sogar eine Sammlung alter Märchen.“ Seine Augen funkelten. „Und einige davon waren so absurd, dass ich mich bis heute frage, wie irgendjemand sie ernst nehmen konnte.“ Er machte eine kurze Pause. „Natürlich habe ich trotzdem mehrere davon gelesen.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Man weiß schließlich nie, ob nicht doch irgendwo ein Körnchen Wahrheit steckt.“ Er sah Mina an. „Wenn du die Bibliothek tatsächlich einmal sehen möchtest, nehme ich dich gerne mit.“ Dann hob er warnend einen Finger. „Aber ich werde dich vorher darauf hinweisen, dass du dort wahrscheinlich mindestens einen halben Tag verbringen wirst.“ Ein schelmisches Lächeln. „Du hast schließlich selbst gesagt, dass du eine eigene Bibliothek besitzt.“ Er ließ sich wieder etwas tiefer ins Wasser sinken. „Ich glaube, wir könnten dort ein kleines Problem bekommen.“ „Nämlich, dass keiner von uns beiden irgendwann wieder gehen möchte.“
„Das wäre kein Problem mit genügend Wasser und Proviant“, zuckte sie mit den Schultern. „Ich würde mich dann in eine Decke mit den Büchern über Pflanzen verziehen. Hab auch mal überlegt, ob ich nicht so wie Alchemie lerne, dass ich im Notfall, sollten die Tränke einmal ausgehen, selber welche herstellen kann. Vorausgesetzt, es gibt in der Nähe die dafür geeigneten Pflanzen und Kräuter.“
G’rahas Ohren richteten sich interessiert auf. „Alchemie?“ Sofort war wieder dieser neugierige Glanz in seinen Augen zu sehen. „Das würde tatsächlich ziemlich gut zu dir passen.“ Er hob einen Finger. „Du bist ohnehin viel draußen unterwegs. Du interessierst dich für Pflanzen und Natur, und als Heilerin wäre es ausgesprochen praktisch, wenn du im Notfall deine eigenen Tränke herstellen könntest.“ Er nickte nachdenklich. „Und du hast recht: Die Verfügbarkeit der Zutaten ist natürlich entscheidend. Ein hervorragender Alchemist kann ohne geeignete Materialien schließlich auch nicht viel ausrichten.“ Ein kleines Schmunzeln. „Wobei ich dir dringend davon abraten würde, einfach irgendwelche Pflanzen zu sammeln und anschließend miteinander zu vermischen.“ Er sah sie mit gespieltem Ernst an. „Ich möchte nämlich ungern irgendwann von dir hören: ‚G’raha, ich habe einen neuen Heiltrank hergestellt. Warum wird deine Haut blau?‘“ Er lachte leise. „Aber wenn du es wirklich lernen möchtest, kann ich dir ein paar Grundlagen zeigen.“ Er deutete auf sich. „Ich habe mich während meiner Reisen zwangsläufig mit verschiedenen Pflanzen und ihren Eigenschaften beschäftigt. Nicht genug, um mich selbst als Alchemisten zu bezeichnen, aber genug, um gefährliche von nützlichen Pflanzen unterscheiden zu können.“ Dann überlegte er kurz. „Und vielleicht könnte Firmien dir ebenfalls etwas beibringen. Immerhin kennt er deine Ausbildung und dürfte wissen, welche Arten von Tränken für deine Magie besonders sinnvoll wären.“ G’raha lehnte sich wieder zurück. „Du könntest dir sogar ein kleines Notizbuch dafür anlegen.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Mit Skizzen der Pflanzen, ihren Fundorten, ihren Eigenschaften und deinen eigenen Rezepten.“ Er sah Mina an. „Und irgendwann hast du dann deine eigene kleine Sammlung.“ Eine kurze Pause. „Eine Heilerin, die gleichzeitig ihre eigenen Kräuter sammelt und Tränke braut.“ Er nickte anerkennend. „Ich glaube, das würde dir ziemlich gut stehen.“ Dann hob er leicht eine Augenbraue. „Aber ich sehe schon ein Problem.“ „Wenn du irgendwann anfängst, mich auf Reisen mit deiner selbstgebrauten Medizin zu versorgen, werde ich vermutlich jedes Mal erst fragen müssen, ob du sie vorher selbst ausprobiert hast.“
Ihre Ohren stellten sich bei G’rahas Vorschlag auf. „Das würdest du tun? Das wäre klasse. Firmien hat mir verboten zu pantschen“, schmollte sie. „Also wirklich, als wäre ich so eine Anfängerin, die Tränke vorher nicht zu testen. Ich will meine Patienten heilen, nicht noch mehr umbringen. Aber du kannst ja dann gerne weiter leiden, wenn du meinen Tränken dann nicht traust.“
G’raha hob bei ihrem Schmollen amüsiert eine Augenbraue. „Firmien hat es dir verboten?“ Seine Ohren zuckten belustigt. „Dann nehme ich an, er hatte einen guten Grund dafür.“ Er grinste, als Mina sich verteidigte. „Natürlich würdest du die Tränke vorher testen. Das habe ich dir auch nicht unterstellt.“ Er hob beschwichtigend beide Hände. „Ich wollte dich lediglich ein wenig ärgern.“ Dann lehnte er sich wieder entspannt zurück und ließ einen Moment das warme Wasser auf sich wirken. „Aber ja. Ich würde dir dabei helfen.“ Sein Ton wurde etwas ernster. „Allerdings unter einer Bedingung: Wir fangen klein an. Erst die Grundlagen, dann einfache Mixturen. Und bevor irgendetwas davon bei einem Patienten landet, muss es gründlich geprüft werden.“ Ein schelmisches Funkeln trat in seine Augen. „Und wenn du unbedingt einen freiwilligen Tester brauchst...“ Er deutete auf sich. „...stelle ich mich zur Verfügung.“ Dann hielt er inne. „Mit einer Ausnahme.“ Seine Ohren klappten leicht nach hinten. „Sollte dein Trank mich plötzlich grün färben, drei Tage lang rückwärts sprechen lassen oder mir einen zusätzlichen Schwanz wachsen lassen, werde ich dich persönlich dafür verantwortlich machen.“ Er grinste. „Und dann werde ich Firmien erzählen, dass seine Schülerin heimlich Alchemie betreibt.“ Eine kurze Pause. „Das dürfte interessant werden.“ Er nahm noch einen Schluck von seinem Rubinsee. „Also, kleine Rose...“ Sein Lächeln wurde warm. „Wenn du wirklich lernen möchtest, helfe ich dir dabei.“
„Ich hebe dann freiwillig meinen Rock hoch, dass du mir den Hintern versohlen kannst, wenn das passieren sollte“, schnellte sie aber dann hoch und schaute erstaunt. „Woher kennst du diesen Spitznamen? Den hab ich dir nie verraten“, kam es erschrocken von ihr.
G’rahas Gesicht nahm bei Minas erster Bemerkung augenblicklich einen kräftigen Rotschimmer an. „M-Mina!“ Seine Ohren klappten nach hinten, während er sie völlig überrumpelt ansah. „Du kannst doch nicht einfach solche Dinge sagen!“ Er fuhr sich verlegen durch die nassen Haare und versuchte offensichtlich, seine Fassung wiederzufinden. Doch dann schnellte Mina plötzlich hoch und fragte nach dem Spitznamen. G’raha erstarrte. Seine Ohren stellten sich langsam wieder auf. „...Oh.“ Für einen Moment sagte er gar nichts. Dann wurde sein Gesichtsausdruck deutlich verlegener. „Das.“ Er räusperte sich. „Nun...“ Sein Blick wanderte zur Seite. „Ich habe ihn nicht von dir erfahren.“ Eine kurze Pause. „Ich habe ihn von Firmien gehört.“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Nicht absichtlich! Ich wollte dich damit auch nicht erschrecken.“ Seine Ohren zuckten nervös. „Als wir uns das erste Mal getroffen haben, habe ich deinen Namen erwähnt, und Firmien hat dich irgendwann im Gespräch so genannt.“ Er sah wieder zu ihr. „‚Kleine Rose‘.“ Ein vorsichtiges Lächeln. „Ich fand, dass es zu dir passt.“ Dann hob er einen Finger. „Aber ich wusste nicht, dass du mir diesen Spitznamen selbst noch gar nicht erzählt hattest.“ Sein Grinsen wurde etwas schelmischer. „Jetzt weißt du zumindest, dass ich nicht heimlich irgendwelche Informationen über dich sammle.“ Eine kurze Pause. „Obwohl...“ Er legte den Kopf schief. „Ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht bin, wie schnell du auf deinen Spitznamen reagierst.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Ist er dir etwa peinlich?“
Sie zog wieder ihre Unterlippe zwischen die Zähne. Dann schüttelte sie den Kopf. „Nein, es ist mir nicht peinlich, nur... es ist ein Ding zwischen Firmien und mir. Nur er nennt mich so. Das hat... seine Bewandtnis. Wir haben auch... unsere Geschichte, bevor wir nur Freunde wurden.“ Sie fing an, mit dem Wasser zu spielen, wobei sie kleine Strudel entstehen ließ. Eigentlich war Magie in Badehäusern verboten, aber sie musste sich gerade ablenken.
G’rahas Blick folgte den kleinen Strudeln, die Mina mit ihren Fingern im Wasser entstehen ließ. Seine Ohren zuckten kurz, doch er kommentierte die Magie nicht sofort. Stattdessen wurde sein Gesichtsausdruck ruhiger. „Verstehe.“ Er ließ ein paar Sekunden verstreichen. „Dann ist es etwas, das zwischen dir und Firmien bleiben sollte.“ Seine Stimme war ungewöhnlich sanft. „Ich wollte nichts davon wegnehmen, indem ich ihn einfach benutze.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Und wenn dahinter eine Geschichte steckt, musst du sie mir nicht erzählen.“ Ein kleines Lächeln. „Nicht jede Geschichte muss man sofort mit jemandem teilen.“ Er sah wieder auf das Wasser. „Manche Dinge bekommen ihre Bedeutung erst dadurch, dass nur bestimmte Menschen sie kennen.“ G’raha ließ selbst eine Hand ins Wasser sinken und bewegte die Finger langsam hindurch. „Allerdings...“ Sein Blick wanderte zu Mina. „Du hast gerade etwas sehr Interessantes gesagt.“ Ein leichtes, neugieriges Funkeln erschien in seinen Augen. „‚Bevor wir nur Freunde wurden.‘“ Er lächelte. „Das klingt, als wäre Firmien für dich einmal sehr viel mehr gewesen als nur dein Lehrmeister.“ Dann hob er beschwichtigend eine Hand. „Aber ich werde nicht nachfragen.“ Ein kleines Grinsen. „Zumindest nicht heute.“ Er ließ sich wieder zurücksinken. „Wenn du irgendwann darüber reden möchtest, höre ich dir zu.“ Seine Stimme wurde noch etwas wärmer. „Und bis dahin bleibt ‚kleine Rose‘ eben ein Name, den Firmien für dich hat.“ Dann sah er auf die kleinen Wirbel im Wasser. „Wobei ich zugeben muss...“ Seine Mundwinkel hoben sich. „Ich glaube, ich verstehe langsam, weshalb er ihn gewählt hat.“
„Wegen meiner Rose im Haar“, sagte sie leise und blickte immer noch aufs Wasser. „Als wir uns kennenlernten, trug ich gerne eine rote Rose im Haar. Und wir fingen eine Affäre miteinander an, auch als er mein erster Lehrer wurde an meiner ersten Uni. Ich war sogar ein klein wenig in ihn verliebt gewesen, bis ich dann mitbekam, dass ich nicht die einzige Frau war, mit der er etwas hatte, auch wenn es nichts Verbindliches war zwischen uns“, erzählte sie immer noch aufs Wasser blickend. „Ich beendete die Affäre mit ihm, bevor ich noch mehr mein Herz an ihn verlieren würde. Ich hätte es nicht ertragen, wenn er irgendwann zu mir gesagt hätte, dass er mich liebt, aber trotzdem mit anderen Frauen ins Bett steigt, auch wenn es nur rein körperlich wäre. Ich wäre daran zugrunde gegangen“, erzählte sie ruhig. Sie hörte auf, mit ihrem Äther kleine Wasserwirbel zu machen, und lehnte sich zurück, wobei sie die Augen schloss. „Trotzdem schätze ich ihn sehr. Er war der erste Mann, der nach meiner Genesung nett zu mir war.“
G’raha hörte ihr aufmerksam zu, ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen. Je mehr Mina erzählte, desto ruhiger wurde sein Gesichtsausdruck. Als sie schließlich die Augen schloss und sich zurücklehnte, ließ er einen Moment verstreichen. „Dann verstehe ich es.“ Seine Stimme war leise. „Nicht nur den Spitznamen. Auch, warum er für dich etwas Besonderes ist.“ Er betrachtete das ruhige Wasser zwischen ihnen. „Und ich glaube, du hast damals die richtige Entscheidung getroffen.“ Seine Ohren senkten sich ein wenig. „Nicht, weil Firmien ein schlechter Mensch gewesen sein muss. Sondern weil du gemerkt hast, dass diese Beziehung dir irgendwann mehr Schmerz als Freude bereiten würde.“ Er sah zu ihr. „Du hast gewusst, was du für ihn empfunden hast, und gleichzeitig erkannt, dass du mit seinen Vorstellungen von einer unverbindlichen Beziehung nicht glücklich werden würdest.“ Ein sanftes Lächeln. „Das braucht mehr Mut, als viele Menschen besitzen.“ G’raha lehnte den Kopf zurück. „Und dass du ihn trotzdem noch schätzt, widerspricht dem überhaupt nicht.“ Er schmunzelte leicht. „Menschen sind selten nur gut oder schlecht. Man kann jemanden lieben, von jemandem enttäuscht sein und ihn trotzdem als wichtigen Teil seines Lebens betrachten.“ Seine Finger glitten langsam durch das Wasser. „Wenn er der erste Mann war, der nach deiner Genesung freundlich zu dir war, dann kann ich verstehen, warum er einen besonderen Platz in deinem Leben bekommen hat.“ Eine kurze Pause. „Vielleicht ist genau deshalb aus dem, was zwischen euch war, irgendwann diese Freundschaft geworden.“ Er blickte zu Mina. „Und vielleicht ist die Rose deswegen heute noch mehr als nur eine Rose.“ Ein warmes Lächeln erschien. „Sie erinnert dich an eine Zeit, in der jemand dir gezeigt hat, dass du wieder gesehen werden kannst.“ Er ließ den Blick einen Moment auf dem Wasser ruhen. „Aber du bist heute nicht mehr das Mädchen, das damals seine erste Universität betreten hat.“ Seine Ohren zuckten leicht. „Du lernst, du trainierst, du baust dir dein eigenes Leben auf... und inzwischen hast du sogar eine neue Freundschaft mit einem ziemlich neugierigen, über hundert Jahre alten Miqo’te geschlossen.“ Ein kleines Grinsen. „Das ist doch immerhin ein Fortschritt.“
Sie atmete tief ein und spritzte sich dann Wasser ins Gesicht. Mit beiden Händen rieb sie kräftig über dieses. „Du hast es auf den Punkt gebracht. Okay, jetzt verrat du mir aber mal: Wenn du den Frauen nicht reihenweise die Herzen gebrochen hast, dann gab es aber sicher welche, die dir mal das Herz gebrochen haben. Oder warst du bisher noch nie verliebt?“, fragte sie, um von sich abzulenken.
G’raha beobachtete, wie Mina sich Wasser ins Gesicht spritzte. Als sie die Frage stellte, wurde sein Lächeln langsam etwas kleiner. „Ah.“ Er ließ sich einen Moment Zeit mit der Antwort. „Du willst also den Spieß umdrehen.“ Ein schwaches Schmunzeln. „Das ist nur fair.“ Er sah in das ruhige Wasser. „Ich habe durchaus jemanden geliebt.“ Seine Stimme war leiser geworden. „Allerdings... nicht auf die Art, wie du es vielleicht vermutest.“ Er strich mit den Fingern durch das Wasser. „Es gab eine Person, die mir sehr viel bedeutet hat. Jemanden, bei dem ich dachte, dass wir gemeinsam alt werden könnten.“ Ein kurzer Atemzug. „Aber das Leben hatte andere Pläne.“ Er hob den Blick wieder zu Mina. „Wir haben uns nicht getrennt, weil einer von uns den anderen betrogen hätte. Es gab keinen großen Streit und keine dramatische Szene.“ Ein trauriges, kleines Lächeln. „Wir haben uns einfach irgendwann verloren.“ Er sah wieder zur Seite. „Reisen. Pflichten. Entscheidungen, die getroffen werden mussten... und irgendwann waren wir an einem Punkt, an dem unsere Wege nicht mehr dieselbe Richtung genommen haben.“ Seine Ohren sanken leicht. „Ich habe lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass manche Menschen nicht dazu bestimmt sind, für immer bei uns zu bleiben.“ Eine Pause. „Und ja.“ Er atmete langsam aus. „Es hat wehgetan.“ Dann sah er Mina direkt an. „Sehr sogar.“ Sein Gesicht wurde wieder etwas weicher. „Aber ich glaube nicht, dass ich deshalb aufgehört habe, an Liebe zu glauben.“ Ein kleines Lächeln. „Vielleicht bin ich sogar vorsichtiger geworden.“ Er hob eine Augenbraue. „Und bevor du jetzt fragst: Nein, ich werde dir den Namen nicht verraten.“ Ein schelmischer Funke kehrte in seine Augen zurück. „Du wolltest schließlich nur wissen, ob ich schon einmal verliebt war.“ Er nahm einen Schluck von seinem Rubinsee. „Die Antwort lautet: ja.“ Dann deutete er mit dem Glas auf Mina. „Und jetzt bist du wieder dran.“ Ein leichtes Grinsen. „Hast du diese Frage wirklich nur gestellt, um von deiner eigenen Geschichte abzulenken?“
Ein leichtes Lächeln kehrte auf ihr Gesicht zurück. „Nein, ich war ehrlich neugierig. Dann bist du ja doch nicht unschuldig, wie du mir beim ersten Mal weismachen wolltest.“
G’raha hob bei ihren Worten eine Augenbraue, und ein amüsiertes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Unschuldig?“ Er legte eine Hand auf die Brust und sah sie gespielt empört an. „Ich kann mich nicht erinnern, dir jemals erzählt zu haben, dass ich unschuldig sei.“ Seine Ohren zuckten belustigt. „Ich sagte lediglich, dass ich nicht ständig irgendwelchen Frauen die Herzen breche.“ Er nahm einen Schluck von seinem Rubinsee. „Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge.“ Dann lehnte er sich zurück und grinste. „Aber gut. Jetzt weißt du zumindest, dass ich nicht völlig unerfahren bin.“ Er sah Mina mit einem schelmischen Funkeln an. „Und du kannst aufhören, mich für einen alten Gelehrten zu halten, der seine letzten hundert Jahre ausschließlich mit Büchern und Ruinen verbracht hat.“ Eine kurze Pause. „Obwohl...“ Er blickte nachdenklich zur Seite. „Ein beträchtlicher Teil davon war tatsächlich genau das.“ Dann lachte er leise. „Aber ich glaube, ich bin ganz froh, dass wir heute über etwas anderes reden als alte Ruinen.“ Sein Blick wurde warm. „Es ist schön, dich auf diese Weise kennenzulernen, Mina.“ Er hob sein Glas leicht. „Auch wenn du offensichtlich vorhast, mich bei jeder Gelegenheit aufzuziehen.“
„Also, wenn du das so sagst, muss es ja zwei Varianten von dem G’raha geben. Einmal die Bücher- und Ruinenwühlmaus und einmal den... sagen wir, wahren G’raha, den ich gerade hier vor mir sitzen habe. Ich bin schon gespannt, wie du bist, wenn wir auf Abenteuer gehen. Aber den G’raha hier kennenzulernen, ist mir, glaube ich, gerade viel lieber als diesen gelehrten Schrulligen“, grinste sie nun wieder.
G’raha blinzelte überrascht, dann breitete sich langsam ein warmes Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Den wahren G’raha also?“ Er legte den Kopf leicht schief. „Ich fürchte, du machst es dir etwas zu einfach.“ Er deutete mit einem Finger auf sich. „Der Bücherwurm gehört genauso zu mir wie derjenige, der gerade mit dir in einem Badebecken sitzt und sich von dir wegen seines Alters verspotten lässt.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Du wirst auf unseren Abenteuern vermutlich beide kennenlernen.“ Ein schelmisches Grinsen. „Manchmal sogar gleichzeitig.“ Er nahm einen Schluck von seinem Rubinsee und sah nachdenklich ins Wasser. „Aber ich muss zugeben...“ Sein Blick kehrte zu Mina zurück. „Ich mag diese Seite von mir.“ Ein kleines, ehrliches Lächeln. „Es kommt nicht oft vor, dass ich einfach nur irgendwo sitzen kann, ohne über eine Ruine, eine alte Schrift oder irgendeine drohende Katastrophe nachzudenken.“ Er schmunzelte. „Und offenbar brauche ich dafür nur eine freche Miqo’te, die mich in ein Badehaus schleppt und regelmäßig daran erinnert, dass ich über hundert Jahre alt bin.“ Er hob sein Glas. „Vielleicht bist du tatsächlich eine ziemlich gute Ablenkung.“ Dann lehnte er sich entspannt zurück. „Und was deine Neugier auf unsere zukünftigen Abenteuer betrifft...“ Seine Augen funkelten. „Ich bin mindestens genauso gespannt darauf.“ „Denn wenn du außerhalb dieses Badehauses genauso viel Unsinn im Kopf hast wie hier...“ Er ließ den Satz absichtlich offen und grinste. „...dann werde ich mich wohl auf einiges gefasst machen müssen.“
„Ich werde mich definitiv nicht ändern“, schüttelte sie den Kopf. „Aber ich kann dich gerne noch älter fühlen lassen. Du hast bisher noch gar nicht gefragt, wie alt ich eigentlich bin. Was mich verwundert. Das ist eines der ersten Sachen, die Männer fragen.“
G’raha hob bei ihrer Bemerkung eine Augenbraue. „Stimmt.“ Er wirkte tatsächlich kurz nachdenklich. „Das habe ich tatsächlich noch gar nicht gefragt.“ Ein amüsiertes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Vielleicht liegt es daran, dass du dich bisher so selbstbewusst über mein Alter lustig gemacht hast, dass ich angenommen habe, du würdest mir die Frage ohnehin irgendwann freiwillig beantworten.“ Er nahm einen kleinen Schluck von seinem Rubinsee. „Und außerdem...“ Sein Blick wanderte kurz zu ihr. „Ich finde nicht, dass das Alter einer Person etwas ist, das ich gleich beim ersten Treffen wissen muss.“ Er grinste. „Ich wusste schließlich auch ohne diese Information, dass du jünger bist als ich. Das war schwer zu übersehen.“ Dann hob er leicht eine Augenbraue. „Aber jetzt hast du mich neugierig gemacht.“ Er legte den Kopf schief. „Also?“ Ein schelmisches Funkeln trat in seine Augen. „Wie alt ist meine Badehausführerin eigentlich?“ Eine kurze Pause. „Und bitte sag mir nicht, dass du ebenfalls über hundert bist.“ Er hob warnend einen Finger. „Das würde meine ganze Theorie über unsere Freundschaft ziemlich kompliziert machen.“ Dann musste er lachen. „Obwohl...“ Er musterte sie kurz. „Wenn du tatsächlich älter bist, als du aussiehst, wäre das eine ziemlich beeindruckende Überraschung.“
Sie tippte sich mit dem Zeigefinger ans Kinn. „Also, wenn ich das so recht überdenke, reichst du gewiss an die Viera heran. Die werden recht alt im Gegensatz zu uns Miqo’te. Wir werden, wenn es hoch kommt, gut achtzig. Bei guter Pflege vielleicht sogar hundert. Du bist wohl eine besondere Ausnahme, dass du über hundert bist, wenn man die Jahre dazu zählt, die du vor deiner Zeitreise hattest. Aber um deine Neugier zu befriedigen und dich vielleicht noch älter fühlen zu lassen: Ich bin 24 Jahre.“
G’rahas Mund öffnete sich einen Spalt, und für einen Moment sah er Mina einfach nur an. „Vierundzwanzig.“ Er wiederholte die Zahl, als müsste er sie erst einmal in Relation zu seinen eigenen Lebensjahren setzen. Dann ließ er den Kopf langsam gegen den Beckenrand sinken. „Oh, bei den Zwölf.“ Ein leises, theatralisches Seufzen. „Jetzt fühle ich mich tatsächlich alt.“ Seine Ohren klappten gespielt niedergeschlagen zur Seite. „Ich habe gerade mit einer vierundzwanzigjährigen Miqo’te über meine alten Knochen diskutiert, und sie hat mich auch noch freiwillig in ein mineralisches Bad gesteckt.“ Er sah sie von der Seite an. „Das war alles von Anfang an ein ausgeklügelter Plan, nicht wahr?“ Ein Grinsen verriet, dass er natürlich nicht wirklich beleidigt war. „Aber was deine Einschätzung betrifft...“ Er wurde etwas nachdenklicher. „Du hast recht. Für eine Miqo’te sind hundert Jahre bereits außergewöhnlich. Und meine eigene Lebensgeschichte macht die Sache ohnehin etwas komplizierter.“ Seine Finger glitten durch das Wasser. „Wenn ich nur die Jahre zählen würde, die ich tatsächlich erlebt habe, bevor ich in meine Zeit gereist bin, wäre ich immer noch deutlich älter als du.“ Er sah wieder zu ihr. „Aber körperlich...“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „...ist das eine andere Frage.“ Dann erschien wieder sein schelmisches Lächeln. „Also gut, vierundzwanzigjährige Mina.“ Er hob sein Glas. „Jetzt kenne ich immerhin dein Alter.“ Ein Schluck. „Und ich muss sagen, es erklärt einiges.“ Seine Augen funkelten. „Zum Beispiel, warum du so viel Energie hast, mich ständig zu ärgern.“ Er deutete mit dem Glas auf sie. „Aber eines solltest du dir merken.“ Ein verschwörerisches Grinsen. „Wenn du mich noch einmal als alten Knacker bezeichnest, werde ich dich daran erinnern, dass vierundzwanzig Jahre Erfahrung mit deinem jugendlichen Übermut gegen mehr als hundert Jahre Erfahrung nicht unbedingt ein fairer Kampf sind.“ Er lehnte sich zurück. „Ich habe schließlich einen erheblichen Altersvorsprung.“ Eine kurze Pause. „Und vermutlich deutlich mehr Übung darin, andere zu ärgern.“
Sie lachte herzlich, als er so betrübt tat. „Jap, hast du richtig erfasst. Diesen Plan hab ich sorgfältig geschmiedet, sogar bevor ich dich kennengelernt habe. Da hab ich mir gedacht, wenn ich mal so einen alten Knacker kennenlerne...“ Sie streckte unter Wasser einen Fuß aus, um G’raha mit dem Zeh leicht in die Seite zu pieksen. „Dann werde ich ihn sich noch älter fühlen lassen mit meinen 24 Jahren.“
G’raha zuckte tatsächlich leicht zusammen, als ihr Zeh ihn unter Wasser in die Seite piekste. „Hey!“ Er drehte den Kopf zu ihr und sah sie gespielt empört an. „Da ist sie wieder.“ Er deutete auf Mina. „Die gefährliche Badehausführerin.“ Seine Ohren zuckten, während er versuchte, ernst zu bleiben – was ihm angesichts seines breiten Grinsens nicht besonders gut gelang. „Du hast diesen Plan also schon ausgearbeitet, bevor du überhaupt wusstest, dass ich existiere?“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Beeindruckend. Und ausgesprochen beunruhigend.“ Dann sah er auf die Stelle, an der ihr Fuß ihn gerade gepiekst hatte. „Allerdings...“ Ein schelmischer Ausdruck trat in seine Augen. „...hast du einen entscheidenden Fehler gemacht.“ Er hob seine Hand aus dem Wasser und bewegte sie langsam in ihre Richtung. „Du hast mir gerade gezeigt, wie du mich angreifst.“ Ein kurzes Grinsen. „Und jetzt kenne ich deine Waffe.“ Er hielt inne, ohne sie tatsächlich zu berühren. „Aber keine Sorge.“ Seine Hand sank wieder ins Wasser. „Ich werde deine Freundschaft nicht gleich beim zweiten Treffen mit einem Gegenangriff gefährden.“ Er lehnte sich zurück und schloss kurz die Augen. „Außerdem muss ich zugeben...“ Ein zufriedenes Lächeln. „...es ist irgendwie schön.“ Er öffnete ein Auge. „Jemand, der mich nicht wegen meiner Vergangenheit, meiner Titel oder meiner Geschichten behandelt.“ Sein Blick wurde warm. „Sondern einfach wie einen alten Freund, den man ungestraft ärgern darf.“ Ein leises Lachen. „Auch wenn dieser alte Freund sich jetzt ernsthaft fragen muss, welche weiteren Überraschungen du für ihn vorbereitet hast.“
Sie setzte sich wieder auf und nahm ihren Krug zur Hand, um den Rest ihres Mets zu trinken. „Titel? Sag bloß, du bist adelig? Mit was für Überraschungen kommst du noch um die Ecke, G’raha?“
G’raha hob bei ihrer Frage überrascht die Augenbrauen und musste dann leise lachen. „Adelig?“ Er schüttelte den Kopf. „Nein, nein. So wichtig bin ich nun wirklich nicht.“ Er nahm einen Schluck von seinem Rubinsee und musterte Mina über den Rand des Glases hinweg. „Mit Titel meinte ich eher... nun ja, meine verschiedenen Ämter und die Bezeichnungen, die man mir im Laufe der Zeit gegeben hat.“ Ein leicht verlegenes Grinsen. „Ich war schließlich Gelehrter, Abenteurer, Mitglied des Bundes der Morgenröte... und zeitweise noch einiges mehr.“ Er machte eine kleine, wegwerfende Handbewegung. „Aber ich bin kein Fürst und kein Lord, falls du gerade befürchtet hast, dich unwissentlich mit einem Adeligen angefreundet zu haben.“ Dann legte er den Kopf schief. „Wobei...“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinen Augen. „Wenn ich tatsächlich adelig wäre, würde das deine bisherigen Bemerkungen über meinen hohen Alterszustand vermutlich noch viel amüsanter machen.“ Er grinste. „‚Verzeihung, Euer Hochwohlgeboren, aber Ihre alten Knochen brauchen dringend ein Mineralbad.‘“ Er lachte leise. „Ich glaube, daran könnte ich mich sogar gewöhnen.“ Dann deutete er mit seinem Glas auf sie. „Aber jetzt bist du selbst schuld.“ „Du hast mich gefragt, welche Überraschungen ich noch bereithalte.“ Seine Ohren zuckten. „Und inzwischen solltest du gelernt haben, dass es bei mir davon offenbar einige gibt.“ Ein verschwörerisches Lächeln. „Vielleicht erzähle ich dir beim nächsten Mal eine weitere.“ „Heute musst du dich erst einmal damit begnügen, dass dein über hundert Jahre alter Freund weder adelig ist noch nachts zum Hrothgar mutiert.“
Erleichtert legte sie eine Hand auf ihre Brust. „Puh, und ich dachte im nächsten Moment, dass ich Hofknickse und so'n Zeug lernen müsste. Ich kann zwar tanzen, aber Gesellschaftstänze sind nicht mein Ding. Ich trete dir öfters auf die Füße, als dass du ‚Au!‘ schreien kannst.“
G’raha musste bei ihrem erleichterten Gesichtsausdruck herzlich lachen. „Nein, Mina. Keine Hofknickse.“ Er hob beschwichtigend beide Hände. „Du darfst mich weiterhin einfach G’raha nennen. Ich glaube, nach allem, was du mir heute an den Kopf geworfen hast, wäre es ohnehin etwas spät, plötzlich auf Förmlichkeiten zu bestehen.“ Bei ihrer Bemerkung über das Tanzen hob er neugierig eine Augenbraue. „Du kannst tanzen?“ Ein kleines Grinsen. „Das hätte ich dir tatsächlich zugetraut.“ Dann wurde sein Grinsen breiter. „Aber gesellschaftliche Tänze sind nicht dein Ding?“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Und du trittst deinem Tanzpartner regelmäßig auf die Füße?“ Er sah kurz auf seine eigenen Füße unter Wasser. „Dann sollte ich mir wohl zweimal überlegen, ob ich dich jemals zu einem Tanz auffordere.“ Eine kurze Pause. „Andererseits...“ Sein Blick bekam einen schelmischen Glanz. „Ich bin schon durch deutlich gefährlichere Situationen gekommen als einen Fußtritt.“ Er hob sein Glas. „Und sollte ich danach tatsächlich ‚Au!‘ schreien, kannst du dich wenigstens damit herausreden, dass du mich vorgewarnt hast.“ Dann grinste er. „Obwohl ich langsam den Verdacht bekomme, dass du mich absichtlich auf die Füße treten würdest, nur um mich wieder als alten Knacker aufzuziehen.“
„Natürlich kann ich tanzen, denkst du, woher diese Beine stammen“, und hob ein Bein gestreckt aus dem Wasser, an dem das Wasser herunterlief. „Ich sagte doch, hab dafür hart gearbeitet. Aber Gesellschaftstänze sind nicht meins. Ich glaube, ich hab das Problem, dass ich immer führen will automatisch“, hob sie die Schultern.
G’raha folgte ihrem ausgestreckten Bein kurz mit dem Blick und musste bei ihrer Erklärung schmunzeln. „Ah. Natürlich.“ Er hob anerkennend eine Augenbraue. „Das sind also die berühmten hart antrainierten Beine.“ Ein kleines Grinsen. „Jetzt ergibt auch deine vorherige Aussage Sinn.“ Als sie erklärte, dass sie beim Tanzen automatisch führen wollte, lachte er leise. „Das ist vermutlich tatsächlich ein Problem bei einem klassischen Gesellschaftstanz.“ Er überlegte kurz. „Wobei ich es interessant finde, dass du offenbar Schwierigkeiten damit hast, die Führung abzugeben.“ Seine roten Augen funkelten amüsiert. „Du bist neugierig, trainierst hart, lernst Magie, willst irgendwann Alchemie ausprobieren und möchtest beim Tanzen auch noch bestimmen, wohin es geht.“ Er schüttelte gespielt fassungslos den Kopf. „Du bist wirklich eine Herausforderung.“ Dann nahm er einen Schluck. „Aber vielleicht liegt es gar nicht daran, dass du schlecht tanzt.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Vielleicht brauchst du einfach einen Tanzpartner, der nicht versucht, dich mit Gewalt in eine vorgegebene Rolle zu drücken.“ Ein schelmisches Lächeln. „Jemanden, der merkt, wann du die Führung übernehmen willst und einfach mitmacht.“ Er hob leicht die Schultern. „Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass das ziemlich lustig werden könnte.“ Dann grinste er. „Natürlich nur, wenn ich danach noch beide Füße besitze.“
„He, ich wiege keine 200 Tonnen“, beschwerte sie sich. „Aber ja, wenn du das so zusammenfasst, bin ich schon eine Herausforderung, nicht für jeden Mann leicht zu händeln. Dir scheint es aber gut zu gelingen. So unerfahren, wie ich dachte, bist du wohl wirklich nicht mit Frauen.“
G’raha hob beide Hände und lachte. „Das habe ich auch gar nicht behauptet!“ Er schüttelte den Kopf, seine Ohren zuckten amüsiert. „Ich glaube nicht, dass zweihundert Tonnen das Problem wären. Eher deine Entschlossenheit, immer deinen eigenen Kopf durchzusetzen.“ Er betrachtete sie einen Moment mit einem warmen Lächeln. „Und was den Umgang mit dir betrifft...“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „Ich glaube nicht, dass man dich händeln muss.“ Sein Blick wurde etwas ernster. „Du bist keine störrische Kiste, die man irgendwohin tragen muss. Du bist einfach Mina. Wenn du etwas willst, sagst du es. Wenn dir etwas nicht gefällt, sagst du es ebenfalls. Und wenn du jemanden magst, lässt du ihn das offenbar ziemlich schnell merken.“ Ein kleines Grinsen. „Das macht es eigentlich ziemlich einfach.“ Bei ihrer letzten Bemerkung wurde sein Ausdruck wieder schelmischer. „Und nein, unerfahren bin ich vermutlich tatsächlich nicht.“ Er hob sein Glas. „Aber das bedeutet nicht automatisch, dass ich besonders gut darin bin, mit jeder Frau umzugehen.“ Er nahm einen Schluck. „Menschen sind schließlich verschieden. Was bei einer Person funktioniert, kann bei der nächsten völlig nach hinten losgehen.“ Seine roten Augen wanderten zu ihr. „Bei dir habe ich bisher einfach das Gefühl, dass ich dich nicht ständig analysieren muss.“ Ein warmes Lächeln. „Ich kann dir widersprechen, du kannst mich aufziehen, wir können uns gegenseitig ärgern... und bisher hat niemand von uns das Bedürfnis verspürt, aus dem Badehaus zu fliehen.“ Er hob leicht die Augenbrauen. „Das werte ich als ziemlich guten Anfang.“ Dann grinste er. „Und falls du wirklich so eine große Herausforderung bist, wie du behauptest...“ Er deutete mit seinem Glas auf sie. „...dann scheinst du zumindest eine Herausforderung zu sein, die mir ausgesprochen viel Spaß macht.“
Bei den Worten wurde sie vor Verlegenheit rot. „Ich will ja nicht wissen, wie viel und was du hiervon Alisaie und Y’shtola erzählst, wenn sie dich sicher neugierig ausfragen, wie ich das im Hintergrund vorhin mitbekommen habe.“
G’raha blinzelte, dann musste er leise lachen. „Du hast dir das also tatsächlich gemerkt.“ Seine Ohren zuckten verlegen. „Alisaie und Y’shtola sind in der Tat ausgesprochen neugierig. Besonders Alisaie kann ziemlich hartnäckig sein, wenn sie etwas wissen möchte.“ Er hob beschwichtigend eine Hand. „Aber keine Sorge. Ich werde ihnen keine Einzelheiten über unser Gespräch erzählen.“ Sein Blick wurde warm. „Was du mir anvertraust, bleibt zwischen uns. Ich würde unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen, nur um den beiden ein wenig Unterhaltung zu verschaffen.“ Dann grinste er. „Außerdem würden sie vermutlich ohnehin viel zu viel hineininterpretieren.“ Er nahm einen Schluck von seinem Getränk. „Wenn sie mich fragen, werde ich ihnen sagen, dass ich einen sehr angenehmen Nachmittag mit einer neuen Freundin verbracht habe.“ Eine kurze Pause. „Und dass sie ausgesprochen frech ist.“ Seine Augen funkelten. „Das ist schließlich keine geheime Information.“ Dann legte er den Kopf leicht schief. „Wobei ich zugeben muss...“ Ein schelmisches Lächeln. „Alisaie würde wahrscheinlich innerhalb von fünf Minuten versuchen herauszufinden, warum du mich ständig ‚alten Knacker‘ nennst.“ Er schüttelte lachend den Kopf. „Und Y’shtola würde vermutlich nur einmal diesen Blick aufsetzen und sofort mehr verstehen, als mir lieb wäre.“ Seine Ohren zuckten. „Deshalb werde ich ihnen lieber gar nicht erst zu viel Material geben.“ Er hob sein Glas. „Unsere kleine Badehausgeschichte bleibt unsere.“
„Das hört sich schon fast wie ein eigener Geheimbund zwischen uns an“, zwinkerte sie. „Gibt es eigentlich nur euch drei oder gehören da noch mehr Leute mit zu?“
G’raha hob bei dem Wort Geheimbund amüsiert eine Augenbraue. „Ein Geheimbund?“ Ein schelmisches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ich hoffe doch, dass unser geheimer Bund nicht nur aus zwei Leuten besteht, die in einem Badehaus sitzen und über meine angeblich uralten Knochen diskutieren.“ Er lachte leise und schüttelte den Kopf. „Nein. Der Bund der Morgenröte besteht aus mehr als nur Y’shtola, Alisaie und mir.“ Er begann aufzuzählen: „Da wären zunächst Thancred. Ein hervorragender Spion und ausgesprochen erfahrener Kämpfer. Er wirkt manchmal etwas …“ G’raha suchte nach dem passenden Wort. „…grimmig. Aber wenn man ihn näher kennt, merkt man schnell, dass er einen sehr trockenen Humor besitzt.“ „Dann Urianger. Unser Gelehrter.“ Ein leichtes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Wenn du dich jemals mit ihm unterhältst, solltest du dich darauf einstellen, dass ein einfacher Satz plötzlich klingt, als würde er aus einem dreihundert Jahre alten Gedicht stammen.“ „Alphinaud kennst du vielleicht dem Namen nach. Er ist Alisaies Zwillingsbruder. Sehr klug, ausgesprochen engagiert und manchmal etwas zu ernst für sein eigenes Wohl.“ Seine Ohren zuckten. „Und natürlich Y’shtola, Alisaie und ich.“ Dann hielt er kurz inne. „Außerdem gibt es noch weitere Menschen, die eng mit uns verbunden sind oder zeitweise mit dem Bund zusammenarbeiten.“ Er sah Mina an. „Es ist also eine ziemlich bunte Gruppe.“ Ein warmes Lächeln. „Und jeder ist auf seine eigene Weise … besonders.“ Dann hob er leicht eine Augenbraue. „Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass du dich mit einigen von ihnen hervorragend verstehen würdest.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Mit anderen würde ich vermutlich besser vorher warnen.“ „Vor allem Alisaie.“ Er hob einen Finger. „Wenn sie merkt, dass du genauso gern neckst wie ich, habt ihr innerhalb von zehn Minuten irgendeinen Wettbewerb daraus gemacht.“ Ein leises Lachen. „Und dann darf ich vermutlich danebenstehen und zusehen, wie ihr beide versucht, mich gleichzeitig in den Wahnsinn zu treiben.“
Aufmerksam hörte sie G’rahas Aufzählung zu. „Oh, trockener Humor, den mag ich“, grinste sie. „Noch ein Gelehrter? Er redet also sehr kryptisch, okay.“ „Zwillinge? Cool, selten, dass man Zwillinge trifft“, kicherte sie dann. „Könnte passieren, wenn sie und ich auf der gleichen Wellenlänge sind. Dann trifft es entweder dich oder die anderen beiden Männer. Aber wie es sich anhört, bist du auch Alisaies Lieblingsopfer. Warum ärgert sie nicht die anderen auch? Ich würd es tun.“
G’raha musste bei ihrer Bemerkung über Alisaie lachen. „Oh, sie ärgert die anderen durchaus.“ Er hob einen Finger. „Thancred bekommt regelmäßig seinen Teil ab. Alphinaud ebenso.“ Noch ein Finger. „Und Urianger ist ebenfalls nicht vor ihr sicher.“ Dann deutete er mit gespielter Resignation auf sich selbst. „Ich habe allerdings einen entscheidenden Nachteil.“ Seine Ohren klappten leicht zur Seite. „Ich reagiere darauf.“ Er seufzte theatralisch. „Alisaie hat irgendwann herausgefunden, dass sie mich mit ein paar gezielten Bemerkungen wunderbar aus der Reserve locken kann. Und seitdem nutzt sie dieses Wissen schamlos aus.“ Ein schmales Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Bei Thancred bekommt sie meistens nur ein trockenes ‚Sehr witzig, Alisaie‘ zurück. Alphinaud versucht häufig, ihr eine vernünftige Antwort zu geben.“ G’raha schüttelte amüsiert den Kopf. „Was natürlich genau das Falsche ist.“ Dann sah er Mina mit einem leicht verschwörerischen Blick an. „Und ich fürchte, du würdest diesen Fehler ebenfalls machen.“ Er hob sein Glas. „Du würdest dich mit ihr auf einen Wettstreit einlassen.“ Eine Pause. „Und dann würdet ihr euch vermutlich gegenseitig immer weiter hochschaukeln.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Bis irgendwann entweder Y’shtola genug davon hat und euch beide mit einem einzigen Blick zum Schweigen bringt …“ Er hob einen zweiten Finger. „…oder Thancred irgendwo auftaucht, sich zurücklehnt und einfach zusieht, wie das Chaos seinen Lauf nimmt.“ G’raha lachte leise. „Und ich?“ Er legte eine Hand auf die Brust. „Ich wäre vermutlich das bevorzugte Ziel von euch beiden.“ Seine roten Augen funkelten amüsiert. „Wobei ich inzwischen den Verdacht habe, dass du dich mit Alisaie tatsächlich ziemlich gut verstehen könntest.“ Er musterte Mina einen Moment. „Du bist neugierig, frech, hast keine Scheu davor, mir zu widersprechen, und scheinst eine gewisse Freude daran zu haben, andere ein wenig aus der Fassung zu bringen.“ Ein vielsagendes Lächeln. „Das klingt verdächtig nach jemandem, mit dem Alisaie hervorragend klarkommen würde.“ Er nahm einen Schluck und fügte trocken hinzu: „Ich sollte dich vielleicht niemals gemeinsam mit ihr unbeaufsichtigt lassen.“ Seine Ohren zuckten. „Zumindest nicht, wenn ich danach noch meine Ruhe haben möchte.“
„Klingt nach dem perfekten Chaos für mich“, grinste sie breit. „Und wie du Y’shtola beschreibst, hab ich eher das Gefühl, sie ist die Mutti von euch allen.“
G’raha brach in ein leises Lachen aus und nickte langsam. „Du bist erschreckend schnell zu dieser Schlussfolgerung gekommen.“ Er hob seinen Krug und betrachtete ihn nachdenklich. „Aber … ja. Wenn man es so ausdrückt, ist Y’shtola wohl tatsächlich so etwas wie die vernünftigste Erwachsene in einem Haufen erwachsener Menschen, die sich gelegentlich benehmen, als hätten sie keinerlei Aufsicht.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Sie würde das natürlich niemals so formulieren.“ Er hob einen Finger. „Thancred ist derjenige, der glaubt, er müsse auf alle anderen aufpassen.“ Noch einen. „Alphinaud versucht ständig, die vernünftige Stimme zu sein.“ Noch einen. „Urianger verschwindet regelmäßig in irgendwelchen uralten Büchern und spricht dann plötzlich in einer Sprache, bei der man sich fragt, ob er überhaupt noch mit uns oder bereits mit den Geistern vergangener Gelehrter redet.“ Er grinste. „Alisaie macht ohnehin, was sie möchte.“ Dann deutete er auf sich. „Und ich …“ Er seufzte gespielt. „…werde offenbar von allen Seiten daran erinnert, dass ich manchmal etwas zu sehr in meinen Büchern verschwinde.“ G’raha sah Mina an. „Und Y’shtola?“ Ein warmes Lächeln. „Sie sieht sich das alles an, seufzt einmal tief und sorgt anschließend dafür, dass niemand von uns etwas vollkommen Dummes tut.“ Er nahm einen Schluck. „Also ja.“ Seine Ohren zuckten. „Wenn du sie unbedingt unsere ‚Mutter‘ nennen möchtest, werde ich dich nicht davon abhalten.“ Dann grinste er. „Aber wage es nicht, ihr das ins Gesicht zu sagen.“ Eine kurze Pause. „Oder besser gesagt …“ Er hob warnend einen Finger. „Wenn du es tust, möchte ich unbedingt dabei sein.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich möchte sehen, wie sie darauf reagiert.“
„Oh Gott, ihr seid ja ’ne Chaostruppe. Ich wette, mit euch wird es nie langweilig“, grinste sie breit. „Aber selber schuld, wenn du immer darauf anspringst. Dann musst du dich nicht wundern.“ Sie hob ihre Hand aus dem Wasser und betrachtete diese. „Ich glaub, wenn wir nicht völlig verschrumpelt aussehen wollen, sollten wir so langsam aus dem Wasser. Was meinst du, G’raha?“ Sie zeigte ihm ihre Hand.
G’raha betrachtete ihre Hand, dann seine eigene, und verzog das Gesicht zu einem amüsierten Ausdruck. „Oh.“ Er drehte seine Handfläche nach oben. „Du hast recht. Wir sehen langsam aus, als hätten wir versucht, uns dauerhaft in ein Paar getrocknete Pflaumen zu verwandeln.“ Er lachte leise und richtete sich im Wasser auf. „Und ja, langweilig wird es mit dem Bund vermutlich tatsächlich selten.“ Er schüttelte den Kopf. „Obwohl ich manchmal den Eindruck habe, dass wir unsere eigenen Probleme geradezu anziehen.“ Dann sah er Mina wieder an. „Aber ich gebe zu, dass ich mich inzwischen daran gewöhnt habe.“ Er stützte die Arme auf den Beckenrand. „Und was Alisaie betrifft …“ Ein schelmisches Grinsen. „Du hast natürlich recht. Wenn ich jedes Mal darauf anspringe, kann ich mich schlecht beschweren.“ Er hob beide Hände. „Ich werde mich bessern.“ Eine kurze Pause. „Vielleicht.“ Dann stand er langsam auf und griff nach seinem Handtuch. „Also gut, bevor wir tatsächlich anfangen zu schrumpeln.“ Er wandte sich kurz ab, um Mina etwas Privatsphäre zu lassen. „Wir sollten uns abtrocknen und anschließend vielleicht etwas essen.“ Seine Ohren zuckten. „Du hast schließlich behauptet, dass das Essen hier zu den Vorzügen des Badehauses gehört.“ Er grinste über die Schulter. „Jetzt bin ich gespannt, ob deine Empfehlung genauso gut ist wie deine Badehausführung.“ Dann fügte er trocken hinzu: „Und wehe, du servierst mir anschließend etwas, das du selbst gebraut hast. Meine Alchemistenkarriere hat noch nicht einmal begonnen.“
Sie stand ebenfalls auf, wobei sie G’raha ihren schmalen Rücken zuwendete, als sie das Handtuch um sich wickelte. „Gute Idee mit dem Essen, im Becken dürfen wir nichts futtern. Mal sehen, was es so Feines gibt oder ob sie die Speisekarte wieder umgeändert haben.“ Sie stieg dann aus dem Becken. „Und keine Sorge, meine Kochkünste sind besser als meine Braukünste“, zwinkerte sie.
G’raha wandte den Blick respektvoll zur Seite, während Mina sich ihr Handtuch umlegte. Erst als er sicher war, dass sie fertig war, griff er selbst nach seinem Handtuch. „Das beruhigt mich ungemein.“ Er trocknete sich die Haare und schüttelte sie anschließend einmal aus, wobei einige rote Strähnen ziemlich widerspenstig in alle Richtungen standen. „Dann besteht zumindest eine gute Chance, dass ich das Essen überlebe.“ Er grinste. „Obwohl ich nach unserer Unterhaltung langsam nicht mehr weiß, ob ich dir bei kulinarischen Experimenten wirklich vertrauen sollte.“ Gemeinsam verließen sie den Badebereich und machten sich auf den Weg zu den Umkleiden. „Aber jetzt bin ich tatsächlich neugierig auf die Speisekarte.“ Er sah zu Mina. „Du hast schließlich vorhin schon so überzeugt von dem Essen hier gesprochen. Also erwarte ich jetzt beinahe, dass du mir jedes Gericht persönlich empfehlen kannst.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Und falls die Karte geändert wurde, darfst du dich natürlich nicht herausreden.“ Ein schelmisches Lächeln. „Schließlich bist du heute meine offizielle Badehausführerin.“ Er deutete auf sie. „Das bedeutet Verantwortung.“
„He, wenn die Karte geändert wurde, dafür kann ich doch nichts“, stemmte sie eine Hand in die Hüfte. „Aber das Essen schmeckt hier trotzdem. Also bisher musste kein Heiler kommen oder ist tot umgefallen. Zumindest als ich hier war.“
G’raha blieb kurz stehen und sah sie mit hochgezogener Augenbraue an. „Bisher?“ Ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Das ist eine bemerkenswert beruhigende Formulierung.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Also lautet deine Empfehlung für das Badehaus im Grunde: ‚Keine Sorge, die meisten Gäste haben es überlebt.‘“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Ich hätte vielleicht doch nach den Kochkünsten des Personals fragen sollen, bevor ich dir blind vertraue.“ Seine Ohren zuckten, und schließlich musste er lachen. „Aber gut. Ich glaube dir.“ Er ging weiter in Richtung Umkleide. „Und falls die Karte tatsächlich geändert wurde, werde ich dich selbstverständlich nicht dafür verantwortlich machen.“ Er sah über die Schulter zu ihr. „Du kannst schließlich schlecht beeinflussen, was in der Küche serviert wird.“ Dann fügte er mit einem schelmischen Funkeln hinzu: „Wobei ich bei dir inzwischen nicht mehr völlig ausschließen würde, dass du irgendwann beschließt, selbst die Küche zu übernehmen.“ „‚Heute gibt es Mina-Spezial‘.“ Er legte eine Hand theatralisch auf den Bauch. „Und danach sitzen sämtliche Gäste mit ihren Heiltränken bereit.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich glaube, ich sollte dich wirklich nie unterschätzen.“
„Nein, das solltest du besser nicht“, grinste sie und schien mit sich zu hadern. „Komm mal …“ Sie bedeutete G’raha, dass er sich etwas nach vorne beugen sollte. Etwas unbeholfen und zögerlich strich sie ihm die roten, nassen Strähnen zurecht, die abstanden. „Du siehst aus, als hättest du ’nen Blitzschlag abbekommen oder wärst gerade aus dem Bett gekrabbelt. Was sicher auch süß aussieht, ein verschlafener G’raha am Morgen.“ Sie hielt mit großen Augen erschrocken inne. Hatte sie das gerade laut gesagt? Schnell drehte sie sich um und flüchtete in die Damenumkleide, ohne auf G’rahas Reaktion zu warten.
G’raha beugte sich zunächst ahnungslos zu ihr herunter. „Was—?“ Dann spürte er ihre Finger durch seine nassen Haare fahren. Er hielt vollkommen still, während Mina die widerspenstigen roten Strähnen zurechtstrich. Seine Ohren zuckten leicht. „…Danke.“ Doch dann fiel der Satz über den verschlafenen G’raha am Morgen. G’raha blinzelte. Einmal. Zweimal. Mina war bereits auf dem Weg in die Damenumkleide. „Mina?“ Er sah ihr hinterher, während sich langsam ein breites Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete. „War das gerade ein Kompliment?“ Keine Antwort. Die Tür der Umkleide fiel ins Schloss. G’raha hob eine Hand an den Mund, um sein Lachen zu unterdrücken. Vergeblich. „Oh, bei den Zwölf …“ Er fuhr sich durch die nun halbwegs ordentlich liegenden Haare. „Ein süßer verschlafener G’raha.“ Seine Ohren stellten sich auf, und sein Grinsen wurde immer breiter. Offenbar hatte Mina ihm gerade völlig unbeabsichtigt eine neue Information geliefert, die er sich sehr genau merken würde. Er wandte sich schließlich ebenfalls seiner Umkleide zu. „Keine Sorge, Mina!“ Seine Stimme klang eindeutig viel zu amüsiert. „Ich werde dich selbstverständlich niemals damit aufziehen!“ Eine kurze Pause. „…zumindest nicht heute.“ Dann verschwand auch er in der Männerumkleide, wobei sein leises Lachen noch einen Moment durch den Vorraum hallte.
Sie lehnte mit dem Rücken gegen die Kabinenwand und hielt die Hände vor das Gesicht. Was war ihr denn da wieder herausgerutscht? Nein, wie peinlich. Was machte dieser Kater nur mit ihr? „Mädchen, hast du denn gar nichts aus deinen vorherigen Fehlern gelernt?“, fragte sie sich leise selbst, wobei sie eine Hand zur Faust machte und sich leicht gegen die Stirn tippte. Mit einem tiefen Schnaufen packte sie dann ihre Sachen und zog sich um, bevor sie aus der Umkleide trat, um mit G’raha noch etwas zu essen.
Als Mina aus der Damenumkleide trat, wartete G’raha bereits vor dem Ausgang. Er hatte sich wieder vollständig angezogen, den Schal ordentlich zurechtgelegt und die rote Mähne zumindest so weit gebändigt, dass sie nicht mehr aussah, als hätte er einen Blitzschlag überlebt. Als er Mina bemerkte, lächelte er. Für einen Moment sagte er nichts. Dann hob sich eine Augenbraue. „Da bist du ja.“ Seine Stimme war vollkommen unschuldig – viel zu unschuldig. „Ich hatte schon befürchtet, du wärst in der Umkleide verschwunden, weil du plötzlich Angst vor deinem eigenen Badehaus bekommen hast.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. Er setzte sich in Bewegung Richtung Speisesaal und wartete, bis Mina neben ihm war. „Und bevor du fragst …“ Er blickte geradeaus. „Nein. Ich werde dich nicht wegen deiner Bemerkung von eben ärgern.“ Eine Sekunde. „Zumindest nicht sofort.“ Ein breites Grinsen. „Aber ich muss zugeben, dass ich jetzt neugierig geworden bin.“ Er sah sie von der Seite an. „Was genau hast du eigentlich an mir so verschlafen gefunden?“ Er hob beide Hände, bevor sie etwas erwidern konnte. „Keine Sorge. Das war nur ein Scherz.“ Sein Lächeln wurde sanfter. „Du sahst gerade selbst ziemlich verlegen aus. Ich wollte dich nicht noch mehr in Verlegenheit bringen.“ Dann deutete er auf den Speisesaal. „Also lieber etwas essen.“ Er öffnete die Tür und ließ ihr den Vortritt. „Und danach kannst du mir deine berühmten Favoriten zeigen.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinen Augen. „Vielleicht finde ich ja tatsächlich etwas, das so gut ist, dass ich dich danach offiziell zur besten Badehausführerin von ganz Eorzea ernennen muss.“
Sie schaute zur Seite, als er sie ansprach. Puh, er schien es nicht anzusprechen. „Ich doch nicht, ich kann mich ja schlecht einfach so in Luft auflösen, nicht?“ Und dann sprach er es doch an. Mist. „Das also … ähm, das bleibt mein Geheimnis.“ Sie streckte ihm frech die Zunge heraus. „Du scheinst die Gelegenheiten echt zu sammeln, so oft, wie du nicht jetzt sagst. Dann willst du es mir wohl richtig geben, was?“, fragte sie und trat durch die Tür, die er ihr offen hielt. Sie suchte für sie beide einen Platz und nahm die Speisekarte in die Hand. Mit gerunzelter Stirn überlegte sie. Was Süßes wie Schoko-Mochis? Nein, das läge ihr nachher zu schwer im Magen. „Hast du eher Appetit auf was Herzhaftes mit Fleisch? Oder eher ohne?“, fragte sie G’raha über die Karte hinweg.
G’raha setzte sich ihr gegenüber und nahm ebenfalls eine Speisekarte zur Hand. „Dein Geheimnis also?“ Er lächelte vielsagend. „Na gut. Dann werde ich wohl damit leben müssen.“ Er schlug die Karte auf und ließ den Blick über die Gerichte wandern. „Und nein, ich sammle keine Gelegenheiten.“ Eine kurze Pause. „Ich nenne es eher … sorgfältiges Aufbewahren von Informationen.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Man weiß schließlich nie, wann sich eine solche Information als äußerst nützlich erweist.“ Bei ihrer Frage betrachtete er die Speisekarte etwas genauer. „Hmm.“ Er legte einen Finger an sein Kinn. „Etwas Herzhaftes klingt gut. Ich hatte seit heute Morgen nicht mehr wirklich etwas Ordentliches zu essen.“ Dann sah er über die Karte hinweg zu ihr. „Fleisch wäre mir recht.“ Er blätterte eine Seite um. „Aber ich vertraue deiner Empfehlung.“ Ein kleines Grinsen. „Du bist schließlich diejenige, die hier regelmäßig isst.“ Er deutete mit der Karte auf sie. „Also, was würdest du jemandem empfehlen, der zum ersten Mal hier ist?“ Seine Augen funkelten. „Und denk daran: Wenn ich danach fünf Stunden bewegungslos auf meinem Platz liege, weil ich mich hoffnungslos überfressen habe, ist das deine Schuld.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Du hast schließlich ausdrücklich behauptet, dass du mich nicht ins offene Messer laufen lassen würdest.“
Sie hielt sich kichernd die Karte vor das Gesicht. „Keine Sorge, ich roll dich dann nach Hause, notfalls auch bergab. Dann geht es definitiv schneller“, kicherte sie. „Also entweder das Sandwich ‚Fleischeslust‘ mit Dodafleisch oder der La-Noscea-Wrap. Den werde ich mir auf jeden Fall bestellen“, gab sie ihren Tipp ab.
G’raha senkte seine Speisekarte ein Stück und sah Mina mit einem amüsierten Funkeln an. „Du würdest mich also einfach nach Hause rollen?“ Er legte die Hand auf die Brust. „Wie fürsorglich von dir.“ Dann schüttelte er lachend den Kopf. „Und wenn es bergab geht, soll ich mich vermutlich einfach darauf verlassen, dass du unten rechtzeitig die Bremse findest.“ Er wandte sich wieder der Karte zu. „Sandwich Fleischeslust oder La-Noscea-Wrap …“ Er überlegte kurz. „Wenn du den Wrap ohnehin selbst nehmen möchtest, dann nehme ich das Sandwich.“ Er legte die Karte beiseite. „Dann können wir beide probieren und uns gegenseitig sagen, was besser ist.“ Seine Ohren zuckten. „Das klingt nach einer vernünftigen Vorgehensweise.“ Dann grinste er. „Und falls das Sandwich tatsächlich so groß ist, dass ich danach nicht mehr laufen kann …“ Er deutete auf Mina. „…werde ich dich daran erinnern, dass du dich freiwillig zum Schieben angeboten hast.“ Gerade wollte er noch etwas sagen, als eine Bedienung an ihren Tisch trat. G’raha setzte sich etwas gerader hin. „Für mich bitte einmal die Fleischlust mit Dodafleisch.“ Dann sah er zu Mina. „Und für meine Begleiterin den La-Noscea-Wrap.“ Die Bedienung nickte und nahm die Bestellung auf. Nachdem sie gegangen war, lehnte sich G’raha wieder entspannt zurück. „Nun bin ich gespannt.“ Sein Blick wanderte zu Mina. „Du hast mir heute schon so viel von diesem Badehaus erzählt, dass das Essen jetzt einiges zu beweisen hat.“ Ein schelmisches Lächeln. „Aber ich vertraue dir.“
„Schön, dass du mir in dieser Hinsicht zumindest vertraust. Ich geb zu, das Sandwich hab ich selber noch nicht gegessen. Entweder war es der Wrap oder was Süßes. Und ich nehme mal an, dass bei deiner Statur ein oder zwei Sandwiches nicht groß ins Gewicht fallen und du dich nicht zu einem Klops mutierst durch das Essen.“
G’raha legte eine Hand auf seinen Bauch und sah an sich hinunter, als würde er tatsächlich überprüfen, ob dort bereits irgendwo die gefürchtete Verwandlung zum „Klops“ eingesetzt hatte. „Ein oder zwei Sandwiches?“ Er sah wieder zu Mina. „Ich hoffe doch, dass du mir etwas mehr zutraust.“ Ein breites Grinsen erschien. „Wobei ich zugeben muss, dass meine Ernährung auf Reisen nicht immer besonders vorbildlich ist. Manchmal besteht sie aus dem, was gerade verfügbar ist.“ Er lehnte sich zurück. „Also nein, ich werde mich vermutlich nicht nach einem Sandwich in einen Klops verwandeln.“ Eine kurze Pause. „Obwohl …“ Er betrachtete Mina gespielt ernst. „Wenn es tatsächlich so weit kommt, erwarte ich natürlich, dass du dein Versprechen hältst und mich nach Hause rollst.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Und bitte nicht vergessen: bergab. Du hast selbst gesagt, das sei schneller.“ Dann wurde sein Ausdruck etwas neugieriger. „Aber jetzt bin ich viel interessierter daran, was du normalerweise bestellst.“ Er deutete auf ihren Wrap. „Du hast also bisher entweder den Wrap oder etwas Süßes genommen.“ Ein kleines Schmunzeln. „Das erklärt vielleicht auch, warum du mir so überzeugt davon erzählen konntest, obwohl du das Sandwich selbst noch gar nicht probiert hast.“ Er nahm seinen Krug und trank einen Schluck. „Dann machen wir es eben zu einem Experiment.“ „Heute probiere ich etwas, das du noch nicht kennst, und du deinen üblichen Favoriten.“ Er hob sein Glas leicht. „Und wenn mein Sandwich besser ist, darfst du dich nicht herausreden.“ Ein schelmisches Funkeln. „Dann musst du beim nächsten Mal ebenfalls etwas Neues ausprobieren.“
„Ja, ich roll dich bergab. Ich, Fliegengewicht, steig sogar auf dich drauf und geb dir damit noch mehr Schwung. Und wenn wir Glück haben und einen Abhang erwischen, haben wir vielleicht sogar so viel Schwung, dass wir den Rest des Weges nach Gridania fliegen“, witzelte sie weiter und verschränkte ihre Hände auf der Tischplatte.
G’raha starrte sie einen Moment lang an. Dann brach er in schallendes Gelächter aus. „Du würdest dich oben draufsetzen, um mir mehr Schwung zu geben?“ Er schüttelte den Kopf, während seine Ohren wild zuckten. „Mina, ich glaube, du hast gerade eine der gefährlichsten Transportmethoden erfunden, die Eorzea je gesehen hat.“ Er legte die Arme auf den Tisch und beugte sich etwas zu ihr. „Und dann erwischen wir einen Abhang und fliegen bis nach Gridania?“ Sein Grinsen wurde breiter. „Natürlich. Und auf dem Weg dorthin winken wir den Luftschiffen zu.“ Er hob eine Hand und machte eine ausschweifende Geste. „‚Keine Sorge! Wir brauchen kein Luftschiff! Wir sind das Luftschiff!‘“ Er lachte erneut. „Ich sehe schon die Schlagzeile in der nächsten Ausgabe der Morgenröte.“ Er setzte eine dramatisch ernste Stimme auf: „Zwei Badegäste verlassen Ul’dah mit unerklärlicher Geschwindigkeit. Augenzeugen berichten von einer Miqo’te, die einen rothaarigen Elezen—“ Er brach ab und blinzelte. „Moment.“ Er sah Mina an. „Das wäre dann ja gar kein Elezen.“ Ein schelmisches Grinsen. „Du bringst mich schon völlig durcheinander.“ Er lehnte sich zurück. „Aber gut. Ich merke mir das.“ Er tippte sich an die Schläfe. „Sollte ich irgendwann nach einem Badebesuch plötzlich den Boden unter den Füßen verlieren, weiß ich wenigstens, wer für den Unfallbericht verantwortlich ist.“ Seine Augen funkelten. „Und falls wir tatsächlich bis Gridania fliegen sollten …“ Er hob seinen Krug. „…dann verlange ich unterwegs wenigstens noch eine Tasse Kaffee.“ „Man sollte schließlich auch auf einer lebensgefährlichen Flugreise gewisse Standards haben.“
Sie fing bei G’rahas Worten an zu kichern, bis ihr die Tränen kamen, da sie sich das bildlich vorstellte. Sie legte ihren Kopf auf die Unterarme und ihre Schultern bebten nur so vor Lachen, während sie versuchte, Luft zu bekommen. „Hör auf, ich kann nicht mehr, ich mach mir gleich ins Hösschen vor Lachen“, keuchte sie. Sie hob dann ihren Kopf mit rotem Gesicht und wischte sich die Lachtränen weg, wobei sie sich umsah. „Zum Glück ist keiner weiter hier, der sieht, wie du mich mental total fertig machst, G’raha.“
G’raha sah sie mit großen Augen an, als sie beinahe unter dem Tisch verschwand vor Lachen. Seine Ohren zuckten amüsiert, und ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht. „Ich? Ich mache dich mental fertig?“ Er legte sich gespielt empört eine Hand auf die Brust. „Dabei habe ich lediglich versucht, deine äußerst fragwürdige Transportmethode ernst zu nehmen.“ Als sie sich die Lachtränen wegwischte, wurde sein Lächeln etwas weicher. „Aber ich muss zugeben … dich so lachen zu sehen, ist ziemlich schön.“ Er hielt kurz inne, als wäre ihm gerade selbst aufgefallen, dass er das laut gesagt hatte. Dann räusperte er sich und griff nach seinem Getränk. „Ähm.“ Ein leicht verlegenes Zucken seiner Ohren. „Jedenfalls …“ Er deutete mit dem Krug auf sie. „Du solltest vielleicht vorsichtig sein. Wenn du weiterhin so viel lachst, hält man dich am Ende noch für diejenige, die hier etwas zu viel von ihrem Met getrunken hat.“ Sein Grinsen kehrte zurück. „Und dann müsste ich vermutlich erklären, dass ich vollkommen unschuldig bin.“ Er lehnte sich zurück und sah sich ebenfalls kurz im Raum um. „Aber keine Sorge. Unser Ruf ist vorerst gerettet.“ Er senkte verschwörerisch die Stimme. „Niemand hat gesehen, wie die gefürchtete Mina Yukimura von einem alten Bücherwurm in die Knie gezwungen wurde.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinen roten Augen. „Das bleibt unser kleines Geheimnis.“ Dann hob er seinen Krug leicht in ihre Richtung. „Auf unsere äußerst würdige und erwachsene Unterhaltung.“
Ihr Kopf ruckte herum, als er sagte, dass er ihr Lachen schön fand, und sie schmunzelte, bevor sie sich verlegen die Wange kratzte. „Ja, eine sehr erwachsene Unterhaltung über mehr als ernste Themen des Lebens, ich mag das genau so wie du“, versuchte sie, ihre eigene Verlegenheit zu überspielen. „Mich hat noch nie jemand so oft so sehr zum Lachen gebracht wie du, G’raha.“
G’raha hielt mitten in der Bewegung inne. Für einen Moment sagte er gar nichts. Seine Ohren zuckten leicht, und ein warmes, beinahe überraschtes Lächeln legte sich auf sein Gesicht. „Das … freut mich wirklich.“ Er stellte seinen Krug langsam wieder auf den Tisch. „Ich glaube, ich kann dasselbe von dir sagen.“ Sein Blick blieb einen Augenblick länger auf Mina ruhen. „Ich hatte heute eigentlich mit einem ruhigen Badebesuch gerechnet. Vielleicht etwas Entspannung, ein wenig gutes Essen und danach wieder zurück zu meinen Büchern.“ Er schmunzelte. „Stattdessen habe ich gelernt, dass du mich für einen alten Knacker hältst, mich im Wasser beinahe gepiekst hast, mich als zukünftigen Klops nach Gridania rollen möchtest und offenbar der Meinung bist, ich sähe morgens verschlafen besonders süß aus.“ Ein leichtes Grinsen. „Ein ziemlich ereignisreicher Tag, wenn ich das so zusammenfasse.“ Dann wurde sein Ausdruck sanfter. „Aber weißt du was?“ Er stützte den Unterarm auf den Tisch. „Ich glaube, ich hätte nichts davon missen wollen.“ Seine Stimme war ruhig und ehrlich. „Es ist … angenehm.“ Eine kurze Pause. „Mit dir muss ich nicht ständig der Gelehrte sein. Nicht der Abenteurer, nicht der Mann, der irgendwelche alten Geheimnisse kennt.“ Seine roten Augen funkelten warm. „Ich kann einfach G’raha sein.“ Dann hob er seinen Krug wieder an. „Und wenn das bedeutet, dass ich dafür gelegentlich mit dir über zweihundert Tonnen schwere Badehaus-Rollfahrzeuge reden muss …“ Ein breites Grinsen. „Dann nehme ich das wohl in Kauf.“ Gerade in diesem Moment kam die Bedienung mit dem Essen zurück und stellte die beiden Teller vor ihnen ab. G’raha blickte auf sein Sandwich und dann zu Mina. „Ah. Unsere große kulinarische Prüfung.“ Er hob eine Augenbraue. „Bereit?“
Sie schlug die Hände vors Gesicht. „Oh, bei allen Göttern, erwähn das mit dem Verschlafen doch nicht, das ist so peinlich“, und lugte dann zwischen ihre Finger zu ihm, als er sich vorbeugte. Ihre Augen funkelten kurz auf, als er erwähnte, dass er sie angenehm fand. Nach einem Atemzug nahm sie die Hände vom Gesicht, als das Essen kam, und blickte auf ihren Teller. „Ja, hab Hunger.“ Sie griff zu ihrem Wrap. „Guten Hunger.“ Dann biss sie ab. „Mh, lecker.“
G’raha musste bei ihrem entsetzten Gesichtsausdruck leise lachen. „Schon gut, schon gut.“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Ich werde es nicht noch einmal erwähnen.“ Eine kurze Pause. „Heute.“ Sein schelmisches Grinsen verriet allerdings deutlich, dass er sich die Bemerkung sehr wohl gemerkt hatte. Als das Essen vor ihnen stand, wandte er seine Aufmerksamkeit jedoch bereitwillig seinem eigenen Teller zu. „Guten Appetit.“ Er nahm sein Sandwich in beide Hände und biss hinein. Für einen Moment sagte er gar nichts. Dann wurden seine Ohren aufmerksam nach vorne gerichtet. „Oh.“ Er kaute, schluckte und nickte anerkennend. „Das ist tatsächlich ziemlich gut.“ Er nahm noch einen Bissen und sah dabei zu Mina hinüber. „Du hast nicht übertrieben.“ Dann deutete er mit dem Sandwich auf ihren Wrap. „Aber jetzt interessiert mich natürlich deine Meinung.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Ist dein Wrap noch genauso gut, wie du ihn in Erinnerung hattest?“ Sein Blick wanderte kurz zu ihrem Teller. „Oder habe ich dich gerade dazu gebracht, deinen bisherigen Favoriten infrage zu stellen?“ Ein kleines, herausforderndes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Denn falls mein Sandwich gewinnt, erwarte ich beim nächsten Badehausbesuch selbstverständlich, dass du es ebenfalls probierst.“ Er nahm noch einen Bissen. „Und keine Sorge.“ Seine Augen funkelten. „Ich werde dich nicht nach Hause rollen lassen, nur weil du danach satt bist.“
„Mh, dazu brauch ich eine Geschmacksprobe“, sagte sie, beugte sich vor und biss einfach ein Stück von G’rahas Sandwich auf der anderen Seite ab. Kauend nickte sie langsam. „Ja, schmeckt nicht schlecht. Hier, willst du auch probieren?“ Sie hielt ihm ihren Wrap hin als Gegenangebot, einmal abzubeißen. „Und nein, ich zieh ihn nicht im letzten Moment weg, wenn du reinbeißen willst. Kannst auch gerne meine Hand sicherheitshalber festhalten, wenn du mir nicht traust“, bot sie an.
G’raha hielt mitten in der Bewegung inne, als Mina sich einfach vorbeugte und von seinem Sandwich abbiss. Er blinzelte. Dann wanderte sein Blick von der Stelle, an der nun eindeutig ein Stück fehlte, zurück zu Mina. „Du hast wirklich keine Scheu, oder?“ Ein amüsiertes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Du hättest auch einfach fragen können.“ Er betrachtete den Wrap, den sie ihm nun hinhielt, und bei ihrem Angebot, ihre Hand festzuhalten, hob sich eine Augenbraue. „Du traust mir also zu, dass ich dir nicht traue?“ Er schmunzelte. „Das wäre schon fast beleidigend.“ Trotzdem nahm er vorsichtig ihre Hand am Handgelenk, gerade fest genug, um den Wrap stabil zu halten. „Na schön. Nur damit du hinterher nicht behauptest, ich hätte mich nicht getraut.“ Er beugte sich vor und biss ein Stück vom Wrap ab. Langsam kaute er, nickte anerkennend und ließ ihre Hand wieder los. „Hmm.“ Noch ein prüfender Blick auf den Wrap. „Der ist tatsächlich sehr gut.“ Er sah zu ihr. „Ich fürchte, wir haben ein Problem.“ Er deutete auf die beiden Gerichte. „Jetzt kann ich mich nicht mehr entscheiden, welches besser ist.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinen Augen. „Wir müssen wohl beide aufessen, um eine endgültige Entscheidung treffen zu können.“ Er nahm wieder sein Sandwich. „Und ich möchte darauf hinweisen, dass du gerade freiwillig von meinem Essen gegessen hast.“ Eine kleine Pause. „Das bedeutet doch hoffentlich, dass wir inzwischen offiziell über das Stadium hinaus sind, in dem man sich gegenseitig beim Essen fremd ist.“ Er grinste. „Oder ist das etwa eine weitere von deinen Methoden, meine Grenzen auszutesten?“
„Nö, wollte nur mal bei dir kosten, nichts weiter“, kam es trocken von ihr, und sie biss noch mal von ihrem Wrap ab, in der Nähe der Stelle, von der G’raha zuvor abgebissen hatte. „Also, dieser Kräuterquark hier drin hat es mir besonders angetan“, deutete sie auf ihr Essen.
G’raha nickte langsam, als würde er ihre Erklärung vollkommen ernst nehmen. „Natürlich. Nur eine Kostprobe.“ Er nahm ebenfalls einen weiteren Bissen von seinem Sandwich und betrachtete dabei ihren Wrap. „Dann muss ich wohl akzeptieren, dass meine Mahlzeit heute offiziell unter wissenschaftlicher Beobachtung steht.“ Bei ihrer Bemerkung über den Kräuterquark beugte er sich etwas vor, um einen genaueren Blick auf ihren Wrap zu werfen. „Kräuterquark also?“ Er schmunzelte. „Das hätte ich tatsächlich nicht erwartet. Ich hätte gedacht, du würdest zuerst das Fleisch loben.“ Er deutete mit seinem Sandwich auf ihren Wrap. „Vielleicht sollte ich mir merken, was du magst.“ Seine Ohren zuckten leicht. „Dann kann ich beim nächsten Mal wenigstens behaupten, dass ich inzwischen ein wenig Erfahrung mit deinen kulinarischen Vorlieben habe.“ Er nahm noch einen Bissen und fügte trocken hinzu: „Wobei ich vermutlich vorsichtig sein sollte. Wenn ich mir zu viele Dinge über dich merke, wirfst du mir am Ende noch vor, ich würde Informationen sammeln.“ Ein kleines, schelmisches Grinsen. „Obwohl …“ Er sah sie über den Rand seines Sandwiches hinweg an. „Du hast mir heute selbst erstaunlich viele Dinge erzählt.“ Er hob eine Augenbraue. „Zum Beispiel, dass du Kräuterquark liebst, Badehäuser kennst wie deine Westentasche, Alchemie lernen möchtest und einen ausgeprägten Hang dazu hast, mich in Verlegenheit zu bringen.“ Er machte eine kurze Pause. „Ich glaube, ich habe da schon eine ganz ordentliche Liste.“
„Mh, so wie sich das anhört, könnte das ’n ganzer Roman werden. Je nachdem, wie lange du mich erträgst natürlich“, und biss noch mal ab, was ihren Wrap auf die Hälfte reduzierte. Als sie runtergeschluckt hatte, legte sie ihn auf ihren Teller. „Puh, jetzt bin ich satt“, und klopfte sich auf ihren flachen Bauch.
G’raha betrachtete ihren halbleeren Wrap und anschließend ihren flachen Bauch, gegen den sie gerade klopfte. Ein amüsiertes Lächeln zog über sein Gesicht. „Eine ganze Romanreihe, meinst du wohl.“ Er lehnte sich entspannt zurück und legte sein inzwischen ebenfalls fast aufgegessenes Sandwich auf den Teller. „Und was das Ertragen betrifft …“ Seine roten Augen ruhten warm auf ihr. „Ich glaube, du überschätzt inzwischen gewaltig, wie anstrengend du für mich bist.“ Er schmunzelte. „Wenn ich dich wirklich nicht ertragen könnte, hätte ich wohl kaum in Ul’dah mein halbes Badeprogramm für dich über den Haufen geworfen, wäre dir zum Luftschiff hinterhergerannt und würde jetzt mit dir hier sitzen.“ Er nahm seinen Krug und trank einen Schluck. „Außerdem wäre ein Roman über dich vermutlich ohnehin viel zu lang.“ Eine kurze Pause. „Allein das Kapitel über deine Ideen, wie man einen übergewichtigen G’raha nach Gridania rollt, würde mehrere Seiten füllen.“ Er grinste. „Und ich fürchte, der Titel wäre irgendetwas wie: Die gefährliche Badehausführerin und der unglückselige Gelehrte.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Aber wenn du schon satt bist, sollten wir wohl langsam überlegen, was wir als Nächstes machen.“ Er sah zur Tür, dann wieder zu ihr. „Du hast mir schließlich noch längst nicht alles gezeigt, was dieses Badehaus zu bieten hat.“ Ein schelmischer Blick. „Oder bist du nach dem Essen etwa schon zu müde, um deinen armen alten Begleiter weiter herumzuführen?“
Sie streckte sich, sodass ihr Top ein Stück nach oben rutschte und etwas freie Haut an ihrem Bauch freigab. „Eigentlich wollte ich dir noch mein Lieblingsbadezimmer zeigen. Aber da wir so verschrumpelt waren …“ Sie schaute auf ihre mittlerweile wieder glatte Haut. „Und umgezogen sind, wie wäre es, wenn wir uns das für das nächste Mal aufsparen? Außerdem bin ich wirklich etwas müde.“ Sie gähnte mit vorgehaltener Hand. „Das warme Wasser macht einen echt groggy.“
G’raha bemerkte, wie sie ihr Top zurechtrückte, schenkte der Bewegung jedoch keine besondere Aufmerksamkeit. Stattdessen nickte er verständnisvoll, als sie von ihrem Lieblingsbad erzählte. „Dann sparen wir uns die Mondlichtquelle für das nächste Mal.“ Ein warmes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich denke, nach dem heutigen Tag hast du mir ohnehin schon mehr als genug gezeigt.“ Als Mina gähnte, musste er leise lachen. „Das warme Wasser hat dich also tatsächlich besiegt.“ Er erhob sich und griff nach seinem Schal. „Dann sollten wir wohl nicht riskieren, dass meine berühmte Badehausführerin mir hier am Tisch einschläft.“ Er wartete, bis sie ebenfalls aufgestanden war. „Und keine Sorge. Das nächste Mal werde ich darauf bestehen, dass wir mit der Mondlichtquelle anfangen.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Dann kannst du mir zeigen, warum ausgerechnet dieses Bad dein Favorit ist.“ Er deutete in Richtung Ausgang. „Komm. Wir bringen dich nach Hause, bevor du beim Laufen einschläfst.“ Ein schelmisches Grinsen. „Und falls du tatsächlich zu müde wirst …“ Er hob eine Augenbraue. „…übernehme ich ausnahmsweise das Rollen. Allerdings ohne dich als zusätzlichen Schubs.“
Sie erhob sich ebenfalls und würde mit G’raha das Badehaus verlassen. „Oh, bitte keine rollenden Bewegungen, sonst spuck ich den halben Wrap wieder aus, ja?“ Sie hielt sich bei der Vorstellung die Hand vor den Mund.
G’raha blieb abrupt stehen und hob beide Hände. „Verstanden. Keine rollenden Bewegungen.“ Er verzog das Gesicht bei ihrer Beschreibung. „Das wäre vermutlich auch für alle Beteiligten äußerst unangenehm. Besonders für denjenigen, der am Ende die Reinigung bezahlen müsste.“ Ein amüsiertes Schmunzeln huschte über sein Gesicht, während er mit ihr weiter Richtung Ausgang ging. „Wir nehmen also den langweiligen, vollkommen sicheren und vor allem magenfreundlichen Weg.“ Er hielt ihr wieder die Tür auf und ließ sie zuerst hinaus. Draußen empfing sie die warme Luft Ul’dahs. G’raha zog seinen Schal etwas zurecht und sah zu Mina hinüber. „Und bevor du fragst: Nein, ich werde dich auch nicht Huckepack nehmen.“ Er grinste. „Nachher behauptest du noch, ich hätte dich absichtlich durch die Gegend geschaukelt.“ Seine Ohren zuckten. „Aber wir können ganz gemütlich zum Luftschiff gehen. Du hast schließlich selbst gesagt, dass du müde bist.“ Er setzte sich in Bewegung und passte sein Tempo ihrem an. „Und wenn wir in Gridania angekommen sind, gehst du direkt nach Hause, trinkst etwas und legst dich hin.“ Er sah sie von der Seite an. „Das ist keine Bitte.“ Ein kurzer, gespielt strenger Blick. „Das ist eine Anweisung deines selbsternannten Badehausbegleiters.“ Dann konnte er sich das Grinsen doch nicht verkneifen. „Und beim nächsten Mal gehört die Mondlichtquelle mir.“ „Du hast schließlich versprochen, mir alle Bäder zu zeigen.“
„Uff“, entkam es ihr, als sie nach draußen traten. „Boah, kann einer mal die Klima anstellen?“, fragte sie und schirmte ihre Augen mit der Hand ab. „Ich frag mich, wie es die Streuner nur in der Wüste aushalten bei der Wärme. Zum Glück bin ich eine Tatze und muss mir das hier nicht dauerhaft antun, diese Temperaturen“, meckerte sie vor sich hin, während sie sich auf den Weg zum Luftschiff machten. „Ja, hatte ich auch vor. Die Mietze wird sich, sobald sie zu Hause ist, ins Körbchen begeben, keine Sorge“, versicherte sie ihrem Begleiter.
G’raha trat ebenfalls aus dem Badehaus und blieb kurz stehen, als ihm die heiße Luft entgegenschlug. Seine Ohren klappten für einen Moment zur Seite. „Uff.“ Er sah zu Mina hinüber und musste bei ihrem Gemotze lachen. „Ich fürchte, Ul’dah hat von einer Klimaanlage noch nichts gehört. Vielleicht sollten wir den Leuten vom Goldschmiedebund einmal einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten.“ Er setzte sich wieder neben ihr in Bewegung. „Und die Bewohner der Wüste? Die haben vermutlich irgendwann beschlossen, dass sie entweder lernen, mit der Hitze zu leben, oder einfach permanent darüber schimpfen.“ Er grinste. „Du scheinst dich jedenfalls für die zweite Variante entschieden zu haben.“ Als sie sich selbst als „Mietze“ bezeichnete, warf er ihr einen amüsierten Seitenblick zu. „Die Mietze geht also brav ins Körbchen.“ Seine Ohren zuckten. „Das klingt fast zu vernünftig für dich.“ Er schob den Schal etwas lockerer und blickte nach vorne zum Luftschiffhafen. „Aber gut. Dann werde ich dich beim Wort nehmen.“ Nach einigen Schritten fügte er hinzu: „Und sobald wir wieder in Gridania sind, trennen sich unsere Wege für heute. Du bekommst deinen wohlverdienten Schlaf, und ich werde mich vermutlich ebenfalls zurückziehen.“ Ein warmes Lächeln. „Allerdings …“ Er sah zu ihr. „Ich freue mich bereits auf unser nächstes Badehaus-Abenteuer.“ Sein Grinsen wurde schelmisch. „Und diesmal werde ich mich darauf vorbereiten. Ich bringe Badezeug, Handtuch und genug Platz für all deine Empfehlungen mit.“ Kurze Pause. „Vielleicht sogar einen Haargummi.“ Er strich demonstrativ über seine roten Haare. „Man weiß ja nie, wann die gefürchtete Badehausführerin wieder beschließt, einen verschlafenen G’raha zu erwähnen.“
Sie schaute G’raha von der Seite aus an. „Du kannst es nicht sein lassen, das jetzt immer wieder zu erwähnen. Aber vielleicht habe ich ja wirklich mal die Gelegenheit, dich frisch aus dem Bett geschlüpft zu erwischen“, zuckte sie mit den Schultern und trat durch die Absperrung, nachdem sie gezahlt hatte. Das Luftschiff stand schon bereit.
G’raha blieb für einen Moment stehen und sah Mina mit einem Ausdruck an, der irgendwo zwischen Überraschung und Belustigung lag. „Du gibst also tatsächlich nicht auf.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Kaum erwähne ich es ein paar Mal, schon planst du offenbar, mich eines Morgens im völlig überrumpelten Zustand vorzufinden.“ Er setzte sich wieder in Bewegung und folgte ihr durch die Absperrung. „Nun …“ Ein schelmisches Lächeln. „Solltest du mich tatsächlich irgendwann frisch aus dem Bett erwischen, wirst du vermutlich feststellen, dass der große, geheimnisvolle Abenteurer am Morgen wesentlich weniger beeindruckend aussieht.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Zerzaustes Haar. Noch halb verschlafener Blick. Vielleicht sogar ein Kaffee in der Hand, ohne den ich überhaupt nicht ansprechbar bin.“ Er deutete auf das bereits wartende Luftschiff. „Aber ich warne dich.“ Sein Blick wurde gespielt ernst. „Wenn du mich eines Morgens tatsächlich so vorfindest, werde ich dich daran erinnern, dass du ausdrücklich darum gebeten hast.“ Dann musste er wieder grinsen. „Und diesmal werde ich nicht behaupten, dass du mich damit nicht aufziehen darfst.“ Er betrat mit ihr den Steg zum Luftschiff. „Allerdings habe ich eine viel wichtigere Frage.“ Er sah zu Mina. „Schaffst du es, auf dem Rückflug wach zu bleiben, oder muss ich die müde Mietze nachher tatsächlich bis nach Hause begleiten?“
„Du fängst doch damit an, mich ständig aufzuziehen, weil ich gesagt habe, dass du … verschlafen vermutlich süß aussiehst“, nuschelte sie die letzten Worte. „Aber das haben wir gemeinsam. Ohne den ersten Kaffee bin ich nicht funktionsfähig. Ohne den schwarzen Stoff kannst du mir morgens was erzählen, wovon ich mittags schon gar nichts mehr weiß, wegen keiner Aufnahmekapazitäten.“ Sie rieb sich die Augen. „Keine Sorge, ich bleib schon wach. Wenn, beschau ich mich höchstens beim Flug von innen.“
G’raha musste leise lachen, als sie die letzten Worte so nuschelte. „Ich weiß. Und genau deshalb ist es ja so amüsant.“ Er ging neben ihr über den Steg und schüttelte leicht den Kopf. „Du hast mir diese Information freiwillig gegeben. Ich wäre ja geradezu ein schlechter Freund, wenn ich eine derart hervorragende Gelegenheit zum Necken einfach ungenutzt verstreichen ließe.“ Bei ihrer Beschreibung vom morgendlichen Kaffee hob er interessiert die Augenbrauen. „Schwarzer Kaffee also.“ Er nickte anerkennend. „Dann haben wir zumindest noch etwas gemeinsam.“ Er setzte einen verschwörerischen Ton auf. „Vielleicht sollten wir eines Tages herausfinden, wer von uns beiden morgens unausstehlicher ist, bevor der erste Kaffee wirkt.“ Ein Grinsen. „Ich vermute allerdings, dass du gewinnen würdest.“ Als sie sich die Augen rieb, wurde sein Ausdruck etwas sanfter. „Dann hoffe ich, dass du auf dem Flug wenigstens ein wenig zur Ruhe kommst.“ Er betrat mit ihr das Luftschiff und suchte einen Platz am Fenster. „Und falls du doch einschläfst …“ Er deutete auf den Sitz neben sich. „…kannst du dich hier anlehnen. Ich wecke dich, wenn wir Gridania erreichen.“ Dann setzte er sich und sah sie mit einem kleinen Lächeln an. „Aber keine Sorge. Ich werde dich nicht auslachen, wenn du einschläfst.“ Eine kurze Pause. „Vielleicht.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Allerdings werde ich mir vermutlich merken, ob du im Schlaf redest.“ Er lehnte sich zurück. „Das könnte schließlich irgendwann für meinen Roman wichtig werden.“ Sein Grinsen verriet, dass er sie natürlich nur weiter neckte.
„Du bist gemein, böser G’raha, pfui“, patschte sie ihn dann mehr als halbherzig auf den Oberarm, bevor sie sich neben ihn setzte. „Ich hab dir einfach zu viel beigebracht … oder bin ein zu schlechter Einfluss.“ Sie lehnte sich dann einfach mit dem Kopf gegen seine Schulter, und ihre Augen fielen langsam zu.
G’raha ließ den halbherzigen Klaps auf seinen Oberarm über sich ergehen und sah sie mit gespielter Empörung an. „Böser G’raha?“ Er legte sich eine Hand auf die Brust. „Nach allem, was ich heute für dich getan habe? Ich habe dich immerhin sicher durch Ul’dah gebracht, dich nicht bergab nach Gridania rollen lassen und sogar dein Essen probiert.“ Sein Grinsen wurde sanfter. Als Mina schließlich ihren Kopf an seine Schulter lehnte und die Augen schloss, erstarrte er für einen kurzen Moment. Seine Ohren zuckten überrascht. Er blickte zu ihr hinunter, sagte aber nichts. Stattdessen entspannte er langsam die Schultern, damit sie bequem lag, und lehnte sich etwas zurück. „Vielleicht ein bisschen von beidem“, murmelte er leise auf ihre letzte Bemerkung. „Du hast mir einiges beigebracht.“ Ein kleines Lächeln. „Aber ein schlechter Einfluss bist du deshalb noch lange nicht.“ Er sah hinaus auf die Landschaft, während das Luftschiff sich langsam in Bewegung setzte. Nach einigen Momenten fügte er leise hinzu: „Im Gegenteil.“ Seine Stimme wurde kaum mehr als ein ruhiges Murmeln. „Ich glaube, ich könnte mich daran gewöhnen.“ Er ließ sie schlafen, ohne sie weiter zu necken. Und zum ersten Mal seit Langem empfand G’raha die Reise nicht als etwas, das ihn von einem Ort zum nächsten brachte. Diesmal war einfach die Gesellschaft selbst das Ziel.
Sie schlief ruhig und friedlich neben ihm, während das Luftschiff sich immer weiter Gridania näherte. Der Tag war, würde sie wohl sagen, anstrengend schön gewesen. Aber mehr schön als anstrengend. Auch wenn sie jetzt gerade mit dem Kopf auf seiner Schulter schlief.
G’raha bemerkte, wie gleichmäßig ihr Atem geworden war. Ihr Körper hatte sich inzwischen völlig entspannt, und ihr Kopf ruhte schwerer an seiner Schulter, während das Luftschiff ruhig durch den Himmel glitt. Er bewegte sich kaum noch. Nicht, weil er unbequem saß, sondern weil er sie nicht wecken wollte. Hin und wieder wanderten seine Augen zu Mina. Ein kleines, zufriedenes Lächeln lag dabei auf seinen Lippen. „Anstrengend schön …“, murmelte er so leise, dass sie es unmöglich hören konnte. Er erinnerte sich an ihren gemeinsamen Tag. An ihre frechen Sprüche. An das Badehaus. An ihre Lachanfälle. An die kleinen Momente, in denen sie plötzlich verlegen geworden war und versucht hatte, das mit irgendeinem neuen Scherz zu überspielen. Und daran, wie selbstverständlich sie irgendwann ihren Kopf an seine Schulter gelegt hatte. Es war eigenartig. G’raha hatte so viele Orte gesehen. So viele Ruinen erkundet, so viele Geschichten gelesen und so viele Abenteuer erlebt, dass er geglaubt hatte, ihn könne kaum noch etwas überraschen. Aber Mina schaffte es erstaunlich leicht. Sein Blick glitt wieder aus dem Fenster. Die ersten vertrauten Grünflächen rund um Gridania kamen langsam in Sicht. „Wir sind bald da“, murmelte er. Er sah zu ihr hinunter. Für einen Moment überlegte er, ob er sie schon wecken sollte. Dann entschied er sich dagegen. Sie sah so friedlich aus. Also blieb er einfach sitzen und ließ ihr noch ein paar Minuten Schlaf. Schließlich würde sie bald genug wieder aufwachen müssen. Und vielleicht … Ein kaum merkliches Lächeln. …würde er beim nächsten Mal tatsächlich herausfinden, ob sie ihn wirklich einmal frisch aus dem Bett erwischen würde.
Sie murrte, und ihre Ohren zuckten, als das Luftschiff bemerkbar zur Landung ansetzte. Verschlafen hob sie den Kopf und rieb sich ein Auge. „Sind wir schon da?“, fragte sie und streckte sich im Sitzen ausgiebig, um etwas wacher zu werden. „Ich bin wohl doch eingepennt“, stellte sie fest.
G’raha blickte zu ihr hinunter, als sie verschlafen den Kopf hob. Ein sanftes Lächeln lag auf seinen Lippen. „Ja. Wir sind wieder in Gridania.“ Er deutete mit dem Kopf in Richtung Fenster, wo bereits die vertrauten grünen Baumkronen und Gebäude der Stadt näher kamen. „Und ja … du bist tatsächlich eingeschlafen.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Allerdings habe ich dich nicht geweckt. Du hast so friedlich geschlafen, dass ich keinen Grund dafür gesehen habe.“ Er stand auf, sobald das Luftschiff vollständig zum Stehen gekommen war, und nahm seine Tasche. „Ich hoffe, meine Schulter war zumindest bequem genug.“ Ein kleines Grinsen. „Sie ist schließlich nicht gerade als offizielles Schlafkissen zugelassen.“ Er wartete, bis Mina ebenfalls aufgestanden war, und ging mit ihr zum Ausgang. „Wie fühlst du dich? Noch völlig verschlafen oder hat der Kaffee-Entzug bereits begonnen?“ Sein Blick wanderte zu ihr. „Denn falls du jetzt plötzlich eine Tasse schwarzen Kaffee brauchst, bevor du wieder ansprechbar bist …“ Er hob leicht eine Augenbraue. „…werde ich mich hüten, dich vorher mit irgendwelchen Fragen zu belästigen.“ Ein schelmisches Funkeln trat in seine roten Augen. „Zumindest für die nächsten fünf Minuten.“
Ihr Mund öffnete sich, als er ihr berichtete, dass sie ihn als Schlafkissen missbraucht hatte. „Oh, tut mir leid, ich wollte dir nicht zu nahe rücken.“ Sie schulterte ihre Tasche und folgte G’raha aus dem Luftschiff. „Und nein, Kaffeeentzug hat noch nicht eingesetzt. Ich höre aber mein Bett nach mir rufen“, wobei ihre Ohren zuckten.
G’raha schüttelte sofort den Kopf, als sie sich entschuldigte. „Du musst dich nicht entschuldigen.“ Er passte sein Tempo wieder ihrem an, während sie gemeinsam vom Luftschiffsteg gingen. „Du bist eingeschlafen. Das ist nun wirklich keine Straftat.“ Ein warmes Lächeln. „Und außerdem …“ Er hob leicht die Schulter, die ihr als Schlafplatz gedient hatte. „…war es gar nicht unangenehm.“ Seine Ohren zuckten kurz, bevor er den Blick wieder nach vorn richtete. Bei ihrer Bemerkung über ihr Bett musste er schmunzeln. „Dann sollten wir dich wohl besser nicht länger aufhalten.“ Er sah zu ihren zuckenden Ohren. „Deine Ohren scheinen dieser Meinung jedenfalls sehr deutlich Ausdruck zu verleihen.“ Ein leises Lachen. „Also gut, Mina. Ab nach Hause mit dir.“ Er blieb kurz stehen und sah sie an. „Ich nehme an, du wirst dich jetzt wirklich ins Bett legen?“ Sein Blick wurde gespielt streng. „Keine Bücher bis tief in die Nacht. Kein Alchemieexperiment. Und bitte auch kein heimliches Training, nur weil du plötzlich der Meinung bist, noch üben zu müssen.“ Dann lächelte er. „Du hast heute genug erlebt.“ Er griff nach seiner Tasche und setzte sich wieder in Bewegung. „Und bevor du fragst: Ja, wir sehen uns wieder.“ Ein kleines, warmes Funkeln lag in seinen Augen. „Schließlich fehlt mir noch die Mondlichtquelle.“ Er hob eine Hand zum Abschied. „Schlaf gut, kleine Rose.“ Sein Lächeln wurde sanfter. „Und danke für den schönen Tag.“
Sie wischte sich schnell über den Mund, um zu prüfen, ob sie nicht vielleicht gesabbert hatte. Das wäre die Peinlichkeit hoch neun. „Ja, ich werd mich jetzt sofort ins Bett begeben, versprochen“, nickte sie mit Augen auf Halbmast. Bei der Aussage, dass sie sich wieder sehen würden, funkelten ihre kleinen Augen kurz. „Ich hatte heute auch wieder viel Spaß mit dir“, schmunzelte sie leicht. „Tu mir bitte aber einen Gefallen. Wenn du mir einen Spitznamen geben möchtest, einen anderen, aber nicht kleine Rose, ja?“, fragte sie.
G’raha bemerkte ihre schnelle Bewegung zum Mund und musste sich ein Grinsen verkneifen. Er würde sie damit ausnahmsweise nicht auch noch aufziehen. Bei ihrer Bitte blieb er stehen und sah sie einen Moment nachdenklich an. „Gut. Keine kleine Rose.“ Er hob beschwichtigend eine Hand. „Versprochen. Ich möchte schließlich nicht dafür verantwortlich sein, dass du bei jedem neuen Spitznamen vor Scham im Boden versinkst.“ Ein amüsiertes Funkeln trat in seine roten Augen. „Obwohl ich zugeben muss, dass du es mir damit nicht gerade leicht machst.“ Er legte einen Finger an sein Kinn und tat so, als würde er angestrengt nachdenken. „Mina …“ Seine Ohren zuckten. „Wie wäre es mit Miez?“ Er musterte sie mit einem kleinen Lächeln. „Kurz, unkompliziert und passend zu einer gewissen Katze, die heute behauptet hat, sich nach dem Badehaus brav ins Körbchen zu begeben.“ Dann hob er leicht eine Augenbraue. „Oder ist das ebenfalls verboten?“ Er grinste. „Ich könnte natürlich auch einfach bei Mina bleiben. Aber ein kleiner Spitzname hat doch seinen Charme.“ Sein Ausdruck wurde wieder etwas sanfter. „Und falls dir keiner davon gefällt, lasse ich mir etwas einfallen, das wirklich zu dir passt.“ Er machte einen Schritt zurück. „Aber jetzt ab ins Bett.“ Er deutete mit gespielter Strenge in Richtung ihrer Wohnung. „Sonst muss ich morgen noch feststellen, dass meine Badehausführerin wegen Schlafmangels ihre eigenen Füße nicht mehr findet.“ Ein warmes Lächeln. „Schlaf gut, Mina.“ Er hob die Hand zum Abschied. „Wir sehen uns bald wieder.“
„Mietz ist okay“, nickte sie. „Ja, dann bis bald, G’raha. Schlaf nachher auch gut“, winkte sie und wandte sich dann um, um zu ihrem Haus zu gehen.
G’raha erwiderte ihr Winken und blieb noch einen Moment stehen, während Mina sich entfernte. „Bis bald, Miez.“ Ein leises, zufriedenes Lächeln lag auf seinen Lippen. Er sah ihr nach, bis sie um die nächste Ecke verschwunden war. Erst dann setzte auch er sich in Bewegung. Der Tag war anders verlaufen, als er erwartet hatte. Eigentlich hatte er nur einen ruhigen Ausflug unternehmen wollen. Stattdessen hatte er eine ganze Reihe neuer Dinge über Mina erfahren, hatte mit ihr gelacht, gegessen, sich von ihr durch ein Badehaus schleifen lassen und war am Ende sogar als improvisiertes Schlafkissen herhalten müssen. Und merkwürdigerweise störte ihn davon nichts. Im Gegenteil. Er strich sich nachdenklich durch die noch immer leicht zerzausten roten Haare. „Miez …“ Der Spitzname fühlte sich überraschend passend an. Dann musste er unwillkürlich wieder an ihren Kommentar über seinen verschlafenen Anblick denken. Seine Ohren wurden leicht warm. „Vielleicht sollte ich wirklich vorsichtiger sein, was ich ihr erzähle.“ Mit einem leisen Lachen verschwand auch G’raha schließlich in Richtung seines eigenen Zuhauses. Und irgendwo in seinem Hinterkopf war bereits eine Frage aufgetaucht: Was würde er Mina beim nächsten Treffen zeigen?