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3. Zwischen Nähe und Vorsicht

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3. Zwischen Nähe und Vorsicht

Der Tag neigte sich bereits dem Abend zu, als Mina und G'raha schließlich den Weg zurück nach Gridania eingeschlagen hatten. Die Sonne stand tief und tauchte den Wald in warmes, goldenes Licht. Nach dem entspannten Aufenthalt im Badehaus fühlten sich selbst die wenigen Schritte bis zur Abzweigung, an der sich ihre Wege trennten, erstaunlich lang an.

Schließlich blieb G'raha stehen und sah zu Mina hinüber. „Ich muss gestehen, dieser Ausflug war weitaus angenehmer, als ich erwartet hatte“, sagte er mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln. „Auch wenn ich vermutlich noch eine ganze Weile damit aufgezogen werden darf, dass du mich tatsächlich in ein Badehaus geschleppt hast.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Aber ich würde es wieder tun.“ Er hob eine Hand zum Abschied. „Erhol dich gut, Mina. Und versuch ausnahmsweise einmal, nicht bis tief in die Nacht in einem Buch zu versinken.“ Ein wissender Blick folgte. „Oder wenigstens eine Tasse Kaffee weniger dabei zu trinken.“ Damit verabschiedeten sie sich schließlich voneinander.

Mina machte sich auf den Heimweg. Die Müdigkeit, die sie während des Tages immer wieder erfolgreich verdrängt hatte, holte sie nun mit erstaunlicher Geschwindigkeit ein. Ihre Beine fühlten sich schwer an, und selbst ihre Ohren waren mittlerweile etwas müde abgesunken. Als sie endlich ihr Zuhause erreichte und die Tür hinter sich schloss, entwich ihr ein leises Seufzen. Ruhe. Nach dem langen Tag, der Reise nach Ul'dah, dem Badehaus, dem Essen und all den Gesprächen mit G'raha fühlte sich die vertraute Stille beinahe ungewohnt an.

Mina stellte ihre Sachen ab und ließ sich erst einmal irgendwo nieder. Der Gedanke an eine Tasse Kaffee kam ihr natürlich sofort. ...aber selbst dafür war sie eigentlich zu müde. Und so wurde aus dem Gedanken an „nur kurz ausruhen“ schon bald ein sehr viel längerer Moment. Draußen wurde es langsam dunkel.

Und während Mina zur Ruhe kam, blieb von ihrem heutigen Ausflug vor allem eines zurück: ein überraschend schönes Gefühl. Und vielleicht auch die Erkenntnis, dass G'raha Tia mittlerweile jemand war, dessen Gesellschaft sie tatsächlich vermisste, sobald er nicht mehr neben ihr war.

Mina schlüpfte schließlich ins Bett und zog die Decke über sich. Kaum hatte sie den Kopf auf ihr Kissen gelegt, musste sie unwillkürlich an den Rückflug denken. Das Kissen unter ihrem Kopf war zweifellos weicher als G'rahas Schulter. Viel weicher sogar. Und trotzdem hatte sich seine Schulter im Luftschiff irgendwie erstaunlich bequem angefühlt. Der Gedanke daran ließ ihre Ohren kurz zucken. Sie erinnerte sich noch vage daran, wie ihr Kopf während des Rückflugs langsam schwer geworden war und sie irgendwann einfach gegen ihn gesunken war. Offenbar hatte sie nicht einmal mehr bemerkt, wann sie eingeschlafen war. Mina schmunzelte noch einmal müde. „...komischer Kerl“, murmelte sie leise in die Dunkelheit. Dann ließ sie endlich jede Anspannung des Tages los. Die Müdigkeit gewann endgültig die Oberhand. Nur wenige Sekunden später war ihr Atem ruhig und gleichmäßig geworden, während sie tief und fest schlief. Und irgendwo in ihren Träumen tauchten vielleicht noch einmal warme Quellen, gutes Essen, das leise Brummen eines Luftschiffs und eine gewisse rothaarige Miqo'te mit einem viel zu neugierigen Lächeln auf.

G'raha blieb noch einen Augenblick an der Weggabelung stehen, nachdem Mina längst außer Sichtweite war. Sein Blick ruhte auf dem Weg, den sie genommen hatte. Ein leises Lachen entwich ihm. „Eine bemerkenswerte Frau...“ Er schüttelte leicht den Kopf, bevor er sich schließlich selbst auf den Heimweg machte. Doch kaum hatte er ein paar Schritte zurückgelegt, wanderten seine Gedanken wieder zum Rückflug, an den Moment, in dem Mina eingeschlafen war, und daran, wie ihr Kopf schließlich an seiner Schulter gelegen hatte. Seine Ohren wurden ein wenig wärmer. „Nun...“, murmelte er zu sich selbst, während er eine Hand an sein Kinn legte. „Das war... unerwartet angenehm.“ Ein kleines, beinahe verlegenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er hatte schon weitaus gefährlichere Situationen erlebt als eine schlafende Miqo'te an seiner Schulter. Und dennoch schien ausgerechnet dieser Moment ihn nicht loszulassen. G'raha seufzte leise und setzte seinen Weg fort. „Ich sollte wohl aufhören, darüber nachzudenken.“ Eine kurze Pause. „...morgen.“ Sein Schweif zuckte amüsiert hinter ihm. Offensichtlich wusste er selbst, dass das nicht funktionieren würde.

Ein paar Tage nach dem Badehausbesuch saß Mina in einem Café und wartete auf ihre beste Freundin. „Hier bin ich“, winkte sie, als diese das Café betrat. Beide umarmten sich kurz zur Begrüßung, bevor sie sich setzten. Mina hatte schon eine Tasse Kaffee vor sich stehen. „Und was ist so passiert? Erzähl!“, fragte ihre Freundin. Sie hatten sich eine Weile nicht gesehen und plauderten über das, was bei der jeweiligen gerade so los war.

„Sag mal, da ist doch noch was. Los, spuck's aus“, forderte Minas Freundin sie auf. Ihr konnte sie einfach nichts vormachen. „Na ja, also...“, begann Mina und schaute zur Seite, während sie den prüfenden Blick ihrer Freundin auf sich bemerkte. „Du hast jemanden kennengelernt“, schlussfolgerte diese. Mina nickte nur und schaute in ihren Kaffee.

Ein Stöhnen kam von ihrer Freundin. „Hast du von den letzten Malen nicht schon genug gelernt?“, fragte diese. Mina legte den Kopf in den Nacken.

„Ja, ich weiß, aber er ist anders“, erwiderte sie. „Das waren sie alle am Anfang, Mina.“ Sie legte ihre Hand auf Minas. „Ich möchte nur nicht, dass du in ein paar Tagen oder Wochen wieder heulend vor Liebeskummer auf dem Sofa hockst und Eis in dich reinschaufelst, weil du bemerkt hast, dass er doch nicht anders ist.“ Ihre Freundin schaute sie lange eindringlich an, bis Mina erwiderte: „Ich werde vorsichtig sein, versprochen.“ Das schien ihre Freundin zufriedenzustellen, und sie wandten sich anderen Themen zu.

Als Mina dann das Café verließ, blieb sie auf der Brücke stehen und schaute zu ihrem Spiegelbild ins Wasser. Es war ihr klar, dass es nicht so einfach sein würde, ständig aufzupassen bei der lockeren und fröhlichen, einnehmenden Art von G'raha, bei der sie sich zunehmend wohler fühlte. Was er wohl gerade machte und wo er war?, fragte sie sich im Stillen, bevor sie weiterging.

Zur selben Zeit, ein gutes Stück von dem Café entfernt, hatte G'raha Tia mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. Er saß in einem der Arbeitsräume der Bibliothek, vor sich mehrere aufgeschlagene Bücher und Notizen. Eigentlich hätte er längst konzentriert arbeiten sollen. Eigentlich. Stattdessen starrte er seit geraumer Zeit auf dieselbe Zeile. Seine Ohren zuckten. „...das ist unsinnig.“

Er hob den Blick von der Seite und lehnte sich zurück. Seit ihrem gemeinsamen Ausflug nach Ul'dah waren nun einige Tage vergangen. Er hatte Mina nicht wiedergesehen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Jeder von ihnen hatte seine eigenen Verpflichtungen und Aufgaben. Und dennoch ertappte er sich immer wieder dabei, dass seine Gedanken zu ihr wanderten. Zu ihrem Lachen. Zu ihrer ungenierten Art, ihn aufzuziehen. Und natürlich zu jenem Rückflug, bei dem sie an seiner Schulter eingeschlafen war. G'raha schob sich eine Hand über das Gesicht. „Ich sollte wirklich arbeiten.“

Ein paar Sekunden später griff er wieder nach seinem Buch. Diesmal hielt es ganze drei Zeilen. Dann seufzte er. „Was sie wohl gerade macht?“ Die Frage war kaum ausgesprochen, da musste er über sich selbst schmunzeln. „Ausgerechnet ich frage mich so etwas.“ Er schloss das Buch und erhob sich schließlich. Vielleicht war ein Spaziergang genau das Richtige, um seinen Kopf freizubekommen.

Einige Zeit später führte ihn sein Weg durch die Straßen Gridanias. Die Sonne stand angenehm am Himmel, und der Wind trug den Duft der Bäume durch die Straßen. G'raha schlenderte ohne bestimmtes Ziel dahin, bis er an einer Brücke stehen blieb. Sein Blick wanderte über das Wasser. Für einen kurzen Moment musste er an Mina denken, die ihm erzählt hatte, wie sehr sie Gewässer und die Ruhe dort mochte. Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Sie würde diesen Ort vermutlich mögen.“

Er stützte die Arme auf das Geländer und blickte hinab. Dabei ahnte er nicht, dass Mina nur einige Zeit zuvor genau das Gleiche getan hatte. Und noch weniger ahnte er, dass sich ihre Gedanken in diesem Augenblick ebenfalls um ihn drehten. G'rahas Schweif bewegte sich langsam hinter ihm. „Vielleicht sollte ich ihr bei Gelegenheit schreiben.“ Er hielt inne. „...oder sie einfach aufsuchen.“ Wieder dieses nachdenkliche Zögern. „Nein. Das klingt ja, als würde ich sie vermissen.“ Seine Ohren klappten leicht zur Seite. Eine kurze Pause. „Was vermutlich nicht völlig unwahr wäre.“ Er lachte leise über sich selbst und stieß sich vom Geländer ab. Vielleicht würde er ihr tatsächlich einen Besuch abstatten. Natürlich rein zufällig. Ganz bestimmt.

Mina hatte sich nach dem Besuch im Café draußen in ihrem kleinen Gärtchen bequem gemacht und saß in einem Gartenstuhl unter dem Sonnenschirm, mit einem Buch in der Hand. Zunehmend runzelte sie die Stirn, und ihr Schweif peitschte hin und her, sodass sie kaum einen Satz gelesen hatte und schon wieder nicht mehr wusste, worum es darin ging. Seufzend legte sie das aufgeschlagene Buch auf ihren Bauch und rutschte etwas in ihrem Stuhl nach unten. Den Kopf in den Nacken gelegt, schaute sie gedankenversunken in den blauen Himmel über ihr, wo ab und zu ein Vogel ihren Blick streifte.

Der Nachmittag war angenehm ruhig. Ein leichter Wind strich durch Minas kleines Gärtchen und ließ die Blätter der Pflanzen leise rascheln. Hin und wieder war das Zwitschern eines Vogels zu hören. Mina lag halb im Gartenstuhl versunken, das Buch noch immer auf ihrem Bauch. Doch die Seiten waren längst nebensächlich geworden. Ihr Schweif peitschte noch einmal ungeduldig gegen die Seite des Stuhls. Und während sie in den Himmel blickte, tauchte derselbe Gedanke wieder auf. Was er wohl gerade macht?

Zur selben Zeit war G'raha tatsächlich unterwegs. Er hatte sich schließlich von der Brücke gelöst und war ziellos durch die Straßen gegangen. Ursprünglich hatte er vorgehabt, in der Bibliothek zu verschwinden und seine Arbeit fortzusetzen. Stattdessen fand er sich irgendwann in einer Straße wieder, die ihm inzwischen erstaunlich vertraut vorkam.

Er blieb stehen. Vor ihm lag Minas kleines Zuhause. G'raha blinzelte. „...Nun.“ Er hatte definitiv nicht vorgehabt, hierherzukommen. Zumindest nicht bewusst. Seine Ohren richteten sich aufmerksam auf. Hinter dem Haus konnte er leise das Rascheln von Pflanzen hören. Und dann... Stille. G'raha lächelte. „Sie wird doch nicht etwa wieder lesen?“ Mit einem leisen Schmunzeln ging er näher.

Als er um die Ecke kam, entdeckte er sie schließlich. Mina lag in ihrem Gartenstuhl unter dem Sonnenschirm, das Buch auf dem Bauch, den Blick zum Himmel gerichtet. G'raha blieb zunächst stehen. Er wollte sie nicht erschrecken. Eine Weile beobachtete er sie einfach nur. Ihr Gesicht wirkte nachdenklich, und ihr Schweif verriet deutlich mehr Unruhe, als ihr ansonsten ruhiger Anblick vermuten ließ. Seine Ohren zuckten. Sie sieht aus, als würde sie über etwas nachgrübeln.

Dann kam ihm eine Idee. Ein schelmisches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er schlich ein paar Schritte näher, blieb jedoch in sicherer Entfernung stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wenn du das Buch noch länger auf deinem Bauch liegen lässt, Mina, könnte es womöglich glauben, es wäre Teil deiner Einrichtung.“ Seine Stimme war warm und eindeutig amüsiert. „Und dabei hatte ich bisher angenommen, Bücher wären dazu da, gelesen zu werden.“ G'raha legte den Kopf leicht schief. „Oder bist du gerade bei einer besonders schwierigen Stelle angelangt?“

Sie war so in Gedanken versunken, dass sie G'raha erst bemerkte, als sie angesprochen wurde. Das erschreckte sie so sehr, dass sie mit einem „AHHH!“ einen Satz nach oben machte und dabei das Buch zu Boden fiel. Vor Schreck hatte sich das Fell ihres Schweifes aufgestellt und wirkte aufgeplustert. Erschrocken schaute sie zu G'raha und legte sich eine Hand auf die Brust, wo ihr Herz heftig vor Schreck hämmerte. „Himmel! Erschreck mich doch nicht so“, schimpfte sie schnaubend. Bis sie bemerkte, dass G'raha wirklich bei ihr vor dem Garten stand. „Was machst du hier? Woher weißt du, wo ich wohne? Sag mir nicht, du hast jedes Haus abgeklappert.“ Sie strich ihre Haare glatt, bevor sie nach dem Buch griff, um es aufzuheben, und dann nach ihrem Schweif. Immer wieder strich sie darüber, um das aufgestellte Fell wieder zu glätten. „Jag mir nicht so einen Herzklabaster ein.“

G'rahas Augen weiteten sich, als Mina mit einem erschrockenen „AHHH!“ beinahe aus dem Gartenstuhl sprang. „Bei den Siebten—!“ Er machte instinktiv einen Schritt zurück und hob beide Hände. „Verzeihung! Das war keineswegs meine Absicht!“ Sein Blick wanderte zu ihrem völlig aufgeplusterten Schweif. Für einen Moment presste er die Lippen aufeinander, doch das verräterische Zucken an seinen Mundwinkeln zeigte deutlich, wie schwer es ihm fiel, nicht zu lachen.

Als Mina sich schließlich über ihr Herz beschwerte, wurde sein Ausdruck sofort etwas schuldbewusster. „Ein Herzklabaster? Ich hoffe doch sehr, dass ich dich nicht derart erschreckt habe.“ Er trat näher, diesmal deutlich hörbar und mit genügend Abstand, damit sie ihn nicht erneut für einen heimtückischen Angreifer hielt. Auf ihre Fragen hin hob er eine Augenbraue. „Nun, ich kann dich beruhigen. Ich habe nicht sämtliche Häuser Gridanias abgeklappert. Obwohl die Vorstellung durchaus amüsant wäre.“ Ein schelmisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Ich wusste tatsächlich, wo du wohnst. Wir haben uns immerhin schon mehrfach getroffen. Außerdem...“ Er deutete beiläufig in Richtung ihres Gartens. „...ist dein Zuhause von der Straße aus nicht gerade schwer zu finden, wenn man weiß, wonach man sucht.“

Dann bemerkte er, wie sie immer wieder über ihren Schweif strich, um das aufgestellte Fell zu glätten. G'raha musste nun doch leise lachen. „Ich fürchte, dein Schweif ist da anderer Meinung als du.“ Er deutete mit einem Finger darauf. „Er scheint mir deine momentane Aufregung sehr viel ehrlicher mitzuteilen.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. Dann hob er beschwichtigend beide Hände. „Aber ich werde mich hüten, ihn noch einmal derart in Aufruhr zu versetzen.“

Für einen Moment sah er sie einfach an. Sein Lächeln wurde weicher. „Ich wollte dich eigentlich nur besuchen.“ Eine kleine Pause. „Ich hoffe, das ist nicht unangenehm?“ Er sah kurz auf das Buch, das sie gerade aufgehoben hatte. „Obwohl ich offenbar genau im richtigen Moment gekommen bin. Du hast ja nicht gerade ausgesehen, als wärst du besonders in deine Lektüre vertieft.“ Sein Blick wanderte wieder zu ihr. „Du hast ziemlich nachdenklich gewirkt.“ G'raha legte den Kopf leicht schief. „Ist alles in Ordnung, Mina?“

„Wenn du plötzlich so aus dem Nichts auftauchst und mich erschreckst“, ließ sie ihre angespannten Schultern sinken. „Da würde jeder einen halben Herzkasper bekommen.“ Sie drehte sich dann zu ihrem Haus um. Es sah aus wie jedes andere kleine Haus in den Beeten. „Was ist an meinem Haus so auffällig, dass du es gleich erkannt hast?“, fragte sie und ließ dann ihren Schweif los, als dieser endlich geglättet war. „Ich kann mich heute einfach nicht aufs Lesen konzentrieren.“ Sie schob ihr Buch weiter auf den Tisch. „Wie komme ich zu der Ehre, dass du mich einfach nur besuchen wolltest?“

G'raha folgte ihrem Blick zu dem kleinen Haus und legte den Kopf etwas zur Seite. „Auffällig?“ Er betrachtete es einen Moment, als würde er die Fassade zum ersten Mal wirklich mustern. „Nun... eigentlich überhaupt nicht.“ Seine Mundwinkel hoben sich. „Das war wohl eher eine Kombination aus Erinnerung und Glück. Und zugegeben, ich habe mir deinen Weg gemerkt, als wir uns das letzte Mal verabschiedet haben.“ Er hob leicht die Schultern. „Außerdem hast du ein kleines Gärtchen. Ich erinnere mich daran. Das hat mir die Suche deutlich erleichtert.“

Sein Blick fiel kurz auf ihren Schweif, der inzwischen wieder ordentlich an ihr herabhing. „Und keine Sorge. Ich werde nicht behaupten, dass ich mich anhand deines Gartens auf eine hochkomplizierte Spurensuche begeben hätte.“ Ein amüsiertes Funkeln trat in seine Augen. „Das würde vermutlich etwas zu dramatisch klingen.“

Als Mina erklärte, dass sie sich heute nicht konzentrieren konnte, wanderte sein Blick zu dem Buch auf dem Tisch. „Das erklärt zumindest, warum du es gerade beinahe als Bauchstütze benutzt hast.“ Er grinste.

Dann kam ihre letzte Frage. Wie komme ich zu der Ehre, dass du mich einfach nur besuchen wolltest? Für einen kurzen Moment wurde G'raha still. Seine Ohren bewegten sich leicht, und sein Blick wich für einen Augenblick zu den Pflanzen im Garten aus. „Nun...“ Er schien tatsächlich kurz nach den richtigen Worten zu suchen. „Ich könnte dir jetzt eine äußerst vernünftige Erklärung geben.“ Er hob einen Finger. „Zum Beispiel, dass ich ohnehin in der Gegend war.“ Ein zweiter Finger. „Oder dass ich nachsehen wollte, ob du deinen Kaffeevorrat nach unserem Ausflug inzwischen wieder aufgefüllt hast.“ Ein dritter. „Oder dass ich mich für deine Gesellschaft bedanken wollte.“ Er ließ die Hand wieder sinken. „Aber vermutlich wären das alles nur halbe Wahrheiten.“

G'raha sah sie wieder an. Sein Lächeln war diesmal deutlich weniger schelmisch und dafür ungewöhnlich offen. „Ich habe in den letzten Tagen ein paar Mal an unseren Ausflug gedacht.“ Eine kleine Pause. „Und dabei ist mir aufgefallen, dass ich unsere Gespräche vermisst habe.“ Er räusperte sich leise und fügte mit einem kleinen Schmunzeln hinzu: „Also dachte ich mir, warum sollte ich darauf warten, dass sich zufällig wieder eine Gelegenheit ergibt?“ Er deutete auf den freien Platz in der Nähe. „Wenn du nichts dagegen hast, würde ich mich gern ein wenig zu dir setzen.“ Sein Blick fiel noch einmal auf das Buch. „Natürlich nur, wenn du mir versprichst, mich nicht wieder für meine Neugier zu tadeln.“ Eine kurze Pause. „Zumindest nicht allzu streng.“

„Man merkt, dass du nur auf ein Auge siehst. Weil jedes Haus hier in den Beeten einen Garten hat. Mal größer und mal kleiner, je nachdem, wie groß das Haus ist“, schrägte sie ihren Kopf. Wenn er sich den Weg gemerkt hatte, den sie gegangen war, musste er ihr wohl hinterhergesehen haben, fiel ihr bei seinen Worten auf. „Oh, vermisst du etwa, wie ich dich trieze und ärgere? Hast du das etwa vermisst oder bist du auf Entzug?“, fragte sie mit schelmischem Grinsen und deutete mit einer Hand auf den freien Stuhl.

G'rahas rechtes Ohr zuckte bei ihrer Bemerkung, während sein sichtbares Auge sich kurz verengte. „Das war ein erstaunlich präziser Treffer.“ Er legte sich gespielt nachdenklich eine Hand ans Kinn. „Vielleicht sollte ich mich darauf berufen, dass meine Sicht durch gewisse Umstände tatsächlich etwas... eingeschränkt ist.“ Ein kaum unterdrücktes Grinsen verriet jedoch, dass er ihre Neckerei durchaus genoss.

Als sie dann allerdings darauf zu sprechen kam, dass er ihr offenbar hinterhergesehen haben musste, wurde er für einen Moment still. „Nun...“ Sein Schweif bewegte sich einmal langsam hinter ihm. „Ich würde es nicht unbedingt hinterhersehen nennen.“ Eine kurze Pause. „Eher... sicherstellen, dass du den Weg nach Hause findest.“ Er sah sie mit einem unschuldig wirkenden Ausdruck an. „Nach einem so langen Tag wäre es schließlich bedauerlich gewesen, wenn du dich verlaufen hättest.“ Offensichtlich wusste er selbst, wie wenig überzeugend diese Erklärung klang.

Dann kam ihre nächste Frage. Vermisst du etwa, wie ich dich trieze und ärgere? Bist du etwa auf Entzug? G'raha starrte sie einen Moment an. Dann lachte er. Herzlich und ungezwungen, sodass seine Schultern leicht bebten. „Auf Entzug?“ Er schüttelte den Kopf und trat zu dem angebotenen Stuhl. „Du stellst das dar, als wäre deine Gesellschaft eine gefährliche Substanz.“ Er setzte sich und lehnte sich etwas zurück. „Obwohl...“ Sein Blick wanderte zu ihr, und ein schelmisches Funkeln erschien darin. „...wenn ich mich recht erinnere, habe ich nach unserem letzten Treffen tatsächlich mehrere Tage ohne deine Kommentare überstanden.“ Er legte eine Hand auf seine Brust. „Es war ausgesprochen tapfer von mir.“ Eine kurze Pause. „Aber ich muss zugeben...“ Er beugte sich ein wenig vor. „...es war erstaunlich ruhig.“ Ein breites Grinsen. „Beunruhigend ruhig.“

Dann lehnte er sich wieder zurück. „Also ja, Mina. Vielleicht war ich ein wenig auf Entzug.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Aber wenn du unbedingt möchtest, darfst du gerne überprüfen, ob die Symptome noch vorhanden sind.“ Er deutete mit einer kleinen Handbewegung auf sich. „Ich sitze dir schließlich gerade freiwillig gegenüber. Das dürfte als ziemlich eindeutiger Beweis gelten.“ Sein Blick fiel kurz auf das Buch auf dem Tisch. „Und du?“ Er hob eine Augenbraue. „Hast du mich in den letzten Tagen wenigstens ein kleines bisschen vermisst, oder war dein Buch interessanter?“

„Ich war wirklich ziemlich müde und platt nach dem Tag nach dem Baden“, gestand sie. „Danke, dass du darauf geachtet hast, dass mir vor Müdigkeit nichts passiert.“ Sie fasste seine Worte zusammen und lehnte sich dann etwas nach hinten, als er sich neben sie gesetzt hatte und sich vorbeugte. Bei seiner Frage, ob sie ihn vermisst hatte, räusperte sie sich und setzte sich wieder gerade hin. „Dann war wohl Alisaie nicht da, um dich zu triezen?“, fragte sie. „Das müssen echt langweilige Tage für dich gewesen sein.“ Die Antwort darauf, ob sie G'raha vermisst hatte, blieb aus.

G'raha bemerkte natürlich, dass Mina seiner Frage geschickt ausgewichen war. Sein sichtbares Auge verengte sich ein wenig, und ein amüsiertes Lächeln spielte um seine Lippen. „Ah.“ Mehr sagte er zunächst nicht. Er lehnte sich wieder etwas zurück und verschränkte die Arme. „Eine bemerkenswert elegante Umgehung meiner Frage.“ Sein Schweif schwang einmal gemächlich zur Seite. „Ich hätte fast geglaubt, du hättest meine Frage nicht verstanden.“ Das Grinsen wurde breiter. „Aber dafür kenne ich dich inzwischen wohl gut genug.“

Bei der Erwähnung von Alisaie musste er allerdings lachen. „Nein. Alisaie war tatsächlich nicht da.“ Er seufzte gespielt schwer. „Und wenn du glaubst, dass sie meine einzige Quelle für Ärger ist, überschätzt du meine Fähigkeit, mich selbst in Schwierigkeiten zu bringen.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Aber ja... es war tatsächlich ungewöhnlich ruhig.“ Sein Blick wanderte einen Moment über den Garten. „Und vielleicht ein wenig langweilig.“

Dann sah er wieder zu Mina. „Wobei ich mich frage, ob du gerade versuchst, mich davon abzulenken, dass du meine Frage nicht beantwortet hast.“ Eine Augenbraue hob sich. „Denn wenn ich mich recht erinnere, warst du gerade noch sehr neugierig darauf, ob ich dich vermisst habe.“ Er beugte sich diesmal nicht wieder zu ihr vor, sondern blieb entspannt zurückgelehnt. „Und nun, da ich dir die Antwort gegeben habe, bist du plötzlich auffallend zurückhaltend.“ Ein kleines, warmes Lächeln. „Das ist interessant.“ Er ließ ihr bewusst einen Moment, bevor er mit einem leisen Lachen hinzufügte: „Keine Sorge. Ich werde dich nicht zwingen, es zuzugeben.“ Sein Blick fiel auf das Buch. „Aber ich werde mir durchaus merken, dass du auf meine Frage mit Alisaie ausgewichen bist.“

Dann tippte er mit einem Finger leicht gegen die Armlehne. „Und was deine Müdigkeit betrifft...“ Sein Ausdruck wurde etwas sanfter. „Du musst dich dafür nicht bedanken. Ich hätte dich schlecht einfach dort einschlafen lassen und anschließend allein nach Hause schicken können.“ Eine kleine Pause. „Außerdem war es... angenehm.“ Er sah sie kurz an. „Jemanden neben sich zu haben, der einem vertraut genug ist, einfach einzuschlafen, ist schließlich nichts Unangenehmes.“ Für einen Augenblick blieb sein Blick auf ihr ruhen. Dann lächelte er wieder schelmisch. „Auch wenn meine Schulter offenbar nicht mit deinem Kissen mithalten kann.“

Leicht schrägte sie den Kopf, und ihre Schweifspitze zuckte. „Es scheint dich doch mächtig zu quälen, dass ich dir darauf keine Antwort gebe. Aber damit deine kleine Seele Ruhe findet: Ab und an habe ich an dich gedacht“, gestand sie, vermied aber den Blick zu G'raha. „Ich vertraue dir so weit, dass du mir im Schlaf nichts antust, und auch wenn deine Schulter in dem Moment recht dienlich für meinen Kopf war, ist mein Kissen bequemer“, grinste sie dann.

G'raha beobachtete sie aufmerksam, und als Mina schließlich zugab, dass sie hin und wieder an ihn gedacht hatte, huschte ein deutlich zufriedenes Lächeln über sein Gesicht. „Ab und an?“ Er wiederholte ihre Worte mit einer Spur von gespielter Skepsis. „Nun, damit kann meine kleine Seele fürs Erste wohl tatsächlich leben.“ Seine Ohren richteten sich auf, während sein Schweif einmal zufrieden hinter ihm hin und her schwang. Besonders amüsant fand er allerdings, dass sie dabei demonstrativ nicht zu ihm sah. „Interessant.“ Er legte den Kopf etwas schief. „Du kannst mir also problemlos ins Gesicht sagen, dass meine Schulter als Kopfkissen brauchbar war...“ Eine kleine Pause. „...aber sobald es darum geht, ob du an mich gedacht hast, wird plötzlich der Boden sehr interessant.“ Ein leises Lachen folgte.

Doch bei ihren Worten über Vertrauen wurde sein Ausdruck ruhiger. „Das freut mich.“ Seine Stimme war jetzt deutlich wärmer. „Und ich hoffe, dass ich dieses Vertrauen auch weiterhin verdiene.“ Dann hob er eine Augenbraue. „Obwohl ich zugeben muss, dass ich die Formulierung ‚soweit, dass du mir im Schlaf nichts antust‘ ein wenig beleidigend finde.“ Er legte eine Hand gespielt auf seine Brust. „Was für ein Bild hast du eigentlich von mir?“ Sein Grinsen verriet, dass er ihr die Bemerkung keineswegs übel nahm.

Als sie schließlich erklärte, dass ihr Kissen bequemer sei, nickte er langsam. „Natürlich.“ Er sah zum Haus. „Ein weiches Kissen, das nicht plötzlich beschließt, seine Position zu verändern, wenn der Kopf darauf liegt.“ Dann deutete er auf seine eigene Schulter. „Meine Schulter hingegen ist offenbar nur für den Notfall geeignet.“ Er seufzte theatralisch. „Das ist hart. Nach all dem, was wir gemeinsam durchgemacht haben.“ Sein sichtbares Auge funkelte. „Aber gut. Ich werde mich damit abfinden, dass ich gegen ein Kissen verloren habe.“ Er ließ einen Moment verstreichen, bevor sein Lächeln wieder etwas weicher wurde. „Wobei...“ Er sah Mina an. „Es hat mich trotzdem nicht gestört.“ Sein Schweif bewegte sich langsam über den Boden. „Ganz im Gegenteil.“

Für einen Augenblick schwieg er, dann lehnte er sich wieder bequem zurück. „Also, Mina...“ Er deutete auf ihr Buch. „Was genau hat dich eigentlich so sehr beschäftigt, dass du vorhin den Himmel interessanter fandest als deine Lektüre?“ Sein Tonfall war neugierig, aber diesmal ohne sie zu necken. „Du sahst aus, als würdest du über etwas nachdenken.“

„Ich bin erst dabei, dich kennenzulernen. Wer weiß, ob du nicht... Ich bin einfach noch vorsichtiger geworden nach den ganzen Männern, die ich kennengelernt habe. Aber ich glaube, bei einem Freund brauche ich keine Bedenken zu haben, oder?“, fragte sie und schaute G'raha offen an.

G'raha hielt ihrem offenen Blick einen Moment lang stand. Das schelmische Lächeln verschwand ein wenig aus seinem Gesicht. Nicht, weil ihn ihre Worte störten – im Gegenteil. Er schien sie ernst zu nehmen. „Nein“, sagte er schließlich ruhig. „Bei einem Freund solltest du keine Angst haben müssen.“ Er legte die Hände locker auf die Armlehnen und sah sie weiterhin an. „Und wenn du schlechte Erfahrungen mit anderen gemacht hast, kann ich dir wohl kaum vorwerfen, dass du vorsichtig bist. Vertrauen ist schließlich nichts, das man einfordert. Man verdient es.“

Sein sichtbares Auge wurde sanfter. „Du musst mir also nichts versprechen und dich auch zu nichts zwingen, nur weil wir uns gut verstehen.“ Eine kleine Pause. „Wenn du irgendwann das Gefühl hast, dass ich eine Grenze überschreite, dann sag es mir.“ Er deutete mit einem Finger auf sie. „Und ich erwarte sogar, dass du es tust. Du bist schließlich ausgesprochen gut darin, mir mitzuteilen, wenn ich etwas sage oder tue, das dir nicht gefällt.“ Ein leichtes Grinsen kehrte zurück. „Manchmal sogar, bevor ich selbst bemerkt habe, dass ich etwas getan habe.“

Sein Schweif zuckte amüsiert. Dann lehnte er sich etwas zurück und ließ den Blick kurz über den Garten schweifen. „Was mich betrifft...“ Er wandte sich wieder ihr zu. „Ich sehe dich momentan als Freundin. Jemanden, dessen Gesellschaft ich sehr schätze und mit dem ich gerne Zeit verbringe.“ Er lächelte. „Und ich habe nicht vor, dieses Vertrauen leichtfertig aufs Spiel zu setzen.“

Einen Moment lang herrschte angenehme Stille. Dann hob G'raha eine Augenbraue. „Aber ich muss dich warnen.“ Sein Ton wurde wieder spielerischer. „Wenn du mich weiterhin als Freund bezeichnest, wirst du mich vermutlich nicht so schnell wieder los.“ Ein verschmitztes Lächeln. „Ich könnte mich nämlich daran gewöhnen.“

„Versprochen“, nickte sie ihm zu, dass sie ihm Bescheid sagen würde, sollte er eine Grenze bei ihr überschreiten. „Ich schätze deine Gesellschaft auch sehr und hoffe, dass ich dein Vertrauen nicht irgendwann verliere. Ich schätze dich sehr als Freund. Aber hatten wir nicht schon vereinbart, dass ich dir im Nacken sitze und du mich so schnell wohl nicht mehr loswirst und du ebenfalls?“ Sie schaute dann zu dem Buch auf dem Tisch. „Ach, ich kann mich einfach nicht konzentrieren. Manchmal gibt es solche Tage. Oder ist dir das noch nie passiert?“, fragte sie, und ihre grünen Augen blickten wieder zu den rubinroten.

G'raha hielt ihren Blick und nickte langsam, als sie ihm ihr Versprechen gab. „Gut.“ Das eine Wort kam ungewöhnlich ernst von ihm. Dann entspannte sich sein Gesicht wieder, als Mina ihm versicherte, dass auch sie seine Gesellschaft schätzte. Bei ihren nächsten Worten musste er allerdings lachen. „Stimmt. Das hatten wir.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Wie konnte ich nur vergessen, dass ich mich mit dir bereits auf eine ausgesprochen langfristige gegenseitige Belästigung geeinigt habe?“ Sein Schweif schwang amüsiert hin und her. „Du sitzt mir im Nacken, ich werde dich nicht mehr los...“ Er hob eine Hand und zählte an den Fingern ab. „Das klingt beinahe wie ein ausgesprochen seltsamer Pakt.“ Sein Blick wurde für einen Moment wärmer. „Aber einer, mit dem ich durchaus leben kann.“

Als Mina anschließend wieder auf das Buch deutete und ihn fragte, ob er solche Tage nicht kenne, hob G'raha überrascht eine Augenbraue. „Ob mir das noch nie passiert ist?“ Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Mina, ich verbringe einen beträchtlichen Teil meines Lebens mit Büchern. Natürlich kenne ich das.“ Er deutete auf ihr Buch. „Manchmal liest man dieselbe Seite fünfmal und stellt danach fest, dass man keine Ahnung hat, was darin stand.“ Sein Gesicht nahm einen todernsten Ausdruck an. „Noch schlimmer ist es, wenn man eine halbe Stunde damit verbringt, eine besonders komplizierte Textstelle zu entziffern, nur um festzustellen, dass man die ganze Zeit das Buch auf dem Kopf gehalten hat.“ Eine kurze Pause. „Das ist mir selbstverständlich noch nie passiert.“ Er hielt ihren Blick einen Moment lang. Dann zuckte sein Ohr. „...Nun gut. Vielleicht einmal.“ Ein leises Lachen entwich ihm. „Also ja. Ich kenne diese Tage.“

Er betrachtete Mina etwas aufmerksamer. „Vielleicht solltest du das Buch für heute einfach in Ruhe lassen. Du musst dich nicht zwingen, wenn dein Kopf gerade woanders ist.“ Er deutete auf den Garten. „Du hast hier schließlich einen sehr angenehmen Ort, um einfach nichts zu tun.“ Sein Blick glitt kurz zum Himmel. „Manchmal ist das auch eine Form von Erholung.“ Dann sah er wieder zu ihr. „Und wenn du ohnehin nicht lesen kannst...“ Ein schelmisches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „...könntest du deine Aufmerksamkeit stattdessen mir widmen.“ Er hob unschuldig die Hände. „Nur ein Vorschlag.“

Schmunzelnd schüttelte sie den Kopf. „Ich scheine echt einen schlechten Einfluss auf dich zu haben, wenn du schon davon sprichst, dass wir uns auf gegenseitige Belästigung geeinigt haben.“ Sie zog einen weiteren Stuhl heran und legte beide Füße darauf ab, wobei sie ihre Hände über dem Bauch faltete. Bei seiner Erzählung grinste sie. „Du musst ja mächtig durch den Wind sein, wenn du erst nach einer halben Ewigkeit merkst, dass du das Buch verkehrt herum hältst.“ Ihre Ohren zuckten. „Ach so läuft der Hase“, sagte sie, als er meinte, sie sollte ihm ihre Aufmerksamkeit widmen. „Na dann erzähl mal, was du die Tage so gemacht hast, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ich bin ganz Ohr, der Herr.“

G'raha beobachtete, wie Mina sich den zweiten Stuhl heranzog und es sich darauf bequem machte. Bei ihrer Bemerkung über seinen angeblich schlechten Einfluss legte er eine Hand auf die Brust und setzte eine empörte Miene auf. „Ich möchte doch sehr darum bitten.“ Sein Schweif zuckte. „Ich war bereits vor unserer Bekanntschaft ein durchaus anständiger Mann.“ Eine kurze Pause. „...Meistens.“ Sein Grinsen verriet ihn allerdings sofort. Als sie sich über seine angebliche Zerstreutheit beim Lesen lustig machte, schüttelte er den Kopf. „Ich habe lediglich versucht, dir ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie dramatisch ein solcher Tag sein kann.“ Er hob einen Finger. „Außerdem war es natürlich nicht eine halbe Ewigkeit.“ Noch einen Finger. „Vielleicht zehn Minuten.“ Er hielt inne. „...Fünfzehn.“ Sein sichtbares Auge verengte sich leicht. „Und ich habe es nur deshalb nicht früher bemerkt, weil der Text auf beiden Seiten ausgesprochen überzeugend aussah.“ Ein Moment Stille. Dann musste er selbst lachen.

Als Mina schließlich meinte, sie sei ganz Ohr, nahm G'raha eine beinahe förmliche Haltung an. „Nun denn.“ Er räusperte sich und setzte eine übertrieben feierliche Stimme auf. „Sehr geehrte Mina Yukimura, da Sie mir freundlicherweise Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit gewähren...“ Sein Grinsen wurde breiter. „...werde ich selbstverständlich einen äußerst spannenden Bericht über meine vergangenen Tage liefern.“ Er lehnte sich zurück. „Nachdem wir uns verabschiedet hatten, kehrte ich zunächst zurück zur Bibliothek. Ich hatte mir vorgenommen, einige ausstehende Nachforschungen abzuschließen.“ Er verzog leicht das Gesicht. „Das hat... mäßig gut funktioniert.“ Sein Schweif zuckte. „Ich habe zwar einiges geschafft, aber ich musste feststellen, dass meine Konzentration nicht ganz dort war, wo sie hätte sein sollen.“ Sein Blick glitt für einen kurzen Moment zu Mina. „Es gab gewisse Ablenkungen.“ Er ließ offen, was genau er damit meinte. „Ansonsten habe ich ein wenig trainiert, mich mit einigen alten Aufzeichnungen beschäftigt und Alisaie tatsächlich für einen Teil ihrer Abwesenheit beneidet, weil sie mir damit zumindest einige Diskussionen erspart hat.“ Ein leises Lachen. „Und ich habe einen Spaziergang gemacht.“

Er legte den Kopf etwas schief. „Dabei bin ich an einer bestimmten Brücke vorbeigekommen.“ Sein Blick wurde für einen Moment nachdenklicher. „Und musste an jemanden denken, der mir erzählt hat, wie gern sie Gewässer mag.“ Er sah Mina wieder direkt an. „Und bevor du fragst: Nein, ich werde dir nicht verraten, wer diese Person war.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge. „Du darfst es selbst herausfinden.“ Dann verschränkte er die Arme hinter dem Kopf und ließ sich etwas bequemer in seinem Stuhl nieder. „Und jetzt bist du dran.“ Er deutete auf sie. „Du hast mir schließlich gerade versprochen, dass du ganz Ohr bist. Also möchte ich wissen, was du in den vergangenen Tagen getrieben hast.“ Sein Blick wanderte kurz zu ihrem Buch. „Abgesehen davon, es heute nicht zu lesen.“

Kichernd neigte sie sich zur Seite, als er anfing zu erzählen. „Du willst mir wohl nicht erzählen, was genau dich abgelenkt hat, oder?“, fragte sie und wackelte mit den Füßen. „Vielleicht könnte ich dir ja helfen, dass diese Ablenkungen dann nicht mehr vorkommen“, schlug sie vor. „Aha, das muss aber eine für dich wohl interessante Person sein, wenn du gerade in diesem Moment daran gedacht hast.“ Sie maßte sich nicht an, direkt anzunehmen, dass er direkt sie meinte. Es gab noch andere Frauen auf diesem Planeten, die seine Aufmerksamkeit hätten gewinnen können. „Hm, nach unserem Badehausbesuch habe ich fleißig trainiert, ohne mich zu verausgaben“, setzte sie hinzu. „Dann habe ich mich mit einer Freundin zum Kaffee getroffen, um mit ihr zu plaudern. Wir sehen uns im Moment nicht so häufig. Und heute habe ich von dir den Schreck meines Lebens bekommen. Zum Glück haben Katzen neun Leben“, grinste sie.

G'raha hob bei ihrer Frage eine Augenbraue und musterte sie mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen Belustigung und ertapptem Schweigen lag. „Ich könnte es dir erzählen.“ Er machte eine kleine Pause. „Aber dann würde ich dir vermutlich die Gelegenheit nehmen, darüber zu spekulieren.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Und ich habe mittlerweile den Eindruck, dass du diese Gelegenheit nur ungern verstreichen lässt.“

Als Mina ihm dann sogar anbot, ihm bei seinen Ablenkungen zu helfen, lachte er leise. „Das ist ausgesprochen großzügig von dir.“ Er legte den Kopf schief. „Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob du die Ablenkung beseitigen oder womöglich noch verschlimmern würdest.“ Sein Schweif bewegte sich langsam hin und her. „Bei dir besteht schließlich eine gewisse Gefahr, dass aus einem ruhigen Nachmittag plötzlich ein Ausflug, ein Badehausbesuch oder irgendeine andere spontane Unternehmung wird.“ Er schmunzelte. „Und ich muss gestehen, ich hätte gegen keines davon etwas einzuwenden.“

Als Mina anschließend bemerkte, dass diese unbekannte Person offenbar interessant genug gewesen sein musste, dass er ausgerechnet auf der Brücke an sie gedacht hatte, schwieg G'raha einen Moment. Er hatte durchaus bemerkt, dass sie nicht automatisch davon ausging, dass er von ihr gesprochen hatte. Sein Blick blieb auf ihr ruhen. „Ja.“

Nur dieses eine Wort.

„Sie ist... interessant.“

Ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Und vermutlich ahnt sie nicht einmal, wie oft sie mir inzwischen durch den Kopf geht.“ Er ließ den Satz einen Augenblick im Raum stehen, bevor er sich wieder etwas zurücklehnte.

Dann hörte er sich Minas Bericht an. Bei dem Wort trainiert nickte er anerkennend. „Das klingt vernünftig. Besonders der Teil, dass du dich nicht verausgabt hast.“ Er hob einen Finger. „Ich erinnere mich nämlich noch daran, dass du mir erzählt hast, dass du dich weiterentwickeln möchtest. Fortschritt ist wichtig, aber ebenso wichtig ist es, seinem Körper Gelegenheit zur Erholung zu geben.“

Dann kam ihr Treffen mit ihrer Freundin. „Kaffee und ein gutes Gespräch also.“ Er lächelte. „Das klingt nach einem durchaus gelungenen Nachmittag.“ Sein Blick wanderte zu ihrer Tasse, die mittlerweile vermutlich schon längst leer war. „Wobei ich mich frage, ob deine Freundin deine Kaffeeleidenschaft inzwischen akzeptiert hat oder ob sie weiterhin versucht, dich davon abzubringen.“

Doch dann kam sie wieder auf seinen Auftritt zu sprechen. Der Schreck meines Lebens. G'raha presste die Lippen zusammen. „Nun...“ Er sah demonstrativ zur Seite. „Ich möchte noch einmal festhalten, dass ich mich aufrichtig dafür entschuldigt habe.“ Als sie jedoch meinte, Katzen hätten schließlich neun Leben, konnte er ein Lachen nicht mehr unterdrücken. „Dann habe ich heute offenbar bereits eines davon auf dem Gewissen.“ Er grinste. „Das ist ein ziemlich schlechter Anfang für eine Freundschaft.“ Er beugte sich ein wenig vor. „Aber keine Sorge. Ich werde versuchen, die verbleibenden acht nicht ebenfalls versehentlich zu verbrauchen.“ Dann musterte er sie kurz. „Wobei...“ Sein Blick fiel auf ihren Schweif. „...dein Schweif hat sich jedenfalls schneller von dem Schrecken erholt als du.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge. „Ich glaube, er hat mir die Sache sogar noch übler genommen als du.“

Sie strich sich mit der Hand übers Kinn. „Ja, da ist was dran. Es selber herauszufinden und dich dann damit aufzuziehen, ist wesentlich amüsanter, als wenn du es mir sagst“, beschloss sie für sich. „Ich? Deine Ablenkung verschlimmern?“, legte sie dabei eine Hand auf ihre Brust. „Ich... na ja, vielleicht doch. Mit meinen ewigen Fragen könnte das schon passieren“, lenkte sie ein.

Ihre Augen wurden groß und die Ohren stellten sich auf, als er sagte, dass die besagte Person interessant sei. „Oh, davon hast du mir ja gar nichts erzählt. Schäm dich, und als Freund. Aber vielleicht lerne ich sie ja irgendwann einmal kennen. Ich freue mich auf jeden Fall für dich und drücke dir die Daumen“, hob sie dabei beide Hände hoch und drückte die Daumen. „Dann haben ja Alisaie und Y'shtola etwas anderes, worüber sie spekulieren können.“ Sie lehnte sich dann ebenfalls wieder zurück. „Meine Freundin teilt sogar meine Sucht nach Kaffee“, gestand sie und winkte ab. „Ach, hast du dich noch nie so sehr erschreckt, dass dir sämtliche Haare zu Berge gestanden sind?“, fragte sie und nickte dann auf die Tasse. „Willst du auch was trinken?“, bot sie G'raha an.

G'raha blinzelte, als Mina beide Daumen nach oben streckte und ihm so begeistert Glück wünschte. Für einen Moment sagte er gar nichts. Dann entwich ihm ein leises Lachen. „Oh.“ Sein Schweif zuckte. „Du freust dich also tatsächlich für mich.“ Er musterte sie mit einem Ausdruck, in dem deutlich mehr Belustigung als Verlegenheit lag. „Und du möchtest diese geheimnisvolle Person sogar kennenlernen.“ Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Nun, wer weiß? Vielleicht ergibt sich diese Gelegenheit ja tatsächlich irgendwann.“ Sein sichtbares Auge funkelte. „Und was Alisaie und Y'shtola betrifft...“ Er seufzte gespielt. „Ich fürchte, du unterschätzt deren Talent, aus den kleinsten Beobachtungen eine beinahe vollständige Geschichte zusammenzusetzen.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Wenn sie erst einmal anfangen zu spekulieren, dürfte es ohnehin zu spät sein.“

Bei Minas Geständnis, dass ihre Freundin ihre Kaffeesucht teilte, hellte sich sein Gesicht auf. „Ah. Eine Verbündete.“ Er nickte anerkennend. „Dann ist deine Sucht ja wenigstens in guter Gesellschaft.“ Sein Blick fiel auf ihre Tasse. „Ich nehme an, bei euren Treffen wird der Kaffee nicht gerade knapp.“

Als Mina schließlich fragte, ob er sich noch nie so erschreckt habe, dass ihm sämtliche Haare zu Berge gestanden hätten, legte G'raha nachdenklich einen Finger ans Kinn. „Oh, doch.“ Sein Ausdruck wurde plötzlich auffallend ernst. „Mehr als einmal.“ Er hob eine Hand. „Einmal wurde ich von einem äußerst aggressiven Folianten überrascht, der sich selbstständig gemacht hatte.“ Eine zweite Hand. „Dann gab es da noch einen gewissen Vorfall mit einer Falle in einer Ruine.“ Er senkte die Hände wieder. „Und einmal...“ Er hielt inne. „...bin ich aufgewacht, weil jemand meinte, es wäre eine hervorragende Idee, mich mitten in der Nacht zu erschrecken.“ Sein Blick wanderte langsam zu Mina. Ein kleines Grinsen erschien. „Aber ich werde den Namen dieser Person nicht nennen.“ Dann deutete er auf sie. „Du würdest es vermutlich ohnehin interessant finden, mir die Geschichte bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder vorzuhalten.“

Als Mina ihm schließlich etwas zu trinken anbot, sah er überrascht auf. „Oh?“ Sein Blick ging zu ihrer Tasse und anschließend zu ihr. „Sehr gern.“ Er richtete sich etwas auf. „Aber nur, wenn du mir versprichst, dass ich nicht gleich mit deinem Kaffeevorrat um mein Leben kämpfen muss.“ Ein schelmisches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Was darf ich denn haben? Kaffee? Tee? Oder hast du vielleicht noch etwas anderes im Haus?“ Sein Blick fiel kurz auf ihr Buch. „Und bevor du fragst: Nein, ich werde mich nicht beschweren, wenn du mir dabei wieder irgendwelche Fragen stellst.“ Er schmunzelte. „Ich glaube, ich habe mich inzwischen daran gewöhnt.“

Gleichgültig zuckte sie mit den Schultern. „Du musst mir ihren Namen nicht verraten. Irgendwann wirst du ihn mich vielleicht selber verraten oder allerspätestens, wenn ich sie kennenlernen werde, werde ich ihn dann wissen“, kam es gelassen von ihr. Sie wollte G'raha nicht mehr als unnötig drängen, ihr den Namen der Person zu nennen, die ihm wohl gerade jeden Gedanken zu rauben schien. Irgendwie machte sie das kurz neidisch. Aber mehr freute sie sich, dass er jemanden kennengelernt hatte, der ihm offenbar den Kopf zu verdrehen schien. „Ich kenne beide leider noch nicht, darum kann ich nur mutmaßen“, hob sie die Schultern. „Ja, meine Sucht ist bei ihr in sehr guter Gesellschaft“, nickte sie lächelnd und stellte die Füße auf den Boden. „Tja, dann hast du schon wohl mehr Leben verloren als ich.“ Sie erhob sich aus dem Stuhl. „Ich hab Tee, Wasser, Rolandbeerensaft und Kaffee im Angebot“, zählte sie auf. „Und keine Sorge, ein Suchti legt sich einen Vorrat an, damit er nicht in Bedrängnis kommt“, versicherte sie.

G'raha beobachtete sie einen Moment lang, als Mina so gelassen darauf reagierte, dass er ihr den Namen nicht verraten wollte. Er hatte beinahe mit einer weiteren neugierigen Frage gerechnet. Stattdessen ließ sie es einfach gut sein. Sein Lächeln wurde unmerklich weicher. „Du bist erstaunlich geduldig, wenn du möchtest.“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Ich hatte beinahe erwartet, dass du mir bereits zehn weitere Fragen stellst, um mir den Namen doch noch zu entlocken.“ Sein Schweif schwang langsam hinter ihm. „Aber du hast recht. Vielleicht ergibt es sich irgendwann ganz von selbst.“

Für einen kurzen Moment musterte er sie aufmerksam. Etwas an ihrer Reaktion ließ ihn nachdenklich werden. Sie schien sich tatsächlich für ihn zu freuen und gleichzeitig hielt sie sich auffallend zurück. Er beschloss jedoch, nicht weiter darauf herumzureiten. „Und was Alisaie und Y'shtola betrifft: Dann wirst du sie wohl irgendwann kennenlernen müssen. Ich bin mir sicher, dass beide sich eine eigene Meinung über dich bilden werden.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Und vermutlich wird Alisaie dich innerhalb der ersten fünf Minuten ausfragen.“

Als Mina schließlich aufstand und ihre Getränke aufzählte, erhob sich G'raha ebenfalls. „Eine beeindruckende Auswahl.“ Er legte nachdenklich eine Hand ans Kinn. „Tee, Wasser, Rolandbeerensaft...“ Dann sah er sie an. „Und natürlich Kaffee.“ Ein wissendes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ich glaube, ich kenne dich inzwischen gut genug, um zu wissen, welches Getränk hier den größten Vorrat besitzt.“

Als sie versicherte, dass ein echter Suchti immer ausreichend Vorräte habe, lachte er. „Das klingt beinahe wie eine Überlebensstrategie.“ Er erhob sich vollständig und folgte ihr mit ein paar Schritten Abstand in Richtung Haus. „Aber gut. Dann möchte ich deinen Kaffeevorrat nicht in Gefahr bringen.“ Er blieb kurz neben ihr stehen. „Ich nehme einen Tee.“ Sein Blick fiel auf sie. „Etwas Warmes passt ohnehin besser zu einem ruhigen Nachmittag.“ Dann deutete er mit einer kleinen Bewegung auf die Tür. „Und bevor du jetzt denkst, ich würde mich einfach selbst bedienen...“ Er lächelte unschuldig. „Ich weiß noch nicht einmal, wo du deine Tassen aufbewahrst.“ Eine kurze Pause. „Außerdem wäre es vermutlich sicherer, wenn du mich führst. Sonst finde ich am Ende noch einen geheimen Raum voller Kaffee und du musst mich anschließend aus deinem eigenen Haus werfen.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Und das wäre für meine ersten Besuche bei dir doch ein ausgesprochen schlechter Anfang.“

Verwundert schaute sie G'raha an, als dieser sich ebenfalls erhob. „Du willst mit rein? Ähm, okay, wir können auch drinnen was trinken. Und nein, bei mir ist aufgeräumt, keine Sorge.“ Sie öffnete die Tür und trat ein. „Ja, erstaunlich, was? Aber ich kann auch rücksichtsvoll sein. Ganz besonders, was... Herzensangelegenheiten betrifft. Die wichtigste und einzige Regel: Mische dich niemals in eine Beziehung ein. Die anderen wissen es immer besser und müssen ihre Erfahrungen selber machen“, erzählte sie auf dem Weg zur Küche. Diese war geräumig und hell eingerichtet. Sie nahm den Kessel vom Herd und füllte ihn mit Wasser, bevor sie ihn wieder daraufstellte und den Herd anmachte. Dann lehnte sie sich gegen die Arbeitsfläche. „Kannst dich ruhig an den Tisch setzen“, deutete sie auf den Küchentisch hin, der mit einer hellkarierten Decke bestückt war. „Du kannst ja beide mal unbekannterweise gerne von mir grüßen“, schlug sie vor.

G'raha trat hinter Mina durch die Tür und ließ seinen Blick kurz durch den Eingangsbereich wandern. „Ich habe auch nicht angenommen, dass du in einem Chaos lebst.“ Ein amüsiertes Schmunzeln erschien auf seinem Gesicht. „Obwohl ich zugeben muss, dass ich neugierig gewesen wäre, wie deine Version von aufgeräumt aussieht.“

Er folgte ihr in die Küche und betrachtete den hellen, freundlichen Raum. Als sie den Kessel aufsetzte, ließ er sich wie aufgefordert am Tisch nieder. Eine Hand strich kurz über die karierte Tischdecke, während er sich umsah. „Gemütlich.“

Dann wandte er sich wieder Mina zu. Ihre Worte über Herzensangelegenheiten ließen ihn jedoch kurz innehalten. Die wichtigste und einzige Regel: Mische dich niemals in eine Beziehung ein. Die anderen wissen es immer besser und müssen ihre Erfahrungen selber machen. G'raha betrachtete sie einen Moment schweigend. „Das ist... tatsächlich eine bemerkenswert vernünftige Regel.“ Ein leichtes Lächeln erschien. „Und vermutlich eine, die viele Menschen erst nach einigen schmerzhaften Erfahrungen lernen.“ Sein Blick blieb einen Moment auf ihr ruhen. „Du scheinst dir diese Regel jedenfalls sehr zu Herzen zu nehmen.“ Er sagte es ohne Vorwurf, eher mit einer gewissen Anerkennung.

Dann musste er bei ihrem Vorschlag, Alisaie und Y'shtola unbekannterweise zu grüßen, lachen. „Das werde ich.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Obwohl ich mich frage, was ich sagen soll.“ Er hob eine Hand und zählte auf: „Mina lässt euch grüßen.“ Noch ein Finger. „Oder vielleicht: Ich habe eine neue Freundin gefunden, die mir ungefragt Ratschläge über Herzensangelegenheiten gibt.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Bei letzterem würde Alisaie vermutlich sofort anfangen, Fragen zu stellen.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Also vielleicht doch lieber die einfache Variante.“ Seine Ohren zuckten, während er Mina beobachtete. „Ich werde ihnen deine Grüße ausrichten.“

Dann wurde sein Blick wieder etwas neugieriger. „Aber eine Sache interessiert mich.“ Er stützte den Ellenbogen auf den Tisch und legte das Kinn in die Hand. „Du hast gerade so selbstverständlich von Herzensangelegenheiten gesprochen.“ Ein kleines, verschmitztes Lächeln erschien. „Hast du etwa schon Erfahrung damit, dich nicht in solche Dinge einzumischen?“ Er hob eine Augenbraue. „Oder hast du selbst einmal jemanden gehabt, der dir ungefragt erklären wollte, was gut für dein Herz wäre?“ Der Kessel begann leise zu knistern. G'raha wartete geduldig auf ihre Antwort.

Ein schiefes Lächeln zierte ihre Mundwinkel bei seinen Worten, und sie nickte zustimmend. „Ich glaube, liebe Grüße von Mina würde besser passen. Wenn du mal deine Favoritin von mir grüßen solltest und ihr sagst, dass der Gruß von einer neuen Freundin kommt, könnte es sein, dass sie ganz schnell weg ist, wenn sie es in den falschen Hals bekommt. Und ich will nicht daran schuld sein oder der Grund, warum deine Flamme das Weite gesucht hat“, tippte sie sich auf die Brust. „Was willst du für Tee?“, fragte sie, als der Kessel langsam anfing zu kochen. Sie drehte G'raha den Rücken zu und beugte sich zu dem Schrank unter der Anrichte herunter, wobei er einen freien Ausblick auf ihren Hintern hatte. „Ich kann dir Kräutertee, Kamille, Schwarztee oder Hibiskus anbieten. Ich denke mal, dass du Rosentee eher nicht trinkst“, kam es von ihr. „Und ich leider mehr Erfahrung damit habe, mich in solche Sachen nicht einzumischen, als mir lieb wäre. Daran wäre beinahe sogar meine Freundschaft zu meiner Freundin zerbrochen wegen eines Typen. Wobei sie mich öfter trösten musste als ich sie“, kam es von ihr, und ihr Schweif wedelte leicht hin und her.

G'rahas Ohren zuckten bei Minas Erklärung, und für einen Moment sah er sie mit einem Ausdruck an, der irgendwo zwischen Belustigung und Überraschung lag. „Meine Favoritin, hm?“ Ein kleines Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Du hast dieser unbekannten Person bereits einen bemerkenswert hohen Rang verliehen, ohne sie überhaupt kennenzulernen.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Aber keine Sorge. Ich werde deinen Rat beherzigen. Sollte sich irgendwann tatsächlich eine Gelegenheit ergeben, werde ich ihr einfach deine Grüße ausrichten.“ Sein Schweif bewegte sich langsam hinter ihm. „Und ich werde selbstverständlich erwähnen, dass sie von einer neuen Freundin stammen.“ Er hob eine Augenbraue. „Wobei ich bezweifle, dass sie deswegen gleich davonläuft.“ Ein kurzer, nachdenklicher Blick. „Zumindest hoffe ich das.“

Als Mina sich zum Schrank hinunterbeugte, wandte G'raha den Blick höflich zur Seite und beschäftigte sich demonstrativ mit dem Muster der Tischdecke. „Schwarztee wäre hervorragend.“ Er sah erst wieder zu ihr, als sie sich aufrichtete. „Und du hast recht. Rosentee wäre vermutlich nicht meine erste Wahl.“ Ein amüsiertes Funkeln erschien in seinem Auge. „Obwohl ich dir zutraue, mir irgendwann genau diesen anzubieten, nur um zu sehen, ob ich mich beschwere.“

Dann wurde sein Gesichtsausdruck ernster, als Mina von ihrer Freundin erzählte. „Beinahe wäre eure Freundschaft daran zerbrochen?“ Er legte die Hände locker auf den Tisch. „Das klingt, als wäre diese Angelegenheit ziemlich unangenehm gewesen.“ Seine Ohren senkten sich ein wenig. „Und wenn deine Freundin dich häufiger trösten musste als umgekehrt... dann nehme ich an, dass du selbst dabei nicht gerade glimpflich davongekommen bist.“ Er musterte sie einen Moment. „Vielleicht erklärt das auch, warum du heute so vorsichtig bist.“ Seine Stimme blieb ruhig. „Nicht nur, weil du anderen Menschen ihre Erfahrungen selbst machen lassen möchtest. Sondern weil du inzwischen weißt, wie schmerzhaft es sein kann, wenn man sich in jemanden hineinsteigert und am Ende enttäuscht wird.“

Dann lächelte er wieder leicht. „Aber immerhin hast du daraus etwas gelernt.“ Sein Blick wanderte zu ihrem leicht wedelnden Schweif. „Und offenbar hast du eine Freundin, die geblieben ist, obwohl es zwischen euch beinahe wegen eines Mannes gekracht hätte.“ Er hob die Augenbrauen. „Das ist vermutlich die Sorte Freundschaft, die man behalten sollte.“

Der Kessel begann inzwischen deutlich zu pfeifen. G'raha deutete mit einem Finger darauf. „Ich glaube übrigens, dein Wasser ist der Meinung, dass wir uns gerade zu sehr unterhalten.“ Ein schelmisches Lächeln erschien. „Oder es möchte mich einfach daran erinnern, dass ich eigentlich auf meinen Tee warte.“

Gebeugt drehte sie sich zu G'raha um. „Bist du lebensmüde? Also, wenn, dann solltest du gleich klären, dass ‚neue Freundin‘ “, und sie machte mit je zwei Fingern in der Luft Hasenohren, „wirklich nur eine Freundin ist. Manche Frauen wollen das auch missverstehen“, bevor sie sich mit dem Schwarztee aufrichtete. „Ich konnte den Typen einfach nicht ab“, gestand sie knapp. „Schlussendlich hatte sie ihn selber in die Wüste geschickt, ohne eine Träne. Aber seit einem Jahr hat sie 'nen Neuen, mit dem komme ich ganz gut klar“, plapperte sie weiter. „Als ob ich dir meinen Rosentee gebe. Den gab es damals bei einem Teehaus, das heute leider nicht mehr existiert, bei der Kirschblüte“, erklärte sie und nahm den pfeifenden Wasserkessel vom Herd. „Tja, wie gesagt, ich hatte einige Männer. Aber ich hab mich da nicht hineingesteigert. Ich hab sie geliebt und wurde leider jedes Mal bitter enttäuscht. Da wird man irgendwann automatisch vorsichtiger, wenn einem so oft das Herz gebrochen wurde.“ Sie stellte den Wasserkessel zurück auf den Herd. „Zucker?“, fragte sie mit einem Blick über die Schulter. „Ja, meine Freundin ist Gold wert. Sie hat eine Engelsgeduld mit mir.“

G'raha hob beide Hände, als Mina ihn so eindringlich warnte. „Gut, gut! Ich habe verstanden.“ Sein sichtbares Auge funkelte amüsiert. „Nur eine Freundin. Mit deutlichen Anführungszeichen.“ Er machte die Bewegung mit seinen Fingern nach und schüttelte lachend den Kopf. „Ich werde mich hüten, einer unbekannten Dame versehentlich Anlass zu geben, mich mit Fragen zu bombardieren.“

Dann wurde sein Gesichtsausdruck etwas nachdenklicher, als Mina von ihrer Freundin und deren früherem Partner erzählte. „Dann war dein Instinkt offenbar nicht völlig unbegründet.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Wenn du ihn nicht ausstehen konntest und sie ihn letztendlich selbst in die Wüste geschickt hat, scheint sie ja ebenfalls irgendwann zu derselben Erkenntnis gekommen zu sein.“ Ein kleines Lächeln erschien. „Und schön zu hören, dass sie inzwischen jemanden gefunden hat, mit dem du dich sogar gut verstehst.“

Bei ihrer Erklärung über den Rosentee hob er interessiert die Augenbrauen. „Bei der Kirschblüte?“ Er lächelte. „Das klingt nach einem Tee, den ich tatsächlich einmal probieren würde.“ Eine kurze Pause. „Schade, dass das Teehaus nicht mehr existiert.“

Dann hörte er Minas letzte Worte. Sein Ausdruck veränderte sich merklich. Die Neckereien verschwanden für einen Moment aus seinem Gesicht. „Mehrmals...“ Er wiederholte das Wort leise. „Dann verstehe ich besser, warum du vorsichtig bist.“ Sein Blick blieb ruhig auf ihr liegen. „Jemanden zu lieben und immer wieder enttäuscht zu werden, hinterlässt vermutlich irgendwann seine Spuren.“ Er machte keine weiteren Fragen daraus. Stattdessen nickte er langsam. „Dann ist deine Vorsicht keine schlechte Eigenschaft.“ Ein kleines, warmes Lächeln erschien. „Vielleicht ist sie einfach eine Art, dein Herz zu schützen.“

Bei ihrer Frage nach dem Zucker entspannte sich sein Gesicht wieder. „Ja, bitte. Einen Löffel.“ Er wartete, während sie sich um den Tee kümmerte. Dann fügte er mit einem leichten Schmunzeln hinzu: „Und ich glaube, deine Freundin hat tatsächlich etwas von einer Engelsgeduld, wenn sie dich durch all diese Geschichten begleitet hat.“ Er nahm die Tasse entgegen, sobald Mina sie ihm reichte, und betrachtete kurz den aufsteigenden Dampf. „Du solltest ihr das vielleicht irgendwann sagen.“ Er hob den Blick zu Mina. „Menschen, die bleiben, wenn es schwierig wird, verdienen es schließlich zu wissen, dass man das bemerkt.“

Ein kleiner Schluck. „Und was dich betrifft...“ Er stellte die Tasse wieder ab. „Du musst mir nicht erzählen, wer dir wann das Herz gebrochen hat.“ Seine Stimme war ruhig und ernst. „Aber falls du irgendwann wieder jemanden kennenlernst und du merkst, dass deine Vorsicht dich davon abhält, herauszufinden, ob dieser Mensch es ehrlich mit dir meint...“ Er lächelte leicht. „Dann darfst du dich daran erinnern, dass nicht jeder Mensch automatisch dieselbe Geschichte wiederholt.“ Eine kurze Pause. „Manche sind tatsächlich anders.“ Sein Blick ruhte einen Moment länger auf ihr. „Auch wenn es natürlich klüger ist, das erst herauszufinden, bevor man ihnen sein ganzes Herz überlässt.“

Nachdem sie sich selbst an den Tisch gesetzt hatte, nickte sie. „Das weiß sie, dass sie ein Engel für mich ist. Hab es ihr ja jedes Mal gesagt, wenn sie mich, heulendes Elend, getröstet hatte. Ich bin froh, dass du nicht so viele schlechte Erfahrungen gemacht hast. Und dass du diese interessante Person mit heilem Herzen ohne Vorurteile kennenlernen kannst. Und ich rede nicht über verbrannte Erde. Nicht, dass du dir unwissentlich etwas von diesen miesen Typen, die ich hatte, abschaust und sie dann doch vergraulst damit. Das will ich nicht. Das sind erstens diese Typen nicht wert und zweitens bist du mir zu kostbar, dass du dir selber vielleicht deswegen das Herz brichst.“

Sie schaute dann kurz auf das Tischtuch und nickte. „Ich werde daran denken, auch wenn es mir nicht leichtfällt. Einerseits will ich, aber da ist dann wieder diese Angst. Aber ich denke mal, dass deine zukünftige ‚Freundin‘, wenn es was wird mit euch, dir ohne Bedenken vertraut. Wenn du nicht etwas Falsches sagst und sie deine Wortwitze versteht.“

Er nahm noch einen Schluck von seinem Schwarztee und ließ den Blick einen Moment über die Tasse wandern, bevor er wieder zu Mina sah. Ihre Worte über ihn und die unbekannte Frau ließen sein Lächeln jedoch langsam verschwinden. Nicht aus Ärger. Eher, weil sie ihn tatsächlich berührt hatten.

„Mina...“ Er stellte die Tasse vorsichtig auf dem Tisch ab. „Du machst dir erstaunlich viele Gedanken darüber, dass ich nicht verletzt werde.“ Sein sichtbares Auge ruhte aufmerksam auf ihr. „Dabei kennen wir uns noch gar nicht so lange.“ Ein kleines, warmes Lächeln erschien. „Und trotzdem sagst du mir, dass ich dir zu kostbar bin, um mein Herz an irgendetwas zu verlieren, das es nicht wert ist.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Das ist... sehr lieb von dir.“

Eine kurze Pause. „Und ich werde versuchen, mir von deinen schlechten Erfahrungen tatsächlich nichts abzuschauen.“ Sein Schweif bewegte sich langsam hinter ihm. „Aber du darfst eines nicht vergessen: Ich bin nicht völlig unerfahren.“ Ein Hauch von Selbstironie lag in seiner Stimme. „Ich habe in meinem Leben genügend Menschen kennengelernt, um zu wissen, dass jeder seine eigene Geschichte mit sich trägt.“

Er lehnte sich etwas zurück. „Und wenn diese Frau tatsächlich irgendwann mehr als eine Freundin für mich werden sollte, dann möchte ich sie kennenlernen, wie sie ist. Nicht anhand irgendwelcher Vorstellungen, die ich von ihr haben könnte.“ Sein Blick wurde weicher. „Genau wie ich dich kennenlernen möchte.“

Dann bemerkte er ihren Blick auf die Tischdecke und ihre vorsichtige Aussage über die Angst. G'raha schwieg einen Moment. „Ich glaube nicht, dass Vertrauen bedeutet, keine Angst mehr zu haben.“ Er strich mit dem Daumen langsam über den Henkel seiner Tasse. „Vielleicht bedeutet es eher, trotz dieser Angst vorsichtig einen Schritt nach dem anderen zu machen.“

Dann musste er bei ihrer Bemerkung über seine zukünftige „Freundin“ schmunzeln. „Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, hoffe ich doch sehr, dass sie meine Wortwitze versteht.“ Er legte eine Hand an die Brust. „Schließlich sind sie von höchster Qualität.“ Ein gespielt stolzer Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. „Und falls sie das nicht tut...“ Er seufzte theatralisch. „...werde ich mich wohl damit abfinden müssen, meine besten Wortspiele künftig nur noch mit dir zu teilen.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Was vermutlich eine ausgesprochen schwere Bürde für dich wäre.“

Dann wurde er wieder etwas ernster. „Aber eines kann ich dir versprechen.“ Er sah ihr direkt in die grünen Augen. „Ich werde niemanden absichtlich verletzen, nur weil ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Und ich werde auch nicht zulassen, dass die Fehler anderer Menschen bestimmen, wie ich einen neuen Menschen behandle.“ Ein kleines Lächeln erschien. „Das wäre schließlich ziemlich unfair.“

Er nahm wieder einen Schluck Tee. „Und wenn du irgendwann jemanden kennenlernst, bei dem dein Herz schneller schlägt...“ Sein Blick wurde sanft. „...dann hoffe ich, dass du dir selbst erlaubst, herauszufinden, ob er dein Vertrauen verdient.“ Er hob leicht die Tasse. „Und wenn du dabei gelegentlich jemanden brauchst, der dich daran erinnert, dass nicht jeder Mann ein Idiot ist...“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge. „...weißt du ja, wo du mich findest.“

„G'raha... Ich habe bisher noch nie jemanden kennengelernt, mit dem ich so gelacht habe wie mit dir. Der meine Wortwitze versteht und sie auch mitmacht. Das bedeutet mir sehr viel“, gestand sie sanft. Dann legte sie zum ersten Mal sanft ihre Hand auf seinen Unterarm. „Ich habe dich bis jetzt als herzensguten und lebenslustigen Miqo'te kennengelernt. Dass man das bis jetzt noch nicht abgrundtief ausgenutzt hat, ist wohl deinen Freunden und deiner Familie zu verdanken, die auf dich aufpassen, wo ich jetzt auch wohl zu gehöre. Und ja, auch deine eigenen Erfahrungen. Und ich werde nicht zulassen, dass man dir wehtut, und wenn sie dir wehtun sollte, schwöre ich dir, werde ich das erste Mal meine Faust erheben und ihr ein Feilchen verpassen, was sich gewaschen hat“, kam es feierlich von ihr. Sie schmunzelte dann breit bei seinen Worten und nickte. „Und ich werde ihn dir vorstellen, damit du ihn selber auf Herz und Nieren prüfen kannst, ob er meiner würdig ist.“

G'raha war für einen Moment vollkommen still. Nicht wegen ihrer drohenden Faust – obwohl seine Ohren bei der Vorstellung durchaus überrascht nach oben schnellten. Es war ihre Hand auf seinem Unterarm. Und vor allem das, was sie gesagt hatte.

Sein Blick senkte sich kurz auf ihre Hand, dann wieder zu ihren grünen Augen. Sein sonst so leichtes, schelmisches Lächeln war einem viel weicheren Ausdruck gewichen. „Mina...“ Er ließ ihren Namen einen Moment zwischen ihnen stehen. „Das bedeutet mir ebenfalls sehr viel.“ Seine Stimme war leiser als zuvor. „Mehr, als du vielleicht denkst.“

Sein Schweif bewegte sich langsam hinter ihm, während er ihre Worte auf sich wirken ließ. „Ich habe viele Menschen kennengelernt. Freunde, Gefährten, Menschen, mit denen ich Seite an Seite gekämpft habe.“ Er lächelte schwach. „Aber es ist etwas anderes, jemanden zu treffen, bei dem man einfach... man selbst sein kann.“

Sein Blick blieb auf ihr ruhen. „Mit dir muss ich nicht ständig der Archäologe, der Gelehrte oder derjenige sein, der auf irgendeine wichtige Aufgabe wartet.“ Ein kleines Schmunzeln erschien. „Ich kann einfach G'raha sein.“

Dann blickte er wieder kurz auf ihre Hand. „Und dass du mich inzwischen zu den Menschen zählst, auf die du aufpassen möchtest...“ Seine Ohren senkten sich leicht, diesmal vor Rührung. „Das ist ein ziemlich großes Kompliment.“

Bei ihrer feierlichen Drohung hob sich jedoch seine Augenbraue. „Allerdings muss ich bei einem Punkt widersprechen.“ Er deutete mit einem Finger auf sie. „Du wirst niemandem eine verpassen.“ Sein Gesicht nahm einen gespielt strengen Ausdruck an. „Ich möchte wirklich ungern erklären müssen, warum meine neue Freundin einer anderen Person eine Faust ins Gesicht gesetzt hat.“ Eine kurze Pause. „Vor allem, wenn ich möglicherweise der Grund dafür bin.“

Dann brach sein Grinsen wieder hervor. „Aber ich muss zugeben...“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Es ist beruhigend zu wissen, dass ich offenbar inzwischen einen persönlichen Schutzgeist mit sehr ausgeprägten Kampffähigkeiten habe.“ Sein sichtbares Auge funkelte. „Ich werde mich bemühen, diese Verantwortung nicht auszunutzen.“

Als Mina dann meinte, sie würde ihm ihren zukünftigen Partner vorstellen, damit er ihn auf Herz und Nieren prüfen könne, lachte G'raha. „Oh, das klingt nach einer gefährlichen Vereinbarung.“ Er hob seine Tasse. „Ich fürchte, ich würde tatsächlich sehr viele Fragen stellen.“ Er setzte die Tasse wieder ab. „Und ich würde vermutlich besonders darauf achten, wie er mit dir spricht, ob er dir zuhört und ob er dich zum Lachen bringt.“ Ein warmes Lächeln erschien. „Denn wenn er dich nicht zum Lachen bringen kann, sehe ich bereits ein ernsthaftes Problem.“

Sein Blick wurde wieder etwas neckischer. „Allerdings werde ich mich bemühen, ihn nicht gleich beim ersten Treffen zu verhören.“ Eine kurze Pause. „Vielleicht.“ Er lachte leise.

Dann sah er wieder auf ihre Hand an seinem Unterarm. Für einen Moment schien er etwas sagen zu wollen. Stattdessen ließ er die Nähe einfach zu. „Und, Mina?“ Seine Stimme war ruhig. „Du gehörst nicht deshalb zu den Menschen, auf die ich zählen kann, weil du mich vor einer imaginären Herzensbrecherin beschützen willst.“ Ein sanftes Lächeln erschien. „Du gehörst dazu, weil du mir gerade eben gezeigt hast, dass dir mein Wohlergehen wirklich wichtig ist.“ Er hielt ihren Blick. „Und das... werde ich nicht vergessen.“

Als er sagte Mehr, als du vielleicht denkst, stockte ihr kurz der Atem. „Ich weiß nicht, ob es eine gute oder schlechte Eigenschaft ist, Leute zu schnell in mein Herz zu schließen. Und es freut mich, dass du so gelöst sein kannst in meiner verrückten Gegenwart“, lachte sie. „Ich würde das auch für jeden anderen tun, der mir wichtig ist, G'raha“, und schaute dann zu ihrer Hand, die immer noch leicht auf seinem Unterarm ruhte.

„Aber warum imaginär, wenn du jemanden kennengelernt hast, den du interessant findest?“, fragte sie und zog langsam ihre Hand zurück. Sie kratzte sich dann am Hinterkopf. „Da muss er dann wohl durch, und wenn er aussieht wie ein Schweizer Käse... entweder er besteht oder eben nicht.“ Danach legte sie ihre Hand wieder auf die Tischplatte.

G'rahas Blick folgte unwillkürlich ihrer Hand, als sie sie langsam von seinem Unterarm zurückzog. Für einen kurzen Moment blieb sein Blick dort hängen, ehe er wieder zu ihrem Gesicht sah.

Bei ihrer Bemerkung über das schnelle Schließen von Menschen in ihr Herz lächelte er sanft. „Ich würde es nicht unbedingt als schlechte Eigenschaft bezeichnen.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Vielleicht macht es dich verletzlicher. Aber es bedeutet auch, dass du anderen Menschen eine Chance gibst, bevor sie dir überhaupt einen Grund dafür geliefert haben.“ Sein Daumen strich gedankenverloren über den Henkel seiner Tasse. „Ich glaube, das ist etwas, das man nicht verlieren sollte. Man muss nur lernen, wem man sein Vertrauen schenkt.“

Bei ihrem Lachen musste auch er schmunzeln. „Und was meine gelöste Art betrifft...“ Er sah sie mit einem warmen Funkeln an. „Ich fürchte, deine verrückte Gegenwart hat tatsächlich einen gewissen Einfluss auf mich.“ Eine kurze Pause. „Aber ich kann nicht behaupten, dass ich mich darüber beschwere.“

Dann kam ihre Frage. Warum imaginär, wenn du jemanden kennengelernt hast, den du interessant findest? G'raha hielt inne. Seine Ohren richteten sich auf. Für einen Augenblick sah es beinahe so aus, als hätte sie ihn mit dieser simplen Frage vollkommen unvorbereitet erwischt.

„Nun...“ Er wich ihrem Blick diesmal nicht aus. „Weil interessant und Herzensangelegenheit zwei verschiedene Dinge sein können.“ Sein Tonfall war ruhig, beinahe vorsichtig. „Ich habe dir ja noch gar nicht erzählt, wie weit diese Bekanntschaft überhaupt geht.“

Er nahm einen kleinen Schluck Tee. „Vielleicht ist sie einfach jemand, dessen Gesellschaft ich sehr schätze.“ Sein Blick blieb auf ihr. „Vielleicht möchte ich sie erst noch viel besser kennenlernen, bevor ich mir selbst einrede, dass daraus etwas anderes werden könnte.“ Ein kaum merkliches Lächeln erschien. „Und vielleicht...“ Er ließ die Worte einen Moment stehen. „...ist mir ihre Freundschaft momentan wichtiger, als sie durch irgendwelche vorschnellen Annahmen zu gefährden.“ Sein Schweif bewegte sich langsam.

Dann musste er bei ihrer Vorstellung von einem Schweizer Käse wieder lachen. „Ich glaube, ich sollte dich wirklich niemals mit meine zukünftige Partnerin allein lassen.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Du würdest sie vermutlich mit Fragen löchern, bis sie sich freiwillig selbst zur Untersuchung meldet.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Und sollte sie tatsächlich danach aussehen wie ein Schweizer Käse, werde ich vermutlich Schwierigkeiten haben, dich davon abzuhalten, ihr noch weitere Löcher zu verpassen.“

Er lehnte sich etwas zurück. „Aber gut. Ich nehme deine Bedingungen zur Kenntnis.“ Dann wurde sein Ausdruck wieder sanfter. „Du willst also, dass derjenige, der irgendwann dein Herz bekommt, beweist, dass er dich verdient.“ Eine kurze Pause. „Das kann ich verstehen.“

Sein Blick wanderte für einen Moment auf die Hand, die nun auf der Tischplatte lag. „Und wenn du jemanden gefunden hast, bei dem du dich sicher fühlst...“ Er hob wieder den Blick. „...dann hoffe ich, dass du ihm genauso viel Vertrauen entgegenbringen kannst, wie du mir inzwischen entgegenbringst.“ Ein kleines Lächeln erschien. „Auch wenn ich zugeben muss, dass ich bei dem Gedanken, dass irgendein armer Kerl eines Tages vor mir sitzen und meine Prüfung bestehen muss, durchaus neugierig werde.“

Sein sichtbares Auge funkelte. „Vielleicht sollte ich ihm vorher zumindest sagen, dass er sich auf eine Prüfung vorbereiten sollte.“ Eine kurze Pause. „Obwohl...“ Er hob eine Augenbraue. „...wenn er wirklich gut zu dir ist, sollte er das vermutlich ohnehin ohne meine Hilfe schaffen.“

Ihre Ohren zuckten kurz nach hinten. „Warum musst du dir dann einreden, dass aus deiner Bekanntschaft mehr werden könnte?“, fragte sie. „Entweder gewinnt sie dein Herz für sich oder sie ist nicht die Richtige. Du musst dir nichts einreden oder dich zwingen, Gefühle für sie zu haben, nur weil sie dich anschmachtet. Wenn es bei dir nicht funkt, dann ist es eben so, G'raha“, kam es von ihr, und sie grinste. „Ich glaube, wenn du mir deine zukünftige Partnerin vorstellst, wird sie es doppelt schwer haben. Denn nicht nur du, sondern vermutlich die anderen von dir wollen sie auch kennenlernen und sie dementsprechend dann auch löchern. Ich glaube, danach wird sie dann aussehen wie ein Sieb“, kicherte sie.

G'raha hob bei ihren Worten langsam eine Augenbraue. Für einen Moment wirkte er tatsächlich ein wenig überrascht, dann musste er leise lachen. „Du hast da etwas missverstanden.“ Er nahm seine Tasse zwischen beide Hände und sah in den dunklen Tee. „Ich meinte nicht, dass ich mir einreden muss, Gefühle für sie zu entwickeln.“ Sein Blick hob sich wieder zu Mina. „Ich meinte, dass ich mir selbst noch nicht erlauben möchte, vorschnell zu entscheiden, was ich für sie empfinde.“

Er machte eine kurze Pause. „Und was das Anschmachten betrifft...“ Ein amüsiertes Zucken ging durch seine Ohren. „Ich glaube nicht, dass ich gerade von einer Frau verfolgt werde, die mich mit aller Macht für sich gewinnen möchte.“ Sein Lächeln wurde etwas schiefer. „Zumindest hoffe ich das.“

Dann wurde sein Ausdruck ruhiger. „Du hast aber recht. Gefühle kann man nicht erzwingen. Wenn es nicht funkt, dann funkt es nicht.“ Er nickte langsam. „Und ich würde niemandem etwas vorspielen wollen, nur weil ich glaube, dass ich es sollte.“ Sein Blick blieb einen Moment länger auf ihr liegen. „Das wäre weder ihr noch mir gegenüber fair.“

Bei ihrer Vorstellung von der zukünftigen Partnerin, die nach einem Treffen mit ihm, seinen Freunden und vermutlich seiner Familie wie ein Sieb aussehen würde, musste er herzlich lachen. „Du hast völlig recht.“ Er hob eine Hand. „Alisaie würde Fragen stellen.“ Ein Finger. „Y'shtola würde wahrscheinlich nur diesen Blick aufsetzen, bei dem man bereits weiß, dass sie wesentlich mehr bemerkt hat, als sie sagt.“ Ein zweiter Finger. „Und wenn ich meine Familie mit einbeziehe...“ Er ließ die Hand sinken und seufzte gespielt. „...dann hat die arme Frau vermutlich tatsächlich keine Chance.“

Sein Grinsen wurde breiter. „Vielleicht sollte ich ihr vorher eine schriftliche Warnung zukommen lassen.“ Er nahm einen Schluck Tee. „Sehr geehrte Dame, herzlichen Glückwunsch. Sie haben soeben das Interesse einer ausgesprochen neugierigen Miqo'te, einer noch neugierigeren Alisaie und mindestens einer sehr aufmerksamen Y'shtola geweckt.“ Er hielt inne. „Bitte erscheinen Sie zum Verhör mit ausreichend Geduld und Snacks.“ Er lachte erneut.

Dann wurde er stiller. „Wobei...“ Sein Blick wanderte zu Mina. „Ich glaube, eine Person würde sie nicht besonders gründlich ausfragen.“ Ein kleines Lächeln erschien. „Du.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Du würdest ihr vermutlich eher Glück wünschen und ihr sagen, dass sie gut auf mich aufpassen soll.“ Sein Schweif schwang langsam hinter ihm. „So wie du es gerade getan hast.“

Für einen Moment sagte er nichts weiter. Dann fügte er mit einem leisen, beinahe neckischen Ton hinzu: „Obwohl ich mich inzwischen frage, warum du eigentlich so sehr darauf bedacht bist, dass diese geheimnisvolle Frau glücklich mit mir wird.“ Seine Augen funkelten. „Du scheinst ihr ja schon ausgesprochen wohlgesonnen zu sein, obwohl du nicht einmal weißt, wer sie ist.“

Bei seinen ersten Sätzen nickte sie. „Verstehe. Zumindest scheint sie nach deinen Worten keine verrückte Stalkerin zu sein, die dich auf Schritt und Tritt überwacht. Das spricht schon mal für sie“, kam es von ihr, und ihr Schweif wedelte hinter ihr. „Vor allem: Gefühle vorzuspielen ist recht schwer aufrechtzuerhalten. Irgendwann wird es vermutlich eh herauskommen und sie mega enttäuscht sein, vermute ich mal.“ Sie kicherte dann bei G'rahas schriftlicher Warnung.

„Was, ich?“, ihr Kopf ruckte ein Stück verwundert nach hinten, und sie deutete mit dem Finger auf sich selbst. „Warum sollte ich nicht? Ich freue mich, wenn meine Freunde ihr Glück gefunden haben. Und wenn ich höre, wie du von ihr sprichst – auch wenn du nichts Genaueres erwähnst –, scheint sie eine recht liebe Person zu sein.“

G’raha musste bei ihrer Einschätzung leise lachen.

„Das ist tatsächlich schon einmal ein beruhigender Anfang. Keine Stalkerin, keine Verrückte ...“ Er hob einen Finger. „Und offenbar jemand, der mich bisher nicht mit einer übermäßigen Menge Liebesbriefen verfolgt.“ Sein Schweif zuckte amüsiert. „Ich sollte mich also glücklich schätzen.“

Als Mina dann davon sprach, dass vorgespielte Gefühle irgendwann ohnehin auffliegen würden, nickte er zustimmend. „Ganz genau.“ Sein Gesicht wurde etwas ernster. „Man kann anderen Menschen vielleicht eine Weile etwas vorspielen. Aber sich selbst gegenüber wird es irgendwann schwierig.“ Er strich gedankenverloren mit dem Daumen über den Tassenrand. „Und wenn die andere Person wirklich Gefühle entwickelt hat, würde es sie am Ende vermutlich umso härter treffen.“ Ein kurzer Moment Stille. „Deshalb würde ich lieber ehrlich sein. Auch wenn Ehrlichkeit manchmal unangenehm ist.“

Bei ihrer Reaktion auf seine Frage musste er wieder schmunzeln. „Ja, du.“ Er deutete auf sie, als müsste er das noch einmal eindeutig klarstellen. „Du würdest ihr Glück wünschen.“ Er lächelte. „Das glaube ich dir sofort.“

Doch bei ihren letzten Worten veränderte sich sein Ausdruck. Eine recht liebe Person. G’raha sah Mina einen Moment lang einfach nur an. Dann fragte er ruhig: „Und woran machst du das fest?“ Er legte den Kopf leicht schief. „Du kennst sie nicht. Du hast noch kein einziges Wort mit ihr gewechselt.“ Ein kleines, nachdenkliches Lächeln erschien. „Und trotzdem hast du gerade entschieden, dass sie vermutlich ein lieber Mensch ist.“

Er nahm seine Tasse wieder auf, trank aber nicht daraus. „Vielleicht hast du recht.“ Sein Blick blieb auf ihr. „Vielleicht ist sie das.“ Eine kurze Pause. „Vielleicht ist sie sogar jemand, der mir sehr wichtig werden könnte.“ Seine Stimme war dabei auffallend ruhig. Dann stellte er die Tasse wieder ab. „Aber weißt du, was ich interessant finde?“ Sein sichtbares Auge funkelte leicht. „Du hast kein einziges Mal gefragt, wer sie ist.“

Er lehnte sich etwas zurück. „Du hast mich nicht gedrängt, mir ihren Namen zu verraten. Du hast mir Glück gewünscht. Du hast sogar darüber nachgedacht, wie du sie willkommen heißen würdest, falls du sie irgendwann kennenlernst.“ Ein kleines Lächeln. „Das ist ausgesprochen selbstlos von dir.“ Seine Ohren zuckten. „Und gleichzeitig frage ich mich, ob du wirklich nur deshalb so entspannt bist, weil du dich für deinen Freund freust.“

Er ließ den Satz bewusst offen. Sein Grinsen wurde schließlich etwas schelmischer. „Oder ob du einfach sehr gut darin bist, deine eigene Neugier zu verbergen.“

Sie beugte sich vor und ihre Ohren wippten kurz. „Ist dir das schon mal passiert? Dass du mit Liebesbriefen bombardiert wurdest?“, fragte sie und ihr Schweif zuckte hinter ihr. „Woran ich das festmache, dass sie wohl eine liebe Person ist?“, fragte sie und drehte sich auf dem Stuhl zur Seite, um aufzustehen und zum Kühlschrank zu gehen. Kurz hielt sie überlegend den Griff des Kühlschranks fest, bevor sie ihn öffnete, wobei G’raha ihr Gesicht nicht sehen konnte.

„Ich weiß selber, wie unangenehm solche Fragen sind. Und dann werden irgendwelche Theorien aufgestellt und man stellt sich selber Fragen, die vielleicht einen zweifeln lassen. Weil man den Urteilen seiner Freunde ja auch vertrauen möchte.“ Sie stellte eine Flasche Rolandbeerensaft auf die Anrichte und schloss den Kühlschrank, bevor sie zu einem Glas griff, das im Schrank stand, und sich Saft eingoss. „Und so, wie du von ihr sprichst, wie dein Auge funkelt und wie du lächelst, muss sie schon etwas Besonderes für dich sein.“ Sie drehte sich dann mit dem Glas in der Hand um und trank einen Schluck. „Ich will dir das nicht mies machen, und irgendwann werde ich sicher ihren Namen erfahren. Aber wenn das erst mal dein kleines Geheimnis ist, akzeptiere ich das. Erinnerst du dich? Grenzen akzeptieren? Das tue ich hiermit.“

G’raha beobachtete Mina aufmerksam, während sie sich erhob und zum Kühlschrank ging. Bei ihrer ersten Frage hob er überrascht eine Augenbraue. „Liebesbriefe?“ Ein leises Lachen. „Nun ... bombardiert wäre vielleicht etwas übertrieben.“ Er nahm einen weiteren Schluck Tee. „Aber ja. Es gab eine Zeit, in der ich tatsächlich eine erstaunliche Menge davon bekommen habe.“ Sein Schweif zuckte leicht. „Einige waren ausgesprochen höflich. Andere ... deutlich weniger.“ Er schüttelte mit einem amüsierten Seufzen den Kopf. „Ich erinnere mich an einen Brief, der beinahe länger war als ein Bericht über eine vollständige Expedition.“ Sein sichtbares Auge funkelte. „Ich habe nach der dritten Seite aufgegeben.“

Dann wurde er stiller, während Mina erklärte, warum sie die unbekannte Frau für einen lieben Menschen hielt. Als sie mit dem Rücken zu ihm am Kühlschrank stand, konnte G’raha ihr Gesicht nicht sehen. Aber ihre Worte waren deutlich genug. Er hörte aufmerksam zu, und je länger sie sprach, desto mehr wich das amüsierte Funkeln aus seinem Auge einem nachdenklichen Ausdruck.

Als sie schließlich davon sprach, Grenzen zu respektieren, senkte er kurz den Blick. „Ja.“ Seine Stimme war ruhig. „Ich erinnere mich.“ Er sah wieder zu ihr. „Und ich schätze das.“ Eine kleine Pause. „Sehr sogar.“ Er ließ sie ihren Saft trinken, ohne sie zu unterbrechen. Dann sagte er leise: „Du hast recht. Es wäre nicht fair, wenn ich dir erst sage, dass du meine Grenzen respektieren sollst, und mich anschließend darüber wundere, dass du genau das tust.“ Ein warmes Lächeln. „Also bleibt es vorerst mein kleines Geheimnis.“

Sein Schweif bewegte sich langsam. „Und wenn du irgendwann ihren Namen erfährst, dann hoffentlich nicht, weil du ihn mir aus der Nase gezogen hast.“ Bei ihrer Beobachtung über sein Auge und sein Lächeln musste er jedoch kurz schmunzeln. „Du bist wirklich aufmerksam.“ Er legte einen Finger an seine Schläfe. „Das Auge habe ich gar nicht bemerkt.“ Eine kurze Pause. „Aber das Lächeln ...“ Sein Blick wurde etwas weicher. „Vielleicht verrät mich das tatsächlich.“

Er lehnte sich zurück und betrachtete sie. „Du weißt schon, dass du gerade etwas sehr Interessantes gesagt hast, oder?“ Ein kleines Grinsen. „Du hast nicht gesagt, wenn du sie irgendwann kennenlernst. Du hast gesagt, wenn du irgendwann ihren Namen erfährst.“ Er deutete mit einem Finger auf sie. „Das klingt beinahe so, als hättest du bereits beschlossen, dass sie irgendwann Teil deines Lebens sein wird.“

Dann schüttelte er amüsiert den Kopf. „Aber gut. Ich werde dich nicht weiter damit aufziehen.“ Er nahm seine Tasse und betrachtete den Tee. „Und was deine Einschätzung betrifft ...“ Er sah wieder zu ihr. „Ja.“ Ein ruhiges, ehrliches Lächeln. „Sie ist mir wichtig.“ Mehr sagte er nicht. Stattdessen ließ er ihr genau die Grenze, die sie ihm gerade zugestanden hatte.

Dann hob er seine Tasse ein wenig. „Auf Geheimnisse, die man einander freiwillig anvertraut.“ Sein Auge funkelte. „Und auf Freunde, die wissen, wann sie neugierig sein dürfen ... und wann nicht.“

Sie schmunzelte, als er über die Liebesbriefe sprach. „Ja, es gibt schon verrückte Frauenzimmer auf der Welt“, sinnierte sie und setzte sich dann wieder an den Tisch. „Na, wenn wir weiterhin befreundet bleiben, wirst du sie sicher irgendwann einmal mitbringen oder sie möchte von sich aus deine Freunde kennenlernen. Was verständlich wäre. Man möchte auch von den Freunden des Partners akzeptiert und gemocht werden.“ Sie lächelte G’raha lieb an. „Das ist schön, dass sie dir wichtig ist, auch wenn ich zugebe, dass ich neugierig bin“, gestand sie und hob dann ihr Glas, um ihm zuzuprosten.

G’raha hob seine Tasse ebenfalls, als Mina ihm zuprostete. „Auf die Neugier“, sagte er mit einem kleinen Lächeln. „Sie ist schließlich eine deiner auffälligsten Eigenschaften.“ Er ließ die Tasse leicht gegen ihr Glas tippen, bevor er einen Schluck nahm. „Und du hast wahrscheinlich recht. Wenn wir tatsächlich weiterhin befreundet bleiben ...“ Er machte eine kurze Pause und sah sie mit einem warmen Ausdruck an. „...wirst du sie vermutlich irgendwann kennenlernen.“

Sein Schweif bewegte sich langsam hinter ihm. „Vielleicht ergibt es sich irgendwann ganz natürlich. Ohne großes Verhör, ohne dass jemand aussieht wie ein Sieb und ohne dass du vorher eine Liste mit Prüfungsfragen anfertigst.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge. „Obwohl ich bei Letzterem nicht besonders viel Hoffnung habe.“

Er stellte seine Tasse ab. „Und ja, ich kann verstehen, dass man die Freunde des Partners kennenlernen möchte. Schließlich gehören sie zu einem Teil seines Lebens, den man nicht einfach ausblenden kann.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Es wäre mir sogar wichtig, dass sie sich verstehen.“

Dann sah er Mina wieder direkt an. „Aber ich würde mir wünschen, dass sie nicht das Gefühl bekommt, sich meine Freunde erst verdienen zu müssen.“ Sein Lächeln wurde sanfter. „Sie müsste lediglich sie selbst sein.“ Eine kurze Pause. „So, wie du es auch bist.“

Sein Blick blieb einen Moment länger auf Mina ruhen, bevor er sich wieder seiner Tasse zuwandte. „Und was deine Neugier betrifft ...“ Er schmunzelte. „Die habe ich inzwischen akzeptiert.“ Er hob die Tasse erneut. „Ich fürchte sogar, sie gehört inzwischen zu den Dingen, die ich an dir schätze.“ Ein kurzer Seitenblick. „Solange du sie nicht dazu benutzt, mich zu einem Verhör zu zwingen.“

Dann setzte er die Tasse ab. „Aber vielleicht darfst du mir irgendwann eine Frage über sie stellen.“ Er hob warnend einen Finger. „Eine.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Mehr gibt es heute nicht.“

Kurz lachte sie auf bei G’rahas Beschreibung. „Das hört sich an, als wäre ich deine Mama, die ihren Sohn mit Argusaugen bei seinem ersten Date beobachtet. So schlimm bin ich nun auch nicht, nur ein kleines bisschen“, sagte sie. „He, das musst du ihr dann sagen, nicht mir“, hob sie beide Augenbrauen. „Oh, wie großzügig du zu mir bist mit einer Frage. Ich bedanke mich brav“, und senkte mit schelmischem Grinsen leicht den Kopf.

G’raha lachte leise und schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Ich glaube, meine Mutter würde bei einem ersten Treffen wesentlich mehr Fragen stellen als du.“ Er hob seine Tasse und nahm einen Schluck, bevor er mit einem verschmitzten Lächeln hinzufügte: „Wobei ich mir gerade vorstelle, wie du neben ihr sitzt und ihr euch gegenseitig dabei überbietet, wer mich besser durchschauen kann.“

Seine Ohren zuckten amüsiert. „Ich wäre vermutlich innerhalb weniger Minuten auf der Flucht.“

Bei ihrem Einwand, dass er ihr sagen solle, dass sie sich nicht seine Freundschaft verdienen müsse, nickte er. „Das werde ich.“ Er stellte die Tasse ab. „Und falls sie irgendwann tatsächlich hier sitzt, werde ich es ihr auch genau so sagen.“ Sein Blick wurde kurz etwas wärmer. „Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass du ohnehin nicht besonders gut darin bist, jemanden abzuweisen, nur weil er dir wichtig ist.“

Dann kam ihre übertriebene Dankbarkeit wegen der einen Frage. G’raha hob eine Augenbraue. „Du bist ja plötzlich ausgesprochen höflich.“ Er lehnte sich zurück und musterte sie mit einem amüsierten Funkeln. „Ich sollte die Gelegenheit vielleicht nutzen, solange sie anhält.“

Er verschränkte die Arme. „Also gut. Eine Frage.“ Eine kleine dramatische Pause. „Aber überlege gut.“ Sein Schweif bewegte sich langsam hinter ihm. „Du bekommst schließlich nur eine.“ Dann hob er einen Finger. „Und nein, du darfst nicht fragen: Wie heißt sie?“ Ein breites Grinsen. „Diese Möglichkeit hast du bereits selbst aus dem Spiel genommen.“

Er wartete einen Augenblick, dann wurde sein Ausdruck etwas neugieriger. „Also, Mina ...“ „Was möchtest du über sie wissen?“

„Was hätte ich für einen Grund, jemanden abzuweisen, der mir wichtig ist? Dann wäre ich ja schon blöd“, sagte sie und tippte sich mit dem Finger gegen die Stirn. „Ja, ich kann auch höflich sein, oh Wunder, G’raha“, kam es gespielt von ihr.

„Mh, zu Welcher Rasse gehört sie?, fragte sie dann. „Ich schließe aber gleich Hrothgar und Viera aus. Also bleibt nur noch Au Ra und Miqo’te.“

G’raha hob eine Augenbraue, als Mina sich gegen die Stirn tippte. „Da kann ich dir wohl schlecht widersprechen.“ Er schmunzelte. „Und ich werde mir merken, dass du durchaus höflich sein kannst. Gelegentlich.“

Bei ihrer langen Überlegung beobachtete er sie mit wachsender Belustigung. Besonders ihr locker hin und her schwingender Schweif verriet ihm, dass sie tatsächlich ernsthaft über ihre eine Frage nachdachte.

Als sie sie schließlich stellte, blieb G’raha einen Moment still. Sein sichtbares Auge funkelte. „Das ist deine eine Frage?“ Er schüttelte leicht den Kopf, musste aber lächeln. „Ich hatte mit etwas wesentlich Schwierigerem gerechnet.“

Er nahm seine Tasse, trank einen Schluck und stellte sie wieder ab. „Aber gut. Eine Frage ist eine Frage.“ Sein Blick wanderte kurz zur Seite. „Sie ist eine Miqo’te.“ Eine kleine Pause. Dann sah er Mina wieder an. „Mehr verrate ich dir nicht.“

Ein schelmisches Lächeln. „Du hast schließlich nur nach ihrer Rasse gefragt.“ Er hob einen Finger. „Keine Haarfarbe.“ Noch einen. „Keine Augenfarbe.“ Noch einen. „Kein Stamm.“ Dann ließ er die Hand wieder sinken. „Und ganz bestimmt keinen Namen.“

Sein Schweif zuckte amüsiert. „Aber ich muss zugeben, dass ich deine Vermutung interessant finde. Warum warst du dir so sicher, dass sie keine Hrothgar oder Viera ist?“ Er legte den Kopf schief. „Und noch viel wichtiger ... warum hast du ausgerechnet die vier Völker aufgezählt? Hast du etwa schon eine kleine Liste möglicher Kandidatinnen in deinem Kopf angelegt?“

„Mh“, kam es von ihr und betrachtete G’raha. „Ich denke mal, dass du nicht der Typ bist, der auf Frauen steht, die mehr als einen Kopf größer sind als du selbst. Auch wenn das jetzt etwas dumm klingt, aber Männer möchten doch immer für die Partnerin der große, starke Beschützer sein. Und die Viera und Hrothgar sind nicht nur von ihrer Größe, sondern auch von ihrem Wesen so, dass sie sich gut selber verteidigen können. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie dich eher auf den Armen tragen würden als andersherum“, grinste sie dann. „Auch wenn Geschmäcker verschieden sind, ich war selber mal mit einem Au Ra und mit einem Hyuran zusammen. Aber bei dir kann ich mir das echt nicht vorstellen“, schüttelte sie den Kopf. „Und es schränkt die Möglichkeiten ein, nach wem ich Ausschau halten kann. Vielleicht laufe ich ihr ja mal irgendwo über den Weg oder habe sie schon mal gesehen. Wer weiß?“

G’raha hörte sich ihre Ausführungen mit einer Mischung aus Belustigung und sichtlicher Verwunderung an. Bei der Bemerkung, dass eine Viera oder Hrothgar ihn womöglich eher auf den Armen tragen würde, wanderte seine Augenbraue deutlich nach oben.

„Auf den Armen tragen?“ Er sah kurz an sich hinab, dann wieder zu Mina. „Das ist ein erstaunlich spezifisches Bild.“ Ein Grinsen konnte er sich nicht verkneifen. „Und ich möchte doch sehr darum bitten, meine Größe nicht mit meiner Fähigkeit zu verwechseln, jemanden zu beschützen.“

Sein Schweif schwang leicht. „Ich gebe zu, eine Hrothgar oder Viera könnte mir körperlich vermutlich einiges voraus haben. Aber ich habe nicht vor, mich bei einem Kampf hinzustellen und zu sagen: Bitte, nach dir.“ Er lachte leise. „Allerdings ...“ Er legte den Kopf schief. „Du hast recht, dass sie sich vermutlich sehr gut selbst verteidigen könnten.“

Dann wurde sein Blick etwas nachdenklicher. „Aber ich glaube nicht, dass ich eine Partnerin danach auswählen würde, wie groß sie ist oder ob ich sie im Notfall körperlich beschützen kann.“ Er tippte mit einem Finger gegen seine Tasse. „Wenn ich jemanden wirklich liebe, möchte ich natürlich für sie da sein. Aber das bedeutet für mich nicht zwangsläufig, dass ich immer derjenige sein muss, der vor ihr steht und sie vor allem beschützt.“

Sein Lächeln wurde sanfter. „Manchmal bedeutet es auch, neben ihr zu stehen.“ Ein kurzer Blick zu Mina. „Und vielleicht sogar zuzulassen, dass sie mich beschützt.“

Dann musste er wieder schmunzeln. „Was deine persönlichen Erfahrungen betrifft ... ein Au Ra und ein Hyur also.“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Dann hast du offenbar schon eine recht abwechslungsreiche Auswahl an Völkern kennengelernt.“

Sein Tonfall war neckend, aber nicht wertend. „Und trotzdem glaubst du, bei mir eine Miqo’te ausschließen zu können, nur weil du mich kennst?“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Du bist erstaunlich überzeugt von deiner Menschenkenntnis.“

Bei ihrer letzten Bemerkung wurde sein Lächeln etwas geheimnisvoller. „Vielleicht bist du ihr tatsächlich schon einmal begegnet.“ Er nahm einen Schluck Tee. „Vielleicht bist du sogar schon einmal mit ihr durch dieselbe Straße gegangen, ohne es zu wissen.“ Er ließ die Tasse langsam sinken. „Oder vielleicht ...“ Sein Blick blieb auf ihr liegen. „...suchst du gerade an der völlig falschen Stelle.“

Ein kleines, schwer deutbares Lächeln. Dann lehnte er sich zurück. „Aber das ist das Schöne an Geheimnissen, nicht wahr?“ Sein Schweif bewegte sich langsam. „Man kann nie ganz sicher sein, wie nah man der Wahrheit bereits gekommen ist.“

„Entschuldige, aber das Bild ist einfach nur zu lustig, wie du von der Frau getragen wirst“, grinste sie. „Und so viel Abenteuer, wie du schon erlebt hast, bist du sehr wohl in der Lage, deine Partnerin, wenn es nötig ist, schützend zur Seite zu stehen. Und wenn du ihr genauso wichtig bist, wird sie dich ebenfalls auf die gleiche Weise beschützen, auf ihre Art. Das wäre nur natürlich“, stimmte sie zu. „Oh, mehr als mir manchmal lieb war“, verdrehte sie kurz die Augen. „Eine Miqo’te habe ich nie ausgeschlossen bei dir. Es liegt wohl eher im Bereich des Möglichen, dass man sich erst mal nach der gleichen Rasse umsieht, oder? Aber solange sie lieb zu dir ist und dich gut behandelt, soll es mir egal sein, welcher Rasse sie angehört.“

Sie beugte sich dann zu G’raha herüber. „Du ärgerst mich gerade mit meiner Neugier, oder?“, fragte sie, wobei ihre Augen funkelten.

G’raha legte eine Hand auf seine Brust und setzte eine zutiefst beleidigte Miene auf. „Du findest das also lustig.“ Sein Schweif peitschte einmal gespielt empört zur Seite. „Ich möchte dich daran erinnern, dass ich durchaus schon von deutlich größeren Gegnern getragen wurde. Nur war das bisher selten freiwillig.“ Einen Augenblick später musste er selbst lachen. „Aber gut. Ich gebe zu, das Bild hat etwas.“

Als Mina dann erklärte, dass gegenseitiger Schutz für sie selbstverständlich sei, wurde sein Ausdruck wieder ruhiger. „Ja.“ Er nickte. „Ich denke, genau so sollte es sein.“ Sein Blick ruhte auf ihr. „Nicht einer beschützt den anderen, während der andere einfach nur zusieht. Sondern beide passen aufeinander auf.“ Ein kleines Lächeln. „Auf unterschiedliche Weise.“

Bei ihrem verdrehten Augen wegen ihrer vergangenen Beziehungen musste er leicht schmunzeln. „Dann hast du offenbar tatsächlich schon genügend Erfahrungen gesammelt, um einen ziemlich guten Überblick über die verschiedenen Vor- und Nachteile der einzelnen Völker zu haben.“ Sein Tonfall war deutlich neckend.

Als sie dann klarstellte, dass sie Miqo’te nie ausgeschlossen hatte, nickte er langsam. „Das beruhigt mich.“ Er legte den Kopf schief. „Und ich stimme dir zu. Die Rasse ist am Ende wohl nebensächlich.“ Sein Lächeln wurde wärmer. „Wenn sie mich gut behandelt, ehrlich zu mir ist und ich mit ihr lachen kann ...“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „...dann dürfte mir ziemlich egal sein, ob sie Hörner, Fell oder gar keine besonderen Merkmale hat.“

Dann beugte sich Mina plötzlich zu ihm herüber. G’raha hielt mitten in der Bewegung inne. Ihr funkelnder Blick entging ihm nicht. Ein paar Sekunden sah er sie einfach an. Dann erschien langsam ein ausgesprochen freches Grinsen auf seinem Gesicht. „Ich?“ Er legte den Kopf unschuldig schief. „Dich mit deiner Neugier ärgern?“ Eine kurze Pause. „Niemals.“

Sein Schweif verriet ihn allerdings sofort und schwang deutlich amüsiert hin und her. „Ich gebe dir lediglich genau so viele Informationen, wie du brauchst, damit deine Fantasie den Rest erledigen kann.“ Er hob seine Tasse und nahm seelenruhig einen Schluck. „Das ist doch etwas völlig anderes.“

Dann stellte er sie wieder ab und sah sie über den Tassenrand hinweg an. „Und außerdem hast du selbst gesagt, dass es wesentlich amüsanter ist, wenn du Dinge selbst herausfindest.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich helfe dir also nur dabei, deinen eigenen Rat zu befolgen.“

Er lehnte sich zurück. „Aber wenn du unbedingt weiter spekulieren möchtest ...“ Er hob eine Augenbraue. „...werde ich dich selbstverständlich nicht davon abhalten.“ Ein kurzer, schelmischer Blick. „Es amüsiert mich nämlich mindestens genauso sehr wie dich.“

„Der Charakter hat nichts mit der Rasse zu tun, G’raha.“

Als er dann aufzählte, was er an einer Partnerin schätze und wertvoll finde, bekam ihr Gesicht kurz einen verträumten Ausdruck, bevor sie sich wieder besann. „Die guten Männer geraten meistens in den Fängen irgendwelcher Tussen, die die guten Männer nicht verdient haben. Ich möchte nicht, dass du schamlos ausgenutzt wirst, weil du ... eine Art Heldenstatus hast.“

Sie grinste dann breit und haute G’raha sanft zwischen den Ohren mit der Faust auf den Kopf, ohne ihm wehzutun. „Du Blödmann, du scheinst echt deinen Spaß daran zu haben, mich zu ärgern.“

G’raha hob bei ihrer ersten Bemerkung zustimmend den Kopf. „Da hast du vollkommen recht.“ Sein Lächeln wurde etwas ernster. „Die Rasse sagt wenig darüber aus, was für ein Mensch jemand ist.“

Er wollte noch etwas hinzufügen, bemerkte dann jedoch ihren kurz verträumten Gesichtsausdruck, als er seine Vorstellungen von einer Partnerin aufzählte. Sein sichtbares Auge blieb einen Moment auf ihrem Gesicht ruhen. Er sagte nichts dazu. Stattdessen hörte er weiter zu.

Bei ihrer Sorge, dass jemand seinen Heldenstatus ausnutzen könnte, wurde sein Ausdruck nachdenklich. „Mina ...“ Er stellte seine Tasse ab. „Ich weiß deine Sorge wirklich zu schätzen.“ Seine Stimme war ruhig. „Aber ich glaube, ich bin inzwischen alt genug, um selbst darauf zu achten, wem ich vertraue.“ Ein kleines Schmunzeln. „Zumindest bilde ich mir das ein.“

Dann kam plötzlich ihre Faust.

Pock.

G’raha erstarrte. Seine Ohren klappten überrascht zur Seite, während er langsam eine Hand an die Stelle zwischen seinen Ohren legte.

„...“

Er blinzelte. Dann sah er Mina an. „Du hast mich gerade tatsächlich gehauen.“ Eine dramatische Pause. „Mitten auf den Kopf.“

Sein Gesicht nahm einen empörten Ausdruck an, der allerdings nicht lange hielt. Ein Grinsen breitete sich über seine Lippen aus. „Und dann nennst du mich einen Blödmann.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Das ist bemerkenswert.“

Sein Schweif begann amüsiert hin und her zu schwingen. „Aber ja.“ Er gab es erstaunlich bereitwillig zu. „Ich habe Spaß daran.“ Er beugte sich ein kleines Stück zu ihr vor. „Sehr sogar.“ Sein sichtbares Auge funkelte schelmisch. „Du machst es mir schließlich ausgesprochen leicht.“

Er tippte sich mit einem Finger gegen die Stelle, an der sie ihn gerade getroffen hatte. „Und ich glaube, ich habe gerade etwas Wichtiges gelernt.“ Eine kurze Pause. „Wenn ich dich zu sehr ärgere, bekomme ich einen Schlag auf den Kopf.“ Er nickte ernst. „Das werde ich mir merken.“

Dann legte er den Kopf schief. „Allerdings frage ich mich ...“ Sein Grinsen wurde breiter. „...ob das wirklich eine Warnung war.“ Er hob eine Augenbraue. „Oder ob du einfach eine besonders kreative Methode gesucht hast, mich anzufassen.“

Erschrocken hob sie beide Hände hoch. „Tschuldige, du hast völlig recht. Du bist wahrlich alt genug, darauf zu achten, wem du vertraust. Da bin ich mit meiner Fürsorge etwas übers Ziel hinausgeschossen. Ich hab es nicht böse gemeint“, kam es von ihr mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck.

„Oh, ich wusste nicht, dass du so zartbesaitet bist. Alles noch dran?“, kam es gespielt von ihr, und sie pustete auf die Stelle, bevor sie ihre Hand hob und ihn dort zweimal sachte über das Haar strich.

„Wenn ich dich anfassen wollen würde, hätte ich mir schon längst deine roten, zuckenden Öhrchen geschnappt und sie geflauscht. Und wenn es nur galt herauszufinden, ob du dabei anfängst zu schnurren“, grinste sie frech.

G’rahas empörter Ausdruck löste sich bei ihrer hastigen Entschuldigung sofort auf. „Schon gut.“ Er hob beschwichtigend eine Hand. „Ich habe es auch nicht als böse gemeint aufgefasst. Und wenn deine Fürsorge gelegentlich ein wenig ... enthusiastisch ausfällt, werde ich das wohl überleben.“

Bei ihrer gespielten Frage, ob noch alles dran sei, sah er sie zunächst mit einem skeptischen Blick an. „Ich bin nicht zartbesaitet.“ Er wollte gerade noch etwas hinzufügen, als sie über die Stelle pustete und ihm anschließend sanft durch das Haar strich.

Seine Ohren zuckten augenblicklich unter ihren Fingern. G’raha erstarrte. Für einen winzigen Moment schien sein Gehirn zu beschließen, sämtliche vorherigen Gedanken zu vergessen.

„...“

Sein sichtbares Auge wanderte langsam zu ihr. Dann zog sich ein verräterisches Grinsen über sein Gesicht. „Das war also deine angebliche Wiedergutmachung.“

Seine Ohren richteten sich wieder auf, nur um bei ihrer nächsten Bemerkung sofort erneut zu zucken. „Meine Ohren?“ Er legte beide Hände schützend über sie. „Nein. Absolut nicht.“

Sein Schweif peitschte amüsiert hinter ihm. „Du bekommst sie nicht.“ Er sah sie misstrauisch an. „Und was das Schnurren betrifft ...“ Eine kurze Pause. „...wirst du dich wohl mit der Ungewissheit abfinden müssen.“

Seine Ohren bewegten sich unter seinen Händen ein wenig, während er sie weiterhin musterte. Dann kam ihm ein schelmischer Gedanke. „Aber ich muss zugeben ...“ Er nahm langsam eine Hand von einem Ohr. „Jetzt bin ich neugierig.“

Sein Grinsen wurde breiter. „Wenn du tatsächlich irgendwann versuchen solltest, meine Ohren zu flauschen, nur um herauszufinden, ob ich schnurre ...“ Er beugte sich ein wenig vor. „...solltest du dich darauf gefasst machen, dass ich mich revanchiere.“

Sein Blick fiel kurz auf ihren Schweif. Ein vielsagendes Funkeln erschien in seinem Auge. „Und ich habe da bereits eine Idee, wo ich anfangen könnte.“

Er lehnte sich wieder zurück und nahm demonstrativ einen Schluck Tee. „Aber keine Sorge.“ Ein unschuldiges Lächeln. „Ich verrate dir nicht, was ich meine.“ Seine Ohren zuckten noch einmal. „Noch nicht.“

Ein schelmisches Grinsen zierte ihren Mund, welches immer breiter wurde. „Aha, sehr interessant“, sagte sie, als sie ihn beobachtete, wie er panisch seine Ohren bedeckte.

„Meine Ohren und mein Schweif dürfen auch nur ausgewählte Personen flauschen. Darunter zählen gerade mal Aki. Der braucht das aber auch, wenn er aufgewühlt ist, oder ich zur Beruhigung. Was jetzt aber auch sein Mann übernimmt an meiner Stelle. Und mein Partner, wenn ich dann einen habe, vorausgesetzt“, zählte sie auf.

„Und ja, das war meine Wiedergutmachung. Oder willst du etwa eine Umarmung zum Trösten?“, fragte sie und breitete die Arme aus.

G’rahas Augenbraue wanderte bei ihrer Aufzählung immer höher. „Aha.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust, während seine Ohren weiterhin leicht zur Seite standen. „Eine ausgesprochen exklusive Liste.“

Sein Blick wanderte kurz zu ihrem Schweif und wieder zurück. „Aki, dein zukünftiger Partner ...“ Eine kleine Pause. „Und ich offenbar nicht.“

Er sagte es mit einem derart übertrieben enttäuschten Gesichtsausdruck, dass man ihm die echte Kränkung kaum abnehmen konnte. „Ich sehe schon, wie die Dinge hier stehen.“

Als sie dann die Arme ausbreitete und ihm eine Umarmung anbot, verschwand sein gespielt beleidigter Ausdruck augenblicklich. Er blinzelte. „Eine Umarmung?“ Sein Schweif bewegte sich langsam. „Nach einem so schweren Schlag auf den Kopf ...“ Er legte eine Hand theatralisch an die Stirn. „...könnte das tatsächlich medizinisch notwendig sein.“

Er stand auf. Dann blieb er einen Moment vor ihr stehen und betrachtete ihre ausgestreckten Arme. Ein kleines, warmes Lächeln erschien. „Aber nur, weil du es angeboten hast.“

Er trat näher und nahm die Umarmung an, ohne sie unnötig lange hinauszuzögern. Seine Arme legten sich locker um sie, vorsichtig und vertraut, ohne sie festzuhalten. „So.“ Seine Stimme war leise, direkt neben ihrem Ohr. „Ich glaube, ich werde es überleben.“

Ein Moment verging. Dann hob er leicht den Kopf. „Allerdings muss ich dir etwas sagen.“ Seine Stimme bekam wieder diesen unverkennbaren schelmischen Unterton. „Du hast gerade selbst gesagt, dass nur ausgewählte Personen deine Ohren und deinen Schweif flauschen dürfen.“

Eine kurze Pause. „Aber du hast mir immerhin freiwillig eine Umarmung angeboten.“ Er löste sich ein kleines Stück, gerade weit genug, um sie ansehen zu können. „Ich werte das als Fortschritt.“

Sein Grinsen wurde breiter. „Und keine Sorge. Ich werde deine persönlichen Grenzen respektieren.“ Er hob beschwichtigend eine Hand. „Vorerst.“

Dann setzte er sich wieder auf seinen Stuhl. „Aber eines musst du mir lassen.“ Er deutete auf sie. „Du bist mindestens genauso gut darin, mich zu ärgern, wie ich dich.“ Ein zufriedenes Funkeln erschien in seinem Auge. „Vielleicht sogar besser.“

Bevor sie etwas zu seinem „Und ich offenbar nicht“ sagen konnte, stand er auf und umarmte sie. Zuerst war sie etwas überrumpelt, dass er wirklich ihr Angebot annahm. Sie schloss dann aber kurz die Augen. Sie konnte seine Wärme spüren und zog unweigerlich seinen Duft ein, was ihr Herz kurz kräftiger schlagen ließ. Sein warmer Atem kitzelte an ihrem Ohr, welches zuckte, und sie unterdrückte einen angenehmen Schauer, als er leise sprach. Als er sich dann von ihr löste, musste sie sich innerlich kurz sammeln, bevor sie ihn dann lächelnd nach oben blickend anlächelte.

„Okay, ich werde dich ausnahmsweise in Betracht ziehen, wenn wir uns länger kennen, dich in den Kreis der ausgewählten Personen vielleicht aufzunehmen, die meine Ohren und Schweif flauschen dürfen.“

G’raha bemerkte den kleinen Moment, in dem Mina nach der Umarmung innezuhalten schien. Er sagte zunächst nichts dazu. Sein Blick blieb ruhig auf ihr liegen, und ein kaum merkliches Lächeln umspielte seine Lippen.

Bei ihren Worten hob sich schließlich eine Augenbraue. „Vielleicht?“ Er legte eine Hand auf die Brust und setzte einen gespielt empörten Gesichtsausdruck auf. „Mina, ich fühle mich zutiefst geehrt. Eine mögliche Aufnahme in den höchst exklusiven Kreis der Ohren- und Schweifflauscher.“

Seine Ohren zuckten dabei demonstrativ. „Ich werde mich bemühen, dieser außergewöhnlichen Ehre würdig zu sein.“

Dann wurde sein Grinsen etwas weicher. „Aber weißt du was?“ Er beugte sich ein wenig vor. „Ich möchte gar nicht, dass du mir das einfach so gewährst.“

Sein Blick wanderte kurz zu ihren Ohren und zurück. „Wenn es irgendwann dazu kommt, dann soll es passieren, weil du dich mit mir inzwischen so wohlfühlst, dass du es von dir aus möchtest.“

Eine kurze Pause. „Und bis dahin werde ich meine Finger von deinen kostbaren Ohren lassen.“ Er hob beide Hände demonstrativ. „Versprochen.“

Dann erschien wieder dieses schelmische Funkeln in seinem Auge. „Wobei ich jetzt natürlich weiß, dass ich irgendwann nur lange genug warten muss.“ Sein Schweif schwang amüsiert. „Das ist eine gefährliche Information, die du mir da gegeben hast.“

Er nahm wieder seine Tasse und trank einen Schluck. „Und was die Umarmung betrifft ...“ Er sah über den Rand der Tasse zu ihr. „Die war übrigens eine ausgesprochen gute Wiedergutmachung.“

Ein kleines Lächeln. „Vielleicht solltest du mich öfter hauen.“

Eine Sekunde lang hielt er inne. „Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Streich das. Ich fürchte, sonst bekommst du am Ende noch Gefallen daran.“ Sein Lachen erfüllte leise die Küche.

Sie hielt unwillkürlich den Atem an, als er sich vorbeugte. „Wenn du noch lieber zu mir wirst, könnte es schneller passieren, als du denkst“, entkam es ihr. „Aber du hattest ja schon die Gelegenheit dazu. Als ich dich als Kissen missbraucht hatte, und ich hätte davon nichts mitbekommen. Tja, Chance vertan“, zuckte sie dann mit den Schultern und nahm ihr Glas, um einen Schluck Rolandbeerensaft zu trinken. Sie musste sich gerade an irgendetwas festhalten. Dann kicherte sie bei seinem Vorschlag. „Du wirst sicher irgendwann ab und an einen spielerischen, liebevollen Klaps von mir bekommen. So bin ich nun mal“, schrägte sie ihren Kopf und drehte das Glas in ihrer Hand auf der Stelle im Kreis.

G’rahas Ohren zuckten bei ihrer Antwort sofort nach oben. „Schneller, als ich denke?“ Ein breites, beinahe ungläubiges Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Das klingt ja beinahe so, als müsste ich mich vorsehen.“

Er lehnte sich wieder etwas zurück und betrachtete sie mit unverhohlener Belustigung. „Und was das Luftschiff betrifft ...“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Du hast mich tatsächlich als Kissen benutzt und behauptest jetzt, ich hätte meine Chance vertan.“ Sein Schweif bewegte sich amüsiert. „Vielleicht war ich einfach zu anständig.“ Ein kurzes Zwinkern. „Oder ich wollte vermeiden, dass du beim Aufwachen feststellst, dass dein Kissen plötzlich beschlossen hat, dich zurückzuärgern.“

Bei ihrem Geständnis über die zukünftigen Klapse musste er lachen. „Dann werde ich mich wohl darauf einstellen müssen.“ Er hob seine Tasse. „Solange es bei den spielerischen Klapsen bleibt, werde ich mich vermutlich nicht beschweren.“

Sein Blick fiel auf das Glas, das sie zwischen den Fingern drehte. „Aber ich muss zugeben ...“ Er sah wieder zu ihr. „Ich glaube, ich mag diese Seite an dir.“ Seine Stimme wurde etwas ruhiger. „Dieses ungezwungene, verspielte Wesen.“

Ein kleines Lächeln. „Du denkst nicht jedes Wort dreimal durch, bevor du es aussprichst. Du neckst mich, wenn dir danach ist, und wenn du jemanden magst, zeigst du es offenbar auch.“ Er ließ die Worte einen Moment wirken. „Das macht es ziemlich leicht, sich in deiner Gegenwart wohlzufühlen.“

Dann hob er seine Tasse erneut. „Also werde ich wohl einfach weiterhin versuchen, ein bisschen lieber zu dir zu sein.“ Ein schelmisches Funkeln. „Offenbar scheint das ja eine gewisse Wirkung zu haben.“

Seine Ohren zuckten. „Aber keine Sorge. Ich werde dich nicht absichtlich auf die Probe stellen.“ Er grinste. „Ich möchte schließlich irgendwann in diesen exklusiven Kreis aufgenommen werden.“

„Ich glaube, wenn du das im Luftschiff damals gemacht hättest könnte es auch sein dass ich dir damals dafür eine geklatsch hätte. Wie du ja selber demonstriert hast“, und bedeckte ihre eigenen Ohren mit den Händen. „Sind unsere Öhrchen und Schweif recht empfindsam. Daher lassen wir nicht jeden x-beliebigen daran rumfummeln“, erklärte sie unnötigerweise. Hob dann einen Finger in seine Richtung. „Aber nicht dass du mich irgendwann lieber hast als diese Frau die du so interessant findest. Ich möchte sie nicht eifersüchtig machen.“

G’rahas Ohren zuckten bei ihrer Erklärung unter seinen eigenen Händen beinahe synchron mit ihren. „Das kann ich mir vorstellen.“ Er grinste. „Und ich glaube, nach meiner heutigen Erfahrung wäre es sogar gerechtfertigt gewesen.“ Er deutete auf ihre Hände, die ihre Ohren bedeckten. „Offenbar sind wir uns bei diesem Punkt ziemlich ähnlich.“ Sein Ausdruck wurde etwas verschwörerischer. „Und ich werde mich hüten, an irgendwelchen Miqo'te-Ohren herumzufummeln, ohne vorher ausdrücklich darum gebeten worden zu sein.“ Er hob beschwichtigend beide Hände.

„Ich möchte schließlich nicht noch einen Klaps kassieren.“ Als Mina dann den Finger auf ihn richtete, hob G’raha überrascht die Augenbraue. „Oh?“ Er hörte sich ihre Sorge an und schmunzelte zunächst, doch sein Blick wurde danach etwas nachdenklicher. „Du musst dir ihretwegen keine Sorgen machen.“ Er lehnte sich zurück. „Menschen lassen sich nicht einfach auf einer Skala miteinander vergleichen.“ Sein Blick blieb ruhig auf Mina. „Ich kann dich sehr gern haben und gleichzeitig jemanden anderen interessant finden. Das eine nimmt dem anderen nichts weg.“ Ein kleines Lächeln.

„Du bist meine Freundin. Und wenn diese andere Person irgendwann jemand wird, der mir noch nähersteht, dann bedeutet das nicht, dass unsere Freundschaft plötzlich weniger wert ist.“ Er hob leicht die Tasse. „Es sei denn natürlich, du beginnst tatsächlich, sie mit deinen Fragen zu löchern, bis sie aussieht wie ein Sieb.“ Ein schelmisches Funkeln. „Dann könnte sie vielleicht irgendwann verlangen, dass ich dich in einem gewissen Abstand halte.“ Er lachte leise. Dann wurde er wieder ernst. „Aber ich glaube nicht, dass du jemanden eifersüchtig machen würdest, nur weil wir uns gut verstehen.“ Eine kurze Pause.

„Und falls sie tatsächlich irgendwann eifersüchtig werden sollte, dann wäre es meine Aufgabe, ihr zu zeigen, dass sie keinen Grund dazu hat.“ Er sah Mina direkt an. „Du musst dich nicht kleiner machen oder unsere Freundschaft verstecken, nur damit jemand anderes sich sicher fühlt.“ Ein warmes Lächeln. „Freundschaften und andere Arten von Beziehungen können nebeneinander existieren.“ Sein Schweif schwang langsam hin und her. „Außerdem...“ Er legte den Kopf schief. „Ich glaube, wenn du mich irgendwann wirklich *lieber* hättest als diese geheimnisvolle Frau, dann würdest du mir das vermutlich ziemlich deutlich sagen.“ Ein schelmisches Grinsen.

„Du bist schließlich nicht gerade zurückhaltend, wenn du etwas loswerden möchtest.“

Sie lachte, „keine Sorge, ich werde mich zurückhalten, schließlich sollte sie unbeschadet sein. Nicht, dass du mich nachher noch ausschimpfst weil sie dann wirklich aussieht wie ein Sieb“, bestätigte sie. Legte dann die zweite Hand um ihr Glas, schluckte und schüttelte dann ihren Kopf. „Sollte ich....Gefühle für dich entwickeln ...“, biss sie sich auf die Lippe. „Ich würde es dir wohl nicht sagen. Vielleicht hat ja die interessante frau dann schon lange auch Gefühle für dich entwickelt, wer weiß. Ich würde mich da eher zurücknehmen, weil sie zuerst da war, wie es sich anhört. Und ich möchte nicht zwischen euch stehen. Dafür ist mir deine Freundschaft die du mir entgegenbringst viel zu kostbar, um sie möglicherweise zu verlieren, weil ich dich für mich vielleicht gewinnen möchte obwohl noch eine andere Frau da ist“, erklärte sie ernst.

G’rahas Lächeln verschwand langsam. Er stellte seine Tasse vorsichtig auf dem Tisch ab und sah Mina einige Augenblicke schweigend an. Ihre Worte schienen ihn deutlich stärker getroffen zu haben, als die vorherigen Neckereien. „Mina...“ Seine Stimme war ungewöhnlich ruhig. „Ich glaube, da muss ich dir widersprechen.“ Er legte beide Hände locker auf den Tisch. „Wenn du irgendwann Gefühle für mich entwickeln solltest, möchte ich nicht, dass du sie allein deshalb verschweigst, weil du glaubst, jemand anderes hätte einen älteren Anspruch auf mich.“ Sein sichtbares Auge ruhte fest auf ihr.

„Menschen sind keine Plätze, die man zuerst besetzen kann.“ Ein kleines, nachdenkliches Lächeln. „Und Gefühle sind kein Wettlauf.“ Er ließ einen Moment verstreichen. „Wenn diese Frau tatsächlich Gefühle für mich entwickelt hat und ich sie erwidere, dann ist das eine Sache zwischen ihr und mir.“ Seine Ohren senkten sich leicht. „Wenn ich sie nicht erwidere, dann wäre es ebenso unfair, deine Gefühle zu verschweigen, nur um jemanden zu schützen, der vielleicht gar keine Beziehung mit mir hat.“ Er atmete leise aus. „Und wenn ich irgendwann Gefühle für dich entwickeln sollte...“ Er brach kurz ab. Sein Blick blieb auf ihr.

„...dann möchte ich ebenfalls nicht, dass du dich zurückziehst, nur weil du glaubst, du müsstest mir zuliebe auf deine eigenen Gefühle verzichten.“ Seine Stimme wurde noch sanfter. „Ich würde lieber die Wahrheit kennen.“ Eine kurze Pause. „Auch wenn diese Wahrheit kompliziert wäre.“ Er lehnte sich ein wenig zurück. „Du hast mir vorhin versprochen, dass du mir sagen würdest, wenn ich eine Grenze überschreite.“ Ein kleines Lächeln. „Ich möchte dir dasselbe geben.“ Sein Blick wurde warm.

„Wenn du irgendwann merkst, dass sich deine Gefühle verändern, darfst du mir das sagen. Du musst nicht darum kämpfen, mich für dich zu gewinnen. Du musst niemanden verdrängen.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Und du musst schon gar nicht deine Gefühle kleiner machen, damit jemand anderes größer wirken kann.“ Für einen Moment herrschte Stille in der Küche. Dann erschien ein ganz leichtes Schmunzeln. „Und was deine Sorge betrifft, unsere Freundschaft dadurch zu verlieren...“ Er legte eine Hand auf seine Brust. „Dafür müsstest du schon einiges anstellen.“ Ein Funkeln trat in sein Auge.

„Du müsstest wahrscheinlich mindestens meinen gesamten Vorrat an Kaffee austrinken.“ Eine kurze Pause. „Und meinen Tee.“ Er sah sie todernst an. „Das wäre unverzeihlich.“ Dann brach sein Grinsen durch. „Alles andere lässt sich vermutlich irgendwie besprechen.“ Seine Stimme wurde wieder leiser. „Ich möchte nicht, dass du Angst davor hast, ehrlich zu mir zu sein.“ Er hielt ihren Blick. „Nicht bei mir.“

Sie trank einen Schluck von ihren Saft und strich sich dann mit einem Finger unter ihr Auge. „Ja am ende ist es deine Entscheidung wenn wir beide Gefühle für dich hätten wen du wählst. Nur das eine von uns dann das nachsehen hat, aber das ist dann halt so. Das mir dann deine Freundschaft erhalten bleibt beruhigt mich“, ein kleines lächeln zupfte an ihren Mundwinkel. „Und keine Panik ich rühr weder deine heiß geliebten Bücher, Schriften. Kaffee oder Tee an“, versicherte sie. „Außer du willst etwas davon mit mir teilen.“ Schaute dann kurz aus dem Fenster, wo die Sonne schon ihre rot abendlichen Strahlen auf das Gras schien. „Ich schätze diese Unterhaltung gerade sehr, ich hatte mich mit keinem meiner Partner so darüber unterhalten als wir uns kennenlernten.“

G’raha folgte ihrem Blick zum Fenster. Das warme Abendlicht lag inzwischen über dem kleinen Garten und färbte die Scheiben golden. Bei ihren Worten musste er leise lächeln. „Dann können wir uns wohl glücklich schätzen, dass du beschlossen hast, ausgerechnet heute nicht meinen Kaffeevorrat zu plündern.“ Er hob seine Tasse leicht an. „Und wenn ich etwas davon mit dir teilen möchte, musst du natürlich nicht um Erlaubnis bitten.“ Sein Blick wanderte wieder zu ihr. „Das gilt auch für meine Bücher. Wobei ich bei manchen Schriften vermutlich vorher eine kleine Warnung aussprechen müsste.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge.

„Einige davon könnten selbst dich innerhalb weniger Seiten einschläfern.“ Dann wurde sein Ausdruck ruhiger, als er ihre letzten Worte aufnahm. „Dass du diese Unterhaltung schätzt... freut mich.“ Er stellte seine Tasse ab. „Ich glaube, solche Gespräche sind selten.“ Seine Finger glitten gedankenverloren über den Tassenrand. „Nicht nur, weil man dabei über Gefühle spricht. Sondern weil man dem anderen tatsächlich zuhört, anstatt bereits darüber nachzudenken, was man selbst als Nächstes sagen möchte.“ Er sah sie offen an. „Und vielleicht ist genau das etwas, das zwischen uns bisher so angenehm funktioniert.“ Ein kleines Lächeln.

„Wir können uns gegenseitig aufziehen, über völlig belanglose Dinge reden, uns über Tee streiten...“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „...und trotzdem können wir im nächsten Moment über etwas sprechen, das einem wirklich wichtig ist.“ Er lehnte sich zurück. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei jeder Bekanntschaft selbstverständlich ist.“ Dann fiel sein Blick wieder auf das Abendlicht draußen. „Und vielleicht solltest du deshalb deine früheren Beziehungen nicht als Maßstab dafür nehmen, wie eine zukünftige aussehen muss.“ Er sagte es nicht belehrend, sondern ruhig.

„Du hast mir erzählt, dass du oft enttäuscht wurdest.“ Sein Blick kehrte zu ihr zurück. „Vielleicht darfst du irgendwann erfahren, wie es sich anfühlt, wenn jemand nicht versucht, deine Vorsicht gegen dich zu verwenden.“ Ein sanftes Lächeln. „Und wenn du dabei irgendwann feststellst, dass du dich tatsächlich verliebt hast...“ Er hob leicht die Schultern. „...dann hoffe ich, dass du dich nicht sofort fragst, wie du dich zurücknehmen musst.“ Eine kurze Pause. „Sondern zuerst, ob dieser Mensch dein Vertrauen verdient.“ G’raha nahm noch einen Schluck Tee. Dann sah er aus dem Fenster und bemerkte die sinkende Sonne.

„Es wird spät.“ Er blickte wieder zu Mina. „Ich sollte dich vermutlich nicht bis tief in die Nacht von deinem eigenen Kaffee- und Teehausvorrat fernhalten.“ Ein verschmitztes Lächeln. „Obwohl ich zugeben muss, dass ich diese Unterhaltung nur ungern beenden würde.“

Giggelte bei seinen Worten. „Ja welch ein Glück für dich heute“, stimmte sie zu. „Ach“, winkte sie ab. „Lass mich dann einfach schnarchend in die Ecke sitzen und versuch einfach nur nicht über mich zu stolpern.“ Sie schüttelte den Kopf. „Das ist nicht bei jeder Bekanntschaft selbstverständlich. Und meine früheren Beziehungen werde ich sicher nicht als Maßstab nehmen. dann wäre es wohl schnell zuende als mir lieb wäre.“ Sie schrägte den Kopf.

„Wäre schön wenn ich irgendwann so jemanden mal kennenlerne. Und wenn er bei mir bleiben möchte hoffe ich das er eine lange Leitung an Geduld bei mir hat. Es wird sicher mal die eine oder andere Situation geben wo er oder ich mal zweifeln werden oder unsicher sind.“ Schaute ebenfalls nochmal aus dem Fenster. „Du kannst gerne noch etwas bleiben. Ich hab morgen nichts zu tun. Du kannst gerne noch eine Tasse Tee haben wenn du magst. Außer ich halte dich von deinen wichtigen Büchern und Schriftstücken ab.“

G’raha lachte leise. „Ich werde mir größte Mühe geben, nicht über dich zu stolpern. Wobei ich vermutlich eher Gefahr laufe, dich beim Schnarchen für ein ungewöhnliches Geräusch aus einem deiner Bücher zu halten.“ Er grinste. „Und was deine zukünftige Bekanntschaft betrifft... eine lange Leitung wird vermutlich tatsächlich hilfreich sein.“ Sein Blick wurde warm. „Aber Unsicherheit und Zweifel sind doch nichts Ungewöhnliches. Zwei Menschen müssen nicht ständig vollkommen sicher sein, um füreinander da sein zu können.“ Er ließ die Worte einen Moment wirken.

„Wichtig ist nur, dass man miteinander darüber spricht, anstatt den anderen im Ungewissen zu lassen.“ Als Mina ihm anbot, noch zu bleiben, sah er kurz zum Fenster und dann wieder zu ihr. „Eine weitere Tasse Tee klingt ausgesprochen verlockend.“ Er hob seine Tasse leicht an. „Und meine wichtigen Bücher werden es verkraften, wenn ich heute Abend ein wenig länger bleibe.“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge. „Außerdem habe ich eine wichtige Erkenntnis gewonnen.“ Er deutete auf sie.

„Du besitzt offenbar einen sehr guten Vorrat an Tee, einen noch besseren Vorrat an Kaffee und eine bemerkenswert gemütliche Küche.“ Er lehnte sich entspannt zurück. „Es wäre geradezu unhöflich, das nicht gelegentlich zu meinem Vorteil zu nutzen.“ Dann sah er sie etwas länger an. „Und nein, du hältst mich nicht von irgendetwas Wichtigem ab.“ Seine Stimme wurde leiser. „Ich bin gerne hier.“ Ein kleines Lächeln. „Also mach mir ruhig noch eine Tasse.“ Er hob warnend einen Finger. „Aber bitte keinen Rosentee.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich habe inzwischen verstanden, dass dieser unter strengem Schutz steht.“

Sie lachte bei seinen Worten. „Das freut mich das deine Bücher deine etwas längere Abwesenheit verkraften. In dieser Hinsicht scheinst du sie gut erzogen zu haben“, stand mit den Worten auf und schaltet nochmal den Herd An für den Kessel. „Danke für das Kompliment meiner Küche, wir können uns aber auch gerne ins Wohnzimmer verkrümeln. Das Sofa da ist auch sehr bequem“, bot sie an. „Du scheinst auch nicht gerade viel verwöhnt zu werden wenn du das hier voll ausnutzt“, holte mit diesen Worten einen weiteren Teebeutel heraus und ging zum Tisch um G’rahas Tasse zu nehmen. „Es freut mich dass du dich hier wohlfühlst. Also kann ich deinen Worten entnehmen dass du mich öfters mit einem Besuch beehrst wenn dich deine Bücher langweile und du mich....vermisst“, wechselte den Beutel und goss dann Wasser in die Tasse der Teekessel Pfiff.

G’raha beobachtete sie dabei, wie sie aufstand und sich um den Tee kümmerte. Bei ihrer Bemerkung über seine Bücher musste er schmunzeln. „Ich habe ihnen schließlich beigebracht, sich selbst zu beschäftigen, wenn ich nicht da bin.“ Er hob mit gespieltem Stolz das Kinn. „Sie sind mittlerweile äußerst selbstständig.“ Als Mina das Wohnzimmer erwähnte, nickte er. „Das Sofa klingt verlockend. Vor allem, wenn wir uns noch eine Weile unterhalten wollen.“ Er stand ebenfalls auf und folgte ihr aus der Küche. Bei ihrer Bemerkung, er würde seinen Besuch bei ihr wohl ausnutzen, legte er eine Hand auf die Brust.

„Ich? Mich verwöhnen lassen? Niemals.“ Eine kurze Pause. „Ich würde es eher als... großzügige Nutzung einer mir freiwillig angebotenen Gastfreundschaft bezeichnen.“ Sein Grinsen verriet, dass er selbst wusste, wie wenig überzeugend das klang. Als sie schließlich seine Frage stellte, ob er sie künftig besuchen würde, wenn er seine Bücher langweilig fand und sie vermisste, blieb er kurz stehen. Seine Ohren richteten sich auf. „Du stellst Fragen, die man kaum elegant beantworten kann.“ Er folgte ihr ins Wohnzimmer und ließ sich auf dem Sofa nieder. „Aber ja.“ Ein schlichtes, ehrliches Wort.

„Ich glaube, ich werde wiederkommen.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Nicht nur, wenn meine Bücher mich langweilen.“ Sein Blick wanderte zu ihr. „Und vermutlich auch nicht nur, wenn ich dich vermisse.“ Ein kleines Lächeln. „Ich habe festgestellt, dass deine Gesellschaft ausgesprochen angenehm ist.“ Er strich sich kurz über den Nacken. „Und ich glaube, ich könnte mich daran gewöhnen, hier gelegentlich eine Tasse Tee zu trinken und mir von dir erzählen zu lassen, warum ich angeblich wieder etwas falsch gemacht habe.“ Sein Auge funkelte. „Oder mich von dir über meine Ohren belehren zu lassen.“ Er deutete auf sie.

„Oder über meine mysteriöse zukünftige Partnerin ausgefragt zu werden.“ Dann nahm er die frisch eingeschenkte Tasse entgegen. „Allerdings...“ Er sah sie über den Rand hinweg an. „Wenn ich dich tatsächlich vermissen sollte, werde ich das vermutlich nicht lange vor mir selbst verheimlichen können.“ Ein sanftes Lächeln. „Dafür bist du inzwischen vermutlich zu schwer zu übersehen.“ Er nahm einen Schluck. „Und du?“ Er hob leicht die Augenbraue. „Würdest du dich freuen, wenn ich wiederkomme?“

Sie schaute zu G’raha und fing dann an zu lachen, dabei hielt sie sich mit einer Hand an der Arbeitsplatte fest. „Oh G’raha ich stell mir gerade vor wie sie sich mit einer großen Bürste den Buchrücken waschen oder Bücher die Bücher lesen. Hahaah“ Als sie sich beruhigt hatte wischte sie sich die Lach tränen weg und folgte mit seinem Tee in der Hand. „Du machst mich echt fertig“, und setzte sich dann im Wohnzimmer angekommen neben G’raha auf das Sofa. Zog dann ein Bein an sich heran und umschlang es mit beiden Armen.

„Natürlich freu ich mich dass du dich hier so wohl fühlst und dass du wiederkommen möchtest. Du bist jederzeit willkommen bei mir“, sprach sie die Einladung aus. „Ich habe bis jetzt selten mit jemanden erst herum geblödelt dann zum ernsten Thema gewechselt und dann wieder Blödsinn gemacht ohne dass es allzu peinlich wurde. Entweder war es immer nur das eine oder andere.“

G’raha starrte Mina zunächst fassungslos an. „...Sie waschen sich mit Bürsten?“ Sein Gesicht verzog sich für einen Moment, bevor er selbst in ihr Lachen einstimmte. „Und ich hatte gehofft, meine Bücher würden sich in meiner Abwesenheit einigermaßen würdevoll benehmen.“ Er schüttelte lachend den Kopf. „Jetzt stelle ich mir tatsächlich vor, wie zwei meiner wissenschaftlichen Abhandlungen zusammensitzen und sich gegenseitig über ihre Lieblingskapitel unterhalten.“ Er ließ sich neben ihr auf das Sofa sinken und nahm seine Tasse entgegen.

„Du hast es geschafft. Ich werde meine Bücher heute Nacht mit völlig anderen Augen betrachten.“ Bei ihrem „Du machst mich echt fertig“ grinste er. „Das scheint langsam zu einem wiederkehrenden Muster zu werden.“ Als Mina dann ihre Einladung aussprach, wurde sein Lächeln ruhiger. „Jederzeit willkommen...“ Er wiederholte ihre Worte leise, als würde er sie sich kurz einprägen. „Das ist ein ziemlich schönes Gefühl.“ Er lehnte sich zurück und betrachtete sie, während sie ihr Bein an sich zog. Bei ihrer letzten Bemerkung nickte er langsam. „Ich glaube, genau das empfinde ich auch.“ Er nahm einen Schluck Tee.

„Mit manchen Menschen kann man hervorragend herumalbern. Mit anderen kann man über ernste Dinge sprechen. Aber wenn man versucht, beides miteinander zu verbinden, entsteht manchmal diese merkwürdige Spannung, bei der man plötzlich nicht mehr weiß, ob man gerade lachen oder sich lieber zurückziehen sollte.“ Sein Blick wanderte zu ihr. „Bei dir fühlt es sich nicht so an.“ Ein kleines Lächeln. „Wir können über völlig alberne Dinge reden, und fünf Minuten später sprechen wir darüber, was uns verletzt hat oder wovor wir Angst haben.“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „Und dann machen wir wieder Blödsinn.“ Seine Ohren zuckten amüsiert.

„Ich glaube, das ist ziemlich angenehm.“ Eine kurze Pause. „Vielleicht sogar deshalb, weil es sich nicht so anfühlt, als müsste man ständig darauf achten, welche Seite von sich man gerade zeigen darf.“ Er drehte seine Tasse langsam zwischen den Händen. „Du darfst albern sein. Du darfst neugierig sein. Du darfst ernst sein. Und du darfst mir sogar sagen, wenn du dir Sorgen um mich machst, auch wenn ich dich anschließend daran erinnern muss, dass ich selbst auf mich aufpassen kann.“ Ein warmes Funkeln trat in sein Auge. „Und ich darf dich dafür aufziehen.“ Er hob seine Tasse leicht.

„Das scheint mir ein ziemlich fairer Handel zu sein.“ Dann sah er sie mit einem sanften Lächeln an. „Also werde ich deine Einladung wohl annehmen.“ Eine kleine Pause. „Vielleicht sogar öfter, als deine Bücher es für angemessen halten.“ „In meinen Kopf schon. Ja ich hab eine merkwürdige Vorstellungskraft“, nickte sie. „Immer wieder gerne“, kam es von ihr als er gestand dass sie ihn immer wieder fertig machte.

„Du kannst bei mir einfach du selbst sein, sich zu verstellen kostet einfach zu viel Kraft und ist anstrengend. Kenn ich selber. Und wenn du mich halt aufziehst, dann bekommst du den mittlerweile bekannten Konter halt zurück. Sich um einen Freund zu Sorgen der mir wichtig ist doch völlig normal“, und wiegte sich etwas vor und zurück auf dem Sofa. G’raha schmunzelte und sah Mina einen Moment dabei zu, wie sie sich auf dem Sofa leicht vor und zurück wiegte. „Eine merkwürdige Vorstellungskraft?“ Er hob eine Augenbraue. „Ich würde eher sagen, eine ausgesprochen lebhafte.“ Er nahm einen Schluck Tee.

„Und solange deine Fantasie nur meine Bücher dazu bringt, sich gegenseitig die Haare zu waschen, mache ich mir darüber keine Sorgen.“ Bei ihren nächsten Worten wurde sein Lächeln wärmer. „Du hast recht.“ Er stellte die Tasse auf den kleinen Tisch vor dem Sofa. „Sich ständig zu überlegen, welche Version von einem selbst andere Menschen gerade sehen möchten, ist anstrengend.“ Sein Blick wanderte zu ihr. „Und irgendwann weiß man selbst nicht mehr, welche davon eigentlich die echte ist.“ Er lehnte sich etwas zurück. „Bei dir habe ich bisher nicht das Gefühl, auf jedes Wort achten zu müssen.“ Ein kleines Grinsen.

„Was vermutlich der Grund ist, warum du mich so oft dabei erwischst, wie ich dich ärgere.“ Er ließ den Blick kurz auf ihren wippenden Schweif fallen. „Und dann bekomme ich den bekannten Konter.“ Sein sichtbares Auge funkelte. „Ich glaube, wir haben mittlerweile ein ziemlich gut funktionierendes System.“ Eine kurze Pause. „Du neckst mich.“ Er hob einen Finger. „Ich necke dich.“ Noch einen. „Du wirst frech.“ Noch einen. „Ich werde noch frecher.“ Er sah sie vollkommen ernst an. „Und irgendwann bekommen wir beide vermutlich Ärger.“ Dann musste er selbst lachen. Bei ihrer letzten Bemerkung wurde sein Ausdruck wieder ruhiger. „Und ja.“ Er nickte.

„Sich um einen Freund zu Sorgen, ist völlig normal.“ Seine Stimme wurde etwas leiser. „Ich glaube sogar, dass es schön ist.“ Er sah sie offen an. „Zu wissen, dass jemand da ist, dem nicht egal ist, was mit einem passiert.“ Ein kleines Lächeln. „Das habe ich vielleicht lange genug vermisst, ohne es wirklich zu bemerken.“ Für einen Moment schwieg er. Dann hob sich wieder eine Augenbraue. „Allerdings werde ich dich trotzdem daran erinnern, dass Sorge nicht automatisch bedeutet, dass du mir hinterherlaufen musst, wenn ich einmal einen Kratzer abbekomme.“ Ein schelmisches Funkeln.

„Sonst komme ich irgendwann absichtlich mit einem Pflaster nach Hause, nur um zu sehen, wie ernst du deine neue Aufgabe als selbsternannter Schutzgeist nimmst.“ Er grinste. „Obwohl...“ Sein Blick wurde gespielt nachdenklich. „Vielleicht sollte ich das lieber lassen. Du würdest mir wahrscheinlich tatsächlich eine Standpauke halten.“

Sie lachte „So kann man es auch ausdrücken.“ Lies ihr Bein los und drehte sich mit dem Oberkörper zu G’raha. Die Hände zu krallen über seinen Kopf haltend dann. „Ich kann dir ja den Kopf waschen, wenn du neidisch auf deine Bücher bist“, neckte sie.

G’rahas Ohren schossen augenblicklich nach oben, als Minas Hände sich über seinem Kopf zu kleinen Krallen formten. Er sah zu ihren Fingern. Dann zu ihr. Dann wieder zu ihren Fingern. „...Du würdest also tatsächlich meinem Kopf eine Wäsche verpassen, nur weil du glaubst, ich sei eifersüchtig auf meine Bücher?“ Ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Ich sollte mich vermutlich geehrt fühlen.“ Er duckte den Kopf ein kleines Stück, blieb aber demonstrativ sitzen. „Allerdings möchte ich dich daran erinnern, dass du gerade selbst erklärt hast, dass Miqo'te-Ohren empfindlich sind.“ Seine Ohren zuckten unter ihren Händen.

„Und ich habe heute bereits gelernt, dass du ausgesprochen kreativ darin bist, deine Zuneigung zu zeigen.“ Er sah sie von unten herauf an. „Was genau hast du also vor?“ Ein schelmisches Funkeln erschien in seinem Auge. „Eine ganz normale Kopfwäsche?“ Er neigte den Kopf leicht. „Oder planst du bereits, mir irgendeine höchst fragwürdige Miqo'te-Frisur zu verpassen?“ Sein Schweif schwang amüsiert über das Sofa. „Denn falls du vorhast, mich anschließend mit deinen Büchern vergleichen zu können, möchte ich wenigstens vorher wissen, ob ich mich noch wehren darf.“ Er grinste.

„Oder gilt das ebenfalls als Teil deiner äußerst großzügigen Gastfreundschaft?“

Lachte und lies dann ihre Hände sinken. Schaute dann zu seinen kleinen Zopf am Hinterkopf. „Es würde mich ja schon interessieren wie lange deine Haare ohne den Zopf sind, auch wenn er mir gefällt“, und zupfte schnell am Zopf bevor er sie daran hindern konnte. „Aber warum vermisst du des das ein freund sich um dich Sorgen macht? Ich dachte Deine freunde und Familie wie Thancred machen das schon zu genüge.“

G’rahas Ohren zuckten, als Mina plötzlich nach seinem Zopf griff. „Hey—!“ Zu spät.

Sie hatte bereits daran gezupft.

G’raha griff instinktiv nach seinem Zopf und hielt ihn fest, während er sie mit einem gespielt empörten Blick ansah. „Das war hinterhältig.“ Sein Schweif peitschte einmal amüsiert zur Seite. „Ich hätte wissen müssen, dass deine Krallen über meinem Kopf keine harmlose Drohung waren.“ Er schüttelte leicht den Kopf und strich den Zopf wieder zurecht. „Und nein, ich werde dir jetzt ganz sicher nicht zeigen, wie lang meine Haare ohne ihn sind.“ Eine kurze Pause.

„Zumindest nicht, nachdem du gerade bewiesen hast, dass du keinerlei Respekt vor meinen Frisuren grenzen hast.“ Das Grinsen verriet allerdings, dass er ihr den kleinen Übergriff nicht wirklich übelnahm. Dann wurde sein Ausdruck bei ihrer eigentlichen Frage ruhiger. „Warum ich das vermisse...“ Er lehnte sich etwas zurück und dachte kurz nach. „Du hast recht. Ich habe Freunde, die sich um mich Sorgen. Und Familie.“ Sein Blick wurde weich. „Und Thancred würde vermutlich einen ganzen Vortrag darüber halten, dass ich mich gefälligst besser um mich selbst kümmern soll.“ Ein kleines Lachen.

„Alisaie würde mich wahrscheinlich einfach ausschimpfen.“ Er hob einen Finger. „Y'shtola würde mich mit einem einzigen Blick dazu bringen, mich freiwillig hinzusetzen und meine Verletzungen behandeln zu lassen.“ Noch ein Finger. „Und ja, ich weiß, dass sie alle für mich da sind.“ Er schwieg kurz. „Aber manchmal ist es etwas anderes, wenn jemand sich um dich sorgt, ohne dass du vorher etwas Großes geleistet hast.“ Sein Blick wanderte zu Mina. „Nicht weil du der Krieger des Lichts bist. Nicht weil du eine Expedition geleitet oder die Welt gerettet hast.“ Seine Stimme wurde leiser. „Sondern einfach, weil du *du* bist.“ Ein kleines Lächeln.

„Ich glaube, das ist es, was ich meinte.“ Er nahm seine Tasse wieder auf. „Man gewöhnt sich leicht daran, dass Menschen einen brauchen, weil man etwas kann.“ Sein Daumen strich über den Tassenrand. „Es ist etwas anderes, wenn jemand sagt: *Ich brauche dich nicht, um etwas für mich zu tun. Ich möchte einfach, dass es dir gut geht.*“ Er sah sie offen an. „Und genau das hast du heute ziemlich deutlich getan.“ Ein sanftes Lächeln. „Deshalb bedeutet es mir etwas.“ Dann hob er eine Augenbraue. „Auch wenn die betreffende Person offenbar gleichzeitig meinen Zopf als Freiwild betrachtet.“ Sein Grinsen kehrte zurück.

„Ich muss wohl noch an meiner Einschätzung arbeiten.“

Sie grinste und streckte frech die Zunge raus. „Ich find dein Zöpfchen süß, es steh dir“, neigte sie dann kurz ihren Kopf zur Seite. Du musst nichts besonders für mich leisten oder machen um mich vielleicht sogar zu beeindrucken. Und wenn du mit einer Schramme zu mir kommst, werde ich überprüfen wie schwer verletzt sie ist bevor ich dir eine Standpauke halte". erklärte sie.

G’raha blinzelte bei ihrem ausgestreckten Zunge, bevor sich sein Mundwinkel unwillkürlich hob. „Süß?“ Er griff mit einer Hand nach seinem Zopf und sah kurz über die Schulter, als könnte er ihn selbst begutachten. „Ich glaube, das ist nicht unbedingt ein Wort, dass ich jemals erwartet hätte, wenn jemand meinen Zopf beschreibt.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Aber... danke.“ Er sah wieder zu ihr und legte den Kopf leicht schief. „Und ich muss zugeben, dass es mir gefällt, dass du ihn magst. Immerhin scheinst du inzwischen eine gewisse Vorliebe dafür entwickelt zu haben, daran herum zu zupfen.“ Ein schelmisches Funkeln trat in sein Auge.

„Beim nächsten Mal solltest du vielleicht vorher fragen.“ Eine kurze Pause. „Vielleicht lasse ich dich dann sogar.“ Bei ihren nächsten Worten wurde sein Ausdruck jedoch deutlich weicher. G’raha sah sie einen Moment lang einfach an. „Du meinst das wirklich.“ Es war keine Frage. Er ließ die Schultern etwas sinken und lächelte. „Das ist... schön zu wissen.“ Er stellte seine Tasse ab und verschränkte die Hände locker miteinander. „Dann werde ich mir wohl keine Gedanken darüber machen müssen, dich beeindrucken zu wollen.“ Ein kleines Grinsen.

„Was vermutlich eine große Erleichterung ist. Ich müsste mir sonst ständig irgendwelche spektakulären Geschichten ausdenken.“ Seine Ohren zuckten. „Obwohl...“ Er hob eine Augenbraue. „Ich hätte durchaus ein paar auf Lager.“ Dann wurde er wieder ernster. „Aber deine Regel gefällt mir.“ Er nickte langsam. „Erst nachsehen, wie schlimm es ist. Dann schimpfen.“ Ein amüsiertes Lächeln. „Das klingt nach einem vernünftigen medizinischen Verfahren.“ Er deutete mit einem Finger auf sie. „Und ich verspreche dir im Gegenzug, dass ich dir nicht absichtlich mit einer Schramme vor der Tür auftauche, nur um deine Reaktion zu testen.“ Eine kurze Pause.

„Zumindest nicht mehr als einmal.“ Er lachte leise und lehnte sich entspannt zurück. „Aber Mina...“ Sein Blick wurde warm. „Du musst mir ebenfalls nichts beweisen.“ Er hielt ihren Blick. „Du musst mich nicht besonders unterhalten, nicht immer fröhlich sein und schon gar nicht diejenige sein, die auf alles eine Antwort hat.“ Ein kleines Lächeln. „Ich komme gerne hierher, weil ich dich mag, wie du bist.“ Seine Ohren zuckten leicht. „Mit deinen Fragen, deinem Kaffee, deinen seltsamen Vorstellungen von sich waschenden Büchern... und deiner offensichtlichen Vorliebe dafür, an meinem Zopf zu ziehen.“ Er schmunzelte.

„Das Gesamtpaket eben.“

„Ne andere Frisur als diese würde dir vermutlich auch gar nicht stehen. Oh ein neues Abenteuer“, setzte sich jetzt seitlich auf das Sofa und stützte ihre Ellenbogen auf die Lehne um um ihr Gesicht auf die Hand abzustützen. „Erzähl, ich bin ganz Ohr. Ich mag es, wenn du mir von deinen Reisen erzählst.“

G’rahas Gesicht hellte sich bei ihrer Begeisterung sofort auf. „Ein neues Abenteuer?“ Er lehnte sich etwas zurück und sah Mina an, die es sich nun seitlich auf dem Sofa bequem gemacht hatte. „Du bist erstaunlich leicht zu begeistern.“ Sein Grinsen wurde breiter.

„Aber gut. Wenn du Geschichten von meinen Reisen hören möchtest, sollst du eine bekommen.“ Er stellte seine Tasse beiseite und verschränkte die Hände locker im Schoß. „Vor nicht allzu langer Zeit war ich mit einigen anderen unterwegs. Eigentlich sollte es eine recht einfache Reise werden. Ein paar Nachforschungen, ein wenig Erkundung und anschließend wieder zurück.“ Er hob einen Finger. „Wie du dir vermutlich denken kannst, blieb es nicht dabei.“ Ein vielsagendes Lächeln.

„Wir fanden in einem abgelegenen Gebiet einen alten Zugang zu einer Ruine. Die Inschriften dort waren kaum noch zu entziffern, aber ein Teil davon erwähnte eine unterirdische Bibliothek.“ Sein Auge begann regelrecht zu leuchten. „Eine Bibliothek.“ Er bemerkte ihren Blick und räusperte sich. „Ich weiß, was du jetzt denkst.“ Sein Grinsen wurde ertappt. „Aber ich hatte wirklich einen guten Grund, dort hineinzugehen.“ Eine kurze Pause.

„Zumindest am Anfang.“ Er fuhr fort: „Der Eingang war hinter einer eingestürzten Wand verborgen. Wir mussten uns durch einen ziemlich engen Spalt zwängen. Thancred war natürlich der Erste, der hindurchging.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Er kam auf der anderen Seite an, sah sich um und sagte nur: ‚Du wirst das lieben.‘“ G’raha legte eine Hand an die Brust. „Und er hatte recht.“ Sein Blick bekam etwas Verträumtes. „Die Bibliothek war riesig. Mehrere Ebenen, die durch alte Brücken miteinander verbunden waren. Überall standen Regale. Einige davon waren noch vollständig erhalten.“ Er lächelte.

„Und zwischen den Regalen schwebten kleine Lichtkugeln. Sie bewegten sich langsam durch die Gänge und beleuchteten die Bücher, sobald man sich ihnen näherte.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Es war wunderschön.“ Dann wurde sein Gesichtsausdruck etwas verlegen. „Natürlich musste ich mir eines der Bücher genauer ansehen.“ Eine Pause. „Das war der Moment, in dem wir bemerkten, dass die Bibliothek offenbar nicht ganz verlassen war.“ Seine Ohren klappten leicht zur Seite. „Die Lichtkugeln waren nämlich keine Beleuchtung.“ Er sah Mina an. „Sie waren Wächter.“ Ein breites Grinsen.

„Und sie mochten es überhaupt nicht, dass ich ihre Bücher angefasst habe.“ Er hob beide Hände. „Ich schwöre, ich habe nur eine einzige Seite umgeblättert.“ Dann deutete er auf sich. „Eine.“ Er schüttelte den Kopf. „Plötzlich schossen ungefähr ein Dutzend dieser Dinger auf mich zu. Thancred rief irgendetwas von ‚Finger weg von den Büchern‘ und verschwand hinter einer Säule.“ G’raha hielt inne. „Er hat mich tatsächlich dort stehen lassen.“ Sein empörter Gesichtsausdruck hielt ungefähr zwei Sekunden. Dann musste er lachen. „Ich konnte mich schließlich retten.“ Er nahm seine Tasse wieder auf.

„Und bevor du fragst: Ja. Ich habe das Buch mitgenommen.“ Ein triumphierendes Grinsen. „Natürlich erst, nachdem wir die Wächter davon überzeugt hatten, dass ich keine Gefahr für ihre Sammlung darstellte.“ Er nahm einen Schluck Tee. „Und bevor du mich fragst, ob das der Grund ist, warum ich so viele Bücher besitze...“ Er hob eine Augenbraue. „Nein.“ Eine kurze Pause. „Aber es hat definitiv nicht geholfen.“ Das Kinn auf die Hand gestützt betrachtete sie G’raha aufmerksam.

„Natürlich blieb es nicht dabei“ „Hast du denn nicht immer das Glück, in eine Bibliothek zu gelangen?“, fragte sie. Langsam schüttelte sie ihren Kopf bei G’rahas Erzählung und lächelte verschmitzt. G’raha, der die Finger nicht von den Büchern lassen kann. Ich will nicht wissen wie lange ihr dort Zeit verbracht habt. Gibt es auch ein Abenteuer in dem du mal keine Bibliothek besichtigt hast? Oder sind das eher die harten Sachen?", fragte sie und legte nun ihren Arm auf die Lehne ab und das Kinn auf die Hand abgelegt.

G’raha hob bei ihrer Frage eine Augenbraue. „Habe ich den Ruf, jede Bibliothek zu plündern, die mir über den Weg läuft?“ Eine kurze Pause.

„...Ja.“ Er seufzte gespielt ergeben. „Ich fürchte, dieser Ruf ist nicht völlig unbegründet.“ Sein Schweif schwang amüsiert über das Sofa. „Aber ich möchte zu meiner Verteidigung sagen: Wenn man einmal eine wirklich außergewöhnliche Bibliothek gefunden hat, kann man doch nicht einfach daran vorbeigehen.“ Er sah sie mit einem unschuldigen Ausdruck an. „Das wäre doch beinahe unhöflich.“

Bei ihrer Bemerkung darüber, wie lange sie wohl dort gewesen waren, grinste er. „Länger als geplant.“ Er hob einen Finger. „Deutlich länger.“ Noch einen. „Sehr deutlich länger.“ Dann schüttelte er lachend den Kopf. „Wir mussten mich irgendwann praktisch aus dem Gebäude herausziehen.“ Er sah kurz zur Seite. „Und ja, es gibt durchaus Abenteuer ohne Bibliotheken.“ Sein Tonfall wurde ein wenig nachdenklicher. „Einige sogar ziemlich viele.“ Er lehnte sich zurück. „Aber die sind meistens... weniger entspannend.“ Ein kleines Grinsen. „Es gab beispielsweise einmal eine Reise, bei der wir mehrere Tage durch ein ziemlich unwirtliches Gebiet unterwegs waren. Kein vernünftiger Weg, kaum Wasser und ständig irgendwelche Kreaturen, die offenbar beschlossen hatten, dass wir eine hervorragende Mahlzeit abgeben würden.“ Er hob die Tasse. „Dort gab es keine Bibliothek.“ Eine dramatische Pause. „Nicht eine.“ Sein Gesicht wurde todernst. „Ich habe mich noch nie so unwohl gefühlt.“ Dann musste er lachen. „Aber im Ernst.“ Er stellte die Tasse wieder ab. „Das war tatsächlich eine der anstrengenderen Reisen. Nicht wegen eines einzelnen großen Gegners, sondern weil man ständig aufmerksam sein musste. Schlafen, ohne wirklich tief zu schlafen. Jeden Morgen prüfen, ob die Ausrüstung noch intakt ist. Nahrung und Wasser einteilen.“ Sein Blick wurde für einen Moment ernster. „Solche Reisen sind weniger glamourös, als man sich das vielleicht vorstellt.“ Er sah wieder zu Mina. „Aber sie haben mir auch etwas beigebracht.“ Ein kleines Lächeln. „Die schönsten Momente entstehen manchmal gerade dann, wenn man eigentlich völlig erschöpft ist.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Ein Feuer in der Nacht. Etwas Warmes zu essen. Jemand, mit dem man lachen kann.“ Sein Blick blieb einen Moment länger auf ihr. „Oder eine Tasse Tee nach einem langen Tag.“ Dann hob er leicht die Augenbraue. „Und bevor du jetzt wieder behauptest, ich würde nur von Bibliotheken erzählen...“ Ein schelmisches Grinsen. „Ich könnte dir auch von einer Reise erzählen, bei der ich fast von einem riesigen Wasservogel gefressen wurde.“ Er machte eine kurze Pause. „Die Geschichte ist allerdings deutlich weniger würdevoll.“

Kichernd schaute sie ihn an. „Kann ich mir bei dir bildhaft vorstellen. Thancred, der dich am Kragen aus der Bibliothek zerrt und du nur: »Noch ein Buch!«“ Sie grinste schelmisch. „Dass du dich ohne Bibliothek unwohl fühlst, glaube ich dir. G’raha und Bücher gehören wohl zusammen wie Tapete an der Wand“, zog sie den Vergleich. „Du kannst mir jedes deiner Abenteuer erzählen, was du erlebt hast. Was mir aufgefallen ist: Du bist sehr bescheiden. Spielst dich nicht als großen Helden auf und verlangst Anerkennung und Ruhm wie manch andere. Und dabei hast du mehrmals die Welt gerettet, laut deiner Aussage.“

G’raha brach bei ihrer Vorstellung in ein herzliches Lachen aus. „*Noch ein Buch!*“ Er hob beide Hände und ahmte dabei einen verzweifelten Griff nach einem imaginären Buch nach. „Nur noch dieses eine, Thancred! Ich verspreche, danach komme ich sofort!“ Er schüttelte lachend den Kopf. „Und dann würde er wahrscheinlich nur seufzen und mich weiter am Kragen hinter sich herziehen.“ Bei ihrem Vergleich mit der Tapete legte er gespielt nachdenklich einen Finger ans Kinn. „G’raha und Bücher gehören zusammen wie Tapete an der Wand...“ Er nickte langsam. „Ich fürchte, damit kann ich leben.“ Dann wurde sein Gesichtsausdruck etwas nachdenklicher, als sie ihn als bescheiden bezeichnete. „Ich weiß nicht, ob ich mich selbst als bescheiden bezeichnen würde.“ Er lehnte sich zurück. „Vielleicht habe ich einfach irgendwann gelernt, dass es ziemlich wenig bringt, ständig darüber zu reden, was man geleistet hat.“ Sein Blick fiel kurz auf seine Tasse. „Wenn man etwas tut, weil es getan werden muss, fühlt es sich hinterher manchmal gar nicht wie eine große Heldentat an.“ Er hob die Schultern. „Man sieht die Menschen, die man retten wollte. Diejenigen, die trotzdem verletzt wurden. Die Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie man gehofft hatte.“ Sein sichtbares Auge wurde ruhiger. „Da fällt es schwer, sich selbst auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: *Nun, das war aber großartig von mir.*“ Ein kleines, schiefes Lächeln. „Außerdem war ich nicht allein.“ Er sah Mina wieder an. „Das ist etwas, das bei Geschichten über Helden gerne vergessen wird.“ „Es gab immer andere, die neben mir standen. Freunde, Verbündete, Menschen, die ihre eigenen Leben riskiert haben. Manchmal war ich derjenige, der vorne stand. Ein anderes Mal war es jemand anderes.“ Er strich mit dem Daumen über den Rand seiner Tasse. „Wenn jemand dafür Anerkennung verdient, dann nicht nur ich.“ Eine kurze Pause. Dann erschien wieder ein kleines Grinsen. „Wobei ich zugeben muss...“ Er hob eine Augenbraue. „Ein wenig Anerkennung von dir nehme ich durchaus gerne entgegen.“ Sein Schweif bewegte sich langsam. „Vor allem, weil du vermutlich ohnehin nicht zulassen würdest, dass ich mich allzu sehr darauf ausruhe.“ Er musterte sie amüsiert. „Du würdest mir wahrscheinlich nach zwei Minuten erzählen, dass ich gerade wieder viel zu bescheiden bin.“ Dann wurde sein Ton wieder leichter. „Und was meine angeblich zahlreichen Weltrettungen betrifft...“ Er hob die Tasse. „Ich möchte anmerken, dass ich keineswegs behauptet habe, *allein* die Welt gerettet zu haben.“ Ein verschmitztes Grinsen. „Ich war nur zufällig oft genug dabei, als sie gerettet werden musste.“ Er nahm einen Schluck. „Was vermutlich eher eine besorgniserregende Statistik über meine Reiseplanung ist.“ Sein Blick wanderte zu ihr. „Vielleicht sollte ich einfach mehr Urlaub machen.“ Eine kurze Pause. „Obwohl...“ Sein Auge funkelte. „Dann würde ich wahrscheinlich irgendwann eine Bibliothek finden und wieder mitten in einem Abenteuer landen.“

Sie lachte herzhaft, als er imaginär die Hände nach einem Buch ausstreckte. „Ja, genau so stelle ich es mir vor“, giggelte sie, wobei ihre Stirn kurz seine Schulter streifte. „Aber du bist allemal besser als die anderen Flachpfeifen, die sich hinstellen und sagen: ‚Hey Leute, ich hab dies und jenes geleistet. Zollt mir Respekt, das war großartig!‘“, verdrehte sie die Augen. „Davon laufen meiner Meinung nach viel zu viele Exemplare herum, schon allein in Gridania, wie sich manche aufspielen, weil sie einen Marienkäfer plattgemacht haben und denken, sie sind der große Held.“ Sie setzte sich dann im Schneidersitz seitlich auf das Sofa. „Ich hab’s: Wie wäre es, wenn du eine Beziehung mit einer Bibliothek eingehst? Die widerspricht dir nicht, hat immer für dich Zeit und ist für dich da. Kannst dich entspannen. Und ihr habt schon Abertausende kleine Nachkommen in Form von Büchern. Wie wär’s?“

G’raha lachte erneut, als ihre Stirn kurz seine Schulter streifte. „Dann hast du dir meine Rettung aus der Bibliothek offenbar ziemlich genau vorgestellt.“ Er grinste. „Ich fürchte, Thancred würde deine Version der Geschichte erschreckend glaubwürdig finden.“ Als sie anschließend über die selbsternannten Helden herzog, legte G’raha den Kopf schief. „Ein Marienkäfer?“ Er musste sich sichtlich beherrschen, nicht wieder zu lachen. „Nun, ich möchte die Gefahr eines Marienkäfers keinesfalls unterschätzen.“ Eine kurze Pause. „Man weiß schließlich nie, was für Überraschungen in einem Marienkäfer stecken.“ Sein Gesicht wurde todernst. „Vielleicht war es ein besonders gefährlicher Marienkäfer.“ Dann brach er doch in Gelächter aus. „Aber ich verstehe, was du meinst.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Ich glaube, wirkliche Größe zeigt sich eher darin, wie jemand mit seinen Erfolgen umgeht, nachdem niemand mehr zusieht.“

Als Mina sich im Schneidersitz auf das Sofa setzte und ihm ihren Vorschlag unterbreitete, eine Beziehung mit einer Bibliothek einzugehen, starrte G’raha sie zunächst einfach an. „Eine Beziehung... mit einer Bibliothek.“ Er blinzelte. „Du schlägst mir gerade ernsthaft vor, eine Bibliothek zu heiraten.“ Sein Mundwinkel zuckte. „Sie widerspricht mir nicht, sagst du.“ Er hob einen Finger. „Das könnte allerdings daran liegen, dass sie keine Stimme hat.“ Noch einen Finger. „Sie hat immer Zeit.“

„Das stimmt.“

Noch einen. „Sie ist für mich da.“ Er nickte nachdenklich. „Auch wahr.“ Dann sah er sie wieder an. „Und die kleinen Nachkommen...“ Sein Blick wanderte kurz zu dem imaginären Berg von Büchern. „...davon habe ich tatsächlich bereits mehrere Tausend.“ Er verschränkte die Arme. „Das klingt verdächtig nach einer ausgesprochen erfolgreichen Beziehung.“ Eine Pause. Dann beugte er sich ein kleines Stück zu ihr. „Aber es gibt ein kleines Problem.“ Sein Auge funkelte. „Eine Bibliothek kann nicht mit mir lachen.“ Er tippte sich leicht gegen die Brust. „Sie kann mich nicht aufziehen.“ Ein zweiter Finger. „Sie kann mir nicht auf die Finger klopfen, wenn ich zu neugierig werde.“

Noch ein Finger. „Und sie würde vermutlich niemals versuchen, meinen Zopf zu klauen.“ Er grinste. „Das sind erhebliche Nachteile.“ Er lehnte sich wieder zurück. „Außerdem...“ Seine Stimme wurde etwas wärmer. „Eine Bibliothek würde mir wahrscheinlich nicht so neugierig zuhören, wenn ich von meinen Reisen erzähle.“ Er sah sie direkt an. „Ich glaube, ich bleibe lieber bei meinen Büchern.“ Ein kleines Lächeln. „Und bei den Menschen, die sie nicht gegen mich verwenden.“ Seine Ohren zuckten. „Zumindest meistens.“

„Na ja, heiraten dürfte etwas schwer werden, schon allein, wenn ich an die Größe des Rings denke, für die Bibliothek. Ich glaube, das würde dich arm machen, den herstellen zu lassen“, überlegte sie. „Ich hab nicht versucht zu klauen, nur etwas gezupft“, machte sie einen Schmollmund und schaute zur Seite.

G’raha legte eine Hand ans Kinn und betrachtete sie mit todernster Miene. „Das stimmt. Ein Ring für eine ganze Bibliothek wäre vermutlich ein logistischer Albtraum.“ Er begann mit den Fingern etwas abzuschätzen. „Und stell dir erst einmal die Kosten vor. Man bräuchte vermutlich mehrere Handwerker, eine Wagenladung Metall...“ Er hielt inne. „...und wahrscheinlich eine ziemlich große Tür, um ihn überhaupt durchzubekommen.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich glaube, du hast mich gerade vor einer finanziellen Katastrophe bewahrt.“

Als Mina dann schmollend zur Seite blickte, wanderte sein Blick zu ihr. „Nur etwas gezupft.“ Er wiederholte ihre Worte mit betontem Zweifel. „Natürlich.“ Seine Ohren zuckten. „Und ich nehme an, wenn du mich das nächste Mal am Zopf ziehst, wird es auch nur ein *kleines bisschen* sein.“ Er lehnte sich etwas näher zu ihr. „Und wenn du irgendwann meine Ohren anfasst, wirst du wahrscheinlich behaupten, du wolltest nur überprüfen, ob sie noch da sind.“ Ein amüsiertes Funkeln. „Ich kenne deine Ausreden inzwischen.“ Dann hob er beide Hände. „Aber gut. Ich werde großzügig sein.“ Er deutete auf seinen Zopf. „Du hast ihn nicht gestohlen.“ Eine kurze Pause. „Du hast ihn lediglich einer sehr gründlichen Qualitätskontrolle unterzogen.“ Er nickte ernst. „Ich hoffe, er hat deine Prüfung bestanden.“ Sein Grinsen wurde wieder weich. „Und falls du tatsächlich irgendwann wissen möchtest, wie lang meine Haare ohne diesen Zopf sind...“ Er zögerte kurz. „...kannst du mich einfach fragen.“ Ein schelmischer Blick. „Dann musst du nicht wieder heimlich daran ziehen.“ Seine Ohren zuckten. „Wobei ich nicht verspreche, dass ich dir die Antwort sofort gebe.“

„Wenn man das von der Seite betrachtet, wäre eine Beziehung mit einer Bibliothek wohl doch keine so gute Verbindung für dich. Hm, war ’nen Versuch wert. Und stell dich nicht so an, du hast noch keine Glatze. Und um eine Qualitätskontrolle bei dir durchzuführen, würde ich deine Haare ordentlich durchwuscheln.“

G’raha sah sie einen Moment lang an, dann fuhr er sich demonstrativ über den Kopf. „Eine Qualitätskontrolle durch Durchwuscheln?“ Seine Ohren stellten sich auf. „Das klingt verdächtig nach einer sehr kreativen Umschreibung für *Ich möchte dich durch die Haare wuscheln*.“ Er zog eine Augenbraue hoch. „Und was meine angebliche Glatze betrifft...“ Er tastete kurz über seinen Kopf und setzte eine gespielt erleichterte Miene auf. „Du hast recht. Noch alles vorhanden.“ Dann sah er sie wieder an. „Allerdings weiß ich jetzt nicht, ob ich mich darüber freuen soll, dass du das so genau überprüft hast.“ Sein Schweif zuckte amüsiert. „Du scheinst meine Haare inzwischen wirklich interessant zu finden.“ Er lehnte sich etwas zurück und verschränkte die Arme. „Erst meinen Zopf begutachten, dann daran ziehen und jetzt möchtest du sie auch noch durchwuscheln.“ Ein breites Grinsen. „Wenn das so weitergeht, muss ich am Ende tatsächlich eine Schutzverordnung für meine Frisur erlassen.“

Er hob einen Finger. „Regel eins: Kein heimliches Zupfen.“ Noch einen. „Regel zwei: Durchwuscheln nur nach vorheriger Ankündigung.“ Dann hielt er inne. „Und Regel drei...“ Sein Blick wurde schelmisch. „...ich darf mich revanchieren.“ Er deutete auf Minas Haar. „Schließlich wäre es äußerst unfair, wenn nur eine von uns beiden einer Qualitätskontrolle unterzogen wird.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Also, was meinst du?“ Er legte den Kopf schief. „Hast du wirklich vor, meine Frisur zu ruinieren?“

„Ich finde deine Haarfarbe toll. Passt zu deinen Augen“, gestand sie und nahm dann eine Strähne ihres Haares, die sie G’raha hinhielt. „Hier, als gerechten Ausgleich.“

G’rahas Blick fiel auf die Haarsträhne, die Mina ihm hinhielt. Für einen Moment sagte er gar nichts. Dann wanderte sein Blick langsam zu ihrem Gesicht. „Meine Haarfarbe passt zu meinen Augen?“ Ein kleines, überraschtes Lächeln erschien. „Das ist... ein ausgesprochen schönes Kompliment.“

Er nahm die Strähne vorsichtig zwischen zwei Finger und betrachtete sie. „Und ich glaube, dein Haar ist mindestens genauso auffällig.“ Er ließ die Strähne sanft wieder los, ohne daran zu ziehen. „Weiß wie der Mondschein.“ Sein sichtbares Auge funkelte warm. „Jetzt verstehe ich allerdings deinen Vorschlag.“ Er hob eine Augenbraue. „Du willst also einen gerechten Tauschhandel.“ Ein schelmisches Grinsen. „Du bekommst die Erlaubnis, meine Haare zu zerzausen, und im Gegenzug darf ich deine Qualitätskontrolle durchführen.“ Er hob die Hand und ließ sie demonstrativ über ihren Kopf schweben, ohne ihn zu berühren. „Aber keine Sorge.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich werde sehr vorsichtig sein.“ Eine kurze Pause. „Zunächst.“ Dann wuschelte er ihr mit einer Hand sanft durch das weiße Haar. Nicht grob, eher spielerisch, sodass einige Strähnen aus ihrer ordentlichen Lage gerieten. G’raha zog seine Hand wieder zurück und betrachtete das Ergebnis. „Hm.“ Er nickte fachmännisch. „Bestanden.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Sehr weiches Fell... äh, Haar.“ Er räusperte sich. „Ich meinte natürlich Haar.“ Ein freches Grinsen. „Und jetzt bin ich gespannt, ob meine eigene Qualitätskontrolle ebenso gnadenlos ausfällt.“

Sie war erstaunt, dass er die Gelegenheit nicht wahrnahm, um sie am Haar zu zupfen. Stattdessen wuschelte er ihr durchs Haar. Ihre Ohren senkten sich automatisch seitlich. Sie schloss die Augen und ließ es über sich ergehen. Irgendwie war das doch ein schönes Gefühl, durchs Haar gewuschelt zu werden. Als er fertig war, schüttelte sie sich kurz und strich mit beiden Händen über ihren Scheitel, um ihn wieder zu glätten. „Weiß wie der Mondschein? So ein Kompliment hab ich bisher noch nie bekommen. Mich hat mal jemand anders genannt, aber egal. Jetzt bin ich ja wohl dran.“ Sie kniete sich dann auf das Sofa, das sie über G’raha aufgerichtet hatte, und hob beide Hände in die Höhe. „Attacke!“, und wuschelte G’raha durchs Haar, was aber nach ein paar Sekunden in ein Streicheln überging. „Schönes weiches Haar“, kam es leise von ihr, dann hörte sie abrupt auf und setzte sich wieder richtig neben ihn. „Also, Läuse hast du schon mal keine, gut zu wissen“, räusperte sie sich, um ihre Verlegenheit zu vertuschen.

G’raha hatte gerade noch genug Zeit, überrascht zu den erhobenen Händen zu schauen. „Warte—“ Zu spät. „Attacke?!“ Ihre Finger fuhren durch sein Haar und brachten den sorgfältig gebundenen Zopf samt der restlichen Frisur gehörig durcheinander. G’raha lachte überrascht auf und duckte sich zunächst instinktiv ein wenig. „Mina!“ Doch als ihre Finger schließlich vom spielerischen Wuscheln in sanftes Streicheln übergingen, verstummte er. Seine Ohren sanken langsam zur Seite. Für einen Moment schloss auch er das Auge. Die Berührung war unerwartet angenehm. Und als sie leise bemerkte, dass sein Haar weich sei, öffnete er das Auge wieder und sah sie an. Doch da hatte sie bereits abrupt aufgehört und sich neben ihn gesetzt. „...Läuse.“ Er wiederholte das Wort vollkommen fassungslos. Dann fuhr er sich durch sein zerzaustes Haar. „Das ist deine wissenschaftliche Schlussfolgerung?“ Sein Gesicht nahm einen todernsten Ausdruck an. „Nach all dem Streicheln, dem Wuscheln und deiner höchst professionellen Untersuchung lautet dein abschließendes Urteil lediglich: *Keine Läuse*?“

Er schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich weiß nicht, ob ich mich geehrt oder beleidigt fühlen soll.“ Ein breites Grinsen verriet, dass er sich eindeutig für Ersteres entschied. Dann bemerkte er ihre Verlegenheit. Seine Ohren zuckten leicht. „Übrigens...“ Er strich sich eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht. „Das Streicheln hat mir gefallen.“ Seine Stimme war ruhiger geworden. „Nur damit du das weißt.“ Ein kleines Lächeln. „Und ich glaube, du hast gerade ziemlich erfolgreich herausgefunden, dass meine Haare tatsächlich weich sind.“ Er sah sie einen Moment an. „Also war deine Qualitätskontrolle wohl doch nicht völlig unsinnig.“ Dann griff er nach seinem Zopf und versuchte, ihn wieder halbwegs ordentlich zu bekommen. „Allerdings habe ich jetzt ein Problem.“ Er zeigte auf seine Haare. „Du hast meine Frisur ruiniert.“ Sein Blick wurde gespielt anklagend. „Ich sehe also keine andere Möglichkeit, als dass du sie wieder in Ordnung bringst.“ Eine kurze Pause. Sein Grinsen wurde breiter. „Schließlich warst du diejenige, die die Qualitätskontrolle durchgeführt hat.“

Sie fing bei seinem entgleisten Gesicht an zu lachen und hielt sich den Bauch. Wobei sie wieder verlegen zur Seite schaute und sich räusperte, als er ihr gestand, dass ihm das Streicheln gefallen hatte. „Okay, ich mache meinen Schaden an dir wieder gut. Ist das Mindeste, was ich tun kann. Dreh dich um“, und machte einen Kreis mit dem Finger in die Luft, damit G’raha ihr den Rücken zuwenden sollte. „Und ich stelle auch nichts Böses mehr an, versprochen“, hob sie zwei Finger.

G’raha schüttelte lachend den Kopf, als sie sich vor Lachen den Bauch hielt. „Du findest das wirklich ausgesprochen amüsant, oder?“ Bei ihrem verlegenen Räuspern entging ihm allerdings nicht, dass seine kleine Bemerkung über das Streicheln sie offenbar ebenfalls aus dem Konzept gebracht hatte. Ein kaum merkliches, warmes Lächeln huschte über sein Gesicht. Als sie ihm versprach, seinen Schaden wieder gutzumachen, hob er eine Augenbraue. „Du versprichst also, nichts Böses anzustellen.“ Er betrachtete ihre zwei erhobenen Finger. „Das ist vermutlich das verdächtigste Versprechen, das ich heute bekommen habe.“

Trotzdem drehte er sich auf dem Sofa herum und setzte sich so hin, dass sie seinen Rücken vor sich hatte. „Na schön.“ Er griff nach seinem Zopf und löste vorsichtig das Band. „Ich vertraue dir.“ Seine langen Haare fielen nun locker über seinen Rücken. Er legte das Band neben sich auf das Sofa und strich einmal mit den Händen durch die Haare. „Aber ich möchte dich daran erinnern, dass du gerade eine einmalige Gelegenheit bekommst.“ Er blickte über die Schulter zu ihr. „Du darfst meine Haare wieder in Ordnung bringen.“ Ein kleines Grinsen. „Und wenn du dabei feststellst, dass du sie erneut streicheln möchtest...“ Seine Ohren zuckten. „...werde ich mich selbstverständlich nicht beschweren.“ Dann wandte er sich wieder nach vorne. „Also, Frau Qualitätskontrolleurin.“ Seine Stimme klang amüsiert. „Ich bin gespannt, ob du deine eigene Frisur genauso sorgfältig behandelst wie meine.“

Sie musste wieder giggeln. „Ehrlich, ich bin ganz brav“, und war erstaunt, als er sich umdrehte und den Zopf löste. Wortlos betrachtete sie einen Moment seine Haare und biss sich auf die Lippen, damit ihr ja nichts Unüberlegtes herausrutschte. Sie fasste seine Haare dann mit einer Hand locker zu einem Zopf und lachte doch wieder, wobei ihre Stirn kurz an seinem Rücken ruhte. „Du machst mich fertig, Kater. Sag es doch, wenn du getätschelt werden willst“, und strich sanft mit der anderen Hand durch sein Haar, um es zu glätten, damit keine sogenannten Katzenaugen in der Frisur entstanden. „Natürlich bekommt mein Haar ausreichend Pflege. Was denkst du, wie es so lang geworden ist?“, und blickte kurz zu ihren etwas über schulterlangen Haaren. „Sag, wenn ich dich aus Versehen ziepe“, und nahm dann das Band, welches sie um sein Haar wickelte, bevor sie es festzog. „So, fertig“, gab sie ihm einen leichten Klaps auf die Schulter, damit er sich wieder umdrehen konnte.

G’raha blieb erstaunlich still, während Mina seine Haare ordnete. Als ihre Stirn kurz seinen Rücken berührte, zuckten seine Ohren leicht. Ihr leises Lachen ließ ihn selbst schmunzeln. „Kater?“ Er drehte den Kopf ein wenig zur Seite. „Ich fürchte, dieser Name wird mir jetzt wohl dauerhaft anhaften.“ Als ihre Finger sanft durch sein Haar glitten, schloss er für einen kurzen Moment das Auge. Die Berührung war tatsächlich angenehm gewesen – vielleicht sogar angenehmer, als er erwartet hatte. „Und ich wollte dich nicht extra darum bitten.“ Ein kleines, zufriedenes Lächeln. „Es ist schließlich schöner, wenn jemand von selbst auf die Idee kommt.“ Bei ihrer Warnung, dass sie ihm nicht aus Versehen ziepen solle, musste er leise lachen. „Wenn du mich ziepst, werde ich es dir schon sagen.“ Dann spürte er, wie sie das Band festzog. „...“ Er wartete einen Moment. „Das war angenehm.“ Er ließ die Worte einfach stehen. Als sie ihm anschließend auf die Schulter klopfte, drehte er sich wieder zu ihr um und fuhr mit einer Hand über den frisch gebundenen Zopf.

„Oh.“ Er tastete kurz nach hinten. „Das ist tatsächlich wieder ordentlich.“ Er sah sie mit einem anerkennenden Lächeln an. „Du hast deine Aufgabe erstaunlich gut erfüllt.“ Sein Blick blieb einen Moment auf ihr liegen. „Und du hast dich tatsächlich an dein Versprechen gehalten.“ Er hob eine Augenbraue. „Ich bin fast enttäuscht.“ Ein schelmisches Grinsen. „Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass du irgendwo heimlich eine Schleife hineinbindest.“ Dann legte er den Kopf leicht schief. „Obwohl...“ Seine Ohren zuckten. „Ich glaube, ich habe gerade etwas Wichtiges gelernt.“ Er deutete auf seinen Zopf. „Wenn ich dich meine Haare machen lasse, bekomme ich nicht nur eine neue Frisur.“ Sein Blick wanderte kurz zu ihrer Hand. „Sondern offenbar auch eine sehr angenehme Kopfmassage.“ Er grinste. „Das könnte gefährlich werden.“ Dann lehnte er sich wieder etwas zurück. „Ich könnte mich daran gewöhnen.“

„Na, ich bin Mietz und du dann Kater, ganz einfach“, stellte sie entschlossen fest. „Das solltest du deiner Angebeteten mal sagen, dann übernimmt sie das sogar freiwillig“, schlug sie vor und stemmte dann die Hände in die Hüften und beugte sich dicht vor. „Natürlich habe ich mein Versprechen gehalten. Wenn ich sage, ich mache nichts, dann tue ich das auch nicht. Vielleicht mache ich das auch das nächste Mal, und weil du gerade sagtest, dass du enttäuscht bist, dass ich mich an mein Wort gehalten habe.“

G’raha hob bei ihrer Erklärung eine Augenbraue. „Mietz und Kater.“ Er nickte langsam. „Nun, ich fürchte, dagegen kann ich schwer argumentieren.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Dann bist du also die Mietz und ich der Kater.“ Als sie sich plötzlich dicht vor ihn beugte und die Hände in die Hüften stemmte, wich er nicht zurück. Stattdessen sah er ihr mit einem amüsierten Funkeln entgegen. „Und jetzt drohst du mir tatsächlich damit, meine Haare beim nächsten Mal wieder zu machen?“ Er legte eine Hand auf die Brust. „Wie soll ich mit dieser schrecklichen Aussicht nur umgehen?“ Ein leises Lachen. „Aber ich nehme deine Worte ernst.“

Sein Ausdruck wurde etwas ruhiger. „Wenn du etwas versprichst, dann hältst du dich daran.“ Er nickte anerkennend. „Das ist eine Eigenschaft, die ich sehr zu schätzen weiß.“ Dann kam sein schelmisches Grinsen zurück. „Allerdings möchte ich eine Sache klarstellen.“ Er tippte sich gegen den Zopf. „Ich war nicht enttäuscht, weil du dein Versprechen gehalten hast.“ Sein Blick wanderte kurz zu ihr. „Ich war enttäuscht, weil ich gehofft hatte, dass du trotzdem irgendeinen kleinen Unfug findest, der nicht gegen dein Versprechen verstößt.“ Er hob einen Finger. „Zum Beispiel eine Schleife.“ Noch einen. „Oder eine vollkommen lächerliche Frisur.“ Er grinste. „Oder vielleicht...“ Er deutete auf seinen Kopf. „...zwei kleine Zöpfchen.“ Ein unschuldiger Ausdruck. „Nur damit ich hinterher feststellen kann, dass du dich tatsächlich an dein Versprechen gehalten hast und trotzdem meinen Stolz ruiniert hast.“ Er lachte leise. „Aber wenn du mir beim nächsten Mal wieder die Haare machst, werde ich mich wohl nicht beschweren.“

Dann beugte er sich ein kleines Stück zu ihr. „Und wenn du dabei wieder so vorsichtig bist wie gerade eben...“ Seine Stimme wurde wärmer. „...darfst du das meinetwegen sogar öfter machen.“ Ein kurzer Moment. Dann grinste er wieder. „Aber nenn mich danach bitte weiterhin Kater.“ Seine Ohren zuckten. „Ich glaube, ich habe mich inzwischen daran gewöhnt.“

Wortlos mit etwas geöffnetem Mund saß sie da, als er sich ebenfalls etwas zu ihr vorbeugte und sie merkte, wie ihr die Wärme ins Gesicht stieg. Schnell wandte sie sich ab und verschränkte die Arme. „Das nächste Mal verpasse ich dir ’ne Dauerwelle“, drohte sie. „Und wenn du deiner Angebeteten erzählst, dass du gerne gekrault und gestreichelt werden willst, dann wird sie das sicher liebend gerne übernehmen“, sprach sie und versuchte, ihren Puls wieder unter Kontrolle zu bekommen.

G’raha bemerkte sofort, wie Mina sich abwandte und die Arme verschränkte. Seine Ohren zuckten leicht, und für einen Moment sagte er nichts. Dann erschien ein kleines, wissendes Lächeln auf seinem Gesicht. „Eine Dauerwelle?“ Er strich über seinen Zopf. „Das ist keine Drohung. Das ist ein Anschlag auf mein bisheriges Erscheinungsbild.“

Er lachte leise, ließ das Thema aber fallen, ohne sie weiter damit aufzuziehen. Bei ihrer Bemerkung über seine „Angebetete“ wurde sein Ausdruck nachdenklicher. „Vielleicht.“ Er nahm seine Tasse und drehte sie langsam zwischen den Händen. „Wenn sie überhaupt irgendwann die Gelegenheit dazu bekommt, das herauszufinden.“ Sein Blick glitt kurz zu Mina. „Und wenn ich ihr davon erzähle, dann vermutlich nicht in der Form: *Übrigens, Mina hat herausgefunden, dass ich mich gerne kraulen lasse.*“ Ein schelmisches Funkeln trat in sein Auge. „Das würde gewisse Fragen aufwerfen.“ Er nahm einen Schluck Tee. „Außerdem glaube ich, dass du gerade einen wichtigen Punkt übersiehst.“ Er stellte die Tasse ab. „Es geht nicht darum, dass ich von irgendjemandem gestreichelt werden möchte.“ Seine Stimme wurde ruhiger. „Es geht darum, dass ich es angenehm finde, wenn jemand, dem ich vertraue, mir nahekommt.“ Ein kurzer Blick zu ihr. „Das ist ein Unterschied.“ Er lehnte sich zurück und gab ihr wieder etwas Abstand. „Und du hast heute nun einmal herausgefunden, dass ich dir offenbar genug vertraue, um mich dabei wohlzufühlen.“ Sein Mundwinkel hob sich. „Was übrigens auf Gegenseitigkeit beruht.“ Er deutete auf ihre Haare. „Du hast mich schließlich gerade ohne große Bedenken an deinen Kopf gelassen.“ Dann schmunzelte er. „Wobei ich mir bei dir inzwischen nicht mehr sicher bin, ob ich das als Vertrauensbeweis oder als besonders ausgeklügelte Falle betrachten sollte.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Dauerwelle, sagst du...“ Er schüttelte den Kopf. „Ich sollte vermutlich anfangen, mich vor dir in Acht zu nehmen.“

Langsam drehte sie ihren Kopf wieder zu G’raha, ihre Gesichtsfarbe wieder normal, was aber nicht lange blieb bei seinem Kompliment. „Danke schön“, kam es dann kleinlaut von ihr. Ihr Blick wanderte nach oben zu ihrem Scheitel, wobei sie ihre Ohren wieder seitlich senkte. Dann legte sie eine Hand auf ihren Scheitel. „Vielleicht war es ja auch beides“, kam es dann frech.

G’rahas Mundwinkel hoben sich, als Mina wieder zu ihm sah und dann prompt erneut etwas Farbe ins Gesicht bekam. „Gern geschehen.“ Er sagte es ganz selbstverständlich, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Als sie ihre Hand auf ihren Scheitel legte und frech behauptete, es könne beides gewesen sein, hob sich eine Augenbraue. „Beides?“ Er tat, als müsse er ernsthaft darüber nachdenken. „Dann sollte ich mich wohl geehrt fühlen, dass ich einerseits dein Vertrauen genieße und andererseits offenbar trotzdem auf der Hut sein muss.“ Sein Schweif bewegte sich langsam hinter ihm. „Eine gefährliche Kombination.“ Er schmunzelte und deutete auf ihre Hand. „Aber ich glaube, dein kleiner Blick nach oben verrät mir gerade, dass du dich selbst nicht ganz so unschuldig findest, wie du behauptest.“ Seine Ohren zuckten. „Und weißt du was?“ Er lehnte sich etwas zurück, diesmal bewusst mit genügend Abstand. „Ich glaube, genau das gefällt mir an dir.“ Ein warmes Lächeln. „Du kannst im nächsten Moment vollkommen fürsorglich sein und im darauffolgenden schon wieder irgendeinen Unsinn aushecken.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Man weiß bei dir wirklich nie, was als Nächstes kommt.“ Dann nahm er seine Tasse wieder auf. „Aber wenn das deine Definition von *beidem* ist...“ Er hob die Tasse leicht in ihre Richtung. „...dann kann ich damit durchaus leben, Mietz.“

Sie nahm ihre Hand vom Kopf und schüttelte diesen nur lächelnd. „Wie die anderen es nur mit dir aushalten, ist mir echt ein Rätsel, G’raha. Aber es wundert mich auch nicht, dass dich Alisaie trietzt. Sie hat ja bei dir gar keine andere Möglichkeit, als dich zu ärgern.“

G’raha lachte leise und schüttelte den Kopf. „Ich fürchte, Alisaie würde dir da uneingeschränkt zustimmen.“ Er stellte seine Tasse auf dem Tisch ab und lehnte sich etwas zurück. „Sie behauptet ja gerne, dass ich es geradezu herausfordere.“ Ein gespielt nachdenklicher Ausdruck. „Was natürlich eine vollkommen ungerechtfertigte Anschuldigung ist.“ Seine Ohren zuckten. „Meistens.“ Dann musste er selbst grinsen. „Aber ja, ich glaube, sie hat bei mir tatsächlich wenig andere Möglichkeiten.“ Er hob eine Hand und zählte an den Fingern ab. „Wenn sie mich ernsthaft ermahnt, nehme ich es mit einem Lächeln hin.“ Ein Finger. „Wenn sie versucht, mich zu provozieren, provoziere ich zurück.“

Noch einer. „Und wenn sie mich dabei erwischt, wie ich etwas viel zu Gefährliches oder Unvernünftiges plane...“ Er seufzte gespielt. „...dann hält sie mir eine Standpauke.“ Er sah Mina an. „Und anschließend mache ich es vermutlich trotzdem wieder.“ Ein breites Grinsen. „Das ist vermutlich der Grund, weshalb sie mich so gerne ärgert.“ Er nahm seine Tasse wieder auf und trank einen Schluck. „Aber ich glaube, das gehört zu einer guten Freundschaft dazu.“ Sein Blick wurde etwas wärmer. „Man muss sich nicht ständig gegenseitig zustimmen. Manchmal braucht man jemanden, der einem sagt, dass man gerade völligen Unsinn redet.“ Er deutete leicht mit der Tasse auf Mina. „Du scheinst übrigens ebenfalls ziemlich gut darin zu sein.“ Ein schelmischer Blick. „Ich beginne mich langsam zu fragen, ob ich mir mit dir gerade eine zweite Alisaie ins Haus geholt habe.“ Er hielt kurz inne. „Nur mit deutlich mehr Kaffee.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Und mit einem ausgeprägteren Talent dafür, mir an den Haaren zu ziehen.“

„Könnte durchaus im Bereich des Möglichen liegen“, und streckte sich dann, bevor sie aus dem Fenster sah. „Ach, Schreck, es ist ja schon dunkel draußen. Haben wir wirklich so lange rumgekaspert?“, kam es von ihr. „Also, wenn du nicht möchtest, dass ich hier neben dir einschlafe und dich wieder als Kissen missbrauche – und das die ganze Nacht –, solltest du dich so langsam auf den Heimweg machen, oder?“

G’raha folgte ihrem Blick zum Fenster und blinzelte überrascht. „Bei den Zwölf...“ Er stellte seine inzwischen beinahe leere Tasse ab und sah ebenfalls hinaus. „Wir haben tatsächlich den gesamten Abend damit verbracht, uns gegenseitig zu ärgern.“ Ein leises Lachen entwich ihm. „Und dabei hatte ich ursprünglich nur vorgehabt, dich kurz zu besuchen.“ Er stand langsam vom Sofa auf und streckte sich einmal. „Ich fürchte allerdings, du hast mir gerade eine ziemlich eindeutige Warnung gegeben.“ Er sah zu ihr hinunter, ein amüsiertes Funkeln im Auge. „Wenn ich nicht nach Hause gehe, werde ich morgen vermutlich feststellen, dass ich eine schlafende Mietz auf meiner Schulter habe.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Und wenn ich dich dann nicht wecke, könnte es durchaus passieren, dass du wieder behauptest, meine Schulter sei ein hervorragendes Kissen.“ Er nahm seine Tasse und stellte sie ordentlich auf den Tisch. „Wobei ich zugeben muss...“ Er zögerte kurz. „Es hat mich damals nicht sonderlich gestört.“ Sein Blick wurde für einen Moment warm. „Aber du hast recht. Du solltest schlafen können, ohne dass ich dich bis tief in die Nacht wachhalte.“

Er wandte sich zum gehen „Außerdem möchte ich nicht riskieren, dass du morgen behauptest, ich hätte dich absichtlich vom Schlafen abgehalten.“ Ein schelmisches Lächeln. „Das würde meinem Ruf als verantwortungsvoller Kater schaden.“ Er ging ein paar Schritte Richtung Tür, blieb dann aber stehen. „Und Mina?“ Er drehte sich noch einmal zu ihr um. „Danke.“ Seine Stimme war diesmal deutlich ruhiger. „Für den Abend. Für den Tee. Für das Lachen.“ Ein kleines Lächeln. „Und für die Qualitätskontrolle meiner Haare.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Ich hatte schon lange keinen so entspannten Abend mehr.“ Dann öffnete er die Tür. „Schlaf gut, Mietz.“ Ein letzter Blick zurück. „Und diesmal bitte ohne mich als Kissen zu benutzen.“ Sein Grinsen verriet, dass er selbst nicht ganz davon überzeugt war, dass er diesen Wunsch wirklich ernst meinte.

Sie stand ebenfalls auf und folgte G’raha mit den Augen, als er zur Tür trat. „Ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass deine alten Knochen dir morgen beim Lesen Probleme bereiten. Gute Nacht, G’raha. Schlaf schön“, verabschiedete sie ihn.

G’raha blieb mit einer Hand am Türrahmen stehen und sah über die Schulter zu ihr zurück. Für einen Moment musterte er sie einfach nur, dann erschien dieses vertraute, schelmische Grinsen auf seinem Gesicht. „Meine alten Knochen?“ Er legte eine Hand gespielt empört auf die Brust. „Mina, ich bin nicht einmal annähernd so alt, wie du mich gerade klingen lässt.“ Seine Ohren zuckten amüsiert. „Und ich werde dich daran erinnern, sobald du selbst irgendwann über Rückenschmerzen klagst.“ Er trat einen Schritt nach draußen, drehte sich dann aber noch einmal zu ihr. „Aber danke.“ Seine Stimme wurde sanfter. „Und du solltest ebenfalls gut schlafen.“ Sein Blick wanderte kurz zu ihr und blieb einen Augenblick länger dort. „Ich hatte einen wirklich schönen Abend.“ Ein kleines Lächeln. „Und ich bin froh, dass ich gekommen bin.“ Dann hob er eine Hand zum Abschied. „Bis bald, Mietz.“ Er zögerte kurz. „Und falls du morgen wieder nicht lesen kannst...“ Sein Grinsen kehrte zurück. „...versuch es vielleicht mit einem anderen Buch.“ Damit setzte er sich in Bewegung, bevor sie ihm noch etwas an den Kopf werfen konnte. Nach ein paar Schritten blieb er jedoch noch einmal stehen, sah zurück und rief: „Und keine Dauerwelle!“ Dann verschwand er lachend um die nächste Ecke.

Unwillkürlich schenkte sie G’raha ein sanftes Lächeln, als er sich für den schönen Abend bedankte. „Danke, den hatte ich auch“, kam es sanft von ihr. Als sie dann die Haustür ins Schloss fallen hörte, ließ sie sich auf das Sofa fallen und atmete hörbar tief durch, wobei sie sich mit beiden Händen durch die Haare strich. „Was macht er nur mit mir? Er gefällt mir immer mehr“, und schaute über die Schulter zur Tür. *Und das nicht nur auf freundschaftlicher Ebene*, ertönte eine leise Stimme in ihrem Kopf. Diesen schüttelte sie dann. Nein, er hatte jemanden, den er toll fand, und das war nicht sie. *Leider.* Schwer stand sie auf und nahm die Tasse, um sie in die Spüle in der Küche zu stellen, bevor sie ins Schlafzimmer ging, um sich umzuziehen und ins Bett zu gehen. Im Schlaf tauchte immer wieder ein rothaariger Schopf auf.