Kapitel
Kapitel
Herzlich willkommen zum nächsten Kapitel meiner Geschichte. Ich hoffe dass es euch gefällt und wünsche euch viel Spaß beim Lesen.
22.
Tim saß mit in dem großen Sessel, den Bruce normalerweise für sich beanspruchte, wenn er vor dem Kamin saß. Er war gerade erst aufgestanden und hatte zu seiner Überraschung festgestellt, das Cassandra bereits unterwegs war. Die Zeitung die er sich genommen hatte, hatte ihm nichts verraten, was er nicht schon gewusst hatte und sein Müsli hatte er auch schon half aufgegessen. „Vielleicht etwas Orangensaft Master Drake?“, fragte Alfred und Tim nickte lediglich, gab dem Butler sein Glas und dieser füllte es beinahe bis zum Rand voll. Er nahm einen Schluck und zog eine Grimasse. „Verzeihung. Ist er etwas zu sauer?“, fragte Alfred und Tim schüttelte den Kopf. „Er ist hervorragend. Nur… etwas war nicht ganz in Ordnung, in der Nacht in der wir die Falcones hoch genommen haben.“, murmelte er und Alfred legte seinen Kopf etwas schief und fragte: „Inwiefern?“ Tim setzte sich etwas gerader auf und lehnte sich vorwärts, sodass seine Ellbogen sich auf seine Oberschenkel stützten. „Nun ja… ich habe einfach das Gefühl gehabt das… Cassandra mir irgendetwas verschwiegen hat. Nachdem wir Carmine gefunden haben… hat sie einfach nur stumm dagestanden. Beinahe als hätte sie das alles schon einmal gesehen.“ Der Butler wusste für einen Moment nicht genau, wie er diese Beschreibung deuten sollte und fragte: „Als hätte sie es schon mal… geträumt?“ Tim atmete tief durch und zuckte dann zögerlich mit den Schultern. Er stellte das Glas auf den kleinen Tisch neben dem Sessel und stand langsam auf.
„Es beunruhigt mich nur etwas, dass wir nicht mal genau wissen, wie Carmine in diese Lage geraten ist. Und wenn ich wir sage, meine ich alle außer meine Schwester. Glaub mir, ich bin froh dass wir diesen Typen dingfest machen konnten, aber wir wussten doch alle, das die Falcones Dreck am Stecken haben. Auf kurz oder lang, hätten wir ihn sowieso irgendwann dran gekriegt. Was mir mehr Sorgen bereitet, ist das jemand allem Anschein nach, dieselbe geringe Meinung von Carmine hatte, sich uns aber nicht zu erkennen gegeben hat.“ Alfred nahm das Glas an sich und stellte es auf das kleine Tablett, das er mitgebracht hatte. Er atmete selbst einmal durch und fragte dann mit einem sanften Lächeln: „Master Drake, denkt ihr nicht das es nicht grundsätzlich erstmal etwas Positives ist, wenn wir einen Verbündeten haben der uns im Geheimen etwas aushilft? Letztlich ist Carmine uns unversehrt überliefert worden und man hat weder ihm noch seinem Fahrer etwas getan. Das deutet doch darauf hin, dass wer auch immer diese Tat vollbracht hat, ähnlich denkt wie wir, wenn es um die Behandlung von Verbrechern geht oder?“ Tim wiegte seinen Kopf etwas unentschlossen hin und her. „Mag sein, aber ich hoffe inständig, dass das auch so bleibt. Immerhin könnte es sein, dass sich das in Zukunft ändern mag. Und wenn das der Fall ist, wird der Verantwortliche nicht besser sein, als jeder andere Verbrecher hinter dem wir her sind.“ Er nahm das Glas noch einmal von dem Tablett und trank auch noch den darin verbliebenen Saft. „Mal abgesehen davon möchte ich nicht in einen Konflikt mit meiner Schwester geraten. Wenn sie denjenigen schützt der das getan hat, dann…“, begann er biss dann aber nur die Zähne zusammen und sah dann halb besorgt, halb fragend in Alfreds Gesicht.
Dieser nickte kaum erkennbar und riet: „Das kann ich nachvollziehen Master. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass eure Schwester euch gegenüber immer offen sein wird und euch wenn ihr direkt danach fragt auch erklären wird, was in dieser Nacht vorgefallen ist. Ganz unter uns. Ich denke doch, das ihr eurer Schwester innerhalb dieser Familie am nächsten seid.“ Tim schob seine Unterlippe etwas hervor und wendete seinen Blick zu dem Feuer im Kamin. Er hätte es so wohl nie direkt laut ausgesprochen, aber er dachte ganz ähnlich über seine Beziehung zu Cassandra. Obwohl er unter seinen Brüdern wohl am wenigsten austeilen konnte und beinahe so viel Zeit vor den Computern der Bat Höhle verbrachte, wie im Trainingsraum der Familie, war Cassandra meist geneigt ihre Freizeit an seiner Seite zu verbringen, auch wenn sie zu Beginn das Konzept des Wortes Freizeit nicht so wirklich hatte verinnerlichen können. Tim glaube dass es einfach damit zu tun hatte, dass Cassandra jemanden wie ihn selbst gerne in ihrer Nähe hatte, um ihren eigenen sozialen Defiziten ein gutes Gegengewicht zu geben und sich ein Beispiel an ihm zu nehmen. Logischerweise hatte er nie direkt mit ihr darüber gesprochen, die Dinge hatten sich einfach so gefügt und er hatte sie zufrieden so hingenommen. Letzten Endes war er einfach nur froh, dass Cassandra sich mittlerweile so gut in die Bat Familie eingelebt hatte und auch mit den Birds neue und gute Freunde gefunden hatte. Wenn er sich so an die Anfangstage ihres Neubeginns erinnerte, war das alles andere als garantiert gewesen. Er lächelte und richtete seine Augen wieder auf Alfred. „Das kann durchaus sein. Ich denke du hast Recht. Vielleicht frage ich sie einfach mal, wenn sie wieder zurückkommt. Sie ist wohl gerade mit den Birds unterwegs hm?“ Alfred nickte und Tim biss sich auf die Lippe während er nachdachte. Ob die Birds wohl schon mehr wussten, als er selbst?
Der Alarm des Batcoms den Alfred bei sich trug, holte ihn aus seinen Gedanken. Der Butler nahm das winzige Gerät aus seiner Brusttasche und klappte es auf, so das Batman direkt mit ihm sprechen konnte. „Alfred, ist Robin bereits wach?“, fragte er und Tim grinste etwas, obwohl ein ungutes Gefühl in ihm heranwuchs. Wenn Bruce nach ihm rief, hatte das einen guten Grund. „Das ist er. Soll ich ihn in die Bat Höhle schicken?“ Batman bejahte und Alfred klappte das Batcom wieder ein, schob es zurück in seine Brusttasche und zeigte in Richtung des Aufzugs. „Ihr habt ihn gehört Master Drake. Anscheinend gibt es Arbeit.“, sagte er lediglich und Tim nickte. „Mal sehen was passiert ist. Wundert mit etwas, dass er überhaupt nichts gesagt hat. Hat er dir gegenüber irgendetwas erwähnt?“, fragte er und Alfred schüttelte den Kopf. „Mehr als dass es ein Notfall ist, hat er mir auch nicht erzählt.“ Tim verdrehte die Augen und war mit einigen großen Schritten im Aufzug. „Ist es das nicht immer?“, fragte Tim ironisch und Alfred unterdrückte ein Schmunzeln. Unten angekommen, streckte sich Tim ordentlich und fuhr die Rechner der Bat Höhle hoch. Er hatte noch keine drei Sekunden auf dem Stuhl vor dem zentralen Bildschirm verbracht, da klang auch schon die Stimme von Bruce durch die Lautsprecher des Computers. „Tim? Steht unsere Verbindung?“, fragte er und der Angesprochene nickte und erwiderte: „Das tut sie. Was kann ich denn für dich tun? Ist etwas passiert?“ Er konnte hören wie Batman ein uns ausatmete, bevor er antwortete: „Der Mann der das Diner angegriffen hat, hat allem Anschein nach wieder zugeschlagen. Es gibt Tote. Viele Tote.“
Tim hielt für einen Moment inne, schluckte dann und begann die Daten zu analysieren, die Bruce ihm bereits über das Batmobil sandte. Er gab sein Bestes, die Einzelheiten nicht zu sehr an sich heran zu lassen. Bruce hatte ihm ziemlich früh klar gemacht, das es so ziemlich das Gegenteil von einfach war, immer emotionalen Abstand zu den Fällen und Geschehnissen zu bewahren, mit denen sie sich regelmäßig konfrontiert sahen. Über die Jahre hinweg hatte er gelernt, das man zwar versuchen konnte das Leid und den Schmerz der Opfer derer zu ignorieren, hinter denen die Bat Familie hinterher war, aber so wirklich funktionierte das nicht. Zumindest nicht auf Dauer. Tim drehte sich halb um, als das Batmobil in die Bat Höhle fuhr. Für einige Sekunden, wurde die relative Stille der Höhle von der laut tosenden Turbine des Motors gestört, dann fuhr sie langsam herunter und Batman stieg aus. „Wann bist du denn am Tatort angekommen?“, fragte Tim und Bruce ging zügig die Treppe nach oben auf die Plattform, auf der sich die Computer sammelten. „Vor vier Stunden. Sieht aus, als ob die Tat schon vor drei Tagen begangen worden ist.“, antwortete er und Tim schnitt eine Grimasse. „Sprich der Täter kann schon über alle Berge sein. Bist du dir denn hundertprozentig sicher, dass es sich um denselben Täter handelt?“, fragte er und Bruce hob eine Plastiktüte hoch. Tim musste sich etwas aus dem Stuhl erheben, um das lange blonde Haar darin erkennen zu können. „Hm… verstehe… was genau ist denn überhaupt passiert?“
Batman trat direkt neben Robin und rief einige Bilder auf. Tim biss sich auf die Zunge um keinen unangemessenen Kommentar abzugeben. „Der hat ja nichts heil gelassen.“, murmelte er und Bruce begann zu erklären: „Es hat in einem der industriellen Vororte von Metropolis stattgefunden. Das Gebäude gehört einer lokalen, mittelgroßen Baufirma. Offiziell befindet sich dort ein Büro. Inoffiziell haben sich dort illegale Einwanderer aufgehalten.“ Tim hob eine Augenbraue und fragte: „Schwarzarbeiter, nehme ich an?“ Bruce nickte lediglich. „Es gab 27 Opfer. Der Älteste war 47, der Jüngste 19 Jahre alt. Alle Männer. Er hat keine einzige Person am Leben gelassen. Mit der Ausnahme von vier Personen, sind sie alle auch an Erschöpfung gestorben. Da sie alle mit Bargeld bezahlt worden sind, hat er ihren Verdienst auch gestohlen.“, berichtete er und Tim presste die Lippen zusammen, bevor er sagte: „Macht ja in gewisser Weise Sinn, das er sich diese Leute als Opfer ausgesucht hat. Ich meine… die Firma hat dieses Haus nicht ohne Grund im Industrieviertel zur Verfügung gestellt. Da sind einfach weniger Leute unterwegs, die ihre Schwarzarbeiter entdecken könnten. Oder das Verbrechend das er begangen hat. Leider heißt das auch, dass wir sicherlich keine Zeugen haben.“ Batman schüttelte den Kopf und zeigte auf ein stilles Bild, das sich als der erste Frame eines Videos entpuppte. „Wir haben keine Zeugen, aber wir haben Videoaufnahmen.“, sagte er und sein Ton machte klar, dass sie nicht angenehm anzusehen waren. Tim wappnete sich innerlich schon Mal für das was er zu sehen bekommen würde und richtete seine Aufmerksamkeit auf das Video. „Es sind drei Räume innerhalb des Gebäudes mit Kameras ausgestattet gewesen. Ton haben wir auch.“, warnte Bruce und Tim nickte. Das Video begann am Eingang des Gebäudes, mit einer Kamera die direkt über der Vordertür des Gebäudes angebracht war und das Innere des zentralen Gangs des Hauses zeigte.
Nachdem es geklingelt hatte, trat ein Mann mittleren Alters an die Tür, sah durch den Spion und wich einen Schritt zurück, bevor die gesamte Tür ihm mit einem lauten Krachen entgegenflog und ihn unter sich begrub. Sie gewaltige Gestalt des Eindringlings, trampelte ohne Rücksicht über ihn und Tim entfuhr ein Keuchen, als sich die Männer in den anderen Räumen zu Boden warfen. „Sie glauben es ist ein Polizei Raid…“ Batman nickte und seine Mundwinkel verzogen sich ein Stück weit nach unten. „Und aufgrund dieses Missverständnisses, schafft es kein einziger von ihnen bis zur Tür.“, brummte er. Der Mann, größer als die Tür die er eben eingetreten hatte und noch deutlich breiter, trat mit langen Schritten durch den ersten Raum und packte mit Tentakeln, die ein metallisches Aussehen hatten, die unglücklichen Einwanderer. Sie schrien erschrocken auf und wandten sich in ihren Fesseln, aber es gab kein Entkommen und sie erschlafften kurze Zeit später, ihre Körper schlanker, beinahe ausgemergelt und deutlich blasser. „Er… entzieht ihnen irgendwie… die Lebenskraft.“, bemerkte Tim und Bruce nickte. „Wir wissen nicht wie, aber es macht ihn ganz offensichtlich stärker. Achte auf seine Erscheinung am Ende des Videos.“, riet er seinem Sohn und Robin fokussierte sich erneut auf die Aufnahme. Nachdem er die Männer in einem der Räume getötet hatte, trat er in den Nächsten und das Morden begann von vorne. „Wie sind die Vier gestorben deren Lebenskraft er nicht geraubt hat?“, wollte Tim wissen und Batman richtete sich etwas auf bevor er sprach.
„Der Eine ist natürlich durch den Kontakt mit der Tür gestorben, zwei haben versucht mit ihm zu argumentieren, aber das hat ihn offenbar nur wütend gemacht und er hat ihnen… derartig fest ins Gesicht geschlagen, das er ihnen den Schädel zertrümmert hat. Der Vierte hat begriffen, dass er wenigstens versuchen muss zu fliehen, aber leider hat er es nicht geschafft und ist von dem Täter eingeholt worden. Er hat ihn förmlich zerrissen.“ Tim nickte und schluckte erneut. Er sah zurück auf den Bildschirm, der nun einen leeren Eingang zeigte. Als der Täter erneut in das Sichtfeld der Kamera trat, war er noch größer und muskulöser als zu Beginn der Aufnahme. „Hoffen wir mal, dass wir ihn bald finden. Umso länger er da draußen unterwegs ist, umso mehr Unschuldigen wird er das Leben nehmen und umso schwieriger wird es sein ihn am Ende festzusetzen.“, meinte Tim nur mit verschränkten Armen. Er lehnte sich etwas in dem Sessel zurück und warf einen Seitenblick zu Bruce. Dieser starrte auf die Aufnahme und ließ mit seiner unbewegten Miene keine Vermutung zu, die betraf was er gerade dachte. „Alles in Ordnung?“, fragte Tim ihn und Batman drehte langsam seinen Kopf in Richtung Tim. Er blinzelte einmal bevor er antwortete: „Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir uns einreden, das wir ihn so einfach selbst überwältigen können. Ich werde die Justice League in diese Sache einberufen.“
Ich hoffe dass euch das neue Kapitel gefallen hat und ich danke euch allen für eure Aufmerksamkeit. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung, oder eure Verbesserungsvorschläge mitteilen würdet. Vielleicht darf ich euch ja auch beim nächsten Mal wieder begrüßen.
HG Elixier