Kapitel
Kapitel
Herzlich willkommen zum nächsten Kapitel meiner Geschichte. Ich hoffe dass es euch gefällt und wünsche euch viel Spaß beim Lesen.
25.
Clark rieb sich über die Nase und richtete seine Brille etwas. Er hatte bereits zum dritten Mal, den Bericht gelesen, den er zu der Attacke auf die illegalen Einwanderer verfasst hatte. Eigentlich war an dem Text nichts auszusetzen, aber er wollte an die ganze Sache so feinfühlig wie möglich herangehen. Immerhin bestand die Möglichkeit, dass was er schrieb, für einige der Familien und Verwandten der Arbeiter, eine der wenigen Informationsquellen sein würde, die das Schicksal und den Verbleib ihrer Lieben beschreiben würde. Clark hatte sich das Video nur ein einziges Mal angesehen und das hatte ihm gereicht. Der Täter hatte keinerlei Achtung vor dem menschlichen Leben und er hoffte inständig, dass sie ihn bald ausfindig machen würden. Bisher sah die Beweis und Spurenlage noch vergleichsweise dürftig aus. Er biss die Zähne etwas fester zusammen und schloss für eine Hand voll Sekunden die Augen. Als er sie wieder öffnete, bemerkte er, dass sich Lois näherte. Er versuchte es mit einem entspannten Ausdruck auf seinem Gesicht, wusste aber, dass Lois ihn sofort durchschauen würde und entschied sich letztendlich für einen eher traurigen Blick. Immerhin entsprach das noch am ehesten seinen tatsächlichen Gefühlen.
Lois hatte zwei Tassen Kaffee in der Hand und reichte ihm, mit einem fast entschuldigenden Blick eine. „Hey, na? Bist du schon fertig?“, fragte sie und man konnte ihrer Stimme entnehmen, dass sie genau wusste, wie schwierig diese ganze Geschichte für Clark war. Er nahm den Kaffee dankend an, obwohl er das Getränk natürlich eigentlich gar nicht brauchte. Trotzdem gab ihm die Wärme die von der Tasse ausging etwas wohliges, an dem er sich orientieren konnte. Die Geste allein, war was zählte. Es war für ihn, als hätte Lois ihm einen kleinen Teil ihrer Zuneigung in die Hand gegeben. „Fertig ja… nur hoffe ich, dass ich der ganzen Situation gerecht geworden bin. Ich meine… ich muss es ja eh noch durch den Chef schicken…“, sagte er und warf einen Blick an Lois vorbei in die Kabine von Perry. Dieser saß auf seinem Stuhl und beäugte mit kritischem Blick ein Stück Papier, während er seinen Kopf mit einer Hand unter dem Kinn stützte. Lois nahm Clark den Bericht aus der Hand und las ihn langsam durch. Ihr Blick wurde etwas weicher und sie lächelte. „Ja… ich glaube kaum, dass irgendjemand daran etwas auszusetzen hätte… außer natürlich die Leute, die meinen die Menschen hätte ohnehin kein Recht, sich innerhalb unserer Grenzen aufzuhalten.“ Clark zwang sich dazu, nicht zusammen zu zucken, immerhin hätte das dazu führen können, dass die Tasse nicht mehr ganz geblieben wäre. Immerhin war er, auch seine eigene Art und Weise auf ein Illegaler Einwanderer. Zu seinem Glück hatte er es im Vergleich zu vielen Menschen die in diese Kategorie fielen, recht einfach gehabt und vor allem dank seiner Eltern nie wirklich Probleme gehabt.
„Ich denke nicht, dass ich viel auf die Meinung solcher Personen gebe.“, sagte er beinahe emotionslos und Lois lächelte schief. „Musst du auch nicht.“, erwiderte sie und sie nickte in Richtung Perry und fragte: „Soll ich ihm den Text mal vorlegen?“ Clark holte tief Luft, lehnte sich etwas nach hinten und verschränkte seine Hände hinter seinem Kopf. Er starrte für einige Sekunden an die Decke und nickte dann. „Tu das. Bin gespannt was er sagt.“, antwortete er und sie machte sich auf den Weg. Clark nahm drei große Schlucke aus der Tasse und starrte dann in das braune Gebräu. Der Planet war nicht dafür bekannt, solcherlei Verbrechen klein zu reden, oder irgendwelche Ausreden für den Täter zu finden, aber der Vorstand hatte manchmal andere Vorstellungen davon, wie sich der Planet seinen Lesern gegenüber präsentieren sollte. Es fehlte dem Blatt ihrer Meinung nach, offenbar an einem gewissen, politischen Biss. Clark hatte schon früh genug von Perry erklärt bekommen, dass er keine Kolumnen, voll mit politischer Meinungsmache drucken wollte, sondern vor allen Dingen, die Menschen über die Geschehnisse und Ereignisse in der Welt informieren wollte. Das hatte Clark sich selbst auch nur zu gern zu Herzen genommen, auch wenn ihm natürlich klar war, dass eine gewisse, menschliche Grundhaltung in seinen Schriften schon durchblicken sollte und diese unweigerlich von einem Teil der Bevölkerung als Anzeichen für eine bestimmte, politische Neigung genutzt werden würde.
Lois kam zurück und lächelte zufrieden: „Er denkt es passt perfekt. Gute Arbeit. Der Boss ist glücklich.“ Er schmunzelte und ein Grinsen zeigte sich in seinen Mundwinkeln. „Das ist das Beste, worauf ich hoffen konnte.“ Lois lehnte sich etwas über den Sichtschutz und legte ihre Hand auf seine verschränkten Hände. „Wenn du möchtest, können wir heute Abend ins Theater gehen. Gibt ein neues Stück das aufgeführt wird. Eine Komödie.“ Superman sah auf und lächelte sie an. Er wusste genauso gut wie sie, dass es vielleicht das Beste wäre, wenn er sich zumindest für ein oder zwei Stunden von dem ablenken konnte, was in den letzten Tagen seine Laune etwas verdüstert hatte. „Das würde ich sehr gerne sehen. Denkst du denn das wir… noch Karten bekommen?“, fragte er und sie nickte langsam und ließ ihn wissen: „Ich habe eine Freundin, die dort arbeitet. Die kann uns definitiv sehr schnell Karten besorgen.“ Clark schmunzelte und meinte: „Du hast auch wirklich Freunde und Bekannte in gefühlt jeder Ecke von Metropolis.“ Lois hob ihre Hände und zuckte gleichzeitig mit den Schultern. „Bin ja nicht erst seit gestern in diesem Geschäft. Man kommt gut rum, unterhält sich mit vielen Leuten, lernt sich besser kennen…“, sagte sie langsam und Superman musste Lächeln. „Und manchmal verliebt man sich.“, setzte er hinten an und Lois grinste und nickte. „Und manchmal verliebt man sich.“
XX
Elizabeth ließ ihre Augen über die Fußgänger schweifen, die an dem kleinen Café vorbei gingen und versuchte sich so ruhig wie möglich zu verhalten. Sie hatte eigentlich keinen wirklichen Grund Angst zu haben, dennoch wollte sie auf Nummer sicher gehen und sich nicht überrumpeln lassen. Ihre kleine Verabredung war etwas spontan geschehen, aber sie wollte in direkte Konversation mit der Person kommen, die sie bisher eher nur durch gedanklichen Austausch kennen gelernt hatte. Als Cassandra sich dem Tisch an dem sie saß näherte, versuchte sie es mit einem vorsichtigen Lächeln und als die junge Frau direkt neben dem Stuhl stand, der ihr gegenüber platziert war, wurde ihr Lächeln etwas breiter. „Schön dass du es einrichten konntest. Ich bin Elizabeth.“, sagte sie und reichte Cassandra ihre Hand. Diese betrachtete sie für einen Atemzug, nahm sie dann aber an und antwortete: „Cassandra.“ Elizabeth entging die Vorsicht, mit der sie betrachtet wurde nicht. Natürlich konnte sie Cassandra dafür keinen Vorwurf machen, sie hätte in ihrer Situation das Gleiche getan. „Du hast mir ja schon verraten, dass es dir schwerfällt, dich mit Worten zu verständigen. Du musst das auch nicht, es reicht auch aus, wenn ich weiterhin deine Gedanken lese und meine eigenen, laut ausspreche.“
Cassandra schüttelte schnell den Kopf. Sie gab es nicht gerne zu, aber sie war froh gewesen, dass sie zumindest ihren eigenen Namen, hatte vernünftig laut aussprechen können. Ihre Brüder waren immer sehr zuvorkommend gewesen und hatten sich den Umständen ihrer kommunikativen Fähigkeiten angepasst. Das war für sie zwar immer sehr praktisch gewesen, allerdings hatte es auch dazu geführt, dass sie nicht zwangsweise das Sprechen hatte lernen müssen. Wenigstens gab Elizabeth keine bedrohlichen Anzeichen, oder aggressiven Absichten von sich. Sie war auf der Hut und hatte Cassandra genau im Blick, aber das überraschte sie nicht. Sie hatte das Video gesehen, das gezeigt hatte, wie sie vor kurzem einige Schurken kurz und schmerzlos aus dem Verkehr gezogen hatte. Jemand wie Cassandra hatte erkennen können, das ihr Gegenüber dabei kaum ins Schwitzen gekommen war. Es hatte beinahe so ausgesehen, als hätte Elizabeth dabei Spaß gehabt, sich mit ihnen zu messen und ihre Kräfte zur Schau zu stellen. Was in Cassandra die Hoffnung erweckt hatte in ihr eine neue Verbündete zu finden. „Herkunft?“, fragte sie deshalb und Elizabeth sog die Luft zwischen gebleckten Zähnen ein und seufzte dann mit einem entschuldigenden Blick. Cassandra legte ihren Kopf etwas schief und spitze ihre Lippen etwas. Sie hatte es schon vermutet, aber was auch immer sie für eine Erklärung liefern konnte, sie würde sie zu Ende anhören. Das war das Mindeste was sie verdiente.
„Also… wie du dir denken kannst, ist das eine lange Geschichte. Aber… um es einfach auszudrücken: Ich komme nicht aus dieser Welt. Auf diesem... Planeten, in dieser… Dimension, oder was auch immer das hier ist… sind die Dinge offenbar anders. Zumindest die Helden und Schurken sind völlig andere Personen und in dieser Hinsicht habe ich noch kein mir bekanntes Gesicht gesehen.“, begann sie und Cassandra verspürte Mitleid mit ihr. Elizabeth gehörte definitiv zu den Personen, die ihre Gefühle sehr gut verbergen konnten, aber es entging ihr nicht, dass dieser Umstand sie doch zu verstören schien. Zumindest ein wenig. Elizabeth erzählte, dass auf ihrem eigenen Planeten Erde, eine genetische Mutation dafür sorgte, dass Menschen mit besonderen Kräften, sie in kleiner Zahl bevölkerten und diese deshalb Mutanten genannt wurden. Sie erzählte von dem Institut, einem gewissen Professor X und ein wenig über ihre Freunde und Verbündeten. Davon wie die Menschheit auf ihrer Erde mit Mutanten umging und wie sie in die sogenannten X-Men hineinpasste. Cassandra hörte aufmerksam zu, musste sich allerdings auch Mühe geben zu folgen. Eine Welt zu navigieren, die ihrer eigenen so ähnlich und doch so anders war, konnte für Elizabeth kein Zuckerschlecken sein. Nachdem sie sich erklärt hatte, überlegte Cassandra für knapp eine Minute, wie sie als nächstes verfahren sollte. Sie wusste nun eine ganze Menge mehr über Elizabeth und empfand es nur als gerecht, wenn die Telepathin eine entsprechende Menge an Wissen über sie besaß.
Elizabeth hob eine Augenbraue, lächelte dankbar und nickte verstehend, als sie die Gedanken von Cassandra aufschnappte. „Sehr nett von dir. Oh und noch etwas: Du kannst mich Betsy nennen, so nennen mich viele meiner Freunde.“, sagte sie, bevor sie den Schwall an Gedanken aufnahm, den ihr Cassandra anbot. Batgirl lächelte und war froh dass sich Elizabeth schon wohl genug mit ihr fühlte, um sie als eine Freundin zu bezeichnen. Zugegebenermaßen hatte Cassandra wohl noch mit kaum jemandem so viele Gedanken getauscht, wie mit ihr, aber Elizabeth hatte ihr auch keinen Grund gegeben ihr zu misstrauen und ihre Offenheit und ihr Wille mehr über die Welt zu lernen in der sie sich nun befand, war in ihren Augen Beweis dafür, dass sie keine bösen Absichten hatte. Abgesehen davon, hätte sie wohl keine großen Schwierigkeiten gehabt, sich einfach nur unter den regulären Menschen zu bewegen und klar zu kommen. Cassandra hatte in ihrem noch recht jungen Leben schon viele, sehr attraktive Frauen gesehen, aber Elizabeth war mit Sicherheit unter den zehn schönsten Frauen, die ihr je über den Weg gelaufen waren, wenn nicht sogar den Top Fünf. Noch dazu schien sie über einen scharfen Verstand und gute Sinne zu verfügen. Dementsprechend hätte sie sicher Wege und Mittel gefunden, um ihr Leben auf diesem ihr nicht vertrauten Planeten Erde, doch irgendwie ertragbar, vielleicht sogar angenehm zu gestalten. Trotzdem hatte sie Kontakt mit denjenigen aufgenommen, die sich als Helden bezeichnen durften, dementsprechend war sie sich sicher, dass sie von Betsy nichts zu befürchten hatte.
Elizabeth versuchte in der Zwischenzeit ihre eigenen Gedanken zu sortieren und die neuen Informationen die sie bekam zu verarbeiten. Sowohl die Helden, als auch die Schurken dieser Welt, kamen ihr etwas skurriler vor, als sie es von ihrem Zuhause gewohnt war, aber sie war sich sicher, dass sie mit der Hilfe von Cassandra, diese Welt schon manövrieren konnte. „Ich hoffe doch sehr, dass du nicht allein hier her gekommen bist.“, meinte sie, nachdem sie sich genauer mit denen vertraut gemacht hatte, die Cassandras Bat Familie am meisten beschäftigten, oder gefährdeten. Cassandra hob beide Augenbrauen und schüttelte den Kopf. Sie sandte Betsy ein Bild ihres Bruders Tim. Dieser war offenbar nur einige dutzend Meter weit entfernt in Bereitschaft um einzugreifen, falls nötig. Elizabeth musste etwas schmunzeln. Mit ihrem Bruder Damian, schien Cassandra ihre Probleme zu haben, Dick und Tim hingegen, mochte sich offenbar sehr gerne. Es war sicher nicht ihre Absicht gewesen, aber Cassandra hatte Betsy mit ihren Gedanken wohl etwas mehr verraten, als sie vielleicht tatsächlich willens war mit ihr zu teilen. Aber bei so einer Familie, aus Adoptivkindern, konnte das natürlich passieren. „Nun, ich danke dir für dein Vertrauen und deine Offenheit. Wenn es dir passt, dann können wir uns ja irgendwann Mal…. In eher offiziellem Format treffen. Damit deine Familie und deine Freunde auch wissen, mit wem du da überhaupt abhängst.“ Cassandra nickte schnell, mit einem Lächeln und reichte Betsy die Hand. Sie nahm nur zu gerne an und die beiden versprachen miteinander in Kürze, wieder miteinander in Kontakt zu treten. Batgirl verschwand in der Menge aus Fußgängern genauso problemlos, wie sie aus ihr erschienen war.
Ich hoffe dass euch das neue Kapitel gefallen hat und danke euch allen für eure Aufmerksamkeit. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung, oder eure Verbesserungsvorschläge mitteilen würdet. Vielleicht darf ich euch ja auch beim nächsten Mal wieder begrüßen.
HG Elixier