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Zahn Nummer fünf zweiter Teil

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Zahn Nummer fünf zweiter Teil

Nicht einen einzigen Augenblick verließ mich die obsessive Ahnung, dass sich der Zahn entzünden würde. Und in der Tat: Nach drei Tagen begann ich spürbar zu fühlen, wie eine Entzündung im Inneren des Zahnes aufkeimte. Für einen Moment glaubte ich, meine eigenen Befürchtungen seien der Grund dafür, und dachte mir, ich sollte lieber noch ein wenig abwarten, bevor ich in der Praxis anrief; schließlich deuten Ärzte heutzutage nur zu gerne viele Symptome als rein psychosomatisch.

Wie oft frage ich mich: Wenn ein Gedanke, eine Ahnung oder eine bloße Angst tatsächlich in der Lage ist, eine reale Entzündung etwa im Herzmuskel hervorzurufen — wäre es dann nicht ebenso möglich, eine Entzündung durch Denken, durch Hoffnung oder durch Freude zu heilen?

Mir scheint diese Diagnose, die auf dem Gedanken einer seelischen Ursache fußt — wie sie heute zur Mode geworden ist, ich meine jener Mode, die von den Ärzten heutzutage auf so breiter Front angewandt wird (nämlich die Diagnose, die Ursachen einer Krankheit lägen in der Psyche, ganz ohne gründliche Prüfung und tatsächliche Untersuchungen) —, eine Art von Trägheit oder Flucht zu sein. Gewiss machen Gedanken, Ahnungen und Ängste unter bestimmten Umständen krank, oder genauer gesagt: Sie schaffen die passenden Bedingungen (etwa durch die Schwächung des Immunsystems), damit das aufkeimen kann, was ohnehin schon schlummerte oder was in Wahrheit ein organisches Leiden ist.

Meine Freude war groß, als die Krone plötzlich abfiel. Sie fiel von selbst ab, oder genauer gesagt: Sie hob sich vom Stumpf ab, als würde etwas im Inneren sie mit langsamem, hydraulischem Druck nach oben stemmen. Im Inneren befand sich in der Tat so einiges. Die Farbe der Krone war innen tiefschwarz, und der Geruch glich dem eines Tonkrugs voller Shanklish, dessen Schimmel verdorben war (also ungenießbar geworden war), wenn man ihn zum ersten Mal öffnet.

Shanklish, das ist der Quark aus gesäuerter Milch (Joghurt). Dieser entsteht, nachdem man die Butter aus der gesäuerten Milch gewonnen hat, indem man sie mit Wasser vermischt und das Gemisch so lange stößt und schüttelt, bis sich die Butter von den übrigen Bestandteilen trennt. Danach wird die verbliebene Flüssigkeit aufgekocht, sodass das Eiweiß gerinnt und sich zusammenballt; anschließend wird es abgeseiht und getrocknet. Das Ergebnis ist nun der Quark. Dieser wird mit Salz und getrockneter, gemahlener roter Paprika vermengt und zu kleinen Bällchen geformt — mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern —, die man an der Luft trocknen lässt. In dieser Phase nehmen sie die Sporen der Schimmelpilze auf. Ist die Trocknung vollkommen abgeschlossen, werden sie in einen Tonkrug gelegt. Dieser Krug wird mit einem Tuch und darüber mit Lehm fest verschlossen und für etwa drei bis vier Monate an einem dunklen Ort ruhen gelassen, ehe man ihn öffnet.

Hat man nun Pech — und das hat rein gar nichts mit einer Lotterie zu tun, sondern bedeutet schlicht, dass demjenigen, der es zubereitet hat, in einer der Arbeitsphasen ein Fehler unterlaufen ist —, so ist der Geruch dessen, was sich im Inneren des Kruges befindet, schier unerträglich. Die Farbe ist dann weder Grün noch Blau, sondern eine Nuance, die aus beiden zusammengeschmolzen ist.

In der Krone befanden sich zudem noch ein Teil der Füllung und ein Teil des Stumpfes, die im Inneren festklebten.

Ich war wahrhaftig froh, dass die Sache ein so schnelles Ende genommen hatte, obwohl mich der Zustand an jene Trauer erinnerte, die einen überkommt, wenn man entdeckt, dass der Shanklish verdorben ist — der Verlust der Mühe, das Verschwenden des Quarks und das Scheitern des Versuchs; ist Shanklish doch eine Speise, reich an fermentiertem Eiweiß und somit leicht verdaulich.

Ich freute mich darüber, dass die junge Ärztin eine neue Füllung einbringen würde und diese womöglich mit einem Stift verstärken würde, der die Füllung im Stumpf verankerte und beides miteinander verband, ganz so, wie sie es versprochen hatte. Das heißt, ich freute mich, weil das Werk nun so vollbracht werden würde, wie es sich gebührt — als das Werk wahrhafter, professioneller Experten der Zahnheilkunde.

Ich kam voller Hoffnung in der Praxis an.

Die Ärztin lächelte und bat die Arzthelferin (es war eine andere als das erste Mal), die Krone zu desinfizieren.

„Desinfizieren?“, fragte ich mich voller Staunen. Die Rückstände in der Krone mussten doch schließlich durch Ausbohren entfernt werden und nicht durch Desinfektion!

Die liebenswürdige Ärztin beruhigte mich und sagte, sie werde die Krone mit einem neuen Zement einkleben, der die Krone so fest verbinden würde, dass sie wie eine ursprüngliche, mit dem Stumpf verwachsene Krone wirken werde — als verschmölze sie für alle Ewigkeit mit ihm.

Der Klang ihrer Worte erinnerte mich an den Gesang jener Nomadin, die mir einst die goldfarbene Krone aufgeklebt hatte, und an die Worte jenes Liedes, die das Unmögliche damals vor dem Spiegel zu einer greifbaren Wirklichkeit werden ließen. Ich ließ sie gewähren und die Krone einkleben, obwohl ich um die Unmöglichkeit wusste.

Ich willigte ein, doch ein ungutes Gefühl schlich sich ein. Die verbliebene Höhe des Stumpfes reichte keineswegs aus, um als Fundament für die Krone und ihren Inhalt zu dienen; zudem befand sich nun ein Teil des lebenden Zahnbeins im Inneren, das später absterben würde — jener Teil des Stumpfes, der sich zusammen mit der Füllung abgelöst hatte. Dann erinnerte ich mich an die Haarrisse, die durch die zu spät eingelegte Wattewalze entstanden waren, und fragte mich: Wie sollten diese feinen Kanäle und Risse desinfiziert werden, deren Dasein nun gewiss war und in denen sich die Fäulnis eingenistet hatte — eine Angelegenheit, die nicht im Mindesten etwas mit meinen Befürchtungen zu tun hatte?

Mein Vertrauen in die Ärztin war groß, und so ließ ich sie gewähren, wie sie wollte; denn ich glaube fest daran, dass der Fachmann weiß, was er tut.

Trotz meines Vertrauens kehrte die Beunruhigung zurück. Die neuen Umstände eröffneten mir zahllose Möglichkeiten — es sei denn, dieser neue Kleber war in Wahrheit ein magisches Wundermittel.