Teil 53 und 54
Teil 53 und 54
Dreiundfünfzigster Teil
Aus irgendeinem Grunde begann die Privatisierung; und unter Privatisierung verstehe ich einzig und allein: das Einbringen des Privaten in das Öffentliche. Das Private (heutzutage wird der Inhaber des Privaten als Investor bezeichnet) wurde zu etwas, das gleichsam einen Anteil am Öffentlichen besitzt.
Beispielsweise der Erwerb eines Teils eines Krankenhauses durch einen Investor: Die Investoren stellen hierbei das Private dar, während das Krankenhaus im Ursprünge Eigentum des Öffentlichen ist. (Dieser Ursprung vermag keineswegs an jemanden verkauft oder von jemandem in Besitz genommen zu werden — so wie alles, was als Öffentliches gilt. Es vermag auf keinerlei Weise in eine Ware verwandelt zu werden; denn seine Verwandlung in eine Ware stellt eine erzwungene Verwandlung seiner eigentlichen Besitzer — sprich des Volkes — in eine Ware dar, ganz so wie vorzeiten ein Lehnsherr ein Dorf verkaufte und es samt seinen Bewohnern und Angehörigen veräußerte, oder wie wenn der König ein Stück Land verlieh und es samt all demjenigen verlieh, was sich darauf befand.)
Das Verkaufen dessen, was öffentlich ist, bedeutet: Einigen das Recht zu verleihen (ohne dass diese Angestellte im Öffentlichen oder bei ihm wären), Menschen für persönliche Zwecke zu beherrschen; vermag das Private doch keineswegs an etwas anderes zu denken als an seine eigene Angelegenheit, wer immer es auch sei und was immer geschehen möge.
Wenn ich dies jemandem erläutere, vergleiche ich dies auch mit dem Auftauchen von Milizen, die der Polizei oder den Armeen in totalitären Staaten parallel gegenüberstehen; und heutzutage lässt sich dies mit jener parallelen Polizei in Amerika vergleichen, deren Aufgabe in der Ausweisung jener ausländischen Zuwiderhandelnden besteht, die keinerlei Aufenthaltsgenehmigung besitzen (später — so spreche ich zu mir selbst — und für den Fall, dass es diesem Phänomen gelänge, sich zu festigen und zu einer Ordnung zu werden, die zu eigenständigen Entscheidungen oder zu deren Durchsetzung mit der Gewalt der Waffen oder des Geldes … oder ähnlicher Willkür imstande ist, so wird eine solche Ordnung derart wirken, dass sie denjenigen ausweist, den sie will, und denjenigen verbannet, den sie will, wie sie will und wohin sie will).
Wenn ich indes diese Privatisierung vom Prinzip her mit der Verstaatlichung des Privaten durch den Staat vergleiche, so erscheint mir vollkommen klar, dass dieser Vorgang in beiden Fällen nichts ist als ein vergeblicher Versuch, ein Wesen zu erschaffen, das zwei ( Kainuna ) besitzt.
Das Eingreifen des Öffentlichen in das Private (wenn der Staat beispielsweise eine Sockenfabrik beherrscht und ihr einziger Eigentümer ist) bringt einen seltsamen, wunderlichen Staat hervor, der am Ende zweier Aufseher bedarf, die einen jeden Bürger überwachen, sowie eine vollkommene Trennung der herrschenden Elite vom Volke und das Entstehen einer Feindschaft zwischen beiden bewirkt.
Was hingegen den zweiten Fall anbelangt (wenn der Investor der Eigentümer des Krankenhauses oder der Brücke ist …), so bringt er einen Staat hervor, der später gezwungen ist — wenn er erkennt, dass er keineswegs mehr zu zahlen vermag (das Begleichen der Schulden an die Investoren über Steuern und Beiträge, wie etwa Versicherungsbeiträge) —, sich über seine Grenzen hinaus auszudehnen und andere Völker als das seine zu knechten.
Beide Fälle wirken zerstörerisch auf das Volk selbst und folglich auf das Öffentliche.
Der erste Fall erzeugt den Bürgerkrieg, und der zweite erzeugt den Krieg mit anderen Völkern …
Um das Werden (und das Werden ist stets das Ergebnis, das die Gegebenheiten oder die Programme beweisen) zu erklären, ist es unumgänglich, die Kainuna zu bestimmen. In dieser Art von Erklärungen betrachte ich die Umstände als solche, die das Ergebnis — sprich das Werden — lediglich in den Graden seiner Qualität und in den Graden seiner Quantität beeinflussen, und zwar ausschließlich so; sprich: Durch den Umstand vermögen wir keineswegs zu bestimmen, wer das Wesen ist.
Der laboratorische (ideale) Umstand bringt laboratorische Ergebnisse hervor; und der Umstand, der keineswegs angemessen ist, macht aus dem Ergebnis etwas Minderwertiges, Schwaches oder Geplagtes, falls der Umstand aus Plagen und Notfällen (wie etwa Krankheiten) besteht.
Wenn es in der Nacht regnet und am Tage die Sonne scheint und der Rebstock an einem Südhang in vulkanischer Erde steht, so bringt derselbe Rebstock Trauben hervor, die sich von denjenigen unterscheiden, wenn es am Tage regnet und keinerlei Sonne scheint und die Temperaturen in der Nacht sinken … Was jedoch das So-Sein der Traube als Traube und als rote Traube anbelangt, so verändert sich dies gemäß diesem Umstande keineswegs, es sei denn in den Graden dieser Farbe und in den Graden der übrigen Bestandteile sowie der Form der Dolde und der Anzahl ihrer Beeren und dem Zuckergehalt in ihren Trauben.
Im Ergebnis lässt sich mit absoluter Bestimmtheit sagen, dass eine jede Veränderung in der Kainuna unweigerlich zu einer Veränderung im Werden führt.
Wenn wir in den Programmen des Staatssystems verändern, das sich auf den realen (buchstäblichen) Sozialismus stützt, und versuchen, etwas zu tun, das dem Prinzip der absoluten Gleichheit widerspricht — wie es beispielsweise im (Sowjetreich) geschah —, so bricht der Staat zusammen, ganz so wie das Sowjetreich zusammenbrach.
Das Sowjetreich brach keineswegs zusammen, weil die Idee des freien Marktes gesiegt hätte, sondern aufgrund der Veränderung einiger Prinzipien und ihrer einfachen Beziehungen, die versuchten, die Idee des freien Marktes in die Programme dieses Staates einzuführen.
Ich sage stets, dass der Beweis oder der beste aller Beweise das Ergebnis ist, das wir derzeit erblicken: Hätte der freie Markt tatsächlich gesiegt, so wäre es keineswegs zu dieser Oligarchie gekommen.
Doch dieses Ereignis rief eine präzedenzlose Euphorie in jenen Staaten hervor, die sich ursprünglich auf die Idee des freien Marktes stützen; und sie begannen zu wähnen, dass diese (Idee auch dann wirken werde, wenn das Öffentliche privatisiert wird, dass die Privatisierung die Ausgaben und die Anzahl der Angestellten verringern werde und — wie die Verteidiger dieser Idee nach wie vor sagen — aus einem jeden Bürger einen Investor machen werde?!).
Demjenigen, der auf solche Weise dachte, kam wie es scheint keineswegs in den Sinn, dass die unsichtbare Hand, welche den freien Markt bewegt, die Idee des Gewinns selbst ist. Und dass der Gewinn dort, wo Konkurrenz unmöglich ist, als Programm unweigerlich das Monopol erzeugt — sprich: den Schaden des Verbrauchers und seine Beeinträchtigung, ganz im Gegensatz zu dem, was der Gewinn im freien, privaten Markt bewirkt, wo Konkurrenz und Pragmatismus walten … Der Besitzer der Sockenfabrik weiß wohl, dass er seine Socken fortwährend verbessern muss, um weiterhin ihr Erzeuger zu bleiben und seinen Lebensunterhalt wahrhaftig daraus zu erwerben.
Vierundfünfzigster Teil
Gewisslich: Ohne das Eintreten von Veränderungen, Wandlungen und Mutationen existierte keinerlei Leben und nicht einmal der Kosmos selbst; und der Kosmos verbliebe — sofern man an die Evolutionstheorie glaubt (und ich ziehe sie gewisslich anderen Theorien vor) — in einem einzigen Zustande: aller Wahrscheinlichkeit nach im Zustande eines einzelnen Wesens, das keinerlei Beziehungen besitzt. Es riefe oder dächte: „Ich … Ich … Ich“; und es verbliebe aus einem einzigen Teile bestehend, der sich nicht einmal mit sich selbst gleichzusetzen vermag …
Dasjenige, was derzeit geschieht, besitzt keinerlei Beziehung zum notwendigen Wandel; denn in jenem Wandel, den ich beobachte, tritt ein Widerspruch im eigenen Wesen des Entitäts-Sektors auf — wie etwa beim Wesen der Gesundheit oder bei all den Wesenheiten der Infrastruktur von Verkehr, Wohnen und Versicherungen.
Wenn in das Wesen der Gesundheit etwas eintritt, das nach Gewinn wirkt und an ihn denkt — sprich: mit ihm als Hauptprogrammen wirkt, als Maximen, die den Willen beherrschen —, so führt der stattfindende Wandel zu einem anderen Werden als demjenigen, das wir kennen (anders als das System der Gesundheit, das wir heutzutage beziehungsweise richtigerweise vor der Privatisierung kannten).
Das Wesen der Gesundheit wandelt sich heutzutage keineswegs mehr gemäß den neuen Gegebenheiten, Techniken und Umständen, sondern vielmehr gemäß den neuen Programmen.
Ich behaupte keineswegs, dass dieses Werden notwendigerweise schlecht sei.
Doch vermag ich gemäß anderen Erfahrungen zu urteilen, dass dasjenige, was geboren werden wird beziehungsweise was wir derzeit geboren werden sehen, keinerlei Beziehung zur solidarischen Versicherung besitzt; ist diese Letztere doch ein Wesen, das den Gewinn auf keinerlei Weise kennt, und nicht einmal das Betreiben von Geldgeschäften und das Investieren außerhalb des eigenen Systems selbst gestattet. Sie (die solidarische Versicherung) ist eine Idee, die seit jener Zeit existiert, da der Mensch begann, in Gemeinschaften zu leben und einander beizustehen und zu helfen …
Ihr Zweck ist der Dienst an der Gemeinschaft / am Öffentlichen, und zwar einzig und allein.
Das Geld, welches eine solche Versicherung besitzt, wirkt ganz so, wie die im Feuerwehrwesen angestellten Feuerwehrmänner und -frauen wirken: Sie warten auf den Brand, um ihn zu löschen. Sie befinden sich in fortwährender Bereitschaft und nutzen die verbleibende Zeit zu nichts anderem, als in einer der Zeit und dem Umstande angemessenen Bereitschaft zu verharren.
Wer heutzutage Entscheidungen trifft, versucht etwas Ähnliches zu tun: aus den Feuerwehren Unternehmen zu machen, die in der Wartezeit (wer jenen erwähnten Wandel anstrebt, nennt dies „die verlorene oder vergeudete Zeit“) produzieren — dass sie beispielsweise die Straße reinigen oder kleine Spielzeuge in Überraschungseier einbauen!
Was jedoch jene Versuche anbelangt, die unternommen werden, um dieses Wesen derart zu gestalten, dass es innerhalb der Gesetze des Marktes zu wirken vermag und so, wie es die Programme der Profitabilität erfordern, so sind dies Vorgänge, die jener Lage ähneln, wenn der Maler sein Gemälde durch Schrift zu erklären bedarf — indem er beispielsweise auf sein Gemälde schreibt: „Dies ist eine Banane“, und mit einem Pfeil auf jene Gestalt weist, die er auf demselben Gemälde meint.
Keineswegs nur in der Krankenversicherung wurden diese Versicherungen in Unterversicherungen aufgespalten, die das Spiel privater Unternehmen spielen, obgleich sie derselben Krankenversicherung angehören; dies geschieht ebenso in der Eisenbahngesellschaft, die zwar gänzlich staatlich verblieb, sich jedoch in Abteilungen aufteilte, die sich selbst mit verschiedenen Namen benannten.
Die Anzahl der Angestellten wird sich gewisslich um das Mehrfache vergrößern und sich später noch schneller weitervervielfachen; und niemand vermag dies aufzuhalten, solange das Programm des Gewinns als fundamentales Programm in die Programme des Öffentlichen eingetreten ist — bedeuten die Programme des Gewinns doch das fortwährende Anwachsen aller Bestandteile und Elemente.