91 Eine Spur
91 Eine Spur
Während Voldemort mit Bellatrix und den anderen eingeweihten über Sirius und die Pläne mit der Mysteriumsabteilung redete schritt Severus Snape durch Slytherin Manor.
Als er das Kaminzimmer betrat um zurück nach Hogwarts zu flohen traf er auf Lucius Malfoy.
„Severus, ich muss dich um einen Gefallen bitten“, sagte der Blonde.
„Worum geht es Lucius?“
Der Aristokrat rollte den Ärmel seines Umhangs hoch und zeigte seinem alten Freund die Narben, die er von seiner letzten Mission davongetragen hatten.
Seine Frau hatte ihm die Wunden so gut es ihr möglich war versorgt, aber die Narben konnte sie nicht verschwinden lassen.
Darum legte er seit diesem Auftrag immer wieder einen Glamour auf seinen Arm, um die Narben zu verstecken.
Wenn diese Narben jemand bemerken würde, würde das zu Nachfragen führen, auf die er nicht antworten wollte oder konnte, ohne sein Leben zu riskieren.
Snape betrachtete die Narben kurz und fuhr mit seiner Hand über diese.
„Fluchnarben?“, fragte er.
„Unser Lord befahl mir ihn zu begleiten. Um einen Durchgang zu öffnen, brauchte er Blut.“
Snape betrachtete die Narben näher. „Ich kann dir etwas geben, um das zu behandeln.
Ich habe alles nötige, dafür in meinem Büro in Hogwarts.“
Lucius atmete erleichtert auf. „Danke Severus.“
Die beiden nutzten den Kamin, um nach Hogwarts zu reisen, wo Snape unter einem Kessel ein Feuer entzündete, und begann aus seinen Vorratsschränken die verschiedensten Materialien zusammenzusuchen.
Lucius hatte sich auf einem Stuhl niedergelassen und beobachtete seinen alten Freund beim Brauen.
Snape war völlig auf seine Arbeit konzentriert. Als er schließlich alle Zutaten zusammengesucht hate und begann diese der Reinfolge nach in den Kessel zu geben, ergriff er das Wort.
„Wie ist das genau passiert?“, fragte Snape interessiert.
„Wie ich bereits sagte befahl mir unser Lord ihn zu begleiten.
Wir erreichten eine Höhle an der Küste. Kurz nachdem wir diese betreten hatten, standen wir vor einer Steinwand, die sich öffnete als unser Lord mir diese Wunden zufügte und mein Blut auf die Wand schleuderte.“
Snape hörte der Erklärung zu, während er braute. Das war etwas das er Dumbledore berichten konnte und auch musste.
Snape fragte seinen alten Freund weiter darüber aus was sich hinter der Wand in der Höhle befand.
Dadurch erfuhr er von dem weiteren Verlauf der Höhle und dem See, in dessen Mitte ihr Meister etwas aufbewahrte.
Snape verschob das Gespräch auf das Blut und die Narben. Lucius erzählte ihm das die Heilzauber, die er und seine Frau benutzt hatten, keine Komplikationen verursacht hatten.
Schließlich hatte er eine Tinktur fertiggestellt, die er seinem alten Freund reichte.
„Dreimal täglich auf die fraglichen Narben auftragen uns sie werden innerhalb von zwei Wochen verschwinden.
Sollte es zu Komplikationen kommen, zögere nicht hier her zu kommen. Blut ist eine Möglichkeit, um magische Barrieren zu öffnen, demnach sollte es dir keine Probleme verursachen, wenn du die Wunden behandelst.
Das einzige Problem ist der Fluch, den unser Lord verwendet hat, um dir diese Wunden zuzufügen.
Es sieht bis jetzt aus wie ein gewöhnlicher Schnittfluch.“
Lucius nahm die Tinktur entgegen und betrachtete sie.
„Das haben wir schon herausgefunden. Die wunden konnte ich direkt danach schließen, so weit wir aber wissen gibt es Flüche die ewige Narben erschaffen.“
„Daran erinnere ich mich“, murmelte Snape. Als ihr Lord das letzte Mal auf dem Höhepunkt seiner Macht war, hatten sie einige Personen in ihren Reihen, die solche Flüche nutzten, um Exempel an Widersachern ihres Lords zu statuieren, ohne sie zu töten.
Diese Narben konnte man weder mit einer Tinktur verschwinden lassen noch mit einem Zauber überdecken.
Jemandes Gesicht damit zu Zeichnen war mehr als Folter.
So weit die beiden wussten hatte einer ihrer Kollegen diese Flüche bevorzugt an den Kindern von Personen durchgeführt die politisch gegen ihre Interessen gestimmt hatten.
„Kannst du mir sagen, wo die Höhle war?“, fragte Snape wie beiläufig, als Lucius sich auf den Weg zu seinem Kamin machte.
„Nur das es an der Küste war, mehr kann ich dir nicht sagen und ich sollte es auch nicht.“
Lucius nickte zustimmend. „Ich weiß, nur damit ich die Zauber, die dort auf der Wand liegen analysieren kann, falls es doch zu Komplikationen kommt“, erklärte Snape.
„Danke Severus, aber es wäre unklug unserem Lord nicht zu gehorchen. Das ich dich in das hier eingeweiht habe könnte schon als Verrat angesehen werden, darum muss ich dich bitten das es vertraulich bleibt.“
„Natürlich alter Freund, bis zum nächsten Mal.“
Der Blonde verabschiedete sich und verschwand durch den Kamin. Snape wartete und dachte über das, was er gehört hatte, nach.
Der dunkle Lord versteckte etwas in einer Höhle hinter einigen Schutzzaubern, es musste etwas sehr Wichtiges sein.
Das Einzige, was er sich in diesem Bereich vorstellen konnte, war einer der Gegenstände die Dumbledore suchte.
Snape erschauderte bei dem Gedanken. Dumbledore war beim Versteck des letzten Gegenstandes verflucht worden.
Sein Leben würde wahrscheinlich in diesem Sommer zu ende gehen, wenn sie keine Heilung fanden.
Lady Magic allein wusste, wie der dunkle Lord die Höhle gesichert hatte.
Ein See voller Inferie und eine Wand, die mit Blut geöffnet wurde, konnten nicht die einzigen Hindernisse sein.
Wobei eine Armee aus diesen Untoten Kreaturen zu bezwingen für einen Zauberer alleine eine große Aufgabe war.
Lucius blieb wahrscheinlich von allem verschont, was dort zur Verteidigung vorgesehen war, weil er mit ihrem Lord dort war.
Die Schutzzauber und Barrieren würden diesen nicht angreifen und durch seine Anwesenheit konnte er verhindern das die Kreaturen Lucius angriffen.
„Oder warteten die Kreaturen auf etwas? Vielleicht werden sie erst aktiv, wenn man den Gegenstand von der Insel entfernt?“, überlegte Snape.
Immer noch über das gehörte nachdenkend machte er sich auf den Weg hinauf zu Dumbledores Büro. Diesen würde das brennend interessieren, das wusste er.
Immerhin war er immer noch ein Spion für beide Seiten.
Damit hatte er sein Leben gerettet, egal welche Seite am ende Siegreich sein würde, er war auf beiden Seiten unverzichtbar.
Der Schulleiter war in seinem Büro und schien bereits auf ihn zu warten.
Snape vermutete schon lange das ein Zauber oder eines der vielen Instrumente von Dumbledore ihn darüber informierte, wenn jemand oder aber wer die Treppe zu seinem Büro hinaufkommt.
Der Schulleiter saß hinter seinem Schreibtisch als Snape klopfte und von ihm hineingebeten wurde.
„Direktor, es gibt Neuigkeiten“, sagte der Meister der Zaubertränke ohne Umschweife.
„Severus, das sind hoffentlich gute Neuigkeiten. Worum geht es?“
„Im verlauf des Treffens hatte ich die Möglichkeit zu fragen, was es mit dem Angriff auf Borgin auf sich hatte.
Der dunkle Lord erklärte das er diesen Angriff selbst durchführte wegen einiger Gegenstände, von denen er dachte, dass sie sich im Besitz von Borgin befanden.
Ob er das gefunden hat, was er suchte, hat er nicht beantwortet.“
Dumbledore dachte über diese neue Information nach. Seines Wissens wurde nichts entwendet, zumindest nicht von dem was sich offiziell im Besitz des Mannes befand.
Es gab also wirklich die Möglichkeit das Borgin einen Horcrux in seinem Besitz hatte, oder aber Tom vermutete das er einen hatte.
Die Möglichkeit bestand also das jemand einen der Horcruxe gefunden oder aber einer seiner Untergebenen ihn verkauft hatte.
Es bestand nun die Möglichkeit das einer der Seelensplitter nicht mehr an einem Ort war, der mit Toms Vergangenheit in Verbindung stand, sondern nun wer weiß wo in diesem Land war.
„Danke Severus, das ist die Bestätigung für das, was ich mir gedacht habe… Gibt es sonst noch weitere Neuigkeiten?“
„Vom Treffen kann ich sonst nichts weiter berichten aber…
Ein alter Freund trat mit einem Problem an mich heran, bei welchem er meine Hilfe brauchte und ich denke das sie das interessieren könnte.“
Dumbledore sah ihn interessiert an und bat ihn mit einer Handbewegung weiterzusprechen.
„Der dunkle Lord hatte ihm aufgetragen ihn zu begleiten. Von dieser Mission trug er einige Narben davon, um deren Behandlung er mich bat.“
„Warum interessierst du dich für die Wunden von ihm? Sind sie ungewöhnlich oder besorgniserregend für unsere Seite?“, fragte Dumbledore.
Voldemort hatte sich in den ganzen Monaten zurückgehalten, darum glaubte er schon lange das dieser etwas Großes vorhatte.
Fluchnarben konnten problematisch sein und den Träger auch Jahre später noch schädigen.
„Nein Direktor, es geht um die Art und weise, wie er zu diesen Wunden kam.
Der dunkle Lord brachte ihn zu einer Höhle an der Küste, wo er das Blut nutzte, um einen Durchgang zu öffnen.
Tiefer in der Höhle befand sich ein See. In der Mitte von diesem liegt eine Insel, auf der der dunkle Lord etwas aufbewahrt, beschützt von einer großen Gruppe Inferie.“
Dumbledore konnte sich ein lächeln nicht verkneifen.
„Das sind gute Neuigkeiten, das grenzt die suche weiter ein. Hat er gesagt, wo genau sie an der Küste gelandet sind? Eine Ortschafft oder ein anderer Hinweis?“
Snapte verneinte dies.
„Das Problem ist, das die erste Verteidigung eine Wand ist, die Blut als Bezahlung verlangt. Niemand außer der Person, die den Zauber gesprochen hat weiß wieviel gebraucht wird.
Auch kann ich keine weiteren Angaben über die Verteidigung der Höhle machen. Der dunkle Lord war immer bei ihm und er wird die Schutzzauber so gewoben haben, dass sie nicht auf ihn reagieren.“
Dumbledore lehnte sich in seinem Stuhl zurück und dachte über diese Worte nach. Er musste seinem Spion zustimmen.
„Du meinst also das der größte Teil der Verteidigung nicht aktiv war? Das könnte durchaus sein, aber so wie ich Tom kenne, glaube ich das er daraus aus ist schmerzen bei den Eindringlingen zu verursachen.
Darum denke ich, das frisches menschliches Blut benötigt wird, um den Durchgang zu öffnen. Nur die Menge des Blutes ist uns nicht bekannt.
Ich denke das wir dieses Opfer durch einige Heilzauber umgehen können.
Die Inferie, sind hingegen ein weitaus größeres Problem. Wie viele sind dort?“
Snape überlegte einen Moment, während er sich daran erinnerte, was Lucius gesagt hatte.
„Das kann ich nicht beantworten, so weit er erwähnte hat er dort die Leichen von all den verschwundenen deponiert.
Es könnten über hundert sein.“
Diese Information stellte Dumbledore vor ein Problem. Inferie waren wiederbelebte Leichen. Es war kein Mord, wenn sie diese auslöschten, nur mussten Inferie vollständig vernichtet werden.
Das würde einen großen Aufwand bedeuten und mehrere Personen würden von Nöten sein, um dies umzusetzen.
Er hatte sich schon während des letzten Krieges gefragt, was aus den verschwundenen Personen geworden war.
Das Voldemort aus ihnen eine Arme Inferie erschuf hatte er allerdings nicht erwartet.
Die Leichen waren durch den Inferiezauber noch gut erhalten, so viel wusste er, aber wenn sie diese vernichteten dann würde man den Hinterbliebenen nichts mehr von ihnen zurückgeben können.
Wenn sie den Standort der Höhle ermitteln, könnten sie mit Hilfe des Ministeriums die Inferie vernichten, nur würde dann der Gegenstand, der dort versteckt ist, ebenfalls in die Hände des Ministeriums fallen.
Sie würden ihn bestimmt untersuchen und Fragen stellen.
Es war nicht gut, wenn bekannt wurde, warum Tom nicht gestorben war. Dumbledore wusste das Voldemort Untergebenen überall im Ministerium hatte und der Horcrux würde sehr schnell aus der Obhut des Ministeriums verschwinden.
Dumbledore faltete die Hände und überlegte weiter. „Gab es nicht eine Möglichkeit den Zauber umzukehren?“
„Direktor? Wie werden wir mit dieser neuen Information umgehen?“, fragte Snape.
„Ja… Severus ich brauche dein Fachwissen über dunkle Künste:
Der Inferiezauber, kann er umgekehrt werden? Wenn möglich wie und was brauchen wir?“
Die Armee zu entzaubern wäre eine Meisterleistung. Die entzauberten Leichten an ihre Familien zurückzugeben, würde seinem Ansehen in der Öffentlichkeit guttun.
Viele Familien hatten mit Verlusten zu kämpfen während des letzten Krieges und würden sich sowohl freuen als auch erleichtert sein ihre verblichenen endlich beerdigen zu können.
„Es ist ein komplexer Zauber und nicht mein Spezialgebiet. Ich bin mir nicht sicher, ob er aufgehoben werden kann, der einfachste Weg wäre es die Inferie zu verbrennen.“
„Erkundige dich bitte über diesen Zauber. Wenn möglich würde ich die toten Körper gerne unversehrt an ihre Familien zurückgeben.
Dies würde unseren Stand verbessern. Unsere Seite braucht mehr Unterstützer und das wäre etwas das uns in ein sehr gutes Licht rücken würde.“
Snape zog eine Augenbraue hoch. „Direktor, jede dieser Leichen, von denen es wohl mehr als hundert in dieser Höhle gibt wurde einzeln verzaubert.
Demnach muss auch jede einzelne von dem Zauber befreit werden. Das ist eine Aufgabe die Tage dauern wird und das auch nur wenn die Inferie nicht sofort angreifen, wenn sich jemand dem See nähert“, antwortete Snape schnarrend.
„Das erschwert die Sache, sind die Inferie an etwas gebunden? An den See, oder an einen Gegenstand, der sie am Leben hält?“
Snape verneinte diese Frage.
„Es wäre einfacher die Inferie zu vernichten oder aber sie gar nicht erst zu beachten.
Diese zum Leben erweckten Leichen erhalten nur einfache Befehle, sie können keine Komplexen Dinge ausführen.
Sie werden wahrscheinlich auf das auftauchen von Personen reagieren, auf das Anwenden von Magie oder aber das Entfernen eines Gegenstandes.
Natürlich steht außerfrage das sie auf Kampfhandlungen reagieren werden, oder es wird andere Zauber geben die einen Alarm oder eine Warnung an den dunklen Lord übermitteln, dass jemand die Höhle betreten hat.“
Dumbledore strich sich nachdenklich durch seinen Bart.
Den Aufenthaltsort der Höhle herauszufinden war nur eine Frage der Zeit. Er wusste das die Leiterin des Waisenhauses erwähnte, dass es bei einem Ausflug den sie vor vielen Jahren gemacht hatten zu einer Komplikation kam.
Tom und einige andere Kinder hatten eine Höhle ausgekundschaftet, nach diesem Vorfall waren die anderen Kinder traumatisiert gewesen.
Tom war der Einzige der Auskunft über das geben konnte was passiert war, aber dieser beharrte darauf, dass sie die Höhle nur ausgekundschaftet hatten.
Es könnte sich um diese Höhle handeln, zumindest wusste er um keine andere Höhle aus der Vergangenheit seines Widersachers.
Die Höhle hatte er bis her noch nicht ausgekundschaftet, um dort nach einem Horcrux zu suchen. Zum einen, weil er keinen genauen Standort hatte und zum anderen, weil es kein wichtiger Ort aus seiner Vergangenheit war.
Es war nur ein Beispiel, an dem er bewiesen hatte, dass er grausam war und seine Kräfte schon vor Hogwarts erkannte und sie einsetzte um andere zu verletzten.
„Ich werde mich dieser Sache annehmen Severus. Wenn ich weiß, wo die Höhle ist, werden wir weitersehen. Erkundige du dich aber über Inferie.
Ich möchte es trotzdem versuchen den Zauber zu brechen, ohne sie zu vernichten.“
„Ich werde sehen was ich tun kann Direktor“, antwortete Snape, bevor er sich erhob.
„Wenn ich etwas erfahre, werde ich es ihnen mitteilen.“
„Danke Severus.“
Der Zaubertrankmeister verließ das Büro, während Dumbledore an sein Denkarium trat und mit seinem Zauberstab in diesem rührte.
Nach wenigen Runden erhob sich aus dem Strudel der Erinnerungsflüssigkeit eine Stilette die die Gestalt einer Frau annahm und zu sprechen begann:
„Tom beteuerte das sie die Höhle nur ausgekundschaftet hätten, keines der anderen Kinder will uns erzählen was dort passiert ist.“
Die Frau verschwand wieder unter Dumbledores Blick in der Schale.
Mit einem Schwung seines Zauberstabs flog ein Buch aus einem der Bücherregale zu ihm und landete vor ihm auf dem Tisch.
Dumbledore öffnete dieses und blätterte es durch, bis er die Doppelseite fand, die er suchte.
Diese zeigte eine Landkarte. Das Waisenhaus in dem Tom aufgewachsen war, stand in einer Ländlichen Gegend. Die nächstliegende Küste war das wahrscheinlichste Ausflugsziel.
Die Küste war mehrere Kilometer lang und es gab dort bestimmt mehr als eine Höhle. Es galt also nur noch die richtige zu finden.
Magie hinterließ immer Spuren und diese konnte er aufspüren. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis er die Höhle mit dem Horcrux gefunden hatte.