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Snape triumphiert

Zoe Dumbledore Und Der Halblutprinz — www.fanfiktion.de · All chapters

Snape triumphiert

Zoe bewunderte Nevilles und Lunas Geduld, denn sie beantworteten Rogers und Ernies Fragen, ohne unhöflich zu werden. Sie selbst hielt sich mit einer kühlen Distanziertheit aus der Diskussion heraus und signalisierte ihr Desinteresse, indem sie unbeirrt aus dem Fenster blickte. Allmählich kam die Silhouette des Schlosses näher, doch noch bevor sie die beiden hohen Säulen mit den geflügelten Ebern passierten, wurde ihre Kutsche langsamer.

„Was ist los?“, fragte Neville verunsichert.

Zoe presste die Wange an die Scheibe, um besser sehen zu können. „Sieht so aus, als würden die Kutschen uns vor dem Tor ’rauslassen“, stellte Zoe fest. „Und da sind Leute.“

„Todesser?“, erkundigte sich Luna in einem Tonfall, als würde es sie erfreuen.

„Eher nicht“, antwortete Zoe, die erkennen konnte, wie zwei Männer die Türen der Kutschen öffneten, um die Schüler hinauszulassen. „Sieht so aus, als würden sie nach etwas suchen.“

„Oder jemanden“, meinte Ernie und reckte nun ebenfalls den Hals.

„So ein Aufgebot gab es nicht einmal damals, als Black ausgebrochen war“, murrte Roger.

Der Klang von Sirius’ Namen versetzte Zoe einen Stich im Herzen und sie lehnte sich zurück.

„Ich schau mal nach.“ Roger erhob sich und öffnete die Tür.

„Sitzen bleiben!“, ertönte es von draußen. „Ihr kommt gleich dran.“

Eilig schloss der Hufflepuff die Kutschentür und Ernie grinste breit. Ein paar sorgenvolle, ängstliche Minuten saßen sie stumm in der Kutsche und warteten darauf, an der Reihe zu sein. Dann öffnete jemand von außen die Tür.

„Jetzt darfst du, Junge“, sprach ein Mann und hielt ihnen die Tür auf. „Nehmt euer Gepäck mit!“

Sie gehorchten und kletterten der Reihe nach aus der Kutsche. Im Vorbeigehen erkannte Zoe das Wappen des Ministeriums auf der Brust des Mannes und auf der Plakette darunter stand: Jeremy Proudfoot, Auror.

Sie sah nach vorne, wo Vincent, Gregory und Blaise zusammen mit Filch und neben einem weiteren Auror warteten.

„Nicht gegen die Mauer lehnen“, fuhr einer der Auroren Blaise an, „es sei denn, du willst eine gezinkt bekommen.“

„Was ist mit ihr?“, wollte Blaise wissen und trat einen Schritt von der Schlossmauer weg.

„Anti-Eindringlings-Flüche“, erwiderte der Ministeriumsangestellte knapp.

„Das sind zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen“, flüsterte Zoe Neville und Luna zu.

Ein schriller Piepton durchdrang die kalte Nachtluft, in der Zoe allmählich zu frösteln begann.

„Hey du“, grummelte die bekannte Stimme von Filch, „Koffer aufmachen!“

„Warum?“, erwiderte Vincent verärgert.

„Aufmachen!“, verlangte der Auror mit Nachdruck.

Während Zoe mit den anderen näher herantrat, konnte sie erkennen, wie Filch mit einem langen Stab Vincents Koffer durchsuchte. Das schrille Piepen ertönte wieder und schließlich zog der Auror einen kleinen, vertrockneten Klumpen unter der Kleidung hervor.

„Was ist das?“, krächzte Filch.

„Ein Schrumpfkopf!“, erwiderte Vincent grob. „Was is’ schon dabei?“

„Die sind verboten“, spie der Hausmeister aus und ruckte mit dem Kopf zu einem Karren, der bereits mit allerlei Plunder gefüllt war, und der Auror warf den Schrumpfkopf dazu.

„Das können sie nicht!“, protestierte der Slytherin. „Das ist meiner!“

„Und ob ich das kann, Bürschchen! Verboten heißt verboten!“, gab Filch zurück. „Der Nächste!“

„Ich lass mir einfach einen neuen schicken!“, giftete Vincent, während Filch Gregory absuchte.

„Dann tu das ruhig, Bürschchen“, forderte Filch ihn mit einem genugtuenden Grinsen auf, „die Eulen werden fortan ebenfalls durchsucht. Der landet auch wieder auf dem Müll. NÄCHSTER!“

Zoe beobachtete, wie Neville von dem Auror mit dem Namen John Dawlish mit einem langen, schmalen Gegenstand abfuhr. Dann tat Filch das Gleiche bei ihr.

„Was ist das?“, fragte Zoe neugierig und folgte den Bewegungen des Hausmeisters.

„Geheimnis-Detektor“, sagte der Auror mit dem Namen Dawlish, als Filch sie ignorierte.

„Rein“, grummelte der Hausmeister beinahe verärgert. „Nächster!“

Sie reihten sich in die langsam voranschreitende Masse ein und betraten ein paar Minuten später die Große Halle, wo sich die Schüler an den vier Haustischen verteilten. Zoe verschwendete keinen Gedanken daran, zu den Slytherins zu gehen, sondern folgte ihren Freunden an den Gryffindor-Tisch.

Nach und nach füllten sich die Plätze, und in der Luft vermischte sich das aufgeregte Geschnatter der Schüler mit dem Scharren von Füßen auf Steinboden und dem Knarren der Holzmöbel. Der Duft nach Herbstregen, der noch an den Umhängen der Neuankömmlinge hing, zog durch die Halle. Erst als die letzten Schüler eingetreten waren, schlossen sich mit einem dumpfen Dröhnen die schweren Eichentüren.

„Wo ist Harry?“, erkundigte sich Hermine sofort, als sie mit Ron zum Gryffindor-Tisch kam.

Zoe zuckte mit den Schultern.

Ihre Freundin zog die Brauen zusammen und verrenkte den Kopf, um ihren Haustisch abzusuchen. „Er war doch mit dir bei Slughorn und-“

„Danach hat er sich abgeseilt.“

„Abgeseilt?“, wiederholte Hermine. „Wie meinst du das?“

„Ich glaube“, sagte Zoe, „er wollte den Slytherins nachspionieren. Zumindest ist er Blaise unter dem Tarnumhang nachgegangen.“

„Oh nein“, jammerte Hermine und schaute zum Slytherin-Tisch hinüber.

„Habt ihr nichts Auffälliges bemerkt?“, fragte Zoe. „Ich hab gesehen, wie ihr den Zug durchsucht habt.“

„Das waren nur ein paar Abteile“, erklärte Ron. „Wir hatten sie unter uns Vertrauensschülern aufgeteilt.“

„Hast du Harry auch nicht auf dem Bahnsteig getroffen?“, hakte Hermine besorgt nach.

„Nein. Aber ich bin Tonks begegnet, sie wollte Harry suchen.“

„Tonks?“, wiederholte Ron verwundert. „Was macht sie hier?“

„Sie ist zusammen mit den Auroren Proudfoot, Savage und Dawlish in Hogsmeade stationiert“, zischte Hermine angespannt. „Hast du während der Besprechung heute Mittag geschlafen?“

„Sorry, ich hab halt nicht ununterbrochen zugehört“, schmollte Ron.

„Das solltest du aber, Ronald!“, meckerte Hermine. „Damit du deinen Job machen kannst.“

„Dafür hab ich doch dich“, erklärte Ron und verstummte, als der Schulleiter sich erhob.

Dann begrüßte Albus Dumbledore sie zum neuen Schuljahr und eröffnete im Anschluss die Zeremonie zur Einteilung der Erstklässler, die dem alljährlichen Lied des Sprechenden Hutes folgte. Zoe schenkte dem Spektakel kaum Aufmerksamkeit. Immer wieder sah sie hinüber zum Slytherin-Tisch, an dem Tracey, Daphne und Astoria zusammensaßen und ab und an miteinander flüsterten. Dann suchte sie den Tisch nach Theodore ab und entdeckte ihn zwischen Blaise und Draco. Er schien den Sommer über gewachsen zu sein und hatte auch etwas an Gewicht zugelegt, was seiner sonst so hageren Gestalt guttat. Doch den geborenen Nott inmitten von Dracos Clique zu sehen, überraschte Zoe.

Pansy saß zusammen mit ihrer Freundin Millicent zu Dracos Linken und blickte gelangweilt zum Podium auf, wo Professor McGonagall dem nächsten Erstklässler den Sprechenden Hut auf den Kopf setzte.

Da fiel Zoe zum ersten Mal auf, dass sowohl Professor Snape als auch Hagrid am Lehrertisch fehlten.

„Wo ist Hagrid?“, wollte sie neugierig wissen. „Holt er sonst nicht immer die Erstklässler ab?“

„Das hab ich mich auch schon gefragt.“ Hermine rutschte ungeduldig auf ihrem Stuhl herum.

Ihre Frage sollte bereits bald beantwortet werden, denn der Wildhüter kam einige Minuten nach Beginn der Zeremonie in die Große Halle. In seinen schweren Biberpelzstiefeln stapfte er an den Lehrertisch und bedankte sich mit einem knappen Nicken bei Professor McGonagall, die innehielt, bis Hagrid an seinem Platz saß.

Der Sprechende Hut rief schließlich auch den letzten verbliebenen Schüler zu einem Ravenclaw aus, woraufhin Professor McGonagall den Schemel und den Hut beiseiteschaffte. Währenddessen erhob sich der Schulleiter für eine knappe Ansprache und erinnerte sie eindringlich an die Schulregeln.

Im Anschluss erschienen die Speisen wie von Zauberhand auf den goldenen Platten und der Duft von gebratenem Fleisch und Gewürzen breitete sich aus. Das Festmahl war eröffnet.

Zoe schob das Essen auf ihrem Teller hin und her, brachte aber kaum einen Bissen hinunter. Ihr Magen fühlte sich zusammengezogen an. Hunderte von Kerzen schwebten über ihnen in der Luft und ließen das goldene Geschirr glänzen. Ihr Blick wanderte entlang der vier Haustische, blieb kurz an einigen Erstklässlern hängen, die aufgeregt plauderten, und schweifte dann weiter, bis das leise Knarren des Eingangstores ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.

„Da kommt Harry.“ Zoe ruckte mit dem Kopf in Richtung Eingang.

Der Gryffindor kam mit zügigen Schritten und schlammbespritztem Gesicht zu ihnen herüber.

„Wo warst-“, fragte Ron, der sich umwandte, doch dann stockte ihm der Atem.

Zoe erkannte auch sofort, warum. Das, was sie zuvor als Schlamm gedeutet hatte, war nun deutlich als Blut erkennbar. Hermine hielt sich an Zoes Arm fest und Harry ließ sich wortlos neben Ron nieder.

„Meine Fresse“, sprach der Rothaarige, „was hast du mit deinem Gesicht gemacht?“

Auch Ginny, Neville, Dean und Seamus sahen neugierig zu ihm herüber.

„Warum, was ist damit?“, wollte Harry wissen und schnappte sich einen goldenen Löffel, um sein Spiegelbild darin zu betrachten.

„Du bist völlig blutverschmiert!“, stellte Zoe angewidert fest.

Hermine zog bereits ihren Zauberstab und flüsterte: „Komm her. Tergeo !“

Harry schloss kurz die Augen, als seine Freundin das Blut mit dem Zauberstab aus seinem Gesicht sog.

„Danke“, sagte er dann. „Wie sieht meine Nase aus?“

„Normal.“ Hermine und musterte ihn eindringlich. „Was sollte mit ihr sein? Harry, was ist passiert, wir hatten furchtbare Angst!“

„Das erzähl ich euch später“, meinte Harry nur, der den Fast Kopflosen Nick kritisch beäugte, da dieser näher herangeschwebt war, um zu erfahren, was Harry widerfahren war.

„Aber-“

„Nicht jetzt, Hermine“, murrte Harry und schüttelte eindringlich mit dem Kopf.

Dann machte er sich rasch den Teller voll, um noch etwas vom Festmahl essen zu können. Kurz darauf erschien auch der Nachtisch und Zoe ließ sich von Hermine ein Stück Schokoladenkuchen reichen.

„Du hast jedenfalls die Zuteilung versäumt“, erklärte Hermine.

„Hat der Hut irgendwas Interessantes gesagt?“, wollte Harry wissen und nahm sich von der Siruptorte.

„Eigentlich nur, was er immer sagt …“, entgegnete Zoe und stocherte in ihrem Kuchen, „hat uns ermahnt, wir sollen uns im Angesicht des Feindes alle vereinen, du weißt schon.“

„Hat Dumbledore Voldemort überhaupt erwähnt?“

„Noch nicht“, antwortete Hermine ernst, „aber seine richtige Rede spart er sich ja immer für den Schluss der Feier auf, oder? Die kommt jetzt sicher bald.“

„Snape meinte, Hagrid sei zu spät zur Feier gekommen-“, erzählte Harry.

Plötzlich wurden sie alle hellhörig.

„Du hast Snape gesehen? Wie das?“, wollte Ron wissen, während er ein Stück Schokoladenkuchen verschlang.

Harry mied deutlich den Blick zu Zoe. „Hab ihn zufällig getroffen.“

„Hagrid kam nur ein paar Minuten zu spät“, berichtete Hermine. „Schau mal, er winkt dir, Harry.“ Sie machte eine kurze Pause und fragte dann: „Was wollte eigentlich Professor Slughorn?“

„Wissen, was wirklich im Ministerium passiert ist“, antwortete Harry.

Hermine seufzte. „Er und alle andern hier auch. Die Leute haben uns im Zug ständig darüber ausgequetscht, stimmt’s, Ron?“

„Tja“, bestätigte Ron. „Die wollten alle wissen, ob du wirklich der Auserwählte bist-“

„Sogar bei den Gespenstern wurde viel über dieses Thema gesprochen“, begann der Fast Kopflose Nick eine Unterhaltung mit Harry.

Zoe starrte geistesabwesend in ihr leeres Kelchglas, während um sie herum Stimmen durcheinanderwirbelten. Nick näselte ein wenig, als sei er beleidigt, und Ron warf eine bissige Bemerkung ein, die einige Lacher auslöste, doch Zoe hörte nicht hin. Sie bemerkte lediglich, dass der Geist mit wehendem Umhang davonglitt, während das Gelächter abebbte. Dann erhob sich ihr Großvater und plötzlich wurde es still in der Halle.

„Den schönsten aller Abende wünsche ich euch!“, sprach er fröhlich, begleitet von einer einladenden Geste.

Sogleich begann es in der Halle zu tuscheln, leise wie ein Schwarm aufgescheuchter Vögel. Als Hermine jedoch erschrocken flüsterte: „Seine Hand sieht ja wirklich schlimm aus“, senkte Zoe hastig den Blick und vermied es, ihrer Freundin in die Augen zu schauen.

„Kein Grund zur Sorge“, ergänzte der Schulleiter munter auf die Reaktion hin. „Nun … An unsere neuen Schüler – willkommen! An unsere alten Schüler – willkommen zurück! Ein weiteres Jahr, ganz der magischen Ausbildung gewidmet, erwartet euch und Mr Filch, unser Hausmeister, hat mich gebeten, euch zu sagen, dass Scherzartikel, die in einem Laden namens Weasleys Zauberhafte Zauberscherze gekauft wurden, ausnahmslos verboten sind.

Die Schüler, die für ihre Quidditch-Hausmannschaft spielen möchten, sollten – wie üblich ihre Namen bei den Hauslehrern hinterlassen. Wir suchen auch neue Quidditch-Stadionsprecher, die dies ebenfalls tun sollten.

Wir freuen uns, dieses Jahr ein neues Mitglied des Lehrerkollegiums begrüßen zu dürfen. Professor Slughorn …“

Er hielt inne, als Slughorn plötzlich vom Platz hochfuhr. Das Kerzenlicht spiegelte sich auf seiner blanken Glatze, und sein massiger Oberkörper verneigte sich knapp.

„… ist ein ehemaliger Kollege von mir, der sich bereit erklärt hat, seinen alten Posten als Lehrer für Zaubertränke wieder einzunehmen.“

Zaubertränke

Etwas in Zoe zog sich schmerzhaft zusammen. Starr vor Schreck richtete sie den Blick auf ihren Großvater. Einen Augenblick lang glaubte sie, sich verhört zu haben, doch das eine Wort hallte immer noch durch die Große Halle, wie ein Glockenschlag, der die Luft erzittern ließ.

„Zaubertränke?“, stießen Ron und Hermine gleichzeitig hervor, wandten sich um und betrachteten Harry. „Aber du hast doch gesagt-“

„Professor Snape indes“, fuhr der Schulleiter mit lauterer Stimme fort, um das Getuschel zu übertönen, „wird der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste.“

Die Bekanntmachung traf Zoe wie ein Eimer eiskalten Wassers, den man ihr über den Kopf gegossen hatte. Mit vor Überraschung offenstehendem Mund sah sie fassungslos zu ihrem Großvater hinauf.

Er hatte Professor Snape die Stelle für Verteidigung gegen die dunklen Künste überlassen?

Jetzt doch?

Obwohl er wusste, dass sich seit Jahren kein Lehrer länger als ein einziges Jahr in diesem Fach behaupten konnte?

Dass es regelrecht so erschien, als sei dieser Posten verflucht.

Was hatte ihn nur zu dieser Entscheidung bewegt, wo er doch, seit Zoe denken konnte, Professor Snapes Bitten um diese Stelle abgelehnt hatte.

Das überraschte Stimmengewirr, das sich im Saal verbreitet hatte, ebbte allmählich ab. Schließlich riss Harrys Stimme Zoe wieder in die Gegenwart.

„Also, einen Vorteil hat es“, grummelte er. „Am Ende des Schuljahrs ist Snape weg.“

„Was soll das heißen?“, erkundigte sich Ron, doch Zoe wusste genau, worauf ihr Freund anspielte.

„Dieser Job ist verhext“, sagte Harry grimmig. „Keiner hat es länger als ein Jahr geschafft … Quirrell ist sogar dabei gestorben. Ich persönlich drück die Daumen, dass noch einer stirbt …“

„Harry!“, rief Hermine geschockt aus und wandte sich unmittelbar zu Zoe um, deren verzweifelte Verwirrung sich augenblicklich in Wut verwandelte.

„Das wünschst du dir, ja?“, fuhr sie zornig ihren Freund an.

„Ja, das wünsche ich!“, giftete Harry nicht minder wütend zurück. „Wegen ihm ist Sirius tot!“

Dieser Satz sollte sich für immer in ihr Hirn einbrennen.

„Das ist nicht wahr“, widersprach die Slytherin heftig. „Er starb, weil … weil er uns beschützen wollte … und … weil … wir uns erst selbst in Gefahr gebracht haben …“

„Also gibst du mir die Schuld daran, ja?“ Harry sprang auf.

Professor McGonagall, die am Lehrertisch gerade mit Professor Flitwick gesprochen hatte, hob den Kopf und beobachtete den Gryffindor-Tisch mit einem scharfen Blick.

„Niemand hat Schuld!“, betonte Hermine rasch und stand auch auf, um den Gryffindor zum Setzen zu bewegen.

Doch Zoe, die nun vor Wut, Trauer und Verärgerung zitterte, erhob sich ebenfalls. „Wir hätten auf Hermine hören und uns Hilfe holen sollen!“

„Hilfe von einem To-“

„POTTER!“ McGonagalls Stimme durchschnitt Harrys Wort, als sie bereits auf dem Weg zum Gryffindor-Tisch war.

Erst jetzt wurde Zoe bewusst, dass es in der Großen Halle inzwischen mucksmäuschenstill geworden war. Alle schauten gebannt zu Zoe und Harry herüber. Doch noch bevor Professor McGonagall sie hätte rügen können, machte Zoe auf dem Absatz kehrt und rannte aus der Großen Halle hinaus.

Eilig lief sie hinab, hinunter in die Kerker. Als sie vor der verschlossenen Mauer ankam, schlug sie schreiend und tobend mit den Fäusten dagegen. Schrie zornig und verzweifelt, bis sie plötzlich erschauderte. Etwas unangenehm Kaltes war einfach durch sie hindurchgeglitten. Nach Luft schnappend wandte Zoe sich um und erkannte den Hausgeist von Slytherin, der sie mit einem stierenden Blick musterte.

„Das Passwort“, verkündete er grimmig und mit einer eisigen Stimme, „lautet ‚Parselmund’.“

Die Mauer zum Gemeinschaftsraum tat sich auf und Zoe wich unwillkürlich einen Schritt davon zurück. Als sie sich wieder umwandte, war der Blutige Baron bereits entschwunden. Doch das war der Sechzehnjährigen auch gleich. Ohne Umschweife rannte sie auf direktem Weg in den Mädchenschlafsaal, warf sich aufs Bett und weinte. Weinte um Professor Snape, weinte um Harry und letzten Endes weinte sie auch um Sirius Black.

Erst als sie das Kratzen der Mauer hörte, das die restlichen Schüler ankündigte, riss sie sich zusammen und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, in der Hoffnung, die Spuren ihrer Tränen vor den anderen Mädchen zu verbergen.

Die Tür des Schlafsaales öffnete sich schon nach kurzer Zeit und zunächst kamen nur Daphne und Tracey herein. Zoe blieb jedoch reglos auf ihrem Bett liegen.

„Alles in Ordnung mit dir?“, fragte Daphne einfühlsam und kam zu Zoe heran. „Wir haben beobachtet, wie du mit Potter gestritten hast.“

Zoe nahm all ihren Stolz zusammen, setzte sich auf und hoffte, dass das diesige Licht im Schlafsaal ihre geschwollenen Augen verbergen würde. Den besorgten Gesichtern ihrer Freundinnen zu folgen war dies nicht der Fall.

„Ja“, log sie trotzdem, „hab’ mich nur ein bisschen zu viel geärgert, weil er ’was Blödes gesagt hat …“

„Willst du darüber reden?“, bot Tracey mit ernster Miene an und betrachtete sie skeptisch.

Doch Zoe schüttelte den Kopf und es folgte ein kurzes, betretenes Schweigen.

„Wie waren deine Ferien?“, wollte Daphne schließlich wissen, um das Thema zu wechseln, und setzte sich auf die Bettkante.

„Langweilig, wie immer“, antwortete Zoe nur. „Und bei euch?“

Die Reinblütige seufzte tief, bevor sie erzählte: „Anstrengend. Wir sind ja umgezogen und trotzdem waren Astoria und ich irgendwie ständig … unter Beobachtung . Aber immerhin haben Mum und Dad mit uns ein paar Ausflüge gemacht. Lief also besser als bei Tracey.“

Zoe schaute zu der Dunkelhaarigen, die auf ihrem eigenen Bett saß, und nickte.

„Meine Eltern hatten mich die ganzen Ferien über eingesperrt“, erzählte sie genervt. „Es war richtig ätzend.“ Sie machte eine kurze Pause und fügte vorwurfsvoll hinzu: „Du hast auf keinen der Briefe geantwortet.“

„Das stimmt“, gab Zoe schuldbewusst zu. „Ich habe tatsächlich niemandem geschrieben. Nicht mal an Hermine.“

Tracey und Daphne tauschten Blicke miteinander.

„Das hört sich so an, als würde es dir nicht gut gehen“, schloss Daphne besorgt.

Zoe zuckte mit den Schultern und zwang sich zu einem Lächeln. „Nützt ja alles nichts, oder? Immerhin hat das Ministerium inzwischen die Augen aufgemacht und die Leute mit der Wahrheit konfrontiert …“

Die beiden Mädchen nickten und schwiegen für ein paar Sekunden.

„Willst du uns sagen?“, fragte Tracey schließlich, „was ihr im Ministerium erlebt habt?“

Zoe schüttelte sofort den Kopf. „Nein, ich möchte nicht darüber reden“, erklärte sie schlicht. „Nicht jetzt … vielleicht irgendwann einmal …“

Gelächter aus dem Gemeinschaftsraum drang zu ihnen herein. Daphne fixierte neugierig die Tür.

„Pansy und Draco sind jetzt ein Paar“, erzählte Tracey plötzlich, um das Thema zu wechseln. „Sie hängt ununterbrochen an seinem Umhangszipfel.“

Das entlockte Zoe tatsächlich ein Grinsen. „Dann haben sich all die Jahre der Anbetung also endlich ausgezahlt“, stellte sie schmunzelnd fest.

Ihre Freundinnen kicherten.

„Blaise hat auch eine neue. Eine hübsche Fünftklässlerin aus Ravenclaw … Wie hieß sie noch gleich, Tracey?“

„Lacey“, antwortete die Halbblütige etwas schwermütig.

„Ah, genau.“

„Was ist mit deiner Schwester?“, wollte Zoe wissen. „Geht sie noch mit diesem Jacob aus?“

Daphne schüttelte den Kopf und wirkte dabei auch ein wenig erleichtert.

„Das hat nicht lange gehalten“, erklärte sie. „Ich glaub, das hat Astoria nur aus Trotz gemacht, um unsere Eltern zu ärgern … Aber in den Ferien hatten wir eine intensive Unterredung mit ihnen und … nun ja, sagen wir, wir haben die Fronten geklärt.“ Daphne schmunzelte kurz. „Mum hegt die Hoffnung, dass durch den Umzug nun alles entspannter wird. Dad hat auch schon seit zwei Wochen seine neue Stelle in Lormont angetreten und, ja, es dauert wohl, bis sich alles ein wenig normalisiert hat.“

„Aber das hört sich doch ganz gut an“, meinte Zoe zuversichtlich.

„Wird es bestimmt“, betonte Daphne, „warten wir es ab.“

„Mehr können wir im Moment wohl alle nicht tun“, sprach Tracey und ließ die Beine baumeln. „Warten und Däumchendrehen …“

Wieder legte sich nachdenkliches Schweigen über die Drei und schließlich war es Tracey, die erneut ein Gespräch anregte, indem sie sich erkundigte: „Was ist mit der Hand deines Großvaters geschehen?“

Zoe hob den Kopf und antwortete: „Ich weiß es nicht genau. Er wollte es mir nicht erzählen.“ Als sie Daphnes fragenden Blick auffing, fügte sie hinzu: „Ich fand ihn eines Abends im Büro mit dieser Verletzung vor.“ Die Dramatik hinter diesem Ereignis behielt sie mit Absicht zurück. „Und scheinbar heilt es nicht mehr ab.“

„Sieht ziemlich übel aus“, bemerkte Daphne.

„Furchteinflößend“, ergänzte Tracey ernst.

„Hm … ja“, gab Zoe zu, „er scheint noch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.“

Sie schwiegen kurz, dann nahm Tracey erneut das Wort auf.

„Habt ihr den neuen Lehrer gesehen? Es heißt, er habe ausgewählte Schüler in sein Abteil geladen.“

Zoe seufzte theatralisch und ließ sich auf ihr Bett sinken.

„Ich war auch dabei“, gab sie zu.

Ihre Freundinnen machten große Augen und schließlich erzählte sie ihnen von dem Erlebnis. Danach saßen sie noch eine ganze Weile über einem Berg von Süßigkeiten zusammen, den Daphne aus ihrem Koffer schüttete, und diskutierten die typischen Teenagerthemen.

Und für diesen kleinen Moment lang fühlte Zoe sich plötzlich wieder wie ein ganz normales Mädchen.